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ANNA LB.Nv; 



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P H T S I K. 



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HERAUSGEGEBEN 



1ro^f 



LUDWIG WILHELM GILBERT, 

raOF£SSO& der PHYSIK und CHBSCIB 2U HAlLLB, 
ü2fD MITGLIED OKU GESELLSCHAFT NATÜHl''. Plli:ÜAD£ IlT BARLIK« > 
DER BATAVI8CUEN aB8£Ll.8CHXFr D. WIS8E1« SCHÄFTEN XU HAABLEM» 
V. OER IfATUAWISSBNSGH. SOClETATEiSf ZU HALLE, GÖTl'lNOE)!, 
OAÖNINOEN« JENA, MAINE» MANSFELD U. POTSDAM. 



ZWANZIGSTER BAND. 



ITBBtT DAS! KUPFERTAFELN. 



HALLE, 
i8o5. 



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INHALT. 



JjiUrgang ][8o5? Bancf !^^ 

oder 
i^wanzigftcr Baijd^ -r Erftes Stück. 

X, Bericlit Biot'fi Von einer aeroßatifcben Reife, 

. welche Gay-Lüffac und er am 24ßen An* 

guß 1804 unternommen haben ;^ abg^ft. der 

math. phyf. Kiade des National« Inftituts ttn 

27rten Auguft Seite 1 

]J. Bericht Gay-LüEf.ac's von fj^iniir aerofiad-* 
fi^l^^n Ileiüb, am i6tcin Sept. i8p4; T^rgß- 
lefen in der piatb.-phyr. l^aCTe^ des Nation - 
Infdtiits am i%n October 19 

III. Verfuch über die eudiometriTchcn Mittel, urf 

über das Verhältnifs der BeftandtHeile; der A- 

xnorpbäre, iFon Aliex« v^oa Humboldt unl 

J. F. Qay-Lüffac; vorgelefen i^i der erljtei 

KJaHe des Nat.-Inft..am siAen Jan. i8o5 38 

X. Ben;i«rkung<en ü\)er e^pige eudiometrifpbe AUtt^l: 

die Schweielalkallen , 4^ 

das WalTerßpifgas 49 

(t* Kann WalTerAoITgas oder Saucriloffgas beim 
Drtoniren beider mit einander vollHäiidig ftb- 
forblrt werden? 5* 

b\ lll d«8 Frodttkt ikrer Yarbiodung conüant? 67 



\ 
I 



' #. NacK welcbra» Verliälrpifs Vei1bincl«n fie fiek 

2U WalTer? ~ Seite 6j^ 

d. Gränze.der Fetler in Volta*i Eudiometer 76 
S. Zerlegung der atmorphärirchen Luft im Voltaifchen 

Eudiometet S^ 

IV. Einige Bemerkungen zu dem vorfiehenden 

Auffatze von Berthollet . ^3 

V/ Bildung von WaCfer durch blofsen Druck, 
und Bemerkungen über die Natur des ele- 
ctrifchen Funkens, von Biot ^j 

.VL Bericht des Herrn Akademicus Sacharow 
an die kaiferliche Akademie der WilTenfchaf« 
ten zu Petersburg, über die Lufti^hrt, Viel- 
ehe er zu Folge ihres Auftrags in Begleitung 
des Phyficu^ Röbertfon am Soften Junius ' 
ifi<»4 unternommen hat ic^ 

Nachfchrift des Herausgeberg ia5 

VII. Bix neuies nierk\irürdiges Saitenisifirumenfc 128 

. Zweites Stück* 

I. Ueler die Natur der LuFt,. welche man aus . 
d?ra Waffer erhält, und über die Wirkung 
d»s Waffers auf rein« und auf vermifchte 
Äsarten, von Alex, von Humboldt und 
X ll'« Gay* Lüffac 109 

II; ^^r^uche über die Gasmenge, "welche das 
Vaffer nach Verfcbiedenheit der Tempera- 
tur und , nach Verrcbiedenheit des Drucks 
abforbirt, von Will. .Henry in Man«- 
eheßer / 147 

Nachrchrifc des Herausgeber» 166. 

UI« Unterfuchungen über die Abforpüon der 
^ Gasarten dujrcb Waffer, von F. Berger in 
lGfenf| ausg^audg^B vom Herausgeber : 168 



IV. Untief fucliuiigen über die" ynanrie^. >wt1ch« 
SuTclä die Sonnenftrahlen erzeugt wird, vom 
Grafen ron Rumford; überfetzt aus ' der 
franz. Handfchrifti Tom Dr. Friedländer 

in Paris Seite 177 

V. Ueber die Varietät des Corindons, u^elche 

man Siernßein (Aßerie) nennt, von H. 
Hauy,« aus der Handfchrift des Verf. über« 
fetzt 187 

VI. Profil des Alpingebirges zwifcben Wien und 
Trieft und von Trieft bis Salzburg, aus den * 
ßeifebeobachtungen des geheimen Oberberg« 
ratbs Karften in Berlin, im Sept. 1804 igS 

Vil. Höhen in und längs 4er Alpenkeite» ^ei- 
che Oefierreich von Steiermark trennt,, nach 
den -Barometermeffungen Sr. königl. Hoheit 

des Erzherzogs Rainer 21S 

■•. • . • . 

VIII. Erfteigung und.iyielTting der Orteies ^ Spitze, 

der höchfien in Tyrol; veranla&t durch Se. 
königl. Ho)ieit den Erzherzog Johainn 210 

IX. Der 6lockner 325 
und die Zinkhütte zu Döllach 202 

•1 ■ - 

X. Detonation bei einisjm Hobofea sl6b 
XL Zufatz zu AufTatz VI ^ jßi d 

Drittes Stück. 

L Ueber die Variationen des Magnetismus der ^r* 
dein verfchiedenen Breiten , von den Herren 
▼ on Humboldt und Biot. Vorgelefen von 
Biot in der math. -phyf. Klaffe des Nat.*Inft. 
am i7ten Dec^mber 1804 ^5j 

Tabelle über die beoHacIiieten magnetifchen Inteafitätea 
Und «bär cÜa l^eobadbteton Inclinatteacfi, v^fl^ 



^«n mit ^4,11 berecVnetea , f. in d<?jr »o^Aickeii«. 

a. in der rü.dUiclieu inagnetirckon Hemifjihäre Sei^e 294 

H. AVeifses Licht von fchwirzen Pignoenten; ein 

Paar Vcrfuchc, vom M. Lü dicke in MeiCsei^ 299 

' ni. Uebcr Identität des Liebt* und Wärm^Aoffk, 

von HerrhP recht! in Brunn oo5 

» 
\y. Ueber die VerCcbiedeivheit in d^.n ^rkungen 

der Electricität und der Hitze « von Be^- 

thollet ' 334 

y. Einige Epm^rkungen gegen Folgerungen, wel- 
c]ie Herr Peron aus feinen Verfucben über 
die Temperatur des MeeurwafTers zieht, von 
Leopold von Buch. Aus einem Brief« 
an dei< Herausgieber«' getohri^ben (luf einc^ 
Reifenach Italiöta * ^ ' ^ 341 

\lf Fortgefetzte Beobachtungen über die irdjjfche 
Strahlenbrechung« vomJDr. H. W. Brandes. 
A)J5 einem Schre^ben^h dieii Herausgeber- 34Cr 

\ ' ■ ■ ■ 

y^I Einige, Q^n\erlsvingcn über IlTolatoren. A^s 
einem ;Schrciben des Herrn Predigers Marc- 
chaux an den Herausgeber ~ ' 354 

r 

YW« Vorläufige Anzeige der Puchhändler Le- 
vrault und Sch<>el, die Werke betreiFend, 
•i;trelche Herr Alex. vb4 H.umUol.|lt üfeej^ 
feine Reife nach Amerika in ihrem Verlage 
herausgeben wir^.. 3£l 

Yiert^^ Stück. ' 

L Ein^;e neue V^rfucbe, welche beweijüen/ d^ff 
die Temperatur, l>«ii'der die Qicbtigkeit des 
Waffers am gröfsten iil, mehrere TJbermoii?^ 
tergrade übei: dem Fxofipunkte liegt, vom 
Herrn Grafen von Rumford in MüncbeUi 



Viceprftfidenten der fondner Akademie,^ ans- 
« wärtigem Mitgliede des iiat^-InlL^ M.'L yit. 

• . Seite 3^gf 

II. VeranderungjBn der DichngKeit des WalTers in 
Temperaturen zv^ifchen o® und 20^ des nuh- 
derttheiligen Thei^mometers, vom ProfeCTor 
Hälißröm in Abö 384 

IIL Einige Thatfaclien) die. Frage betreffend^ bei 
welcher Tetnperatur die Dichtigkeit des Wat- 
fers am gröf&ten ifi^ vom FrofeCCor D alt oh 
in MancheKer , 892 

IV. Unterfuchungen über die Ausdehnung des 
Queckfilbers durch di« Wärme, vom Prof. 
Hällßröm in Abo 397 

V. Hauptfächliche Erklärung eines pneumatirchen 

Paradoxon, vom CommiUionsrath Buffe im 
Freiberg 404 

Vi. Krilifchc Bemerkungen, Geg^enllände der Na» 
turlehre betreffend , gefcbrieben während fei 
jies Aufenthalts in Deutfchland , von Ri* 
chard Chenevix, £54,, Mitgl. der londn. 
Societät, der irifcben Akademie der Wiffen« 
fchaften, u. f. w. 
Yorerinnerung der Herausgebers ^ij 

I. Bemerkungen über ein Werk, welche» S^n Titel 
führt: üyiaterialien zu einer Chemie de.s neunzehn« 
ten Jahrhunderts, herausgegeben Tom Dr. Oer« 
liedt in Kopenhagen /j5a 

3« Bemerkungen» reranlafst durch einen Auffat« des 
Dr. Chr. Sam. Weifs, der in cicr deutfchen 
Ueberfetzung Ton Hauy's Mineralogie durch den 
geh. Oberbergrath Kar flen abgedruckt ili 459 

5. Ueber die reine Thonerde von Halle 495 

4« Einige Bemerkungen über eine toq Herrn Klap^ 

r«vh (eäufsert« VvrmuttiuD^ 4^ 



VIL Antwort an H«rrn Cbenevix, Ja Belxtß 
feinet Beinerkungen, TeranlaCst idui^oh ^inen 
Auflatz des Dr. W e i fs in der deutfchen Ue- 
berfetzung von Jlerrn Hauy's Mineralogie, 
. Yom geheimen Oberbergrath Karßen in 
Berlin Seite 497 

VIIL Auszug aus einem Briefe an; den Heraus- 
geber, vom Herrn Commiflionsrath Buffe 
in Freiberg. 

(UnterDiclmiigea über die Elailicität dies WaHers und 
über den« Stofsheber. Tod des BergbauptmtnnS 
Tem Charptntier) 504 



< J 11 I I I I f ■ I !■ !■ ■- '«Htl ..L. 



ANNALEN D£R PHYSIK. 



JAHRGANG i8o5, FÜNFTES STUCK. 



( 



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BERICHT BiOT's 

#ön einef aeroßatifchen Reife^ welche 
Gay ' Lüffa-c und er am Q.^ßen Aiig. 
'-. lBo4 unternommen haben, 

'^abgefiattet der matk. »phy/. Klaffe des National' Inftituts 
,• ani ayften Auguft 1804.) *) 

l3eitdem ^. leicht und einfach ift, Aeroftaten in 
Gebrauch zu {etzeni war es ein Wunfch der Pbyfi? 

• 

*) Bearbeitet nach den Auszügen aus diefem Berichte 
itß. Moniteur und im Joum» de Phyf,^ t, Sg, (Vcn- 
dein;, An 12,) p. 3i4* Erßem findet man in 
Voigt ^8 Magazin, B. 8) S. 362, doch nicht durck* 
gehends richtig und TerlUndlicb überfetzt. Letetern 
befefaHeCtt Delam^therie mit Folgender Bemer- 
kung ; t, Ich habe hier einen etwas umftändlichen 
Aaszug mitgetheilt) weil ich Raubte , dafs die Le« 
fer nachfo vielen Berichten von LnPireifen, aus de- 
nen man nichts lernt, an dpiti beiehrönden und 
völlig znTerlätfigen Detail des gegenwdrtigeil Be- 
richts Gefchmack Enden würden^ uad loh habe 

Annal.d.Pby&k. S.ao. 4i(»i. J^iftoi^. St. ^. A 






C « 3 

ker, fie ^u Beobachtungen- genutzt zu febeRf wdch» 

fordern, dai's mau fich zu beträchtlichen Höhen 
weit über die irdifchen Gegenftähde erhebe. Das 
Minifterium des Herrn Chaptal fehlen eine be- 
fonders günttige Gelegenheit zu feyn» tim einiß für 
die Wiffenfchaften fo intereffante Unternehmung 
inVorfchlag zu bringen. iDa die Herren ^BertThoV 
let und La place die Güte hatten , fich für die- 
len Vorfchlag zu intereffiren, fo liefs der Mini- 
fter es fich angelegen feyn, ihren Plan ins Werk zu 
fetzen, und wir, Herr G'äy-Liuffac und ich, er- 
boten uns, das Unternehmen auszuführen. Wir 
haben jetzt unfre erfte Reife gemacht, un^. jvir 
eilen, von ihr der Klaffe Rechenfchaft abziflegen. . 

Unfer Hauptzweck war, zu unterfuchen, ob 
fich die magnetifche Eißenfchaft merkbar vermin- 
dert, wenn man fich von der Erde entfernt. Sauf*. 
Türe hatte geglaubt, bei einigen Ver&ichen, di0 
eratifdem Col du G^ant in 5435 Metres Höhe 
anftelltei* ein^ bedeutende Abnähme der magtieti« 
fcben Kraft wahrjgenommen zu haben, welche er 
auf I fcfnätzte. Einige hatten gar verkündet» der 

^•rrn Biet immer lelbft reden laffen^ weil fein 
Stil ein Mufter toh :der Einfachheit und Klarheit il^ 
. . -welche fich finr Materien diefer Art.. 2icmt. ^* Da 
der folgende Aiiffatz den Bericht von der rweiten 
Luftreife in aller Ausföhrliehkeit liefert, fo hielt ich 
CS für unnöthi^^, midi , an Biet felbft zu wenden» 
um auch diefen Bericht in feiner ganxen Ausführ- 
lichkeit XU erhalten. «C ff* 



Maglietisinus v^rfchmade ganx» «nenn loaxi fich in 
jeiDem Aeroftate von der Erde eotfernt Da diefp 
Thatfache in genauem Z^fammiiiihange mit der U^ 
iacbei der magnetiCcbeo Erfcbeintingen fteht, fo wajT 
>ts von vieler Wicl>tigkeit für die Phyfik, fie aufge- 
liellt und ausgemacht zu fehen, «— — —— 

Ein fehr einfacher Apparat reicht hin» um über 
diefe Sache aufs Reine zu kommen. Es ift dazu 
vreiter nichts pöthig, als eine an einem fehr fein e^ 
Seidenfaden horizontal fchwebende Magnetnadel 
Man dreht die Nadel ein wenig aus dem magneti« 
fchen Meridian , und lafst fie fchwingen; fchwingt 
fie (chneller, fo ift die magnetifche Kraft gröfser; 
vnd umgekehrt. Diefe vortreffliche Methode 
fchreibt fich von Borda her, und Coulomb 
hat die Regel gegeben, nach weicher fich aus der 
l>auer der Schwingungen die magnetifche Kraft be- 
rechnen laffst. Sauffüre bediente fich dieferVor* 
richtung bei feinen Verfuchen auf dem Col du 
Ceant, und auch i^jr haben einen folchen Appa* 
rat in iinferm Aeroftate mitgenommen. Der be* 
kannte ü^änftler Fortin hatte dazu die Magnetna« 
del mit grofser Sorgfalt verfertigtf Mpd (lerr C o ui.^ 
iotnbielbft die OefäUigkeit gehabt, fie auf die voa 
Aepinus empfoblne Art zu magnetifiren. Wir 
iiatftr(itcfatan ihre magnetifche ifCraft an der Ober-* 
fluche der Erde vor unferm Auffluge, und fanden» 
dais fie zuao Schwingungen 141 Secunden brauch* 
\e. Da das bei einer Menge wiederhohlter ;Ter* 
fuebe» an verfcbiedenea TagWf immer zutraf, oHt 



.j 



i '4 1 ^ 

fiedafs fich aücl^nur ein« Abweichung von | Secim- 
de gezeigt hätte, fo fahen wir diefes Refultat äIs 
Iröllig zuverläffig am Um- die Zeit zu beobachten, 
■"ijlieintenuns zwei vortreffliche Secundejnuhren, wöi-^ 
che der gefchickte Uhrmacher Herr Lupine iifiS 
anvertraut hatte. • • : .*;.! 

Aufser djefen Appiaraten nahmen wir noch eine 

gewöhnliche Declinations zBouJfqlc und zw.ei Incli' 

natoria mit, um verifiittelft ihrer Beobachtungea 
* * '. • . ■ • ' 

t\ber die Veränderungen anzuftellen, welche in der 

Declinätion und iader Inclination der Magnetnadel 

in den hohem Regionen vorgehen möchten. Si« 

waren lange fo^ empfindlich nicht, als der zuerft 

befchriebene Apparat. Um durchaus vergleichbare 

Refultate zu erhalten, wurden allö diefe Inftrujnen- 

te in die Gondel gelegt, nachcjem wir an der Er- 

de die Ofcillationen der erften Nadel beobachtet 

hatten. *) 

Weder zu unfrer Gondel noch zu uhferm Aero^ 
ftate war das mmdefte Eifen genommen worden. 
Alles von Elfen j W9S wir bei* uns hatten, (ein Meffer> 
eine Schere und zwei Federnieffer ,} befanden fich 
'in einem Körbchen, welches 25 his 30 FuCs tief 
unter der Gondel hing, 'Und konnte daher gewifs 
keinen merkbaren Einfiufs auf die Magnetnadeln 
äufsern. 



V. ^ :' 



*) $0 heifst es in Voigt' s Magazin^ vielleicht dorck 
einen Ueberfetzungsfehler. , d. ih, \ 



[5l 

" Wir hofften, unbefchad^t des Hauptzwecks nn*^ 
ferer Reife, auchBeobachtUiigen über die Lu/teleari* 
cität^ oder . vielmehr über den Unterfchied der Ele- 
ctricität verfchiedener Luftfchichten anftellen zu 
kdanen. Zu dem Ende führten . wir Drähte voä- 
»verfchiedener (60 bis 300 Fufs) Länge mit uns,: 
die wir an der Seite nnfrer Gondel an Glasftäbe 
bangen wollten. Sie foUten uns mit den untern 
Luftfchichten in leitende Verbindung fetzen uiid' 
uns die Electricität derfelben zuführen. Um die^ 
j^Vrt diefer Electricität beftimmen zu können, nah^, 
xnen wir ein kleines Electrophor mit uns, das kurz 
vor unfrer Abfahrt durch Reiben fehr fchwach ge- 
laden war, 

* . ' ■ 

's 

Feroer hatten wir den Vorfatz, Luft aus ^ineir- 
fehr grofsen Höhe mit uns herab zu nehmen, unct 
fahrten daher eine Glaskugel mit uns, die niöglichft 
luftleer gemacht war, und die wir nur zu öffnen, 
brauchten, um fie mit Luft aus diefen Regionen zu 
fallen, 

Dafs vnr Barometer, Thermomitter und Hygro* 
meter bei uns hatten, verfteht fich. , Das Thermo- 
xneter war mit Weingeift gefüllt, hatte ei»ü Scale, 
nach der Centefimaleintbeilung, und würde gegen 
die Sonne dadurch gefch fitzt, daft wir ein zufaiiv» 
jnen gelegtes Schnupftuch davor hielten. Die Hö- 
hen fin^l aus unfern lind aus Bouvard*s gleich- 
zeitigen- Beobachtungen auf der Sternwarte, nach 
der von Ramo^nd verbefferten Formel Lapla- 
ee'S'berechnet worden; welches alles dazu . bei* 



trSgf , ftafe wir gewiii liicht zu grofse Höben- «rnal- 
teo haben. — Wir nahmen ferner MetuUfiheiben 
mit, um die Verfache Volta's über die Electri- 
cität durch Berflhrung in den höhern Lufbregioneil 
2u Wiederhohlen. Endlich befanden fich in unfrer 
Gondel verfchiedene Thiere, als: Fröfche, Vögel 
Und Infekten. 

ünfer Auffliig ging km 24'^ten Auguß, (Gten 
l^ructidor J. 12,) um 10 Uhr Morgens, im Gar- 
ten des Confervatoriums der Kanfte, jnGegenwart 
einer kleinen Zahl von Freunden vor fich. Dai 
Barofneterftandauf ag'^ 3^'', (0/765 M^tr es;) daf 
Thermometer auf l6|^ der hundetttheiligen Scaloji 
(13^,2 R.;) und das Hygrometer auf 30%$ » folg- 
lich ziemlich nahe dem Punkte det gröfsten Feuchr 
tigkeit. Herr Cont^, dem die ndthigen Vorbe- 
reitungen zu diefer Lüftreife vom Miniftfer des Innern 
waren dbertragen worden, hatte alle erdenkbare 
Vorficht gebraucht, um ihr einen glücklichen Aus- 
gang zu fiebern , und der Erfolg entfprach ganz uh« 
fern Wünfcbehi ♦) 

Wir geftehn es gern, im er ften Augenblicke, alil 
ykh uns erhoben, dachten wir äiöht an Beobaph^ 

' ^/ Folgende Najohricht iuü Parts, den 29Ren Ju). , Aand 

iai Hamburger unpart,Correfpond^ ^ No. 12S« 1804? 
iiBiot| Mitglied det National ItiftitutS) hatte an 
voriger Mittwoch^ (den 2$ften Jul.,) bei dem Ob- 
fervatorio m (jefellfchaft eine^ Freundes, mit ei» 
vem Luftbalie aufSeigen wollen , um nieteorologi- 
f cbe vüxd pfayfikalifchta Beobtditmigen za machen» 



1*1 

ttn und aa Verfucfaen» foodem konnten nnr di« 

Schönheit des Schaufplels bewundern, das nns 

id^mgib» Unfer fehr langEaimes und abgemefTenet 

Av/fteigen Söfste uns die Ueberzeugung völliger 

jfelierheit ein, welche Immer entfteht, wenn man 

* 

mit fieherJEi Mitteln ganz fich felbft überlaiTen ift. 
Wir hörten noch die Ermunterungen » die man 
uns zurief, bedurften deren aber nicht; wir waren 
bei völUger Seelenruhe und ohne die mindefte Be- 
torgpifs. Diefes erwähnen wir, ^ damit man fich 
Hberzengen möge, dafs unfre Beobachtungen eini- 
ges Zutrauen Terdienen. 

Wir kamen bald in die Wolken. Sie waren %vie 
Jeicfate Nebel, und erregten nur ein fchwaches Ge- 
fshl von Feuchtigkeit. Da unfer Ballon ganz ange- 
fcb wollen war, öffneten wir die Klappe, um Gas 
nosftröB&en zu laffen, und zugleich warfen wir Bal- 
laft auSt um höher zu fteigen. Sogleich waren wir 
über den Wolken, und wir kamen nicht eher wie- 
der in fie, als beim Herabfteigen. Von oben herab 
gefeben, fchienen uns diefe Wolken weifslich zu 
feyn, gerade fo, wie fie von der Erde aus gefehn 
fieh zeigen« Alle befanden fich genau in gleicher 
Höhe« und ihre obere Fläche, {ö zitzen- und wellen« 

Die Regierung hatte Ihm dat\x den grölsften Ballon 
gegeben, der bisher verfertigt worden, und der 
mit in Aegypten gewefen wsr. Zum Unglück aber 
wurde der Ballon Morgens , als er gefüllt wurde, 
Ton efaiem ftarKenWindfiobe fortgeriffen, undnock 
lut maB Um nicht wieder gefianden. *^ d. H. 



t B li 

förmig fie aucb war , glich völlig einer befchnei?« 
t^n Ebene. 

Wir befanden uns jetzt in einer Höbe von 12000 
Metres, und wollten nun die Magnetnadel in 
Schwingung fetzen. Wir bemerkten indefs bald, 
dafs der Aeroftat .eine.fehr langfame drehende Be- 
wegung habe, welche die Lage der Qopdel in Be^ 
Ziehung auf den magneüfchea Meridian beftändig 
yerändefte, und uns binderte, den Punkt zu beob"* 
achten, wo die Schwingungen aufhörten. Jedoch 
war der Magnetisipus keineswegs verfchwunden ; 
denn Eifen zog die Nadel noch immer an. Jene 
drehende Bewegung liefs fich wahrnehmen, wenn 
man durch die Seile der Gondel nach e^inem Gegen« 
ftande auf der Erde, oder nach den Rändern der 
Wolken vifirte, deren Conture fehr merklich ver- 
fchieden waren. Längs ihrer verrückten fich die 
GefiobtsUnien. In der Hoffoung, diefes fehr langfa-* 
me :Drehen werde endlich ganz aufhören, nah« 
men wir inzwifohen andere Verfuche vor. 

Wir ^erfuchten , durch gegenfeitige Berührung 
ifolirter Metalle EtectricUäi zu erregen , und diefes 
gelang gerade fo, als an der Erde. Wit errichteten - 
nämlich eine Säule aus so Plattenpaaren Kupfer, 
und Zinke Sie gab, wie gewöhnlich , einen pikan« 
ten Oefchlrhaok , . Schläge und Wafferzerfetzung. Es 
'war narh Volta's Theorie leicht voraus zu fehen, 
dafs diefem fo feyn mufste, zumahl da man weifs, 
dafs die Wirkfamkeit der Säule im luftverdünnteu 
Räume nicht aufhört Da es aber fo leicht wara 



C 9 1 

diefe Thatfaobe tlurch Verfuche äu bev^ältren^ fa 
glaubten wir, dafe es nicht zweckwidrig fey, diefe 
Verfuche wirklich anzuftellen, zumahl da der daza 
gebrauchte Apparat fich zuletzt als Ballaft heraus 
werfen liefis. Wir befanden uns damahls, nach un- 
ierer Schätzung, in einer Höhe von 2724 Metres. 

Die Tbierey welche wir mitgenommen hatfen, 

fcliitoen noch immer nichts von der verdünnten 

^uft zu leiden, obfchon das Barometer nur noch 

auf öo" 8'" ftand, welches auf .eine Höhe von 2622 

]Metres deutet. Eine Biene, ( Aph vialaaeuy) die 

•wir in Freiheit fetzten, flog fehr fchnell und ftiit 

Sumfen davon. : — Das Thermometer ftand auf 

j:3^ der hundertth eiligen Scale, (i 0*^/4 ^0 Es 

überrafchte uns, hier keine Kälte zu empfinden; im 

Gegenthlsile erwärmte uns die Sonne fehr ftark, und 

wir zog^n die Handfohuhe aus^ die wir gleich an« 

längs angezogen hatten, weil fie uns jetzt ohne 

putzen yraren« -— UnfetPw/j war^fehr befehlen- 

nigt. Statt 62, hatte Herr -Gay-L^uffac jetzt 80 

Pulsfchläge in jeder Minute, und wälirgnd mein 

Puls in der Minute gewöhnlich 79 Mahl fchlägt^ 

Ichlug er jetzt 11 1 Mahl. Diefes ift tiiit Befchleu- 

nigiing ungefähr &ach einerlei Verhältnifs« Dabei 

war ihdefs das Athemhohlen auf keine Ar^ bc" 

Ich wert, und wir empfanden kein Uebelbefindeh j 

vielmehr dünkte ufts wnfre liage aufserordentUch 

behaglich. 

Inzwifchen drehten wir uns noch immer, und 
das war uns aufeerordentlich hindejrlich. Wir be? 



C to 3 

iMrlcten al^er, Indem wir nach Gegenftänden aul 
der Erde und nach deti Rändern der Wolken vifir- 
len • dafs wir uns niciat immer nach einerlei Seite 
drehten. Allmäblig wunte das Drehen langfamer» 
und dann ging es in ein Drehen na^h entgegen ge« 
fetzter Seite Über. Wir fahen bald ein, dafs \vir 
diefen Uebergang würden benutzen mäffen, nm un- 
fere magnetifchen Beobachtungen zu machen, da 
wir während deffelben in Ruhe blieben. Diefe^ 
dauerte indefe nur wenige Augenblicke, wefshalb 
wir nicht, wie an der Erde, die Zeit, w<>lche auf 
.jiö Schwingungen der Magnetnadel hinging, mit 
Sicherheit beobachten konnten, föndern uns mit 5* 
oder höchftens mit lo Schwingungen bejgn'ügei» 
mufsten. Dabei hatten wir noch aile Vörficbt an* 
suwendeh, dafs die Gondel nicht durch andere Ür- 

I 

fachen in Bewegung gefetzt wurde, welches bei der 

geringsten Veranlairung gefchah« z. B. wenn Gaff 

^aus dem Ballon gelaffen wurd. , Ja felbfk durch die 

Bewegung der Hand beim Schreiben. Alles das 

irfordeHeyiel Zeit und Sorgfalt, und viele Verfu- 

, che, und daher glückte es uns während diefer Rejfe 

siur zehn "Mahl , die Beobachtung in verfchiedenen 

Höhen anzuftellen. Folgendes find die Refultate 

^efer Beobachtungen: 



t iTf i 



lldtie»ili 


Z«U TOP 


Zeit. 


JÜttret« 

1 


Scbwiaguag«B( 


WVB^ 


2897 


5 


35" 


3o3ft 


6 


3S. 


3o38 


5 


35 


3o38 


5 


35 


a86a 


t« 


70 


3t45 


5 


35 


3«65 


5 


35^ 


3589 


10 


68 


374» 


5 


35 


3977 


10 


' 7« 



Alle diefe Beobachtungen 9 welche in Höhea 
TOn mehr als sgoo >)etres aogeftellt find» ftimmen 
dahin flberein» dafs die horizontal fch webende Ma«» 
gnetnadel in diefen Höhen 5 Schwingungen in ^ 
Secundai macht. An der Erde gingen auf 5 Seh wiu« 
giuigen 55| Secunde hin. Ein Unterfchied von | 
jSecunde ift zukleici, um bei Beobac|itungea diefer 
Art in Betracht zu kommen » und es fcheintfolg* 
lieh ausgemacht ^u feyn , dafs der Magnetismus 
von der Oblerfläche der Erde bis %u einer Höhe von 
40Ö0 Mesres nicht merklich ^nimmt, Jhndern dafs 
er innerhalb diefer Grunzen überall gläich jißrk 
und nach denfelben Gefetzen wirkt. 

Die Verfuche Saufrilre> ftiftiAieii hiemift 
nicht flberein. Wir haben indefs Ürfaehe^ tu ^W^ 
mütheh^ da£s fich in fie Irirthühte^ eingefchKrhen 
häbta. S auf für 6 fand nimlieh die^ Zelt» Wehrk* 
inftf 52^ HehWingting^h hihgil^, hÜ m^rern V^t^ 
fuchenwiefojgt: Spa", äqo"^ 3oo", ago'^ Hi« 



betragen di« Ünterfchiede 12 bis ^o Secnnde*, iä- 
cfefs lieh bei den Verfürchen, wöJch'e wir an veffchie- 
denen Tagen an der Erde anftellten, niclit| Secunde* 
Unterfchied in der Zeit fand, welche auf. ^o Schwin- 
gungen bipgeht. Da überdies Sauffürc's Ver- 
fucbe am Fufse und auf f dem Gipfel eines Berges, 
unfre dagegen auf der Ebene und in freier Luft, 
(auch in' einer bedeutend gröfsern Hähe,) ange- 
stellt wurden, fo verdient ünftreitig das iPLefültat der 
unfrigen flen Vorzug. Wfas einige andejje Aeronau- 
ten im Widerfpruch mit diefem Refultate bemerkt 
haben wollen, verdienl: keine Aufmerkfamkeit, wä- 
re es auich blofs defshalb, weil fie auf die drehende' 
Bewegung des Ballons nicht gefehn haben, die*fchon' 
in merklichem Grade entf^ht, fo bald etwas Gas 
aus dem Ballon heraus gelaffen wird. --^ Noch 
könnte man .uns einwenden, es fey doch mOglich, 
dals nn fr e Uhren in einer fo bedeutenden Höhe ih«»" 
ren Gang verändert , und iins daher nicht die wahra- 
^Schwingung^eit der Nadel ger :iben hätten. Da in- 
defs die Schwingungszeit fich- in allen Hdhen gleich 
fand, fo würde der Gang der U'ar und die Ofcilla^ 
tionsgefch windigkeit der Nadel fich genau nach «1*^ 
Derlei Gefetz haben verhindern maffen ; eine Kom- 
penfation,. die wohl niemaad im £rnfte anneh- 
men möchte. 

Die IncVmaüion der Magnetnadel haben wir 
nicht mit gleicher Genauigkeit zu beobachten ver- 
«upclit. Wir koanen daher nicht i^t derfelben Zu* 



C '3 ] 

verläffigkelt behaupten, dafs ffe'fich in der Höh ö gar 
nicht verändere. Jedoch ift das fe'hr währfchein- 
licb, weil,* Wie wir eben gefehen haben , dle'hori- 
lontale magnetifche Kraft ungeändert bleibt. Auch 
icdxinte auf jeden Fall die Veränderung in der InclI- 
nation nur überaus unbeträchtlich feyn , da die Ma*- 
gnetnadeln, -welche vor der Auffahrt genau hori- 
zontal fch webten, in* Jeder Höhe unverändert in 
tliefer Lage blfebem :. - . 

Wir hatten auch die Abficht, ' Beobathtungen 
llber die D^KÜnution der -Magnetnadel anzuftellen. 
Aber weder die Zeit noch die 'Einrichttihg' unferfi 
•Apparats erlatrbteii uns eine genaue Beftiinmung 
derfelben; Währfchelnlibh verändert äuöhr fie in 
der Höhe fich nicht merJkbar.^ Uebrigens haben wir 
uns jetit* in den Befitz zuveriäffigef Mittel gefetzf; 
um auf einer zweiten Reife' die Abweichtirtg'gÄati 
2u meffen. < Auch werden wir dann die Inclination 
genau'^eobafchten können. . 

Um den Faden nicht abzureifsen , haben wir 
mehrere Beobachtungen nicht erwähnt^ wpiche voh 
uns zwifchen^^enen angeftellt wurden,' ünÜ diefir 
weUen .wifi Bun nachhohlen. ' • l 

Wir haben die in unfrer Gondel befindlidhen 
Thiere in allen Höhen beobachtet. Sie fohienen 
auf keine Art zu leiden. Auch wir nahmen nicht 
die geringfte Einwirkung der verdünnten Luft auf 
uns war» die oben erwähnte Befchleunigung de9- 
Pillües etw&9« ausgenonunant....la «ioar.Hufa^ voji^ 



.5400 M^tre^ fetsBten wir einen k^eiaep Vogcdly de^ 

man eijßen Orünling ( verdier ) nennt » in Freiheit 

Er flog fogieich davon« kehrte aber faftim Augen^* 

blicke zurück, um Heb auf unfer Tauvrerk zu feV 

zen; .alsdann fetzte er ficb wieder in' Flug» , und 

Xtürzte ficb in einer gewundnen Linie» die nur wcf 

Big von der lenkreohtea abVrich , ztir Ertle harabw. 

,Wir. y^rfpJigtea ifiP mit unfern Blioke^i bis in die 

Wolken, wo wir ihn aus den Augen yerlore% 

iUueXo^^» die wir' ij^ derfelben Höbe in Freiheit 

fetzten , gab ui;ls ein yrejt interefiaatere^ ^chaufpie)» 

^ie blieb jBinige Augirnblicke auf d^n^ Rande der 

Jßondel- fitzen, gleich£un als wenn fi^ den Rauoi 

)näl]se, den fie zurOc^ zu legen hatte; d^nnfchoft 

^£e in i^^eichem Fljug&fort, wobei fie die Wirkung 

Ihr^r Flflg^l <zu verfuchßn fchien; dpcb nach eini- 

^ea Flflgelfchlägen begnflgte fie fioh, die FlOgel aus* 

jEubreiten , und f o g^nz fich hingebend , in grofsen 

Kreifen, nach Art der Raubvögel, zu den Wolken , 

Jünab. 2u fteigen. Sie fank.fchnell, aber auf eine ab« 

^emeffene Weife herab» Ufi4 kam bfiM in die/ Vfo^ 

intn^ unter denen wir fie noch wahrn^bn^^^* 

Die magnetifchen Beobachtungen kofteten fo 
. mel'Zeilt» 'dafs wir die Beobachtungen* Ober die 
JLiff^electriclüäc faft ganz vernachläffigen 'mufsten. 
Ueberdies hinderten uns auch Wolkeli, welche un- 
ter dem Ballon fch webten, und die bekanntlich ifl>>* 
säer eine eigen thümlicbeElectrici tat haben, die Ele- 
jcitit genau zu I^eftimuten« Wii^ iiafaea «bi^e 



t w ) 

#4^ -^M^ ]iiJ>gHi 1>rabt ifolirt au« dtt Goodel lierab^ 
«r zeigte darauf an feiaem obiern Ende «^ £. Wir 
wiedjerWbHeii dielen Verfucb fogleidi noch zwd 
^ahl: daf erfte Mahl fo, da& ^ durch das £le- 
#trophor erbaltede -f* E /die im Orahte be£ndliche 
liuftel^etrjtitat zej^rtörte; das zw^eite Mahl fo , dab 
]^ne Elecfacicitit dur^h die r-fjE des Drahtes aufge» 
hoben wurde* Hierdurch verficherten .wir uns^ 
flafs die liuftietectricität im -Drähte 'wirküch negati? 
war. Diefer ' Verfuch zeigte zugleich , daCs die Elep» 
etricität der Atmofpbäre knit der Höhe zunimmt^ 
wie das pach Vx>lta'8 n^d .Saüffari^'s Verfu/p 
eben an erwarten war«: Wir behalten uns indefii 
woTy diefe Thatfache l>el einer neuen Helfe iioe& 
lieffer zu bewähren, beConders^ da der daztt Imk 
Itimnite Apparat fioh fo brauchbar zeigte* 

Die Becdsachtungeq dts Thermometeit bewie» 
fen', dafe'die Temferaiur der AtmofphMre mit defk 
Höhen abnimmt, wie das bekannt ift Diefe Ab» 
aafame war indeffen weit geringer, als wir erwartet 
lidtten. Deim ungeachtet wir uns bis zu einer Hd* 
lie vonOLQiOö Toifen, folglich weit über die Gränze 
d|98 ewigen Schnees in untrer Breite hinaus, erhoben» 
iank die Temperdtur doch nicht bis unter Io|^ der 
haodertthelligen Scale, (-f- 8^f4 I^->) indefs das 
Thermometer auf der pari<fer Sternwarte zu derfel« 
hen Zeit auf 17I Centefimalgrad, ( l4^ R.,) ftand. 

Es ift' merkwthrdig, dafs das Hygrometer 9 in* 
iftfUi wir höher in der A^ofpbäre anftiegen» in»» 



itoer w€*f€ifnaÄh'dem Piinkieder Trockriift tstirack 
, J^ng, tirtrf*^ als wir hfc^ffb'ftiegen , allmSUidi wieder 
bach detti- Ptttakte gröfstfcr Feuchtigkeit vorrflcktA 
Als wir anfftiegsn,- ftand' es bei i€| ^' Wärme det 
iiunderttbi Scale auf So ^/8 > ^"^ ^° einer Höhe von 
4ooo.Meires, bei io|^ Wärme, auf vjo^. Dii 
iiuft ift älfa in dieieu Höhen weit trbckner dis all 
4er; Erde. .. ^' .i .. .-■•:'■-• .>" 1 

* JEJm iiris bis zu diefdr Höhe zu erheben, liatteil 
^r &ft allen Ballaft ausgeworfen, ^undesf waren vlM 
jcäuni noch 4 bis 5 Pfund übrig. Wir hätten fol^ 
lich.nün die gröfste Höhe etreicht,- bis nrti vrelcbef 
der Jleroltat mit uns beiden* zu fteigen vermo<^htei 
Dawir' iüdefs Ubhah wünfchten, iitöglicbft ent^ 
fch eidende magnsetifcheBeobachtumgen zw erhalten^ 
fo machte toir Herr ' G a y - L ü f f a c dea^ Vorfchlagi 
jwir wbHtea nun herab fteigan, bei auiirer> Ankunft 
nn der Erde alle Inftrumente bis auf das Barometer 
4ind ctie' lyiagnetnadel aus. der Gondel neknien ^ und 
er wolle fich dann allein Im Aeroftate noob' eis 
M^l, wo.moglichbi»z^u einer Höhe. yoii6ooo M^ 
tres erheben , um hier unfer Refultäf ti^ier den Ma»., 
gnetismus xu verificiren. Nachdem wir diefe AB^ 
rede getroiQPen hatten ^'li^^^u wir uas herdb. Ine 
jAtm witio w.euigGas älf möglich zu yddieren fucb^^ 
.ten* Bei i^nferm Eintritte in die Wolken beobachte ■ 
ten wir das. Banometer,' und diefes zejgtj9 eine Etö^ 
he von taaS M^tres (6oo Toifen) an» . Wir haben 
Ichon beiiaeyktijl^fs ali^^W^P^feßniili^.KiyeiuiÄU feyta 

fcliid« 



{ i7 } 

fcbieBen» wefslialb diefe Beobachtung die Höhe al^ * 
ler diefer Wolken 4n jenem Zeitpunkte angiebt. 

Als wir auf dieErrie herab kamen, fand fich kein 
Menfbh» um den Aeroftat anzuhalten, und wir fa« 
lleo unis genöthigt, eine Menge Gas zu verlieren, um 
tos aufzuhalten. Hätten wir das vorher fehen kdn« 
aem^, fo würden wir mit dem Herabfteigen nicht fo 
geeilt haben. Es war gegen halb Zwei, und wir 
befanden uns im Departement des Loiret, nahe bei 
dem Dorfe Meriville, ungefähr jg Lieues von 
Paris. . 

Wir baten indefs den Vorfatz nicht aufgegeben, 
bis zu einer Höhe von 6000 M^tres, oder noch hö* 
faer, anzufteigen, um unfre Verfuche mit der Ma* 
gnetnadel bis fo weit hinauf fortzufetzen. Wir be- 
treiben diefe Expedi^on mit allem Eifer, und fie 
wird in Wenigen Tagen vor fich gehen, da der Ae« 
roftat gar keinen Schaden genommen hat. Herr 
Cay-LQffac wird zuerft allein auffteJgen, und 
. dann ich, foUte er es für nöthig halten, um feine 
Beobachtungen zu verificiren. Wenden wir fo Init 
dem aufs Reine feyn, was die Magnetnadel betrifft, 
(o wünfchten wir mehrere Luftreifen mit einander 
atizuftellen , um, wo möglich, genaue Unterfu« 
chungen über die Menge und die Art der Luftele* 
ctncität in verfchiedenen Höhen, Ober die Variatio* 
neu des Hygrometers, und über die Abnahme der 
Temperatur mit der Höhe anftellen ^zu können; 
Gegenftände, welche für die Theorie der Strahle«- 
Iniud. d. Pbyfik« B. 20. Sc i. J. 1805. St. 5* B 



L x8 } 

brechung von .Nutzen feyn dürften. Auch machte 
es bei diefen Rejfen möglich feyn, aus*verfchiede« 
nen Höhen Tiefanwinkel irdifqher Gegenftände zu 
nehmen , und aus ihnen die Höhen trigonometrifcH 
zu berechnen, um fie mit den aus den Bai^pmeter? 
ftanden hergeleiteten zu vergleichen, vtrelches über 
den Gang des Barometers in deu hohem Luftregio«> 
nen intereffante Auffchlüffe geben mtifste. Da die- 
Bewegung des Aeroftats fo überaus fanft ift, fo dür- . 
fen wir hoffen , mit den Jelicateften Beobachtungen . 
in der Gondel zu Stande zU kommen« . 



> • 



£"«9 ] 



II. 

BERICHT Gay-Lttssac*s 

pon feiner aeroftatlfchen Reife^ am 

ißten Sept. i8o4* 

(Vprgelefen in der mMthemaU'phYf* Kliffe des National» 
Inftit. am iftea Öct. iSo^J *J 

Xn dem Berichte, welchen wir^- Biot nnd ich* 

von unfrer erftert aeroftatifchen Reife dem Natiö* 

jnal - Infütute vorzuJegen die Ehire gehabt haben, äu* 

fs.erten wir den VVut^fch, noch mehrmahis auf^uftei* 

gen, um die wichtige Thatfache, dafs die magne» 

tif(5h'e Kraft in der Höhe nicht abnimmt, in noch 

groTsern Höhen darziithun, als wir damahls er- 

reicht hatten, (von 2040 Toifen.) Mehrere Mit» 

glieder des luftituts ftimmten in diefcn Wunfcli mit 

ein. Aufgemuntert durch das allgemeine Intereffe, 

welches unfre erfte Reife erregt hatte, befchJoffeil 

Wir, fo bald als möglich eine zweite zu unterneh«» 

men ; und da unfer Aeroftat uns nicht beide zu grö* 

isern Höhen als das erfte Mahl erheben konnte, ka-* 

men wir dahin überein, dafs ich diefes Mahl allein 

»uffteigen follte. Von diefem Augenblicke an 

Wandten wir unfre gan25e Sorgfalt auf <lie Inftrumcu* 

te, iWelche ich mit aufnehmen wollte* Wir ver-^ 

trauten fie wiederum For tin^ an, da die Erfahrun» 

*) AanaUs da ChiinU, tSa» pt7$K d. H, 

^ a 



[ 20 1 , 

% 

gen anf tiiifrer erften Luftreifie uns manche Verbet 
ierung derfelben an die Hand gaben. Zugleich wurdä 
mit dem Ballon eine Verände'rung vorgenommen, 
um ihm mehr Leichtigkeit zu geben« Beides ver« 
zögerte unfern Aufflug bis zum i6ten September^ 
(sgften Fructidor.) 

, Damit die Ilotation des Bations die Schwingun* 
gön del* horizontal fchwebenden Magnetnadel wfe-i 
niger ftören möchte, liefsen wir eine neue Magnet- 
nadel verfeirtigen, die nur 15 Centimetres, (5/54 
pdn ZoUy) lang war. Bei die(er Kürze mufste fie 
viel gefchwinder als der Ballon fchwingen , und dia 
Zeit einer Schwingung mufste leichter mit Gienauig* 
keit zu beftimmen feyn* 

Bedeutendere Veranderuilgen nahmen wir mit 
der Iwclinationsnadel vor. Um nicht nöthig zu: ha* 
ben » ire bei jeder Beobachtung erft in den magneti^ 
-fchen Meridian zu bringen , und ihre Achfe genau 
horizontal zu ftellen, hingen wir den Metallbögel 
i chappeX welcher ^i0 Achfe trägt, an einen Faden 
iroher Seide auf, und um die Neigung meffen zu 
können , befeftigten wir an den Bügel einen durch« 
fichtigen Kreisbogen, worauf eine Theilungge» 
Bäichnet war. Das jBewicht ^3i^fes ganzen Appa« 
ra.ts '.betrug fo wdnig>, dafs er den Seidenfaden nicht 
bedeutend fpannte, und dafs die Nadel fich daher 
fehr. leicht in den maghetifchen Meridian fetzen 
konnte; Coulomb masnetifirte die Nadel und 
berichtigte fie nach der Methode, welche er in den. 
Schriften des National - Inftkuts befchrieben hat. i 



Er fand, Azti fie eine Inclination von'yo^/S t^^<^ 
der gewöhnlicben Kreiseintheilttng zeigte , und dann 
ftand fie auf 31^ der Theilung, ^*) welcher Punkt 
für iie die Läge der Ruhe bezeichnete. ' ' 

Bei unfrer erften Reife hatte fich «las Glas, wo« 
mit unfre Declinations -BouJJole bedeckt war, von 
unten mit .Waffer bezogen, und diefes hatte. uns ge- 
bindert, den Schatten eines horizontalen Fadens zu 
fehen, der als Sonnenzeiger dienen follte.^ Es war» 
um dies zu ver/neiden, hinreichend, das Glas 
i^egzulaffen ; übrigens wurde nichts an der erften 
Einriditung diefes Inftruments verändert. 1 

Herr Lepine vertraute uns wiederum zwei 
Secundenühren wa^ deren eine lieh anhalten läCst 
Mit diefer letztem habe ich alle meine Beobachtung 
gen gemacht. 

Das hunderttheilige Queckßlber^Thennometer, 
deffen ich mich bediente, wurde, um gegen die 
Sodnenftrahlen gefchti^tzt zu feyn, in zwei concen- 
trifche mit Goldflapier überzogene Cylindeir aus 
Pappe gefteckt,, deren innerer 4>. ^*nd deren äu» 
fserer 6 Centimetres, (2^2 Zoll,) weit war. Auf 
eine ähnliche Art fcbütsiten wir unfre von Rieh er 
verfertigten Hygromefier mit 4 Haaren. / . 

Die beiden }<7/ajrtwgtf//i, in welchen ich Luft 
aus den höhern Regionen mit zurück -bringen wollte, 
waren bis faft auf i Millimetre Queckfilberhöhe 

*) Weil .nämlich der Nullpunkt d^s Kreisbogens, 
auf dem die Theilung gezeichnet war, ficli nichtin 
der Horizontallinie befand* d^ H. 



luftleer gepumpt. In diefem Zuftande liefsen wir 
fie acht Tage lang, und verficherte« uns dadurch, 
dafs fie vöJlig luftdicht fchloffeu. Um auf alleFälie 
gefiebert zu feyn , hatten wir noch eine dritte Ku- 
gel (lus Meffiiig verfertigen laffen; glücklicher Wei-^ 
£e blieb fie unnöth^'g. 

Unfre beiden Barometer haben kein unverän* 
derliches Niveau. Wir verglichen daher ihren Gang 
u^nter dem Recipienten einer Luftpumpe, mit dem 
einer 'B.arometerprobe, die mit, einer fehr guten 
Scale und mit einem Gefäfse verfehn war, worin 
daS'Queckfilber ftets in einerlei Mveau bliebe DiQ 
Vergleichungstabelle, die wir auf diefe Art erhiel- 
ten, überhob mich der Mühe, b^i' jeder Beobachtung 
<;Jas Niveau des Queckßlbers zu berichtigen, und 
fchränkte fo die Barem eterbeobachtungen auf die 
Hälfte ein, welches ein Umftand von gvofser Wich-; 
tigkeit ift, wenn man feine. Aufmerkfamkeit zu- 
gleich auf feine Sicherheit und auf fehr delicate Ver- 
fuche' zu wenden }iat, 

Diefes waren die hauptfächlichfteulnftrumentö, 
welche ich auf meiner Reife mitgenommen habe. 
Zwar hatte ich mich auch mit einem Apparate für 
die hufcelectricuät; verfehn; aber wenige Auge^- 
blicke nach meiner Abfahrt verlor ich die beid^en 
Drähte, weldie die Electricität der Luft 5o und 
looMetres unter mir einfaugen follten, wefshalb ich 
von diefem Apparate keinen Gebrauch machen konn- 
te. — Dafs wir alles aufs fori^fältii^fte vermieden 
liatten» was auf unfre Magnetnadel hätte ftörend 



C =3 3 

- . ■ • " ♦ 

wirken können, verfteht fich; felbft ixnter Anker 9 

obfcbon er 5o M^tres unter der Gondel hing, war 
von Holz, mit Kupfer überzogen. 

Es ift hier der Ort nicht, alle Maafsregeln der 
Verficht anzufahren , welche C ö n t e genommen 
. hatte, um diefen neuen Auffing ganz gefahrlos zu 
machen; ifsift'zu wönfchen, dafs er felbft alles be- " 
kann t mache, was lange und einfichtsvoUe Erfah- v 
ruDg ihm in diefer Hinficht gelehrt hat. , Was uns 
betrifft, fo find wir ihm fehr grofsen Dank für fei* 
ne viele Mühe, und für das Intereffe fchuldig, wel- 
ches er an unfern aeroftatifchen Reifen genommen 
tat; dafc fie fo glücklich ausfielen, verdanken wir 
Xeiner voraus - fehenden Sorgfamkeit. 

Als alle unfro Inftrumente fertig waren, be- 
ftittimten wir den Tag meines Aufflugs auf den 
ißten September, (agften Fructidor.) Diefes ge^ 
rchah auch fehr glücklich , vom Confervatoire 
des Arts et Metiers aus ^ um 9 Uhr 4o Min." 
Morgens. Das Barometer ftand auf 76,505 Centi- 
jnetres, das Hygrometer auf 57%5 '-»"d das Cente- 
finxal- Thermometer auf 27^/75. Dem Aftronoraen 
Bouvärd, der auf der parifer Sternwarte täglich 
.Witterungsbeobachtungen anftellt, hatte der Him- 
mel fehr dunftig, doch ohne Wolken gefchienen. 
Xaum war idh 3000 F"fs> ( loooMetres,) hoch,fo 
erblickte ich auch in der That einen leichten Dunft 
in der ganzen Atmofphäre unter mir verbreitet, 
xlurch den ich die entferntem Gegenftände nur un- . 
deutlich wahrnahm. 



CM] 

Als ich ^ne Höheren 1 555',T6ifei^ ( 303a Me|r 
|res>) erreicht hatte, fetzte ich die horizoniftl ßhw^* 
kende Magnetnadel in Schwinguagen. Sie vollen^ 
dete diefes Mahl: 20 Schwingungen in 85'^, indels 
fie an der Erde und anderwärts gewöhnlich 84f ^^ 
f;unde bedurfte. *) Ungeachtet auqh jetzt der.B^lr 
Ion wieder in ähnlicher Rotationsbewegung, als bei «^^ 
iinfrer erften Reife war,- fo konfite ich bei der Qe^ 
fchwihdigkeit, womit jetzt die Nadel fchwang^ bi$ 
auf 20, 30, ja felbft 40 Schwingungen zahlen. 

In einer Höhe von 1982 Toifen, , (SS^S M.,) 
fand ich die Neigung der Inclinationsnadel , jndenL 
Jch' die Mitte ihrer Schwingungsbogen nahm, 31^, 
alfo gerade fo, als an der Erde« ' Diefe Beobachtung 
koftete mir aufserordentlich viel Zeit und Geduld. 
Denn obfchon ich mit der LuftmalTe fortfchwamm, 
fühlte ich.doch einen kleinen Wind, der die BouC* 
fole alle Augenblicke in Unordnung brachte, fo xiafs 
ich nach mehrern fruchtlofen Bemühungen mich 
endlich gezwungen. fah, es aufzugeben , die IncU* 
natioc noch ein Mahl zu beobachten. Deffen unge« 
achtet verdient, wie ich glaube, die hier mitge* 
dieilte Beobachtung einiges Zutrauen. 

Einige Zeit darauf wollte ich die Declinatiom 
beobachten; allein ich fand , dafs die ausnehmende 
Trockenheit in der verdünnten Luft und die Son- 

* 

nenftrahlen fo mäcjitig auf die BouiTole gewirkt 

*) Ich zählte an der Erde in der Regel die Zeit von 
3o Schwingungen; £ie betrug i26''|5. G^ L. 



[öS 3 

llait«ii 9 dtaft tick Jfer MetallriD^» y^ofMvf die Eüi? 
theilung eingeriffen war, gebogen« und die Bouffole 
Xelbft gekrömmt hatte, fodafs die Nadel fich njcht 
sxebr fo frei als zuvor bewegte. Doch bemerkte 
ich, dafs, auch unabhängig von diefem Unfälle, die 
Abweichung der Nadel mit diefem Apparate fehr 
fchwer zu beftiuimen fey. Hatte ich die BouJTole 
in die Lage gebracht, da£i der Schatten de^ bori«* 
zontalen Fa.dens, welcher als Sonnenzeiger diente, 
in eine beftimmte Linie fiel, fo war dadurch die^ 
Nadel Celbft in Bewegung gefetzt worden ; und war 
diefe ei^dlich wieder "beinahe zur Ruhe gekomjjien, 
fo fiel .der Schatten des Zeigers nicht n^ehr in die, 
fefte Linie. Ueberdem mufsle die Bouffole hori« 
zontalgeftellt werden, und während ich damit be* 
Jchäftigt.war, kam das übrige wieder aus feiner 
Lage, ich gab daher diefe Beobachtung auf ^ da ich 
anich nicht auf fie verlaffen konnte, und wendete 
dafür meine ganze Aufm'erküamkeit auf die-Sdbwin^ 
guDgszeit der horizontalen Nadel. Doch habe ich» 
indem ich die Fehler unfrer Declinations-Bouffol# 
wahrnahm, mich überzeugt, dafs es möglich fey, 
eine andere einzurichten, mit der £eh die Abwei» 
chtmig jhinlänglicl^ genau beftimmen läfst. Noch be- 
merke ich, dafs ich, um die folgenden Verfuche ge- 
liörig anzuftellen, alle übrige Magnetnadeln, jede 
für fich in einen linnenen Beutel jgefteckt und x5 
Mdtres unter die Gondel herab gelaffen hatte. 

Der leichtern Ueberficht halber ftelle ich • alle 
meine Beobachtungen der horizontal fchwebendeji 



t »6 1 

Magnetnadel, f<s wie ich fie nach efnän Jer angeftfelli 
hube, in dj« folgende Tabaile zafatnnten. 



Th'ermo- 










SrhwinfiUn 


«- der 


neteräand. 


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hunlil khwib. 


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Hülirn. liber 




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49/05 


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<9,'.3i24 


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45'38 


.lä",6' 


a3'4,84 


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42,5 


13 


91 


30« 


46,S6 


i^'ü^/55 


^i88,"8 


50 


"5/5 


4«/8 


,1 


8i 


»9>9 


46,26 


4337,51» 


»aao,ä( 




«6 


43 


8f 


üi 


»7.6 


44.04 


^7^5/9 


34«i/8H 


20 


B4/5 


43^3 


^i 


äi 


^7/5 


4;;S5 


4808,74 


24U7,*4 


30 


'3R,i 


42,8 


8i 


7 


29/4 


45,28 


^5'^,«■ 


2314,34 


30 


127,5 


4»,5. - 


il 


4» 


30,1 


43»49 


fiöoi,85 


asOijsi 








Ai 


3i 


37/5 


41,14 


5267,73 


2J.O»,7^ 


4» 


.C9 


42/a . 


a| 


3 


3»,7 


39'85 


iS'g,'" 


285 ',74 








i 


1 


30,2 


39,0« 


Sri74,85!2yi.,6a 








^ 


4 


33 


4M' 


ä<7ä,oÖ:3l>54,6B 


;o 


ia6,ä 


43,1 


— S 


— al 


3M 


37' '7 


'»4<',7 30:^9,1^ 








-Ȋ 


-«i 


5a,i 


36^6 


6107,19 


3 '33,44 


^0 


84 


43 




« 


3Si' 


39/'8 


5651,6a 


a889/4i 


30 


.27,5 


4»,5 


-3i 


-"l 


53/9 


5ß,7. 


6i43«3i 


3'ä'/87 




83 


M 


•—7 


-SS 


54/S 


S3/?;9 


ti884,'4 


3ä3»,f: 


ao 


83/5 


^'/7 


-9J 


-7i 




J>/88 


6377/37 


3579/9 









Man fisdet hier neben jeder Schwingungsbeolv- 
achtung die gleichzeitigeii Barometer-, Ther- 
mometer- und Hygrometerftände, und die von 
GoüiUYi Ingenieur des pQiits et chauffeest nach 



Laplac^'s Formel berechneten Hohön, welche 
diefen Barometer- unc{ Thermometerftänden .eut* 
fprechen. Da der Barometer- und der-Thermome^- 
terftand fich von lo bife 3 Uhr an der Erde nicht 
nierklich änderte^ fo ift bei diefen Berechnungen der 
Stand beider Inftrumente an der Erde fo angenonx« 
men worden, wie er um 3 Uhr war, das ift, zu 
^6,568 Centim^tres , [28" 3"'/422,] und SoV"" der 
hunderttheil/ Scale , welches nach Bouvard's 
Beobachtungen auf d^m Obfervatorio 0^043 Cen- 
tini, und^l^ mehr, als im Augenblicke meiner Ab- 
fahrt ift. Alle Höhen find um weriigftens 39 Me- 
tres, (20 Toifen,) zu vermehren, ,wenn man fie 
von der Meeresfläche und nicht vom Horizonte von 
Paris an rechnen will.- Die Barometerftä'nd« find 
Mittel nach beiden auf einen unveränderlichen Null* 
punkt reducirten Barometern. 

Betrachten wir die Zahlen in diefer Tabelle ge* 

xiauer, fo zeigt ficherftens, dafs die Temperatur 

fich nicht regelmäfsig mit den Höhen verändert, 

vrelches unftreitig feinen Grund darin hat, dafs ich 

vrährend der Beobachtungen bald ftieg, bald iank, 

iinrl^dafs das Thermometer in feinem Gange -etwas 

zurück blieb. Nimmt man nur die. Thermometer- 

ftände, welche in abnehmender Reihe fortgehn, fa 

zeigt fich mehr Regelmäfsigkeit. Das hundertthei- 

Jige Thermometer ftand an der Erde auf 27^*' und 

in einer Höhe von 369iMÄtres, (1894 Toifen,) auf 

.g|^; dies giabt £üx jeden; Gmid Abnahme in dec 



I 28 3 

Ttimperatar im Mittel eine Zunahme an Höhe utü 
xgi;7 MetreSj ( ggf 5 l'oifen. ) Ferner ftand das 
■bunderttheilige Thermometer auf 

in Höhen tob f^" ^''^ 5^* ^977 M^tr«. 

1a566 89ia »889 .358d Toifen, 

Beides giebt für jeden Grad Abnahihe in der Tem* 
peratur gleichmäfsig eine Ztina)ime an Höhe voh 
141,6 Metres, (yS/GToifen.) Hiernach fcheint die 
Temperatur der Luft näher an der Oberfläche der 
Erde langfamer abzunehmen , als in gröfsern Hö- 
hen; in grofsen Höhen aber fich in.^rithmetijTcher 
ProgrefGon zu vermindern* Wenn von der Ober- 
fläche der Erde an«, wo das hunderttheilige Ther- 
jnometer bei meiner Abfahrt auf 3^1^ ftand, bis 
zur Höhe von 6977 Metres, (358o Toifen,) wo 
es bis auf -—gl® gefunken war, die Wärme fich 
genau fo verminderte^ wie die Höhen zunehmen, 
,fo würde auf jeden. Grad von Temperaturvermin- 
derung eine Höhenzunahme von 173/3 Metren, 
(88/9 Toifen,) kommen«] 

Das Hygrometer hatte einen ziemlich fond^rba- 
ren Gang. An der Oberfläche ftand es auf 571^9 
und in einer Höhe von 3032 Metres, (l556ToifeiH) 
auf 62 ®. Von diefem Punkte ab giiig es beftändig 
•fort zurück, *bis es in einer Höhe von 5^67 Metres, 
(270a Toifen,) 27!^ erreicht hatte; dann aber 
ging es wieder allmählig vor, und ftand in einer 
Pöhevoii€884M«tee5, (3533 Toifen,) auf34|^. 



t ^g 1 

Wolfte ifian nadh (liefen Hygromefetftänden die^ 
Menge des Walters beftimmea , welche die Luft itt 
den verfchiedenen tlöhen aufgelöft enthielt, fo 
mü&te dabei, noth wendig auf d|e Temperatur Rack* 
ficht genommen werdien^ und dann würde fieh Zei- 
len, 'dafs diefe WafTermenge ausnehmend fchneU 
abnimmtir ^ ^ 

Wirft man endlich den Blick auf die Schwiaguii« 
gen der horizontal hängenden Ma^/i^^/iafiiei, fo fieht 
man, dafs in den verfchiedeiien Höhen-auf lo $cbwin* 
gungen bald etwas mehr, bald etwas weniger Zeit 
als 4!2t'^|r6 hingingen, als U^viel fie an derQberflä'^ 
che der Erde zu lo Schwingungen bedurfte. Im 
Mittel aus allen Beobachtungen in der Atmofphäre 
dauerten lo Schwingungen 42^'föo; welches nur 
fehr wenig von 42; 16 verfchieden ift. Nimmt man 
das Mittel blofs aus den letzten Beobachtungen, dia 
in den gröfsten Höben angeftellt wurden, fo erhält 
man etwas wfeniger als 42"/r6 Zeit für lo Schwing 
güngen, und das wQrde anzeigen, dafs die magne<( 
tifche 'Kraft ih diefen Höhen nicht abgenommen^ 
fondern vielmehr um etwas zugenommen habe/ Oh«' 
ne auf xlfefe fcheiitbare Zunahm«, welche fehr wohl 
aus den Fehletti der Verfuche entfpringen kann, 
das mindefte zfu bauen , fchÜeCse ich vielmehr , dafs 
das Ganze der hier mitgetheilten Refultate di# 
Thatfache beftätigt und erweitert, welche wir, 
Biot und ich, aufgefunden hatten , dafs nämlich 
die magnetifche ;Krafi;. «ben fo wenig als die alJge* 



m^it6 Gravitation, in den gro|steii Höhen, bis 2vt 
^ welchen 'vrlr uns zu erheben vermögen » die minde« 
Ste merkbare Veränderung *leid et. 
• • Es kannte febeinenv als fey diefe Folgerung^ 
, welche %vir aus unfern Verfuchen gezogen haben» 
du wenig übereilt, d^ es uns nicht gegluckt ift| 
Beobachtungen über die Schwingungen der Inclina- 
tionsaadel zu erhalten. . Bedenkt man aber , . dafs 
die Kraft, welche eine 'horizontal fchwebende Ma« 
gnetnadel fcbwingen macht, nothwendig von deir 
Zntenfität und der Richtung der' magnetifchen Kraft 
Jelbb äbhäogen mufs, und dafs fie dem Cofinus dqs 
Inklinationswinkels diefer Jetztern JCraft :proportio-, 
tial ift*; fo wird. man nicht ün^hin l^önniön, mit uns 
zu fchliefsen, dafs, weiiin der Horlzont^Ikraft kei- 
ne Veränderung vorgegangen ift, die magnetifche 
Ktaft überhaupt fich nicht könne verändert haben^ 
man wolle denn antiehnien, fis habe fich genau 
nach entgegen gefetztem Verhältniffe verändert, ijind 
nehine.in- dem Grade zu, • in welchem der Cofinus 
des Inclinationswinkels fich^ vermindert^ eine Vor- 
ausfetzung, die auf keine Weife wahrfcheinlich ift.' 
Ueberd^m haben wir. -zur Unterftützung unfers 
Schluffes die Beobachtung der Inclination, welche 
iüh ii> 3863 Metres; ,<i98a Toifen,) Höhe ge- 
irtacht. hal>^, .und.aus^der fich ergab, dafs die In- 
clination in diefer Höhe auf; keine meri^bare Art von 
der an der Oberfläche der Erde verfclüeden ift. 
. Ak Ipb michjbisayfi45ji Metres, .(0514 Toi- 
fen^) Höhe erhoben hatte , näherte ich den untern 



-m' 



[ 51 } 

TlieJl ^ines ScLIüTfels , den ich in der Kichtung-der 
magnetifchen Ejraft hielt*, einer kleinen Magnataar 
del. Sie wurde davon augezogen ; und als ich den 
Schlüffcl in paralleler Lage herab bewegte, v.ou denx 
andern Ende defl'cJben abgeftofsen. I)i§fer Verfuch^ 
Wurde mit glcdcheni Erfolge i« ein^r Hph^ yc^ji 6107 
Metres, (5i53 T^'oifen,) wiederhoblt. :..Eianeuer, 
fehr überzeugender Beweis von .der Wirkfdxnkeit 
des Erdmagnetismus in diefen JlüheA. . ,• 

Auf einer Höhe von 6561. Meires, ('5355 Toi- 
fen,) öffnete ich die eine meiner Glaskugeln^ und 
in 6636 Metres, (3405 Toifqn,) Köhe, die zweite* 
In beide drang die Liift.mit Zifchep I^inein. 

Es war 3 Uhr i X Minuten, als iclj-nüch herab 
zu fteigen 'entfclilpfs. . Det Ballon war völlig aufge^ 
blafen, und ich hatte nur noch 15 Kllogn [30 Pf. J 
Ballaft. Das hiinderttheilige Thermometer ftand auf 
— 95°, und das Barometer auf 32/88 Gentim., [12", 
i"^753,] welches eine Höhe yoh 6977,37 Metres 
oder 3579/9 Toifen über Paris, oder von 7016 M, 
oder 3600 Toifen über der Meeresfläche anzeigt. *) - 

*) Die Spitze des Chimborazo hat nach. denMe& 
Tungen des Herrn von Huml^old^ nt^r eine Hö« 
he von 3267 Toifen über dem Meere. Der höchfte 
Punkt, bis zu welchem Herr Gay-Lüffac fich 
erhoben hat, liegt folglich noch 3i3 Toifen odef 
1998 par. FuCs höher, ah die Spitze des Chimbo« 
razo ; und das ift ohne allen Streit die gröfste Hc)<ä 
he, bis zu welcher es bis jetzt einem Sterblichei|. 
fichjiinauf zu fchv^ingen gelungen .ift. d, H. 



\ ' 



t 32 ] 

VflgMchtet Jch gut bekleidet war, fo fing hiick 
doch an sru frieren, befoiiders an den fänden, die 
ich der Luft ausfetzen mufste. Das Athmen wui> 
de mir merklich fchwer , doch- fehlte noch viel dai> 
an« dals ich mich füllte fo vbel befunden haben» um 
deshalb herab fteigen zu muffen. Der Puls und da9 
Athmen wareu fehr befchleunigtj kein Wunder da«* , 
lier, rfafs b€fi diefem fchnellen Athmen in einer fehlt 
trocknen LuFty die Kehle fo austrocknete, dafs ich 
Mdhe hatte, Brod hinunter zu fchlucken« ' Vor 
der Abfahrt hatte ich ein wenig Ko}>fweh, als eind 
Folge der Anftrengungen am vorigen Tage und des 
INachtwachens ; ich behielt es den ganzen Tag Ober 
bei , ohne dafe es ßch vermehrt hätte. Dies vira« ^ 
teti die Unbequemlichkeiten alle, welche ich aus» 
suftehen bötte. 

Es Aberrafchte mich nicht wenig, in diefen gro« ~ 
£sen Höhen noch Wolken über mir zu fehen , in ei* 
nem Abftande^ der fehr beträchtlich fehlen. Bep 
onferm erften Aufiluge fchwebten die Wolken nuc 
in einerHöhe von iißgM^tres, (6obT.,) und we- 
niger; der Himmel darüber war von der gröfsten 
Klarheit, und die Farbe dellelben im Zenith faft fo 
intenfiv als die des Berlinerbleu. Bei meiner jetzi- 
gen Luftreife fah ich dagegen keine Wolken zu 
meinen Füfsen; der Himmel war fehr dunftig und 
die Farbe deffelben matt und verwifcht. Es ift viel-« 
leicht nicht überililffig, zu bemerken, dafs am Tage 
«nfrer erften Luftreife der Wind aus iNiNW..f und 
am Tage meines zweiten Aufflugs aus SO. l^lies. 

So 



t 33 1 

So bald ich wahrnahm» dafs ich herab ftieg» ging 
nieio^ ganze Sorgfalt dahin ^ das Herabfinken de^ 
Ballons zu mafsigen> und ihn ausnehmend langfam 
fitiken zu machen. Um 5 Uhr 45 Minuten erreich* 
te mein Aiiker die Erde und« grif¥ ein» welches 
54 Minuten fQr die ganze Zeit des Heräbfteigenil 
giebt. Die Bewohnei" eines in der Nähe liegende^ 
Döt-fcheus. (hameau) liefen bald herbei; einige 
zogen ar¥i Ankerfeii den Ballon herab, und andere 
liiagen fich dann ai^ die Gondel und brachten fie tut 
Kfde heriiuten So landete ich ohne den geringe 
ften Stofs» und ohni» allen Zufall, und ich glaub<i 
nicht, da£s eine giücklichere Landung möglich fey« 
Das Dörfchen, unweit deffen ich her^b kam^ heifst 
Saint-Gourgon> und liegt 6 Lieues nordweft« 
lieh von Rouem. 

Als ich nach Paris turhck gekottimen War> liefil 

. ich es meine erfte Sorge feyn> die Lu/e^ welche 

L Ich mit herab gebracht hatte, zu anaiyfiren. Alle 

■^ AsAdn gehörige Verfucfae wurden in der Ec^te po*^ 

l Ij-^cA/zi^ira^ unter den Augen von Thenatd ontt 

Greifet angeftellt, und ich habe dabei ihr Urtheil 

eben fo fehr als das m einige zu Rathe gezogen. 

Wir beobachteten einer nach dem andern die Eudie« 

meterftände , ohne Uns unfre Beobachtung izuvor 

mitztitheilen , und erft wenn wir vollkommen einig 

* waren» wurde diefer Stand aufgezeichnet* 

Wir öffneten dife Glaskugel ^ die mit Luft aus 
!• einer Höhe von 6636 M.> (54o5 T.*) gefüllt war, 
'. * unter Waffer. Diefes drang fogleich hinein und 



C 34 3 

föllte-nafch iinferm einfjimmigen Ürtheile die Kugel 
^.enigftenS bis zur Hälfte; ein Beweis^ dafs die Ktt* 
gel in der Tbat luftleer geblieben » und daf$ kein» 
äufsereLufty bevor ich üö geöffnet hatte ^ hineiä 
gedifutigen war. Es war stwar unfre Abficht, die 
Menge des, hinein gedrungtoeti Waffersr zu wiegen« 
lim fie mit der ganzen Capacität det Kugel zu ver- 
gleichen;* da wir aber nicht gleich alles, was dazd 
ipiothig war, bei der Hand hatten, und unfre Ürtgei- 
cluldi di^ Natur def eingefchloffenen Luft kennen zu 
lernen, allzu gtofs war^ fo gaben wir diefeii Ver^ 
£ach aufi. , 

Wir bedienten uns zuerft des Voltaifchen EuJ 
diometers und unternahmen eine vergleichende 
Analy fe der herab gebrachten Luft , und atmofphä- 
rifcher Luft* die wir mitten im Eingangshöfe det 
Ecole polytechnique auffingen. Von jeder diefet 
beiden Luftportionen wurden 5 Maafs mit 2 Maafs 
Wafferftoffgas vermifcht und detönirt. Dabei lief^ 
die herab gebrachte Luft in einem erften Verfuche 
3/o5 , in einem zweiten 5,o4 Maafs Rückftand \ die' 
atm.öfphärifche Luft aus dem Hofe aber im erTten' 
Verfuche 3,o4» im zweiten 3/^5 Maafs llückftahd* 
— ^ Ein Maafs fehr reines Sauerftoffgas erforderte 
a/o4 Maafs deffelben Wafferftoffgas, um damit 
beim Detoniren ganz zu verföhwinden. Da diefed 
nur um ö,ol von dem Refultate der fehr im Gro- 
fsen und mit der äufserften Sorgfalt angeftellten 
Verfuche über die Zufammenfetzung des WafferÄ 
abweicht, fo Hebt man^ daiS unfre Refultate 2u« 



i -55 ] 

träiien vercfienöti. Und fo beWeifen fie älfo^ cfafe 
die 'ätmofphärifchö Luft äri der Oberfläche der Er« 
de, üiid 6636 Mi^t?es über derfelbfen völlig. voii ei- 
lierlel Befcbaff^nheit ift^ Und ddfs fie an beiden Or« 
ien gieichiiiafsig iti ioo Thelleii &i;4^Theilö Sauer- 
stoff gas enthälti 

Als wir die het-äb gebt'aclite Luft mit Sctwefel- 
Wafferftöff - Kali , (fltifCger SchwefellebeiTj) analy* 
fir^teiii fatiden wir iu.ioo Theileh 21*63. Thfeilö 
£auerftoffgas.v Einen vergleiöhendert Verfuch zU 
idiefem^ liiit ätmofphärifcher Luft^ kanii ich toicht 
beibringen, weil^wit fie nicht auffangen kontiten^ 
( parc^ ifUe noiis n^uvöns pü je recueillir?) Diö 
liier gfefunJene Menge von Sauöirftoffgas ift indeö 
liöch fetwäS gtöfsefi als Wir fie durch das Di^tohi- 
fetl mit VVafferftöffgas erhalten hatteti^ Weicht abeif 
Von deih eKteß tlefultäte nicht weiter ab^ als dal 
bei den Anälyfäii der atmofphät'ifcheil Luft an det 
Ofeet-fläche der Erdö deJ" Fall zu feyn pflegt; Ab* 
Weichübgen^ welche fo kiein*Endj dafs man, ihret 
Ungeachtet^ dieiTer Luft eineirlei ßei'dhclffenheit zU« 
fchreibi 

Dafs die beideil durch Wafferftoffgas jänalyfirtöÄ 
liuftportiöjieil genau feinerlei Aiitheil aii Sauerftoff- 
^i zeigten, beWeift linttiittelbaf, dafs die Luft* 
Weichö ich äti^ der Höhe mit herab gebrächt hattöi 
kein WttJfetfiöffgaS fentbäli Ich habe mich indefif 
hietvöri noch mehr dadurch vergfewiffert, dafs ich jö* 
ife von beiden Luftpörtiötifen mit weniger Waffer- 
ftoff^aiö detonirte j als iiöthig Watj um ihren gäa-^ 



C 36 3 

zen Gehalt an Saüerftoffgas zu verfchlucken., Bejb» 
de liefsen auch in dlefem Verfuche Kückrtändei dm 
genau gleich waren. • 

Der jüngere Sauf füre hat durch ähnliche 
. vergleichende Verfüche vermittelft Salpetergas gef un* 
den, dafs Luft,xdie er auf dem Col - dtt - OeHnt 
'aufgefangen hatte > bis auf ein Hundertel genau fo 
'Viel Sauerftoffgas als Luft an der ebnen Oberflächl» 
der Erde enthielt; und Sauf füre der ältere hat 
'gezeigt« dafs fich auch in der Luft auf der Spit^ 
des MoÄt-Blanc kohlenfaures Gas befindet. Ueber-* 
dies haben die Verfuche von Cavendifh, Ma» 
carty, Berthollet und Davy die Identität der 
Züfainmenfetzuög der atmofphärifchen Luft über- 
aill an der Oberfläche der Erde dnrgethan. *) iVlan^ 
darf daher fchliefsen, dafs die Atmofphäre von det 
Oberfläche der Erde ab, bis zu den gröfsten Höhen^ 
auf welche wir uns erheben können , überall einer* 

lei Befchaffenheit und Zufaniuienfetzung habet 

# 

Diefes find die beiden Hauptrefultate meiner 
letzten Lüftreife. Ich habe die Thatfache be{j;ätigt^ 
welche wir, Biot und ich, aufgefunden hatten^ 
dafs fich die Intenfität der magnetifchen Kraft auf 
keine wahrztmehmende Weife ändert, ^ wenn timn 
fich von der Oberfläche der Erde entfernt. Zwei« 
tens glaube ich dargethan zu haben, dafs in den 

^) Man vcrglerche hiermit dje tleihe eudiometrifcher 
Auffdtze im vorigen Hefte diefer Annalen. ä. H. . 



,C 37 1 

Antlieilen an Sauer ftofFgas und Stickgas, aus welcTien 
die Atmofphäre zufämmen gefetzt ift, in fehr be- 
triN;btlichen Räumen keine wahrs^unehmendQ Ver* 
(chiedenlieit Statt findet. 

Pfoch ift indeCB vieles Ober die Atmofphäre auf* 
2aklären, und wir wjknfchen, dafs das National - 
Inftiti^t die Thatfacben, welche virir bis hierher aus* 
gemittelt haben, intereffant genug finden niög6| 
um zu dem Entfchluffe zu kommen, dafs unixeVer* 
fucbe voB^uns fprtg^etzt werden foUen. 



-fmt 



.1-. « 



[38 1 



tlPWW¥— «^-ff^-^-— ^^^^^^F-WW^^^^¥?<P^^W^^ ' 



I - • « 



versuche; / 

ük^r das Vechaltnifi der Beftanit 

iheile der Av^^ofphtire^ ,. 

Alex. Vt JIumboldt i|,J. F, Gay ^ Lüssa-c, . ,, 
(Vprßelefen in der erfien Klaffe dei i^at(öha(^Trifiifüti 

JL/ie Phyfiker und Chemiker finci zwar <iber diQ 
Natiif der Beft^ndtheile unfrer AtrpQfpbäre, nicht 
^ber über d^^ Verh^ltnifs derfelben einig. — « — -n 
piefes gen^u zu vviffen, Jft für die meifteq chemi- 
fchen Erfch^inung^n gleichgültig, hat aber aq ficl^ ' 
€Jfl grpfses, Iptereffe und ift jfür die Qefcbichte der 
JJrdQ von Wichtigkeit, St|rnmeq ^Ue geologifche 
Th^tfacheu dahin überein, zu beweifen, daC^ die 
Erde das nicht mehr ift,, was fie ehesm^hls war, dafsi 
(§hr hohe Bergen ^heiTJaMs, ygiri Waffer bedeckt wa^«» 

*) Piefer wiphöge, Auffatz^y/ar ajs; em^eln^s WerH 
angekündigt, ^4««,, XIX i> 4o5a, ,) ift aber zur 
jetzige^ l^eCfia aU falche? i;iicht erfchienen, un4 
fcheint; ß^h Oberhaupt mehr für eine phyßkalifchQ 
!geitf"hrift, als für abgt*fonderten Druck zu eignen^ 
per Li^fer erhält ihu d^her hier nach den* Journ, da 
fhyf, t, 6q, p. i:j9 -rr i58lt zwar fr^i, ^Qgh tK^Vk 

\wi\^^\^^X\ vom Her«tt«g«bQr« 



t 3? 3 

r^a , und dafs der Norden Tbiere tiahrU , di^ fiäb 
JÄtzt nur noph ?wifchen den Wendekreifeij finden j 
fo läfst fich abfehen, dafs es für- die kommenden 
Jsihr hunderte von grofsem Werthe feyn muffe, wenn 
wir dw gegenwärtigen pbyfifcben Zuftand des Erd* 
Körpers g^nau beftimmeq. Penn gefetzt aucb , di6 
grofsen Kataftrophen, welche er f^^hon erlitten hat> 
follten ficb nicbt wieder ereignen, fo wär^ves doch 
möglich, daf$ er alJm$hligen Modificationen untere 
worfen w^re^ die fich ^rft nach einer langen Reihe 
Yon Jahren zeigten; und in fo fern dürfte es vbn^ 
der höchften Wichtigkeit feyn,. die grofsen Phäno- 
mene der IMatwr, welche vielleicht variabel feyJt 
konnten, jetzt durch genaue Beob«^cbtui;igen auf ei- 
ne ^uverläffige Art fiu^zumitteln ?. B.; dio Inten- 
fität der m9g?i^tif<Äei> Kräfte, die B^rom^erhöhe 
an der MeeresHäche, die Höhe des Meers?,, dip- 
mitüerq Temperatur eines jede;^ Klima, und das 
Verhältnifs in den Beftandtheilen der Atmofphare; 
Wir haben den letzten Punkt zun^Qegenftande unfe- 
rer N^ohforfchungen gewählt; und obfchon das 
Refultat unfr^r Unterfuohungen uns poch nicht ge- 
nügt, fo wagen wir esdpch^ fchou-'jetzt den An- 
fang dqrfelbsn bekaqnt zu machen- . . 

I 
/ 

Es war zuerft nothwendig,.die bekannten eudio^- 
metrifcheq Mittel wnd in wie fern durch fie das Ver-* 
hältnifs der Beftandtheile der I^uft mit Zuverläffig- 
keit ^uszumitteln fey, genau zu erforfchen. Wahr- 
fcheinlich dürften fie alle daffelbe Re,fultat geben, 
wenn mau fie alle gleich gut kennte; weil es aber 



c 4o y 

- . . . > 

feBr foliwierig ift, jalle Con:ection«n, welche fle er* 
tofderxky aufzufinden, fo giebt man natürlich de- 
Ben 3( welche die wenigften Correctipnen fordern« 
vor den ü))rigen den Vorzug, obfchoit diefe nicht 
iir^nier im Gebrauche die einfachften find. So z. B» 
(ipheint das Salpetergas auf den erften Anblick das 
iinzuverläffigfte unter allen eudiometrifchen Mitfein 
* zu feyn; und doch haben wir uns überzeugt, dafs» 
wenn man die Wirkung deffelben mit der des fchwe- 
^llxiuren Eifens oder der oxygenirten Salzfäure und 
des Kali verbindet, der Säuerftoffge.halt der Luft 
durch daffelbe mit vieler Schärfe angegeben wird. 
Piefe Unterfuehungen über die eudiometrifchen 
Mittel werden uns in den Stand fetzen , die Beftand«r 
theile der atraofphärilchen Luft ihrem Verhältniffe 
pach genau zu beftimmen, und das foU der zweit» 
Oegenftand unfrer Arbeit feyn. Zuletzt wollen wiy 
verfuoheu, die Natur desOas auszumitteln^ welches 
ßch unter verfchiedenen Urnftänden aus Waffer.. 
^sieben iäf^t , iind die Veränderungen aufzuklären» 
welche die Gasarten leiden , wenn Qe eine Zeit lang . 
mit Waffer in Berührung find. *) 

Wir rnüffeu jedoch noch ein Mahl erinnern, dafir 
wir diefe Gegenftcinde ni^ht m ihrem ganzen XJra^ 
fange behandeln werden , wie Ge xias wohl verdien-f 
fen^ fondern dafs wir, (gezwungen, ünfre Unter« 
f);ohungen, ehe Q^ vollendet waren, zu unterbre<« 

^) Diefe letztere Vnterfucbung macht det) zweite^ 
Theil des Ayffut^es aus , und fie verfpare ich als eix| 

Vgnes Ganzes für dal folgendj» H^iu . 4. H» 



[ 4- } 

choH,) hier nur die vornehinftetiRefuItdte dQrfelbev. 
xnittheilen l^önnen. Wir fingen diefe Arbeit vor 
beinahe zwei Monaten 9 in einem der Laboratorien 
AerEcole polytechnique an, und verfolgten fie, un- 
geachtet der Kälte, die bei ihr befonders unange« 
nehm ift, mit defto mehr FleiCs , ein je höheres In- 
tereffe Herr von HumboHt an diefen Untere 
fuchungen nehmen mufste. Er h^itte nämlich iui 
Jahre 1798 dem National »-Inftitut^ ?wei Abhandlun» 
gen t)ber die Zerlegung der Luft vorgelegt, welch* 
eine grofse Mjpnge von Verfuch^n enthalten , niie er 
iep^ti (er ift e§ fejbft, der di ef e3 erklärt, )'/i5r7e Ar 
ungenau hält^ und von denen er eingefteht, dafii; 
fievonDavy und von Bferthollet, (einem Che- 
miker', d^lTen befondere jf reundfcbaft wir uns bei* 
de zur Ehre rechnen,) mit Recht beftritten wordeii 
find. *) Voji Eifer für die Fortfehritte Her Wiffen- 
fchafteii^ hat Herr von Humboldt gewünfcht^ 
;^n die Stelle diefe^Arbeit feiner erften Jugend eino 
gndere *zu fetzen, welche auf fefterm Orunde ge- 
baut v^äre. Er wünfchte, als er fie anfing, daf& 
ich mich zu dprfelben mit ihm verbinden mödite^' 
lind ich mufste mich durch Riefen Antrag um fo mehr 
geehrt ^finden, da wir,' feltd^m ^r von feiner Reifo 
nach Amerika zurück gekehrt ift, durch die engft^ 
yreundfchaft iplt einander verbunden find. 



^mt^'-^mm^m^^^mt JW 



) ■ 



*) Man vergl. Annalen, XIX > 4o3 u. 399 V V, 34» f-\ 
VI, 424; III, 77, -. ■ ■■ ■ 4. H: 



MO 

(•. BeW-erkungen über einigte eudiQinß^ 

, ^rifqhe Mitteln 

. Die trieiftea Unterfucbungei} ,. Avelche wir >übcp 
^ie yerfchiedenen ^udiometrifchen MitteUangefam 
gen babeq, find ooch allzu linyoliftändig, um fchpii 
Jetzt mitgetheijt zu werden! Wir werdea uns da** 
liec hier nur auf die Schlief elalkalien ^) upd auf 
das Waffarfcoffgas^ und zwar gan^ befpnders auf 
letzteres eiolaffen, weil uns diele beiden eudfome«« 
trifpb^u Mittel gana? vor?;ttgliph befphäftigt habeü.^ 

Pie Wirkung der Scfiiippfelalkalien '^^) in der 
Z^erlegung der Luft ift zwar im Allgemeineu ziem- 
Jich conftant, Svefshalb man fie niit Recht den an- 
dern eudiometrifchen Mitteln vorzog, poch findeu 
ßch in ihnen einige Gründe, yon Upzuveriäfßgkeit, 
welche f ehr gen^u zu kennen, npthjg ift, foU 
man in die Refultate, welche fie gebeu, volles Ver- 
trauen fetzen. Man glaubte Ifipge , fie wirkten auf 
das Stickgas gar nicht; und obgleich JJerr de Mar* 
ti fchon 1790 das Gegentbeil gezeigt hatte, fp war. 
(|iefes doch der ^ufmerkfamkeit der meiften ent- * 
|[^ngen. Zwar war von ihm zugleich angezeigt 
worden, dafs ße ßch Tuit Stickgas fättigen laffen,' 
ynd danu immeir ^in^^i §auerftoffgehaJt der Luft 

♦) Jüchtiger; wf iieS^hip^el-fVii/ferfto//' Alkalien. 

^*) Der (luffigen^ und d«h«r, geu^u glommen, der 
S^Awe/ei '^ ff aj'ferfto/f^ Alkalien. d. H* 



l 43. l 

Yon O/^i bi$ 0/25 angeben; ^) d^ eraher dft& D^x 
tail diefes Verfuchs nicht gehörig bi^fchrieben hatte/ 
gelang dqrfelbe ßerthailet njqht, der iha unter, 
andern Umftänden wiqderhohlte , wefchalb djLefer: 
Chepiiker it^ f|einer Statique chimique bemer]^tj, ex. 
jnde nichtji dafs diQ vSchwefel^lk^llen Sticligas zii 
Verfchlucken vermögen, Wir (etzt^n d^ber anfangs 
eia grofses Vertrauen in diefes eudiometrifche Mitt 
tel; cla^ ^in^lge, was uns d^ran mifsiiel, war die 
}angQ Pauer d^5 Pro^eff^s; doch bemerkten wir- 
bald, daft es nicht; immer gleichförmig wirkt, und. 
df^rin kam ups der Z^fa^ zu Hülfe, 

Wir hc^tten in drei Gefäfsen von ungleichem In^ 
halXß^ in jedem ?oo Theile atmofphärifcher Luft; 
(kbe^ eine durch Hit:^e bereitete Auflgfung von - 
Schwefelk£|U gefperrt, Nach acht Tagen betrug diQ 
Abforption in den drei Gefäfsen 25, 23;6> 2t6Thei;» 
le, und zwar war fie im gröfsten Gefafse ^m ftärk-« 
Cten., ^ Piefes Hefs uns argwöhnen, es mochte docH 
Wphl «^tw^^ Stickgas ve?rfcblupkt wqrdcsn feyn ^ und 
Vrir wie^erbo^lten den Verfuch mit ?wei Gefäfsen, 
deren Inhalt noqh mehr verfchieden war, unter den^ 
iTelben Un^ftänden wie zuvor. Nach ^o Tagen w^-» 
reu im kleinen G^fäfse ^9/5', im grofst?n 30/6 Thei- 
le verfcWuckt, Pen Aberzeugendften Beweis er-» 
hielten wir indefs, als wir ^ine Auflöfuog von 
Sphw^felkali, die bis zum Kochen erhitzt wordeQ 

Y(^Xx init Stickgas in ungleich ^rofsen Gefafe^^^ iaß^^' 



C. 44' ] 

rtdirulig brachten; liier ftand die Abforption im 
Verhältniffe mit dem Inhalte der Gefäfse, •« — Nimmt 
ihan dagegen eine nicht durch Hitze, fondern kaU 
bereitete Auflöfung von Schwefelkali, wie das 
Iß^ertliollet ftets gethan hat, fo findet kein be- 
merkbares Verfchlucken von Stickgas Statt, und die 
Analyfen der Luft geben dann weit vergleichbare- 
re Refultate. Diefe veränderliche Wirkung von 
Schwefelalkalien , welche in verfchiedeneh Tempe- 
raturen aufgelöft find , verdient genauer aufgeklärt 
zli werden ; und das wird am leichtei^en gefchehen» 
wenn wir fie mit einem ähnlichen , doch leichter zu 
überfehenden Phänomene zufammen ftellen^ 

Das Waffer enthält immer eine gewiffe Menge 
von Luft von höherm Sauerftoffgehalt als die atmo- 
fphärifche Luft aufgelöft. Erhit:5t man es , oder 
löft man darin ein' Salz auf, fo entweicht ein Theil 
diefer Luft; der übrige wird zurück gehalten, läfst 
fiöh aber durch ftärkere Hitze weiter austreiben« 
Lcifst man Waffer, das feiner Luft durch diefes letz- 
tere Mittel beraubt worden ift, an der Luft erkal* 
tön , fo wird es, indem es zur anfänglichen Teriipe- 
rätur zurück kommt, eben fo viel Luft, als es ver- 
loren hat, wieder verfchlucken; und ift man dar- 
auf nicht vorbereitet, und urtheilt nach dem Schei- 
ne, fo wird man glauben, blofses Waffer, oder 
Salzwaffer habe die Luft zerlegt. So hat Hr, Hei- ' 
1er vor kurzem atigekündigt', eine Auflöfung von 
Kochfalz verfühlucke allen Sauerftoff aus darüber 
gefperrter Luft. Und doch» ds'wir den Verfucb 



. C 45 J 

Äiit einer fehr concentrirten Auflöfung von Kocll* 
fal^^ die aber in der Kälte bereitet war^ wiedei:- 
bohlten, fapden wir nicht den klein ftenUnterfchied 
2wjfchen der gewöhnlichen atmofphärifchen Luft, 
und zwifchen folcher, die li Monate lang über dem 
£och£alzwaffer gefpcrrt gewdfen war. *) 

• ' ^ ■ 

«> Die fchärffindge Art, ^le die Verfafler itA Ht* 
fblg'im Verfuche des Hriii Prof. Heller, (^Annah^ 
XVI, 9^ f«i) ei klären ) würde voraus fctzea^ dafii 
Herr Heller feine KochfalzauflOfung mit. Hülfe 
der Wärme gemacht, und als liö noch Warm war, 
^ die Luft darüber gefperrt habe. Es fcheiht mir in« 
defs erfieitsnichf; dafs Herr Prof» Heller zu dies 
fer Annahme durch etwas anderes, als hOchftent 
dadurch berechtigt, dafs er fngt, er habe lieh ejU 
ser völlig geßitt igten KQchfalzaijnöfiiug bedient; 
zweitens möchte diefe Annahme fcbwerlich mit 
der fo langramen Abforption, die volle 2| Monat6 
bitlduitch immer im Zunehmen war, (/4/fif»^ XVI, 
10 i,) beliehen; endlich Würde es immer einbefon- 
derer Zu (all bleiben, dafs das Kochfalz^vatter gera» 
«le 0,2^6 des Liiftvolums verfchluckte. Irre ich 
tnich daher nicht, fo mochte es der Mühe lohnen^ 
'Wenn Herr Prof. H eil er diefen Verfuch mit allet 
Vorficht, wozu diefe Abhandlung Anleitung giebf, 
jioeh ein Mahl Wiederhohlte* — Sollte es > viel- 
leicht tnöglich feyn, dafs das Kochfalz, de(ten er 
Xlch bedietfle, etwas ^Schwefel - WaflerftoÜ^- Kalk 
«enthalten haben könnte?' Wenigtkens und manche 
Salzquellen zugleich Schwefelquellen, wie daa auch 
der fall i& bei einer der Hauptc^uellen iu Hai!«» 



i 4ö 1 

' 'Oehäiii daffelbe als mit Willem Salze, gefcliient' 
'fh'it jeJefn' Schxvefelalkall. Im Augenblicke, da es 
'fich Im Waffer äüflöft; fehtweicht ' eiii Theil det 
'l»uft iiüs rfem Wäffef * und es tritt ein SättigütigS- 
CHeichgewicht Äwifchen Waffer j Schv^r^felalkaÄ 
tind Luft ftiii ^ wefshalb * fo lange clie Üniftäfide clie- 
felbeii bleiben, kein Gruiid vorhanden ift* dafs das 
•WaffÄ Liift Vöf fchlucke. , Erhitzt itiatt dagögert die 
Aüflöfuög^ fo entweicht noch ein TTheil des GaS^ 
«ä^ fiö enfhi'elt, wefsKälb fie dann natürlich beiftiEr- 
Icalfeil gi^rade d^s an Gas wieder* verfchluckeri hiufsli 
was fiie fö verioren hatte ^ damit das Gleichgewicht 
wieder Uergeftellt werdö. *) Wir glauben auf diefö 
Art di^.Vferfchiedenheit -Äwifcheil' deti Jlefulfateil 
Jer -ittörren de Marti, und Berthölleti' aüflj 
der Verfchiedenheitder Uitiftättde felbft, tinter dö* 

*) Öle Abforptioö, von der wir tiier re<leii, i& gäti^ 
unabhängig von der, welche das Schwefelalkali 
tvLC lieh auf dezi Sauerßoff äufsert^ und Vermögt 
iet es lieh i^ ein fchwefelfaüres Alkali verwandelt* 
t>a indefs das Schwefelalkäli das im Waffer cöa- 
döniirte SaUerftoilfgäs veifchfuckt, fo möchte ati^ 
äiefem ötüöde Waffer^ das Schwefelalkali enthält 
^ide gröfsere Menge Stickgas als blofses WafTer in 
lieh aufnehmen können; fo dafs^ wenn matt lieh 
Imitier twär kalt^ doch frifch bereiteten Auflöfung 
bediente, auch diefe Auflöfilng wahrfcheinlich ei- 
Hö gröfsere Abforptioii zeigen dürfte, als vom blo« 
fseit Sauerftoffgas herrührt. Wir fagerJ : wahrfcheiil* 
Heb, d€nii wir häiiien darüber ueeh keinen \^t* 
fach anj>eftallt« die Verfajfen 



i 41 i 

tien beidÄ öpcrirt haben, erklären zü könneäf 
Nur glaubte Herr de Marti fälfchlich, /däft daÄ 
Schwefelalkaß vermögt feiner Natur Stickgas vei** 
fcUück^. Dies vermag eS kelnesweges ; ' vieliöehif 
tft es ürfache^ dafs däsWaffei*,wc)tnit man es kocbt^ 
nicht fö Viel Luft vei^fchluckt^ als e^ ohne dies thui« 
Würde* 

Die Scliwefeialkalieil können diefem zü Folge 
mit Sicherheit zur Analyfe der Luft gebraucht wfei** 
den, beobachtet man nur die Vörficht, fie im lÜal* 
^ten aufzulofen^ und fie einigt Zeit lang mit Sticke 
gas oder mit atniöfphärifcher Luft in ße^ührung iii 
lai'fen« Sie haben irtdefs dieÜnbequemliehkeit, dafs* 
cfd es langö Zelt dauert * bis fie das SäiierftQffgas 
Vollständig verfchiuckt haben , man dabei der. Cor* ■ 
ifectionen wegen des Thei'motiieter'- und des Baro* 
xneterftandes bedarf^ welche oftfehi* mifslich find.*) 
Die leichtefte Methode, diefe.zu finden, ift ünfttei-» 
iig, dafe man, wie ßerthollet tind de Marti^ 
eiii bekanntes Volümert Luft übei* Waffer fpetrt* 
ttüd aus den Volumenverändex*ungen derfelben auf 
die det Luft, Welche tnan analyfirt, fchliefsit j doch 
liat es uns gefchienen, dafs diefe Methode in dei? 
Ausübung nicht {0 Voriheilhäft ift, aU es fcheint« 

^) Sedtient maxi lieh Äei düOigetl ScWefelkalk^ 
( Schwefel ^Wafferftoff* Kalks,) nach Art desDr*. 
Hepa 4 (Anni XlX,:^85,) fo foll bei hinlänglichem 
Schütteln alles SauerAöfi'gäs in 20 Minuten vollfiäit« 
dig abforbirt fe yn. ( üaf, » 42 1 . ) d. H. 



■ t 4a ] . 

Noch niürfen wif b^m.^rken, däis beialleh ifd* 
ften oder tropfbar -fiüffigen eudiometrifchen Mitteln 
Fehler j welche man in cler Beobachtung der Örade^ 
öder indem man die UnzuverläffigUeit der Methoda 
fühätzt/ begebt,' gan2 und gar auf Rechnung de$^^ 
Sauerftoffgehalts kommen. Da man nun bei der gröfs* 
ten Sorgfalt fchwerlich weiter als bjs auf ein Hun-»- ' 
dertel der Beobachtung gewifs feyn kann, fo wür-» 
de fich auf diefeArt derSauerftoffgasgehalt der Luft 
»ur bis auf O/Ol genau beftimmen laffen. In de^ 
Tbat haben die Chemiker, durch eudiomßtrifche 
Mittel dlefer Art, eine ziemlich bedeutende Ver* 
fchiedenheit in dem Sauerftoffgehalt der atmofphä* 
rifchen Luft gefunden, uni felbft de Marti, det 
viel Verfuche mit Schwe'felalkalien angeftellt zu ha- 
ben fcheint und die nöthfge Vorficht bei denfelben 
kannte, beftimmt diefen Gehalt zwifchen O/dl und 
o#23. *) Wir werden weiterhin fehen, dafs eudio« 
metrifche Methoden, bei deöen man fich eines luft«^ 
fcrmigen Mittels zur. Abforption des Sauerftoffga$ 
%edient, eine gröfsere Schärfe zulaffen« 

r 

J 

*) Vergl. Annattn, XtX, Sgl, ^Q«. ßort benimmt 
' de iWafti dön SauerÖofFgehatt der atnaofptiäri*\ 
fchen Luft nach feinen VerfucJicn mit flnffigert 
Sch^efelalkalien auf 0^21 bis ö/2ß, welchö letztere 
GrAnze doch nie erreicht tvird. iVach Berger^i 
Verfuchcn mit Söhwefelalkalicn follte dicfer Go- 
liMt zwifchen o^2o3 undo,ai6 fällen. (On/», 416«) 

d, H. 



i 49 -3 

■ 

2. 

I>a iT^ir unfre Arbeit hauptfachlich in der Ab» 
-fccYit angefangen haben, um uns zu vergewilTern, ob 
tfas Foltaifche Eudiomcter zur Analyfe der Luft 
brauchbar fey, fo machte diefes Eudiometer den 
fiauptgegenftand unfrer Unterfuchung aus. Maa 
liatte demfelbenUuzuverläffigkeit zurLaft gelegt,*) 
vtid dafs es den Sauerftolfgehalt der Luft zu klein 
angebe. Es fehlen uns aber, dafs es hier nur auf Cor- 
rectionen ankommen möchte , die man ausmittehi| 
und für deren Variationen man Gefetze auHinden 
mGlfste, um diefes Eudiometer eben fo genau als 
t>equem zu machen. Wir legten uns daher folgen« 
de Fragen vor: A. Kann, wenn man ein Gemenge. 
aus Wafferftoffgas und Sauerftoffgas im Voltäifchen 
Eudiometer entzündet, eine diefer beiden Gasarten 
Tollftandig abforbirt werden ? — JB. Ift das Pro- 
dukt der VerbinjLiung diefer beiden Gasarten beftän« 
dig voh einerlei Natur? — C. Nach welchem Ver- ^ 
tuätnifTe vereinigen fie fich zU Waffer ? — D. W«l- . 
^es find die Granzen der unvermeidlichen Fehlet 
beim Voltäifchen Eudiometer? 

Wir wollen diefe Fragen eine nach der andern 
unterfucben. Zuvor muffen wir jedoch die Art 
tngebeoy wie vrir uns beide Gasarten in der gröfsten 
ReinHeit verfchafft haben. Das Sauerftoffgas ha- 

♦) So unter andern noch Berthollet in feinen Bt« 

Aierkungen über die Eudiometrie , Anh. , V , 343« 

d. H, 



ben wir aus überoxygenirt-falzfaurem Kali«ntbu»f > 
jäem. Um es moglichft rein von Sticligas zu ethal* .^ 
ten, tbaten wir das Salz in eine Retorte, fcbli^el2^ 
ten vor der Lampe ein Entbindungsrohr an, und 
f iillten die Retorte bis ü'ber ein Viertel mit Waffer* 
Bevor das Salz fich zerfetzen konnte, mufste dieK 
fes Waffer verdampfen, und die tiberfteigendeii , 
W äff erdämpfe trieben fehr bald alle Luft aus der Re- 
torte. Damit indefs in der Zwifchenzeit, ehe das. . 
Gas kam,' jaicht wieder Luft hinein treten möchte» 
.hatten wir das Ende des Entbindungsrohrs in ,eine 
Schale mit Oueckßlber getaucht, welche Mcegge«« 
li'ommen wurde, fo bald das Gas erfchien. Um zu . 
vermeiden, dafs nicht das Sauerftoffgas , indein et-* 
in dem Recipiputen ^n ßlafen auffteigt, aus dein 
Waffer, womit der Recipient gefüllt ift, Stickgas in 
fich aufnehme, leiteten wir das Sauerftoffgas gleich 
in den oberften Theil des Recipienten, vermittölft 
einer rechtwinklig gebogenen Glasröhre hinauf, die 
wir vermöge eine« durchbohrten Korkftöpfels Tpr' 
dem pntbindungsrohre befeftigten. Diefe fehr eia-' 
fache Methode ift befonders bei Gasarten zu eni^ . 
pfehlen, die im Waffer aufJöslich find, z. B. beim 
kohlenfauren Gas, beim oxydirten Stickgas unA' 
, ahnlichen. — - Unfer Wafjfirftoffgas erhielten wirv^ 
durch ZerXetzi^ng des Waffers, vermittelft Zink - 

• 

und Salzfäure oder Schwefelfäure, wobei wir die* 
.Saure mit ungefähr 6 Theilen Waffer ver.»annt hat- - 
ten. Wir beobachteten die Vorßcht, die ganze \ 
Entbindungsiiafche mit verdünnter Säure voll zft>j 

... * ^ 

■----.;■■ ' ■ ^ \ 



t 5t 1 

gi^&aB> und das Gas ebenfalls nicht dufch Wafftf 
fteigen zu laffen. — Aller tliefer Vorficht unge* 
achtet zeigten fich iil tinfermSauerftoffgas^ als wit 
es mit Schwefelkali behandelten, noch 0;oo4 Stick"* 
gas» und in unferm WaiXerftpffgas mufsten, wits 
.T^ wtiteir unten fehen werden V noch O/O06 Stick« 
gas enthalten feyn. 

Erfte Fragen Kanirt^^ tvenn man ^in Gemengia 
Jäu^ Sauerftoffgais und Waßerftpffgas im l^oUui'- 
ßhen Eudiomeier entzünelet , eine die/er beiden 
Cäsar ten v&Ußändig ubforblrt werden? 

Oefetzt, diefes wäre der Fall, fa müfstiin^ fchiea 
ies uns, beide Gasarten fleh genau nach demfelbtea 
Verhältniffe zu Waffer vereinigen f gleicl| vielj ob 
das feine öder das andere vorwaltet In det That 
\var diefes fehr nahe der Fall, als wir 30a T^hiiile 
[ Wafiferfkoffgas und 100 T^heilfe Sauerftof^as* und 
dann 2DO Theile vom erften undv^^öo TTheile vbm, 
.todehi Gas mit einartdel* entzündeten j und diö üö- 
• thigen Gofröctionen wegen der niöht völligen Rein- 
heit tiiifeirs .Gas mit in Aeöhnüng brächten. £s Wä- 
tÄ twar wohl möglich i dafei ungeachtet ei^6 der 
\ beideii Gasarten voUftändig yerfchluckt. würde I dl« 
Verhältniff e i wornach fie fleh mit einander veffei- 
: ftigten^ wefafi das efne^ und "vi^enn das ahdere OslS, 
Vorwaltet, öicht diefelbeti wären; iiämlichj Avehn 

■ 

lA iii eitietii Falle elii oxygönlrte$, im andern eifl 

Vydrogenifittes Waffet bildötCi Da fich aber wirk-^ 

■ Ich difefelben Verh^Itniffe fändön'* fo muffen wit 

Mhv^ctidig f€hli#fs«n ^ ^af; im urftKQ Fall« tfdf 



■^ 



[ 5^ 3 

Sbüerftoifgas , im andern das WalTerftoffgas volh 
ftandig fey verfchluckt worden. Wenn bei eini^ 
gen Mifchungen von Sauerftoffgas und WalTerftoff- 
gas eine vollftändrge Abforption der einen oder der 
ändern Gasart Statt findet» fo berechtigt uns das - 
tticht^ zu fchliefsen, däfs das bei allen Mifchüngs* 
verhältniffen der Fall fey. ^Vielmehr, giebt es"" nicht 
nur Verhältniffe , wornach beide Gasarten mit ein- 
ander, oder mit einem dritten Gas^gemifcht feyn 
können, bei denen es unmöglich ift, fie durch dea 
electrifchen Funken zu entzünden; foiidern auch 
indere, bei denen die Entzündung zwar anfängt» 
jedoch vor dem voUftändigen Verbrennen aufhört» 
Folgende Verfiiche fcheinen uns diefes auf eint' 
überzeugende Art darzuthun. 



Es wurden 


i gemen 


g' 


Die Abforption 


Wafferfloffgai, 


Sauei 


Üo£Fgas; 


nach der 


Enuüfi». 


• 






düng betrug 


loo Tbeilo 

• 


200 


Theilt 


146 Tiieiki 


loo 


3oö 




l4ti 




loo 


600 




146 


. 


loo 


900 




146 




ipo 


gSo 




68 




lOO 


1000 




55 




loo 


1200 




84 




Sop 


1400 




>4 


1 


lOO 


1600 







•» 



Die vier vorletzten Abforptionen find vielleicht 
nicht ganz genau, well linfre Inftrumente für di« 
Proportionen der Mifchuag zu klein waren; doch 
kommt es bei il^len nicht auf ganz genau beftimmti» : 



1 



[ 53 3 

Zahlwerthe an. Im letzten Falle fand keine Ent* 

I 

zaodung und daher auch gar keine Ahforptioa 
Sutt 

Es'ift auffallend, in diefen Verfuchen ta fehen: 
l.dafs einÄ Abfdrption, die bei fehr verfchiedeneii 
Verliältniffen conftant ift , lieh plötzlich in eine ab- 
nehmende Abforption verwandelt; ^. dafÄ das Ver- 
brennen von Wafferftoffgas , nachdem es ängefaur 
gen hat, iaufhören kann, bevor fie ganz vollendet 
ift; 5..dafs es Mifohungen von Wafferftoffgas und 
Sauerftoffgas nach folchen Verhältniffen giebt, dafi* 
•s nicht mehr möglich ift, fiie zu entzünden, Diefe 
Phänomene werden fich aus der Folge aufklären. 

-Jetzt genügt es uns, durch diefe Verfuche uns über- 
zeugt zu haben, däh es Verhältniffe, und zwar 
zwifchen ziemlich weiten Gränzen giebt, bei wel- 

" chen das Wafferftoffgas vollftändig verbrepnt. 

: In diefen Verfuchen waltete das Sauerftoffgaa 

for. Diefelben Phänomene findeti indefs auch um* 

gekehrt Statt, wenn man der Reihe nach |:oo Theile 

Sauerftoffgas erft mit 200, dann mit 5^^ Theilen^ 

und fo ferner mit 1000 und mehr Theile Waffeiv 

ßeffgas- mifcht und entzündet, nur mit dem Unterr 

fchiede,'^af$ die Gränze, wo die Abforption coli« 

Itant zii feyn aufhört, hier weiter hinaus liegt. Und 

ifas erklärt /ich fehr natürlich daraus, dafs beim 

• Eot?ünd.en in diefem' Falle fiph ^qo Theile, im vo* 

' £igen dagegen nur halb fo viel Xheile gegenfdtig 

iWoprbirejfr 



t 54 3 

Auch Stickgas und kohlenlkure$ Oas geben ähn^ 
^che Refultate. EntzQpdet inän z. B. eine Mifchung 
^us goo Theilen Stickgas mit loo Theüön Waffem 
(toffgas und ipio Theilon gauerftoffgas, fo ver- 
jfchwinden nur 5^. Theüe, (b.?ic( einige^ inehjr, bai4 
i^iqige weniger,) indefswir bei ejaeip. geringetq Au» 
tbe^le an Sückgas^^ ,(tet§ die vpllftäi^tj^ge ^VWorptioi^ 
^von 146 Theiien. erhielten. Das Stickgas fclii^in^ 
'$ch hier plfo perfide wie das S^uerftpffgas zu yerh^l-e 
^en, 4a d^r Verfud^ nxit lOQ Theileq Wafferftoff-^ 
gas und lupp XheileA Saueyftpffg^s di^felhe Ab-» 
(brntion gab j doch fufs^n wir hi^r^^f weiter nicht^ 
,<iä esi uns npch an den nöthigen V^rfuchen fehlte 
Genug ,^ dafs die Verflache ,^ welcljö wr bei^eits an« 
geftellt haben ,1 bevveifeq,^ dafs^ wenn Mifcbungeii 
^iisi Sauerftpfifgas und Wafferftpffg^s n^it verfchiede-e 
Hen andern Qasarten gemischt wenden, die Ab*» 
fprption b4s zu einer gewiffen Granze conftant feyi^ 
l^^nii, fiher- welche hinaus fie fehr fchneil abnimmt. 

!P^ hei deip eben erwähnten Verfucfae mit einei^ 
^{bhuug aiisf drei Gasartexi die lOP Theile WafTer^ 
{tpffgas nicht voUriändig verbrannt war^n,, Covers 
f^ph^eq wir« den Rackftand zir zerlegen. Phpsphor 
Vermindeirte loa Theile deffelben in 4 Stunden tinsi 
. 7 Theiip; ein offenbarer Beweis, dafs ßch im Rück« 
(tande apch Sa uerft offgas befand. Wir brachten dar* 
lüut^nder« 900 Theüe des Rückftandeff mit^ooTh, 
Saueirftpffgas und aoo Tlieilen Wafferftoffgas in das| 
Vj^taifphe ß^diotneterj nach dem Entzünden wa* 



t 55 I 

Vcrfiicben, die wir weiterhin* anführen wercJea,' 
loo Theile Sauerftoffgas 200 Theile Wafferftoffgai 
erfordern, um (ich damit zu CSttigen, fo hätte nn't 
dem nicht ganz. reinen Wafferftoffgas , deffen wjr 
uns hier bedient, haben, eine Abforption von 29^ 
Theilen erfolgen foUen. *) Mithin mufste, da lief 
.510 Theile betrug, der Rückftand nothwendig fd 
viel Wafferftoffgas enthalten, als nöthig ift^ die Ab* 
forption von 092 auf 312 The^e zu bringen, da9 
*ft> I3r3 Theile. DieRechnung giebt la Theile. ♦*) 
^/lan fieht hier alfo offenbar, dafs, obgleich di^ Ent« 
- Rundung Statt fand, doch das Verbrenne^ picht 
^ollftändig war, inden^ wir allen Wafferftoff» de)r 
joieht in chemifche Verbindung getreten feyu koun^ 
te^ im Rückftande wirklich wieder gefunden ha» 
ben« Bei jeder nicht voliftändigea Abforption wa» 
^gtie 'Entzündung nur wenig lebhaft^ "\ 

Vergleichen wir die Wirkung der Eleptricität 
t>eim Entzünden von Mifchungen aus Wa(IeirCtof%a9 
^nd Sauerftof%as nut, der Wirkuqg einer hohejst 
-Temperatur j foift der öedanke. fehr natürlich, 
6aS^ auch im erftern Falle die Entzündung blofs-voli 

der Wärwe hwrühJ:e^ möphte^ di^ dej: ^lactrifcho 

*} Pliafes wäre alfb minder reines Wafferftoil^as ^ 
wefen ^ als zu den meiften ubi igen Verfuchen go« 
dient hat, d. H, 

**) Nämlich m io^o Theileti des Rac^ftap<tes muff« 
ten 66/8Theile, alfo in sooTheiten des Kückftandet 
iuwa$ iUier is Theile Wai£erßoif|gas enthalten feyju. 



l 56 ]; 

^:nnke dadurch bewirkt, dafs er das Gasgemifch bei 
leinem Durchgange augenblicklich comprimirt. 
Wir wufsten aus unfern eignen Verfuchen, dafs die 
Ijlxitziknduqg' einer folchen Mifchung. durch Wärme» 
lediglicH auf dem Qrade der Wärme beruht, und 
nur in einer Temperatur von einer beftimmten Hö-»^ 
he Statt findet. Denn lä&t man das Gasgemifch fehr 
langfam durch eiae Röhre fteigen , die von ihren^ 
£ndQ bis zur Mitte fehr ailmählig erhitzt wird, un4 
yerhindert dj^ffelbe nicht, fich frei auszudehnen, fQ 
erfolgt die Entzündung fogleich, wenn die Tempe^ 
tatur eine gewiffe Höhe erreicht hat. Nun aber 
drückt der electrifche Funke bei feinem fchnelleOL 
Durchgange auf die Gastheilcben, da er feine Ber 
wegung ihnen nicht augenbhcklich mittheilen kann : 
dadurch entfteht eine augenblickliche fehr ftfirke 
Compreffion ; diefe bewirkt eine Temperaturerh<>r 
hung über die Gränze hinaus , bei der die Entzün«» 
du.ng 6ß!^ Gasgemifches eintritt, und folglich die ^n^ 
fiündung ijn einigen. Stellen, und ift diefe einmaU 
angefangen, fo verbreitet fie fich fehr Xchnell durqh 
das Ganze. . 

Diefer Vorftellung von der. Wirkungsart dejr 
^Electricität zu Folge, fehlen es uns, dafs, im FaUe 
«infchwacher electrifcher Funke nur ein unvollftän- 
diges Verbrennen in einem Gemlfche aus Sauerftoff* 
V gas und Wafferftoffgas bewirkt, ein ftärkerer ele- 
iptrifcher Funke ein unvoUftändigeres Verbrennen 
V4rai>laffen muffe« Sey.es indefsj dafs wir keine 
hinreichend lebhafte Electricität angewendet > oder 



• / 



C 57 I 

dstts wir uxifre Verfücbe niclit g^mi^ fervi^t^ti^ 
haben; unfre Refultate £eIeKi nicht iQerkbav. vert 

fchieden äu$ > wir mochten cteit Funken eines EJe<^ 

• 

<;trophors von 5][ Zoll Durchmeffer/ oder d^d:Efeit( 
ladungsf unken einer ftark geladenen Leic(iier Elar% 
^be anwenden. Doch erlaubte utia die Einrichtung 
«nfers Eudiometers nicht, riecht lebhafte Funken 
hinein zu bringen, uiid wir laffen daher <iie;£nf^ 
Scheidung hierüber. bis zu weitem Unter fuchuHgea 
ausgeletzt. :, 

Beim Entzünden eines. Gemifches von looTfaei* 
len Waffer fto^gas, loo Th eilen Sauerftoffgas und 
900 Theilen Stickgas blieb,, wie wir gefehn haben^ 
ein Rückftand, welcher in zoo. TheiXen 6 Tbeiltf 
Wafferftöffgas, 8 Theile Sauerftoffgas und 861 Tb* 
Stickgas enthielt. Folglich wurde die Entzündung 
gebemmt, als diefes Verhältnifs. der Mifchung ein? 
trat, und ein neuer electrifcher Funke würde hier 
keine Entzündung haben bewirken können.. Df 
nun die Atmofpbäre lange nicht O/06 Waffexftof& 
gas enthält, fo vermag der electrifche Funke nichtig 
£e zu entzünden ; oder thäte das vielleicht d^er.BÜA^ 
wegen feiner groCsen Kraft , fo wird doch die. Entr 
Zündung fich nicht welter verbreiten können», foir» 
dem den Orten, fo zu fagen, eigenthümlichfeya^ 
durch welche der Blitz unmittelbar hindurch; fährü 
Folglich JafTen fich die Meteore nicht durch £nll» 
Zündung von Wafferftöffgas vermöge dea. Biil^ 
zcs, unci noch viel weniger vermöge kleinerer ele- 
ctrifcher Eniladangsfunken ^klätwi ^^ ß^jf^dtkn^ 



I 58 J 

» ■ » 

iii Luft enthalte im Augenblicke, da diefe Mete^ 
re encltehn, melir als 6 Hundertel Wairerftof& 
gas, welches indefs gegeo alle VVahrfchefnlich'« 
keitift, befonders wenn man bedenkt, dafs Luft^ 
die in einer fehr grolseh Höhe aufgefangen wurde^ 
keinleq wahrnehmbaren Gehalt an . Wafferftoffgas 
T^ei vei^gleicb enden Verfuchen mit Luft yon'^ der 
Oberfläöhe der Erde ge«eigt hat. *) 
1 .'.Gefetzt, es fände wirklich beim Durchgange dee 
electrifchen Funkens durch Gas, jedes Mahl eine 
locafeiind inftantane Wärme Statt» weiche von der 
Compreffion der Gastheilohen herrührte; fo fcheint 
es, muffe es möglich feyni durch electrifche Fun-^. 
Ken, welche man wiederhohlt duirch ein folches 
nicht mehr entzütidliches Gasgemifch durchfchla- 
gen liefst, in diefem Gemifche vermöge kleiner lo- 
oaler. Entzündungen an den. Orten des Durohgangesj 
idles Wafferftoffgas, das hier in fehr vielem Stick* 
gas und Sauerftoffgas oder blofs in Sauerftoffgas ep^ 
tränkt ift, allmählig zu zerftören, Dafs diefem fo 
ley, dafür fcheint die Erfahrung zu fprecben, dafs 
Aethet und Ammoniakgas, die beim Uurchgarige 
durbh eine glühende Röhre durch blofse Wärme 
-zerfetzt werden, fich auch durch electrifohe Ent* . 
ladungsfunken zerfetzen laffen. Es würde in die« 
fer Hinlicht fehr intereffant feyn , zuverfuchen, ob 
ftcb ein entzündbares Gemifch von Wafferftoffgas 
'fUid Sftuerftoffgas noch möchte durch electrifche 






,u.«) VergL S. 35; «udi Amu^. XVi| a88*.' d. H. 



i; 59 3 

Funken entzünden lalTen, wenn mao «s vermlttelll 
der Luftpumpe ftark verdünnt hätte. Beruht di&Enft« 
lündung wirklich auf .der Hitze, welche dadurch 
bewirkt wird, dafs der electrifcbe Funke das Oa9 
eomjprimirt ; fo muffe, fcheint es, hier eine weit 
geringere Gompreffion und Wärme bewirkt wett 
den^ .und es müfTe daher eine Dilatation geben, bei 
der keine Entzündung mehr Statt findA : Noch hm 
ben wir. nicht Zeit gehabt, die hier in^Vorfehlag ge? 
brachten Verfuche felbft anzuftellen; «decb ift dae 
unfer Vorfatz, und wir hoffen f^lbfü^. es'vbcbt bald 
thun zu können« ^ • > . ;. < 

Bis hierher ift von mos Folgendes* x(argethai|i 
worden: Es giebt Mifchungsverhältniffe-^onWaft 
ferftoffgas und Sauerftoffgas , oder v<äi beiden mif 
Stickgas, bei denen ein vollftändiges Verbreiuiei» 
des Walferftoffgas Slatt.£ndet Es giebt andero 
Mifcfaungsverhältniflei bei denen, das Verbrenneii 
aufhört, bevor es vollendet ift; und noch andere^ 
bei deneji kein Entzünden möglich .ift< Das W^& 
lerftoffgis,: welches nicht verbrennt,, j^ndet .fi€)| 
ganz im HOekftande^ Wenn fich duKch.den electri^ 
^cben Funken kein Verbrennen yoUf tändig be wirr 
ken, oder auch nur «einleiten läfst$ fo ift es hiur 
linglidiK um diefen Erfolg 2,11 erhalten, den An? 
theil des Gasgemifch efi an Wafferftpffgaßi.qd^rSaueiv 
*|tof{gas ZU: erhöhen^ £Ue meteorolog^f^ben Err 
{cheinungen könnw. durph kein Verbrennen vott 
Waff er ftoffgas bewirkt w^i;<€len» weil in den i\egiq^ 

Pen« WCI9 wif^ ^^v^ g<m«ii»ta ((46 YPf »ji^jSHc^ftw 



i 



[ 66 ] 

■ 

jMtfteBn, "wifjz. B; die plötzlichen Regengfiffe* die 
nicht feiten gleich auf Donnerfchläge folgen,, die 
Luft HFiehp als 6 Hundertel Waff^rftoffgas enthalteii 
flnüfste» weil nur dann ein Entzünden möglich wird» 
iind felbft dann könnte nur der Ueberfcbuüs flbee 
cUefen Gehalt an Wafferftoffgas verbrennen. 

Der Fall 9 wo das Verbrennen nicht vollftändig 

ift, fcheintfich nach den Gefetzen der Verwandt-« 

fehaft daraus erklären. zuJaffen, dafs das eine Gas» 

Wenn es fe&r hervor fticht, das andere durch feine 

Verwandtkföbaft zu demfelben fohfltzen, und dem 

Verbrennen zumTheii entziehen kann. Mag gleich 

diefeVeirwandtfcbaft: fehr>geringe feyn, fo iftes doch 

nach Benrth'olle t's Lehren begreiflich ,. wie die 

Menge dee Gas hier das erfetzen kann , was an Ver* 

waadtfdbaft abgeht; und wenn, die verfcbiedeneo 

Ga^arten hierbei ein verfchiedcnes Vermögen zeigT 

ten,' da^ Verbrennen zu hemmen, fo wOrde das aus 

ihrer verfohiedenen Natur zu erklären : f^yn« -^ 

Wie (ßllte man aber hiernach den plötizlichen Ue^ 

bergang von ieiner conftanten Abforption', die. bei 

Innigen Mif^ungsverhältniffea von • Sauerftoffgaf 

tind Wafferftoffgas Statt findet, in eine abnehment 

de Abforption erklären, da man doch zugeben qriufs^ 

tlüfs, -Wenn das Wafferftoffgas wirklich dem Verv 

brennen durch die Einwirkung des Sauerftoffgas 

entzogen werden könne, 'die Wirkung. diefe^ letz^ 

iern doch nach eineni Gefetze* regelmäßig erfolgen 

"teaffe? Wie wäi'e es zu begreifen^ dafs beide Gas* 

mrtea, nachdem fie^ in Umftandea gewefeo^ dieii 



[ 6x ] 

rcr Vereinigung günftig find, fich Vermöge ihtet 
Verwandtfchaft im elaftifchen Zuftan'de erhalten 
foliteh, indefs fie in eine Verbindung von viel grö* 
fiserer Dichtigkeit, dem Waffer, treten könnten?. 
Wie,, endlich,' follte eine Verwandtfchaft, die eine 
fehr grofse Condenfation und Sättigung ' hervoir 
bringt, einer Verwandtfchaft nachftßhen können, 
welche in dem Volumen beider Oäsarten keine Ver« 
Snderung bewirkt und keine Sättigung erzeugt? 
WaCferftoff und Siuecftoff, in welchem Zuftand* 
fie auch feyn mögen, haben immer einerlei Grad 
von Verwandtfchaft, weil di^ie Verwandtfchaft 
durch ihre Sättigungscapacität .gemeffen wird; nur 
kann der Zuftand, worin fie fich befinden, ihrer 
Vereinigung mehr oder minder günftig feyn. Aus- 
fegen, dafs beide im Gaszuftande eine gröfsere Ver* 
wandtfchaft als im flüffigen Zuftande haben, würde 
heiüsen , behaupten , dafs ihre Theilchen fich ftär* 
k^ranziehn, wenn fie fehr von einander entfernt« 
als wenn fie nahe bei einander find. — Diefe Ein- 
wendungen gegen jene blofs aus der Verwandtfchaft 
ab]geleitete Erklärung (cheinen uns von Gewicht 
. SU feyn. Wir wollen daher eine andere Erklärung 
verfuchen, die uns diefeii Schwierigkeiten nicht 
ausgefetzt zu feyn fcheint. 

Alle verbrennliche iCörper erfordern in der 
Regel eine gewiffe Temperaturerhöhung, um fich 
mit dem Sauerftoffe zu vereinigen. So z. B. ver« 
wandelt fich die Kohle erft wenn fie roth glüht ia 
kdhlenfaures'GaSy und. indefs fie bei eiiier hohen 



£ 6d 3 

T«5mpefatur fortbrennt, auch wentt tnän ülnen 
ßtrom Von Wöffcrdämpfen auf fie leitet^ ietlifcht fie 
fogleieh , wenn fie in Waffer getaucht wird. Giebt 
tnan diefes als Orundfatz zu, dafs alle Körpeif eine 
gewiffe Temperaturerhöhung fordern^ um zu bren-* 
Den, fö wollen Wir uns nun einen Körpef denken^ 
der In einem gegebenen Volumen atmofphärifchet 
linfi: brennt, und annehmen, die Äum Fortbrennen 
tinentbehrlicbe Tempetattit werde lediglich durch 
die Wäf me herbei geführt, die beim Abfotbifen des 
Sauerftoffs frei wird^ Wir wollen fei*nef die Wät» 
tne,' "Vielehe auf diefe Art zu Anfang des Verbren-« 
nens aus i KubikzoU Luft frei WitA , gleich i fet* 
2eh, und annehmen^ es gehe während -des ßren* 
»ens immerfort die Hälfte derfelbea verloren , thellsJ 
als ftrahlende Wärme , theils weil das Stickgas tinct 
Äptdereltörper etwas davon verfchlucken , (wobei 
Wir alfo das Oefetz» wonach ^diefer Verluft allrpäh- 
Ijg abiiimmt, zur Seite liegen laffeui) Man über-* 
fieht leicht, "dafs während der erften Augenblickd^ 
des Verbrennens die Temperatur des Körpers zu-« 
nehmen mufs, dafs aber in dem Örade^ Wie die 
Menge des Sauerftoffgas abnimmt, und folglich diö 
4es Stickgas verhältnifsmäfÄig gröfser wird ^ äudh 
die Hitze, welche dem Körper mitgetheilt wifd> ab-» 
llehmen mufs. Es wird folglich endlich ein Zeit^ 
l^unkt eintreten^ da die Wärme, welche? verioreii' 
geht, def Wärme, w^elche mitgetheilt wird j gleich 
ift, und Übör diefen Zeitpunkt hinaus wird diö 
'^IffnpeFatur zu niedrig feyur ^ dab das Verbren« 



/ 



r 63 % 

X • - * « 

I \ 

oiin% fortdauern könnte. Ein Beweis ctafär, ddfe 
das Verbrennen blofs wegen der zu niedrigen Tem» • 
peratur aufhört^ ift, daüs, ,wenn man eine binrei«' 
chend hohe Temperatur kanftlich unterhält, det 
Körper fortfährt zu verbrennend Diefe Erklärung 
gilt auch , wenn ftatt des Stickgas irgend ein ande* 
res unverbrennliches Gas, z. ß. fchwefelfaures Ga6 
oder kohlenfaures Gas, dem Sauerftpffgas in eben 
dem Verhältniffe beigemifcht ift, nur dafs dann daa 
Verbrennen eher oder fpäter aufhören würde ^- j« 
nachdem diefe Gasarten eine fehr viel gröfsere oder 
fehr viel kleinere Capacität«für den Wärmcftoff , alt 
das Stickgas haben follten. Haben alle Gasarten 
gleiche Capacitäten fQr den Wärmeftoff , fo müfstft 
.d^s Verbrennen unter gleichen Umftänden in ihnen 
allen zugleich aufhören, wie das ungefähr bei dea 
Mifchungen von Sauerftoffgas und Stickgas mitWaf« 
fcrftoffgas der Fall yvar. Vielleicht liefee fich auf 
diefem Wege zu einer Antwort auf die wichtige Fra* 
ge kommen , ob aUe Gasarten einerlei Wärmecapa* 
tfität haben, oder nicht 

Hiernach wQrde ein verbrennlicher Körper, wie 
ft. B. Schwefel, in einem beftimmten Volumen Luft 
2iicht defshalb zu brennen aufhören« weil die Ver«" 
tvandtfqhaft des Stickgas oder der erzeugten Gas* 
artejfi ^um Sauerftoffgas ftärker wäre, als die de» 
Yei^brennlichen Körpers zu diefem Gas; fondera 
weil die Wärme, welche durch jene Oasarten abf 
forbirt wird, indem fie fiab in ein Gleichgewicht der 
Temperator.mit dem brennendeüüörjpttc au Utttm 



\ 

t 

X 



c 



.1 64 3 

f 

Ih^ben, endlich gröfser ift , als die Wärine^ welch« 
^eimFixireh de& Sauer ftoffs frei wird, da dann dii , 
^'emperatlir fehr bald imter die herab finken mufs, 
•welche zum Verbrennen unentbehrlich ift. Es ift 
i)ekannt9 dafs der Schwefel in der That in einer 
Xiuft, in welcher er verlöfcht ift, fortbrennen kann» 
wenn man feine Temperatur hinlänglich erhöbti * 

Bei dem augenblicklichen Verbrennen des Waf- 
ferftoffgas im Voltaifchen Eudiometer geht ganz 
fdaffelbe vor, als beim allmähligen Verbrennen def- , 
Mben oder irgend eines andern Körpers^ in einem 
gegebenen Volumen von Luft. Stellt man unter ei- 
ne Glocke voll Sauerftoffgas einen Apparat, \^oria 
Wafferftoffgas wie in einer Lampe brennt > (une 
lampe a gas hydrogency) fo ift die Flamme klein« 
lebhaft und leicht gefärbt. Nimmt man ftatt des 
Sauerftoffgas atmofphärifche Luft, fo wird dieFlam- 
nie grötser , minder lebhaft und ftärker gefärbt ; 
»ach Maafsgabe, wie der Antheil an Sauerftoffgas 
abnimmt, Avird die Flamme immer gröfser, weil ' 
dann das Wafferftoffgas fich immer weiter verbrei-, 
ten mtifs, um das Sauerftoffgas aufzufinden; end- 
lich färbt fich die Flamme fehr leicht bläulich -grün, 
und erlifcht darauf bald, obfchon die Luft noch 
mehrere Hundertel an Sauerftoffgas enthält. In 
dem Voltaifohen Eudiometer find die Phänomene 
ganz analog. Weicht dieMifchung des Sauerftoff- 
gas und Wafferftoffgas nicht wreit von dem Ver- 
iMÜtniffe ab , worin bqide fich zu Waffer vereinigen, 
X# ift die Flamme» ungeachtet ihr ßr Dil^tation^ noch 

fehr 



t 65 ] 

fehr lebhaft. Bei einem Gemifche von zoooXheilea, 
Sauerftoffgas mit loo Theilen Waff erftoffgas , \£t 
dagegen die Flamme fchwach, bläulich-grün gefärbt^ 
imd das Wafferftoffgas verbrennt bei weitem nicht 
VoUftändigy da man faft noch zwei Drittel deffelbea 
im Rückftande findet Treibt man diefen /Rück«« 
ftand durch eine roth glühende Porzellanröbre, fo 
verbrennt das Wafferftoffgas deffelben noch voll-* 
ftandig; wie es fcheint, ein Beweis, dafs der Grund, 
warum das Verbrennen im Eudiometer nicht voU- 
ftaadig erfolgte, lediglich darin liegt, daCs die Tem-« 
peratur in demfelben während des Verbrennend 
ilicht hoch genug blieb. 

Noch moffenj^wir ein fehr fonderbares Phäno« 

men bei der chemifchen Vereinigung von Waffer« 

ftoffgas und Sauerftoffgas mit einander,, bemerken, 

welches fchon vor geraumer Zeit die Aufmerkfam- 

keit M o h g e ' s auf ixoh gezogen hat. „ Wie kömmt 

es,** fagt diefer berühmte Phyfiker, „dafs, indem 

man die Temperatur diefer beiden Gasarten, mit« 

lÜQ die Dofes des Auflöfungsmittels erhöht, mai| 

die Adhärenz deffelben mit den beiden Bafen yer« 

mindert?** — Weit entfernt, zu glauben, dafs fich 

nach dem jetzigen Zuftande unfrer Kenntniffe auf 

fiefe Frage eine genügende Erklärung geben laue, 

empfehlen wir fie blofs der Aufmerkfamkeit der 

Phyfiker. Nach, den Vorftellungen, die wir un^ 

. twi der Kraft machen m äffen , welche die Vereini« 

folgen bewirkt, und von den Kräften, die ihnejot 

ittgegeh ftreben , deutet der elaftifdbe Zuftand eint 

teaL d. PhjBk. B. ao. 8t. t. J. tgo^. St. i, 1. 



[ 66 ] 

■ 

^hzliche Aufhebung der Kraft der CohäBon aop 
jiind zwei Körper in diefem Zuftande fipd unter den 
TÖrtheiliiafteften Umftän^en filr ihre Vereinigung. 
Da aber nun die anziehende Kraft! ihrer Theilcheo 
fn eine zurück ftofsende Kraft verwandelt ift, (o 
müfste jede Urfache, welche die letztere begünftigt, 
.di^r erftern entgegen ftreben; und doch findet fich 
hier, dafs, indeiti die Temperatur zweier Gasarten, 
mithin ihre Repulfivkraft vermehrt wird, dies ihre 
anziehende Kraft begünftigt. £$ läfst (ich über* 
haupt nicht glauben , dafs die Wärme nichts ande* 
tes thue, als da(s fie die Theilchen der Gasgemi* 
fche von einander entferne j denn wäre das der Fall, 
warum foUte fich dann 'nicht «in Gemifch von Sauer* 
ftoffgäs und Wafferftoffgas blofs dadurch entzündenjr 
dafs man es im Recipienten der Luftpumpe ins Un* 
beftimmte verdünnte? Auah läfst fich nicht anneh*» 
inen, [dafs die Warme, indem fie augenblicklich 
wirkt, eine Compreffion hervor bringe, welche die 
Theilchen einander nähere, uud dadurch die Ver- 
einigung der beiden Oasarten begünftige. Denil 
man kann fich leicht Überzeugen, dafs ein Gemifch 
ton Wafferftoffgas und- Sauerftoffgas , welches maHi '' 
ohne die Dilatation deffelben zu hindern , fehr all« 
mähiig erhitzt, fich doch entzündet, wenn nur dill 
Temperatur hoch genüg geftiegen ift. : 






Wir wenden uns min, nachdem wir es au&et , 
'Streit gefetzt habeil , dafs unter beftimmten Uiriftan^ 
^en die Absorption des Wafferftoffgas oder deir/: 



• ■ «t^ •« % 4 



'^2 



£ ß7 3 

/ 
Sauerftoffgas im Voltaifchen Eudiometer vollftäDdig 
ift, zur 

zweiten Frage: Iß das Produkt der Verhim^ 
duns beider Gasarten ftets von einerlei Natur ? 

Nach allen bisherigen Verfuchen Ober die Syn* 
iheCis des Waffers hat man allgemein angenommen, 
dafs diefes Produkt ftets ein und daffelbe fey. Zwar 
erhietlt man einige Mahl zugleich einen geringen 
Antheil Salpeterfäüre ; man hat fich aber hinläng- 
.lieh Überzeugt, dafs diefe Säure ein felir zufälliges 
Produkt ift, und Cavendifh, der erfte, der fie 
erhielt, und Foürcroy, Seguin und Vau* 
i^nelin haben uns gelehrt, wie man ii^ zu ver«> 
meiden habe, und wie es anzufangen fey, dafs man 
ein ganz fäurefreies Waffer erhalte. Zwar hat man 
keinen Beweis däfilr, dafs in diefeö Verfuchen nicht 
ein oxygenirtes oder ein hydrogenirtes Waffer ge* 
jbildet worden fey, da man in allen' genauen .Ver- 
.fuchen, die bisher angeftellt worden , das Waffer* 
Itoffgas ftets auf diefelbe Art verbrannt hat; und da- 
her möchte es bisher höchftens bewiefen gewefeä 
feyn, dafs das- Produkt, welches man erhielt, un- 
ter denfelben Umftänden immer daffelbe ift. Ja^ 
wollte man nach' der Analogie des Salpetergas, def- 

1 

fen Produkte des Verbrennens fo gar verfohied^ 
find, urtheilen, fo dürfte es fcheinen, als habe maa' 
.felbft Grund, zu glauben, dafs, weil in allen jenem 
Verfuchen immer das Sauerftoffgas vorwaltete, man 
.ftets. ein oxygenirtes Waffer bekommen habe, in-* 

djtfe, .wenn d^s Wafferftoffga^ vorgewaltet hätt«^ 

• -•■•■•••- , . .. .^^ . • ■ *__ 



C 68 1 

, man ein hydrogenirtes Waffer erhalten haben wür- 
de, — Hier haben, wir indefs eine grofse Zähl von 
Verfuchen mitgetheilt, welche darthun, däfs fich 
Wafferftoffgas und Sauerftoffgas ftets nach deinfel* 
bcn Verhältniffe mit einander vereinigen, [ver- 
fchwiiiden,] das eine oder das andere mag im Ue- 
berniaafsc vorhanden feyn. Folglich ift nicht zu 
zweifeln , dafs das Produkt des Verbrennens des 
WafferftofFgas ftets von einerlei Natur ift. ' 

In den neueften Zeiten glaubte man an der Zer- 
fetzung des Wäffers durch die Galväni*fche Electri- 
cität einen Be\yeis gefunden zu haben, däfs das 
Waffer fähig fey, fich zu oxygeniren oder, zu-hy- 
drogeniren; eine Annahme, vermittelft der die Hrn. 
La place und Berthollet die fonderbare Zer- 
fetzung des Waffers an zwei Drähten, die mit den 
' Polen einer Galvani'fchen Säule verbunden find, zu 
erklären gefucht haben. Doch ohne gerade eine 
Einwendung gegen diefe Erklärung machen zu wol- 
len, welche uns von allen bisher verfuchten die ge- 
"nögendfte fcheint, bemerken wir, dafs die vollflän-> 
dige Abforption alles Sauetftoffs an dem einen, und 
'alles Waffer ftoffs an dem andern Drahte, vielmehr 
' einen Beweis abgeben möchte , dafs kein oxygenir- 
'fes oder hydrogenirtes Waffer entftehen kann. 
Denn follte das der Fall feyn , fo müfste das Waffer 
' einen diefer beiden Grundftoffain gröfserm Maafso 
als nach dem Verhältniffe, worin fie' Waffer bilden» 
verfchlucken. Abforbirt es dagegen beide genau in 
diefem Verhältniffe, fo , werden fich beide völlig 



C 69 I 

f 

neutraUfiren , und höchffens >fände eine inftantane;; 

.Oxygenirung an dem einen und eine inftantane Hy- 

drogei^rung an dem andern Drahte Statt; da aber 

dann beide Grundftoffe ihrer Elafticität beraubt^ 

und in dem gehörigen Verhältniffe , um Waffer zu 

bilden» vorhanden find, fo muffen fie fich foglejch 

wieder mit einander vereinigen. 

Dritte Frage : Nach welchem Verhältniffe ver* 

einigen fich beide Gasarten zu Waffer ? 

Um diefe wichtige Frage mit Genauigkeit zu be* 

antworten y haben \Yir die beiden folgenden Reihen 

von Verfuchen angeftellt. Wir entzündeten zuerft 

im Voltaifchen Eudiometer 100 Theile Sauerftoff- 

gas und 300 Theile Wafferftoffgas ; und erhielteii * 

in 12 Verfuchen die Ruckfiande^ welche unter 4 

ftehen. Darauf entzündeten wir Mifchungen aus 

aoo Tjioilen Sauerftoffgas und 200 Thcilen Waffer-' 

ttoSfgiis ; .die Rückftände waren , wie man fie unter 

B findet. 

AB 

>00^8 ]02/> lOl^S lOl/O 

101^4 101,5 1013 10,l/0 

loo^S 102/0 los^a 101/5 

lOl/O 102/0 102,0 102/3 

lOl/O lOl/O » 102/0 102/0 

101/7 101/5 102/0 102,0 

alfo im Mittel ioi/3 10I/7 Th. 

u. d. Abforpt. 298/7 298/3 Th. 

Wäre unfer Sauerftoffgas ganz rein gewefen, fo 
; kitten, der erftenVcrfuchsreihe zu Folge, 100 Thci» 



. [ 70 J 

Je Sauerftoffgas im Mittel X98/7 Theile Wafferftoff- 

gas abforbirt; . da aber unfer Sauer ftoff gas von 

. Schwefelkali nur bis auf 0^004 verfchluckt wurde» 

To hatten fich 99,64 Th. Sauerftoffgas mit 199/I Th, 

Wafferftoffgas verbunden, und 100 Theile Sauer- 

ftoffgas erforderten hiernach zur völligen Sättigung 

*.99/89 Theile Wafferftoffgas, wofür fich ohne Feh« 

1er 200 Theile nehmen laffen. 

Wäre unfer Wafferftoffgas ganz rein gewefen, 
fo hätten iu der zweiten Verfucbsreihe 200 Theile 
Wafferftoffgas im Mittel 98,3 Theile Sauerftoffgas 
abforbirt; ein Refultat, welches dem vorigen fo 
nahe kömmt, dafs fchon hierbei alles beftehen wür« 
^ de, worauf wir in diefer Abhandlung gefufst haben« 
Beide Refultate würden völlig übereio ftimmen, 
wenn unferm Wafferftoffgas O/O06 Stickgas beige-- 
mengt gewefen wärej und dafs fich in der That 
Stickgas dabei befand , das können wir beweifen. 

Wir nahmen zwei der Rückftände, (von ioi;0 . 
und I0I/5 Theilen,) welche beim Detoniren von 
,100 Theilen Sauerftoffgas lüit 300 Theilen Waffer- 
ftoffgas übrig geblieben waren, und detonirten fie mit 
^ 200 Theilen Sauerftoffgas, Wegen des dem Sauer- 
ftoffgas beigemifchten Stickgas mufsten diefe Rück- 
\ftände 0,8 Theile Stickgas enthalten. Hätten die 
übrigen 20i;7 Theile aus völlig reinem Wafferftoff- ' 
gas beftanden, und wir nähmen der letztern Ver- 
'fuchsreihe zu Folge an, dafs qoo Theile Waffer- 
ftoffgas 98/3 Theile Sauerftoffgas abforbiren; fo 
hätten beim Detoniren die 201,7 Theile Wafferftoff. 



C 7' ] 

gas 99/1 Sauerftoffgas verfchlucken, und folglict^ 
überhaupt 3oo,g Tlieile verfchwinden muffen. Ej^ 
verfchwanden jedoch nur QgS/oTh^ile. T)ie 201^7. 
Theile des Rückftaddes können folglich nicht' rei^ 
Bes Wafferftoffgas gewefen fpyn, fondern müffea 
Stic^^as enthalten haben;, und zwar^ weni^ loa 
Theile Sauerftoffgas 200 Theile Wafferftof%as ab» 
forbiren, 5 Thelie Stickgas, welche ein Kückftand 
aus 600 Theilen Wafferl'toffgas! find. Mithin ent» 
hielt das Wafferftoffgas noch O/O08 Sticdcgas. 

Dnrch diefe Gril'nde fchcint es uns genügend 
darge.than zu feyn, dafs loo Theile Sauerftoffgas 
fehr nahe 200 Theile Wafferftoffgas zu ihrer Sätti- 
gang erfordern. Nach den Verfuchen der Herren 
Fourcroy, Vauquelin und Seguin würden 
lOO Theile Sauerftoffgas 205 Theile Wafferftoff- 
gas hierzu verlangen* *) Man nehme indefs das ei- 

* ) Diefen Verfuch , den gröfsten und forgfältigHen,^ ' 
^welcher bis jetzt über die Syntbelis des WafTers an- 
geßellt worden, (^r dauerte 185 Stunden, und es 
wurden 12 Unzen 4 Drachmen' 45 Gran Waffer er- 
zeugt und über 16 Kubikfchuh WafferfioiFgas. ver-^ 
brannt,^ befchr^ibt Seguin ganz im Detail^ und- 
theilt alle Correctionen und Rechnungen mit, in 
den Annales de Chimiet t. 8, p« 280, u« t«9, p, 36; 
ein Auffatz, der, fo viel ich weiff, xncht deutfch 

I bearbeitet iß. Es hatten fi'ch mit einander, nach 
S eg u i n ' s Berechnung , abforbirt 12571 Kubikzoll 
SauerfioiFgas und 2601 5 Kubikzoll Wafferlloifgas 
von 14^ Temperatur^ und diefe beiden Gasmehgen 
fteben im Verhältni£s Von 10a: 2o6/Q* Da aber 



^ ^ 
\ 



V16 oder das andere diefer VcrhältnilTe an, immer 
vntd man fich bei der Analyfe der Luft, wegen die- 
fer Ungewilsheit, nur faöchftens um O/O035 im ab« 
foluten Gehalt derfelben an Säuerftoffgas irren kön* 
neu, und 'der Irrthum rnuCs noch fehr viel kleiner 
ausfällen , wo es auf relative Mengen ankömmt. 

Wir haben uns überzeugt, dafs Veränderungen 
der Temperatur auf das von uns angegebene Ver* 
hältnifs, wonach beide Gasarten fich abforbiren, 
keinen Einflufs haben, wie das auch der Natur der 
Sache nach tiicht anders feyn kann. Denn weil 

Seguin bei feinen Reducdonen we^en der Tem« 
peratur Iicb auf Prieur's nicht richtig« Verfuche 
Aützt, auch die Reductionen wegen des Druckt 
. nach D a 1 1 o n * s Lehren vielleicht etwas anders 
ausfallen durften , fo fcheint die Rechnung fchon in 
diefer Hinficht einer Revifion zu bedürfen, und 
das möchte ein ganz'paCCender Gegenftand zu ei- 
ner akademifchen Gelegenheitsfchrift feyn. Noch 
kömmt indefs ein (Jmfiand von Bedeutung hinzu ; 
der Grad der Reinheit beider Gasarten* Während 
des Verbrennens hanen üch im Ballori 52 Kubik* 
zoll Suckgas und 89 Kubikzoll kohlenfaures Gas 
eingefunden. Welchen Antheil hatten daran beide 
Gasarten, und in wie fern war ihre anfängliche 
Reinheit 'dadurch , dafs £e im Gafometer mit Waf* 
fer in Berührung gewefen waren ^ abgeändert wer* 
den? Aach diefes dürfte fich vielleicht aus dem 
von Seguin angegebenen Detail der Verfuche, und 
nach den Unterfuchungen , \romit gegenwärdge 
Abhandlung befchlieüsti noch jetzt ausmitteln laC- 



E 75 3 

■ - s 

die Wärme beide Gasarten gleichmäfsig ausdehnt^ 
und fie gleiche Mengen von VVaffer aufJöfen macht, *):. 
fo ftehen die abfoluten Gewichte gleicher Volumi* 
nudi von Sauerftoffgas und Wafferftoffgas immer in 
einerlei Verhältni£s zu einander. Voraus gefetzt Jä- 
her, das. von uns ausgemittelte Verhältnife fey das 
wahre, fo ift es genauer, zu fagen, loo Maafs Sauer- 
ftoffgas vereinigen fich mit 200 Maafs Wafferftoff- 
gas, als das Verhältnifs der Beftandtheile des Waf- 
fers in Gewichttheilen zu geben. Wären beid« 
Gasarten, 'deren man fich zu den Verfuchen über 
die Synthefis des Waffers bedient hat, vollkommen 
trocken gewefen, oder hätte man Correctionen we- 
gen dpr Feuchtigkeit, die fie enthalten konnten, an- 
gebracht, fo würde es gleichgültig feyn, das Ver- 
hältnifs der Beftandtheile dem Volumen oder dem 
Gevdchte nach zu geben. Da aber mit dem ein- 
fachen Volumen Sauerftoffgas fich ein doppeltes Vo- 
lumen Wafferftoffgas verbindet, und doch beide 
Gasarten gleichmäfsig Waffer auflöfen , fo fteht of* 
fenbar die fchon in ihnen vorhandene Waffermengs 
nicht in dem Verhältniffe des Gewichts , wonach üb 
fich zu Waffer vereinigen, wefshalb dieferUmftand ei- 
nen Einflufs auf das Gewjchtsv^rhältnifs der Beftand- ^ 

♦) Erfteres'nach Gay-Lüffac's und Dal ton *6 
Vertachen, Ann.^ XIV, 280; letzteres nach Dal- 
ton*s und D es ormes Verfuchen, Ann,^ XV^ 
i44» i^^r^ fem man diefe in die Sprache der Auf- 
löfungstheorie kleidet,, die indefs fchwerlich mi^ 
dielen Verfucdien beßefaen möchte. d* H« 



t y4 3 

Vi 

- m 

tneile des WaTfer^ haben niufs. So bleibt tilfo da» 
Verhältnil^ der Voluminum bei Verfchiedener Tem- 
{»«'ratur uud Feuchtigkeit unverändert daffelbe, *) 
Indels das Gewichtsverhältnifs unter diefen Umftän* 
den variirt. , ' 

Man halte diefe Bemerkung nicht für ganz un- 
1/richtlg- Denn es ift leicht, zu zeigen, dafs fie ei*- 
iien bedeutenden Einflufs auf unfre Beftimmungen 
des Verhältniffes der ßeftandtheJIe deS Waffers hat. 
Nach dem Verfuche der Herren Fourcroy, Vau* 

' quelin und Seguin, dem genaueren , den man . 
bis jetzt über die Synthefis des Waffers gemacht hat^ 
beftehn loo Theile Waffer, dem Gewichte nach» 
41 US 85^6^2 Theiien Satierftoffgas und 1 4/333 Th. 
Wafferftoffgas. Da aber diefer Verfuch in einet 
*rcmperatur von 14^ angeftellt wurde, und diefe 
Phyfiker keine Correctioii wegen des Waffers, das 
beide Gasarten fchon aufgelöft enthielten, ange* 

' bracht haben; fo ift aus diefem Gruäde ihr aufge» 
JTündenes Verhältnifs, (wenn wir das fpecififche Ge^ 
wicht der bieiden Gasarten ,. wie fie es gefunden ha-^ 
ben, al^ richtig annehmen, und mit. Sauf füre 
fetzen, dafs i par. Kubikfufs tiUft bei diefer Tem- , 
peratur [nahe 10 Gran Waffer aufgelöft enthält,) 
dahin abzuändern, dafs fich dem Gewichte nach 
87/4 1 Theile Sauerftoff mit 12/59 Theiien Waffer- 

^ *) Es verßeht Cob, dafs hierbd voraus gefetzt wird, v 
dafs Temperatur und Feucbdgkeit des ein^n Gas 
,iiDX9er fo wie die des andern feyen« dn H» 



\ 



t 75 ] 

« 

ftoff ZU Waffer vereinigen. *) Und das ift «ine bc^ 
deutencle Verfchiedenbeit, welcbe befonders auf 
die Analyfen, in denen es auf die'abfolute Mengd 
de^ Wafferftoffs ankömmt, von merkliebem Einflt^fOi 
feyn mufs. * ' 

Diefe Betracbtungen finden aucK Anwendung 
auf die Beftimmung der fpecififchen Gewichte der 
Casarten» befonders des Wafferftoffgas, da faft 6in. 
Secbstel des gefundenen Gewipbts diefes Gas bei 
X 4^ Wärme, auf Rechnung des Waffergehalts def- 
felben zu fetzen ift Wir zweifeln daher nicb^ 
daüs vollkommen trockenes , und von allem Stick- 
gas freies Wafferftöffgäs ?um wenigften 15 Mahl 
lejLchter als die atmofphärifche Luft gefunden wer- 
den dürfte- *♦) , 

*) Zwar haben die genannten Chemiker beide Gas* 
arten über Queekiilber aufgefangen; in* ihren (Ba- 
rometern war aber das Gas ^it Waffer gefperrti^ 
konnte ficb hier alfo allerdings mit Feuchtigkeit 
fchwängern, wen^ es dazu lange genug im in- 
nern Cylinder des Gafometers ' blieb* Die IVIen- 
ge des^ Wafferdampfs, welchen da$ Gas mit ia 
den Verbrehnungsballon hinein fahrte, mufite 
aber nach Verfchiedenbeit der Temperatur au- 
Cserordendich variiren, {AnnaUn^ XV, i45p 
und da die Temperatur während des Verlucbs 
^wechfelte, fo entfpricht auch das hier angege« 
bene Gewichts verhältnifs fchwerlich dem Ver« 
fuche genau, d, H; 

•*) Ein far mehrere phyfikalifche Unterfuchungea' 
fo tHchtjger Um&and. da(s es fehr zu ti^üin'Icbeii 



, t 76 I ■ 

I 

Vierte frage : Welches find die Grunzen der 
unvermeidlichen Fehler beim Vohaijchen Eudiomc'^ 
ier? und welches iftdem zu Folge die kleinfte Men- 
ge von Sauerftoff^as oder Wafferftoffgas , die iich 
vermittelft deffelben noch meffen läfst? 

Da die Wirkung, worauf diefes Eudionieter be- 
ruht, augenblicklich ift, fo hat der Barometer - 
und Thermometerftand darauf keinen Einflufs; und 
iÄ diefer Hinficht hat es einen fehr ausgezeichneten: 
Vorzug vor den Eudiometern mit Phosphor oder 
mit Schwefelalkalien. Da ferner jedes Hundertel 
Sauerftoffgas fich durch eine drei Mahl gröfsere Ab- 
forptiongiebt, fo kommen die Fehler, welche man 
begeht, nur zu einem Drittel auf den Gehalt an die- 
XemGas, und befonders jetzt, da wir fehr genaue 
Inftrumente befitzen, welche ein Maafs Luft in 300 
gleiche Theile theilen, können wir, felbft wenn 
wir um einen ganzen Theil irren follj;en, nicht viel 
über 0,001 im Sauerftoffgebalte der. Luft, welche 
zerlegt wird, fehlen. 

Man fiehthieraus, dafs fich vermittelft des Wafi. 
. ferftoffgas-Eudiometers nicht nur fehr geringe Un- ^ 
terfchiede zwifcheii zwei verfchiedenen Portionen 
atmofphärifcher Luft auffinden laffen , fondern dafs 
dadurch felbft in Stickgas oder Wafferftoffgas ein 
Antheil von wenig mehr als 0;Oo3 Sauerftoffgas zu 
entdecken fey, obfchon im letztern Falle nicht un- 

wäre, wir erhielten darüber bald völlig entTchei- 
dende Verlache. d. H. 



t 77 ] 

I 

mittelbar, fond^rn erft nachdem man, (un^ Ent- 
zOndung und vollftändiges Verbrennen bewirken zu* 
können,) eine gewiffe Menge Sauerftoffgas hinza 
gefetzt hat, für das man zuvor durch Verfuche 'die 
Gröfse der Abforption mit Wafferftoffgas beftiulmt 
haben mülste. Ein Drittel von dem Unterfchiede 
der Abforption in beiden Fällen gäbe die Menge 
des Sauerftoffgas in der unterfuchten Luft 

Eben fo läfst fich vermittelft diefes Eudiometers 
der Grad der Reinheit von Wafferftoffgas beftim« 
men, oder ein kleiner Antheil diefes Gas entde* 
c^en, welcher andern Gasarten oder der atmo* 
fphärifchen Luft beigemengt ift. Im erften Falle 
braucht man das Gas nur mit loo Theilen Sauer« 
ftoffgas zu detöniren ; die Grade der Reinheit ver- 
halten fich dann wie die Abforptionen« Im zwei« 
ten Falle müfste man zu soo.Theilen des zu unter-^ 
fachenden Gas zuvpr looTheile Wafferftoffgas voä 
bekannter Reinheit zufetzen, und es dann mit loo 
Theilen Sauerftoffgas entzünden. Auf diefe Art 
können wir, bei der Uebung, die wir jetzt in Ver- 
fuchen diefer Art erlangt, haben , 0/003 Wafferftoff- 
gas wieder finden, die wir atmofphärifcher Lufl 
beimengen. 

Vielleicht bleibt manchem gogen das Voltaifche 
Eudiometer noch das Bedenken, dafs man durch 
daffelbe, weil Wafferftoffgas nicht immer von einer» 
lei Reinheit ift, in fchwer zu berichtigende Fehler 
verwickelt werden könne. Wir bemerken indefsp 
4afs ein kleiner Antheil an Stickgas völlig unXchäd« 



C 78 3 

■ • ff 

Bch ift» und dafs nur eine Beimengung von Sauer^ 
ftoffgas auf das Refultat der Prüfung Ein^ufs haben 
,würde. Um nicht zu fehlen , detonire man daher 
zuvor das Wafferftoffgas , deffen man fich bedienen 
will, mit I Sauerftoffgasj hierbei v«rird zugleich al- 
les Sauerftoffgas, welches erfteres fchon enthalten 
haben könnte» mit zerftört, tmd den Ruckftand 
kann man nun mit Sicherheit zu den Verfuchen im 
Voltaifchen Eudiometer brauchen. Mit diefer Vor^ 
ficht kann man fich unbedenklich eines ohne befon- 
dere Sorgfalt bereiteten Wafferftoffgas bedienen». 
^ wofern man es nur aus dem WalTer durch Schwe* 
ielfäure oder Salzfäure vermittelt Zinks entwickelt 
hat; -denn bedient man fich eines andern Metallsj, 
z« B. des Eifens» fo ift das Gas^ wie man weifij* 
nicht mehr von derfelben Natur. 

Nach allen Verfuchen,- welche wir bisher ange- 
fahrt haben , dürfen wir wohl mit Reicht fchliefeen. 
^dafs das Voltaifche Eudiometer den ganzen Gehßh 
der atmofphärifchen Luft an Sauerftoffgas angiebt 
Wir haben uns indefs hiervon noch befonders auf 
clirecte Art überzeugen wollen, und. mifchten zii 
.dem Ende 20 Theile fehr reines Sauerftoffgas mit 
go Theilen Stickgas, die wir durch Zerfetzung des 
.Ammoniaks vermittelft oxygenirter Salzfäure, (un- 
ter aller möglichen Vorficht keine atraofphärifche 
.Luft mit hinein zu bringen,} erhalten hatten. Von 
• diefem Gasgemifch wurden ßOO Theile mit 200 
' Theilen Wafferftof^as ^im Eudiometer detonirt. 
Fünf Verfttche» die wir aufteilten, gaben in der 



C 79 3 

I 
^bforption keine gröfsern Uöterfcbiede» als höch^ 
ftens von o,oo5i und im Mittel eine Abforption voq 
lö4,9.Theilen. ^ Ihr entfpricht ein Sauerftoffgehalf 
fon 41/6 in aoo Tbeilen , und alfo von ao^g Thei- 
\en des künftlicben Gasgeiuifcbes. Dafs wir hiel: 
den Sauerftoffgehalt um O^oog höher finden , als 
wir foUten, liegt höchft waiirfcheinlich daran, dafs 
unfer Stickgas nicht ganz frei an Sauerftoffgas war^ 
Tandem davon 0,0 1 enthielt. Denn mit fö vieler 
Sorgfalt wir es auch bereitet hatten, fö leuchtete 
doch darin der Phosphor* Auch ift das aus demi 
JDxunde wahrfcheinlich', weil die oxygenirte Salzi* 
jaure fich am Lichte febr fchnell zerfetzt. 

Aus allem diefem Hebt man , dafs die Reftütat^ 

welche das Voltaifcbe Eudiometer giebt, unter üdk 

tehr vergleichbar Gnd, und dafs die Grande des Irr- 

thums für den Gehalt der Luft an Sauerftoffgas, den 

man vermittelft diefes; Eudiometers findet , fich big 

auf 0,001 herab bringen läfct. Ferner fieht man» 

dafs fich durch diefes Eudiometer fehr kleine Un- 

terfchiede im Sauerftoffgehalte zweier verfchiedener 

liUftportionen finden > auch fehr geringe Mengen 

von ' Wafferftoffgas , welche der atmofpharifofaeii 

Luft, beigemifcht find, entdecken laffen. Endlich 

ift diefes Inftrument das einzige, vermittelft deffea 

fy:h der Antheil eines Oa^gemifches au Wafferftoff* 

gas meffen läfst, und fchon in diefer Hinficht alleia 

wäre es aller Aufmerkfamkeit werth, und verdient« 

es, daf; mau die Wirkungsart deffjelbeiv genau * 

foudire. 



* • ■ •* . .. , -^ 



' Und fo hat der vortreffliche Phyliker Volta, 
dem die Naturlehre die herrlichften Entdeckungen 
verdankt, auch um die Chemie das Verdienft» ihi^ 
das genauefto und fchätzbarfte Inftrument fQr di« 
Analyfe der Luft gegeben zu haben. 



tl. Zerlegung der atmofphärifchen Liifi^ 
im V oltaifchen Eudiometer. 

Nachdem wir im Vorigen dargethan haben, daC» 
das Völtaifche Eudiometer fehr vergleichbar e Reful-^ 
täte giebt, dafs es den!ganzen Gehalt der Luft an 
iSauerftofFgas anzugeben vermag, und dafs es vor 
den Eudiömetern mit feften oder fiüffigen eudiome«^ 
trifchen Mitteln den Vorzug hat, ein Vielfaches- der 
«u meffenden Menge von Sauerftoffgas zu geben ;—^ 
fo« Wollen wir nun zu den Anwendungen diefes Eu* 
diometers auf die Zerlegung der atmofphärifchen 
Luft fortfchreiten. Ift das von uns ausgemittelte 
Abforptionsverhältnifs von loo Theilen Sauerftoff* 
gas mit 200 Theilen Wafferftoffgas vollkommen 
genau, fo werden wir das Verhältnifs zwifchfeü 
dem Sauerftoffgas und Stickgas in der zerlegten 
Luft ganz fcharf finden. Gefetzt indefs auch, die 
Menge des Wafferftoffgas wäre um 5 Theile zu 
grofs oder zu klein, fo wflrde das doch nur einen 
Irrthum von 0,003 der analyfirten Luft für den Ge- 
halt derfelben an Sauerftoffgas geben , und felbft 
datin würde alfo immer noch eine grOfsere Cenauig* 

keit 



t 81 ] 

Iceit» als durdb jedes ander^ der bekan&ten e^dio« 
tnetrifclien Mittel erlangt werden» 

Die atmofphärifche Luft», welche wir 2^1egt 
!baben% ift mitten auf der Seine unter fehr verfehle* 
denen Umftänden gefchöpft worden ^ bei kaltem, 
bei gemSfsigtem» bei regnigem Wetter» und bei' 
lefar verfcbiedenen herrfchexulan Winden* Damit 
^ei der ; Anal;)rfe felbft die Umftände fo gleich als 
möglich feyn möchten» wurden diefe 2u verfehle-/ 
dener Zeit eingefammeltea Luftportionen in wohl 
Verfcfalofsnen und umgekehrt in Waffer ftehen* 
deq Glasgefiäfsen aufbewahrt» und dann alle an 
demfelbeti Tage zerlegt, indem wir von (Jeder der« 
felben 200 Tbeile mit 20Q Theilen Waffe rftoffgas 
in anfem Voltaifchen Eudiometer detönirten. Di« 
folgende Tabelle zeigt die Abibrptionen » welche 
wir erbalten haben » und den Oehalt an Sauerftoff» 
fM> cbr Uineii entfpricht 



i^ 



*Jbv&LJLFbylik% B.ss» tbi» Ltt«if« St.£* 



[ 8«^ 1 



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18 

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3/c 

9,6 

— »,2 



Die «tmorphärifche l^vfc 
wurd«' •iDßefang«ii 



und bei folgendem 
ZuÜuide der Aunofpbaie. 



Es ' betrug! 



Bedeckter Himmel; 0-Wind 

Bedeckter Himmel; OSO -Wind 

■ 

Feiner keien ; felir ßark. SW^W« 
Feiner Regen; S-Wiüd 
Bedeckter Himmel ; SW-Wind 
Wolkig; kl. Regelt; SW-Wind 
Wolkig; W-Wind 

Regen; S-Wind 

. '• «^ 

* "^ ..■ 

Bedeckter Himmel; SW-Wind 

•r 

Wolkig; O-Wind. 

Reif; N-Wind 
Schnee; N-Wind 

Nebel; NNO -Wind 

Wolkig; dunliig; O-Wind 

Regen ;^ S-Wind 

Dicker Nebel 

Regen; SSVV"- Wind - 

Bedeckter Himmel; NÖ-Wind 

91atteis; dick. Neb.; SO -Wind 



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126,0 


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126,0 


ai,o 


126,0 


ai,o 


126,0 


21,0 



*) Im Originale Reht i36/5; offenbar ein Öruckfehler» da 
d«i nickt i9tt der nebeiUtelieiideK Z44 llannown, rd, Hk 



C 83 3 

•• Man fidit aus diefen Analyttn- erßens ^ dafs fie 
uns nur Unterfcbiede von einem Täufendtbeilcbeii 
ioi Sauerfti^ffgehalt der attnofphärifcbeB Luft gege- 
ben haben, ungeachtet die Luftportionen, die wir 
zerlegten, bei ganz verfdiiedenen Winden aufge-. 
fiingen waren, und daher aus gdiit Veriichiedeaen* 
Lindern herkamen; und zweitens ^ dafs das Sauere 
ftofFgas zu dei| andern Oasarten in der atoiofphäri* 
fchea Luft, dim Volumen nach, in dem. Verhält*» 
»iffe von si".,; 79 fteht Das erfte diefer Refultate: 
dafs oJHilich der Gehalt der atmofph^rifcbeo Luft 
an Sauerftoffgas nicht variirt, ift in aller Streng« 
richtig , weil das Y^rbaltoiEs , wonach Wafferftoff* 
gas und SauerItof%a8 iich zu VVaffer verbicideoy dar* 
auf keinen Einflufs b^t Das aweite Refultat: dafs 
die atmofphärifcfae Luft in lOO Theilen 21 Tbeilo 
Sauerftoffgas enthalt, ift zwar von jenem Verhak« 
mflfe abhängige kann aber ebenfalls nur fehr wenig 
von der Wahrheit abweichen, da bei einem vi^l bü* 
hern Irrthume in jenem VerbältniCfe^ als bei unfera 
Verfuchen möglich ift, der Gehalt von 100 Thei» 
len der atmofpbärifchen Luft an Sauerftoffgas, doch 
immer noch zwifchen Q0,7 und öl/3 Theile fäilea 
wUrd«» wie wir das vorhin geaeigt haben, ♦) 

*) Und fo komq^e« denn endTich 3ie Hefultate« ^el-* 
cb« die forgfildigers fieobacbter. «us ihren wd\<3f^ 
Kietrifcbeti Verfucb^n gezogen haben ^ !n die hing« 
' erwünrchte Harmonie« BerthoUet £and deft 
Sjauerßo ff|{ehah der Luft in Paris u nd Kaivo vennitteift 
4es vShosjphor - £tt4i>o^4»icra auf €iw«s weniger «k 



t 84 I 

I 

Mehrere Naturforfcher haben gemeint > viel» 
der uns bekannten Meteore möchten auf einem Ver« 
brennen von Wafferßqffgas beruhen, und haben 
zum Behuf diefer Erklärung angenommen, es fey 
in unfrer Atmofphäre Wafferftoffgas vorhandeA. 
Wir hielten es daher für fehr intereffant, nächznfor* 
fthen, ob wirklich' die atmofpbärifche Luft einen 
Antheil an Wafferftoffgas enthalte. Um darin de- 
fto ficherer in gehen, mifchten wir eine konftliche 
atmofphärifche Luft, aus ^oTheilen reinem Sauer« 
ftoi^gas und 8^ Theilen reinem Stickgas, das auf dia 
$4 78* angegebene Art bereitet war« Von diefer 
LuiFt konnten wir gewiOs feyn, fie enthalte gar kein 
Wafferftoffgas; und mit ihr und der atmofpfaäri-^ 
fchen Luft ftellten wir nun eine vergleichende Zer* 
legung an, indem wir von jeder derfelben 5ooThdl- 
le mit loo Theilen Wafferftoffgas detonirten. Seöhs 
Vörfuche mit d^r einen gaben aber gebau daffelbt 
mittlere Kefultat, als fechs Verfuche mit der ^n* 
dern. Offenbar enthält alfo die atmofpbälifcbe Luft 

0,2S, und darin nie grdlsere Unterjichiede als um 
0;Qo5, (^cüto/en, y9.343;) de Marti fand den 
Sauerftpffgebalt in Katalonien jederzeit, und das 
unter fehr verfchiedehen Umftänden , vermitleill 
Schwefel •» WafferftoHF • Alkalien 0/2i , ohne auch 
nur je ö/2i zu erreichen | (^Annaien, XiX^3^f\'^ 
Davy, in England) (und fo auch in Luft ansGui- 
nea,) mit mebrem eudiometrifchen Mitteln immer 
o,2i, (cfo/I, 3o6,) und eben Co Berger auf den 
Gebirgen und in den Thälem der Schweiz immer 
^ 0,20 bis o;2li Cdäf.. 4i3.> d. N. 



t 9S 1 

ffit^eder gar kein WafTerftoffgas» öder doch ga« ^ 
vfUfS keine 3 Taufendtei, da» wie wir gefehen ha?^ 
ben, ein folcher Antheil. an WiMterftoEfgas durch 
das Voltaifbhe Eudlom'etei^ noch zu entdecken ift, 
Und doch läfst ficb mpht zweifeln, .da(s fich in der 
ttmofphärifcben Luft etwas WafTerftoff befinde, .da 
es (ich alle Tage aus den Mpräften entbindet; die 
Menge deflelben mufs aber geringer feyn, (z. B. nur 
ein TauCpndtel,) als dafs wir fie durch unfre Mittel 
In. der atmofphärifcheu Luft zu entdecken vermö^. 
gen. Bei den vielen Prozeffen, welche der Ajtmo- 

K I 

fyhäre täglich kc^hleuf^ures Gas zuführen » mu£s der 
Antheil der atmofphärifcben Luft an kobIei]^aureni 
<!as gewifs viel bedeutender als der an Wafferftoff* 
^aa fe}U3. Und doch würden wir vielleicht ohne • 
die Eigenfchaft diefes Gas , mit Kalk und Baryt un*- 
;tuflös}iohe Niedeffchläge zu bilden > poph jetzt ei 
•fverinöge feines Voluinena \n der Atmofpbäre nicht 
oachzuweifea vermögen. £s Üi zwar wahr» dab 
ddS' kohlenfaure Gas fich in der A^o^häre nicht 
anzuhäufen vermag , w^eil die Pflanzen es zerfetzen; 
fiber ift denn wohl ausgemacht^ dafs es keine Ur* 
fachen gi^bt> welche den Waderftoif der Erde zu- 
rück geben , und fo ebenfalls des Wafferftoffgas in 
«|er Atmofphire fich anzuhäufen verhindern ? 

' Aus den Refultaten unlrer Verfuche haben wir 
^efehn: 1. dafs die atmofphSrifche Luft in ihrer Zu- 
latnmeiifetzung nicht variirt; d« dafs fie in looThei- 
len aus^iTheilen Sauerftoffgas befteht; 3. dafs ' 
fie k€||ne für uns wahrnehmbare Menge von Waffer* 



r 



C 86 3 

ftof%as enthält^ Diefe Identität der Verbindang, 
\v^oriQ ficb die Beftandtheil«! der Atmofphäre beftän. 
dig erbalten, uud diefe Abwefenbeit von Waffer- 
ftoffgas» wird den Aftronomen das Hauptbeden* 
ken bei der bisberigen TKeorie der Strahtenbre* 
thung benebmen. Da die verfchiedenen Gasarte» 
ein vertbbiedenes Brecbungsvermögen haben ^ und 
Wafferftbffgas ein ftärkeres als Sauerftoffgas und 
Stickgas befitzt, fo würde die bisherige Theorie der 
»ftronömifchen „Strahlenbrechung» welche blofs auf 
Verfchifedenheiten des Barometer- und Thermome« 
terftand^s Rdckficht nimmt» fehr unvollkommen 
Teyn, wäre das Varbältnift der Beftancitheiie der aU 
morphärifcheii ^ft verinderlich. Glücklicher Wei» 
fe ift das aber auf keine merkbare Art der Fall, und 
besonders ift das Waflerftoffgas, welches ein fo gr<v> 
fses Bteehungsvermögen beßtzt, nicht zu 5 Tau- 
fendteln in der Atmofphäre , fo weit wir uns in der- 
fetbete zu erbeben vermögen, vorhanden. t)'er 
Aftronom braucht folglich in der Theorie der Sträh-* 
lenbrechung nur auf Barometer-, Theririometer« 
und Hygrometer ftand und auf weiter nichts Rück- 

ficht zu nehmen. 

• •' . ■'••■' *.. . , 

Da& die Atmofphäre Innerhalb des Zeitraum^ 
von einigen Jahren , gefchweige denn von einigen 
Tagen» fich in der Tbat unqiöglicb auf eine merk- 
bare Art in ihrer Zufammenfetzung ändern könne» 
(höchftens einige ganz locale Variationen ausge« 
sommen») davon, uns zu überzeugen» reicht einr 
wenig Nachdenken hin/ Denn vermöchte Jlie fich 



[ «7 •] 

# I 

in fo kurzer Zeit in ihrer Zufamtnenfetzung zu äri- 
dern, durch welch ein Wunder loUte fie plötzlich zu 
ihrem anfänglichen Zuftande zurück gebracht wer- 
den? Woher eine Urfache nehmen, welche mäch« 
tig genug wäre, binnen einem Tage ihren Sauerftoff- 
gehalt auch nur um ein Taufen<;itheilchen zu än- 
dern, man wolle denn eine electrifche, eine magne- 
tifche, oder irgend eine andere eben t*j chimärifche 
Kraft erträumen, welche durch unbekannte Ein- 

* - • 

fidffe den Sauerftoff in Stickftoff , und umgekehrt 
verwandeln könne! — Möglich ift es dagegen, dafc 
die Atmofphäre ilch fehr langfam verändert, es fey 
im Verhältniffe .ihrer Öeftandtheile, öder^in ihrem 
Gewichte; und diefe Variationen', fo "unmerklich 6e 
tfticK feyn mögen, wären nicht lAinder werth, die 
Aufmerkfamkeit der Phyfiker zu fefleln. 

Es ift uns nun noc)i zu unterfuchen Übrig, ob 
nicht die Zufammenfetzung der atmofphärifchen 
Luft» ungeachtet fie im Ganzen unveränderlich ift» 
doch wenigftens aii einzelnen Stellen durch localte 
Urfachen abgeändert vrerden könne, wie das einige 
bei ihren Analyfen gefunden zu haben glauben. 
Vielleicht, dafs Vulkane auf hohert Bergen, befon- 

. dere Gährungen , oder die faulende» Gewäff er der 
Moräfte und Teiche, die Luft, mit der fie in Be- 

»yohnipg find,, minder rein machten, iädern ß«;ihr 
entweder Sauerftoff entzögen, oder ihr nicht- 
athembare Gasarten zuführten. 

Die Verminderung des Sauerftoffgehalts^ durch 
folcbe locale Urfache» kann in einer grofsen ^affe 



*, •• 



C 88 1 

freier Luft, ctie b^ftSndig in BeweguBg ift, anfkei« 
nen Fall fo bedeutemd feyn, als in Zimmern, in d^^ 
iten fleh eine Menge von Menfchen , oder irgend ei* 
ne Quelle von Luftverderbung und Anfteckung he^ 
findet; und docji zeigt hier die Luft nur fehr gerin« ^ 
ge Verfchiedepheiten in ihrer Mifchung, Wir ha- 
ben zwei Luftportionen zerlegt, die wir inl Th^a^re 
franqaU aulgefangen hatten, die eine mitten im 
Parterre, einen Augenblick ehe der Vorhang «tt 
Aöfang des zweiten Stücks aufgezogen wurde, 
dritthalb Stunden nachdem die Zufchauer fich ver- 
fanimelt hatten , die andere 3 Minuten nach Been- 
digung des Schaufpiels in der gröfsten Hübe döa 
Saals^, Beide trübten kaum das Kalkwaffer, und 
als öoo Theile derfelben mit aoo Theilen Walfer- 
(toffgas im Eudiometer detonirt wurden, 

enthielt alfo 
fina Ab« Jn looTh. tu 

<* forptionTan Saucrftoffgtt 

die erft« I3ii,.5 2o,a Theil« 

die zweite ^ \%%fii aoi4 

tuft d. Atmorph. lafi ai 

Herr Seguin hatte fchon vor geraumer Zeit 
Luft aus den Sälen eines Ho(pitaIs„ die la Stün« 
den lang' genau verfchloCTen gewefen war, ^erlegt^ 
und ge ungefähr eben fo rein als 'die atmofphärifcbe 
Luft im Freien gefunden, obgleich ihr Qeruchrnodb 
limmer unerträglich war. *y 

*)'Aiicli Fdbp» de lUarti zog aus libnlichen Ver« 
foohen eis die VerfatTer einen fthnlicben ScUalii 



C sa 3 

^ • - * 

Wenn.nuV; felbft unter den gfinftigfteaÜmftän« 

den fflr die Abforption des SanerftofFs, die Luft 
nicht ein Hundertel deCTelben verlieft ; fo kann dieis 
jiickt der Grund der Beängftigung feyn , die man in 
eingefchloffenen Räumen roll Menfchen empfinde^ 
oder der Kr^kheiten, die den Teich- und Moraft« 
gegenden öder gewlffen Ländern eigenthQmlich find. 
Beide maflen vielmehr auf Ausflüffen beruhen, wel- 
che durch keihs unfrer eudion^trifchen Mittel dar- 
aufteilen find, und die doch auf unfern Körper auf 
«ine eigenthflmliche Art wirken. Ein Bläschen voa 
Schwefel -Wafferftöffgas oder von oxygenir t> falz« 
fnurem Gas 9 eine faulige Emanation, und felbft d« 
*jie Blume etfnllt einen Ungeheuern Raum mit ihrem 
Gerüche, wöbe! diefe Au^flüffe eine in Erftaunen 
verfetzende Theilung leiden muffen; eben fo fein 
tmd eben fo wenig darzuftellefi, mögen auch di» 
ipeftilentialilchen'Miasmon ff^yn, welche uns Guy^ 
ton's fOr die Menfchheitfo wohltbitige Nacbfcnr'* 
fchungen , wenigftens zu zerftöreu und unft£sdli<^h 
xn macheii gelehrt haben« Li aJt&'em Fällen mögen 
' !folche iporadifche Krankheitea von der Feuchtig- 
keit der Luft abhängen, von ihrer Temperatur, 
TOii Ihrer Electf icität , oder Oberhaupt vom Zuftati« 
de der Atmofphäre in Beziehung auf die Disjpdfitiaiift 
In det man ficb gerade befindet; und in diefen 
vielleicht fdir häufigen Fällen kann dl^ Krankbel« 
gro&ö Vei*wilftungen anrichten t ohne dafs wir ih* 
reu For^ang zu hemmen vermögen* Es wflid# 
tSufdiead feyn» hi«r allti Eiaer Uir&che zufclMTifc^ 



{ 96 3 

ben' za wollen > da der Gefundheitszuftand des Mea^ 
fchen von der Zufammen Wirkung aller Ümftändf 
yabjiiängt» unter denen er ficb befindet. 

ly^r J;>efoh]ierses djefen irften Tbeil ^unfirer AV 
4iancilung mit -einer- kurzen 

I» ■ • 

WiederhQhlung der vorzüglichften Thatfaehen 

" , * • ' . . ' ,■ 

und Erklärungen. 

1. Eine im Kalten bereitete Auflöfung eines 
Schwefelalkali verfchluckt kein Stickgas » und läfst 
fich . fehr wohl zur Analyfe der Luft brauchen. Ift 

.fie dagegep heifs bereitet» fo verfchluckt fie Stick* 
gas , . undrvermindert das Volumen der Luft ßärker, 
als , das nach c^m Gehalte derfelben an Sauerftoffgas 
gefohehen, foUte*^ I^^C^^. K* lediglich dem Waffer, 
und nicht dem Schwefelalkali a^uzufchrelben« 

2. 'Es giebt Mlfchungsverhältniffe von Sauer- 
fto^gas und Wafferftoffgas», ))ei d^nen der dectri* 
fche Funke ein voUftandiges Verbrennenv des lett- 
tern bewirkt. £s gi^bt andere » bei denen das Ver- 
brennen aufhört > ehe es vollendet ift: und noch an- 
dere, bei denen gar kein Verbrennen Statt findet. 
Und zwar "{fcheint das darapf zu beruhen, dais in 
dipfen letztern Fallen 4ie zum Verbrennen nöthige 
Temperatur nicht bleibt # öder, nicht einmabl er- 
reicht wird,.^ und nicht auf der gegenfeitigen Ver«" 
wandtfchaft der beiden Gasarten.: denn in allen Fäl- 
len nicht* voUftändigen Verbrenneos reicht es hin, 
die Temperatur kiidftligh :^u erhöhen, um ein voll- 

.ftändiges Verbrennen zu erhalten. In den Fällep^ 



ü 9' 1 

WO cfas WafTerftoffgas oder das Saiierfto£Pgi8 nicHt* 
völiftä'ndig verfchluckt werden, findet maü fie la . 
dem Rückftande wieder; ein Beweis, dafs fie hier 
keine fflr uns neue Verbindungen eingegangen find. 

3* Läfst fich eine Gasinifchung, in der fich 

Sauerftoffgas und Wafferfto£Fgä$ befindet, nicht 

•entzünden, fo reicht es, um diefes zu bewirken, 

hin, den Antheil an diefen letiltera Gasarten zu 

vermehren. ' 

4* I^i® Meteore können nicht Wirkungen einet 
Entzündung von VVafferfloffgas feyn^ weil felbft ei^ 
üe Luft, die aus reinem Sauerftoffgas beftünde, 
mehrals 6 Hundertel Wafferftoffgas enthalten müf^s 
te, follte noch ein Verbrennen Statt finden kö4- 
tofen, und feibft dann würde das Verbrennen utii^ 
local feyn. 

5. Die Electricität fchdnt eine Mischung zxüS 
Säuerftöffgä^ tmd Wafferftoffgas durch die HiUe 
zu entzOnden, welche fie in dem Gas dadurch be* 
wirkte UalV-fle daffelbe comprimirt, indem fie hißr 
durch geht. * - "■ f 

'6. Das Wäffer , welches diefe beiden Gasartnn 
erzeugen, ibdem fie fifch' vereinigen, ift ftets von 
einer und derf6lben Natur. Die WafferzerCetzuQg 
durch Galvani'fche Eliectricität läfst fich auch 6h»e 
die Hypothefe erklären, dafs das Waffer fich oxy? 
geniren und hydrogeniren könne«' 

7. Dem Volumen nach verbinden fich 100 ,Th* 
Sauerftoffgas mit 200 Th. Wafferftoffgas zu Waffen 
Diefes Verhältnifs ift unabhängig von der Tempera^ 



l 9« 3 

I 

/ 

tur und vom FMiqhtigkeitszaftande j; nicht (o d«s^ 
VerhältniCs in Gewichtsthdlen ausgedruckt, weil 
die Feuchtigkeit beider Gasarten wohl dem Volu« 
men^ nicht aber dem Gewichte heider Gasarten prp^ 
portional ift. Das hish^ angenommene Verh^tniff 
der Beftandtheile des Waffers ift daher abzuändern«. 

3. Das Vokaifche Eudiometer kann den ganzen 
Gehalt einer Luft an Sauerftoffgas > bis beinahe auf 
X Taufendtheilchen angeben, und die Refultate dc^* 
felben Und fehr vergleichbar. Für den jetzigen Zu- 
Itand unfrcr Kenntniffe ift es das genauefte allör/ 
Eudiometer. Es kann überdies fehr geringe Men« 
gen von Sanerftoffgas oder von Wafferftoffgas in an* 
tiern Gasarten nachweifen , und uns über die Kein-» 
heit eines. Wafferftoffgas belehren. Endlich hat es 
Tioch den Vorzug, ein Vielfaches der zu meffenden 
Grufse zu geben. In allen diefen Rflckfichten hat 
es daher einen (ehr ausgezeichneten Vorzug vor al« 
len andern Eudiometer n. 

g. Die atmofphärifche Luft enthält dem Vciü-» 
men nach nur 0|St x Säuerftof%as, und varürt in ih*^ 
Ter Zufammenfetzung nidht« ^ 

xo. Sie enthält kein Wafferftoffgas, oder we» 
nigftens kann ihr Antheil an WafCarftöfFgas mokt 
bis auf 0/003 fteigen. 



i 05 } 



IV. 

EINIGE BEMERKUNGEN 
SU dem vor/tekendtn Auffatait vo» 

BSKTHOLLE T; 

• 

(aif# tlnem Berichte an die mäth.'phyf. Klaffe 
des National" Infi ituts»') *) 

jLxerr von Humboldt fcbien jeden Augenblick^ 
über den er beftimmen konnte^ zu verwenden, unt 
die Refultate zu ziehen, d|e er als FrOchte feiner be* 
rühmten ^eife uns nach einander vorgelegt hat. 
Doch wendete er inzwifchen einen Tbeil. . feiner 
Sorgfalt auf die Vervollkommnung cter Pro2effe^ 
deren er £ch bei feinen erilen phyfikalifchen Unter- 
fttchungen bedient hatte» um bei d em Verfolge derv^ 
felben auf eine fefte Grundlage zu bauen. Zu fei-» 
nen Unterfuchungen und zu feinen Planen hat et 
fich einen jungen Chemiker > Gay - Lüffac> aflb*» 
cilrt,deffen erfte Verfuche gezeigt haben, wiefehr er 
der Fr eundfchaft und des. Zutrauens des Herrn voü 
Humboldt yrerth ift. Beide haben die Frucht ih« 
ret erften gemeinfchaftlichen Arbeiten i -^ die eini<* 
ger A|afsen als Vorläufer einer neuen Reife anzufehen 
find, welche phyfikalifchen Unterfuchungen gewid* 
met feyn wird» — » der Klaffe in einer Abhandlung 

♦) Aiknat de Chlmie^ u 53$ p*239* Alle«, wasbloEier 
Auszug ift^ übergehe ich, und gebe nur Ber* 
. thpll«t's' beiirtbeiioade* fiea^erkungen. d. H» ^ 



l 9^ l- 

trachtMngen über die Urfacben, welche Verlt^ndiiiH 
geo.hervpf bringen und aufbeben und £ntztUidun» 
gen bewirken» oder zu denfelben beitragen » mQ(^ 
ien die n&thigen Data enthalten, um die Wirkun« 
geii» welche man unter diefen verfcbiedenen Um« 
Ständen wahrnimmt» zu erklären. 

Pi» Verf. binden ihr« Erklärung von der Wir« 
kung der Electricität bein^ Entzünden von Sauer* 
ftoflgas und WalTerftoffgas an die Meinung, welche 
fie fiber diefes Entzünden gefaßt haben } und glau* 
ben daher» der electrifche Fupke erzeuge dje Enb» 
fündung nur dadurch» daCs die Compreffion» welche 
er bewirkt» die Temperatur des Ga^gemifches für 
einen Augenblick bi3 auf den Grad % der nöthig ift» 
erhebe. 

Unfre vorigen Bemerkungen lalTen fich auch 
auf diefe Meinung anwenden. Die Erklärung der 
Verfaffer gründet fich hier auf Compreffion und An* 
fiäheriing der Theilchen» und doch vernachläffigen 
fie ganz den Einiluis» den diefes unmittelbar auf 
die Venrandtfchaft diefer Theilchen haben mufs» 
bedenken auch nicht, dafs fich dadurch die doppelte 
\Virkung der Zerfetzu^ig und derZufammenfetzung 
des* Waffers nicht erklären laff^» welche bei ver* 
fchiedenen Intenfitäten der Electricität erfolgt» wie 
das die holläncL Chemiker Sylveftre und Chap» 
pe» und noch zuletzt Tennant gezeigt haben. 

■*— — • Was die Meteore betrifft, fo laffen fich 
die Beobachtungen» welche über die atmofphäri* 
fch« Luft, in ihrem* gewöhnUchea Zuftande enge» 

fteUt 



[97 ] . 

ftpllt .find 5 nicht geradehin aaf diefe Luft, wo fie. 
Wolken oder bläschenförmigen Dunft zur Zeit voa^ 
Qe wittern enthält, übertragen. Mehrere meteoro- 
logifche Erfqheinungen hängen, vne es fcheint» von 
noch unbeftinimten Urfachei^ a^, ugd m^ darf da*» 
her keine Urfache ausfchliefsen,; als nur. vermöge 
Reibeatron Beobachtungen^ die uns noch fehlen, 
die wir aber Recht haben, zu .erwanten , • und ? das, 
z.war i^eConders von der Einfichtund der Thätigkeit. 
der Verfaffer, deren Vorfatz.es ift, diefes zum be- 
fbnderA Cegenftande ihrer Nachforfchungen ^. 
laachen. 

'.. [Berthollet giebt den Bemerkungen der Ver*. 
fafTer über das VerhältniCs der Beftandtheiie des.. 
Waffers feinen ganzen Beifall j er felbft hatte fchoa 
in der Sat. chinuy t. i, p* 49, angeführt, die Feuch- 
tigkeit könne beim Abwägen der leichteften Gasar* 
ten . fehr bedeutende Unterfchiede. veranlaffen. 
Ebien fo ftimmt d: ihrer Analyfe der atmofphäri- 
fchenLuftin allem bei, und ganz beübnders ihren 
Unterfuchungen über die im Waffer enthaltene Luft, 
und über die Einwirkung des Waffers auf Gasarten» 
welche den zweiten Theil der Abhandlung ausma- 
chen. Folgender Mausen befchliefst er feinen Be* 

rieht. ] 

Es läfst fich nicht oft genug wiederhohlen, dafs 
fich die Wiffenfchaft nur dadurch weiter bringen 
lädst, dafs man jiiit grofser Schärfe die Tbatfachen 
ausmittelt, und die Methoden immer- mehr vervoll- 
kommnet, vermitielft deren man die Erfahrungen 
▲nnal. d.PbyAk. B. 20. St. i. J. igo^. St. 5, G 



I 98 ] 

einfammelt. Mangelt es an diefer Genauigkeit, (m 
ift^aWin^enfchaft. weiter nichts, als eine Samm* 
lung nnzufninmenhängender Facta, auf weleh# fich 
ein Sy ftem nach dem andern bauen , und Meinun* 
jgeUj^ die mit eixiander im Wide^fpruche ftehn, grün* 
den lallen. 

Die Abhandlung, welche \vir hier Im Auszuga 
dargeftellt haben, hat nicht blofs das Verdienft» 
diefe Präcifion einem Prozeffe, der für die dhemi*< 
fche Analyfe befonders wichtig ift, gegeben, fon- 
dern ilm^auch auf eine Reihe neuer höcbft interef- 
fanter Thatfacben angewendet zu haben« Wir hat«, 
ten ihn far vollkomtnen würdig, in dem RecuM 
des Savans iirangers gedruckt zu werden. 



iii> m 



9. 



. . . ; < . • 



C 99 3 



■r 



V. 

BiLÖTJNO 

pon Waffer durch biofsen, Druckf und 

Bejnerkungen Über die Natur des 

electrifchen Funkens^ 

Ton 

B X o f. 

** ■ . • ' ' ■ 

(j^Qrgeleftn im National" Inftit Ute* ^^^ 

Rh'Hinem Gefpräche, welches ich vor einiger Zeit 
mit Herrn Berthollet Über die Natitr und die Ei- 
genfchaften der Wärme hatte^ äu&ertd ioh > ich fey 
ttberzeugty die Verbindung von WaflerftofFgastind 
SanerftofFgas lalTe Geh ohne Hülfe der Electricitä't» 
blofs durch fehr fcbnelle Comprerfion bewirken. 
Diefes fchien mir eine fo unmittelbare Folgerung 
aus den bereits angeftellten Beobachtungen über die 
Wärme, welche aus der Luft durch Compreffioa 
erhalten wird, **) zu tejUp dafs icb es fflr fiberflüC* 

f *) Annal. de Ckim., t. 53f p« Sau d.*H* 

^ Folgende Notiz Aber diefe Verruohe Aeht im 
Bulletin des Scienc^ de la Soc. philam. »' No» 87 s Prat- 
rial, ;An 12, (Jun. 1804,) p. 209: , y, Man hat 
neulich vor dem Nadonal- Inßitute einen fehr auf- 
feilenden Verfuch wiederhohlt. Wenn mail in ei* 
»er Windbachfenpumpe die Luft fehr fchnell com- 
primirt, fo entbindet lieh beim erßcn Stoffe det 
Kolbens £9 vifl Wirme, dab ein Stack Zflnd- 



% bielU mifibud^von auf andere Art zu überzeugen. 
Als ich indels fpäter mit Herrn Laplace hierüber 

fchwamm, der lieh im Ipnern der Pumpe befinder^ 
daroi) entzüjidet 'wird* Schliefst man die.Fumpe 

'/ durch ein einzufchraubendes Stück Stahl, in def« 
fed Mitte fich eine Glaslinfe beßndet, fo däfs man 
in das InncHre der Pumpe hinein fehen kann, fo y^rird 
man beim erAen Kolbenfiorse einen Strahl lebhaf- 
ten und glänzenden Lichtes gewahr, das lieh plötz» 
lieh entbindet. Man verdfankt diefe Beobachtung 
dem Unfälle. Sie wurde zuerft von einem Arbeiter 
In der Gewehrfabrik zu St. Etienne angafiell^ 
der, als er eine ftark geladene Windbüchfe los« 
fchofs, am Ende des Rohrs eiiien fehr Jichtbaren 

'■ - Sehern gewahr wurde. J. B." •■ — Heirr Biot^ 
^ ^ill er anders der VerfafCer diefer Notiz,) erlaubet 

-. mir, hierbei zu bemerken , dafs das Windbüeh«, 
fenlicht fcbon weit früher in Deutfehl and be- 
karint w^ar, (^Anaalen^ XVII, 23«) und dafs es 
zwar dem ^ Prpfeffor Moll et in Lyon die Veran- 

" ladung zu feinen Verfucheh gewefen zu leyn 

••• Tcheint, (rf/?/. , 3i, «.,) dafs Mollet's VerfucH 

•1 felbß aiifiir^ -von welchctfn. hier die Rede ift, (^Anna-' 

Leas XVIII, 241) 4^2,) fo aufserordentlich w^eit 

Kon der Wahrnehmuniz d^ Windbüchfenlichts ab* 

X U^gh) ^^(s.ich ^fixi Schlufs jener Notiz für eine kl#i- 

^ ne yngQrechtj<i[keit gegen den Lyoner Phyliker hal- 
.ten. möchte. Zwar Rndet auch in und vor dem 

^ Laufe .d^r Windbüchfe eine Coinprefßon der ru- 
henden Luft Statt, indem die comprimirte Luft aus 
der Kugel oder der FJafche der Windbüphfe fich 
vpm hintern Ende. des Laufes her dilatirt; foUte lieh 
aber bei diefer Comprefüoii Licht entbinden kön- 



C "I 3 

fprach, interefGrte diefer fich lebhaft für den Ver* 
fach, tind munterte mich fehr auf, ihn zu veri- 
'ficiren. Ich habe daher den Verfuch angeftellt, und 
er ift volJkommejn gehtngen. *) » 

Ich liefs das. Ende einer Windbüchfenpump^ 
mit einem fehr dicken Spiegelglafe luftdicht ver-' 
fchliefsen , um das Licht wahrnehmen zu könneä, 
•welches hier, wie bei der. atmofphärifchen Luft^ 
durch die Compreffion erzeugt werden mufste. Die 
Pumpe beftand aus Eifen, hatte an der Seite ein 
Hahnftück, um fie mit den beiden Gasarten fallen 
in: können, und war am untern Ende mit einem 
Tchweren Cylinder von Blei umgeben, der dazu 
diente, die Pumpe beim Herabftofsen zu befchleu- 
nigen, damit man eine recht fchnelle ComprefliQn 
•rhalten möchte. Diefer Apparat wurde tuerft mit 

vefi) da die Luft dahinter lieh in Airfcerm Griul» 
dUatirt, als lie die vorliegende coniprimirti und 
müGste daher nicht jene das Licht, weichet aut 
diefer. fich entbiodet, augenblicklich w^ieder bin- 
den: Und doch fehe ich keine andere Art der £r- 
lüärung ab, als diefe, wie das Windbüchfenlicht 
£cfa auf M o 11 e t ' s Verfaeb foUte rediieiren laCTen, 

d. H. 
'^) DiefeiK. geCchab im phyfikalifchan Kabinette der 
Ecöle polytechnique t und ich bin meinem Freunde 
Herrn Haffenfratz, Prof, der Phyük an die* 
Ter Anfialt, vielen Dank für die ausnehmende Ge- 
'f§niigkeit fcbuldig, die er gehabt hat, dicjfen Ver- 
fuißb e?miehten zu laffen und mir felbft bei derWie* 
derhohlung deffelbeä zahieifem Siwt^ / 



[ «o4 3 

^trifchto Funkens oder äufsern J'euers. Wahr- 
fcheinlich raöchtefh fick auf diefelbe Art alle Ver- 
bindungen Von Gasarten, welche eine Temperatur* 
Erhöhung erfordern, ohne irgend ein fremdes 
Agens, hervor bringen'laffen. 

Diefe Identität der Refultate bat mich auf fol* 
sende Idee geführt, Man weifs, und Herr Ber- 
tb oll et hat es in feiner Stacique chlmique gezeigt» 
dafs die Electricität , indem fie durch Körper hin- 
flurch-geht, in iliren kleinften Theilchen eine wab- 
Jre Compreffion bewirkt. Diefe Wirkung gefohieht 
mit einer wunderbaren Gefchwindigkeit, wie fich 
das durch unzählige Verfuche darthun läfst. Hat 
jRbei: die Electricität «ine folche Gefchwindigkeit 
io ift es nicht anders möglich, ^Is dafs fie aus der 
Luft JJchif entbinden mufs, da es uns gelingt, diet 
durch eine weit weniger fchnelle Compreffion * zu 
bewirken, Diefes führt mich darauf, in dem ele» 
ctrifchen Funken ein blöfs mechanifcbes Refiflt«t 
der Compreffion zu fehen, 

' Vergleichen wir nämlich das, was in der Com» 
■preffionspumpe gefchiehf,- niitdem, was in Völ- 
ta's Eudiometer vorgeht, fo ift die Aehnlichkeit 
vollftändig; nur dafs wir im erften Falle das Gas ein« 
;(ufchliefsen gezwungen find, weil wir dem Kolben 
nur eine fehr befchränkte Gefcbw;indiglieit zu geben 
vermögen, indefs beim electrifchen Funken die 
Theilchen mit einer fo aufserordenüichen ' Ge« 
fchwindigkeit comprimirt werden, dafs fie nie 
fchnell genug ausweichen liö'nncn > um fich feiner 



[ 'io5 3 

Macht zu entziehen, welshalb felbft in freier Luft 
die' Compreffion-, fatiamt der Lichtentbipdung oder 
dem Funken , der eine Folge derfelben ift, vor fich 
gehen kann. Aber diefe Wirkung ift local; und 
wenn Gasarten j die nicht fähig find, fich zu verei- 
ifiigen , nach jeder Explofi^n zu ihren anfänghchen 
Dimenfionen zurück kommen, fo nehmen fie bei 
diefef Dilatation fogleich wieder alle Wärme in fich 
adf, die fie hergegeben hatten, fo dafs dadurch lA 
Ihrer Befchäffenheit keine bleibende Veränderung 
vor fich gehen kann. Und hieraus erklärt eS fich, 
warum man beim Electrifiren recht reiner und nicht 
gemifchter Gasarten , nie eine Veränderuug in ih- 
])en wahrgenommen hat. 

Diefes Licht, welches die Electricität aus den 
Gasarten durch Compreffion entwickelt, mufs fid 
aus ihnen felbft noch ini verdünnten Zuftande, ja 
wegen der ungeheuren Gefchwindigkeit^ dife ihr ei^- 
gen ift, felbft aus den Dämpfen entbinden, wenn 
man in luftverdünnten Recipienten oder in derTor- 
ricelll'fchen Leere operirt; denn bekanntlich ver* 
mögen wir mit unfern Luftpumpen nie eine völlige 
Leere hervor zu bringen , und felbft die Tprricel- 
li*fche Leere über dem Barometer enthält weniger 
ftens iiTGch Queckfilberdämpfe. Diefe Dämpfe find 
zwar fehr dilatirt, enthalten aber doch immer noch 
eine fehr grofse Menge von Wärmeftoff, welchen 
die Electricität bei ihrem Durchgange, vermittelft 
dar Compreffion, die fie bewirkt, entbinden mufs, 
indeEs die inftantane Zunahm« der Elafticitat we* 



I 

gan der gerixigeD Dichtigkeit des Mittels nicht mtjrk" 
bar werden kann; wohl aber in dichterer Luft» wie 
fich das in dem fo genannten Thermonaeter Kid«' 
«ersley^s zeigt- ' 

Die Betrtchfnngen , welche ich hier angeftelli 
^be» machen ei einiger Mafsen wahrfcheinlich« 
d.a£5 das Phänomen, welcihes man den elecnifohen 
Funken nennt, von dem Lichte herrCthrt> das fich 
aus der Luft durch Compreffion beim Durchgang«! 
der Electricitiit durch 6e entbindet, fo dafs diefes 
Phänomen rein-mecbanifch ift« und n4ofats eiectrio* 
fches in üch fchUefst, {en forte que ce jihinomeM 
€fß purement micanique a ne renferme rien d*^lä% 
ctrique enfoL) Diefes ift die Idee, welche ich hier 
aufftellen wollte* Ift fie gegründet , fq wird durch 
fie die Zahl der Hypotbefen , welche man über di^ 
Natur der Electricitat fchon gemacht hat uod noch 
machen könnte, bedeutend vermindert werden; 
]nnd<ias ift die Urlachet warum iob geglaubt habe^ 
fie der Benrtheilung der Phyfiker vorlegen zu dür- 
fen , wobei ich indefs auf fie keinen andern Wcirth 
tu legen gemeint bin« als den» wekhen fiefelbft 
ihr geben werden. 



[ '«7 3 



■k 



VI. 

BERICHT 

des H^rrn Akademix^us SACHATtow 

to die kaiferl. Akäd^oder Wiffeafchafteif 

zu Petersburg» 

über 

^die Lu/ifahrt, Welche^efw zu, Folge ihrer 

Aufirags in Begleichung des Phy/icus 

.Rober tfon am '^oft^en Junius 18^4 

unternommen hat* *) 

jD'is jetzt wurden die Luftfahrten blofe zum Ver- 
gnOgen des Publicums yeranftaltet Seit ihrer Er- 
findung, hat nicht eine gelehrte Gefellfchaft , und 
nicht ein Gelehrtet Luftfährten unternommen, um 
gelehrte Beobachtungeh zu machen. ^*) Faft immer 

*) Man darf bei diefem Berichte-t den ich hier in 
Cnner VoliftändigkeiffieEere, nichi: überfehen, daGi 
HerF-Akad.:.Saoharow's'.AufHttg zu St. Peterc^ 

. bürg uffi faft, zwei Monajte Müofiip vor üoh.gin^ 
als die aeroßatifche Reife der Herren Biet und 
Gay-Lüffac in PariSt und daCs er es mit dem 
Aeronauten Robertfon, fie mit dem Aeroftati« 
ker C o n t ^ zu thun hatten. ' d* H. 

**^ ) 'In diefer Auslage fcheint mir eine Ungerechdg- 
l^it nicht blob gegen den Grafen Zambeccati 
'%u liegen» deffen aeronautifohe Unternehmungen 
recht eigentlich wüTenfchaftlich waren , und deCTen 
Hochherzigkeit wohl verdient hatte, bei Ausländern^ 
(z. B. bei der St. Petersburger Akademie^) die Ui^ 



[ '08 3 

hprrliUrilgtnn finh wenig in den WifTebfcbaftea er- 
fiilirnn Prrroimn blofs ihres. Gewinnes wegen "damit. 
Villi fi'llugCMi wurden fie immer weit gefährlicher 
hrfiliriobon, als fie in der That find, um dadurdb 
jrdrrinnnn Achtung far ihre Unerfchroc^enheit ein<> 
Knilöfscn, und jeden durch diefes leichte Mittel abza* 
haiton« üch einen gleichen Erwerb zu verfchaf- 

Die kaiforliche Akademie der WifTenfchüften zu 
St» Polorsburg hat in Erwägung der Vortheile, dife 
c'in« Luftfahrt den Wiffenfchaften bringen könnte;, 
«ich /uorft entfchloffen,**) diefelbe zu gelehr- 

w 

terftiAixung zu fiAden , die ihm in Italien jetzt man« 
ti^lnfoU; — fondem auch gegen Charlet, den 
Vvt^n«(er der Aeroftate mit brennbarem Gas, da 
Jy^ Lurifahrti welche er am iften Dec. 1783 zu Pa» 
t^jK mit Rohere unternahm , ( vergl. AnnaL , XVI^ 
\^^ .4r»m. .) in jeder Hinficht den Namen einer wil* 
l^nltihafdichen Luftreife verdient, uiid den ncfhe- 
l^it an Werth kaum nachftehen dürfte. d* H. 
^\ Wie das unter andern fehr deutlich aus mmnett 
Auftsltzen in den i^jtffo/. , XVI, |, 164« sSy, über 
dit Luftfahrten der Bärger Garnerin und . R o ^ 
b e r t f o n , hervor geht ; ein Auflatz , auf den z^^nt 
Ton Herrn Akad. Sacharow weiter unten hin- 
gedeutet zu werden febeint, der aber doch, wi« 
es mir fcheint , zur Ehre der Ph yfiker rercüent &ät- 
te , unter dem grofsen Publicum , ( auch in Peters- 
burg und Moskau,) noch mehr bekannt zu wer- 
den, d. H. 
^*) Und zwar in ihrer letzten Sitzung im Mai 1804^ 

d. H. 



[ "9 ] 

ten Unterfuchungen imternebmen zu lafTen. Der 
Hauptzweck diefer Reife war, mit der gröfsten Ge-^ 
nauigkeit den phyfifchen Zuftand der Atniofphäre, 
und die äeftandtheile derfelbeii in verfchiedenen, 
(Jabei aber beftimmten Höhen, zu erfahren. Diai 
Akademie hatte geglaubt, dafs die von de Luc, 
S.auffüre und von Humboldt, und van noch 
mehrern andern auf Bergen angeftellten Verfuche an- 
dere Refultate als ähnliche Verfuche haben müfsten^ 
die In der freien Atmofphäre gemacht werden ; dafs 
diefer Unterfcbied von der Anziehungskraft der. 
Erde und der Zerlegung der organifirten Körper 
QDtftehen könne, und dafs vermittelft dl ef es Mittels 
vielleicht das. Gefetz gefunden werden dürfte,, wel- 
ches mit der gröfsten Genauigkeit die Höhe der At« 
inofphäre beftiinme. 

In Folge diefes gab die Akademie dem Herrn 
Akademlcus, Etatsrath und Ritter Lowitz, (der 
ea flbernommen hatte, in der Höhe der Atmofphä* 
re die von der Akademie beftimmten Verfuche an- 
aufteilen,) den Auftrag, über die Abücht der Aka- 
demie mit dem Herrn PhyGcus Robertfon zu 
fprecbep. Herr Robortfon erklärte, dafs er es 
fich für eine befondere Ehre fchätzea würde, der 
Akademie in Hinficht diefes Vorhabens einige Dien- 
ffe zu leiften , dafs er djefen bekannten Gelehrten 
tQit VeiTgnflgen begleiten werde, und dafs fein hier 
in St Petersburg von ihm verfertigter Ballon der 
Akademie hierzu zu Dienften ftehe, wobei er nur 
bitte, dafs die Akademie die Koften tragen möchte, 



welcfae-zur Fflllung desBallöns mit Wäflerftöffgas 
Offord^rt würden. Die Akademie bezeugte dem 
Herrn RoljertföiL für feinen gegen fie bewiefe- 
nen Eifer ihre Dankbarkeit ,' und beftimmte zur Be« 
werkfteUigung diefer- Luftreife eind HinreichenQa 
Summe. * . »' . . * 

Während der Zubereitung aller ErfprdernifTe 7.» 
diefer Reife , und in Erwartung eines ^uten Win* 
des, erkrankte der Herr Akademicus Lowitz^ 
in Folge weffeu Sc. Excelleoz der Herr Präsident 
Nicolai Nikolajewitfch Nowofsilzöw es 
mir auftrug, diefes Qefchäft zu übernehmen. Da 
diefer Auftrag ein befonderes Zutrauen zu mir zelg^ 
te, fo übernahm ich felbigen mit Vergnügen , und 
liach Vollendung diefer Reife habe ich die Ehre^' 
d*er Akademie über die Verfuche und Beobachtung 
gen, die ich wahrend derfelben angeftellt habe» fol« 
genden Bericht ab^uftatten. . ^ 

Die von der Akademie beftimmten Verfuche, 
diB in der gröfisten Entfernung vod der Erde ge«> 
macht werden foliten, find die, welche fchoh voa 
einigen Luftfabreru befchrieben worden , welche^ 
man aber entweder bezweifelte, oder ganz und gar 
verwarf; ^■) wie z. B. die gefchwindere und lang-« 
famere Ausdünftung der Feuchtigkeiten; die Ver-» 
minderung oder Vermehrung der Magnetkraft; di& 
Inclination der. Magnetnadel; die Vermehrung der 
Erwärmungskraft der Sonuenftrahlen ; die nicht fo 

* ) Vei:gl. Annäien ^ XVI ,.057 f. . .' 4. H.. 



groJGse Lebhaftigkeit der durchs PriiSina faeryör ge- 
brachten Farben; die Niditexiftenz oder Exiftenz 
derielectrifchen Materie; einige Bemerkungen Aber 
den Einflufs nnd die Verändemngen ^ welche die 

■ 

verdünnte Luft bei dem Menfchen hervor bringt; 
das Fliegen dier Vögel; die Fallung mehrerer nach 
T o r i c e 1 1 i ' s Methode von Luft befreiter FlaTcheir; 
fö oft das Barometer um einen Zoll tiefer gefallen 
jeyn wdrde ; und noch einige andere phyfifche und 
dbemifche Vtrfuche. 

- Die Infirumente ^ weiche ich zu oben erwähn« 
ten Verfuchen mitgenommen hatte . «waren fol* 

Zwölf Plafchea: mit Hähnen in einem Kaften mit 
einem Deckel; ein Barometer mit einem Thermo* 
meter; Hoch ein Thermometer; zwei Electrometer» 
S«geUack und Schwefel; . ein Kompais und eine 
Magnetoadel; eine Secuiidennhf; eine Glocke; ein 
Sprachrohr; ein Prisma von Ery ftall ; ungelöfchtet 
Kalk» und noch einige andere Sachen zu phyfifchen 
und chemifchen Verfuchen. 

Man hatte bis jetzt noch kein Mittel, im Ballon 
felbft mitGewifsheit zu wiffeü, tiber welcher Stelle^ 
oder' fiber welchem Erdgegenftande man fchwebe, 
und nach welcher Seite man vom Winde getrieben 
Werde» befonders wenn fich unter dem Ballon VVoI^ 
ken befinden, durch welche die Erdgegenftande 
nicht zujeben find» da denn der Luftfchiffer in det 
Gpnde), de«" die Bewegung des Ballons nicht fühlt, 
die BichtiMig deflelbw. aus Mangel an einem unbe* 



weglichen Gegenftande nicht wiffen kanni Ich ver- 
fechte hierzu folgende beide Mittel anzuwenden^ 
um in beiden Fällen zu. wiffen, nach welcher Seite^ 
yirir vom Winde getrieben würden. Erßens befe* 
ftigte ich in ein^r auf.jdem Boden der Gondel g^ 
inachten Oeffnung perptendiculär ein achroraati« 
fches Fernrohr, welches mir nicht nur die Erdge-- 
genftände deutlich zeigte, über welchen der Ballon 
fich befand.» fondern auch andeutete, nach welcher 
Seite er feinen Lauf nahm. Zweitens Ifgte ich zwei. 
Bogen.fchwarzen Papiers kreuzweife zufammen, d. i., 
ich verband zwei Flächen unter geraden WinkeLa,« 
befeftigte fie mit feinen Leiftchen , und liefs fie aa. 
einem groben Zwirnsfaden aus.dex Gondel her^b 
hängen. Diefer leichte Körper zeigte mir^ wie u'n^. 
ten gefagt werden wird, beffer, als ich glaubte^., 
alle Veränderungen der Richtung des Ballons, weis- 
wegen ich ihn den Wegweifer nennen will. 

Der Ballon wurde im Garten des erften Kadet- 
' tenkorps mit Wafferftoffgas gefüllt, von wo in Ge- 
genwart mehrerer vornehmen Perfonen, der Mit-, 
glieder der Akademie der Wiffcnfchaften und meh- 
rerer Gelehrten, das Auffteigen erfolgte. Die Zer-t 
legung des Waffers gefchah vennittelft SchwpfelCäu- . 
re und Eifenfeilfpäne, gröfsten.Theils von Gufsei-., 
fen. Der qheraifche Apparat beftand aus Qg ^^^' 
fern, von denen .aus .jedem, eine blecherne Röhre ; 
in eine Wanne geführt war. Zur Abhaltung des., 
kohlenfauren Gas wurde ungelofchter Kalk - ins ) 
Waffer geworfen. , In jedtis Fuf^i wurden :^ Pud Ei- . 

fon- 



C "3 ] 

fenfeilfpäne gethan, und darauf i^ Päd WafTer« 
und 5 Pud Schwefelfäure gegoffen. * ) Mit der Fül-» 
hing wurde um ii Ulir Vormittags der Anfang.ge^ 
nacht, und obgleich diefelbe um 4 Uhr Nachmit* 
tags vollendet War« fo waren doch die vorläufigea 
Verfuche, die zum Vergleich mit denen angerteilt * 
Würden, die in den höhern Luftregionen gemacht 
werden foUten, Urfache, dafs wir unfre Reife Ipüt 
genug antraten. Wafferftoi^gas hatte man 9;000 
(ubikfufs erhalten. Es wogen : 

der Ballon mit feinem ganzen Zubehör 5 Pud 22 Pf. 

Herr Robertfon und ich 8 — 10 -x* 

die Inßrumente und audere Geräthe zu 

den Verruchen i— x — 

dte Kleidung . .^^gT^^ 

die Bouteillen mit WafCer imd die I^e* 
bensmittel »> 

mn Ballaß wurde genommen 3 

ZuFammen 1^8 Pud 3 Pf. 
Der Ballon, der zum Verfuche feiner Feftigkeit 
erft ganz mit Luft jgefullt wurde, hatte 30 englifcho 
Fufs im Diameter, und war vollkommen rundj[ 
fehlen aber in der Luft, da er nicht ganz, jedochf 
hinreichend fQr die Reife mit Wafferftoffgas gefüllt 

war, länglich zu feyn. 

• 

Der Wind war Nordoft, und für uns güuftig; 
Um jedoch die Richtung deffelben genauer zu wif* 
kuy liels man vor unfrer Abreite um 7 Uhr einen 
iijcht grofsen Ballon auffteigen. Diefer wurde an- 

. *) Das Pud ift 40 Pfund* d. H^ 

Attii«l. d. Phy£k. B. ao« St. t. 4..r$Q5. St. i^ H. ^ 




[ '14 ] 

fängs vom Nördöftwind gegen das fefte Land «ti g^ 
trieben, allein ntichdem er höher geftiegen war^ 
fchieti es, als wenn er/ feine Richtung verändertir« 
und gerade nach der Ste zuginge. Wit liefsea uns 
hierdurch inclefs nicht abhalten, unfreReife aii2utra- 
/^ten , Tondern legten alles Natbige in die Gondd» 

. tind fetzten uns felhft in felbfge. Da aber einer der 
/wichtigften Verfuche , nach meineif Meinung i dar-» 
in bef tand , in verfchiedenen Hdhen , und iianUint<r 

*■ lieh bei jedem Fallen des Barometer* um einen Zjill, 
in die' von mir mitgenommenen, und Von der Luft 
befreiten Gläfer Luft zu fammeln, W^löhes ein all- 

'^mähliges uud langfäines KvVporheben de€ Ballons 
n^thig machte ; fö fagten wir, da wir fchoti in der 
Gondel fafsen,' zu dem von uns mitgeporomenen 

/ ^ailaft noch fo viel hinzu, dafs der Ballon nicht un 

' Stände war , uns zu heben» 

' ' Um 7U. X5', da das Barometer auf f^o^' engl. 

'' tind das Thermometer auf lg'* ftand, warfen wir 
>ine Hätid voUis'oYi-diefn aus Sande beftehenden Bai- 
kft heraus. Der Ballon fing fogleich an fich fehr 

^ iangfaih zu heben, fenkte fich aber wieder Ober der 
Newa, nachdemer eine aufehnliche Höhe erreicht 

' Hhatte, Wahrfcheinlich 'kam dies daher, weil der 
•Ballon mit emeit fehr w%n-meQ Atmorphäre auf« der 
Etile umgeben gewefen war, wodurch das in.feU 
bigem befindliche Glas mehr Raum einnahm» und Ji« 
ÜrCache fein«r gröfserri-Leichtigkcit Wan In. der. 
Hohe aber, wo die Luft, befonders fiber der Nc* 

'Va, itältir^irt, wil'voa di»n dufffeigei^den WaiZer* 



t "5 3 

4iiifteii die Wärmetnaterie T^fchliingeii wird , und 
wo fich das WafferftofFgaSy nachdem es, erkaltet 
War, zufammen zog, wodurch der Ballon kli|iner» 
«ad in Rückfic^t der mehr yerJ(lnateo Luft fehwe- 
rer wurde ^ inufste er einen iTheil lleiner Helmng^ 
kraft variieren,, und fich ein wenig feokeii. Als 
fhras Ballaft ausgeworfen wurde , hob fich der Ba!«^' 
k» wieder in die .Höhe« 

. Das. in dem Boden der Gondel befeftigte Seh^ 
fbbr zeigte mir deutlich die Stellen , <lber welchen 
Wir «ns befanden. Der BaUon s»ahm dem Anfohei* 
nnaoh feine Richtung 4iach dem feflen Lande, 

Um 7 V* S'^ dai' das Barometer auf 29^ nnd 
te Thermometer auf x^^ gefallen war, falite/idi . 
die erfteFlafche mit Luft; die zweite foUte ich um 
7Ü. 37' bei «8" ßarometerftand und 17^ Warnie; 
«od die dritte um 7 V. 4^^ bei «7'^ BarometerftäM 
«od 15 ^ Wlirme. Zu diefer Zeit oder in di^er Hi^ 
iie empfand ich eine Schwere in . meinen OhreiH 
iK&rte jedoch beim GefpMdbte übrigens eben io gut 
" wie vorher. 
' Während der Fortfetzvng der R^ife drehete fich 
«nfer Ballon zu verfcbiadenen Mahlen. Dtee ge- 
(ehah alimabHg » langfam und faft mtmeiküeh. JDit 
directe Bewegung des Ballons ift d^n LuftfipfaifferA 
bei rollkommcner Stille und bei der fcheinbaren Ua- 
bevreglichkeit der Lutt gar nicht bemerkbar, We* 

• 

gen de» Nebei$ konnte ich die weiten Gegenftänd«^ 
als z. B« den Ladoga^See» Kronftadtu, f. w«» nicht 
£eben. Jäier .warf ida äi^ai t^^ mir gemachten ya^ 



•« 



« 

•glemenW^gweifet heraus :f und bemerkte ^etzt'ua<ll 
während iler ganzen ül^rigen Fahrt « dafs er nicht 
nur die Richtung des Ballons 9 fondern aueh da» 
Sinket und Steigen deffalben anzeigte « und zwar 
das iQtzt^re weit gefchwinder als das Barometer«^ . 
Penn fo buld dei^ Ballon ficb lenkte» fo ging.diefec^ 
unfiqr Wegvveifar » da er weit leichter als der BalloA 
war 9 und mehr Widerftand im Herabfallen fand, in;, 
die Höhec,^ t)nd flog faft bis auf den Ballon , you wo 
ijch ihn herab ziehen inufste. Wenn dagegen dezv 
Ballon ftieg, befand er -ficb' unten» hing diagonal 
an dern Fad^n, und folgte uns £0» dafs nach der Lan 
gß diefes Wegweifers ein in diefer Sache Bewander* 
ter mit deni KompaCs leicht die wahre Richtung des» 
Luftballons willen kann. 

Da wir mit Nordoftwind uns über den an der 
Mündung des grofsen Newafluffes liegenden Infeln 
befanden , befürchtete Hr. Robert fqn» weil der 
9US denx Kadettengarten auffteigende kleine BaJioa' 
feine Richtung verändert «habe, dafs auch uns des 
Wind in die See treiben möchte; denn bekanntlich 
befinden iicli in der AtmQfphäre verfchiedene Lufh. 
ftröme» die einen, entgegen gefetzten Lauf haben^ < 
wovon auch vielleicht die oben erwähnte kreisfdrmi« 
ge Wendung des Ballons herralirte. Nach liem Weg- 
weifer konnte., ich aus Ungewohnheit bei diefer 
kreisförmigen Drehung des Ballons die wahre Rich- 
tung d elf elben nicht erfahren; Herr Robertfon 
liefs dalier nun eine anfehnliche Menge Gas heraust 
Worauf wir ura 7 ü. ßp' auf ag" Barometerftand 



C '':r ] 

kemb fanken. In dieter Höhe wurden mir 'meioÄ 
Ohren ^wieder leicht, und ich empfand weiter kei« 
fee Befchwerde in denfelben.- 

' "Nachdem wir längs dem Ufer weit hinter Kath»- 
rfoenhof unfre Luftreife fortgeletzt • hatten ^ fingen 
üir uns auf mein ausdrOcklicbes Verjüngen an wie- 
der, zti heben. Um 8 U* 25' wvöii wir auf 26'^ 
des Barometers; die Warme betrug 14l^} hier füll« 
le ich die. vierte Fiafche mit Luft. Um 8 U.'3i'- 
befianden wir uns über dem Waffer in einer Barome^ 
Mrhöhe von 25" bei 13° Wärme. Von diefer H6- 
lie kpmite man die Kreife fehen, die von dem Falle 
der Bouteillen , die ich herunter warf, auf dem Waf* 
ler entftanden. Der Nordoftwind fchien uns im« 

■ 

tner gOnftig zu feyn, und wir befanden uns um S\5. 
45' vollkommen über dem feften Lande. Die News« 
kifchen Infein an der Mündung und den ganzen 
Au(s Jemeljanowka konnten wir von hier mit einem 

* nicke überfehen. Da wir jetzt von der See ent« 
fcmt' "waren, und Herr Robert fon Weiter keine 

; Oefatar fah, begann er feinen BaUaft^^ von dem nur 
iitfch virenig übrig geblieben war, um fo hoch alt 
möglich zu fteigen, heraus zu werfen, fo dafs um 
9.Ü. Q^ das Barometer bis auf 24^' gefallen .war; 
wir hatten 9^ Wärmen und ich fülltQ hier die fech»- 
te .Fiafche mit Luft. 

Um 9 U» 20' waren wir in einer Höhe von 23" 
M 6§^ Wärme, iind ich füllte die fiebente Fiafche 
talt liuft. Hier liefs ich zwei Zeifige und eine Tau* 
W flieg^i- Die aus- dem Bauer keraus gelaffenea 



t "8 i 

Z^fige wollten nicht ftiegeo» iiii<t cfa fie in rfie Lu^t 
gevrorfeo^ wurden > fielen fie mit Heftigkeit heraa«^ 
ter^ auch' die au^ der Goxidel heraas geworfeae 
Taube^og faft in elne^r gerade herunter gebogenen 
Liiue in das unter uns befindliche Dorf« ^ ' 

Nachdem' wir faft allen Baliaft heraus geworfea> 
Ikatten,^ udd io viel wie möglich höber xu ftei^tt 
wantchten» warf ich meinen Fraek heraus; eben &' 
auch die nach meinem mit dem grolsten Appetit ii» 
der Gondel veraehrlen Abendeffen nachgebliebenea 
Lebensmittel» einige zu den Verf neben mitgeaota* 
snejüe Erforderniffe^ und fogar Joftrumente» wop* 
euf wir nopfa in die Hohe ftiegem Hier macbtt ich 
einen Verfuch über die Gehdrkraft verftutteilft der 
Blocke, welche. ich» da ich» vermuthlich ans Ür* 
fache der nocb nicht fehr merklich verdOnntenLttA» 
nicht den geringsten ünter£diied in ihrem Schalle be« 
merken konnte» ebenfalls herab warf^ U« 9 }J^ 50^ 
War das Barometer bis auf üji^^ gefallen» Und das 
Thermometer zeigte 4}^ Warsne^ ich fällte^ dl» 
achte Flafche mit Luft Noch Torber Jtieis ich» oder 
getreuer 2tu £agen » ftiele ich die andere Taub^ v6o 

« 

der Gondel herab» die auf der Kante der&lbeD (als» 
nnd felbft nicht Iserali fliegii]^ wollte. Sie flog s odei- 
5Miiiiiten latlig in ein^r Entfemang iLon 30 Ride» 
mm die Gondel herom» und fetate ßck dann w^ickler 
auf felbige* . Ich nahm fie ohne den gerüigften Wi* 
derffeand » und eline die geringfte Furcht ron ihf er 
*Seite in die Hand, und warf fie hinunter» da Ca 
denn, enla^rcder^ weil $e nicht im Stande war« fy^ 



l "9 l' 

ladie.Höhe.^u liefen, oder weil fic keinen. Gegen- 
ftana.Tor .fich fah , ihrejx Flug in Kreifen mit j^eftig« 
)ceit hinunter nahm.*) "^ 

* In. diefer Höhe ftellte ich mit mir felbft Bepb-^ 

« 

acfctungen über diq eleptrifche Materie und den Ma* 
gtiet an. Andere Verfuche war ich nicht im Stan- 
de TU noachen, tbeiis weil es zu fpät wurde, theiis 
Weil beim Herauswerfen des Ballaftes cKe Inftru« 
\n^ntey befonders die inclinations- Magnetnadel, in 
tJttordnung g-erathen waren. Wir fahen in diefer 
Hohe die Sonn» noch, jedoch nur die eine Hälfte, 
«nd wegen des damahls eingetretenen ftarken Ne- • 
'beb kann ich nicht genau üagen,. /ob £e fich hinter 
dem Horizonte» ; Ader hinter einer Wolke verlo* 
ten hette^ IMe mit diefem Nebel bedeckte Erde 
fbye» mit einer raupchEarbigeq AtmoFphäFe bekiel« 
det tn feyn» dnrch die ms^n auch durch das Sehrohr , 
"die Gegenftände nicht deutlich unterfcht»iden konn* 
' te. vIMe eleetrifche Meterie zeigte in diefer Höhe 
Ihre Wirkung; di^fon da das Siegellack mit Tuch ge-^ 
liebe» wurde, fetzte es Bennet's Electrometer 
Jn Bewegung; 

Da die <von %nir zur Uaterfuchang (Ter IncTina^ 
tioa mitgenomnieae Nbgn^tnadel v verdorb.etji war» 
wollte ich <locb wenigfteigis Verfudie machen» i>b 
4»e magnetifehe Kraft hier eb^ik fo wie auf der Er- 
de auf das Eifeu wirloeii warde. Ich ftellte hierzu 

mne gew^e^nKobe-Magnelnede) aiil einen Stift> und 

'.■'■■. • ■ * 



fah zu meinem gröfsten Erftaunen , dab der Nord« 
pol derfelben lieh anfebnlich in die Höhe bob, ia- 
defs der Südpol (ich fenkte, welches 8 bis xo^ aus- 
machte. Indem ich dite mehrere Mahl wiederbohl* 
tej gab ich, um defto gewlffer zu feyo , diefe Ma«^ 
gnetnadel anHro; Robertfon, damit erdiefesEx* 
periment wiederhohlen möchte; allein dieRefulta- 
te waren immer diefelben. Die Magnetnadel, di4 
Ach noch bis heute bei mir befindet, fteht auch jetzig 
horizontal. *) Verfuche in Anfehung der Anzie^ 
hungskrafc der Magnetnadel habe ich , nebft ander j}|^ 
nicht machen können. 

Selbft fühlte ich in diefer Höhe nicht die geriiig« 
fte Veränderung in mir, aufser dafs mir xüeine Ok« 
Ten wie betäubt vorkamen« Der Puls fchlug eben, 
fo^ wie auf der ^rde, nämlich in einer Minute gst 
Mahl; ^^). das Athmen war bei mir nicht gefchyrin- 
der, nicht langfamer, ich athmete nämlich 22 Mahl 
in einer Minute; übrigen« war ich fehr ruhig und 
vergnügt, und empfand keine Veränderungen und 
Unannehmlichkeiten in min Hoch über uns be«^ 
fanden fich zu der Zeit weifse Wolken, übrigexir 

*) Vergl. oben S* 12 und iS* Waren fi^, wie es an» 
zunehmen ifi, im Sinken oder Steigen, fo konnta 
das Phänomen fchon durch die verrchiedene Star« 
ke des Luftftroms gegen beide Arnie der Nadel, in 
fo fern diefer durch die Lage der -Nadel ^in der 
6ondeI und gegem den Ballon modiiicirt wurd^ 
hervor gebracht werden« d- H. 

**) Vergl. oben S. 9, dn H^. 



^ar 4^r. Himmel ganz-klar. Starüe babe leb« da er 
Kieimlich bell war , nicht fehen können» 

Hiet fchlug ich Herrn Robertfon vor» die 
Aejfe die ganze Nacht fortzufetzen , um den Son« 
jnen^ufgang zu fehen und einige andere Verfuche 
anzuftellen; allein die UnkundQ der örtllehen La-> 
gCj die faft gänzliche Erfchöpfung an Ballaft und 
das, obgleich langfame , jedoch unaufhörliche Sin-^ 
Uei^ d^s ßallons während der Verfuche^ waren Ur* 
fache s dafs Herr III bertfon meihem Vorichlaga 
nicht beiftimmen konnte. Da wir fo über mehrere 
Dörfer und Gewäffer wegflogen, nahm ich mein 
Sprachrohr, und fchrie aus Neugierde hinunter; 
unverhofft hurte ich nach einer geraumen Zeit mei« 
ne Worte fehr rein und deutlich vom Echo wieder« 
hohlen. Ich fchrie aufs neue, und das; J£cho wiei* 
dj^rhehlte jederzeit meine Worte ,^ worauf ich be- 
merkte, dals der Wiederhall nach lo Secunden zu* 
rück kehrte; die Höhe des Barometers konnte je* 
doch nicht bemerkt werden, weil wir anfingen, 
Anftalteh ^um Herablaffen auf die Erde zu ma* 
chcn. *) .^ Um dies j der Sicherheit wegen , fo lang- 

*) Herr Robertfon giebt in feinem Berichte die 
Barometerhöhe zu ^y'' an« und fchliefst kecldich« 
dafs, da die Höhe, welche diefem Barometer« 
ftailde entfpricht, nicht mit der übereiii Aimme, 
welche die Gefch windigkeit des Schalles Ton.io38 
panier Fufs andeute, (Sigo Fufs;) müXfe der Schall 
Achäufwärts nach einem andern (jefetae al< U^. ho^ 



Tarn Wie möglicH zu bewerkfielligen , bandea wir 
alle Inftrumehte und die wärmea Kleider iü ein 
Bündel, upd liefi^en alles nebft dem Anker an ei« 
^ »em Taue heftiuten i3erBdlloii» welcher äenir 
lieh ftark %om Winde getrieben wurde, ^nd fich 
2iemllch fchnell fenkte9 wurde t da diefes Bündel 
die fjrdö bertihrtöy fo leicht, dafs er tlas Tau aiT^ 
rog» und fich wieder in die Höbe s^u heben ftrefaHe; 
da er aber vom Winde getrieben Wurde, fo asog tt 
dasBüiidel Ober die Aecker mit ^ich fortv^) Unter» 
defl'en lieTs Herr Robert Ton ^ImähBg tnebr Gas 
he^au^ ) wodurch der Ballon fich laagfatif üeoktf^ 

* ' " i . • 

l 

rizontaler Richtung fortpflanzen. Man fieht hieraM 
fehr augenfcheinlich , welchen WerKh die %Dro|n#* 
terhöhen haben, weiche Herr Rober t]ton Mt 
tetnen LaftreiCen beobachtet hat,. und in wie weit er 
die Kunft, ein BaromeDBr zu^beobachten, Yeilittt. 
•— ^ Als £e beiden LuftC^irer das Sprachrohr fiaeh 
oben richteten. Heb Geh) wie nati^Hch« kein Echo 
hören. ' . iL Hi • 

*) Vergleicht man hiermit dieErtählung v<mC Kar- 
le s, (il/iita/eit, XVI, 19^^ Anm.^y Ü fdfeint Herr ^ 
Phyücus Robert fon hier Tiel mehr in&ftAn^e^ 
als nötUg war, gemapht, nnd um nur recht Canft 
herab zu Kommen , die tnftrumente und mit ^ilmeia 
manche der wifTeBfchaftlichen Refnhate diefer 
liuftreife ohne Noth aofgeopFert Su haben ; eln'Be^ 
i^eis mehr, wie et mir fcheint, was man zn er« 
warten hat, wenn man wiGTenfchaftKche Unterfn» 
cbüngen einem ganz imwiCFenTchafUicbea Maaiie^ 
auch nttf zom Thei), an?ertraut.^ 4. m» 



und •ndlich fo!/anfit auf die Erde herab k^mt daij^ 
wir nicht den geringftea Stofs empfanden » wie das 
beim HarabküeD des Ballons auf di^ Erde liicht fei« 
ten 2u gefcheben pflegt, und wx>beL.der Stofs fehr 
beftig und fogar gefährlich werden ka^n, Diefes 
j[{)ückliGfae,Herablarien auf die Erde erfolgte um xo 
TJhr 45^iAntenauf dem Landgute des Qerra Ge» 
beüneraths Demidow» auf dem Felde faft gerade 
IFor f^nwn Haüfe. Die Bauern des Herrn Demi* 
.dow und fein Hausgefinde trugen uns auf den Weg 
'MDd halfen oii^s den Ballon gehörig zufammen le» 
. gon und einjpacken* i ^ 

Beim Schleppen des Pfindels auf der Erde ift 

^ddw grofste Tbeil der, In&rnment^» verdorben. Von 

^len nbht mit Luft gefüllten und auf die Erde ge* 

' Itoaehten Flafchen find pur vier zu Verfuchen taug- 

Üciie» auf die ich jedoch mich auch nicht voUkom« 

. i^Aen zn yerlaffen wage t (namlicfhNo. i> 4s ^ und 

7») nfc^eblleben« In die übrigen ift nach Auf- 

driebung der Hahne unter Quecklilber nicht dat 

4(Mingfta v^n deni Queckfilber hinein getreten, wör«^ 

• «naanfebeniftt dals die Hähne nicht luftdicht ge- 

. Ichlpffen hatten. , 

Ba auf diefe Art die rtax der Akademie be- 
(Ümmte Luftfahrt beendigt worde^n » fo roufs ich» 
jtqb ich gleich Verfuche über die electrifche Materie 
^nnd.über den Magnet angeftellt» die flafchen in 
nnterfbhiedlichen Höhen mit Luft gefüllt» in An« 
- fehung'der Richtung bei der Fahrt meine Bemer« 
l^ungen gemacht» und auch über mich felbft Beob» 



C «4 J 

ftchtungen flhgeftelltv habe») jedoch efngefteKeiit 
dafs ich aus diefcm erften Verfucbe. •meiner Beob* 
achtungen keine beftimmten ächlaiTe 2u ziehen . 
mich unterftebe. Die geringe 'und meinem Wun^ 
fpbe Bicht entfprechetide Höhe« zu welbher wif 
tins erhoben haben, die Erfchöpfung des Ballaftes 
durch das zweimahlige Anfteigen des Ballons^ die 
fpäteZeit, die kurze thuer der Reife und aiideri 
Umftände mehr j waren die HaupttiFfacheh» vrieK 
che mir weder erlaubt haben • alle 'von der Akade^ 
mie beftimmte Verfuehti aAzi^'teUeA» noch- fie mit 
der Genauigkeit auszuführen, welche nöthig ift^ uii| 
aus denfelben einige gegründetci phyfifche ScUüffe 
«iehen tu können. Allein ich tioffe, dafs ich Oa» 
legenheit haben werde, alle diefeVerfuchemitgrö*' 
fserer Genauigkeit zu wiederhohlen. • Dentt da Uäk 
ein Mahl diefe Art Reife verfucht habe^ fo zwdfl« 
ich nicht, dafs ich im Stande feyn werde einen 
Ballon zu dirigiren , im Allgemeinen einige Bemef« 
kungen'beim Füllen deffelben zu machen die fOf^ 
den Reifenden bei feiner Fahrt in der Luft von gpröf 
fsem Nutzen feys können ^ nnd eine befCerö Einrieb» 
tung beim Heraus werf en^ des Ballaftes zur Erleicfa^ 
terung des Ballons und bei Aufteilung der Verfuche • 
felbft zu treffen. Doch hierdber werde ich die Ehre 
haben , der Konferenz zu feiner Zeit einen Beriöht 
abzuftatten« . r 



i xa5 } 

Ifiaihfchrl/i "des Herausgeberi^ 

• ■ ■ ■ 

Aach der Aeronaut Robettfon hat feinerreitt 
€ine firzäÜluÄg von diefer Luftfahrt bekannt gemacht^ 
die am i^y&en September 180!^ i'fti National - Inffitut« 
Yorgelefen, und in den AnnaL de Chimie^ t. 52^ p. 121, 
Äbgedrüekt worden, Sie ift der Subftanz nach der De* 
rieht des Herrn' Sa cbaroiptr, den jedoch der Aero« 
Haut in den' abenteuerlichfteti Pböbut gehüllt , und! 
mit einem Schwulft wieder gegeben hat, der nntiP'ill« 
Kühllich an den Schaußeller erinnert. ^ Dät Feld des 
Unbekannten ift gröfser, aU dat des Bekannten;*' fo 
ftngt er ai^. ,,Pi^re Reife darf alfo nur als eine Schild« 
-«irache oder als da$ erfie Schiff angefehn M^erden , wel- 
che die Akademie der WiCtenfchaften auf Entdeckun« 
gen auslchickt, um neue Weltgegenden zu recognofci- 
reii I und fich einen Weg zu bahnen , wo das Auge dea 
Btobadhters noch nicht hin^edrüngen ift:** fo be« 
tcüAetn er; und diefem Anfange und Ende entfpricht 
das öanze» Einige Umfiände erzählt er andera ala 
Herr Sacharow, Den Ballon will er ausdrücklich 
zu diefer Reife verfertigt haben, (vergl. S. 110.) Dia 
Materialien zur Füllung hatiten fich fchon 20 Tage lang 
in' den Fäilerti Tertheilt befunden , und dem Roften der 
EifeafeiKpftne in diefer iZeit fcbreibt er es TtX^ daÜa 
fie nicht Höher habe fteigeü können, indem das brenn* 
bare Gas \^tiin Entbinden mit allzu vielem kohlenfau- 
Ihen Gas vermengt worden- fey. Es war kein frifch ge- 
brannter Kalk beim Füllen aufzutreiben y um es da- 
durch abzufcheiden ; der Kalk, deffen fie fich bedien- 
ten, war, wie er fich ausdruckt, fchon in EfHorefcena 
getreten : fie erbielteti indefs das Waffer durch Eis in 
1 5* R. Temperatur. Sie hätten , fagt Hr. Robert fon^ 
viel eher auffteigen "können, er hoffte aber, der Kaifer 
werde noch erfcheinen. . Aus der Newa, meint er. 



[ «6 J • / 

•titb^fidbBVfich gaz a^mati^ue* Dai Drehen 'dct^BiDotfl 
(c2ir«ibt- er terändcrten WmdUhicfaeti zu^ in wdoh« d^ 
Ballon tritt, indeb <Be Gondel £ck noch iin Torigcfa 
.befindet; aaoh hab^ hl dem Augenblicke der Vallön. 
(einen Flu^ nach dem Jdeere so genommen. Die^ i^ 
Tläfchen, i^elche zom Auffangen der Luft befiimmt 
und ttumierirt ^»raren, fianden in einem hölxerteii Ke*^ 
ften^ hatten eirerne Hähne, und waren Termittelft 
Queckjilbers luftleer gemacht worden. Er y^l die Iil- 
ftrumente in feinem. Pelze herab geladen heben; uoir £• 
zu Cch'em, Terfchweigt aber, jdals fie hierbei za 6^aa» 
• de gegangen und. 0er Ort, wo Ce laodeten, lag 6» 
.Werfte von Petersburg, der obere Lwftfirom hatte He al« 
(o mit^einer Cefchwindigkeif ¥on wenigftens 17 FnCi 
44 Zoll fortgetrieben, ixideCt an der Erde kauoi der 
Cohwächfie Wind wi^hrzunehmen war. 

• Folgendes find die Gewichte, welche Herr.Ro« 

biertfon angiebt: Der. Ballon 100 Pfund. — Der h^il- 

.'jKeme Pol, fammt Schraube und Striick, 4 Pfund« — - 

Eine eifeme Rohre, durch die der Strick geht, wet 

eher die beiden Pole des Ballons verbindet, 6 Pfund« -«- 

Das Netz mit 26 Tauen, welche die Gondel trugen^ 3o 

Pfund. — Die Gondel mit IKch, Stahlen, Daperieen« 

Zirkel und Fahne 34 Pfund. -— Herr Sacherp^r 

i5o, Herr Hobertfon 110 Pfund. «--* Pete, Hand« 

fchuhe und Fracke 1 1 Pfund. -— Inßrumente 25 Pfl — 

r Vögel, Chronometer^ Geld, Sprachrohr, Fernrohre 

s3 Pfund. — Waffen, jgebranntef Kalk, Sauren, Fla- 

fchen für Luft u. L w. 14 Pfund. — Waller, Wem» 

Brod, gebmnes Huhn, Proviiionen i5 Pfund, -r^ Zwei 

s Säcke Sand als Ballaft tio Pfund. ZuEammen 62a 

Pfund« 
• Da der Ballon eine vollkommene Kugel von So 

engU oder 28^ franz^Fub war^ fo betrug. der Inha]i^. des 
ganz aufgablafenen Bidlons ungefähr 11700 parifer^Ku- 
bikCchuh, t|nd ein (blches Volumen auuofphinrcber Luft 



C W7 3 

wwglfbf^'Sa'^' eng)., Barometerftand und 1q^ Wftrqt^ 
#Mr^1|ber ]iioo parifer Pfund» Diefe» Gewicht wol- 
len wir, wie in den AnnaUa^ ^Vlf \^^ f.|. mit a be- 
seichnen. .|n der gröüsten Iföhes .die ile erreichten, 
Aand das Barometer auf d9ff'bei,4f^ R. Wäri^oie; die 
Luft hatte alfo hier laii^bt^ganz -ff von der Dichtigkeit 
der Loft an der. JErde bei gleicher Wärme; eine Grölse^ . 

Vddbtftms angeführten Orte c: -^ geletzt i^nirde. Um 
£ch bii dsihih zu Erheben, hatten fie dies UeberAofiig« 
'berab geworfen , lieh alfo wenigftens mn i lo Pfond er- 
leichtert,' da denn di^ ganze Belaftung b nur noch Sia 
^Pfand betrug. Nun ift aber, wenn die Luft in^ Balloa 
m Mahl fpecififch leichter war, als die a^nofphirifche 

Xaft, — ;^ •» ~, ( am angefahrten Orte , S, i83;) 

•^^ m =" ^ ^a " " ^ > ^^^ "• * al. ^«* Folglich war 
in 'diefem Falle m ss sf , und alfo die Luft im Ballon^ 

^§iM fie die höcbße Höhe erreicht hatten, moht geds..} 
Alahl fpecifiCch leichter als die atmofpbärifche Luft, bei 
gleichem Drucke; ein nicht wenig überrafchendes Ile« 
foltat, das für die Aeronaudk ron Wichtigheit ilt, (/ta* 
naltn^ XVI, 387.) Dafs das Gas im Ballon damaUf 
niisht Ipecififcii leichter war , d^ran hatte -unftreitig dka 
häufige Oeffnen des Ventils viel Amheil. Denn da Ter« 
fcluedenc* Gasarten fich ftets durch einander Terbreitete^ 
tind nie neben einander gefondert bleiben, fo mufs bei 

»^ DeOFnnng des Ventils eben fo gut atmofphftrifche, Luft 
in den Ballon hineih, als WaÜerftofFgas hinaus dringen; 
und es bleibt daher eine der er^en Regeln der Aero- 
Hanuk, das Ventil inöglilsbft wenig zu öffnen. 

Schade, das mls Biot und Gay -Luffa c nichfi 
Ton der GeQalt, Gröfüe und Belaflun^hres Ballons niito 
getfaeilt b|iben; die Berechnungen über ihre Auffittge 
wibrden Ton vorzüglichem InteiPeCTe feyn« 



C »ö8 3 

* 
• ■ I ■ 

VII. .- 

)£in ^ neuef merku^rdiges Saiceninftrument^ 

Im Aj^ril i8o5 zeigte ein Kuhßler MasIosKy, auf 
Pofert^ diefes mulikalirche Inßrumenfc unteir d6m Namen l 
Colifoiu Tor, Vind der königl. KapeUraeißer HeiT Hirn? 
mel inachte davon folgendes in öffentlichen Blättern 
bekannt: — „Es hat einen Umfang vort4 vollen Octa-» 
▼en. Jeder Ton hat ein« DrahtCaite^ die nioht durch 
das Daranfchlagen eines Hammers, wie beigi Piano* 
forte, fondern durch einen horizontal liegenden Stab 
von Spillbaümholz , nicht weit von der BeFefiigung am 
Wirbel) durch einen Einfchnitt aufgefangen wird^ und 
fjlurch das Bestreichen des Stabes in Schwingung gefetzt 
wird. Der fenkrecht ßefpannten Saite ^verden dadurch 
nicht nur di^ entzück endßen Töne entloclu, fondeni 
jeder Ton kann, wie hei einem Böge ninßrumentei ^tufge« 
"gehalten ^ und fowohl crefcendo als decrefcendo gfege* 
ben werden. Die Saiten fprechen äuf^erll fchnell an, 
und ihre Töne gewähren ganz den Reiz der Harmoni* 
ca, ohne die vielen Unbequemlichkeiten mit lieh -zii 
führen, die jenes Inßrument hat; alles fchwingt fanf* 
ter, es iß weder Kreifchen noch Schnarren zu hören, 
und weder der Spieler noch der Zuhörer braiicht Um 
nervenfchwächende EmpHndung zu befürchten, wel* 
che die Harmonica auf beide hat. Eine Art von Däm- 

Cfer, die den erfien kurzen (?) Schwingungsknoten > 
erührt, kann noch angebracht werden, welches den 
Effekt einer gedämpften Trauermufik hervor bringt, 
die aufs rührendßezum menfchlichen Herzen anfprichc 
Dem Erfinder gebührt alles Lob wegen der groCsenEiri* 
fachheit feines Inßruments und deden fchöner Wir« 
kung, und alle Aufmunterung, da fich von feinem gro- 
fsen mechanifchen TsiSent ein hoher Grad der Vollkom- 
Inenheit des Inßruments erwarten läfst. '^ — [Geben 
hier die Saiten THInsverfal- oder Longitudinaltöne ? Eii| 
Akußiker würde uns darüber vor aUen Dingen belehrt 
liaben. ] 



ANNALEN DER PHYSIK. 



JAUa&ANÖ &8o$, SECHSrtSS STVCt: 



tf^her die Natur der Lu/t^ Welche ntan 
MÜM dem Waffer erh^U^ und über dii 
Wirkung des Waffers auf reine und - 
auf vermifchse Gasarsen^ 

I 

iaxx. TOB HoMsOLDT nad J. F. OAr^LvsSAC. «y ^ 

JDei «Bfem UaterfvclAliigeii fibw die «ndaometri« 
fielen Mittel , befbnders über, die Sdiwefelalkalien» 
haben wir Gelegenheit geliabt, ans zu C&berzeugen,' 
daCs WafCer und andere JFlüffigkeiten auf <Ub I7u£t 
al«e Eiowiriiung luSsern, welche für die Eudiome-' 
trie cCne txm fo nachtheülgere Quelle von Irrthum^ 
wardn kaoo^ je wenigex: mim diefe WurkuBg bii«^ 
]ier beachtet und erfbr&ht hat * Um äidit na&e' 
Arbeit noch unvollkommend^ zu lafSeii^ als £e es 

^^ Der zweite Theit des wichägetf AuHatzes, dea 
'die S^eler, fo weit er blofs eudaDtnetrilchen In« 
haks war, im vorigen Uefte «rhaken haben^ 
(man tergl« S« 40«) d. H« 



C I30 ] . 

ichon ift , hielten wir es f Ox nätbigic. Vesfughe liiei> 

t 

über anzuftellen , und diefe utihe Unterfuchungea 
übjer die Wirkung des Waffers auf Teine und auf ge« 
mifch^ Gasarten mögen gegenwärtige Abhandlung 
befchüelsen* * ' "< - * ' 

Es i/t allgemein bekannt, dafs das Waffer Luffe 
apfoelöft en^iaJt«n kann. Boyle, Huyghens und 
iVIairan haben fich mit diefer Thatfache befchäf* 
tigt; es fehlte ihnen aber an allen Mitteln, wahr* 
zunehmen, dafs die im Waffer aufgelöfte Luft von 
der atmpfphärifcben Luft chemifch veriCchiedea iAr« 
Frieftley wardererfte, der bemerkte, dafsdiei 
Inift, welche man aus dem Waffer zieht, in^hr 
S^erftoff als. die gewöhnliche Luft enthält. Herr 
'Haf£enfrätz machte fpäter bekannt, dafs Luft 
«Uft Regenwaffer gezogen,. 0/4 Sauerftoff enthalte; 
und die Herren Ingenhoufs und von Breda 
kamen in ihren Verfuchen L>ber das Salpetergas auf , 
^luiliche Refultate. Andere wollten gefunden ha«. - 
boB, dafs da3 Waffer williger und ftärker Sauer* - 
.fj(of%as. als >S tickgas abfprbire; .und fchon. Herr.. 
Fourcroy führt die merkwürdige Thatfache ao^v 
(.welche er indefs fxir noch nicht hinlänglich be-; 
wahrt hält > ) . da£s mit. Sauerftoffgus gefchwängerte« : 
W^fler Wafferftoffgas abforbire, auf welches- das:) - 
gjB\vöhi|IichprWa£fec faft gar keine Wirkung äufsert*. 
Wir werden in der That weiterhin fehen , dafs die 
Einwirkung des 'WaCTers auf Gasarten durch die 
Gäsarten,, welche es fchon aufgelöft Enthält», ine- 
djficirt wird. 






[ 131 } 

Herr Henry in Mancliefter hat vor kurzem 
in einer Abhantilung in den Philofophical Transact. ■' 
for 1803 ^^^ Abforption verfchiedener Gasarten 
durch Waffer 9 welches feiner Luft beraubt wor- 
den, unterfucht; und zwar bewirkte er diefe Ab- 
forptionen unter dem doppelten und dreifachen 
Luftdrücke. Doch hat er fich nicht mit Gasgeiiii- 
fchen befchäftigt, und mit der Verwandtfchaft, wel* 
^he das Waller auf iie äufsert. Er begnügte fich, 
die Menge von Gas jeder Art, . welches bei verfchi«- 
denen Temperaturen und unter verfchiedenem 
Drucke vom Waffer abforbirt wird, zu meffen, oh- 
ne feine ünterfuchung auf die Wirkung von Waffer, 
das fchon mit andern Gasarten gefchwängert ift, 
z.a richten- ♦) 

Wr haben diefen bis jetxt noch fo gut als unb6« 
arbeiteten Gegenftand, der mit der Eudiometrie in 
fo nahem Zufammenhange fteht, aufzuklären ge- 
fucfat. Wir haben den Grad der Verwandtfohaft 
unterfucht, vermöge der das im Walfer aufgelöft^S" 
Sauerftof%as bei verfchiedenen Temperaturen und 
bei. Auflüfung von Salzen, zurück gehalten wird; 
haben mit dem Waffer gleiche Mengen von reinem 
Gas und von Gasgemifchen in Berührung gebracht» 
und die Veränderungen beobachtet , welche diefa 
Mifcfaungen in ihrer chemifchen Zufammenfetzuug 
leiden; und haben endlich angefangen, ein für die 
Meteorologie hüchft wichtiges Problem aufzulOfen, 

*} Man findet feine Umerfuchungen im zweitem 
AoAme diefes He&es. d. H. 

I a 



l i3a 3 

■ > • 

^ nSmIlch das Hegen wafTer WsCfferftofFgas auf^e* 
kift Mtbair. 

Noch find wir indefs mit diefen Unterfuchnngen; 
mit welchen wir uns während des gegenwärdgett 
Jahrs» befoüd'ers auf den Gebirgen , die Sffit durch« 
ftreifen werden , zu b^fch9ftigen denken , nicht fahr 
weit vorwärts gefchritten, und wollen uns dahet 
begnügen ) hier nur einige der vornehmften That-^ 
fachen mitzutheilen » von denen wir uns fchinei«* 
cheln , dafs fie far die Phyfiker nicht ohne IntereCh 
feyn werdeo. 

I. 

Wir kochten, erßens deftillirtes Waffer,, wel- 
ches an der Luft geftanden, und aus ihr atmofphä- 
rifche loift wieder eingefogen halte, zweitens Waf- 
fer aus der Seine, drittens Regenwaffer; fingen je- 
des Mahl die gelammte Luftmaffe, welche das Waf- 
fer hergab, auf, ohne die erften Portionen von den 
letztern zu trennen, und unterfuchten diefe Luft 
Im Voltaifchen Eudiometen So fanden fich in lo^. 
Theilen Luft 

aus dem deftillirten WaGTer 32,8 Tb. SauerfiofFgas 

aus dem Wafler der Seine 3 1,9 

aus Regen waffer 3i/0 

Aus diefen drei Waffern erhält man folglich hpft^ 
welche fö ziemlich gleich reich an Sauerftöffgas, 
iind um ungefähr 10 Hundertel reicher alis die at- 
m^phärifche Luft ift. Der Sauerftoffgehalt d««^ 

Bron^ienwaffers ift mehr veränderlich , da das Brun* 

t. 

nenwsäfer in der Erde mit Materien in BerabrujQg 



C >33 3 

ift» die Verwandtfchaft zum SaiierftofFe befitzen. 
Seinewaffer, zu einer andern Zeit aufgefangen , gab 
Luft 9^ die nur 129/^ Th. Sauerftoffgas in 100 Thei^ 
len eothielt^r und alfo etwas weniger rein war, als 
die Luft aus dem RegenwalTerr 

Noch interefTanter ' üikI die V^fuche ül>er di# 
Casgemifohe, welche das WaCfer, wenn es alimäh« 
lig erhitzt wird, nach einander hergiebt; befonders 
in ihnen zeigt fich die grofse. Verwandtfbhaft dei 
Sauerftoffgas zum Wafler recht ficbtiich. Wir er* 
hitzten W affer aus der Seine BÜmihYig bis zum Ko« 
chen, fingen die Luft, welche fich dabei entwickelt^ 
So vier nach. einander folgenden, obfchpn ungleichen 
Portionen auf, und detonirten von jeder 200 The|- 
lie tok\ ^00 Theilen Wafferftöffgas. Dabei gab 

eine AIk imd eotliieit fblgliclt 

^^ forptton vOK in 100 Theilen 

crfte Anthfeil 142^0 Th. 23^7 Tb« SauerftoiFgas 

zweite i64/5 ^/4 

dritte 185,0 3o,2 

irierte 196/0 32,5 

Diefer Verfucfa, welcher mehrmahls wierferholilt 
wurde, beweil^» dafs die Luft» welche das Waffer 
hergiebt» gleich anfangs nur eii> wenig reiner als 
die atmofpharifche Luft ift,. dafs fie fpälerhia aber 
immer reicher an SauerftofTgas wird. Als diefer 
Verfueb nrit Sthneewaffer wiederhoblt wurde, fan- 
den fich in 100 Theilen der erften Portion 24^0, 
md der letzten 34^3 Theile Sauerftoffgas^ Wahr* 
\ IcbeiDlicb wfirde man indefs die Luft» die zu Anfang 
übergeht» riodi weniger rein £nden^ wem» man^ 



\ 



[ i54 ] 

das Waffcr-langramer erhitzte, und das wenige gaüz 
zuerft fich entwickelnde Gas abgefondert auffinge; 
wnd in dem zuletzt fich entbindenden Gas würde 
man fehr wahrfcheinllch noch mehr als 321 bis 34 
Hundertel Sauerftoffga^ finden y wenn nicht-endlich 
das VVaffer im Recipienten, in welchen, das entbun- 
dene Gasgemifch hinein fteigt, fich zu erwärmeOf . 
mnd Gas von 23 Hundertel Sauerftoffgehalt hierzu« 
geben anfinge» welches fich jenem beimifcht» wie 
das bejTonders der Fall ift » wenn die WafTerdampfe 
überzugehen beginnes. „ , 

Man fi^ht hieraus , dafs das Waffer nicht gjleich» 
xnäfsig auf das Sauerftoffgas und auf das Stidkgat 
wirkt, und dafs durch Erhöhung der Temperatur 
die Wirkung deffelben auf das erftere "minder, al» 
die auf das zweite Gas gefchwächt wird. 

Diefe ungleiche Wirkung A^s Waffer» auf den 
SauerftofT und auf den Stickftoff zeigt fich auch bei 
dj6v Auflöfung von Salzen. . Wir haben gefuaden, 
dafs reines SeineWaffer um die Hälfte Luft mehr 
beim Kochen hergiebt, als Seinewaffer^ worin Kocb- 
falz aufgeldft war; ^in Unterfchied, der von der' 
fehr bedeutenden Luftmenge faörrüihrt, welche fich 
fchon im Kalten während des Auflöfens des Salzes 
aus dem Waffer entbindet« Der Sauerftoffgehalt 
diefer letztern Luft fand fich bei einer genauem 
Analyfe nur 0/225» ^^^ ^^ Luft dagegen, welche 
durch Kochen aus dem mit Salz gefchwänger- 
ten Waffer ausgetrieben war, 0^305; ein Beweis, 
dafs die Luft, welche während des Auflöfens der 



[. *35 ] 

Salze Geh entbindet, weit wehiger reih' ift, alstliüi 
welche in der Auflöfung zurück bleibt. - 

' Eine dritte* Klaffe analoger Erfcheinungen zeigt 
uns der Uebergang des Waff^rs aus dem fiaffigen 
in den feften Zuftand. öefchmolzenes £zV giebt 
^ingefahr nur halb fo viel Luft her, als gewöhnli- 
ches Waffer, und es verdient, dabei befonders he^ 
metkt^u werden, dafs es feine Luft nicht eher fah- 
ren läfst, als bis es eine Temperatur von mehr alf 
6a^ der hundertth eiligen Scale erlangt hat. Die 
entbundene Luft war in zwei Portionen aufgefangen 
ip^orden ; die erfte enthielt 27/5 » die andere 35/5 
Theile SauerftoffgaS in* loo Theilen; auch hifft 
irrurde alfo die reinfte Luft zuletzt entbunden. 

Die geringe Menge und die grofse Reinheit der 
aus deiu gefchmolzenen Eife entbundenen Luft be« 
;weifen, dafs das Waffer, indem es in den feften 
Zuftand tritt, eine grofse Menge feiner Luft fahrea 
läfst» däfs diefe Luft aber weit minder rein ift, als 
die, welche es surück behält^ Und fo aieigen drei 
Phänomene^ welche auf den erften Anblick Xelir 
verfchieden zu feyn fcheinen : die Erwärmung des 
Waffers bis auf 55 oder 40^ ^^^ ihunderttheiügen 
Scale, die Auflpfung von Salzen im kalten Waffer, 
und das Frieren des Waffers zu Eis; Refu^t^te, wel- 
che in Hinficht der Wirkung de$ Wa-ffers a4jf Sauer>- 
ftorfgas und Stickgas ganz analog find. £ine niäfsi- 
gc Temperatur wirkt wie das Auflöfen eines Sal- 
«es, und beide wie der Uebergang aus dem flüfCgen 
in den feften Zuftand. In allen drei Fällen entbin- 



i »3^ 3 

* 

dTcit das WafTer «ineEuft» welche /unf einer iflt> alg 

*■-.'.■ . '■ 

die y welche es aufgeldft behält. 

Es ift fehr auffallend» dafs Waffer» indem es 
^ch zu Schnee oondenfirt» w;eniger Luft austreibe 
ak wenn es zu Eis wird. Wir lieben ßrifcb ge&Ilch 
n^n Schnee fchmekeis ^ und erhitzten das Schnee* 
waffer allmählig. Es gab uns faft cUe doppelte Men- 
ge roR Luft, als das gefchmolzene Eiswaffer , und 
beinahe eben fo viel als das Waffer der Seine , nlLmr 
lieb 1892 folcher Maafse > von denen wir aus die« 
fem 1940 erhalten hatten^ Die Luft aus detß 
jSdmeewalTer war in 5 Portionen aufgefangen wolr* 
den 9 von denen zoo Theüe im Voltaifchen Eudio^ 
;ineter zerlegt, folgende Antbeile an Sat^erftoffjpi^' 
zdgten: 

der ifie, ate» 3te^ 4^» SteAndieil - 

240 26,8 29^6 32^0 34/8 Tb. SauerfioiSga» 

Dfefer letzte Antheii ift der reinfte, den wir le 0ÜM 
irgend einem WafTer gezogen hal^n» — ^ Da Wir 
'die VolirrnSna diefer fünf Antheile kannten^ fo limb 
fich die Reinheit der gefammten Luftmenge durcli 
Rechnung finden. Sie y^ar 0/!^87> indefs dstaSeU 
»ewaffer an demfelben Tage ^ur tAiSt von der Rein- 
heit o,283 hergab. Beide Waffer gaben ein Luftvio* 
lumen, welches ungefähr j^ ihres eignen Volunxent 
gteicb iftr 

, Diefe Verfuche über das Schneewaffer und ühyt 
da9 gerchnH)Izne Eis, welche wir in der Folge oopi» 
fehr abzuändern denken» fahren auf einige auf^ü^ 
iende Folgerungen für das Studium d«r Meteojtolo« 



[ <57 3 

4 

pe^ Der Schnee ift nichts als ein Aggrj^gat kleiner 
Eiskryftalle > welche £ch in den hohea'Regipnen 
4er Atmofphäre bilden > und doch geben diefe klei- 
nen gefchmolzenen Kryftalle faft ein ifoppelt fo gror 
fses Vqipmen an Luft» als das gefchmotzene Riß 
vnfrer Flaße» Man würde hieraus fchliefsen müf» 
fen> dafs» wenn das in der Luft aufgelöfte Wdffer 
fich in Schnee condenfirt» es keine fo grofse Luft* 
nenge ausftolse> als wenn es an der Oberfläche der 
Erde zu Eis gefriert; wäre es nicht auch denkbaf» 
dals der Schnee zwifchen ieinen kleinen Kryftalien * 
jtine gewilTe Menge von Luft zurQck behalte » die 
•r beim Schmelzen abforbirt; denn es fcheint» dals 
fs gerade im Augenblicke feines Gefrierens ift» daCr 
das Waffer den gröfsten Theil feiner Luft fah* 
Ten laust» 

'' Die fchS^a^ Vegetation» wache die Gletfcher nm* 
'^ebt» das Ichnellc^ Entwickeln der Pflanzen» wen» 
der Schnee im^FrQhJahr fchmilzt» und mehrere 
Phänomene» die man beim Landbau und heim Blei^ 
eben wahrgenommen zu haben glaubt, hatten man* 
csbe auf die V^rmifthung geführt» Eis-» Schnee* 
and Regenwafl^r möchten wohl eigenthümlicho 
Wirkungen haben » welche auf einer groisen Menge 
eufgtlöftenSauerftoffs beruhten. DieVerfuche^ wel* 
che wir bis hierh^ angeftellt haben» fcheinen die* 
l$r Meinung nicht günib*g zu feyn. Es giebt nnftrei* 
ügBninnen» deren Waller Luft enthält» die min* 
der rein als die atmofpharifcbe Luft ift» und wir ha- 
befi keines Zweifel» dais diefe Waffer» welche aber* 



r 

cUes Salze und Kohlen fäüre entlialten , auf die Ve* 
getation und auf das Bleichen einen gatfz andern 
Einßufs als das Schheewaffer haben mOilen. Die 
Verfobiedenheiten aber in den. Wirkungen des aä 
ÜerLuftgeftandetien deftillirten Waffers, des Regen* 
waffers » des Sehn eewaf fers und des SeinewafTers 
laffen /ich fchwerlich aus dem SauerftofTe erklären« 

m 

den fie aufgelöft enthalten, da die Luft aus'allaä 
diefen VVaffern faft gleich rein ift, und fich in ihnen. 
faft in gleicher Menge befindet. 

Die Erfcheinungen der Vegetation , fowla die 
der Meteorologie I find fo zufamnien gefetzt» und! 
liängen von dem Züfammenwirken einer fo grpCsen 
Menge von Urfachen ab, dafs man fich wohl vor« 
. fehen mufs , nicht einer das ziifchreiben zu wollen« 
was die Wirkung vieler ift. . ' ' 

Die obigen Verfuche, aulWelcheft fich zieigte». 
mit welcher Kraft das Waffer die letzlfeb Antheilä 

des aufgcl&ften Sauerftoffs zurOck hält, verbreiteii 
•mehr Licht über den Zuftand , in welchem fich die 
Xuft im Waff er befindet. Dal^ das Tpecififche Ge« 
-wicht des deftillirten Waffers , und des mit Luft ge- 

fchwängerten 'Waffel^ kuf keine' wahrzunehmendfe 
'Art verfchieden ift, daraus fchlofs fchon Mairan 
•mit Recht, dafs fich diefe Lyft im Waffer nicht als 

eine elaftifche Flüffigkeit befinden könne. Die che«» 
•mifchen Phänomene beftatigen diefen Schlufs. ' Lie* 

fse $ch das Walter, dem feine Luft durch Deftilli- 

ren oder unter der Luftpumpe entzogen worden ifi^ 
•far einen Scbwaiilni nehmen ^ deffen Poren leer 



[ «39 ] 

jiad ; ' me kam» es , daCs dieCuPoren fich nicfit fcKöii 
bei der erften BerOhrung mit Luft fällten ? Doch 
diefe Auflöfung der Luft im Wäffer läfst ficb nur 
als Wirkung einer chemifchen Verwandtfchaft be- 
trachten. Warum ginge fonft die Abforption der 
Gasarten durch das feiner Luft beraubte Waffer fo 
]aDgfpm vor fich? warum löfte ein folcbes Waffer 
jein Gas eher als ein anderes auf? und warum wür- 
de » ohne eine felche chemifcbe Verwandtfchaft, 
Waffer, das mit einer Gasart gefchwängert ift, wenn 
; €8 mit einer andern Gasart in Berührung kömmt, 
. von jener etwas fahren laffen , um von diefer etwas 
auf zunehmen s wie wir das fogleich fehen werden?- 

^r 
Nachdem wir die Luft unterfucht haben, die, 
lieh aus dj^ru'. WWfer unter verfohiedenen Umftän- 
den ziehen läfst, fchreiten wir nun zu den Verfu- 
chen.fort, welche wir mit Waffer angeftellt haben, 
das wir ipit reinen Gasarten oder mit Gasgemifchen 
in Berührung gefetzt hatten. Dafs Sauerfloffgas, 
welches man über Waffer ftehen läfst, unrein wird» 
ift feit geraumer Zeit bekannt; doch hier kam~ es 
auf das öanze der Phänomene an , welche die Ver- 
icbiedenen Gasarten^ in ihrer Wirkung auf das Waf- 
fer äuCsern. 

^ Wir haben uns zu allen unfern Verfuchen gönau 
gleicher Voluminum der verfchiedenen Gasarten» 
und uDgeß^hr gleicher Mengeli fili^rirten Seinewaf« 
fers bedient. Nach einem Zeiträume von 6 bis 8Ta^ 



[ «4» ] 

g«tf oitijea wir die G0be der Abforptioii «nd. str^ 
legten die Rackftände ; welches letztere um fo iiO«> 
thiger war» da bäafig» wenn wir nach der g^ringeo 
yeränderung im Gasvolumen geneigt gewefen wft» 
ren, anf eine nicht merkliebe Wirkung des Waffert 
auf das Gas tu, 'fchliefsen , diefe Wirkung » vrie^ di* 
^nalyfe zeigte ^ doch Cehr bedeutend geii^efto^ nnt 
durch den Austritt voa Gas aus dem Wäihr UM det 
abforbirten verlarvt worden war» 

Von allen Gasartea wird keiiie fo ftark vom Sei» 
newaffer a,bforbirt » als das Sauerßöffgas* Wir üta^ 
ten mit diefem fchon mit Luft verfebenen WaflTer 
loo Thetie SauerftofiFgas , loo Theile Stickgae und 
looTheile Wafferftoffgas inBerfthrung. Xlas Sauer* 
ftcffgas verminderte fich' um 40 TheUe^ während 
die beiden andern Gasarten nur 5 nnd 5 Theile ver* ^ 
loren , und die 60 Theile de$ Rück&andes enthielt 
ten nur 23 Theile Sauerftoffgas» dagegen 37 Stick- 
gas. Von den anfänglichen looTheilenSauerftoiGF- 
gas hatten fich folglich über dem Seinewaffer 77 
Theile ^verloren, und dafQr waren 57 Theile Stidc* 
gas aus dem Waffer ausgetrieben worden* So alfo- . 
abforbirt Flufswaffer» das lange mit der Aftmolph£- 
re in Berahrnng gewefen jft» und daher» wie ea 
iehtinty mit Luft gefättigt feyn follte» noch eina 
groüse Menge reines ^uerftoffgas» das* darüber go» 
fperrt wird» und nimmt e^in fidi auf» ohne dafOr 
eine gleiche Menge Stiqkga^ fahren zu laffen. 

Auf Waffarf$offgas fcheint Waffer fOi gar nidkäk 
^j\ wir}(ra* Pie upgleichra Refnltate ^ weldi^ wjt 



[ »4« 3 

«riialh»ii haben'y verhindern uns» irgend etwas ftbeir 
die kleinen Veränderungen, welche darin während 
der Berflhrung mit dem WaiTer vorgehen können^ 
fefib 2u fetzen; 

Reines Stickgas verlor über dem Waffer o^oa 
bis 0;o3 feines Volumens , und der Rackftand vrac 
xätAit mlahr reines Stickgas» fondern enthielt zx Th. 
Siuierftoffgas. Diefe find alfo durch f4Theile Stick« 
gas ans dem Wafifer getrieben worden. Folglich 
letzt Stickgas das Sauerftoifgas aus feiner Verbiu* 
doög.mit dem Waffer , fo wie umgekehrt Sauerftoff« 
gas das Stickgas* , Die Wirkung ift ahnlich , abec 
dSe 'Mengen des Abforbirten und des- Au^etriebe« 
aen find verfchieden. 

Die Wirkung des Waüers auf ein Gemifch, von 
tauerfiöffgas und Wajferßojfgas haben wir unter 
rerfcbiedenen. Umftänden unter fucht, und bald glei^ 
die Theile von beiden Oasarten genommen, bald 
das eine, bald das andere Gas vorwalten laufen. 
Das Otts Volumen verminderte fich am ftfirkfiten» 
wenttdas Sauerftoffgas vorwaltete, das ift, jwenii 
wir aoo Theile Sauerftoffgas mit loo Theilen Waf- 
feirftofl^ gemifcht hatten. Auch hier wurde jedes 
Mahl Stickgas aus dem Waffer ausgetrieben. In' 
xöo Theilen des Rückftandes eines Gemifches aus 
Reichen Theilien beider Gasarten fanden wir so 
Theile Stickgas, 5b Thdlfe Wa^Terftoffgas und 30 
Th^e 5aHerfto%as. Je mehr SaherftofFgas ver«- 
fchlaekt wt^rden war, defto mehr fanden wir immer 
da# StiekJB^. ' Ün Volumen aos* 400 Theilen Sauer- 



[ 144 ] 

I 

i ■ ■ ■ • ■ 

yÜr'ideT ib der Luft, die uns umgiebf, noch iildem 
hOehftea Regionen dei" Atmofphare findet, bis zu 
denen Wir uns' erhoben haben. Noch mfiffen wir 
in diefo^ Rfickfi^ht bemerken« da& wir bei einer ^ 
naueh' Zerle^ng'der aas Regehwaffer ausgetrie- 
b^'neit Luft kdne Spür ^von WaJTerftöffgias aufzu:^ 
- findcui 

Von Warm^ cDäiimden und mit Kaihmilch ^ewa- 
fGh^n'Vär,)'und WaÜeribfFgas, (das er durch.Zer« 
leguhg von Wa(Ur in einem glühenden Flinteiihiafia 
Voll EitenFeilÜpäne erhalten hatte. ) Di« eine dieCer 
docicten liefs er auf der pneumädfehen Wanne mit 
'Waffer ^ die andere in einem QueckCIbertroge mit 
Quecklilber gefperrt lieben« und zwar beide in ei» 
nein halten, faft dunkeln Zimmer, ungefähr 5 Mo- 
nate lang* Am Ende diefer Zeit war vom Gasge« 
menge im erften Glafe |- verfchwunden, und von 
den 12 Kubikzoll, welche über dem QueckQber 
gelpem worden w^aren, ebenfalls 3j Kubikzoll, 
dpch ohne daüs erhier irgend mn% Feuehtigkwt an 
den Glaswänden vcrabmehmen konnte, y^ro^n frei- 
lich des gebildeten Wallers zu wenig warr Di#. 
Luftvolumina in bdiden Gläfern hatten allmählig ab« 
genommen; wegen des Unterfdiiedes der Tempe« 
ratur im Januar, als der Verfucb begann, und im 
** Mid, als er beendigt wurde, hätten beide um et- 
vras zunehmen müllen» Ein Wachslicht brachte in 
beiden Rückßänden, eine heftige Explofion hervor^ 
und die Wänden beider Flafchen verdunkelten £cb« 
Hiemach, meint Herr T« S* T«^ fcbeint es, als fejr 
die Abnahme des Volumens einer freiwilligen Ver- 
bindung «fer beiden Gasarten zu Waller zuzufchrei- 
Uli, « d. M. 



r ?45 ] 

finden wrmocbt haben » weishalb fie gewi& keine 
p/003 WaflerftofFgas. enthält. Wir denken diefen 
Verfuch in verfphi^denen Jahreszeiten mit Regen- 
waffer 9 befonders mit dem nach* Gewittern^ 2u 
wieder hohlen. . ' 

Auf ein Gemifch von Saufirjtojfgas und Stick* 
gas wirkt das Waffer im Ganzen weniger» als auf 
Mifchnngen vx)n Sauerftoffgas lind Wafferftoffgas* 
ein Umitand, der minder überrafcht. Wenn man' 
einen Blick auf das Ganze diefer Phänomene wirft. 

Sie zeigen im Waffer ein beständiges Beftreben, 
fich mit den Gasarten, mit denen es in Berührung^ 
ift, ins Gleichgewicht zu fetzen. Bringt man Sauer- 
ftoffgas darClber, fo läfst es Stickgas fahren; fetzt' 
man es mit Stickgas inBerbhrang, fo giebt es Sauer- 
ftoffgas her. Von einer Mifchung aus Sauerftoff- 
gas und WafTerftoffgas verfchluckt es einen Theii, 
und entbindet daf Qr Stickgas. Immer ftrebt es, das 
MifchungsverbäkniCs der Luft» welche es fchon auf- 
gelOft enthält, nach der IVatur des Gas abzuändern^ 
mit welchem es in Berührung kömmt. Da nun das 
WaCfer der Seine fchon mit einer Mifchung aue 
Sauerftoffgas und Stickgas gefchwängert ift, fo ift 
es fehr natOrlich, dafs es auf eine Mifchung aus 
WafTerftoffgas und SauerftoiTgas eine ftarkere Wir- 
kung äulsert, als auf ein Gemifch aus Stickgas und 
Sauerftoffgas. Um diefe Phänomene völlig aufzu- 
klären, werden wir Waffer, dem wir alle Luff ent- 
zogen haben, mit verfchiedenen reinen Gasarten 
und mit Gasgemengen fchwängern, undl die W^* 
▲onaL i. Pkjük. B. ao. Sl a. J. 130^. St.& K 



'\ 



£ ^6 1 

kungen diefer Waffer in langen Zeiträucnen unter 
jEucIieD;^enn häufig werden in der Natur die Hin 
dernifTe» welche fich dem Spiele der Verwandt 
fchaften entgegen ftellen» nur bei langer Ruhe Ober 
wunden. 2: T *^ 

, > Und hier bliaibe^ wir ftdhenj in dfr Dar&ellua( 
d^ Unte^fu^hungen^ mit denen' wir uns wäbrenc 
der letzten Monate bef^häfdgt haben. *, Jq g^^fiiej 
das Feld ift, das zu diirchforfchen wir uns vorge 
fetzt haben, defto mehr^fipd wir es uns bewnfst 
wie unvojUkpmjRien i^nfre^rbeit noch i^t.;, Diefei 
Bewufstfeyn foll i\ts indefs j:kiebt den Muth beneh 
ihen , fondern vielmehr unfern Eifer verdoppeto 
die Natur zu befragen , und die hier mitgetheiltex 
Ünterfucnungen zu vervoUkommnen. 



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II. 

VERSUCHE 

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üktr die Gasme^rigen^ ivelclve' das Waf^ 
/kr',.Wdch V erfchie denke it d^r Tempera*" 
"t^i^r und nach Verfahiedenheii des 

Drucks äbförbirt, 

- •• " -Till • ' 

j^ * r , iA Mancbaftcr. ^) 

ehArt gleich die ^uflöslichkeit ' eines Gas im*: 
. WalEer zur chetnifchen Gefchicbte jeder G^sart» Sai, 
bt man doch bis jetzt bei Unter fachohg der v«r-r 
fehiedeDe^ Klaffen luftförinjger, FlüfGgkeitea diefii 
I figenfchaftgrofsenTfaeils flberfehn. Daskohlenfaii- 
r^ Gas ift in der That das einzige, deffen Verbaltea 
Vßxa Wafler man genauer unterfucht hat, und fchoiiL 
bald nachdem es entdeckt worden war^ bat Herr 
'Cairendifh in der Reihe von UnterfiK^ao^en, ^ 
derea Refultate der Graodftein zu den widitigfteii - 
der folgenden Entdeckungen gewefen find, di« 
Menge des kohlen&ureo Gas« welches fich im Wa& 
fer bei 55^ F« Wärme coodenfiren Ififst^ mit belba* 
derer Soi|;£alt beftinunt ^) Dr. Priefüej er> 



^') Bearbeitet nach den Fkäqfop^ml Tmasmeti^m he 
**} Bkiiofojtkm Trmmtaeiigmt 9 VoL 56» Hemry^ 



C ^4& J 

fjE^nd ungefähr nm diefelbe ü^eit ^^ine 6iofacI«e und 
wirkfame Methode, Waff er mitdiefemGaszu fchwän- 
gern; fein Apparat veranlaCste den bequemern des 
Drs. Nooth, und diefer fpäterhin die verbeflerten 
Methoden , im Waffer ein mehrmahliges Volumen 
deffelben von verfchiedeneii Gasarten zu conden« 
firen, welche von mehrern chemifchen KQnftlenr, 
(fo wie von mir felbft,) bei uns und im Audasde 
jetzt in Ausübung find. « ' 

Auf den grofsen Einflufs des Drucks bei einer 
fo ftarkeii Anfeh^ngerung hjat , fo viel ich weifs» 
zuerft Prieftley aüfinerkfam gemacht. ^»Ijcu 
Inftverdanntta Räume 'S bemerkt er > MfcheintPyr^ 
aaonter Waffer wirklich zu kochen , wegen der gre- 
isen Lufkmengey die es hergiebt, und ich zweifle 4a- 
lier gar nicht» dafe vermittelft einer Compreffions« 
mafchine WafTer in viel höberm Grade mit der Kraft 
des Pyrmönter Waffers anzufchwängern fey." *) 

Bevor ich meine Verfuche aber die Wirkungen 
eines erhöhten Drucks auf das Schwängern des Waif- 
fers mit Gas uüttheile, wird es nöthig feyn, die, 
Refultate einer andern Reihe von Verfuchen Aber 
die Menge eines, jeden Gas aufzuftellen, weichet 
fifeh mit dem Waffer bei einer gegebenen Tempera- 
tür und unter dem gewöhnlichen Drucke der Luft 
verbinden lafst. Auch hielt ich es in einigen weni- 
gen Fällen für nöthig, den Einflufs der Tempera- 

*y Experiments on Air^ arrangtd and metkodiz^ti^ 
Y«l» h P" 5i. Henry. 



l 149 1 

tür auf die Condenfation der Gasarten im Waffer 
auszumitteln. 

Er/ter Abfchnit t. Gasmengen, welche 

das Waffer unter dem gewöhnlichen 

Luftdrucke abforbirt. 

Um die Menge eines Gas» welche das Waffer 
vertcUucken kafnn , mit ziemlicher Genauigkeit zu 
beobachten , habe ich mich folgenden Apparats ba^^ 
dient Das Gefäfs if , (Fig^ z» Taf. I,) ift aus 
Glas, ungefähr 2 Z. weit und 4l Z. lang 9 und nach 
ICubikzoUen und Viertel - Kubikzollen eingetheilt. 
Iii der Meffingkappe, mit der es zu oberft verfehen 
ift 9 ift der Hahn a eingefchroben. Zu unterft ift 
es auf einer kupfernen Rohre C aufgekittet, welche 
^ in b einen Hahn hat, und von der unter einem Vech« 
ten .Winkel ein Schenkel ausgeht. Die ebenfalls 
unter einem rechten Winkel gebogene Glasröhre JS 
ift oben offen, ungefähr \ Zoll weit, und von ei- 
nem gegebenen Pimkte ab in Hundertel -Kubikzoll 
getheilt. Eine Röhre D aus waCTerdicht fchliefsenr 
dem Zeuge, (Indian rubber) über welcher fich eine 
Halle von Leder befindet, verbindet diefe Glasröh* 
re mit der kupfernen Röhre, und erlaubt» das G^* 
iSSs A fchnell hin und her zu bewegen. 

Soll diefer Apparat gebraucht werden» fo füllt 
man ihn zuerft voll Quecklilber» fchraubt alsdann 
eine mit einem Hahne verfehene Flafche von elafti« 
fchem Harze auf, welche Waffer von einer gegebe« 
nen Temperatur enthält, und öffnet vermöge dvf 



C »5o 1 

Häline eine freie Verbindung ^Wifchen ^er Flalbhie 
und' dem Glasgefäfse. Oeffnet man nun den tintera 
Bahn bf fo läuft durch ihn dasQueckfilber aus dem 

• 

Apparat, und ftatt deffelben tritt WälTer hineint cle£* 
fen Meoge fich vermittelft ^^r an if angebrachten Sca"" 
le mefTen Iä£^t Man nimmt darauf die Flafcfaie fort 
und fchraubt ftatt ihrer eine andere auf, welch» 
Qas enthält, und lä&t davon auf diefelbe Art eine 
ahgeÄeffene Menge hinein treten. Alsdann fchat- 
telt man Ttark und giefist, wenn das Gas im Gefalse 
A abiarbirt wirdj^ in die Röhre B Queckfilber n^ch, 
bis diefes zu Ende des Verfuchs wieder in einerlei 
Pliveau mit dem Queckfilber im Ahforptionsgefälsäif 
fteht« Standen beide Oueckfilt^rflächenaucH./Cu An« 
fang des Verfuchs im Niveau 3^ fo mifst das Vpluoiea 
des in die Röhre B hin^u gejgoffenen QueckQlber9 
das Volumen des ^bforbirten Gas. — Qiefer Ap^ 
parat hat vor einem Cylinderglafe, worin Gas und 
Waffer auf die gewöhnliche Wei^e fl])^ Queckfilb^ 
gefperrtfind, den Vorzug, dajEs £ch in ihm yermit- 
telft der Röhre jB fehr kleine Abfo^rptionsmengea 
meffen laffen, die in einem weiten Gefäise nicht 
mehr wahrzunehmen feyn würden« 

. Für alle Gasarten, welche vom Waffer willig 
verfchluckt werden, fand ich,. beim Gebrauche^ diefes 
Inftrunient (ihr zweekmfifsig^ für Gasarten ' dage*' 
gen ^ welche minder abforUrt werden , zog ich ein 
blofses Glasgeföf^ vor, wie es in Fig. 2 abgebildet 
ift Es fa&t 57I KubikzQlI, hat unten, einen genau 
eingeriebenen GksfM^fel 6 > nnd oben ift ein m^ 



W. . '~ 



[ I^I ] 

Sngmes mit einer Schraube verfehenesHahnftfK^k 
a aufgekittet Mau fällt das Glas voll Waffer, da^ 
lauge im Kochen erhalten worden, fchraubt auf ä 
tin Ventil auf, ^öffnet den Hahn , und bringt A2C& 
Ittftrünient unter den Recipienten einer Lufltpum- 
pe, w8*iiiän es fo lange im lufhrerdahnten Raumd 
läGsft, als beim Pumpen noch Blafen aus dem VValTar' 
aiiflteigen. Alsdann läfst man aus einer eiaftifcbea 
Flafche, die aufgefchroben wird^ das zu unterfu? 
chende Gas hinein fteigen , indem inan den igiitera 
Hähti b öffnet, -und durch ihn eine genau zu mef<* 
fende Menge von Waffer ausftrömen'l^Ist Darauf 
CchQUelt man tQchtig, hält das Gefitfs in Queckfil« 
ber, und öffnet den Hahn h^ durch den nun Queck« . 
filber in das Gefäls tritt. Man wiederhohlt das 
Schfltteln und diefes Verfahren abwechfelnd fo lau» 
ge, bis das Quedicfilber'im Geßlfise nicht höher an« . 
fteigt. Bringt man nun die innere und äulsera . 
Qubbkfilberfläche ins Niveau , fo giebt das Volumen 
6^ ins Glasgefäfs hinein getretenen Queckfilbers 
das Volumen desr abforbiften Ga^. 

' " Vielldcht wendet man gegen diefes Verfahren 
ein« das Waffer köxihe doch während des Hineingie^ 
üsens in das Glas wieder ^twas Luft verfchluckt 
fiaben.' 'Ich nahni daher gröfse Kugeln aus fehr 
dünnem Gfläfe mit eibem Ismgen gradulrteM. Hälfe» 
welche* ich vbll kochendes Walter gofs» üud dana. 
fcg^eich ili einet Qäeckfilber wanne umkehrte. Nach 
d^m Erkalten befand fich^ vrie natflrÜch » Queck« 
filier im Hälfe. Stiatt^diefesUe£i ich eine gemefbiid 



l 15» 1 

« 

M^nga von Qas hinein, und, mais danii durch d^ß 
Wiedera^Cteig^n d^s Queckfilbers im Hälfe» ditGrö«^ 
Sße der Abforption* 

Das Waller, welches mir zu allen diefenVer* 
(ttchen diente, war mehrere Stunden iang in einent 
ssinnernen GefäCse mit einer Oeßnung, die' oben, 
grofs genug war , die IMmpf e heraus zu laffen , ge« 
kocht, und noch fiedead heiis in gläferne Flafchen^ 
gegpITen worden, welche ich fogleich zupfropfen 
und dicht mit Blafe überbinden Üefs. Waffer, 
Queckfilber und Gas bracihte ich ftets in die zum 
Verfuche beftimmte Temperatur, (aiiber wenn fie 

1ijber,85^ F* f^^g») inde!m ich die Temperatur des' 
Zimmers darnach jegullrte, und während des Schat- 
tens vermied ich es^ibrgfaltig, nicht die vrarm'e 
Hand an das Glasgefäfs zu bringen. Das Schütteini 
wurde fo lange fortgefetzt, bis es npch Anzeige der 
Scale keinen Erfolg weiter zuhaben fehlen, ^n^d* 
bei fchwer zu abforbirenden Gasarten innerhalb 
zwölf bis vier und zwanzig Stunden mehrmahls wie» 
derhohlt. Auf den Baron? eterftand und deffen Ver^ 
fi^derung^ wurdejedes Mahl gefehn, und das rück* 
ftändige Gas bei einer Barometerhöhe vpn 2g| engl. 
ZpU gemeffep ,. oder darauf reducirt 

. !• Kohlenfaures Gas»., Da£s die Temperatur 
de$ Waflers Eiuflufs auf die Menge des kohlenfau«» 
]ten Gas hat, welche es zu verfchlucken vermag» 
UX allgemein bekannt; doch hat man darüber, f» 
viel ich weifs, noch keine die Zahlwerthe befdm«^' 



l ^53 3 

ineoden Vierfuclie. Es tiberrafchfee mlehi kei «ner 
Reihe von Verfuchen, die ich unternomnitii hatte, 
um diefes mit Schärfe zu beftimmen » b«i denfelbea 
Temperaturen , bei gleicher Reinheit von Ga« unil 
Waffer uad bei einerlei Barometerftand , Refultate. 
ifen erhalten, die unter einander beträchtlich abwi- 
chen. .Ich konnte keine Uriache zu diefen Verfehle^ 
denheiten abfehen, bis mein Freund Herr. Dal tön 
mich auf die Vermuthung^ brachte, fie möchten 
wahrfcheinlich in der verfchiedenen IVJenge deM 
Rückftandes ihren Grund haben ; eine Vern^uthung; 
welühe fich völlig bewährte , als ich die Verfucbe 
mit Volumina von Gas und Waffer in verfchiedenen 
Verhältniffen vriederhohlte. Wurden z. B. 2 Maafs'^ - 
kohlenfaures Gas mit i Maafs Waffer gefchüttelt; 
fo erhielt ich eine bedeutend gföfsere Abfoif^ption»'- 
als wenn ich weniger Gas nahm. £s fcheipt hier*' 
bei auf den Antheil des nicht -abforbirten Rückftan^ 
des an atmofphärifcher Luft anzukommen. Denn' 
aiilser der unvermeidbaren Beimifchung von einiger 
Luft: aas dem Entbindungsgefäfse, fteigt auch im«' 
mer etwas Luft aus dem WaiTer auf, fo viel Mofae' 
man fich auch gegeben haben mag, e^ durch lange - 
anhaltendes Kochen, oder unter der Luftpumpe»* 
oder durch beide Mittel ganz frei von Luft zu roa- 
chen. Dafs diefes.- der wahre Grund fejr» zeigt fioh^ 
«uch, wenn man ausdrücklich atmofpbärifche Luft 
dem kohlenfauren Gas beimifcht* Statt dafs xo ■- 
Maafs Waffer, bei 55^ F. Wärme, wenn fie mit f2(» 



Maafs tcdlilenfaiurflip O^s gefcnüttelt '* werden, yr^^ 

»Igftens'JlaMaafs jfo.fich aufnehmen { verfchlucken 

fie aus einef'Mift^ung vop 20 Thei|en..koIilen{aa« 

ten^Oas und jo Theil^n atinofphäri|cher Luft nur 

6 Tbelle^kobienfauresbas; alfo^ Theile weniger 

als zuvof . . i ^. » .. 1 

i ' I 1 ' 

Eine I analoge iThatfac^e i>einer&te .ffhon Dr.. 
Bro.^'^nfigg in feinet^ Auffatze.über dsiS Pouhon** 
Waffen» in den Philo/. iTransacc. , VdL 64* Diefee 
Waffeir I^fst da$ kohldnfaure'Gaft, womit es ge* 
{ch'wängert ift, nif^ht freiwillig fahrea» wofern es - 
flieht mit atmofphärifcher Luft in Berührung ift» 
z.. B. nicht in eineiig «ingefcblofTenön Oefäfse» wor- ' 
über eine leere Blafe.befef]^ ift,- felbft nicht ia der 
gröfsten Hitze, unfern Klima. Bei Temperaturen 
etwas un^er iicPt^.^ welche hinlänglich find» um 
Waffer zu- deftillü-era ». entweicht das Gas unter jdie; 
fen ]L7j^ftäpden nur felir l^f)gfaq)|i undffelftft in einer 
Wärme von 160^ bis 170^ F. binnen z\^i Stunden 
nicht Yollftändig. Es'^dft dagegen^ bekannt» daCft 
Waffer » welches init Kohlenfäure gefchwängert ifL - 
fein Gas fehr fchneil entweichen IS^t^ wenn es an 
der freien Luft fteht« ^ ^ 

Es ift aus diefem Grunde nöthig, bei den Ver- 
füehen aber die Abforptioh des ^koLlenfauren Ga9 
die Menge des GasrQckftandes anzugeben, wie das 
ixl def folgenden TabeiHe' gefchieht ' 



>f - 



C '55 3 



lach« 


• ^ 

T0ziip0- 
ratui'. 

• 


KiimV«! 
Waffer. 


rieunenl Estbetrug •&. |E« Terfclil. 

die Ab- alfo dei Z. WaiT«, 
. ^••* forptioB iRuckft, an Gas 


1 


55» F. 


»3 


3a 


»4 


i8 


108K.Z. 


-3 


85' 


i3 
13 


3» 




31 

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84 
108 


4 


55 


lO 


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100 ' 


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3 


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70 


,: 8. 


HO 


lO 


SO 


.6 


»4 


60 . 


9 


VIO t 


90 . 


20 


9 


11 . 


45 , 



Nachdemidiefe Tabelle fchon gemacht war » ha^ 

be ich init Vchrgnügen gefunden , ^afs Herr Ca* 

y» D d i f h' fähon'dfanliche Verfchiedenheiten in der 

"Mkuge des abforbirten Gäs^, nach derverfchiedenen 

Or5&e des RackftandeSy Wahrgenöminen hat, wio 

die folgenden Refultate Teinär Verfüche, die alle bei 

•ioer Temperatot» von 55^ angeftellt wurden, zei- 

gen. Er fiand nimlißh^ dsCs, als die Abforption zum 

ROckftanda ' 

loollub. Zoll WalC»^ 

Abfo^birc hatten 

S16 K. Z. kohlenT. Gas 



lieh Terhiek. 
wie 

100 164 

roo : ' if 
100 : 10 
100 : 1^ 



n 



4 -^ ^« « 

107 
1027 

9«i 



.iC 



Die Befcl^enheit des Rückftandts habe ick 
iädfs bei Verfuch 5 und 6 imterfucht. In Verfuch 5 
enthielten die 2 Maa(i$ Rückftand O/15 Maati atmo« 
fphärifche Luft; davon hatten die so Maab kohlen- 
Cäures Gas o;i3 Maafs onthalten, wefshalb die aoM/ 



t »56 j 

i ' . ■ ■ * 

Waffer während der Abforptiön nur 0^02 Maats» 
oder ungefähr ytsscs ihres Volums an atniofphärifcher 
Luft hergegeben hätten. Doch fürchte ich, war 
fdhTt "letzt noch nicht alle atmofph^rifche Luft aus 
dem Waffer ausgetrieben. In Verfuch 6 enthielten 
die 5^aafs Rackftand ^ Maafs atmofphärifche Luft. 

Um d£n Einflufs der Temperatur auf die Abfor^^ 
ption -aus diefen Verfuciien zu beurtheilen, ift es 
fchlechterdings nothig, folche auszufuchen , in wet* 
cheh das Volumen des Gas und des Waffers in glei- 
chem Verhältniffe ftehn. Und fo ergiebt fich aus 
Verfuch i und 2, dafs für jede 10^ F. .Wärme mehr, 
•^^ des biei 55 F. abforbirbaren Gasvoliims weniger 
Verfchluckt wird. DaCfelbe Refultat folgt aus meh« 
rern andern Verfuchen, die mitzutheileu ich [Hen* 
ry] nicht für nothig halte. *) 

Wenn das koblenfaure Gas und das WalTer ei« 
Derlei Temperatur haben, £0 geht während der Ab- 
forptiön eine wahrzunehmende Erwärmung vor, 
durch welche die Temperatur des Waffers um*| bis' 
1^ F. erhöht wird. Daffelbe zeigt fich, doch in 

*) Noch lalTen Hefa, nach obigem, Verfuch 6 und 7 
und Verfuch 5 und 9 der vorigen Tabelle mit ein- 
ander vergleichen. Es ift -f jp . 84 3= 6 imd 3*6=: 
18; aber 84 — 70 s» 14. Eben fo ift t| • 90 a 6:f 
und 5,5 • (6^) = 35f ; aber 90 — 45 ac 45. . Das • 
vop Herrn Henry angegebene Gefetz ift alfo nicht 
einmahl fär ungefähr wahr anzunehmen; auch 
bann das Gefetz unmöglich die Form haben, in 
wijlchcrer dafWbe darftelk. •- d: H.- 



[ X57 3 

1 

fninder^m Grade, während SchwefelwafferftolTgas 
oder o::ydirtes Stickgas fich im Waffer^ condeo« 
firt. Doch mufs man, um dies jzu bemerken, be« 
deutende Mengen von Gas und von Waffer an- 
vrenden, 

■ 

2. D& ührigen Gasarten. *) 'Seitdem diefer 
Auffatz fchon beendigt war , fand ich, dafs ich in 
fheinen Vex'fuchen aber die Abforption der übrigen 
Oasarten Refultate erhalten hatte, die bedeutend' 
zu niedrig find. Ich hatte bei ihnen zu wenig 'Aitf^ 
xherkfamkeit auf die Befchaffenheit des nicht-ver« 
fchluckten Rflckftandes gewendet. Nach der Theo«* 
lie aber, die mir Herr Dalton hierüber mitgc- 
dieilt hat, und welche durch meine Verfuche be- 
ftätigt zu werden fcheint, ift die Abforption der 
Gasarten durch das WalTer eine blo/s mechanifche' 
Wirkung, und die Gröfse derfelben ift der Dich« 
tfgkeitdes Gas, abgefehn von jedem fremden Gas» 
init dem es zufällig vermifcht feyn mag, proportio« 
nal; fo dais, 'wenn der Gasrückftand |, ?§ oder ir- 
gend einen andern Antheil eines fremdofe Gas ent« 
hält, die Menge des abforbirten Gas um |, ji u. f. f. 
unter dem Maximum bleibt. Der Beweis diefes 
Satzes würde mich in ein zu kleinliches Detail ver- 

■ 

*) Ich entlehne dasjFoIgendeaus dem fpäter gefcbrie* 
benen Anhange^ am finde diefe$ Bandes der Fhi* 
lof. Transact,^ worin Henry feine Verfuche mit 
diefen Gasarten, wie iie in dem AufTatze Ceibß fiehn, 
«tirück nimmi und vcrbefleft. ä* H. 



C '58 ] 

wickeln 9 welches nicht hierher "gehört." ♦) Ich 
thelle daher hier nur die Refultate meiner letzten 
Verfoche mit. 

Ueber das kohlerifdüre Gas fincle ich nichts hin«' 
zu zu fügen. 

Vom SviHUßffelwafßrftoffgaSf das ans Schwe« 

•• » , * 

feleifen und verdlionter Schwefeliattre entbundda 
wurde, verfchlucken, wie ich wiederhohlt gefun* 
den habe 9 xoo Maafs Waffer von 6o^ P. Wärm«. 
Xo&bis io8 Maafs Gas. 

Aus menrern Verfuchen mit oopydirtem Stick* 
gas wähle ich die folgenden , als ,ein ^efonders er-y 
läuterndes . BeilpieL 'Ich fchüttelte zu crfei'ver« ' 
Ichiedenen Mahlen 1175 Maafs oxydirtes Stickgas 
mit 1320 Maafs Waffer von 60^ F. Wärme. Es 

terfchwanden 1025 M. Gas^undfdie nicht abfol'bir- 

^ ," ■. .\ ■> 

ten 150 M. enthielten 15 M. fremder Beimifchung, 
Pölglich hatten löo Theile Waffer 77;6Theile oxvf 
dlrtes Stickgas in uch' aufgenommen ^ rechnet man 
hierzu die Verminderung der Abfprntipa , ' welche, i 
durch die ynreinigkeit d^^5U*Wtande« ve^anlafst . 
wurde, fo läfst fich.fchliefsen, da£^^ 100* Theiie 
Waffer 8^ Theile abfolut- reines oxydirtes Stickgasr ' 
würden verfchlud^likben. **) 

*) Berthoilet^s tJrtLeif über'^efm Satz in 4er 
Nachtciirift. * * ä. H. 

**) Der R&okfiaii4 ei|$hieh nämitch 7^4 an fremden Gas* 
arten; folglii^ faaUjB^t Waffcr, B alt ob's Theo- 
rie zufolge, [^h'^,^ ^-^rtffi A»t 1fr, S3 Th/ dxy. 
dirtet Stickgas weniger verfehl acht, als wenn das 



[ *59 1 

. Was die übrigen minder abforbirharen Ga^arten 
betrifFfr, fo bin ich durch dringende Gefchäfte ver- 
hindert worden , auf ähnliche Weife die Mt^nge zu 
beftimnieD ^ welche dj^s WafTer unter gleichen Um« 
ftanden *) von jedem derfelben verfchluckt haben 
wflrde»-^ ausgenommen ^ beln^^Sauerftoffgas» beim 
Sticjigas lind beim WaJTerftoffgas. Folgendes find 
die Refultate diefer Verfuche : Die erfte Columne 
zeigt dieMenge des von xoo.Maa{s Waffer bei 6o^F. 
Wärme virirklich abforbirten Gas; die zweite die 
Menge 9 welche hätte verfchlpckt werden, mflffen» 
wäre der Gasrückftand abfolut- rein gewefen. Nur 
bjBim Safeetergas ift die w^h^e Abfor^tion kleiner 
als die beobachtete , weil . ein Theil dief es Gas floh 
Biit aem Sauerftoffgas verbindet» ^ovoq dasi WafTer 
aidit ganz zu b.efreiex( ifL . r. y . 

'' ' ' AWorption ixi ioo Theilen Waffer 

•tfo.wc • X' l bei 6o* T. Wäme l 

fllOpetergas . ., . 5 Si. Theü# 

Sjaiierftoffga's * ' 3,55 3,7 

Phosphor -WiJTerlhifrgas ■ ^]i,i^ 

GasCÖrmiges KofalmftoAikyd 'i,oi ^• 

KohlenwaDbrlloi^ai 14» 

Stickgas **^'a/*7 1,53 

WaOerAoä^as jm53 : ^ifit 

' 6as abfohlt «rein gewefen w&re; und es ift 77^6 «f- 

'Sß » A6* iVach Dävy^s Verfachen ndifnen 100 

ML Waller von 45^ Wärme 54 M. oi;ydirtes Stickgas 

In lieh anf^ (H enty hatte zavdr nur So gefundeni) 

indem ungefähr 27 Jl|. Aücl^ibnä bleiben, d. H. 

^ Das heifK» b« abCbhuer lUinfaak dwRückfttnde. 



t 166 ] 

Die AviUöslichkeit der ' aemo/pMrifchen iu/t ^ 
in WaHer ift fcfawierig zu bertimmeii. Denn^ wie 
ich in einem eigneff Auffatze laber das Austreiben 
eines Gas durch das andere ans dem Wader zeigen 
werde, wird die atmorphärifche Luft durch 3chnt« 
tdn mit gekochtem Wäffer zerfetzt, indem ihr An* 
tKeil an Sauerftoffgas vorzugsweife yerfchlückr 
wird. ■ - * ,■ ^ 

Nach dem zu urtheilen, was mehrere Phyfifcef^ 
(Nollet," Haies", Prie-ftiey und Peac^n,) 
von der Menge vonLuftgel&gt haben, die fich aus 
Waffern verfchiedeiiÄr Art durch Hitze oder durch 
Aufhebung des Luftdrucks ziehen läfst, hatte ich' 
Erwartet, es würde von den Gasarten, Vielehe ße* 
ftandtheile der Afinofphäre find, weit mehr im Waf« 
fer abforbirt werden, als fich in den obigen Ver^^ 
fucheh gezeigt h^t. Mafi' mufs indefs bedenken» 
dafs keine bis jetzt bekannte Methode alle Luft aud 
dem WafTer austreibt. Dr; Pearfon fand nadf 
aller Mähe, die er fich gegeben hatte, durch Eochen 
und vermittelft einer mächtigen Luftpumpe das 
wäffer ganz voit Luft zu befreien , dafs doch Ele« 
Gtricität noch immer eine nicht ganar unbedeuteii!- 
den Antheil Luft entband. ♦) 

Gewöhnliches Brupnenwafferläfst fich» wie et 

oijgr fcbeint, f Or ein TöUig mit atmofphärifchet Luft 

ge* 

*) Philofophictä r^mnsact. f* 1797» t^ftnalen, U^ 



» ^ V 



C «6« 1 

- • 

fefbhwingertes Waffer oehineii. Um die Meng^ 
und Art des Osa, welches fich daraus ziehen ItUst^ 
2u beftimmen, ftellte i^h folgenden Verfuch an; Slf ' 
wurde eine Glaskugel» die liy^Kutakzoll hi^, mit 
WaCfer» das frifch aus dem Brunnen gelbhöpft war, 
gefüllt und an der Oeffniu^ derselben eine gßF^ 
krflmmte: Röhre befeftigt^ .welche I &ubikzpll falÜ^ 
te 9 und auch mit Waffer gefüllt und verftopft wiir« 
de. Die Kugel wurde dann in ein Gefiüb voll Salz- 
lauge gethan , diefe Lauge 6 bis 7 Stunden lang im 
Kochen erhalten, und das fich. entbindende Gas über 
Qaedkfilber in 4 Portionen aufgefangen* 

' . »ßrf betrug und «war an t*i«Brfiofiig;t. 

^* Kubiksoü. kohitG«. Uft. ,^t^^ 

Luft. 
mrtt» «»aS «fSo • <i,jS .„^^• 

cweiut «,a5 O^IS «40 «^ilf 

drin« 1,63 »,a3 «4» «^»^ 

viarte >^<» M9 o<p^ 

SniniD« 4f63 3/>7 1^$ 

' Ueber dies befiandeh Beb noch in der gekrümm- 
ten Röhre b;75 "^tibikzofi Gas» welche ich für koh* 
lenlaures G^s ilehme» da die vierte Portion zu f| 
aus diefem Gas^beftanden hatte. Bei der Ausdeh* 
nung des Walters durch «die Wärme waren 4| Ku* 
bikzoll Waffer aus der Glaskugel ausgetrieben wor* 
deh. Fol|^ hattein n^f. — 4|3;= 1x3 KubIkzoU 
BrunnenwafTer 5/38 Kubikzoll Gas hergegeben. 
Das machtauf zoo Kubikzoll BrunnenwaCfer 4^7^ 
Kubikzoll G%*^ uiAJddvön Wäred 3^58 koUenijiaL^ 



> I 



res ^a« Ü^<f ''/SS ätmofpliärifche Luft.-*). Waffe« 
iHeßt folgli^^h «^ feines Volumens an atmofphärifcher 
Luft, und überhaupt'^ fdUM Volumens an Gas* 
'geintfch httf. 

Zweiter Abfchniii, Nach welchem G^ä- 

feeze befördert der Druck die Abfor- 

ptUnder Qa^ärteA im Wafferf 

Zu den folgenden Verfucben diente mir wieder 
^r obeB befohriebene Apparat» der jetzt nur mit 
einer vie} längern Röhre B veifehq war, um Ter- 
mittelft des Queckfilbers in ihr, das Gaä und dits 
Wailer von bekannter Temperatur im G^fe A% (das 
mit beiden auf dlerof hin. I^efchri ebene Methode ge- 
fallt Wurde,) unter beliebigen Druck. verfetzen zu 
können. Durc^ Oeffnungdes Hahns. 6 war s^uerft 
das Queckfilbe^ in beiden ^Schenkeln ins Niveau ge» 
bracht worden i^^er und Gas befanden Seh nun 
alfo in A unter dem gewöhnlichen Luftdrucke. Dar- 
auf Wiirde f^ fi f o lange Oüeckfilbör nacbgegoffen, 
bis dieferbieV uni dg oder d Mahl 28 ZgJl höher als 

w 

in A ftftnd, und ^ü^Voli^neh di^Gas bemerkt. Die- 



^) Der Krunbto, ans welchiem Hr. Henry das^K^aC- 
fer n dfebm Verfuche hatte fchöpfen lafEen, ent» 
hielt, wie man hieraus fieht^ eine fchwache Mineiid* 
quelle; ein Beweis mehr, daCs ffrannenwairer w^ 
gen feines, fehr variabeln Luftgehalts, (lieheS. i3s, 
'127,} melit xa Vertttcfaen diefer Art geeignet iCu 

d.U. 






C »65 3 

lies Völunlen hhd fich i^nraer fehr nah« §- o^of | ff 
grob als das^ anfängliche. Nun wurde ftark ,£fr 
ichattelti fo lange fich noch irgend eine.Abforptiqf 
zeigte, und ein Gehülfe gofs während defTef if^ ^ 
fo viel Queckfilber nach, als nöthig war, um 4e» 
Unterfohied des Queckfilberniveaus «uf 23 Zoll zi| 
erhalfen. An der Scji^q i^.^9 und- noch genauest 
au det Menge des nachgegoflenen, Queckülber(b 
seigte fich dann die jGröCse der Abforptjon. Auf' 
ihnliche Art wurde in der Röhre B e^m Queokfilr 
herhölie von 56 Zoll hervor gebracht , und die ihr 
eBtfprechehde Abforption beobachtete Weiter liels 
fich nicht gehen , ohne die Verbindungsröhre L^ zji 
fter^rengen. " • 

Das Waffer» welches auf diefe Art .^nter/dem 
dreifachen Lüftdrucke mit einem Gas gefchwängert 
war 9 braufte heftig auf, wepn map den Hahn b öff- 
nete» und das Queckfilber in beiden SohepKeln fic}i 
ins I^veau fetäsen Uefs ; doch dauerte es einige Zeit» 
bevor das durch gröfsern Druck h^pein gezwangtji 
Gas daraus wieder völlig entwich, piefe firfohei«! 
anng ift fehr überrafchend und ergötsend, und ^ig^ 
net fieh ganz fOr chemifche Vorlefungep. f) 

Poqh laCst fich der Apparat c|azu» wie ^h iiicht 
zweifle» noch fehr vervollkommnen ; nur koqnl^ 
ich » 200 engl. Meilen von der Hauptftadt entfern^ 

. *) Sie ift, wie man £eht, eine Darftrilnog im JRlei* 
aea der .artigen. ftephf^tuqg P^ron't im-Gro- 
JiAD^ AnnaUn » XIX , 438* s*^« H» 



E «64 ] 

keinen khdeita Apparat -naben^' als den ick mit eig- 
nen Händen gemacht hatte. "*) Folgendes wfirde 
fo z. B; eiifie bedeutende VerbeiTerung feyo, da £• 
den Nothbehelf mit der biegfamen Röhre D entbehr^. 
Bdi mächte : Man kitte auf das untere Ende de» 
Glasgefaftes d eine mit einem Hahne und einer 
Schraubenitftttter yerfehene Kappe» und verfehe dl« 
Röhre ;G niit -einem Hahn» iknd einer mfinnlichen 
Schraube^« '^-HAtman nun ,. wie znvoi^ , das GefXis A 
mifkxiä'iind Wafler unter dem einfachen Luftdrücke 
gefalli; und es danotmi» den doppelten oder drei- 
fach enXuftdrudk Terfetzt^To drehe man die beiden 
neth hinzu gekommemJiBflBne^isu, fpfaraube dann 
das Glasgefäfs A Hh^ fchflttle es, fchraube -es Wie^ 
der auf;^ öffne di«$' Hähne tnd {jielse in B fo viel 
Queckfilber nach als nöthi^ ift. ^ Dfefes Verfohreai 
i^iederhohle man mehrmahls» bis fich keine Ab* 
forption mehr zeigt. Eine zweite Verbeffening 
würde feyn , zu den Hähnen ein anderes Metall ab 
MefBng zu nehmen; denn mögen fie anfangs au6h 
hoch fo vollkommen fchliefsen, das Queckfilber 
macht fie bald fchadhaft. Wäre es möglich, glä« 
ferne Hähne luftdicht genüg einzufchmirgeln, fd 
liefsen fich MetalJkappen mit Schrauben daran 
kitten. 



*^ UAd dat fcbreibt ein febr achttingswerther und 
^tlilti^. Chemiker, darin Manch efte'r lebt; «in 
' Tk-oAr fftr manche deutfohe Namrforfdber, denen 
es niehk befler wird.' * d* H. 






-. Um bei den itiimler coodenfirbaiFen Gaaarten ei* 
^ «e Zunahme der Abfcnrptxoo.'n}it vermehrtem Drur 
:cke wahrzunehmen , wird'ehi «weiteres Gefäfs» alt 
Af das. wenigftens 5^ KubikzoU faffen mu£B, er« 
fordert. Die punktfirt'en Linien in Figur x ftelljm 
«iaffelbe vor. Es war bei: C mit einem Hahne un^ 
-einer Schraube, v^ehtf 9 -und w|ird» fogleich mit 
WalTep von der gegebenen Tettiperatqr und nur mit 
fo viel Queekfilben^-gefüllt^ als Ga» hfnein treten 
follte. . ' .Mrt»uaui*' V 

Mit Hülfe diefier Apparate heba ich eine Reihe 
von wenigftens B^ Veriiicbtii» mit kohienfaurem 
Xias» mit SchwefehvafßrßoffgAS» mit oxydircem 
Stickgas 9 mt Siai€rftqff^amJmfi}mit Stickgas anr 
gefteilt. 'Au^ dejF ^efultatan/lEfifrfSribeo ergiebt lieh 
folgendes allgeni^Ines Gefetz : .jBe£ einölet Tempe* 
ratur nimpit WaJJer unte^^ycdem Drucke daffelbe 
Volumen an Gas auf, als nnterAkm gewöhnlichen 
Lufsdrucke; oder dadieDiditigkejit des Gas immer 
dem Drucke proportional ift: ein Gasvolumen, das, 
unser dem gewöhnlichen Luftdrucke, im Verhält* 
nijfe der sufammen drückenden Kraft ficht. Bei 
häufigen Wiederhohlungen diefer Verfucbe erhielt 
ich Refultate, die diefem Gefetze picht ganz ent- 
fprachen; doch fcheint es mir für alle praktifche 
Zwecke hinreichend genau zu (eyn. 

In einem diefer Verfuche hatte ich ftatt de^ 
Itlahns a ein fehr empfindliches Thermometer ein- 
gekittet, und füllte das Glasgeßfs 4 durch den un- 
tern Hahn b erft mit Queckfilber und dann mit Waüer 



[ i66 3 

nud ^net ibgcrmeffenen Mtage kolilenfaureti tSu. 
Werde nun die Dichtigkeit des Gas plötzlich veiv 
"iopp^lt, vermittelft des Queckfilbers in £» fo ftieg 
das von kohlenüaurem Gds umgebene Thermomft- 
Wr ungefähr um X3 Grad, und bei der AbforjpttQit 
Wahrend des Schflttelns noch um i^ F. Wabr^ 
fcheinlicb wfirde es in b«iden Fällen noch höher an- 
Jl^eftlegen feyn» hätte nidit das Queckfilber, aber 
Welchem das WaCTeir fchwamm« von dw fich eat- 
wickelnden Wärme das meift6 verfchluckt» 



• i 



Nächfekrift des Heräutgebertm -. - 

Ueber die VerCiiche und ScUüITe Herrn ff^rn • 
, ry*s und Über defi Gruadlatz, auf weiohem cEldÜBr 
vthätige und fefar^acbtuAgSTi^ertbe Chemiker baut ^ ftilt 
Serthollet in .feinem Berichte von der Arbeit der 
JHerren von Humboldt und Gay-Lüffac, (liehe 
S. 92t) folgendes Urtheil, welches mir hier andern 
ichicklichfien Orte zu ßehen fcheini. 

,,DaC5 bei den Auflöfungen der .Gasarten im Wafr 
tet Ven»randtCehaFt die wirkende Kraft fey, darüber 
lafleta, wie es mir fcheint, die Bemerkungen der Her- 
ren von Humboldt und Gay - Luffa c über den 
Zußand ^ in welchem fich die Luft im Wafller befindet^ 
(S. 145 f) (und ihnen liefsen fich noch mehrere Grün* 
de zufügen,) gar keinen Zweifel übrig. Henry 
iiinfimt indefs die entgegen gefetzte Meinung rieet be* 
. rühmten Phy fikers, nämlich D a 1 1 o n ' s , an. Seine Re- 
faltate find aber nicht g^nau; denn er hat die Gasrück- 
ft^de i^cht chemifeh unterfucht, und die Verfuche der 
Herren von Humboldt und G-ay • Lüffac z^gen^ 
dals. difiüo Rückftande auf eine Art verändert find; wel- 
üA über die wabire Grdfte der'Abforpnon des Gas« 
das mit dem WaSer in Berührung gefetzt war^ in Irr- 



C .4«? J 

f^om fahren, niulf. Sr griindet Caint Mt^u^g mf d}9 
incrk würdige Beobachtung, welc6e er gemacht hat^ 
daß Waffer bei gleichen Temperaturen in allen Fällen 
dalTelbe Gasvolumen Terrchluckt, und er fchliebt daf 
•at mit Oalton, die Abforption eine» 6a§ durch Wat 
tor ley eine blols mecbanifche VTirkung. .Allein dia 
eignen Beobachtungen Henry'a fch«dnen zu betir^ 
fien , da£s die Abforption dem Drucke nicht .propordp« 
nal ift. Denn er fand, daTt loo Kubikzoll WalTer toü 
55^ F. Wärme loSRubikzoU kohl^nlaures Gas und eben 
tö Tiel SchwefelwatTerftoSgat Terfchlucken ; )ede die* 
fer Gasarten müfste folglich im Walle\r ziioKt .l^ofs «^bea 
fo viel Raum, als iie Tchon ^einnimmt, fondern äujq^ 
-noch eine andere UrEachja von Ce^preCfiy^ny alt dea 
Xnftdruck linden. .Da die filaftidtät ein HinderniTs d^ 
Verwandtfchaft ift, welche zwilchen dem yjfaStt und 
dem Gas Statt linden muls, fo fcheint es mir natftrli» 
' eh^r, dals die Aufiöfung der UrCadhre propordonal ift» 
\7elche die Wirkung der ElaUcitäf vermindert, oder 
der Compredion , die das Gas lisidet. — Wäre indelii 
auch diefe Erklärung lüpht genügend, fo wfirde das 
noch kein Grund feyh, hier die Verwandtfchaft als 
v^irkende Kraft zu verwerfen, da andere Wirkungen 
. davon zeugen ; ein^ Bemerkung, welche abf mehrere 
Fälle pafst , wo das Zufammenfallen der phylifchen*imd 
chemifchen Eigenfchaften machen kann^ dafs nuin'dia 
'üt^kung der Verwandtfchaft verkennt» wenn xüiaa vo» 
den Urlachen fme% Phänomens urtheilt« ohne apf di# 
.Analogieenzu fehen, durch die es mit aiidemPbänöme« 
»nen verkettet ift. ^ 

So weit Bertkollet. Die Gründe Dalten't 
und Henryks filr ihre Meinung, und die gelehrtes 
Streitigkeiten, in die ße darüber fiahon u» England verw 
wickelt worden find» in einem ^gaeftAnflatse^kftaJ^ 






{ i»8 5 

■ - # 



IIL 

UNTER SU CHÜNÖEN 

#&rr die dhfarpcion der Gä§arten durch 

Waffer, 

F. B * Ä-^» k H ■ / 



«^f 






xf aft tun dtefelbe Zeit ah Herr Henry tat Mmh 

chefter, hat Herr F. Berger» Mitglied der pby- 
lUiaL und ^aturhirt Societat zu Genf» ' eine Re^he 
süüammeii hjugender Ünterfuekunge» übet die AB^ 
forption und Ver^derung der Luft u^ verfcJdeder 
t^er Gasarten durch Waffer bekannt gemacht. ^) 
Er brachte b^cannte Vohnnina Gas» (in den mei- 
ften Verfuchen lO/sGi Knbjkzoll,) mit Waffer aus 
der Rhone» gekochtem und nicht- gekochtem» auf 
eine zwiefache Weife in Berührung: eiu Mahl fperr* 
te er das Gas blo£s aber dem Waffer » (ab aber da« 
bei auf die Gr&fiBe der Berührungsfläche; ein zwei^ 
ies Mahl f&Ihe er das Gas wiederhohlt aus einem 
iSf^^ weiten Glascylinder in einen andern von gans 
gleichen Dimenlionen Ober» wobei es durch das 
Waüer» womit diefer gefüllt war» durchfteigen 

^ Joüpnoide Pkyfique^ t,Sj^ Mepider^ «nii, (Ju- 
Kus i8b3)} p. I «^ 94* d. H* 



t 'I«s \ 



«•« • -• 



/ 



'iintBm:^^Er *6g dieleMetKode dem 'Sc£titteln , wo* 
ches freilich weniger Sorbit erfordert, vor, wefl 
'fie ihm eine genauere Gradation zuzulallen fchienl 
Zwar fey 6e ni6ht gsca^ fehleHrei wegen 'der Cöhfl^ 
VQBz des Gas mit dem WaGTer ; diefer Fehfer könnb 
aber, 'meint er, nicht viel bedeuten, und nidit et- 
wa ^n gro&er Theil der Abforption blofs durch Ad« 
hiren« bewirkt yrqrd^« weH man fonft die Gasar« 

m 

ten nach dem UmfoUeo «icht chemifch verändert 

finden wOrdej tind^ Stickgas fonft nieht (elbft b^ 

i wjecferhohltem Durch fteigen fo fehr fchwer abfcff • 

hirt -^erdesAirarde. Den nicht verfchluckten Rück« 

/ ftand der Gakarten prüfte er mit Phosphor, (eini- 

«m Mahl mit Salpetergas,) ufad mit den andern nö« 
■ « 

thisen Reagentien. So unterfuchte^er die atmö* 
fphärifche Luft und fünf Gasarten. '^nier ganz im 
Kurzen einen Auszug aus diefen Verfuchen, wel- 
che für fich freilich zu keinem recht beftimmten 
Refultate geführt haben, in der Zufammenftellung, 
worin fie hier erfcheinen » aber nicht ohne InterelTe 
feyn dOrften. 

X. Atmofphärifche Luft in einem Kolben ge« 

fperrt» deflen Hals in einer Caraffine voll Waffer 

fteckte, hatte bei einerBerOhhingsfläche von 4/^75 

KubikzoU in 13 Monaten und 17 Tagen ihr Voliit-* 

men nur um 0/014 vermindert, und enthielt in zbo 

- Th eilen 15 Theile Sauerftoffgas. In einem Cylict- 

der gefperrt, bei einer Berührungsfläche von 9/ 16$ 

KubikzoU I verminderte fie fich in zz Monaten und 



^aTaga» 1119 0/Z35 ibr«8 Volmns^ ofut nf]W^ ifi 
^jOo Th€(Uea nur iiocb;^, Tbeile Sau^ftoffgas^ xuhI 
«limine Spur von koblenlauram Gas« Bei einor klei« 
ipern BerAbrungsfläche» meint er» wirke cUeAdhi» 
Jioii nwiTeben der Luft niid dem Gbfe Aarkex^ und 
4aber rtthre die Verfchif denheit des Etfolgi&^ 

. VmgafüUc durch Wafler ^ « loo , aoo » * ,^00 VtUbl 
▼enninderte lieh ihr Vo- 4f ^ 

lomvoi ^ «f«^ # 0^08^ • «#144 > >^5i 

vnd fi« «iitihith noch ta ' 

xoo Th. SaiierümÖgtt tj 4 1^5 • jl » • , ' 

Herr Berger fcbliefst hieraus » dafs da^ WafTer 
die atmöfphärifcbe Luft nicht- geradehin abforbire» 

«iondern fie zerfetze, um ficb blols mit dem Sauer* 
ftoffe derfelben zu verbinden » dafs diefe Abforption 
alfo vermöge einer WaJiJverwandpfchafi vor fich 
gebe. Wie es zugebe, daEs in allen diefen und 
in den folgenden Verfucl|en der Verluft der Luft 
an Sauerftoffgas gröber war als die ganze Ab- 
forption, weifs er ficb niclMl^zu erklären, und ftatt 

"auf den febr einfachen Grund, dafs das Waffer wohl 
Stickgas hergeben könne, zu kommen, meint er 
vielmehr, das Sauerftoffgas möge fieb wohl in Stick* 
gas umwandeln können. 

2. Sauerftoffgas aus rotbem Queckfilberoxyd 
ausgetrieben , und in eindm Cylinder von 12/5^ Qoa* 
dratzoll Querfchnittj 60 Tage lang, ein Mahl aber 
KekochtMn, das zweite Mahl fib^ nicht* ^gekochtem 
Waffer, xlas fiab in einer Glasfohale befiind, ^efyrerr^ 
verminderte fiein Volum im erften Verfqcbe um 
0/34, im-^weiten um o,3z.2^ und als i 00 Tbeile mit 



m 

«^oThelleA-Sd^tergas 5Mfnut#n hmg obfie 
teln in BerfifaruBg blieboDy^ ^ar die Abforption vor 
~ dem Verfucbe von i^\ nflcb dem erften Verfucht 
Von 85 und nach dem zweiten von 97 Theüen. • 

- So, 60f 90, tao, 150^ 240, 420» $40, i02oMabl 
Verm. fich das Volum um 

o;t^ , Of 18 » o;a37 » <>#^5 » 0|5a[|, 0^1^ , 0^5 , 0^6 , 0/671 
«md ipolTh. d. Aüdk^ rteuL^cb mit 100 «Tb. SalpetergM s 
um " loa ad . x5 Tb. 

Gas dus Brftunftein ausgetrieben^ das mit Phosphor 
axialyfirt» in 100 Theilen 75 Theile SauerftofFj^ 
enthielt, gab 

vmgefulh , 100 ^. aoo , Soo > 400 Matil 

'. «ine Vol. Verminil. toh 0^15 » o/3o6 * 0^4. , 0^455 
"^ 4er &uckßan4 emth. an 

Sauerlloffg. in 100 Tb. 4a « a$ 9 — '» la Tb« 

Diefe Verjache zeigen» daCs das SauerftofFgas aus« 
^nishinencjt willig \KSm Wailer verfchludct wird » und 
9war defto ftärker » je reiner es ift; 

3. Stickgas 9 durch Fhosphor aus der atmofphi^ 
rifchen Luft abgefchieden. Herr Berger wieder* 
bohlte mit d^mfelben die vorigen Verfucbe in den- 
felben Gefäfsen und unter gleichen Umftänden. Das 
gekochte Waffer verfcbluckie davon nur 0;o67, das 
nicht -gekochte 0/05o« 

Umgefüllt 50 , 60 » 90 Stabl 

Vär die' VoL C nfcbr- gakocbt. o/oio , <}/OYg , 0^025 
Veicaun4* in C gekocht. WtSL 0^15 » 0/040 » o/o6a .« 

^Alfo wurde von Sauerftoffgas unter gleichen Um* 
ftinden 5 his lo Mahl mehr als vom Stickgaj^Mver* 
Icbluckt. - . - . . ^ 



' ^. ^atpetergas^ IMs Gas Winde in allen c^ 
Terfuehen,' die wiederttnt mit deir- vorigen über^ 
'ein ftiminteb , mit Kupferfeil aus Salpeterfauf e von 
gleicher Stärke entbunden, nnd die gewöhnbche 
Vorficht^gebraucKt , es in einem 'reinen Zuftande zu 
erhalten. Gekochtes Wallbr' verfchluckte davon 
C/76a ; nicht - gekochtes 0|75rund der Gasrückftand 
wii'kte in beiden Fällen nfcht weiter als endiometdw 
fches Mittel. / '^ 

Umgefüllt 50» 60» ^o«*Ue« iS^n 4p9i7,ü\^lMÜA 

'war d. Vol, Venn. in 1 

Cmclitp-gek.O|247« 0/393 »0^93, 0/565,0/61 ,^163$ 
Cgek.Wair. oi^iS,OfSSl >oßS ,0/717, $Ofj^ 

In einem andern Verfuche mit einerai bedeutendenjl 
Volumen Salpetergas, wovon 100 Theil^ mit xoo 
Theilen atmofpbärifcher Luft eine Abforption Von 
55 Th. gäben, betrug, als les durch kaltes Waffer , 

umgefüllt wurde So » 100 • 900 , 300 ISahl 

die Vol. Venninder. 0/3a5 • 0^457. , 0/637 * ^fi^ 
die Abforpt. det RückO. ' ' ' '-* * ' ' '' '\ 

mit «unbfpliür. Luft 5^ # * «4S » 33 > o Th. 

l3er letzte Rückftand roch nicht -mehr nach Sal* , 

' ■ ■. 

petersas und gab an dier Luft keine röthliche« ; 
Dämpfe. 

Diefe Verfuche zeigen, da& Saipetergas aller* 
dings vom Waffer verfchluckt wird, obgleich Four- 
croy das Gegentheil angiebt,- fo wohl wenn es " 
über Waffer gefperrt fteht, als wienh man es wie» 
flerhohlt hindurch fteigen läfst; aber auch hier, 
' meint Herr Berger, mUffe eine Wahlverwandt- 
- fcbaft fich äufsern, weil das Salpetergas, man mag 
nicht -gekochtes odejr, gekochtes Waffer nehrheÄ, 



E m ] 

feine eia^iq^ietriiclw Eigenlbh/ift ganz ver» 
;, : uDd zwar zerfetze das WaiTqr es dadurch^ 
difiB es demfelben den^Sauerftoff entziehe. und es 
an Stickgas mache. 

. 5« Kohlenfaures Qaä^ durch Säure aus Kreid« 
jausgetriehen. Herr Berg er follte damit» um ei* 
neu Verfuch im Grofsen zu haben , einen Ballon» 
der -7041 Kuhikzoll £aCste» und fperrte das Gas mit 
Waffer. Die Abferption ging in den erften Augen- 
i>lfcken mit gro£^r Gefchwindigkeit vor (ich; nach' 
19 Stunden waren nur noch o^o43 ^^s anf£hglictiea 
Gasvolums Hbrig» welches fich in den folgendiea 
2 ff' 7agen nicht, weiter ver/jgüinderte, Kalkwaffer 
nicht trObte ,' afr 0^02 Sauerftpffgas «nthiell, ... . 

Tl^ Bergpi^ XteUte ^tich Verfuche mit kdh- 
lenfaurem Gas afis^.-das.v auf t^oc^ui#m Wege in' der 
Fabrik von P^aml aus Kreide ausgetrieben war. 
Man bringtjiie^zu' den!* Ende di^ Kreide in Flinten* 
Ifidt^e^ welche bis kum RotiiglQheix. erhitzt werc|jen; 
Uas Gas kömmt «ber fo -weit fparfamexf als auf nat 
feto Wege, und würde felbft fehr bald ganz ausblei- 
ben, brächte man nicht von Zeit zu Zeit einige Tro«« 
pfen Waffer in dfn Lauf. Dadurch wird. aber das 
kohleniaure Gas mit WalTerfteffgas gemengt». .weU 
ches, wenn man j^eiies ahfcheidetv mit blauer Flam- 
me brennt«*) Nach Bergtr's Verfuchen find in 

' ^) Dafs der natOtliche kohlenfture fiar/f « welcher 
f«A gar kein WalTer enthalt« Für Heb in der Hitze 
Csine Kohlenfäure nicht fahren lälst, wohl aher« 
Wenn WafTerdämpfiB mit in das Spiel kommen , ift 



C *74 ] 

i 

106 Thdien des Gas nur 55 Theile koUenfauret 
Gas enthalten^- und im Rackftaiide,7 Tbeile Sauer-f 
ftoffga«. Als fiO Theile mit 8 Theilen Sauerftoff« 
gas gemifcht und entzündet wurden, erfolgte ein» 
heftige Ejtjplofion , welche. das Glas zertrOinmerte» 

^ ^ • 

■.•.■•• -,-• . . -.. . 
6- Wajferßoffgas durch verdClhitite Schwefel- 

jfäure und Eifenfeil gebildet/ Als es über einem vier- 

fachln Volum Waffen 13 Monate* und xft Tage lang 

..•'.■■ . . ** -^ 

geftanden hatte« war das Volumen um 0/539 ver«. 

xnindert. . Im Rückftande erlofch ein Wachslicht 

, wiederholt und Phpsghor verminderte ihn nicht* 

Frifch bereitetes 

umgefüllt aöo , 300 '« 5«o « 6qo MaU 

gabciirtValum- ..,:.• 

V«Mmib yon 0^77.» , , 0;345 ^ ^ . o^afi , -^fS^j 
dler EuckAand dfltonirte« dumpf«r^ ' ^^uin» aiclu 

... <« ^ ip 

* * 

aas den Ver fachen Prieftley*s \s[f kan&t , £ ifiw;^ 
iCin, 145, 147« ) Dafs der Grund hieürcm nicht 
der fey', dafc da« koUenlaare Gas, um fich zu hilf 
den lind zu beßehen, etoes-gewiU^n ^tbrils an 
WalEcar bedürfe^ haben Desornaes und C].e- 
. meÄt fehrgat gezeigt, (rfa/.. 148;) üe erhielten 
. fall aile WaCTerdämpfe , die dazu gedient hatten« 
als WatTer wieder, und atmofphärifche Luft und 
WafTerßoffgas bewirkten, [ob nicht durch ihren 
Gehalt ftn WafTerdampf?] daüelbe. -^ Data .e« 
mit.dem.kohleoburen Kalke ganz eine ähnliche Be- 
wandtnifs hat, war bisher noch nicht bekannt^ 
fcbeint .aber aus dem zu erliellen, was Herr Ö e r - 
ger hier als Erfahrung in Canl^-s Fabrik anführt« 
Der^Tebrauofa, BackAeine und Kalk in d^mfelben 



[ «75 3 

Wafferftoffg9S auf trocknem Wege f durch Zer* 
letzung von Waffer in einemglahenden iFUntenlanfe. 
gebildet Ein Ballon von 674 KubikzoU Inhalt wurde 
.nitdemGasgeftilltsUnd loMitfiate und 4Tage lang 
nrit Waffer gefperrt erhalten. Das Gas.lretmfnder« 
te fich um O/I92; derRflckftand enthielt keio<&aner« 
ftofFga^ mehr und brannte noch mit gelblieherFlam* 
me» die (ich in eine blaue Spitze efldigte«. ^Dagegen 
verfchwanden von xO/SiGx KubilaöU WajQTerftöffgas» 
welche diefelfoe Zeit Aber mit Walfer in ein^'Fiächei 
w.on i4f Quadratzoll in Bcrahrnng gewetetf 'Vrareü; 
0/746^ und im RQckftande erlofch tia WttChtlicht 
2tt ivieSderhohlten Mahlen« 



Ofen tvL toremen« dürft e^lriemacfa altb in der That 
emiplehleKtwwth Cryn, ,de die Stein» di^'äödiigea 
WaHerdämpfe' hergeben. * jßinen Antfaeil fon Koh« 
lenfiLure entbindet die bloEiie Wärme etie dem kohp 
Icüalaure Kalke; doch nicht viel, unterft&tzt fie da* 
bei nicht das WalTer durch feine grpfse Verwandt^ 
fehaft Zürn ätzenden Kalke. Das iitm 'der Röhre 
sferfetzt etwas WelTerdampFi ^aflifcrAolF • dfesoxf^ 
dirt einen Theil der Koblenfilare, und dadurck 
vrird eines Theils eine noch ToUfiändigere Abfchei* 
düng der Kobleflfttarif' IMI/Olrhl, andern Theils ein 
brennbares Gas erzeugt, welches aber höchft wahr- 
fcheinlich weder reines WalCerftolfgas noch Koh-^ 
len-WafTerftoffgas ift, fondern gasförmiges Koh- 
lenßofFoxyd. (^Annal,, XIII, i340 So -wenigftent 
möchte ich mir den Hergang denken, bis genauere 
Verfuche uns über ihn mehr Auskunft geben wer« 
den. d* H. 



(/;P5;«fuilt -^ , . aop , 300.., '5oo-» looolillaM 

hatte et fich vermmd. um <vä85 » oßjS , 0/585 / 0^646 

\ ^L' igt jj * -^ • c f«!!"' küum nicht; • ^ 

Au4}H das WaiXer ftoffgaji , meint Hefr ficrger^ 
.wer4«< al£o9: wie diefQ.Verfiiche.-bewiefsOt durch 

■ * . Ar 

£jne ikrt Wablverwandtfcbaft vom Walter abforbirt^ 
aipd ebbet zu emer Art atmofpjiärifch^ Luffct zu* 
Jetst iiber g^n;; cu Stickgas g0macht.. , Wafferftoff« 
gas fey filfo wobl nicl^t chetnifcb-ein&cb, .foadeni 
«otbaltf » gleich allen yqn ihm liot^rfuchten Gasar- 

* 

^n, cie« «S^^kAoff zum Radicsal , ua4 Pci ef 1 1 e y 
ll|öge.;^;vjn|^liRecbt. haben, we^n er das Waffer fdü 
die Bafis aller Gasarten hl^te. Und zu. foleben ex- 
travaganten Folgerungen gelangt Herr Berg er» 
ü^eil er'diergftnz einfaeb^ und 4i{U»et biegende Urfiraha 
Qberfidit, • welche dis Herren ^a H ain b o'l d t 
und- 6 ä y • L ü f f a c feitdem fo - fcfadn tutwickelt 
h^beb«^ Doch wie viele der anzuftäunenden Leb* 
ren> welche unure an Wundern reiche Zeit in un- 
Jerm £|ettt^<9iland zuip yor(chein gebracht hat^ ha* 
t^en Hlphl) ülnfiji iibnlichen , und-wie viele nid^t ein*« 
4babL eiiforn folcfaen Urfprungl 



>j . 



* t > I 1 



«* 



' \ 



IV. 



■• » ~ 



C »77 ] 

I 

IV. . 

- ' tlNTERSüCHlÜNOfiN 
über die Würme^' ivelche durch die S0H* 
nenfirahlen erzeugt wird, ^ 

• 'S •. • 
Tom 

G r*ä f e n von R o m r o r d» 

(Elite Ueberfitüung aus der frant6flfcken Hmadfehfi/t vo^ 
Herrn Dr. FKimnt,jLn6Mk. *)' r 

n jeJem Falle, ^ wenn Sonne^ftrahlen die^^erflä» . 
che eines dtiokeln Körpers treffen^ ohne «arOcIc 
; geworfen zu w^fden, wird Wärme erzeugt, und 

I d^^t?/".P^^**^ v4®iJE§^.l^r^ ^b hierbei 

die ^üanl^t d^er^l^|rii]e, dii{ ^iftehtt ^er Qu^- 

r Ötitdes Liol^ts^^ \felch^s yQi;fch windet, ftopptdo^ 

, nal fey, il^^eioe intereffante Frage» die bis jetzt 

i noch nicht beantwortet war. t> 

.Wenn man die ungeheure Inten&tSt der Hitze 

bedenkt»' )^elche lieb im Brennpunkte ein^i^l^ever* 

bere oder eines Brennfpiegels äjul^ert» fo ilt ^iqan gp* 
. neigt, zu glauben, daTs die Concentration oder Ver* 

dichtung der Sonnenftrafaien, dt«' Kraft, Wärme 
{ eu erregen, vermehrt; unterfucht man aber dieSa*^ 

clie nach der Theorie , fo zeigt (ich bald , dats eine 



^ Die tttnefte lehttieithe Arbeit dei Hettii Grafen 
von Rnmford, der, alt Herr. Dr. Priedlän* 
dar mir dieCec surdbickte, Parii Au verlalTen ist 
Begriff war» d* H. 

Abm]« d. PI17U. B.a«. <c.a. J.ki|oi. St.<v M 



t ^7S ] 

folche VermebniDg unerklärlich feyn würde, ^tind 
das zwar gleichmäfsig in beiden Hypothefen, wel- 
che die Pbyfiker über die Natur des Lichts er- 
fonnen habenl Denn, wenn man onninimt, das 
Licht fey dem Schalle analog, und es durch Ver« 
fache und durch Berechnung dargethan ift, dafs 
zwei 'Undulationen in einer elaftifchen FlQffigkeit 
fich nähern und felbft durchkreuzen können ^ ohne 
ihre Wirkung utid Gefch windigkeit zu ftören, fo 
fleht man nitrht, wie Concentration die Kraft des 
I/ichts. vermehren könne. Un^ nimmt man das 
Licht für eine wirkliche Ausftrömuug, fo fcheint 
es, weil die Schnelligkeit defTelben, bei Verände- 
rung in Richtung undG^ng durch ein^Loupe, oder 
durch* das Reflectiren an dei^ Oberfläche eines po- 
lirten Körpers nicht verändert wird, mäffe die Kraft 
jedes Theilchens zur Erregung der Wärme, nach der 
Brechung. oder !ZurQckwerfung genau diefelbe feyn, 
als zuvor, und müfCe alfo die mitgetheilte oder er- 
regte Wärme in jedem Falle der Quantität des ab*« 
forbirten Lichts gleich feyn. 

Ich habe in den letzten Tagen einige Verfuche 
gemacht, welche diefer Sache alle Zweifel beneh- 
men. Ich hatte von dem Optiker Herrn Lre* 
bours zwei ganz gleiche Linfengläfer von den> 
felben Olafe, von 4" Oeffnung und xi" 6'" Brenn- 
weite machen laffen. T)ie£»Steütt ich gegen Mit- 
tag, als die Sonne ftark und klar fehlen, beide 
zu gleicher 2^it in der Sonne neben einander , und 
faeftimmtc durch zwei Thermometer oder Wärme* 



t «79 ]; 

behälter ?on befonderer iConftructioD die relativ« 
Quantität Wärme» welche in gegebenen Zeitei| 
durch die Sonnenftrahlen dn verfchiedenen Entfer« 
ouogen von den Brennpunkten [dief er . Linf engläf ev 
keryor gebracht wurde. 

Die beiden Behälter der Wärme fijld eine Art 
platt gedrückter Flafcben von Meffing, mit WaCCex 
gefallt Jeder hat 3" lo|^" im Durchmeffer un^ 
G^^VDiicke» und ift äuüserlich von allen Seiten fehr 
polirt; doch ift eine der flachen Seiten über der 
Flamme eines Wachslichts gefch war zt , und auf die* 
{er Fläche wurden in den Verfuphen die Sonnen* 
ftrahlen aufgefangen. Jeder von beiden wiegt leer 
GgSpGran Markgewicjit, und enthält 1210 Gran 
Waffer. Nimmt man nun die Gapacität für Wärme 
k. desMeffings zu der des Waffers, wie O/Xi zu x 
an, fo würde die Wärmecapacität der Metallflafche 
von 685o Gran , der Gapacität von 622 Gran Waf«> 

I ■ 

in gleich feyn ; und folglich die Gapacität des voll« 

kommen für die Verfucdie bereiteten Behälters 

Ibgrgfsfeyn, als die von 1952 Gran Wailer. Je^ 

der der beiden Behälter wird an feiner Stelle durch 

einen Gyiinder von trofikeno^i Holze erhalten, und 

darauf dujcch eine Dille befeftigt, die fich im Mit- 

täfwaüüM der untern JPläche des Behälters befindet^; 

und jeder hat einen kleipen Hals zum Einfüllen des 

Waffecs, in welchen nachher ein Thermometer ge^ 

üetzt wird, de£feo cylinderförmiges Queckfilberge- 

hb fo läng ift, dafs esdan ganzen QurcbmeUer da^ 

Behälters einnimmt. ^ 

M 2 



I I8<t } 

I 

t)ii beldeb Hefervoir? der W^rme mit ihf eti Un* 
fengläfem find in einem freien Rahiden bef eftigt, wel- 
thet naöh allen Ricbtungen durch Charniere beweg- 
lich ift, nn4 fich daher leicht nach de): Sonne fteilen 
und regelmälsig den Tag hindurch nach dem Laufe 
der Sötine fc richten läl^^ dä(s das Bild derfelben 
ftets iti d^n Mittelpunkt det g^hVrärzten Fläibhen 
de^ Behälter fällt; Damit die Quantitäten Licht ^ wel- 
che durch dil^ beiden Linfen gehen, gan2 gleich ifbyn, 
Witd yot jede eine runde Schtibe von Meffing^ ge- 
ftellt, die febr polirt ift, iindim Mittelpunkte ein 
Loch Von 5| Zoll Dutcihmeffet hat. Sind nun die 
Behaltet* in vörfchiedener Entfernung vom Brenn* 
punkte ihrtr Linfen gefetzt, to find, wie natarücfa, 
die Sonnenbilder, die auf def gefchwärzten' Flache 
derfelben gebildet[werden, Verfebieden; da aberdie^ 
Quantitäten Lichte \Velche durch die Scheiben .ge- 
hen, gleich ütidi fo wird die Dichtigkeit deffelben 
auf der Oberfläche jedes Refervoirs fich wie dasQua^ 
drat des Durchmeffers deä Sonnenbildes verhalten 
muffen, welches fich auf der Oberfläche zeigt, 

Verfuth !• In dem erften Verfuche wurde der 
eine Wärmebehälter A dem Brennpunkte feiner Olas* 
linfe fo nahe gefetzt, daf& der Durchmeffer des Son- 
nenbildes auf feiner gefchwärzten Oberfläche nur 
6^^^ im Durchmeffer hatte« der andere Behälter B 
aber fo weit vom Brennpunkte feiner Glasünfe en^ 
fernt, dals des Sonnenbildes Durchmefier auf ihm 
oft oder a4'" betrug« Da nun auf beide eine glei- 
che Menge von Licht fiel^ fo ftand die Dichtigkeit 



l m 3 

dts Uchts auf der Qberfläche^ders-Belijiltecs^ a^ 
der auf der Oberfläche dßß B.el^älters jB in dem 
VerhältpifTe vpn ai4* ' ^^ ^^^^ von ^6 : i. 

E$ fehlen m|r,*dafs> wofern die Quantität WSrme, 
welche durch eipe gegebene Quantität Licht hervor 
{;ebr^cl}t wird, ron der Dichtigkeit des Lichts ab? 
bäogigwär^, muffe bei yerfchiedenen Dichtigkel« 
tei) ^uch die Zeit verfc^ieden feyn , welche nöthig 
ift, um die beiden Behälter um eine gleiche Anzahl 
TKermometergrade zu erwärmen. Da ich indef^ 
1 ftepVerfuch me;hr er e Stunden h.ei (ehr fchöoem und 
f glinzendem Sonnenlichte um die Mittagszeit fbrt* 
[ gefetzt hatte« fanc| ich nicht, dals ein R^fervoir 
[ (ofaBeller als das andere erwärmt wprden wäre* 

Vfrfuch 2. Ich ftellte nun den Wärmel^ehälter 
^^ ideip Brennpunkte feiner Loiipe näher, fo dafs ^^s 
Sonnenbild nur 4l Linien im Durchmeffer hatte, 
lind dafs , wenn iqh es auf gefchwärztes Papier fal* 
len liefs, diefes nach zwei oder drei Secupden Feuer 
I fing. Dagegen entfernte ich den Behälter B von 
I dam Brennpunkte feiner Loupe fo weit, dafs der 
• OanchmefTer Ats Sonnenhiides auf ihm a Zoll 3 M* 
[ nien betrug. Dje Dichtigkeit des Lichts beider Bu- 
den auf den Oberflächen der Behälter verhielt fich 
folgUoh wie 3a zu i. Die Temperatur der Behalte]^ 
fo wie der atmofphärifchen Luft war im Anfange des 
Verfuchs 54° F. oder 9^°I\.; der Behälter A^ nach- 
dem er a4' 4^" im Lichte geftanden hatte, war bis 
zur Temperatur van go® F. oder sij^ Ä^ erwärmt 
worden j der andere, von der Loupe weiter entfernte 



I • 



Behälter flerreielite fchneller die Wärme von 80' , 
F., nämlich ungefähr in 03' 40". . 

Um die Temperatur de$ Behälters A bis zu 
100^ F. oder30|^R, fteigen zu machen, mufste ich 
die VcrCuche-i St. 15'. 10" lang fortfetzen i diefe 
Zeit von Anfang an gerechnet Der Behälter B 
liatte diefe Temperatur nach i St. 12' 10" erreicht. 

Folgendes ift der Gang diefes Verfnchs von An- 
fang bis zu Ende. . ' 

Eanalmi« der Temperatur. Zeit« die darauf hixiniAg. 

Von 54'' bis 80*» F- für il 24' 40'' für B i^' 40" 
80 85 7 45 7 3o 

85 90 9 55 9 ^ 

90 95 ' i3 3o i3 o 

95 100 19 20 * 19 o 

von 54' lOQ^ 75' 10" 72' 10" '; 

Dief er Verfuch wurde um 11 Uhr 7' 30" angefiein- 
gen und um 22^ 4^'' nach dem Mittage, bei dem 
fchönften Wetter , geendigt. 

Vergleicht man die Refultate diefes -VerfuchSf 
fo zeigt Cch, dafs der Wännebehälter ijf ^ der dem 
Brennpunkte feiner Loupe fehr nahe ftand, langfa- 
mer als der von dem Brennpunkte feiner Loupe weit 
entferntere Wätmebehälter JB erwärmt wurde, dafs 
aber die Verfchiedenheit diefer Erwärmungszeiten 
HUT fehr geringe war, fo dafs fie fich erklären läfst, 
ohne dafs man annehmen dürfe, dafs die Verdich« 
tung des Lichts irgend einen Einflufe auf die Eigen- 
fchaft des Lichts habe , Wärme zu erregen^ 



[ l«3 ] 

. V^rfuch 3« In den beiden TOrigen Verfucbcnf 
waren die Sonnenftrahlen, die den Behälter 'trafen, 
eonvergirend , und das f(hr beide Behälter. gleich. 
Um nun auch zu wiffen, ob parallele Sonnenftrah* 
lea diefelbe Kraft haben, nahm ich die Löupe von 
dem Behälter B weg, und liefs die Sonnenftrahlen 
unmittelbar auf die fchwarze Fläche deffelben fal« 
len, durch ein rundes Loch, welches 5i Zoll Durch« 
mefler hatte, und fich in derfelben Meffingfcheibe 
befand, die vorher gebraucht worden war. Der 
Behälter if wurde wie zuvor hinter das Linfenglas 
geftellt , fo dafs auf ihm ein Sonnenbild von 6 Linien 
Durchmeffer entftand. 

Als ich diefen Apparat in die Sonne gebracht 
batte, fand fich, dafs der Behälter B fchneUer als * 
der Behälter Ay der hinter der Loupe war, erwärmt 
wurde. Im Anfange des Verfuchs war die Tempe- 
Tatar der Atmofphäre uüd des Apparats 55^ ^* oder 
9? ® R. Um bis zur Temperatur von fto'' F. oder 

:2i|^ R.ZU gelangen, bedurfte der Apparat ^25^ 3<>^^t 
dagegen der Behälter £, der der Sonne ünmittelbai; 
auSgefetzt war, nicht mehr als i8^ 3^^^; und 4im 
bis zur Temperatur von loo^ F. oder 3o|®R, zu 
kommen, bedurfte der Behälter if i St 3^, der Be« 
hält^rB aber nur 47' 15". Folgende Tafel zeigt 
.den Gang diefes Verfuchs. 



I . 



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Zeitj^ die üarfuM4qg)iig« 


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8i< 36'< * 6?i' ato** 

I3|a ei]|i betrJicbtUpher T^eil des LicbtSi^ der aiif 
^leLoupe ypr cl^ip Beh$[lte:|: ^f fie^ j^ h^\m J^^urcl^ih 
ge durch diefelbe verloren g^ng^ fp iPufste ii«ijtür« 
lieh die Quant^ä* Wärme, welche der Behälter if 
in fiich^ufxiahm, kleiner feyn, als die, wotbhe in 
dejrfelben Zeit der Bebälter B ^nnabm« ünql, alfo 
letzterer fcbneller als erfterer. erwärmt werden; da 
es iadefs nicht bekannt ift» w^e v^^l laicht hAim 
Durcbgapge durch die (iOupe verloren ging^fo entr 
icheidet diefer Verfuch nicbts^ Qach ih der Un: 
terfch^ed in der Schnelligkeit des Iplrwai^mens nidit 
gering^F, als man ihn lediglich von dem Unterfchie« 
de in den Ou^ntitätei^ Licht , die auf die beiden Be^ 
bälter fiel^^ erwarten mufste. Folgender Verluch 
iSt dagegen völlig entfcheidend« 

Verfuch 4* Ich fetzte die XiOupe vor deoi Be« 
kälter B wiedqr eii), und fte^lte fle fp, dafs ihr 
Brennpunkt jeafeHs de« Qehälter3 fiel, und dafs das 
Sonnenbild auf der g^fcbwärzten Oberfläche x^^iin 



t »8« ] 

hatte. . Den Behälter il ftelhe iobda^ 
gegen hmter den Brennpunkt leiner Loupe, fo dafi{ 
auf ihn ebenfalls ein Spnnenbild von x^^ Durchmef<> 
Ter £ieh So waren folglich n^cht nur die Quantitä«» 
ten y {bnderj^ auch die £|^chtigkeiten des Lichts in 
heid^n Fällen diefelhen, und aller y^etrfphied in 
d^i^ Rtful^ten dei^ Verfuchs kannte b}o(s dadurch 
«atftehen» dais in dem einen Ealle" das Sojrmanbild 
<iurch eonvei^irende» in dorn andern durch diver* 
girende Strahlen gebildet wurde. Wenn die paral^ 
1$len Sonn^nftr^hlen.Wärine minder wi^kfäm als die 
qp^vergir enden erregten, fq mülsten die d| vergib 
reiideii 5trahle;i fich hierin noch weniger wir^cfam 
üls die parallelen S.trahleu zeigen. AUeiii^ ob ich 
gleioh den Verfuch mit aller möglichen Sorgfalt an^ 
fteHte, fo habe ich doch nicht den inindeften Ui^-* 
terlbhied in der Wärmeerregung in beiden Beh^I-^ 
te^n wahrgejpominenst viri^ in^n das ans folgender 
T?h?Hci erficht^ 

. Zunaliin© roit Strahlen, die 

der Temperatur, <livergirten conTer^rtex^. 

TPn 6q* bis 65rF. 4' 5o'^ \' $o'< • 

6.5 70 4 5S 6 — 

75 80. 6 i3 6 25 ' 

ypn ^o« bis 8o^F, ^^' 25" ^1' %of\ 

Hieraus kann man den Schlufs ziehen, daß dh 
QuamUüi Wärme y welche durch die Sounenfirah* 
Icn erregt und lynigetheih wird, i^nter allen Umr 



ftUnd^n der Quantität, Uchc gleich ißV die ver* 
fchluckt wird.*) 

^) Der Tortreffliche N«tarforrcber,jpem wir dpLeCe 
(ehr fchätzbaren Verfuche in einer der unbekann- 

^ teilen Regionen der Phylik rerdankep. In wei- 
cher er mit unermüdlicher Beharrlichkeit Aets auf« 
neue av^ Entdeckungen ausgdit, -^ erlaube niir 
hier, <len Zweifel zu äuCsern, ob i^ufeh dieCer 
letEte Satx nicht in einer zu.'grolsen AUgMnwn* 
heit ausgedruckt fey« Unter allen Umftätiden [pH 
die, Wärme, welche entßeht, dem So^nnenlick^ 

. . te^ das Terfchlückt wird, proportional feyn. Licht 
und Wirme gingen hier aber Sets ijurch ein Me- 
dium gleicher Art, nämlich durch weifses Glas toh 
einerlei Befchaffenheit, und fielen auf eipe Ober- 
fläche gleicher Art, nämlich auf polirtes fiark |(e* 
rchwäijpztes Meffiiig. Nach Herfchers Ver. 
fucheii über den Durchgang und die Zerftreuung 
des Lichts und der Wärme durch farbige GläCer und 
an Oberflächen anderer xKörper, ^Anhalen^ XII^ 
535, 544«) I^cheint es aber, daCs die Mengj^ Ton 
Licht und die Menge yon Wärme , welche fie, 
wenn Sonnenfirahlen durch lie durchgehn, zurück 
lialteii, einander keipeswegs proportional findt Sehr 
möglich, dals das blofser Schein ifi ; müfste aber das 
nicht zuvor durch eine Wiederhohlung der lehrrei- 
chen Verfuche des Herrn Verf. mit farbigen Glä- 
fern dargethan feyn , bevor wir den Satz unter lal- 
len Umftänden als wahr annehmen därfen? d. H* 



«■ 



[ «87 3 



« 



• V. 

Ueber die Varietät des CorindonSy Wel 
che man Afterie [Sternftein] nennt, 

▼ on 
H. H A « Y. ♦) 



•tj: 



Dter den durchfichtigen Kryftallen des Steins^ 
den man in Deutfchland Saphir nennt, und den Hr. 
flaQy aptsLugs Teleße genannt hatte, den er jetzt 
aber für eine Varietät des Corindons hält, *^) kom- 
men einige vor, die ein befonderes Lichtfpiel zei« 
Ken, und delsHalb von den Liebhahern feiner Steine 
«Is eine Curiofität gefucbt werden. Diefes Licht- 
fpiel, welches in phyfikalifcher Rüokficht die Auf- 
merkfamkeit mehrerer Naturforfcher auf fich gezo- 
gen hat, befteht in einerArt von Stern aus fechs 

^\ Aus der von dem Herrn Verf. für die Annalea 
, . mitgetheilten HandCcbrift überfetzt. d. H. 

**) In feinem Traiti de Mineralogie hatte diefer Na- 
turforfcher Cch begpügt, T. 3, p. 6 f., die auffal- 
lenden Aehnlichkeiten. diefer beiden Subftansen 
nachzuweifen ; doch^ hatte ^ er geglaubt, lie noch 
nicht in eine Art zufarnnren ftdlen zu dürfen, we- 
gen zweier Schirierigkeiten, deren eine auf der 
Structur, die andere auf der Kefractioid beruhte. 
Da indefs neue Beobachtungen diefe Schwierigkei- 
ten gehoben haben , fo trägt Herr Ha ü y kein Be« 
denken mehr, diefe fchon vermuthete Vereinigung 
in dem.Syfteme vorzunehmen« d. V^ 



c m j 



; • 



StfäTiren »'von zurück geworfenem welfisHchen , «a- 
•weilen bläulichen oder röthlichen Lichte, welches 
fich auf gefchnittenen Stücken diefes Steins zeigt» 
wenii m^ti fie am Liclite hin und her b.^wegt» wo« 
hfer d^p Name Afierie [Siernßein'] rOlirt» unte^ 
dem fie bei den Steinhändlern feil zu feyn pflegen, 

Herr Haüy'beme|fkte,^ als er ihrer mehrere 
unterfuchte, die regelmäfsige fechsfeitige Prispieii 
mit polirten Grundflächen (polh ä Vendroü de 
leurs ba/bs ) waren^, dafs das zurflck geworfene 
Licht 7om Mittelpunktet jeder ^afis ausgeht, in den 
Kichtungeo cfe, cäj ^g^ . • , . fenkrecht auf die Sei- 
ten des Sechsecks, (Taf.II; P>g-30 Sje waren 
in den verfchiedenen Prismen von verfoKiedonem Aa- 
: fehen. In einigen beftänden die Strahlen des Steross 
* aus blolseti Fäden ron Licht; in andern waren eis 
ganae Lichtdreiecke, wie Fig. 3» fie darftellt, fa 
dafs vielmehr die dunkeln Theile an der Stelle d^ 
Halbmeffer des Sechsecks crt, cdy cF.»\ als ftrah- 
lenförraige Streifen e^fchien^ii, 

!ßei c(e^ ErHl^lrung diefes Phänomens geht Herr^ 
Haüy von ein^r ^ei^erk^ng aus, die er bereits an 
einigen andern Mineralen, die von . regelmafsigev 
IStruotur , d. h., im Zuft^nde eigentlicher Kryftalli- 
fation find , und das Licht fchillernd zurück werfen, 
gemacht hatte ; wohin der Cymopjiane ( Chryfobe* 
ryll) undderFddfpath mitPei{lmuttergIanz>den man 
Adulax nennt, gehören. Ihr zu Folge rühren die* 
fö Lichtreflexe vqn feinen Unterbrechungen im Ge- 
webe des Steines her, die fich in der Richtung der 



£ »89 1 

uatflrlicihefi AblöfuDgen (Joints naturels ) befinden» 
und bei der Structur» fo ,211, fagen, in der Ord- 
nung find* 

Auf den erften Anblick fcheint e£,< das PhSncH 
men des Sterns im Sternfteinit (Aßerie) ftehe mit 
det Indicatioil d^r Form im Widerlpmch» indem 
man geneigt ift» 2u glauben , .dje Licbtrefiexe, wel* 
che den Stern bilden,» müfsten in dieHalbmelTer des 
Sechsecks fallen , ftatt dafs ihre Richtung nach dem 
IVIittelpunkte .der Seiten ge/ht. Es ift die Frage» 
T^arum die phyfjfche Erfchejnung nicht mit der geo- 
znetrifchen Anficht dte . regulären Sechsecks har« 
xnonirt« 

Herf Ha.ay hat» als er die Richtung derStrah* 
Jen mit der Lage der natürlichen Fugen zufammen 
hielt» ^zwifchen beiden eipe XJebereinftimmung ge-» 
funden» welche die Art vonParadoxie, von der wir 
hfier geredet haben» verfchwinden macht. 

Die Urform (forme priniuive ) des Corin- 
dons ift ein etwas fpitzes Khomboid» (Fig. /f,) wel- 
ches in das regelmäßige fechsfeitige Prisma vermö- 
ge einer Abnahme durch einfache Reihen rhomboi* 
dalifcher fubtractiver Molecüls auf den untern Räh« 
dern/pj pkj , . . übergeht.*) Es fey adfhkm^ 
(^i'g* 50 ^^^ ebener Querfchnitt des Prisma, fenk- 
recht auf der Ach fe Ats Prisma, der» um die Sa- 
che einfacher zu machen» durch einen Punkt gehf» 
Tirelcher ein Drittel der Achfe des Kern^ abfchnei* 

*) Trüitd de Mineralogie f T. 3) ?• 5« W. 



d6f. iSs feilen dann die Seiten des gleichfeitigen 
Dreiecks^ /^ jfe tnit den liorizontalen Diagonalen zu-i 
fammen , welche in Fig. 2 mit denfelben Budiftaben 
bezeichnet werden; die kleinern Dreiecke exi^^ 
e^u, • . . (Fig. 5f) fi^d analoge Durchfchnitta 
der fubtractiven Molecfllen ; und folglich ftellen die 
l^äume/qg\ gjfh . . . in einer horizontalen Pro- 
jection die Cannelirungen dar, welche durch die 
abwechfelnd herein und heraus gehenden Ränder 
der abiiehmtaden Lagen (bords des lames decroiß 
fantes) gebildet werden. 

' Nun ift es fehr evident, dafs die natürlichen Fu« 
gen zwifchen den kleinen zufammen gefögten 
Rhomboiden den linien ee, cgj c-i, . , . entfpre- 
chen , welche von der Achfe des Prisma nach den 
Mittelpunkten det Seiten des Sechsecks laufen , in« 
^ defs es in der Richtung der Halbmeffer des Sechs« 
ecks keine Fugen giebt. Man begreift folglich, wie 
die Lichtrefiexe, welche von den kl ein e^ Trennun- 
gen', die fich an der Stelle diefer Fugen befin^Len, 
und vielleicht von irgend einer heterogenen Mate- 
rie, die fich in diefe Trennungen hin.ein begeben 
hat, ( gut f*eft introduUe dans ces fsparations^) 
abhängen , — * in Richtungen , parallel mit den Li- 
nien c^, cg-, ci, . • • erfcheinen muffen. Sind 
die Urfaohen des Phänomens nur von geringem Ein- 
flüffe, fo zeigen die Reflexe fi.ch nui; durch einfache 
Lichtfäden oder Lichtftreifchen, weiche Vorzugs- 
weife in diefe Linien fallen, da lie in der Mitte zwi« 



E «9^ I 

^hea allen andem liegeD>:di(d>fen)crechtiii]f deoi SeU 
ten ftehii. In dem Grade, vfit diefe Urfaohen fich 
wirkCam er. zeigen, werden die Lichtreflexe fich 
inehr dem Anfehen vtin Drcäecken nähern,' die aue 
Elementen, die mit den Linien ee, cgy ci^ i .. • 
parallel laufen, beftehn, wie man das inVig.i fieht./ 

Diefes würde fo iricht feyn'^ wenn der Corindoh 
das regelmäfsige fechsfeitige Prisma felbfb zur Ur- 
form hätte. Dann würden die natürlichen Fugön; 
und mit ihnen die Lichtrefiexe vom Mittelpunkte 
nach den Winkelpunkten der Grundfläche gehn. *y 
Daffelbe würde Statt finden, wenn zwar das Rhom-: 
bbid die Urform wäre, das Prisma aber daraus ver- 
möge einer Abnahme von zwei Reihen auf den un- 
tern Winkeln //?*, /ra, ktaj (Fig. 4,) entftOn- 
de, denn dann würden die Seitenflächen des Pris- 
msL den Linien giy 1/, //i, , . . (Fig. 5») ent- 
fprechen , und die Lichtreflexe in der Richtung der 
HalbmefTer cgf ci . . .des Sechsecks gilnbe 
erfcheinen. 

Die Erklärung, welche Herr Haüy von dem 
Phänomene des Sternfteins hier giebt, verdient aua 
einem befondern Grunde die Aufmerkfamkeit der 
Mineralogen. Man weifs , dafs fchon die Lichter* 
fcheinungen bei der doppelten Refraction des Sa- 
phirs (Telefie) diefem Naturfqrfcher einen^ Be- 

*} Traiti de Minermtogit, T. 1 , p. 94, Fl. V, f!g.4o. 



weisgründ fiir die Identität des Säphifs mit dism Co- 
riadon an di^Hend gegeben hatten; hier fehn wir. 
^e noch auf eine, andere Art die Vereinigung diefer 
beiden Minisralien , TemulldUfc eines Spiels 2urück 
geworfenen Lichtes beftStigen» welches darauf bin^. 
weift) dafs-die Urform des Saphirs vielmehr das 
Khomboidy . als das regelmäfsige fechsfeitige Prisma 
ift) wie er das zu einer Zeit angenommen hatte^ 
als die Seltenheit der KryftaUe diefes Edelfteins es 
ihm noch nicht erlaubt hatte ^ ajle Beobachtungen 
anzuftellen» welche^ nöthig waren » um die wahre 
Structur deilelben zu bestimmen. ^ *> 



I . 



• I 



VI. 






C »^3 3 

Vi* 

1» Ä O F iL 

t 

d^^ ätp^ngehirges zivifch^n Wi&H und 
Triefiy und von Trieft bis Salzburgs 

itius deh R^if^beöhächlungen 
Otbi Ob. Bergf. KARSt]£)9 in Berliq^ 

im Septit i8ö4« 

VV^ictii äöti6 ciei PÄaftei^s vor dter St. St** 

jpH&nskirch^ über dem Meere 45t pair. FüCi» 

nach deni Von Antoü Pilgtam iahgegöbeneti 

VieljShHgehMitkelftatide döÄ Bäirötntters Ö7" 8'",l» 

tiad d^t voh "toäido und ChihiineÜo be^ 

Stimmten Mittlern ttöhe von sg^' t'^^/9 in den vd« 

iietiahifbhen Lagüitedi 

Nach cdt-ri^rpondirMdett B«bbachhmgfcn d)5S Pttt^ 
ferrol-a Hüth ih Frankfurt liegt par. Pufs-. 

das zweite Stö^k d%$ tdeifi^n Ochfen b Wi«fi ^ über 

Prapkfurt 366 

it ObiTervatoriukti des Hierrh Hutk über l^ank^ 

furts Pflafter 64 

in Pflaßer übf r dct* Öftf^e . - .,>^. ittft 

Höh^ des weiben Ocblen über d^th iA^^r6 54'o 

Das zweite Stock d^s Weitsen Öcfafon ift ab^^r über 
dem Pflaßer Von St. Stephan etwa ewifehta 40 
und 5o Fuls erhoben 49 

•" - ■ ~ ; . . ■ . • ^ 

jj^Aber das P&aßer vdü St Steptiän übeir Atta Meere» 
nach frankfurter Beobachtungen 49$ 

Aaiai|4ePbyak. B.%^. Sui, :i|i8o5t SU64 K 



C »94 3 

t 

«ICo 44 Fol« mehr als nach dem mittleni.BMrome-' 
terßande. 

WenB man hingegen | nach den in der wie- 
ner Zeitung fortdauernd bekannt gemachtem me- 
teorologifchen Beobachtungen auf der wiener ^ 
Sternwarte, die dort angegebenen Barometerhöhen 
mit gleichzeitigen am iidriatifchen Meere ^er-. 
gleicht« fo folgt daraus die Höhe des Wiener Ob- 
tervatoriums über dem Meere par. FuCs 4o3 

und da man den Beobachtungsort auf der Stern- 
iTirarte ebenfalls zwifchen 40 bis 5oFu£s über dem 
Pflafter Yon St. Stiephan rechnen kann, £0 folgt 
hieraus Höhe des Pßaßers von St. Stephan über 
dem Meere 3Sfl 

OBpenbar viel a^u wenig. 

Es iß aus dieCem Grunde zu vermutheui dafs 
die beiden Barometer, das auf. der wiener Stern- 
w^arte und das bei den folgenden Beobachtungen 
gebrauchte, nicht correfpondirten; dafs man daher ' 
allen gefundenen Höhen ungePäbr '90 Fufs zufetz en . 
mufs, wenn iie unier Wien, und abnehmen muTs, 
'^enn iie über Wien liegen^ um fie der Wahrheit 
^ näher zu bringen. . — Auf diefe Vorausfetzung find* 
die folgenden corrigirten Höhen gegründet, 

* Baden den 24ften Sept. 7 Uhr Abends. 

Correfp. Beob. Corrr 

fearom. freies auf 4er wiener ^^^® ^'**' tioh. 

corrig. Therm. SternM^arte. . dem . über • 

, Barom. Therm. ^'*"* Meere. Meer« 

327'"/74 6'^ 33o'",73 8*» «32' 728' 638 
Völlige Ebene von Wien aus. Rechts die Mö< 
Imger Berge. Der Calvarienberg bei Baden die, 
eer lichter gelblich^ grauer Kalkßeiriy faft eben i\ 
firuche; mit'Kalkfpathtrümmern ; Stireichen b. 7, 



►. 



. - 



^ > 



C 195 3 

Bis Nenftadt Ebene, am Fulse diefes Gebirges 

fort; und .gleiche Ebene zwei Stunden weit über 

Candskirchcn und Walpersbach, nach 

S ch auerleith. Rechts die hohen glänzenden 

Kalkfielfen der Wand, in denen drei Fufs mächtigt 

Peckhohlen gegraben und ftark benutzt werden. 

Nahe an Schauerleith ftatt der vorigen Kalk« 

fteine nur'Gefchiebe von Ufgebirgsarten. Dann, 

das mächtige Braunkohlenflötz. Zuerft unreiner 

grauer Letten, 3 bis 4> auch 6 bis 8» j^ 14 bis 16 

I^achter mächtig; dann das Braunkohle nßötz 2 

^^cbter; dann die Sohle : dickfaferi^er Gneifsy mit 

vielem Feldfpath, hier Granit genannt. So früh 

kommen fchon die Urgebirgsarten unter der Kalk* 

kette hervor! 

Neunkirchen den äSften Sept. 8 Uhr Abends. 

Correfp. Beob, ^ Corrig. 

Barom. freies auf der wiener «ooe u er HÖhi 

corrig. Therm. Sternwarte. VTien. ^*™ überd. 

' Barom. Therm. ' 'Meere. Meer«. 

325^ 7 334.38 8 656 ii5a 106a 

Von Nfeuftadt aus, Millionen Kalkfteingefchiebe 
unter der Dammerde: Nagelßuh. Sie bildet die 
Felfea , auf denen Neunkirchen fteht. Hornblend- 
gefteine find unter den Kalkfteinen feiten. 

.Sohodvjrien den soften Sept. ii Uhr früh. 
319,69 9 334/95 9/5 »«98 »694 >6o4 
Bis nach Glocknitz hin, mächtig anftehen- 
de NagelHuh. In Glocknitz .felbft erfcheint 

N % 



t i96 J 

'(jrneifsi th kaum vier bis fechs Zoll xnäcBtigän 
Schichte»> h. 4; Failön 5b® gegen NotdWefi. tk 
gifebt treffliche Platten. In dbn obern Bänl^en find 
Qüar:^ uild Fddfpath' Überwiegend^ iii deti üntöi^iat 

Glirtitheir* 

Zwifchen Glocktiitz üttd dem Blaufarb^nwdrk 
Schlegel mahl aii der Sbhwarzäch , ein /plittri- 
gek Kalkfiimy mit kleinen Drufön und Quarst- 
ksmern. 

Vor SchödWien trefön hohä^ pyramidale 
(Alp^n*) iCa/^j^em-Peireii nahe zufaminen. Inder 
Näh« folleh zwei Steinkohleiißöt^^e zu Tag« üusge^ 
hen und liegt £^inkörkiigi(ir iVeifset 6yp^ auf dem 
KälkftÄirt. ^ ' 

Semmöringi Pafs, den äGften Sept. s U. Abends. 

CbrreFp. B^obi . Corrig. 

Barom. freU auf der wiener ^*^^* "^°' Üöh« 

irorrig. Therm« 6tcrnifrarte. WiAi. *^®°* überd- 

Barom, Theriiik Meere. Meere* 

3o3,98 . 6>5 ä35,55 n,25 2538 3o34 &944 
Am Fbfse di48 Paffes dichter Kalkftein; dann 
Nagelfluh ; dann dunkel- bläulich-grauerKalkfiein l 
danil auf der Höhe des Paffes weit ausgedehnt 
Quart y auf den Abldfungen mitOlImmer; ein fon- 
derbares , aber wahrfcheinlich primitives Geftein/ 
Fallen gegen Nordweft. 

Marzzufchlgg d. izoften Sept. 4 Uhr Abends. 
3i5 8 335/2 II i533 2029 1939 
Vom Semmering herunter häußg wieder dich- 
ter Katkftein am Wege. 



I 

Neubergy den 26ften Sept 7UhvAb«nd$» 

Btrom. freies Auf der wiener '^^^^ "^"' H<ih# 
forrlg. Th^rm. Stemwarteb «ly. dexi^ fiberd. 

Pjupcmi. Tb^m.! **"' Meere. J Mfer«. 

313,63 64S 334^63 10 1798 2294 2|2o4 
2wei lyieilea aq der Mürz hoher hinauf.^ Im 
ly^Cirzthale koipi^t der Ginelfs häftfig a^um Vorfchein» 
wird ^be.r gleicl^ häufig von weifierii, gelbem iiqd 
grauepi dicht^tt Kqlkfieine wieder verdeckt. Noch 
lireiter geigen Mürzfteig nur difih(;ej[ Kalkßein^ 
ifabellgelb und fchw^f zlich * gi?au ; auch weiCs und 
ockergelb geftreift. Streichen h. 6 bjs 7. Fal)ep 
bald pach Norden, bald gen Süden. Zuweilen 
im Kalkftein Witherit und Lager yö^ Spatbei«, 
|e.D(^ein. 

'^ri\cH an. doiK Mu^rj den aSften Sept. 7U. fr. 
^1,6 « 334,3 8,5 987 1483 1393 

Xieobc^n im Muhrthale den i^gAen Sept ix fr. 
319/79 9 334/58 '9 lifo i658 i568 

Im Tha^le herauf n^ur Oefchiebe von Urgebirgs* 

''•»■■ ' ■ ■ , 

arten 9 Granit , Gneifs, Hornbkndfchiefer.' 

-V ordern herg, den sgften Sept 3 U. Abends. 
3o«,86 6 334,9«. «»/* a»»«» »SK «496 
Nicht weit von Leoben> bei dem Kapuziner^», 
klofter, der Müaaeberg. Sein Fufs ift iü/i/i* 
/chiefrtger Gnetfs, aus fchwarz^em Glimmer, paüfeh« 
wcifeem Feldfpath und g^au,lich - \feifsem Quarz j 
danxr dichter K^ßlkßeiiii dapn Qonglomerm ^ tfÖX 



i 198* 3 - 

vielen Briichftöckeri von Gneifs; Schief erthonTehr 
^mächtig mit 3 bis 4 Lagen , inwendig grauem Thon-* 
eifenftcin; dann ein Flöt^ von PtfcÄioÄte , fehr ver- 
fchieden, i bis 5 Lacbter mächtig. Streichen h. 5> 
Fallen 43 Grad Nordweft, dann Brandfchüfer^ 
grauer Schiefer thon ; endlich Lehm und Sand. 

Bis Vorderrtbcrg alle Spitzen dichter Kalkft^iny 
der ftets nach Norden fällt. Am Bach fcheint 
Thonfchiefer hervor zu kommen. In Vorderhberg. 
felbft, dem Leobner Ofen gegen über, ftreichttfet 
graue fplittrige Kalkftein h. 8/4; fällt 30 Grad ge- 
gen Nordofi. 

Pafs Prepihel den 28rten Sept. 5 Uhr Abends. 

Correfp. B«ob. ^ Gorrig. 

Baroni. freie» auf der wi^aer ' ^^^® ^'^'^ .Höh« 

corrig. Therm. Sternwarte. VViea. ^®"* uberd. 

Barom. Therm. ' Meere. Meere. 

. »94,7 » 335,2 9,5 323o 3726 3636 
Ueberair Kalkftein ausftehend; Streichen h. 
6, 4) Fallen 4^ Grad gegen Süden. Der Pafs 
.fcheint höher» >vie die nördlich gelegene Schnee- 
alp. ^ Der nördliche i!^l?fajl des Berges ift viel ftei- 
1er, als der föidliche. 

Eifenerz den- 28^^^^ Sept. lO Uhr Abends. 
3i4,6i ^ 335,96 8,75 1670 21 66 2o56 

Eifenerz den 29ften Sept. 8 Uhr früh, 
'3i4/6i o^ 335,96 7/75 1646 2140 2o5o 

Eifenerz den iften Oct lo Uhr Abends, 
dl 2^36 7,5 333,17 10,5 1657 **5i 20^1 



\ . 



C ^»99 1 

^Der Erzberg dichter Kalkfteiri mit mächtigen 
Lagern vop Spatheifenftein. Immer noch' h. 6 Strei- 
chen , aber das Fallen bald gegen Norden » bald 
fadwärts. Gegen über Hegt der Thuleggfir Berg, 
an deffen Fufs und im Thale unter Eifeiierz, 
Glimmerfchiefer f von grQnlich- grauem, fortfet- 
zendem Glimmer, und weifsein feinkörnigen 
-Kalk, Darüber y und bis auf der Höhe des Berges 
Porphyr 9 von einer grünlich -grauen feinfplittrigen 
HauptmalTe ven dichtem Feldfpath; darin Feld- 
fpath* und Quarzkryftalle. 

^wifchen Eifenerz und Hifelau an der Ens^ iXhet" 
gUl dichter Kai kßein 9 mannigfaltig gefärbt , an den 
'hohen, (teilen, faft fenkrechten Felfeh. Der Leo- 
pojdßeiny am See gleiches Namens, eine glatte 
Kalkfteinwand von wenigftens 3<^o Klafter Höhe. 
Im Ensthale unter Reifling üad die nähern 
Höhen unter den Felfen, loo Ms 200 Klafter vom 
Strome in diö Höhe, aus Nagelßuh gebildet; Stücke 
von Kopf- bis Hafelnufsgröfse. Streichen des Kalk- 
fteins zwifchen Reifliug und Hifelau, h. 8» 4* 
Fallen 30 bis 40 Grad gegen Nordoft. Auch im 
Laffathale bei-Altenmarkt liegen hohe Schich- 
ten von Nagelfluh an und auf dem Kalkfteine. 

Hier ift alfo die wahrq.^ ausgezeiehnete Kalk-- 
kette ^ mit der falzbij^rger und der in Oberöftreich 
zufammenhangend. Sie ift bei Altenmarkt 
von der Ens durchbrochen , läuft dann nordwärts 
der Salza fort, {Garns und Z^ller^dlpeny) tritt, als 
WienerWalden inünteröftreicb ein, und endigt fich 



t 800 3 

init cfein Callenberg. Üas ganze Gebirge zwifehen 
^er Muhir und ddr^Ens, zwifchen der Mürz 
vnd dex Salz 9 ift die y^rbinduDg zwifchen der - 
primitiyep Qentralkette und der Kalkkette: Uebexv> 
cangsgehirgsarten, ode?- Thpnfchiefer und Porphyr^ 
hi^V 9uf di^Q.Höhep noch yom <}ichteq Kalkfteiii ba^ 
deckt, der beinahe an die Ceptralkette Vordringt» fo 
wieauc^ die primitiven Gebirgsarten iQ diefem mitt* 
lern Gebirgszuge häufig wieder hervor kopiinw»~*^ 
Per S.(?mmering führt in der That über keine 
Gebirgskette weg, fondern es ift eiq Co/a der die 
primitive Kette ^ füdUch der Mürz mit dem mittlem 
Gebirge verbindet. Das primitive C^ntralgebirg^' 
55wifchen St^yerrp^rk und üngilrnlft vqa der ^luhr 
^wifchen Brück ^nd Fronleite^ durchbro- 
eben, und I^uft (üd^ch c{er ^\x\\x Weiter gegei^ ä!\^ 
Tauern,^ 

Pafs Prepihel den aten October J Uhr früh. 

Corr^Fp. Beob. „ Corrig. 

B^ram. freiem auF der wiener ilone UD9' Höh« 

Co^rig. Thercji. Scernw^rtß. Wien. ^^™ vb^r "d. 

£>arom. Therm, 'iUeert, Meerf. 

^9^,^ 4/5 • 33341 la 3203 8699 3609 

Vordernberg, Löwe, den qiten Oct. gÜhr fyftji. 
3a8,i 5^75 333^1 iQj aoap 25 16 2426 

ti e Q b e n , I^Am.in , den aten Oct. 8 Uhr Abends, 
9^8/7 9 333^6.1 i3 :^i94 i^go i5po 

r 

Kr^iubat, Poftji den 3ten Oct. 8 Uhr früh. 
3*6/2 6 333^ »»^75 1399 1795 1705 



l «Ol \ 

I . / 

\ • 

"Am liaken Ufer der Muhr kömmt 'der Crneiß 
häufig hervor. Er ift granitartig; fchüner niilob- 
lfirei£ser Feldfpath, und hlafsbläullch- grauer Quars 
in Menge. Vor St- Michael iind vor Kai- 
fersberg ftreicht er h. 2, 4> fällt ,qo Grad ga- 
gcn Nordweß. Kurz vor Kraübat ift er feldfpath- 
reicher, ftreicht h. 3, umd fUllt nun 70 Orad ge- 

Juden bürg den 3ten Oct. 3 Uhr AbeQds, 

Correfp^ Bepb. Corri|^, 

Baiöm. Irei0f ,^uf der wiener ^""^^ "^^ Höhe 

f^fMPTHh TlieiiOt Sternwft«te. ySTitB. über d. über ^. 

Barom. Thenp* Meere, IV^^er^. 

Sil 1« 333^74 16 ^869 1^358 s^b8 

Bei St. Lorenzen Felfen yon grönlicb^ 
ichwarsiem $erpeni(/ißem, mit fehr viel einge^ 
inengtem, rn^t^ilUßrenden Shharagdit, \Veiterhii:^ 
^ird das Thal fo .breit, dafs bis Jud^pburg an- 
fteheod Qeftein im Th^Ie felbft nicht mehr vor- 
|commt. 

Uqz markt den 3ten Oct. 10 Uhr Abends. 

3i<V76 7/6 ,333,65 11, 75 i832 2328 2«38 

Wahrfcheinlich eine nicht hinlänglich genaue 

Peftimraung, — Jier Gneifs kommt wieder h§vi- 

€g hervoir, Auf den Spitzen der Perge leuchtet 

p:alHfte|n, 

Klagenfurt. 

8S7 i353 

Bei Scheifling am Unzenberge, öoch im 
Muhrthale, Glitnmerfchiefer mit Oranaten, wel- 



lenfqrmig-fchiefng; aus vleliBm grauen Oaarz^' tind 
breiten , grünlich - grauen Glimraerblättern. Bei 
Akra Dorfe Bergauf die gröfste Höhe der Strafise 
über diefe Kette. Jenfeits, dem Eber Ifchrofs 
gegen über, bläulich ;• grauer Tkonfchiefer y mit 
Chlprit gemengt, h. ii, mit ftarkem Fallen nach 
Weften. Diefer Thonfchiefer ift durchaus fortfet- 
zend, über Neumarkt bis nach Fri^fach. 

Bei Frief^ch viel Glimmerfchiefer mit Spu- 
ren von Chlorit. 

Bei St. Veit am Mühlgraben der Stahlhäfn- 
mer des Bar. v.Kaiferftein, dünnfchiefriger Gtieifsf 
h* I mit 05 bis 30 Grad Fallen nach Norden. Wei- 
terhin Glimmerfchiefer mit Chlorit. 

Kirfcbenteuer, den 7teii Oct. 8 Uhr früh« - 

Correfp. Beob. . Gorrig. 

Barom. freiet auf der wiener ^^^® "^^^^ Höhe 

\corrig. Therm. Sternwarte. Wien ^^^ überd. 

Barom. Therm. ' Meere. Meere. 

320/t 5/5 335^28 11/25 1188 1684 i5^ 

Pafs Loibl den yten Oct. x Uhr Abends. 
091 5,5 334,95 i3 3624 4120 4o3o 

Am Pafs herauf, über tiefen Thälern , dichter 
^alkßeiriy gräulich- weif s und blafsgelblich-gr^u, 
fchön fplittrig, feiten qtwas fchimmernd. Eichen 
gehen zwifcben Lerchen und Fichten in Menge bi§ 
zur Höhe des Paffes, 

St. Anna, füdwärts des Loibl, d. 7. Oct. 3Ü. Ab. 
312^97 6/5 334/79 >3,75 1747 m^Z ai53 



[003] 

* 

'Auf der füdlichen Seite der Kälkß'ein in hohen 
VelitHy r<iuch^ uxtd bläulich" grau^ feinfpllttrig, fei- 
ten mit Kalkfpathtrümmern;' und hin und wieder 
mit Schwefelkiesgängen. 

Neumärktl, Poft> den 8ten Oct. 8 ü. früh. 

Correfp» Beob. Corri|;.' 

Baronr. freies auf der Viener ^^^« "^«' Höbe 

€OiTi||. Tberm. Sternwarte. ,^ dem • über d. - 

Barom. Therm. ' Meere. . Meere. 

3i9,65 9 333/49 ^^^^ ^^^^ ^^^^ 144^ 

Laybach, Wilder Mann, 3 Trepp., den gtenOctcif- 

ber lO Uhr Abends. 
321,98 11,5 331,46 12 757 1253 II 63 ; 
Die Spitzen der Berge von Crainburg bis Lay- 
bach immer dichter Kalkftein ; im Thale an der Str^-« 
£se und ainVG^hänge ftarke Lager von Nagdflnh. ' 

Ober-Laybach den gten Oct. 9 Uhr früh. 

3^0,79 11,5 329,92 11,5 73i 1227 ti37 

Ob in der That wohl der Unterfchled der Höhe 

fo geringe fevn mag, dafs die Lage der verfchiede- 

nen Beobachtungsorte eine gröfsere Erhebung für 

Laybach geben kann? 

Auf der Chauffee nur dichte graue Kajkfteine. 
Im Steinbruch entblobt bei Loog vor Ober -La y^ 
bach , Stjreichen h. 4 > 5* 

* 

Hohe Wirthshaus oberhalb Idri4 den 
9ten October 3 Uhr Abends, 
3o5,i 10^5 .330,^3 i3/75 2110 25o6 2416 
Grauer , beinahe fchwarzer Stinkfiein mit ocker- 
gelben Ablöfungen auf der Chauffee« Bis zu z^c^ 



[ ßo4 3 

i 

Oritth eilen der Höhe ift dei^Kalkftein weifs und et^ 
was feinkörnig; dann wird er fchw^rz up4 nicht 
felteii dem Mergelfchi^fer ähnlich. 

Idf ia den loten Optobrer 7 Uhr früh. 

porrefp. Beob. Gorrig., 

. Biotin. freies i^uf der witnpr "°*** '**'^"^ ' Höhe 

üorrig. Therm. Stermvarte 4ciin iiben (L 

Barom. iTherm. • * l^^ofe« Af9ore> 

3i8i94 8,5 332,19 8 ta42 i538 1448 

Zwischen dem hohen Wirthshaufe und Idria eine 

grolse iVI^nge ausgehender ^Jjppen eines Kalkßeu^ 

conglotnerats y viel f^fter als d|e Nagelfluh, eckiger, 

aus leiner groIsQ^ Meqge grauer, rother, bcäi\nli« 

• eher oder grQallcher Kugeln von dichtq^^n KalkftieiD, 

- vorzüglich von Eiergrqfse beftehencl, 

D.i!Q Queckfilbererze im 3randfcbi#fef., apf deiB' 

Ka][Iifteine, nordwärts von Idri^. 

i« 

PI an in a, den lote» October g Uhr- Abends. 
919,86 7,S 33r;s,74 7 1096 i5os 14t qi 

Prew^ld den iiteflOctober SUhr frtlh* 
3^5,86 5 332,62 7,75 1998 1794 1704 

St) Sefanna den iitenQct. la Uhr früh.. 
3*9/97 •/? 332^,4 8 3^76 147a i388 

■ 

Immer dichter Kalkftain durchaus; hintec Pre* 
wald deutlich gefphichtet, h. 7, iikit Dford fallen; 
bei Unter - Senedplia (eiligen lieh l)ingegen .die 
Schichten gegen Süden^ 

Auf dem Plateau von Santoriand swSfchen 
Prewald und St Seianna , überall nur bläulich * graue 



j 



C *o5 3 

nackte Klippen ) zwifchen den&n Uaiiin ein Gras« 
hälmchen Platz findet Der Kalkftein ift oft iäwen- 
dig weiüs mit Entrochiten und Trochiten, und mit 
ioxiderbaireii ^ bald ovalen^ bald platten^ bald läng- 
liclien Löchern in allen Richtungen durcllzogen , fo 
dafi äinige Schichten davon ein ganz knochenarti^ 
^es Anfehen erhalten; 

Itafftbfefg vor iTrieft d. ii.Oct. 3tJ: Ab. 

Correfp; Beob. Cdirig« 

»Mrodi. frelei auf der "^lenkt ^"^^^ ^^«^ . Höhii 

ccirig« Therm« Sternwarte. r^. dfenl ^ber d; 

Barbm. Therm. * * Mceire; Mecfre; 

3m8,79 i* 33244 8,75 1080 1576 i486 

Bei Opfchina ftehen mehrere bundei^t keffet. 
ter-raige Vertief ungeii j Erdfälle , die vielleicht dfeii 
Lauf der vielen tinterirdifcben Flüffe diefer Gegend 

I 

be^eichnön. 

Trieft^ Möörufer, den taten Ocfe Mittags*. 

"Wiener 

Sternwarte» 

535^ t4/5 33o,7 ib 403 493 

Auf dem KarftbeYge Felfen mit der Richtung 

d^r Berge gleich laui^end; der Kalkftein durchaus 

W^utich'grau} bei dem Wirthshaufe h, jj, liiit 35 

Grad Fallen gegen Südweß; — Gleich unterhalb 

des Wirthshaufes erfcheint ein bläulich- grauer^ fahr 

feinkörniger 9 ins Splitterige übergehender kalkiger 

Sandfiein» der fich leicht in Platten gewinnen läfst; 

Streichen h. 11, Fallen 00 Grad gegen Nordem 

Tiefer herab wird der Snodftein körniger, h. 6 Streik 



-{ öo6 3 

chen* 50 Qrad Fallen gegen Süden, odcraudi'g« 
gen Sadofien i bis am Fufse des Berges. 

Nach St. Servola hin, gleich von der erfte 
Anhöhe bei der Altftadt Trieft aus, bläulich -graue 
und brauner Kalkfand ftein ; fehr kleinkörnig, f 
dafs die Quarzkörner oft fplittrig fcheinen; fchläg 
Feuer am Stahl und braufet heftig mit Säuren 
ftreicht h. 12, und fällt 30 — 35 Grad gegen Abenc 
einige Sättel und Mulden abgerechnet. Hier und d 
im Geftein ein ftark glänzendes Glimm erblättche 
oder ein Korn von Kiefelfchiefer. Diefer Sandftei 
wird vorzugsweife zu Baufteinen, der blaue auc' 
zu Mahlfteinen benutzt. — - Ob die feit 50 Jah 
ren bei Secorie an der Recca bebauten Sieu» 
kohlen in ähnlichem Sandftein vorkommen mögeQ? 

St. Sefanna den i3ten October früh. 

Gorrefp. Beob. Corrif 

iDarom. freiet auf der wiener *»one uoer Höhe 

corrig. Therm. Sternwarte. dem über d. 

Barom. Therm. ' Meere. Meero. 

3i5/85 11,5 339,75 11 112s 1618 i52t 

Adelsberg den 1 3ten October Abends. 
3i3/97 11 329,6 10 1753 2249 2159 

Laybach, 3 Trepp., den i4ten Oct. Abends. 

^>9/<>7 9/7^ 329,87 10 ' 862 i358 1268 
Schon bei Laff6 unweit PhninsL S^inkßehis 
blafsgrau, faft eben im Bruch. Streichen h. TZ 
Fallen 15—20 Grad gegen Abend. Üeber Ties 
Meilen weit verbreitet. ^ 



■ .1 

Jirköhdorf, Ufer der Save, d; 15. Oct. früh; 

Correfp« Beob, ^ Corri^«,) 

Jtrom. freies «uf der wiener ^^^® ^^^ Höh» 

corrig. Therm. Sternwarte. «lern über d*' 

Barom« Therm« *" Meere. Meere« 



Ko^84 9/5 329^85 9 780 1226 ii3S 

Vor Krainburg ausgezeichnete Nagelflub^ fo. 

^SäT mit Höhlen darin, bis AI tack. Dort viel 

Stücke von.Mandelßeiriy der bei Rathmanns« 

6L orf anflehend ift. AJle Feuftergefimre bis As- 

lijiüg .find daraus verfertigt. ' /• 

Asling, Poft, den iSten Öct. Abends. 
3j4/<i 9/75 329^85 10 1276 1772 ^682 

Dichter grauer Kalkftein in beharrlicher Fort- 
fetizung von AI tack üb^r d^nWurzener Berghis 
Sofien Bleibeirg. 

Bleiberg den I7ten Oct. Mittags. 
3^ 333/25 2394 2890 dSoo 

"Villach, a Treppen, den I7ten Oct. Abends. 
3ao3 , 8/5 333,57 7 «o36 i532 1443 

Von Bleiberg herab vielKiefel-Conglomerat, das 
noch ausgedehnter im Thale der Kreuzen anfie* 
h^Äid feyn foU. 

St. Paternion den igten, Oct. früh. ' 
31^,85 8 333/57 6/5 1075 1671 1481 

Der Kalkftein fällt, von Villach aus, gegen Sü- 
*öii. • Auf der Hälfte des Weges .erfcheinen zuerft 
Nieder Stücke von Gneifs und Hornblendfchiefer. 



C a<« ) 

■^ • • . 

Spital im Drauthal dein i^ten Oct. Mittags. 

- Corref]^ Bl^ob; .^ Corrig. 

Bätorn. fV«ie« imf der wiener "^^« "^^ HöÄie 

corrig. Tltenn. Sternwarte. ^. dt^m über J 

Bkirem, Therm-. ^""' Meere. Meer«. 

$i8>4 ifi 333,9 lo ift38 1734 i64|| 
Dichter Kalkßei/i kommt noch bäufig hervor. 

Oman dt dön iSten Oct. Abends. 
3i2>79 4>5 334/63 - 7,25 1708 2204 i&ii4 
Nicht weit im Thal6 der Lifer gegen Gmünd 
liinauf ertöheint der Gneiß^ arm an Feldfpaüi. r« 
tn die Centralkette hinein. 

^ennweg, toit^ den igteti Oct. iFrübv . 
iB9JB>25 6>75 334»i5 9 2908 ^404 ^ 3^14 

Bei iEitendraten ober Gmünd't liegt Ölint 

rnerfchiefer auf dem öneifs, mit vielen Ouarzlagern 

h. 9, mit 30 Grad Fallen Nordweft -^ Bei ft au 

chenkatfch Grahiateii daritt. 

kättchbergeir-Pafs, Salzbürgier Gi'akize , Aht 

igten Octbber Mittags. 
280^7 6>5 33438 9/5 4489 4985 4896 
Oberhalb . Ilenjn weg bläulich -grau er Thonfahie* 
fer mit vielen Quarzlagern» mit Schiebten von Zei- 
chenfchiefer und grün- lind gelblich -grauem Kalk' 
ftein. Streichen h. i , Fallen 70 Grad geg'eh Weft 
Def Thönfciiiefer fetzt übör den Kälfchbefg totfe 

St. Michael, Poft, imLungaü, d. 19. Öct. 5Ü. Ab* 

3oo>4 9 334,38 9,5 2735 323i 3i4t 

Der Thohfchiefer wiird böi St Mifehael apfel* 
und berggrühi 



i 

ft 



C ao9 1 
Trringgy Pöft, den igten Oet Abendr. 

Correfp. Beob. ,>. Corrig. 

freies «uf der wienier »»•>« ^ow Höh« 

Oonig^ Tii^nn. Stemvrarte. • dem über j» 

' iBarbin. Therm. ^^^^ Meere. Meere. 

«S5,7 €#75 334;9a 9,25 3i85 358i 8491 

Faft ßchn^ewelfser Kalkfiein nnunterbrochra 
^^v^ifchen . Mauterndorf und Twengg. 

P afs auf dem. Radftadter TauArn des 

soften Oct 8 Uhr früh. 
•^•3 2,5 335,06. 9 4677 5173 5o83 

e • 

: Der /Ca/t/i^ef/i gräulich -weifsi feinkörnig, fetzt 
tfn fadllchen Abhänge herauf; je dunkler in der'Far- 
V>c^9 um fo feinkörniger: Streichen h. 8 » Fallea 
50 Grad gegen Nordweft. 

XTntertäuern den ^soften Oct. 11 Uhr früh. 
3o3>76 8/5 334.76 i>/5 2427 2923 2833 

. EinigQ hundert Fufs unter demPafs^ Thofifchie'. 
/erttnfchen dem weifsen Kalkftein» mit Quarzlagern, 
ledoch kommt bald der Kalliftein wieder. Er ift 
bd dem Wafferfalle gräulich -fcliwarz, mit weifsem 
Kalkfpath durchzogen » dem lydifchen Steine ahn» 
Kch; Streichen h. 6, Fallen 45® gen Nord. 

^adftadt, Po(t> den soften Oct. 12 Uhr früh. 
3o8^2 11/5 334/76 ii/5 2102 2498 2i^8 

Der Kalkfiein fetzt fort bis nahe an der Ens. 
V^Un bei Radftadt felbft wellenförmig dannfclüef' 
''ff^r Gneifs. ^ ., 



HüttaiH foiti den s^oftea Oüt: 5 Uhr Ai>«dds. 

Conrefp. Beob» Corrij- 

Btf om. freie« auf der wiener ^^**« "*»«' . Höh», 

^ririg« Therm. Sternwarte. . . dem. über 4 

Barom. Therm« Meere. Meere« 

3i4^ 8 334/79 to tfiSu 2148 tkoSfk 

Thonfchie/er überall. StFeieben b, 6, >Fallei 

^o Grsid nsLch Norden* . 

Werffeo, Poft, den soften Oc». 8 UhrAbencUi : 
3ao3 ' 6/5 534/73 9 1126 1622 i532 

Colli ng den aiften Öct. 8 Uhr früh. *' 
321/29 7 334/58 5/2$ 1026 1522 'i43a 
Zwifchen Werffen und Golling der furehtbar- 
Dnrchbrnch def Saiza durch die hohe und fteilöKet 
te des Alpenkalkfteins. » 

Hallein, 2 Trepp., d. Elften Oct. 12 U. fröli. 
32o,B5 10,5 33413 9 1047 1543 1453 

Sal;tburg, Schiff, 3 Trepp., d. s3-0ct 8Ü. früh 
3i8,9 6 331,95 3 954 1450 i36» 

Salzburg, Schiff, den aGften Oct. 8 Uhr früh. 

321/97 iö,S 333/4^ 6/5 895 1391 i3o'i 

» • . -■ , ._•'...■■.. 

Salzburg den ayften Oct. 9. Uhr früh. , 
321/65 7 333/25 7 902 1398 t3o8 

Salzburg im Mittel 9*7 *4*3 i323* 






) Herr Prof. Schi egg befiimunt die Höhe Salz 
burgs über dem Meere nach der von ihm beobach 
teten mittlem Barometer- und ThermometerhObi 
auf 1408/8 par. Fufs* d. H. 



[ ftli ] 



I. 

ok 
6« 

h. 

Ol 



Man feilte dem erftei^ Anblicke «paeb^-glaubefli, 

die Centralkette entferne fich von den födlichen 

ICalkketten, die aus Kr ain fich nach Dalmatien 

foTtziehen, indem, jene fich oberhalb Graz weg, 

2^Wi(phen Ungarn und Steiermark hinzieht. 

V S. 200. ) In der That aber zjB'rtheilt fich die pri- 

n^itive Kette bei den Judenburger Alpen, in 

ZMrei von einander; divergirende Arme. Der füdli- 

clie Arm läuft den Kalkketten zu, und durch die 

VSTindifche M^rk in Croatien hinein;^ ihn bil^ 

den die Serbitz -Alpen, die Scbwanber« 

ger Alpen, hinter denen die Drau das Ge* 

Htge durchfdhneidet, und die Fachet* Alpen 

mifchen Feiftriz und Windifch - Graz, an 

deren Fulüs Granit und Gneufs , und auf deren Höhe 

die mannigfaltigen Serpentinfteine mit Smaragdit 

anftehn. Der weitere Fortlauf der Alpen durch. 

Croatien und Ungarn ift noch ganz ünbe- 

kanntp Aber dies wenige .beweifet fchon hinreU 

chend, wie jTehr der Lauf der Gebirge und der 

U^f der Waffertheller 9 (der Höhe,) von einander 

' Terfcbieden feyn können, ui»d in welche Irrthümer 

man verfällt, wenn man fie als gleich bedeutend aa^ 

idoiBt 



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C «»a 1 



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vn. 

HÖHEN 
in ,und längs der Alpenkette, wel 
■ Oeftreich von Steiermark trennt, «« 
dtn Bar ometermeffungen Sr. könig 
Höh* des Erzherzogs Rainer. 

JLIi« folgenden Höhenangaben rühren von < 

Herrn Ingen. •Hauptmann Fallon in Wien, A 

riaiiten des Erzherzogs Johann, her, demSe.t 

Hoheit der Erzhersog Rainer die Barome 

beobachtungen^ welche er auf einer Reife du 

die norifchen Alpen , längs der nördlichen Grd 

von Steiermark, angeftellt hatte , auf fein Erfuc 

zur Berechnung und Bekanntmachung mitgeth 

hat Der Erzherzog trat feine Alpenreife am ari 

Jul. i8o4 von Wienerifch-Neuftadt an, i 

folgte Wie nördliche Seite der Gebirgskette bis in 

Gebiet der Abtei Kremsmünfter, kehrte in 

ülQdlichen Seite bis an die ungarifcheGränze zurfl 

ttM endigte -hier mit der Höhenbeftimmung ^ 

Priedberg am laten Aug. Die ganze Zeit Ol 

blieb die Witterung mit der. in. Wien ftets glei 

Hr. Fallon ftellt in det'momttL Corr. des Fr( 

herrn von Zach, April 1805, S. 307 f.,^ 

Ba<rometerbeobachtungen des Erzherzogs mit < 

gleichzeitigen auf der wiener Sternwarte zufarami 

corrigirt b«ide Wigtn der Wurme, und bcrechi 



f *>5 J 

fllaratis die Höhen nach- TrembLdy*s Fotmel, 

s^lMljt dein mittlem - Barometerftande am Meere 

2^ 8"/ 184 »und 8^ R. Temipcratur finde ich", fagt 

mx-^^ „füT die Höhe der Wohnung des k. k. Aftro- 

nomen in Wien über der Meeresfiäche 4s48'f und 

das ift hier als Grundlage angenommen, " Im vor» 

her gehenden Auf (atze, wurde diefe Höhe zu 49^1 

und die des Pflafters von St. Stephan zu. 45 < P^r*. 

Fufs angenommen. Um- ganz vergleichbar zu 

^Verden , muffen daher die folgenden Höhen alle 

?t& etwa 4o FuCs vermehrt» oder die corrigirteor 

H^ben über dem Meere, im vorigen Auffatze» 

all^ um 4<> '^ufs vermindert yerden; wiewohl er- 

&eres<der Wahrheit näher kommen darfte, da, wie 

Serr Fallon berei^net, aus Liesganig*s An^ 

^ gäbe far die Höhe des hOchften Gipfels des Wech^ 

^els zu gsg wlen. Klafter, [= 54^4 P^r.' Fufs,] 

eine Höhe von 516 par/Fufs für die Wohnung des 

^ener Aftrohomen über der Meeresfläcbe folgen 

^ürde. Ich ftelle hierher' blofs die Hohen über dem 

^^eerej in der Folge, wie die Punkte in der Richr 

tetig von Oß ncLch Weßjkthtn einander liegen. 

ptT. Fuff 

tn Steiermark. ^«d. 

Fried bergt tin kleines Städtchen an der 
^garifchen Grinze, am füd-öftUchen Ab« 
h^tige des Wechfels . 1755 

Höchfte Kuppe des Wechfels» ehies 
^.ergrückens, der hier dieGränze zwifchenOe- ^ 
^rreicl^ und Steiermark nxacfat^ l^nd fich ge^^ 



t tx4 1 p.Fufsub 

d. Meer«. 

gen Ungarn verWuft, [füd • öftllch vom Semnje^ 
ting; f.S.aooCorr.ßärameterftand 23'' i"^] 533«. 

Glaisrhatte, aita. nördlichen Abhänge des 
Wechfels • 348a 

Senfenfcbmiede im Tbal Ratten an der, 
Feiftritz, [ füd- weftUoh vom Wechfel] ' a450 

Al-fifteig, ein BergrQcken zwifchen die- 
fem Thale und 3297 

dem Oorfe tCrieglach an der Mürz, im 
Mürzthale an der Poftftrafse nach Trieft, [ zwi- 
fehen MOrzzufcbtag und Brack , f. S. 196 ] x6x4 

In Oefierreich. . 
Sehufterhaus mitten auf der Wand»' 
einer fenkrecbten Felfenwand, die einige 
Stunden lang ift» weftl« ,von Wienerifch •, 
P^euftadt, [fiebe S. X95,] deren viel hö- 
herer, waldiger Gipfel » (cler Brunnberg^) 
weiter zurück tritt » ^4^9 

Markt Guttenftein an dei^ Schwarze z4<>4 
Gipfeides Rohrer Berges, eines wal- 
digen weftlich liegenden Bergrückens 2652 
Pfarrhof im hoch gelegnen Dorfe Rohr 1975*) 
Sattel des Hohenberger Gefcheids» 
die Gränze zwifchen den Vierteln unter und- ' 
ob dem wiener Walde fiSos 
^' Hohenberg, ein von hohen Bergen und 
Alpen umgebener Marktflecken X5i9 

> ^y Nicht weit füdlich von beiden Orten liegt der felir 
hob« SckM9h9rg. i. H. ^ 



t ai5 3 p-Fufsöb. 

'• d. Meere. 

Gipfel des Oe^tfchers, p(lwj[rts vom 
Kreuze» [corrjg. Baro^neterftand aa"4'"] 5999 

Diefer mächtige, auf allen Selten von nie* 
drlgern Nachbarn aimgebene Berg ift einer' 
der höchften in Oefterreich und liegt hart an 
der fteiermärkifcben Gränze:, weftlich von Ma- 
ria Zell. Die letzte menfchliche Wohnung, 
(eines Holzknechts») von Hobenberg her» 
liegt 2785' ööd der Pfarrhqf im Dörfchen 
Laken am nördlichen FuCse des Oetfchers 
a455' ober dem Meere. . , 

Dorf Lunz unweit der QueUe der Ips 
fOdlich Voii Garn in g I9?&' 

Schutt ober dem Mitterfee, Bergab- 
hang füdlich von Lunz Sögi 

Der Oberfee, ein kleiner angenehmer 
Alpenfee am Fnfse des hohen Dürren ft eins, 
an der Gränze von Steiermark 2986 

HoUenftein, ein fehr grofses Dorf .1568 
Waidhof en, eine Stadt an der Ips zooö 

In Steiermark. 

Sattel des Prenbahel, eines hohea 
Berges zwifchen Eifenerz und Vordem^* 
berg» über den die Ppftftrafse geht, [fiehe 
S. 198 > 200.] .3734 

Dorf Hiffelau an der Ens, zwifehen 
der hohen Alpenkette, öftlieh vom Stifte 
AcImQitt x44S 



[ «t6 J f. FoftuW 

Alten ma'rUt» ein kleines von' hohen* 
Alpeii umgebenes Dorf > an der Poftftrafse 
xwifclveQ fiifenerz uxkI Ens X35l 

Schlofs vreftlich vom Dorfe Radmar 
am Pttfse des hohen Lug an er 2675 

Sattel im Waidboden, ein Bergrü- 
cken y der das vorige Thal vom fadlicher He- 
genden Paltenthale trennt 4798 

Kabiwang, ein grofser Flecken im 
Paltenthale • ^^o^ 

Schlofs Kaiferau, Landhaus des Stifts 
Admont, nicht weit vom Gipfel des hphen 

« 

Liehtmefsbergs 3530 

Lietzen, ein grobes Dorf im Ensthale, 
weftlicb vcm Admont 1996 

Tn Oefierreich* 

Claufs> ein Pafs auf der Gränze von 
Steiermark uod Oefterreich 2772 

Stift Spital am Pyhrün, eine ganz 
hübfehe Propftei, nordlich unter dem t^afs, 
von hohen. Alpen umgeben i5^8 

Ekelbauer, ein einzelnes Bauerhans 

. auf der Rofenleitheut einem nördlichen 

hohen Ausläufer der Alpenkette, welche 

i 

Oefterreich von Stejermark trennt 290a 

Pfarrbor in Hinterftoder, am Urfprun- 
fe cks Steierflttffes 1733 



• r i StX'y 1 f. Pub SS. 

Des Priel's höchfter Gipfel» [corr. Ba'- \ 
rometerftand 22"] 6565 

D«* Priel liegt \reftlich von: Hinter» 
ftoder und öftlieh vom Alben -See» na- 
1i«.an der Gränze von Steiermark» Die Al- 
penkette erhebt fich hier zu einer befondern ' 
Höhe; füdlich von ihm ftehn der noch höhere 
i^raffenberg, die Spitzmauer und die 
Jtiot:hkäften; öftlich von der Steier das 
Wafchenegg» der Elmt» u. a. m.; Gi- 
pfel , die den Priehl an Höhe flbertreffen und 
zum Theil nicht zuerfteigen find. Nach einer 
idten Vermeffung, die aber fohwerlich viel 
Glauben verdient , ift der Graffenberg 
31Z» die Spitzmauer i54» ^^ Wa- 
f&henegg 229 Klafter höher als der Priel; 
find darunter wiener Klafter zu verftehen, fo* 
gäbe das fftr diefe Bergfpitzen 838 1> 74^4» 
7902 par. Fufs Hähe über dem Meere. ^) Die 

^) Auch Hegt fädlicb vom Priel und nördlich ^ von 
der Snt .nach Vifcher't und Hohmann*t 
Karte von Steiermark: Qrimnung Uons max. et 
dltijjimus Styriae» Herr Dn Schultet, er* 
«wähnt indeEs in feiner Reife nach dem GJock- 
31 er, Tb. t, 8.405 einen noch füdlicber liegen- 
den Berggipfel , den Befenberg, 5 Stupdea 
Tom Rottenmanner Tauem, auf den die Pols ent- 
(pringen t und von dem man weit über den Grim* 
ming 'vregfeben foll. ,, IcW fand ihn^*; fügt erhinzo» 
^euf fcdner Karte und in Jp^einer Geographie rem 



T C *J8 3 r. Fufcüb. 

Alpenlifitte am üücUiclien Abhänge dtes Ptiels 
Siegt 4 183' hoch. ^ ,^ 

Alben T Haus am Alben «S^e^ eia 
Landhaus des Stifts Kremsmünftec» nahe 4D de; 
Grenzeo^on Steiermark . Xyftl 

Schlofis Claus, ein altes Bergfchlols» 
nördlich . vom Stodern - TJbale, .an der 
Steier. i634 

Steiermark«**- Dlefelben Karten* bezeiehneh dea 
P-riel mit dem Z/ulatze: Altijfinms totius Aüftriae 
Doch giebt Herr Dr. Seh alten am angefiihneK 
Orte« Th. t« S.,so^ die Höbe des Sohnee- 
bergSt (wohin wir eine eigne Reife ron ihm 
haben,, und der wefdich Ton Wienerilcb • Neu- 
ftadt vwifchen Reichenau und Guttenfte^in 
liegt i') «u 66oo parifer FuCs an. — ,iVon Wien 
bis Admont batieo wir^, (lagt Herr Dr. Sohul- 
tes, Th. itS. 3ot) ^ in der ganzen Gebirgshett* 
an Steiermark« und. OeÄreichs Gränzen nichts ala 
Kalk^ einige Schieferflötze um Glocknitz. und- Ret- 
chenau, den thonigen Erzberg zu Eifenerz und ei- 
lüge Schieferflötze an der rüdlichen Seite des Ens* 
' tbales autgenommen. '' (Die reichen, aber ungenutz- 
ten Salzquellen um Hall bei Admont enÜialten au^« 
' fser 20 p^ C« Kochfalz', auch takfauren Kalk und 
' Bittererde. } Die nördliche Vorgebirgskette des 
gaxlzen Paltenthals bis hinab zu den Kahlwanger 
Kupferwerken hielten wir für Schiefergebirge^ 
doch mehr nach dem aubern Umrilte der rundli- 
chen Berge, w^elche hier auf dem füdlichen Pulse 
der Kalkalpen des Bnsthales auffitzen^ als nach der 
Unterfuehung ihrer Gebirgsarteh. — > Auf der Höhe 
des RottmanneT'lTauertt flicht * wirklicher 
Granit hervor. Von der Höhe des Tauernh'auCes 



t *»Ö 1 f. Pars Ab. 

d« Meere. 

Gipfel de« KSfsbergs» nördltch-^om 
Priel und füdlich vomDorfe Grünau ' 5^l5 

Höhe des Langg^fcliKids» eines Berg* 
ri^gkensx <ler den Priel mit .dem Kä&berge. v«r*. 
bindet 2344 

Schlofs Scharftein mit einem Dorfe 
an der Albe, dem Stifte Kremsmünfter gehö- 
rig, und dem flachen Lande fcbon nahe. x57^ 



darf man nur auf die breitmi kahlen Gipfel 
^. blicken, die, hier opd da (mit Schneefeldern ba» 
deckt, lieh über ein Meer Ton* Bergen empor he- 
ben, um £ch zu überzeugen, ^ab man ins Gra« 
nitgebirge gekommen ift» Der Coatraft der Uni« 
rüte diefer Berggipfel mit dem Schroffen, Zaclü* 
gen der Kalkgebirge iß anfFallend; auch wird di« 
Flor hier merklidi ärmer. ^ —- S. aS^ „Tau ern 
nennt man Ton Aottenmann an durd| gana 
Salzburg und Kämthen jeden hohen Berg, über 
welchen ein betretener Weg fährt« — Die fo ge* 
nannten Tauem-Wirthe, die auf diefen Bergwüfien 
einen feft ewigen Winter mit allen feinen Schreck- 
- iuOen durchleben ^ ohne durch hohem Gewinit 
für- ihre Aufopferungen belohnt zu werden,« ge* 
• «liiefsen allgemeine Achtung in der gan;zen fegend 
umher» Die fehr pragmatifche Benennimg, ^on« 
nenfeiH und Schattwfeite ^ iftin Steiermark in Ge- 
birgsgegenden allgemein, nicht blbfs bei dem Land« 
.manne, fondem -felbft in den Conibriptiönsbtt- 

ehern. ^* d* fi. 

.it. , 



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«■■i«*!««*MM«MWiiOT^^MMa^«MHMiMnMntHnMMtenHMH«fli^ 



K 



VIII. 

Brftelgung 'uhd M^ffung ier Optel«. 
^ Spitzcy der höchften in Tyrolf 

veranlafst durch $^. königl. Hoheit den ErzherU}g 

JoHAWir. 

JL/ie folgende Nachricht ift aus der wiener Ha 
Zeitung y Dec. j804i entlehnt: », Schon feit einige 
Jahren laffen Se. kdnigl. Hoheit» der Erzherzc 
Johann, Höcbftwelche mit fo vielem Eifer y I 
vielfeitigeh Kenotniffen und fo bedeutenden Au: 
Opferungen die Vaterlapdskunde befördern » durcs 
den Bergofficier, Doctor. G^bhard» Tyrol nac 
allen Richtungen bereifen. Eine der interefiantc 
ften Folgen diefer Unternehmungen» welche fa 
Geologie, Botanik, Afineralogie und <Ue Natui 
künde überhaupt eine fehr reiche Ausbeute vei 
fpricht, ift unftreitig die vor kurzein erft gelungen 
Erfteiguag der noch nie betretenen oberften Spitz 
des Orteies» des höchften Berges^ in Tyrol, ^e 
mit Gletfohern umgeben und mit ewigem Schnei 
bedeckt ift. Nach dem Auftrage Sr. kdnigl. Hohei 
reifte der Döctor Oebhard »ach Glurns, in 

Vin tf c h ga u» und unterfuchte von da aus alle Thä 

*■ ■ ■■. • . • 

ler» w^]p^^ ihre Wafler von dem Orteies erhalten 
umjdle vortheilhaft^ften P|inkte zur Erfteigung det 
Berges aufzufinden. Schon fing er an, an dei 
Möglichkeit der Aüs^Ahrung zu zweifeln, als tij^ 



[ Äfti 3 

Oeinsjäger ans' cfem P a f f a y e r T h a'l r Nameut 

Plehler, em abgehärteter , mit Gebirgen iind Ge^ 

fall reu vertrauter Mann, zu dem Wageftücke ficban«' 

bo(« ' Zu Gefährten gab ihm G e b h a r d zwei 

Bauern aus -dem Zillerthale mit, die auch ihn auf 

feinen Bergreifen begleitet hatten, und deren einer 

richtigen Beobachtung der beiden Barometer» 

eiche fie mitnahmen, die nöthigen Kenntniffe be> 

fajTs. Am ^yften Sept. 1804 Morgens um halb a 

ILTJbr traten fie von Drofui aus ihre Reife an^ 

i^nd zwifchen zo und xz Uhr hatten fie die Spitze^ 

c^es höchften Berges erreicht Altein kaum 4 Mi« 

Vuten koii^nten fie hier aushalten; diefe benutzten 

^^ zur Beobachtung der, Barometer, und Abends 

V^ 8 Uhr kamen fie nach Drofiii zurück, halb er« 

%Qrrt und anfangs felbftder Sprache beraubt. ;0h« 

^e mehr als jene 4 Minuten auszuraften, waren fia 

? 7 volle Stunden über Felfeu;» Schnee und Eis ge^ 

T^^^uidert, auf manchen Punkten mit Gefahr des 

Gebens. ** 

f „Beide Barometer, die auf der Spitze beobachtet 
"^Urden, waren fehr gut. Sie ftimmten genau mit 
^^ander flberein, Correfpondirende Beobacbtun« 
fiex^ wurden in Mals angeftellt. Die Höhe des 
Berges Über Mals ift alfo durch diefe bekannt; aber 
^^e Rahe von Mals über der Meeresfläche wird erft 
'^^ch berechnet werden. Vorläufig darf man an- 
*^^hmen, dafs die Ortele^* Spitze wenigftens. i^^oio 
P^^. Fufs über das mlttelländifche^eer erhaben ift 
^^» königl. Hoheit laffen jetzt ober und uater dem 



Oletfoher §<butzftellen und Hütten '"erb^iuen , Weg^ 
in die Wände hatien, ^und Seile längs c^enfeiben 
ziehen^ .um Freunden aer Geographie und .des Er« 
haben^en ^n der ^atur einen gefahrlofen Zugang auf 
eine äergfpitze zu eröffnen, die nach dem Montt 
blanc die höchfte in Eurojpa ift.** 

Im Aprilftöck der monatl Correfp. des Freifu 
ton Zach, S. 293 f., theilt Herr^ Hauptmana. 
Fallon, Adjudant St., königl. Hoheit des Erz- 
herzogs Johann, die BarometermefTufig im De^ 
fail mit Der ßerg O r t e I e s liegt in Tyrol , Harr 
Hn der Gräoze ron Graubandten und Veltlin, »unct 
erhebt fein Haupt gewaltig Aber alle nachbarliche 
Glet fch er und befphneite Gipfel/* Der Weg zu 
ihm hinauf ift der gefähfrlichfte und fchwierigfte, 
den Bergfteiger vielleicht je verfucht haben, und 
tkVLT der geabtefte Gemfenjäger der Gegend hatte 
den Muth, fich ihn zu bahnen. Von den beiden Ba- 
rometern, 'welche' mit Innaiif genommen wurden, 
hatte das' eine eine 5!cale, die in Viertellinien ge*« 
theilt war^ und um recht lieber zu gehen, ward» 
der Stand des Queck&lbers auf dem Gipfel mit tei-' 
Her f ehr feinen Spitze auf der Scale bezeichnet.' 
Während der. Barometerbeobachtung mufsten fich" 
die drei Bergfteiger einer den andern halten, um 
nicht vorfi Winde herab gefiörzt zu werden. Fol-' 
gendes war am.syften- Sept. zwifchen 10 und n 
Uhr Morgens der Stand des 



C «»5 3 



ouF der Orteles-Spitze 16'' a"^ 




ZU Mals - ' 25 — 


+ lÜ' 


zu Zell 26 7 


+ 12 


im Vicariat Gerlbs ^24 9' 


+ 1» 



Zu Mals blieb der Öarbmeterftand vom ö6ften 
bis agften Sept. unverändert derfelbe> (25",) und' 
aucb das Thermometer ''zeigte immer Morgen» 
+ Ii^ Mittags + i5^ Ab.-+ 12^ das Hygrometer 
40 . WahrfcheSnlich hat daher auch' der Barometer- 
ftand auf der Orteies -Spitze 'in dem Tage nicht' va-* 
rürt. Herr Hauptmann. Fallbn berechnet hieraus' 
nach Trembley's Formel die Höhe der Örteles - ' 
Spitze über Mals auf 10930 pär. Fufs, ündi danach. 
einem Nivellement der mittlere Stand der Etfch ' 
unter der Bnlcke von GlifrnV 420 Fufs ütiter Mals' 

liegt» auf 1 1350 par. Fufs öbeV ier Etfch bei öVurns. ' 

. w*. . # < i 

Nach einem Mittel aus 86 in Mals angeftellten 

Beobachtungen war dort oder Barometerftaqd 

ä4"|985 und die Barometerveränderung 6'''; wäre 

clies die wahre mittlere Barometerhöhe für Mals, 

fo läge diefer Ort 3074 par. Fufs über dem Meere, 

(den mittlem Barometerftand am Meere 28'V84 

gefetzt,) und dies gäbe für den Orteies eine Höhe 

über dem Meere von 14004 par. Fufs. Auf Ver- 

anftaltung des Erzherzogs Johann werden ^'etzt in 

Glurns täglich Barometer- und Thermometerftände 

beobachtet, um den mittlem Stand wenigftens aus 

den Beobachtungen för ein ganzes Jahr zu haben. 

Aus diefen Beobachtungen wird jene Höhe noeh 



% 

weitö^ bcriclitigt vrerden ; „fie ift iödefe fchon hii:».— 
reicliexid, der Orteies- Spitze die zweite Steile ua:».— 
ter den bisher erftiegiepen und die dritte unter de 
geinefTonexii Bergen der alten: Welt ^inzuräume: 
da di? Höhe des Montblanc i4556) des M01: 
jLofa 143.8^» ^®^ Mont Cervin 13360 ui 
des Finfterarhorn's 13234 par,.Pufs ift." 

„Der Orteies fcheint.ein Kalkgebirge zu feTÄ« 
Die Wildfpitze in der Gurgel ift Aacli 
Pichler*s Verficherung lange nicht fo hoch, urmd 
weit leichter zu erfteigen. Der Scheidungspunl<t 
der Gewaffer auf dem Brenner liegt nac^h 
Leop. von Buch's barometr. Reife in d^n 
Jahrb. der Berg- und Hüttenkunde des Herrn vo i> 
Moll 4375 par. Fufs über dem Meere. ** Hao-. 
quet rechnet die Orteles • Spitze zur Kette d^^ 
norifchen Alpen. 



IX- 



i 025 3 



■■' ' ■ •' 



IX. 

Der Glöckner. 



Die folgenden Nacbriclitea totlehne ich gröfsten The'ils aui 
'« gehaltvollen R<'i/e nach dein Glockner , von J. A. Schul- 
' », M. D. , a Theiie, Wien 1804, 8.» welche dem Leier eirj 
>ch höheres Interaffe einflöfsen würde, wiire die Schreibart 
^«irängter und eiwas weniger gelucht. Herr Schult es be- 
«U«te die Grafen von Apponyi im Auguil und Sept. i8oa 

• Reifearzt. Ihr Weg ging von Wi ene rii'ch - N e uHad ^ 
^«rN&unkirchen, Giocknitz und Reichenau durch 
^« Höllentha'l nach MariazeU« ' dann durch das Salza- 
^ ftl über die Alpen nach Eifenerz und durch die Hi- 
^ itu, (S. 215,) und dal Gefäufe nach dem Stifte Ad* 

• ^nt, „für Freunde der Natur der intereffantefte Weg, den ü» 
'l.hlen können , *' den aber Herr Schuhes erft künftig in einem 
^^en Werke zu beschreiben denkt. Hier fängt das Tagebuch 
i.1 der Abreife von Admont an, und führt den Lefer über den 
^sttenm aun er Tauern, Jud.enburg» Friefach, St» 
^ich, Ciagen furth, Villach und Spital, das ganze 

^ «lithal hinauf bis nach Heiligenblut, und von da auf 
•^S(»tzede8 Glockners und wieder herab« Der llückreife 
■*Tch das Salzkammergut und die Donau hinunter, be* 
i«nmte Herr Schult es noch zwei beCondere Reifebcfchrei- 
ÄJigen. — Die Reifenden fcheinen kein Barometer mit ücK 
-führt, und haupifÄchlich nur den Getiufs der fchönen und 
ildenNaiur in den Alpen bezweckt zu haben. Hr;Dr. Schul- 
^n webt indefs feiner Reifebefchreibung überall unterrichten" 
ö ]>}achrichten ein, über die jetzige Lage der Berg- und Hut« 
^Owerke und über den polirifchen und ökonomifchen ZuAand 
^t" Orte, die fte berührten, auch viele botanii'che, mineralo- 
^^che und phyfikalifche Beobachtungen, von fich und von an- 
«si'n; das Phyiikalifche üt indefs der IchwachltiB Theil des 
'erks, und enthalt des Irrigen allzu viel. „Man glaubte ian- 
»®," fagt der Verf., „ dais die Schweiz allein Alpen, Gletlcher, 
^afferl'älie, Hohlen und Seen habe; — -^ auch meita Vater- 

Anna), d. Pbyli.k. B. 20. St. 2. J. it^o^. Si. ü. P 



[ aa6 1 

land iÜ. daran re^ib, ei hat übet kelxiea Sauffüie» ki:ii3^Sm 
Bourrit, keinen Meiners.—- — Steiermark^ KärutLien 
und Oberößerreicli haben Naturfcbünlieiten , die man in der 
Scliweix noch preisen würde.. Wir haben keinen Genferfi^'e und 
keinen Montblauc, und ich zweifle« ob das ganze Univttr^m 
fo etwas noch ein Mahl liat. Aber wir haben einen Glöckner, 
der das Schreck- und Jungfernhorn , WafTerEdlle , die die b«- 
rülimton STaubl)äche der Schweiz, Wände, die die Grinirel- 
waud, und. Seen, 'die vom Lucerncr bis zum Zuger See Alle 
Seen der Schweiz gleich wiegen und übertrefien. Wer das Wu» 
de und £rhabcnc dem fanftern uud vcrkünllelten Grofsen vor* 
zieht» yrird hier mehr davon ßndeii als in der Schweiz oder 1«^ 
Salzburgfchen, wo überall Spuren Von Kultur, wenn nicht «iea 
Eindruck des Erhabenen vernichten, doch wenigftens zum C^TP^ 
fsen herab ßimmcn. Auch im Winter, in welchem ich "*• 
Schwel« ^efehn ♦ fand ich dort das Wilde und Hohe nicht, ^* 
ich bei uns im Sommer finde. Man wird in der Schweiz m».«*^ 
6 bis 7 Stunden, in Berg und Thal und Wald gehejs könir»^ 
ohne eiu Dürfchca, nicht Ta^e.lang reifen können, ohne *** 
Plätzchen zu finc^m, wo man lieh gütlich thun k^nnte.^ (SchWi'Wr 
lieh eine Empfehlung für Viele.) , Ich war am Gotthard, be# ■«•' 
als von Clagenfbrih bis Galtein, als auf dorn Gebirj^swege "WOB 
Wim bis Admoni, und von Admont bis Cla-^onfurtb. E^ in 
freilich theurer in der Schweiz : man hat abtr dort für (^ *1" 
was man wünfcht; und dies ilt in unJ'ern Gebirgen der ^*'* 
nicht. — — - r».(nfende in jmfem fchönen Alpen und für. ^'* 
Bewohner «lerfelben ein Phiinomeu , das lie mehr fürchteiix *" 
müHen , als benutzen zu können glauben.** — „ L'nfer Va i^*^^'' 
land*', ruft Herr Dr. Schultes an einer andern Stelle, C^* 
329) aus, „ilt doch wahrlich zu beklagen I aufser demfle-Z ■*** 
gen Mineralogen und Chtniiker Dr. Keufs, den dieMiner^^^ 
gie Böhmens vollauf befchäftigt, dein verdienllvollen Gr<3^i"' 
Haccjuet, und Winterl haben wir auch nicht einen eiz-^-^^" 
gen jetzt lebenden Chemiker in der Monarcliie, dvi üth-doX *** 
die Analyfe auch nur eines einzigen Siemes ujilVis Vaberlan^l** 
um daffelbe verdient gemacht hätte. Alles, was llohenw^ ^'' 
und Wulfen in der Mineralogie Käruihens Entdeckten, mull*^* 
•ein Ausländer, mufste ein Pieufse analyüien' O uiein YaC^^^ 
Jand, wann wirft du Söhne nähren, die <leiiie Wohllhaten v ^^^ 
dienen! viaiin tviril du die Hüife der Ausländer entbehr*^** 
lernen!*' 



er Glöckner, die höcbfte Spitze unter deo AI- 
i Inner - Oefterreichs,- fteht auf der Gränze voä 
*nthen, Tyrol und Salzburg» und wurde noch 
' fechs Jahren farunerfteiglich gehalten. Auf 
raalaffuDg des um das kärnthhifche Berg-> und 
ttenwefen fahr verdienten Bergraths Dillinger 
Clagenfurth unternahm es der jetzige Fürftbi- 
of von Gurk, Fi'anz Fürft von Salm, der 
Clagenfurth refidirt, „diefen Colofs der Alpen*! 
1 Nat^rforf ehern zugänglich zu machen^ „und 
S bisher unmöglich fehlen, machte die mächtige- 
nd eines Fürften möglich, der die Wiffenfchäf^ 
I und befonders die Naturgefchichte unter feinen 
beü Schutz genommen hat." IDer nächfte be* 
hnte Ort unter dem 'Glockner ift das kärnthni«» 
e Kirchdorf Heiligenblut, ganz am Ende des 
Iden MöUthals, unweit des Urfprungs der 
ill, dicht bei den Goldbergwerken in den nori- 
en Alpen, und hart an der Tyroler und der Salz- 
pger Gränze. Von hier aus wurden auf Koften 
J Fürftbifchofs im Jahre 1799 die erften Verfuch« 
nacht, die Spitze des Glockners zu erklimmen» 
i Hütten, zum Schutz und zum Nachtlager de« 
', die den Berg zu erfteigen wünfchten» zu er- 
len; -auch in den folgenden Jahren fparte der 
rftbifchof kein Geld, um die Erfteigung des 
ockners dem Naturforfcher und dem Freuiide dei: 
pen für immer nxöglichft zu erleichtern. ^) 

*) Das Tagebuch der erften Befteigung des. Glöck- 
ners im Jahre 1799 iA ia von Möllns Jahrbüchern 

P a 



C 228 3 J 



Jl 



S! 



i 



«■.-^^ 



Vou Heiligenblut aus braucht man eilf bis zwäf 
Stunden, die Zeit deß Rubeus nicht mit eingereoh* 
pet, um mit Hülfe der Führer die hdchfte Spitze 
des Glockners zu erreichen ; und der Weg dahin ift 
an mehreru Stellen mit Lebensgefahr vert>liade#i 
Nach 6 Stunden Steigen erreicht man den unterf 
Rand des GletfcherSy und hier, auf der nach ihm 
fo genannten Salmshöhe» hat der Fürftbifchcf 
ein Haus, GFcnfter lang, fehr folid aus Holz bauen 
laffea, worin der Reifende ein ficheres vor Kälte 
fchützendes Nachtlager findet: nicht weit da von audi 
eineii Stall. Es enthält drei Kammern und eineKO- 
che, und noch foUte eine kleine Kapelle und eine 
Kegelbahn angelegt werden. Ein Blitzableiter giebt 
demfelben bei den häufigen Gewittern Schutz. Auf 
Koften des Fürften wird es mit Stroh zum Lager 
und mit Holz zum Feuern verfehen; Lebensmittel 
nimmt man von Heiligenblut mit hinauf. Weiter 
hinauf find noch Zweibeine fteinerne Hütten gebsiufc 
worden, in deren jeder etwa iSMenfchen Platz ha- 
ben: die Hohen wart, bis zu welcher man 
i2| Stunde, und auf einer ziemlich ' hoch hervos 

der Berg- und Hüttenkunde ^ imd daraus einzehi| 
Salzburg i8oo, 8., abgedruckt. Das Tagebuch der 
zweiten Glocknerreife im Jahre i8oo, verfdfst vom 
/■•'■" y^.Hrn. von Hohenwart, G* neral vi car des Fürft- 
'biicfispfe^ findet man im zweiten Theile von Dr. 
Schnltes Reife, und eben detfelbß im Auszuge 
das Tagebuch der dritten Giocknerr^ife des FürA- 
bifchofjk im Jahre iBoa. d. H. 



tzgehden Felfenfpitze die Adl-erirtihe, bis zu 
deiN man noch i^ Stunde braucht. Von hier ge- 
hen bis zum kleinen Gipfel noch i| St. hin. 

Der Gipfel ift durch eine tiefe Schlucht in zwei 
Spitzen getheilt, von denen die vordere nur einige 
ElaJFtern niedriger als die hintere, und nin keine 
lo Klaftern von ihr entfernt ift. Auf ihr, (dem fo 
genannten kleinen Glockner,) liefs der Fürft 
im Jahre 1799 ®^" kleines. 6 Schuh hohes eifernef 
Kreuz, und auf dem Grofs-Olockn er im Jahre 
darauf ein 12 Fufs hohes eifernes Kreuz mit 4 ver? 
goldeten Platten in der Mitte, einem vergoldete!! 
Hahn als Windfahne auf der Spitze, und einem Blitz- 
ableiter errichten. Um von dem einep Gipfel zum 
•ndern zu kommen, wird man die eine fteile \yand 
^m Seile „wie ein Sack" hinab gelaffen , und die 
andere wieder hinauf gezogen , und man mufs Ober 
die Schneide einer vom Wind zufammen gewehe*« 
ten Schneelage mit fchauervollen Abgründen zu 
beiden Seiten weg balancfren; der Fürft hatte die 
AbGcht, zwifchen beiden Gipfeln efine Brücke von 
'^ölheerten Seilen fpannen zu laffen, wie die Bes- 
^ohiier der Orkney- Infein fich derfelben bei ihrem 
Eierfuchen an den Infelklippen bedienen. Am gro- 
'^en Kreuze ift auf der nadelformigen Spitze kaum 
*Ör 4 Peyfonen Raum, An einem Felfen^ der g bis 
•^ o Schritt vom grofsen Kreuze aus dem Scbne© her- 
^Qr ragt, hat der Fürft im Jahre 1800 ein vom Prof* 
^ Chi egg in Salzburg hierzu verfertigtes Barorrte- 
^^r und Thermometer, in einem verfchloff^nen Kä« 



l Ö30 ] 

ften , wozu der Pfarrer in Heiligenbltrt die SohlafFel 
hat, anbringen laffen. Ein Futteral vonEifenblecb^ 
mil: einepi Dache, das über den hölzernen mit Oehl- 
larbe angetriebenen Kaften gefchoben ift, fand Hir. 
General vicar von Hohen wart im Jahre TgöSSt 
ohne alle Spur von Roft» obfchon das Eifen' wedfei 
mit Oehl noch mit irgend einem Firnifs überzo- 
gen y und der Einwirkung der Witterung zwei Jah- 
re lang ganz blofs geftellt gewefen war. ♦) Ebe«a 
to das Scbiofs des Kaftens, obfchön man es in zw^ 
Jahren nicht geöffnet hatte. Am Barometer ift a^ 
les, aufser der Glasröhre , Eifen und Meffing» ua^ 

*) »v^ö frci^x bemerkt er, ^"^on allem oxydircnde^ 
Stoffe mufs die Luft in diefen Regionen feyii' 
und Herr Dr. Schultes fügt hinzu, Satfffiir ^ 
habe nur weniges, aber doch einiges kohlenfaac^* 
6as am Gipfel des Moptblanc gefunden. Allein S^ 
fen für Heb oxydirt Cch weder auf Koßen a^ 
Sauerftoffs der atraorphärifchen Luft, noch in d-^ 
gewöhnlichem Temperatur auf Koßen des hohl^ 
fauren Gas ; fondern nur auf Koften des WalTe^ 
Dief^ artige Bemerkung ift daher yielmehr ein t 
'weis, für die grofsc Trocknifs der Luft in jelien M 
hen und kalten Regionen, und in fo fern eine! 
fiätigung der Folgerungen Biot's und Gay -Li 
fac^s, aus den Wahrnehmungen auf ihren Lufb 
fen, S. 1 6 u. 28. Nach Hrn. Prof. S c h i e g g *'s 
obtchtung im Julius 1800 Aand zwar «u einerlei' 
das SauGTüreTche Hygrometer im Schatten, an 
Salmshöhe auf 62*, auf dem Glockner auf y^ 
allein zwei Stunden nach diefer Beobachtung h 
£ch auch der Glöckner in eine Wolke, und Ah 
dsuTKüE regnete es ßark. 



die Röhre felbft ift fo kurz, däfs das Queckfilber 
dstrin erft auf der Salmshöhe zu finken beginnt. 
Arn Kreuze bemerkte Hr. von Hohenwart deut* 
hcytx^ dafs der Blitz daffelbe ein oder mehrere Mahl 
ge^lrroffen hatte. Es \var die Abficht des Fttrftbi- 
fcl^ofs, auch auf der Salmshöhe i und zu Heiligen- 
blxa.t bleibende Barometer aufhängen zu laffen. 

Auf Einladung des FOrftbifchofs hatte wäh- 
te r»d feiner An wefenheit am Glockner im Jahre 1800 
ati-crsh Hr. Prof. Schieg.g, der damdhls aq der Uni- 
v&a:*fität zu Salzburg ftand, fich mit m^ehrern Inftru- 
lu^Titen nach Heiligenblut begebend Er mafs an 
dö:r- Salmshöhe eine.Grundlinie von 626/X9 par.Fufs 
dt^ » nahm an den Endpunkten- derfelben mit einem 
ganzen Kreife die Höhenwinkel der Gloeknerfpitze, 
*iticl mit einem Brander'fchen Winkelmeffer die Win- 
kel, welche die Projection der Gloeknerfpitze auf 
^^ni Horizonte mit der Baßs machte, und berech- 
A>^te daraus die fenkrechte Hohe des Grofs-GJock- 
^•Deirs über dem Niveau des Barometers auf der Salms- 
*^he auf 605 Toifen s=s 363a par. Fufs. 

auf der auFMem 

.Salnasliöhe. Crofa-Gio eigner. 
^•^»Var damahls, am a8. 

U. 2c)ft.Jun. i8ao, der 

Stand eines fehr ge- 

^auen , vom ProfcITor 

' S c h i e g g mit hinauf 

genommenen Baroin* öo'' 7"^56 17" 10''^ 

(naCh7Beob.) (nacli 8 ßeob.) 

^^d der Stand eines frei 

längenden Therm. io*,4R. — o^g R. 



tirid hieraus berechnete Herr Prof. Schi egg xi^ch 
Trembley's Formel die Höhe des Grpr$glocIjl7 
uers aber der Salinshöhe gleichfalls auf GoS/SÖTot» 
fen =3621/2 pärif. Fufs. *) Wahrend des drei« 
tägigen Aufenthalts des Prof. Schi egg auf .^ev 
Salmshöhe veränderte lieh hier de;: Barometerftand 
um l'"/l, ^vä*hrend er in derfelben Zeit in Clagea- 
furth um i^" und in Salzburg um i'"/35 Vjariirte, 
und an beiden letztern Orten war der Barometer« 

ftand 3 bis 4"' über dem Mittelftande. **) 

■■■ ■ ' 

*) Nach der Ruckkehr rom Glockner 6rllieg der Ge- 
hülfe des Herrn Prof. Schi egg den Unters- 
berg bei Salzburg* Es ftand oben das Barometer 
auf 22" io'",6i» in Salzburg auf 26'' ii'^'^i; das 
' Thermometer 5oben 8 %29) unten i4%i4» und das 
freie Therm, oben 7*'^44» untpn t3**37. Hieraus 
giebt Trembley 's,For.mel die Hohe des Unters* 
bergs über Salzburg 700^966 Toifen. Eine krigoiio- 
uaetrifQhö MelTung , die Herr Prof. Schi egg mit 
Alex, von Humboldt unternahm» gab 700^22 
Toifen Höhe. Und diefes fiebt er als einen ent« 
fcheidenden Beweis de& Vorzugs der TremUey*« 
Xchen Formel an« 

**) Herr GeiieralvJcar von Hohen ^vart fand bei 
feiner dritten Glocknerreife am 23ßen Auguß 1802 
den Stand des feilen Schiegg'fchen Baromieters un- 
ter dem grofsfin Krekze 18'', und des Thermome- 
ters im Kaßen 10*, indefs ein freies Therniometei' 
in einer halben Stunde auf S**, und binnen einer 
Stunde auf o*^ herab fank. Oamahls fianden indeb 
auch die Barometer in Clagenfurth und an andern 
Orten um 3 bis 4^^^ höber ^ als wä,brend der %web 



i' 



[ 253 3 

Aus den. gleichzeitigen Bavpnleterft|nd^n be- 
jhnete Her^r Prof. Sqhiegg die Höhe des Glöck* 
rs über He*i.ligenblut auf 1295/3 Toifen, und 
9 26 gleichzeitigen Beobachtungen auf der Salms* 
he und in dem nur 11 Meilen entfernten Salz« 
rg» die fehr gut correfpondirten, (indem an bei- 
3 Orten die Witterung anhaltend gut war, und 
i -Barometer harmonirend ftiegen und £elen,) dl# 
»lie der Salmshöhe auf tißi/72, und folglich 
K:Glockhers auf 1762/27 Toifen über Salz«*' 

\ 

te« Glocknerreife, und über 3 bis 5'" über ihren 
^mittlem Stand. Auf der S^lmsböhe ftand das 
Barometer 20^^ 11'", das Thermometer i5®; (Mor- 
gens um 4 Uhr 10^ und ein freies Themi. + 4^;) 
auf der Hohenwartshöhe erßeres ig" 5"% 
letzteres 8^4; auf der Adlersruhe erfieres I9" 
\*'\ letzteres lo"* ^5; und in Heiligenblut das 
Barometer beim Herauffteigen 24" (/^'fi^ beim Her- 
abkommen 24'' 4'"* — r Als Herr Dkr. Schuhes 
- am €ten Sept. 1802 auf dem Glockner war, be* 
fiimmt^ feine Reifegefellfchaft die Höhe Aes l^aro- 
' > meters im Kaßen auf 18" Z'\ während zu Cl|igen- 
furth der Barometerftand den mittlem "«criederute 
nur um 3 bis Ä"* übertraf. ,)Dies kann jch^^ 
fchrieb ihm Herr von Hohen wart, „nicht be- 
greifen." Herr Dr. Schultes fügt hinzu: „ich 
weifs keine andere Erklärung diefes Phänomens;, 
als die häufigen Gew^itter, die w^ährend unfers Auf- 
enthalts auf der Spitze um den Glockner waren*; 
in 7 Tagen deren vier; am Abend und in der Nacht, 
als wir herauf fliegen , deren zwei. Die Glöckner^?. 
fpitze reicht alfo noch lange nicht über den Wecb« 



fcürg. Nach feinen Beobäohtungto ift ab^r der 
mittlere Baroineterftand zu Salzburg 4| Toife Äbet 
dem Pflafter der Domkircbe 26"' 9"^ bei 14^ R. 
Temperatur, und die mittlere Lufttemperatur 8^R«; 
folgjicb liegt Salzburg ö34/8Toifen überdemNi* 
veau des Meeres ; und dies giebt für deu Glöckner 
eine H5he von 1997^08 Toifen über dem Meere. 
Nach diefen Beobaohtihigen und Berechnungen^ 
(Schultes, Th. 2, S.308,) find dahöT 'folgen- 
des die Höhen der lnerkwü^digften^Punktc ober 

dem Meere: ' ^ par.Fufs. 

der Grofs - Glockiger . ^1198^^5 

die Hohenwartsböbe lo393/tf*) 

• 
fei des Barometerftbudes hinaus. ^* . O^ Thermo« 
xneter im KaAen Aand um 9 Uhr Morgens auf S^R», 
und um 9! Uhr bei geöffnetem Kaßen auf 10^. -7— 
In Ciagen für th war der Thermoineterfiand -am 6ten 
Sept. Morgens zwifchen7 und 8 Uhr 17*. Di« drei 
Barometer, welche'Hrrv. Hohenwart bei der 
erften £rfteig^ng des Glockners im Jabre 1799 teil- 
genommen hatte, Tcraren durch die Ungefcbicklicli- . 
keit eines Trägers, der mit ihnen^iicl, in Unord» 
nung gerathen; daher der viel zu niedrige Baifome- 
terlünd von 17'' 2'", den das am wenig ften befohä'- 
digte gezeigt hatte. 

>) „Die 1782 Toifen über das Meer erhabese Hütte 
auf diefer Höhe,' liegt alfo nur 3 1 Toifen niedriger 
als die Hütte am Col du Geant, iti welcher 
Sauffüre feine intercEfanten Beobachtungen an- 
ftellte, (Voyagcs, T. 4, p. 228.)" C)ie Hütte auf 
der Adlershöhe liegt noch gegen 400 FuCs 
höhei', rf. ^. ' 



[ 035 1 

par. Fufs. 
dieSaUnsIiöhe^an dem Gletfcher ' 836i^2 

cUe Ochfenhütte am Leiterbach , diq letzte 

bewohnte Hütte am Wege 66a4,8 

Heiligenblut 4210^4*} 

Clagenfurth i554 

Salzburg 140B3 

der Heiligenbluter Tauam 80S2 **) 

*) iiDieCes AlpendörJFchen, (eine Gruppe von 8bis le 
. bölzernen Hütten, die bei einer alten gothifchen 
Wallfahrtskirche um 2 gemauerte Häufer liegen; 
die gröfste diefer Hütten ift das Wirthshaus , deffen 
Thor hier zugleich als Stadtthor dient,) liegt alfo", 
fagt Herr Dr. S c h ü 1 1 e s , „ eben fo hoch als der 
Gipfel des Geifsbergs bei Salzburg über dem Mee- 
're, und faft 1000 Fufii höher als der Brocken, 
der Fichtelberg und der Schneekopf, die- 
le ho chgepriefenen Zwerglein vonBergien im nörd- 
lichen Deutfchland. Ift doch fcTbft die Schne*e- 
kuppe im RiefengeWrge nur 4.9^4 V^^' Fuk 
, hoch, lUid alfo faft ein Drittel niedriger, als unfer 
Scbneeberg bei Wieti» Das Heiligenbluter Thal 
liegt ferner 1044 par. Fufs höher als das Cha- 
mouni- Thal," und Heiligenblut 126 Fufs höher 
als Bionnaffay, das hÖchAe Dorf am Montblanc, 
1008 Fufs höher als Guttannen', das höchfle 
Dorf am Grimfel, nur i56 Fufs niedriger als das 
hohe Urfern am Gotthard, und nur 348 FuCs 
tiefer als Sim, Galendorf und Simplon/^ 

**) iUeber diefen Tauern geht ein Weg für Saum- 
roffe nach Salzburg; „und dies ift", nach Herrn 
$chultes, „der näcbfte Weg ron Deotfohland 
nach Italien. Ehemahls fcheint der Handel über 
Heiligenblut einen fiärkern '/ug gelinl)t zu haben, 
tind das (chöne Thal ftärker bewohnt gewefen xu 



[ Ö36 ] 






Die Breite von H e i I i g e n b I u t beftinimte Hr. 
Prof. Schiegg am ö6ften und ^iken Julius igoo 
aus i5 Sonnenhöhen, die mit einem y zölligen Krei- • 
fe, dem Bordaifchen nicht unähnhch, beobachtet 
wurden» auf 47^ ö' 23",6; die Breite der Salms 
hohe am ayften Julius aus 8 Sonnenhöhen auf 
47^^ ö' 48"; und vermittelft der vort hier aus un- 
ternommenen trigonometrifchen Meffung die Breite 
der Glocknerfpitze) (deren Azimuth Jp^ a6' 
weftlich ift , ) auf 47^ 4' 14'^ 

Vomayften bis 3often Julius igoo war nach fei- 
nen Beobachtungen auf der Salmshöh'e dieiraifl- 
lere Temperatur in freier Luft 8° R- > indefs ,fie zu 
Salzburg 16^,4 ^^^ zu Clagenfurth 17^/8 war,- Am 
sgften ftand ein freies Thermometer vor der Hütte 
des Morgens um 3| Uhr auf — i^ R*, und um 5 
Uhr auf — 2° R. , und das einige Klaftern von der 
Hütte fliefsende Gletfcherwaffer war an eiligen Or- 
ten, wo der Wind heftiger darüber hinftrich, 3 

■ 

Zoll dick gefroren. Selbft beim wärmften Sonnen- '| 
fcheine ftieg die Temperatur diefes Waffers nie 
-über i|^ R. In einer Pfanne über Feuer erhitzt, 
gingen 4 Minuten hin , ehe es 9^ Wärme annahm^ 
während in Salzburg das Brunnenwaffer unter übrlr 

feyn, als jetzt; doch ift dort noch eine Gränzmauth 
mit einigen CordoniAen. DasMeiße, was vermaa- 
thel durchgeht, iß Salz; eingerchwärzt ivird hier 
aus dem Salzburgfohen nicht fo viel als über die 
Mainitz^^t (dem fo genannten NaC^feld^r 
Tanern.) 



gens gleiqbep üinftänilen feine Temperatur um 60^ 
indertf iDas fpecififcbe Gewicht diefes Waffers 
fand Qr. Prof. Schi egg mit feinem bis auf 0;00ox 
empfindlichen Aräometer j/Oopi5> — • Auf der 
Hohenwarte fand Herr Prof. Schiegg am 
fiSften Julius um 11 Uhr Morgens, als das Barome* 
ter auf 19" i'",i ftand, den Siedepupkt des WaP- 
fers 75^/672 R. an einem Thermometer, nach wel- 
©liem in Salzburg unter 27" Barom^terftand der 
Siedepunkt bei go^ war. (Sauffüre fand auf dem^ 
Mout Cenis bei 22'' 3"' Barometerhöhe den Siede- 
punkt 75^f8 und auf dem Montblanc bei 16'' Ba- 
«■oiMcterhöhe 68^ R) Statt dafs in Salzburg bei 
*' Barometerhöhe Herrn Prof. Schiegg*s Puls 
Schläge in einer Minute that, fchlug er hier 93 
Mo^hl. 

Die Oebirgsart des Glockners erklärt Th eod. 
^^ Sauf füre, dem Herr Dr. Schultes ein' 
Stü(>k zur Vergleichung mit der Gebirgsart des . 
Montblanc, (gröfisten Theils Granit,) zugefchickt 
«a.t:te, für faft reinen Hornblendfchiefer^ Der 
^^j&n/ikogel fehlen Hrn. Prof. Seh wägri eben in 
Leipzig, der wenige Tage nach Herrn Dr, Schul« 
*^ s den Glockner und diefe nördlicher liegende 
fiöjTgfpitze von Heiligenbliit aus erftieg, ein Gemen- 
gt -von vielen Steinen, Thonfchiefer, Chloritfchie- 
f^t" , Serpentin, Kalkftein zu feyn, und er fand dar- 
^^f befonders Grünftein mit fehr fchönen KryftaUea 
^^oljt neben einander anftehend. 






.' , C 238 J 

I 

, Die Ausficlit von der Spitze des Glöckners ift 
- faft unbefchränkt, und fcheint in dieferffiflficht dia 
Ausficht ton allen Alpen der Schweiz undSdvoyens 
weit zu übertreffen. V Für die Alpen, meint Herr 
Dr. Schult es, fey fie das, was die' Ausficht 
vom Oefterreicher Schneeberge für die fechstau* 
fendföfsigen Voralpen ift. Hier die BefchVeibung, 
welche er von ihr macht, da er, aifi kleinen Kreu- 
ze fitzend, fie in aller Pracht der fchönftenMorgen- 
beleu(?htung fah : „Der Fufcher Tauern ftand, 
wie ein jüngerer Bruder, dem Glockner im Nor- 
den zur Seite, Hinter ihm, etwas gen VVeften, er- 
hob "fich. das fchianke Wisbachhorn ftolz in die 
Lüfte.*) Das Teufelshorn und der zwei- 

*) Beide liegen fchon im Salzburgifchen. Der 
' Fufch - Ar ift mit dem Glockner durch den gro- 
fsen Pafterzen -iGletfcher verbunden, wel- 
cher fich in Form eiines Y um dep Fufs des Glock* 
ners lagert, und deffen beide "Schenkel, der eine 
nach Often , der andere nach Weften , fich weiter 
als 3 Stunden hinziehn. Der weltliche Schenkel 
reicht bis nalie gegen Ki^brunn im Salzburgt- 
Ichen hinab, und 'man foH darüber nach diefein 
Schlöffe hinab reiten können, doch nicht ohncx Le- 
bensgefahr, da fchon ein gefchickter xSteiger Miihe 
genug hat, fich durch die zackigen Gipfel der Eis- 
felfen durchzuwinden, und über alle Eii.klüfie wpg- 
zufetzen, die hJür vreder minder häufig noch we- 
niger gefährlich find, als in den Gleifchern der 
Schweiz. — Das Fifchhacli - oder Wis- 
bachhorn Kömmt dem Glöckner an Höhe £» 



t «39 3 

gipflicher W a t^ m a n n am, Königsfee *) ragten» 

kaum deutlich bemerkbar, ' sl^s dem Meere voa 

Sclineealpengipfeln hervor ^ das von Nordea her 

du den Glockner zu ftofsen fchien^ und im Norden 

^ejrloren fich die Berge des Eöhmerwaldes im. 

G'^au der Luft. Feierlich ftand an diefer Gletfcher- 

ket:te.im Nordweften der Hailftädter Schnee-» 

tejrg, wohl um 12 Meilen ferner als der Watz- 

•öaxin; .und verfammelt um dieCe Riefenalpe lagen 

dies Schneeberge alle, die Steiermark von Oefter- 

>^ci<::h trennen, im fernen Blau des Horizontes» 

nahe , dafs es anfangs ftreitig fehlen , welche von 
beiden Spitzen die höhere fey. 13cide find von ahn* 
lieber Geßalt; nur das Wisbachhorn weniger nacKt, 
niinder Aeil und mehr mit Schnee abgedacht. Bei 
der Erlleigung des Glockners fand es lieh indefir, 
dafs man von der kleinen Spitze über das Wisbach« 
hörn wegfieht) diefes alfo niedriger ift; nach Hrn. 
Dr. Schul tes Schätzung mag es ungefähr fo 
hoch, als die Adlersruhe , [d. h., 10800 Fufs hoch,] 
feyn. Er ßeht noch ein Mahl fo w^eit vom Glock- 
^ ner, als der Fufch-Ar, weiter als i Meile, ab. 
Etwas welUieher zeigen fich die Tyrolcr Eisge- 
birge. Der Brennkogel* ii\ nach der Angab« 
des Dr. Schultes 7867, nach der des Herr» 
Ton Moil, (Jahrb. d.,Berg- und Hüttenkunde, 
B. 4i Liefcr. 1,) 7919 par. Fufs über das Meer 
erhaben, der Kaßkopf 7768, das Kreuzloch 
7J646, der Grüner 6554 ^^^ <l^e höchßa 
Goldgr^ube in Rauris 7668 par. Fufs. 

J Zwei hohe ßeile Köpfe, die lieh aus einer Keue 
von Bergen hinter dem Zeller -See erheben. 



t 940 3 

liftd Gipfel zog an Gipfel hin gen Often. - Mein Aix- 

ge fuchte den Oetfcher unter den Taufenden 

Ton Sohneekuppen , £?fiehe*S. 215;] gefehn haben 

inag es ihn vielleicht, und feinen Bruder den 

Scbneeberg, (fiehe S. 2.1S9) ^her erk^iintt fa^Kt 

es ihn nicht. — Zu Fufsen lagen mir der RavJi.* 

tifer Tauern, die Goldzeche^*) die Zirk^'* 

tiitz, die Malnitz und alle die Tauern und A-^' 

j}en, welche die eifige Mauer zwifchen [Salzburg 

und weiterhin zwifchen] Steiermark und KärAjkben 

bilden; fie zogen hinauf im Often zu, ihren nördü* 

chen Brüdern und verfchwanden mit ihnen am HO' 

rizonte. Der Terglow, die Zierde Ki*aitt^> 

ftieg im Südoften empor über die fchroffen Üat^ ' 

vancas aus einem Meere von weifsen Alpeng** 

pfeln. **) Mein Auge irrte weit über fie hin \xt^^ 

über 

*) Oder vielmehr das Hochhorn, in welche d*^ 
Goldzeche getrieben wurde. d. H. 

**) Der Terglow ift der höchfte Bergkopf in d^* 
Kette der karnifchen und lulifchen A-^*, 
pen, welche vom Urfprunge der Piave an, ^^■' 
auf der Gränze Italiens mit Tyrol und Kamth^^* 
und dann durch Krain bis in Dalmatien hinziele ^* 
und untec veränderten Namen, als dina 



fche Alpen, auf der Glänze von Dalmaiifc:?^'^J 
Thracien und Rumilien mit Bosnien, Seryien w^^ 
Bulgarien ununterbrochen fortgehn, Haccju -^"^ 
ficht den Terglow als die Gräaze der karwifch^^- , 
und der öfilicher liegenden julifchen Alpen an, iic^-^ 

• ■ na< ^^ 



fer die Hcigel an.Adriens Ufer;- es fachte dep 
piegel des Meeres -jeivfedt$ des K a r ft-es'; im Glänze 
Xr Sonne, die über dfem Meere ftand, verfchwan* 
5n inclefs Berge und Meer. *) In Südweft überfah 
h ganz Tyrol mit feinen Fernern und Thälern; 
iter ihnen ftand der Brenner wie ein breits- 
chultriger Atlas, und der Ortßles; fielehntent 
6h an die Alpen der Schweiz und des Bündner 
andes. Ueber die fchmälere Aipenreilie des Zil* 
sr tbals ^verlor fich d^ Auge in Baierns Ebenen^ ' 
*— -und entdeckte noch weiter hinaus den Lech» 
Eid vielleicht noch die Hagel der lUer und der 
ab. — — Im heiterften Azur, dem dunkelften 
shwarzblau, fah ich hier den Himmel die Erde 
mfdffen , in der feierlichften Stille.- Die Erde lag 
a herrlichften Aetherlichte unter ihm. Ich fah 

« 

301 ftrahlenden Silbergürtel von Schnee und Eis 
I Europens Jungfrau. — — Den ganzen Anblicl«, 
inn ich mit nichts beffer vergleichen , als mit dem 
6^ Stücks der Mondfeheibe in HerfchePs Te* 
rkop«. Die (Ilbervveifsen von Schnee glanzendeii 

• 

nach ihm toll der Terglow, ien er mehrmaihlfi von 
Laybach aus erftie^en bat) i399 Toifeii über Lay» 
bach und i549 Wolfen sc 9294 par. FuFs ul>er der 
üleeresHüche erhaben feyn. Die Gletfcher auf dexd 
Terglow fmd die einzigen in Krain. 

^^ Ein Bauer, deffen Wahrheitsliebe unv||rdächtig 
war, zeigte Herrn Dr. Schultts vom Gipfel aus 
gerade bin auf des adriatifche Meer^ wo er einnuibl 
Nachmittags Meer gelehn hat» 

^JEinal. d. Pbyük. B.ao» Sls. J. i8o5* St. 6« Q 



C a4a i 

Alpengipfcl find die lichten Punkte, umi welcU^ 
fich die dunkeln Thäler'und Waldgebirge, wie die 
Fl^^cken.im Monde, in taufendfaltigen Geftalten 
gern. Man fieht etwas, und weiCs nicht, was es ii 
ob Berg oder Thal. — Als ob ich glücklicher g^ 
wefen wäre, als ein Sterblicheres verdiene, hall^lic 
fich jetzt die Erde unter mir in einen Nebelfchleier* 
Tief aus den fch warzblauen Thälern, die "ftrie diiÄa- 
kle Flecken in des Mondes Bild zerftreut in d^Ti 
Strahlen der Eisgebirge unter mir lagen, hobcsji 
fich die Nebel in taufendfaltigen Geftalten, und fti0' 
j^en in die Region des ewigen Schnees empor» Bi^ 
Spiel der Winde, die fie über den Glietfchefn z^' 
fammen ballten und in i^is feffelten^ Aus allen Ti>^ 
lern ftiegen fie herauf, wie Rauchwolken ; in vr^' 
nig Minuten ver fch wand die Erde und alle Berjg' 
fpitzen, und ich ftand im Ocean des Nebels auf rnc^^' 
nem Gipfel. Es war nahe an lo Uhr. — — — ** 

„Der Ausdruck Schneegränze^y bemerkt HeJC^ 
Doctor Schultes, Th. 2» S. 59, „ift etwas u^" 
beftimmt, wie auch Sauf füre, T. 2j p- 58^' 
in einem langen Kapitel beweift. Ich war auf ma^*' 
eher Alpenkuppe über der fo genannten Schrie^' 
gränze und fand keinen Schnee, den ich dochat^ 
der Eiskapelle zu Berchtesgaden angetroffen hab^ 
die ficher nicht 200 Toifen über dem Barthol*^ 
mäusfee, und ficher tiicht fo hoch als HeiligenhB^ ^ 
[4200 Fufs,] ilber dem Mieere liegt. Es ift, Vf^ 
nigftens auf unfern Bergen, keine fo leichte Sacl> ^ 
die Schneegränze, bis zu welcher Krummbolz hi ^ 



C 245 3 

auf fteigt, zu befdinineii, jQebfrgsärt» Abhang der 
i^pet Wind» Weltgegend und hundert Localitä- 
tttiü machen das weit fchwieriger, als die glauben^ 
li'ff&Icfae taglich be£chneite Alpen vor fich fehn, oder 
)Ae elften im Julius mit Schnee bedeckten Alpengi^ 
p£el gef eh n haben. Ich hoffe einft eine eigne Ab- 
Wxidlung tiber Schneegränze Überhaupt, und in* 
O^fterreich insbefondere ausarbeiten ' zu können.*^ 
N'ach Herrn Dr, Schultes liegt der .Pafterzen-* 
gl^fetfijher, [deffen Höhe über dem Meere wenig* 
ft^ens. ifoo Toifea beträgt,] bereits unter der 
Solineegränze, und die Eiskapelle beinahe 500 
f^oifen unter ihr. Er fcheint daher hier, (zwifchen 
48 und 49' Breite,) die Schneegränze. auf 7000 Fu£b 
fltxor der Meeresfläche zu fetzen. Der Weg auf 
^m Glockner führt fchoa unter der Ochfenhütte 
^'KiL Leiterfteige » (wo die Region. des Krummholzes 
^^ ») über ewiges Eis fort, das von den höhern 
frijpfeln herab geftürzt ift. (Th. a, S. 128.) 

^Auch in diefem Theile der Alpen**, fagt Herr 
I^x^. Schultes, „ift es Erfahrung, dals die Glet- 
{^lier wirklich wachfen. Man iieht es hier an 
^r Pafterze, an der Goldzeche, am Mal- 
i^itzer Tauern, an der Zirknitz, wie iie 
)^rlich gröfser werden. Die Wiefe des Pfarrers 
^^n Sägoritz , die vor hundert Jahren noch gemäht 
^^rde, ift jetzt ein Gletfcher. — — Die wich- 
*J^teUrfache liegt in der Natur der Gletfcher felbft. 
Wir finden fie immer nur in hohen Thälern, nia 
^^ den Gipfeln der höchCten Berge der Gegend. Si# 



[ ö44^ 1 



entftanden durah das Herabftürzen der Lauwfneöy 
durch welche mcfhr Schnee in das Thal^: das. jetaft 
Oletfchisr ift, gebrac|it Virurde; Hs in den nächft 

4 

darauffolgenden Sommern von ti6x Sonne&wirme 
aufgethaut werdet! konnte. Der Schnee zetlfioft^ 
wie jede etwaig beträchtlichere Schneemaffe in eiiier 
Temperatur nicht hoch übef'dem Gefrierpunkte, zil 
Eis, das an dör Oberfläche nicht glatt, föndern wiö» 
aufgethauter und wieder'gefrorii er Schnee rauh, und 
blafig ift. " Eine folche Eismaffe mufs die Teriipe- 
ratur fo erniedrigen , dafs Niederfchläge iturSchat* 
ten , als Schnee ödei" Haareis auf die Eisdecke her*, 
ab fallen, die an andern Orten als Regen oder Ne-' 
bei niedergehh, und dadurch oft in wenig Stunden, 
den Verluft erfetzen, den die* 6onnenwärme durch, 
mehrere Tage" erzeugte. Sofah Hacquet hier, bei« - 
ganz klarem Himmel es auf einem Gipfel fchneien^ 
auf dem andern nicht; blof$ von dem kalten Wini« 

r 

de, der Aber deh Pafterzengletfcher dahin bliest 
Üeberdies thaüen Gletfcher mehr von unten- als 
von oben auf. — '-^' Bedenkt ^maa endlich, dalif 

die erfte Lauwitie, die den Grund zum Gletfchef 

. •■ ■ ' ■ ■ 

legte , den übrigen den Weg dahin vorbereitete', in^ 
dem fie die Fellen dort zerfchlüg,. welche die Schnee- 
lehnen ftörzteh; — — - fo Seht man deütlicbt 
däfs Winter und Sommer gemeinfchaftlich dea 
Wachsthum des Gletfchers begünftigen. -^ — Dia 
Pafterze, 4^ö Tbifen über Heiligenblut, (iioO 
über dem Meere,) Ift bereits unter der Schnee« 
granze^ und die Ei^^apelle bei Berchtesgaden Hegt 



C 245 ] 

beinahe 5oo Toifen unter der Schneegränze und ift 
nicht gefcbmolzen. Auch die Abnahnie der Wälder^ 
W den Racken der Alpen, veranlafst , durch das 
hiol^vcrfchwendende Feuerfetzen ii\ den benachbar- 
tkU Goldbergwerken , ift eine Urfache dei: Zunahme' 
ider .Glfitfcher. , Die Schneelehnen, die doch^zuin 
, iTheU durch die Wälder gedämmt wurden , rpllten 
i oran^nit verdoppelter Kraft herab, und brachen die 
I Hbrigen noch fchwächern Dämme durch/* — r ßeim 
,' Horabft eigen vom GlockneV betrat Hr. Dn Schul- 
f tes den Gletfcher um Mittag*. „Behutfamer", fagt 

r" • 

: «Ti „fetzten wir jetzt Ober die Eisklofte, als wir es 

^ im Dunkel des Morgens thaten, Wir fahen die^Dün- 

\ ike der Eisdecke, auf der wir über klafterntiefp Klüfte 

\ luogingen; wir fahen dieGIetfcherbäche hinab ftür» 

-zen in die Nacht der Eisgewölbe, hortentfie rau» 

ichen und die Eisdecke unter »unferi) Tritten kra- 

<i>en; wir legten uns nieder am Rande der Klüfte» 

und iahexi dem fürchterlichen Schaufpiele der Eis* 

bache in den Höhlen der.Gletfcher zu. Wir fahen 

liier die hundert Schichten von Blau und Grün und 

Wwfe, in welchen das Eis über die Thäler. und 

Tiefen, als eine achatne Decke gefpannt v^ar, und 

die Säulen, die diefe Decke ftfttzten, ausgehöhlt 

wie die Spindd einer Wendeltreppe. Wer kann 

dieTiefc diefer Säulen meffen ? Voll Bewunderung 

über diefe Eisarcaden kamen wir auf das Steingeröll 

und über daffelhe glücklich aus dön'Regionen desEi- 

{es zurück auf dieSalmshöhe^ Der Kees, fagten die 

Bauern» hat das OffröUe ausgeworfen- Wahrfcheifa* 



,-t 



t 646 1 

I 

li'cli rollen diefe Steine, die der Gletfcher Herra^ 
drücken foU» von den benachbarten Bergen inicli^ 
hiob über > fondern auch umer dem Schnee hinat^ 
in die Eisböhlep des Gletfchets. Hier werden 6e^ 
TOB den reifsenden Eisbächen gefaCst, und in deü 
Schluchten bis hin zum Ausgange fortgetrieben, wo 
der Gletfcher auffitzt, oder wenn grölsere Blöcke 
iich an den fpiralförmigen Säulen ftemmen, an ih* 
ven, wie an einer Schranbe heraus gehoben wer- 
den, wenn der Froft die Kluft zufammen fchnürt^ 
oder der angefchwoUene £isbach Stotskraft genug 
bat, fie h^aus zu werfen. Und nun liegen die un» 
geheuren Steinblöcke dort am Rande der Schluchten^ 
Vro iie, YFären fie von höhern Wänden herab ge- 
ftOrzt, wie man beim erften Anblicke glauben folg- 
te, fich nimmermehr würden haben halten kön» 
»en. ♦) JDer Wechfel der Temperatur fchein^ 
joeben der Neigung des Bettes des Gletfchers^ die tot» 
cüglichfte Urfache der KJafte zu feyn, obfchon fie 
S a u f f ü r e ganz überfieht Der Einflufs der Tem- 
peratur auf den Gletfcher zeigt fich auch daran^ 
dafs die Oberfläche des Eifes nie, aufser am firüheii 
Morgen , glatt ift." 

„Aus dem Gletfcher an der Pafterze entfittingt 
die MöU, ein FJufs, der durch fein« merkwürdi- 
gen Wafferfälle und prächtigen Cascaden gewifs ebien 

^) Nach Herrn yon Hobenwart geht man Tpn 
der Salmsböhe zum Glockner hinauf, faß | Stun- 
de lang über Steinplatten forti unter welchen 
fehon djBr GledScher fiegt. d. H. 



C M7 1 

fo .rnerkwürdig ift» als die AiTve/' Der fchönfte 

ift der fo genannte Jungfernfprun'g unterhalb 

Heiligenblut, ,,wo das Waffer 80 Toifen hoch ^us 

tiner Serpentinwand ganz frei und fenkrecht her«^ 

Bnter fällt, und fich im Sturze zu dem feinfteii 

Staubregen zertheilt, in welchem die Sonnenftrah* 

len bei helterm Wetter den fchönften Regenbogeb 

Uld^n. ^ In diefen reifsenden Alpenbachen findet 

Man noch jetztj.fo genannte Stockmählen mithori* 

20xitalen Xyafferrädern. „Da fie beinahe als Waffer*. 

fälle herab ftürzen , wihrden fie jedes vertiefe Rad 

^'^ixch die Gewalt ihres Stofses zertrümmern, m;t 

. ^^«n wagerecht eingefenktenRade fpielen fieKreifel» 
^^^d eine ärmliche Hütte mit einem einzelnen Mühl» 
8^-%ge darüber gebaut, mahlt ficher und ruhig am 

' '^^^Qufenden Bache. Solcher Mühlen find beinahe 

s._ \ 

^^^ an einem Bächelchen, das bei der Warte vor!U^- 
^^^enblut, welche die Aüsficht in das ävfsere Tnal 
^^^^n.Döllach und in das höhere, Pafterzenthal be- 
"^Ärrfcht, von einer Alpe herab ftürzt/' 

Herrn Dr. Schultes überrafchte in der Hütte 
f der Salmshöhe während der Nacht ein heftiges 
wüten ,^Der Donner hatte in diefer Hohis, ob- 
on das lautefte Echo hier an den Felfenwänden 
fbnt, doch nicht den vollen Gang als in der Ebe- 
Selbft in den drei nächtlichen Gewittefn*, die 
in IHeiligenbiut erlebte, bemerkte er nicht..den 
^len Donner der Ebenen, doch einen völlern al5 
der Salmshöhe." 




.« 



t MB ] 



iJr. Gciwralvicär v. H o h e n w a r t , der bei hh 
ncr zweiten Befteigung des Glöckners einSauffOre^ 
fches Kyanometer mit ßch fahrte, fand, dafs aiu 
der Hobenwartshöhe der heitere und wolkenlöfe 
Himmel fchon fehr merklich feine hintmelblaue Far- 
be zu verlieren anfing. ,,DasJ3/aw", fagt er, ^ wurde 
immer dunkler, je höher wir ftiegen. *) — -«• 
Auph .bemerkten wir voii hier an fchon fehr deut^ 
lieh die Folgen des verminderten Luftdrucks. Das 
Athemholcn wurde immer befchwerlichei^, und die 
Beklemmung der Bruft immer ftärker, in ebenjdem 
Verhältniffe. als das Blau d(is Himmels immet 
dunkler wurde. Es war mir unmöglich, mehr als 6 
oder 7 Schritte zu thun, ohne wieder auszuriihen. 
£s befiel mich manchmahl eine folche Schwächb 
und Entkräftung, dafs ich auf die Kniee finken. zii 
i^ffen glaxibte, einmah} felbft eine Art von Ohn- 
macht) von der ich mich aber, als ich mich in Heu 

*) Herr Prof. Schwägriehen fand auf der Spitz« 
des Brennkogels ,,das Blau des Hinimels nicht 

«^ halb fo dunkel als auf dem Glockner. Es war fehr 
fchönes warmes Wetter, leichte weifse Wölkchen 
fchwammen hier und da in der Luft. Wenn auch 
nur das kleinfte WölUchen -di« Sonne bedeckte, 
empfand man eine fehr merkliche Kälte, die fo- 
gleich in die angenehme Frühlings wärme über- 
ging, fo bald die Sonne wieder hpU fchien." Def 
Schnee war dort voll .kleiner Infekten , meift g«« 
ßügelte Blattläufe, die der Wind hinauf geweht 
hatte« Die eigentlichen Schneethierchen fachte €f 
Tergebens. 



c «49 i 

cbnei^ nifederfetzte, und etwas mTite^ oald wieder • 
rhohlte.** „Eben dies'*^i fügt Hr. Dr. Schöltet 
iinzd» ' „begegnete auch mir. Ich wage es nicht,* die- 
ses äiifserft fonderbare Phänomen z'u erklären, da» 
Siuff^ire, T. i, p. 482, trefflich befchrieben 
Vit; dlefe Befchwerlichkeit des Ath^mfaolens» die«. 
jb Beklemmung auf der Bruft, und diefe unbe* 
{^reibliche Kraftlofigkeit, die dem Gefühle gleicht» 
<la8 man hat^ wenn die Glieder eingefchlafeto war 
nn. - Alan glaubt jetzt in Ohnmacht zu finken voä 
Ermattung, und hat in einigen Minuten Ruhe wie« 
der Kräfte genug gefammelt, um fieh aufl iieiie ei- 
Ire Ohnmacht zu erfteigen , die bei jedem Schritte 
nieder kömmt. — Der Wind verlor ficb, fo wie fich 
Herr von. Hobenwart deni Gipfel des Glock-' 
Bers näherte, und an der höchften Spitze ver- 
Ichwdhd er faft ganz. Eben dies* begegnete auch 
Herrn Dr. Schultes. Beim Herabftelgeo ftach 
die Sonne fo heftig, dafs der Fürft fich genöthigt 
£ih, bei der Hohenwarte mitten auf dem Schnee fein 
Kleid abzulegen. 

Herr Dr. Schultes führt noch eine andere 

Optifche Bemerkung von der Spitze des Glockners 

iUi „von der er jedoch nicht zu entfcheiden wag^ 

ofi'fie mehr dem Objecte als dem Subjecte zugehu* 

re.^ Er und feine Gefährten glaubten nämlich 

biet dieGegenftände zunächft um fich in einem ganz 

eignen fchwachen Lichte zu feh^n, dem bereiner 

ringförmigen Sonnenfinfternils ähnlich, oder als 

Eilickte man durch einen fch warzen- Schleier 9 indeüi 



C *5d 1 

die entfernten Oegenft^nde in den Tbälern und ; 
den bepaob^art^n Bergen wert heller beleuchtet v 
jreti. — <-— stPer Herr Pfarrer zu lieiligeqblul 
ilagt er» „£|h mit dem Telefkope» *) wio icix m 
sen Mantel auf der Adlersruhe , auszog; wir fab 
^t gleich guten Fernröhren keine Seele voii d 
Heiligenbluter ^^uern, die doch damahls im Thj 
ai^beiteten und hin und her gingen« — — Etvi 
ähnliches gilt hier auch vom Hören« Die Pol! 
vonHeiligenbluty'mit denen «uns der gutePfarrer^ i 
n uns am Zide unfrer Reife fab» begrüCste» hc 
len.^ixi^uf der Glpckperfpitze fo deutlich, als vi 
ren fie auf der Hohenwarte abgebrannt worden» 
^eiligenhlut hörte man utifre Fiftojienfcbüffd vc 
Gipfel herab nicht| auch knallten fie oben bei w< 
tem nicht mit jenem Effekt, wie in der Ebene, i 

auch Saüffüre, T.4* P«^^7» ^88» ^980 ^ 
xier unter uns hörte an der Adlersruhe beinahe ; 
. des Wort, das wir am. Gipfel fprachen, und /vi 
vernahmen fein Schreien nicht. ^ Auch Herr vc 
Hohenwart höHe auf der Glocknerfnitze jed 
(Mahl die Schaffe in Heiligenblut „ mit einer Dev 
lichkeit, die in einer fo grofsen Entfernung faft u 
.glaubUch ift*' 

Während feines Aufenthalts auf der Salmshöl 
;am 2gften Julius 1 80O ftellte Herr von Hoher 

*) Ein fünffchufaiger Dollond, den der Furfibifcb« 

^oii Gurk im Jahre i8oo nach Heiligenblut g 

' fchcnlu hat. Man lieht dwrch ihn dentlich den B 

rombterkafien am Glockner, und die vergoldet* 

Plältchen am Kreuze , die wie Sterne funkeln. 



C ^Sf 3 

wart einige 'Verfuche mit dem Bennet'fclien f/^- 
ctrometer an. >»Ich war^V f^ er, „über die aus- 
neliniend ftarke Wirkung der Electricität auf diefer 
beträchtlichen Höhe fehr erfreut. Ich fand fie fafr 
um die Hälfte ftärker als zu Haufe, welches wolil 

• 

der trocknen Luft zugefchrieben werden niag. Wie 
Wirkfam wArde hier ^ine. ElectriCrmafchine feyn« 
und wie viel Verfuche und Beobachtungen lieCsen 
£ch hier nicht mit ihr anftellen! Eine Glasröhre 
mit Druckpapier gerieben , machte in einer Entfer* 
nung von ü Schuh die Goldblättchen um 5^^^ divef^ 
giren ; um eben fo viel Siegellack an Tuch gerieben 
,ln 15" Entfernung; und gepulvertes Harz auf das 
^ellerchen des JElectrometers gefchottet, brachte 
«ine Divergenz von 5 bis 6"' hervor. " (Man ver- 
gleiche Säuffüre, T. 2, p. 60, 202.) 

,,Ich mufs bemerken**, üagt Herr Generalvicar 
▼ on Hohenwart in feiner dritten Glocknerreife, 
a»dafs ich zu Bergreifen noch bisanf diefe Stunde k ei* 
•äo bequemere und beffere Reifebarometer gefehen 
^abe, als diejenigen lind, welche Herr Zambra 
tu Salzburg, nach Angabe des Herrn Schiegg, 
Vormahls Profeffor dafelbft, verfertigt. Ich befitze 
durch die Gate des Freih. von Zois in Laibach 
?Wei englifche Reifebarometer von Martin iu 
London verfertigt, die fo fchön und gut gearbeitet 
.^^d, als man es von einem englifchen Inftrumenten^ 
Bacher zu erwarten gewohntift. Das dreifchenk- 
^S® Stativ dient zugleich auf der Reife zur Aufbe- 
wahrung des Barometers. Allein die zambraifchen 
^^ auf Bergreifen noch beqnemer : ihre Sperrung 



iftfehr gut tinrf einfach ; dasQueckfilber ift fleifsij 
aüsgefotten ; und fo i^in Barometer mitfeinem Ther 
inometer und einem ledernen Futterale, um'daflel 
be nach Art einer- Jagdflinte nber die Achfel zu häd 
gen, koftetan Ort und Stelle nicht gär 9 Conven 
tionsgulden. Ich befitze deren zwei; die-auf einei 
Punkt harmoliitren , und niin fchon ein Paar Reifei 
auf denr Glockher ausgeftanden haben. ♦) Aud 
'die Thermometer des Herrn' Zambra für die freii 
Luft find vorzüglich und halben eine bequeme Ein. 
richtung." ' 

/ 

^ch befchlielse -diefen Auszug mit einer Stelle 
aus dem erften Theile d^s Tagebuchs des Herrn Dr 
Schult es, worin er feinen Aufenthalt, in Döl- 
lach befchreibt, einem Flecken an der Moll, 
a Stunden unter Heiligenblut, wo fich der Cirk- 
nitzbach in die Moll .ergiefst 

, „Zögernd ftiegen wir am Rande des Abgrun- 
des, den die Moll durchwühlt, hinab nach, D öl- 
lach oder Grofs - Kirchheim; die Ausficht tn 
den Keffel, in dem es liegt, Tticht fehr von deril 
Profpect von der Höhe von Sagoritz ab, und man 
mufs fich erft mit diefem Oertchen ausgeföhnt ha» 
l)en, um es hßbfch zu finden. Der Gedanke an 
die wahrhaft goldnen Zeiten, die es einft hatte, als 
hier die Goldbergwerke noch blühten, die trauri- 

*) Sie ftandan zu Obervellacb an der Mdll auf 
ab" 3'"» 



C ^3-^ 1; 

geff'Rttfte (euiec Mauern, und hier und da ein halb 
verEallnes Haiis» das nochJa feinen Ruinen dea 
Wohlftand feines Erbauers veriiandet» «erwecken* 
bald ein Gefühl des Mitleids. — — H|er warea 
eiiiiSt JCärntbefks «Goldgru^^n, und jetzt --7 hält 
jnan die 'armen Einwohner di^fes Orts, der doeh^ 
beinalie go Häufer , und beinahe eben fo.viel Quafi-. 
Cretins zäblt > nicht einmahl eines Pfarrers werth» 
I>er Pfarrer des Orts ift der eine ftarke yiertelftun- 
de davon auf dem Berge zu Sagoritz wohnende. 
OechanL — '— " . 

,,Die armen Einwohner leben gr öfsten Theils voa 

d:^ ^inkfabrik, die ra^Q ihnen zum Erfatz, für die 

axjifgelaffenen Goldbergwerke gegeben hat. Sie her 

foliäftigt etwa 80 Arbeiter. Der Galmei. wird aus, 

^ieiberg bei Viilach hergeführt, und giebt 23, 

grt:iter auch wohl 32 bis 37 Procent Zink; die Fracht 

^ ^trägt f ür j den Zentner 32Grofchen. Er mufs ge*, 

<^Oahlen, gefcblemmt und gewafeheq ^ werden , we?^ 

S^sn des Bleies, das ihn vei'un reinigt, \yelches hier 

^oftbare Mühlen werke und Waffergebäude an der 

^Iles zerftörenden Moll nöthig macht. Die Zink« 

^x^zeugung befteht vorzüglich iii einer Art von de^^ 

y^dllatio per defcenfurriy und die Verfertigung der 

^aza^nöthigen Röhrea, (deren jede nur 6 bis 10 

^^ahl zu gebrauchen ift,) ift eine eben fa wichtige, 

*^icht minder koftfpielige Vorarbeit, Der Thon da- 

,^U wird theils aus Leinach, theils aus Obervöl- 

*^ftc.h herbeigeführt, hier geftampft, gefchlemmt 

^- f- w., wodurch der Zentner guten Specktbons 



C ä54 l 

dtif 3 FI. zu ftehen kommt. Auch die Scherben de 
zerfchlägeneo Röbren werden eingeftampft. £i 
Tdpferm^fter mit 5 Gefellei^ verfertigt die Röhre 
auf der Scheibe und mit Rahmen« ^' 

n In' jeder diefer Röhren wird 3 bis 7 Pfund Gx 
mei mit Kohlenftaub in den Ofen gefetzt Der Ofe 
felbft beftebt aus 3 Doppelöfen ,. die nach Art de 
Copolöfen gebaut find» und ift mit Talkfchiefer aus 
gefetzt, der in dar Nähe gebrochen wird. Es fcheini 
dafs man aiich Talk zu dem Thon der Röhren 
nimmt. Gewöhnlich werden 126 bis 150 RöhreJ 
auf ein Mahl ins Feuer gebracht. Während der Re 
duction des Zinkmetalls entbindet fleh, eine Meng 
brennbarer Lvfty die theils als folche, in Geftäl 
von Blitzen » theUs verbunden mit Sauerftoffgas al 
Knallluft, in wildem Donnergepraffel herum fchlägl 
Da nur zwei Mahl in der Woche eingefetzt wird 
(und wöchentlich werden* ib 14 bis 16 Zentner Zinl 
erzeugt,) fo traf mich leider das Unglück, diefi 
Phänomene, über welche ichVmir fo gern Rechen* 
fchaft gegeben hätte, nicht (elbft beobachten zu 
können. ♦)—-—— Da es mir bekannt war, daDs 
Herr Bergrath Dillinger feine Manier, den Zink 

'^) Galmei ift bekanntlich Zinkoxyd, welches melui 
oder weniger kohlen£auer zu feyn pflegt Zuges 
fetzter Kohlenfiaub entoxydirt das Zinkoxyd ; un^ 
dafs in diefem Falle der Kohle nßaub Cch nicht iis 
Maximo » d. h. , nicht bis zur Kohlenfäure , foncter 
gröfsten Theils nur bis zum gasförmigen Kohlet 
oxyd,.oxygenirt, ift durch Prieftley*s, Crui 



E »55 } 

• ■ 

ausOalihei upd aus Blende zu redticiren» geheiid 
geiialten wiffen will , fo wollte ich nicht von allem , 
Befcfaeid wiffen, und würde auch, wenn ich zufal-> 
lig mehr gefehen hätte, als ihm lieb wäre» reinea 
Wund halten/^ 

»»Die jährliche Erz^eugung in diiefer SSinkhattei 
betragt im Durchfchnitt von mehriern Jahren 6oO 
bis 700 Zentner. Die kaiferlichen Meffingfabrlken» 
wie die zu Frauenthal, erhalten den Zentner Zink 
um 40 Fl. ; Private um 5<> Fl- Da man diefe HOtto 
dsEntfchädigung für die ehemahligen Goldbergwer* 
ke um Grofskirchheim in diefem Orte läfst, wo die 
Klafter Holz 4 F^- koftet, vro der Arbeitslohn, we-^ 
g'en der Theurung der Lebensmittel, hoch fteht». 
Wo die Zufuhr von allen Seiten erfchwert und det 
Wafferbau in doppelter Rückficht fo koftbar ift ; fei 
darf man fich nicht wundern , wenn der reine Er- 
trag diefer Zitikhütte jährlich nur 5000 bis 6000 FI. 

'ift " 

„Diefe Zinkhütte, fo wie die zu Döllach inv 
l^raüthale, ift auch beftimmt, die Blende zu vcrar- 
betten , die am Schneeberge in Tyrol gewon- 
hen wird, welches bisher blofs die koftfpielige 

fhank's, Oesormes Unterfüchungen m ein vol- 
ley Licht gefetzt worden. Auch die Kohlenfäure 
des Galmeis felbll: erleidet hierbei groüsen Theils die- 
fe Verwandlung. Das gasförmige Kohlenoxyd iü 
aber bekanntlich brennbar, und detonirt, wenn e9 
mit Sauerßoffgas oder dimofphärifcher Luft veri* 
JBiifcht angesündtl W^-d« d. H. 



Jprackt üb^r $terzing nach den beiden DöUachs^ver 
hindert hat, fo dafs erft einige taufend Zentner yer 
Schmelzt -find. So bald die Th^urung nur etwas 

nachläfst, wird, die Zinketzeugung aus Blende in 

• •-■.-■■ ' • 

Grofsen getrieben werden. Auch in dem Cirkni' 
tzer Thale findet man in den Halden eines aufgelaffe 
nen Goldbergwerks, 5 bis 6 Stunde von der Moll 
viele Blende, die verarbeitet werden foll, fo balc 
äie nöthigen Vorrichtungen getroffen find. " 

„Die Erzeugung beider Zinkhütten betragt ztL 
fammen jährlich i5oo bis i6oo Z^entner Zink., w<^ 
von der gröfste Theil an die 'kaiferl. Meffingfabrit 
zu Frauenthal in Steiermark, geliefert wird. - .Sei 
man dort Zink ftatt Galmei pimmt^ erhält man wei 
gefchmeidigeres und dehnbareres Meffing^, als ehe- 
dem. Man wird künftig a,uch Zbrlz :^ Vitriol unc 
Zink'Weifs auf den Zinkhütten bereiten." 

„Der Errichter diefer Zinkhütten und der Ent- 
decker der Zinkbereitungsmethode aus Blende, ifl 
der verdiente Herr Bergrath. Dillinger zu Cla- 
genfurth, ein geborner Wiener. Der Raifer ernana** 
te ihn im Jahre l8oo zum Director aller in den ge«- 
fammten Erbftaaten zu errichtenden Zinkhütten 
lind fetzte ihm zur befondern Belohnung 15 Pro- 
cent von dem reinen Gewinn jeder Zinkhütte auö 
Wie viel läfst fich bei folcher Belohnung Von dem 
Kenn tniffen -und der Thätigkeit eines fo veniiente 
Berg- nnd Hottenmänns erwarten! Wie viel mflff^" 
iinfre Meffingfabriken gewinnen, wenn fie, fta 
Galmei, Zink, aus einem Mineral erhalten, das bi- 



•> . • 



t 236« ] 

mir ühbeniitztviü ungeheurer Menge iäüf den Häldeift 

Verwittert! " 

„Den Wafferfall der Ciirknitz rathen wir jedem 
Heifendeh zii befucheüi weil er einzig iü feiner Art 
ift'-^^— .— Steigt man den fteilen Abhang an dex: 
^ordfeite von DölJach hinan , wo die fieifsSgcn DöU 

« 

Ificher Bauern die Erde mühfam herauf tragen sür 
fonnigen Lehne , fo fieht man den Bach wie er gen 
Schwellt vom Eife und Schnee der Gletfcher, die 
^fcia erzeugen, fchäumeiid aus den fchwarzen Föh-. 
^^«nwäldern durch umgeriffene Fichten hervor bricht 
nd die ioo Klaftern hoheFelfenwand in zahllofezi 
allen herab ftürzt. Tief in der fchwindeln^en Tie* 
i fieht man j wenn Wiride die Staubwolke zerrei^^^ 
en, in die er zerftäubt, eine Höhle^ in die erheif^ 
fährt. Aber iiun hat man erft die Hälfte gefeko; 
äuigs dem Bache hinter der Zinkhütte kann inaxt 
einer Höhle hinan fteigen, aus der er hervöt 
* tfirzt. — — Wer fich an den Eingang der HöhlQ 
"Vvagt, — ^ —- fieht den Bach die Wand herab ficH 
ft-örzen und das Felfengewülbe durchfchlagen^ 
^xid hört ihn hervor donnern aus der nächtlichen 
Qxotte. -^ — *• 



i 



^iiAL d, Pbi'fik. B.26, St.Ä,i.i8o5. St. '6. C^' 



i: *5ß'» ] 



*.■ 





■^ Deconation bei einem Hohqfen^ 

(Aus einer Nachricht von Clagenfurth am 8ten Oct. i8q4— 
in dßr LeipX'* Zeit,^ 1804 1 St. 106*) 

/yJLJei dem Schmelz werk in der Urteil in Mittel 
Kärnthen,' hat fich vor wenigen Tagen folgend 
IraurJge Begebenheit ereignet. Man hatt« de 
Schmelzofen, ♦) der erft ausgebeffert und neu he 
geftöUt war ,^ nur 2 Tage vorher etwas ausgewärm 
lind gleich am dritten Tage angelaffen , wobei mij 
unter fehr feuchte Kohlen geftürzt wurden. E^ 
fammelten fich daher in dem innern Ofenfehacht 
viele WaCferdämpfe, die, durch höhere Temperatur 
zerfetzt, als : Wafferftoffgas, (brennbare Luft,) a 
ftrömten. **) Der Zufall wollte, dafs die eifern 
Thüre über dem Kamine verfchloffen blieb, wefs- 
halb dieffe Luftart gezwungen war, bei der.Mündun 
des Ofens, (bei der GicÄ^,) auszuftrömen und 
dort in der Atmofpbäre auszubreiten. 

Gewöhnlich bricht die Flamme, wenn ma 
den Ofen aufs neue anläfst, nicht von felbft an de 
Mündung des Ofens aus , fondern mufs durch eiüfe 

*) Hobenofen, worin das Eifen aus fein«h Mincc ^a 
ausgefciimolzen wird- d. H. 

**) Naffe Kohlen geben bekanntlich iii der Glül^ ^' 
hitze nicht WafTerdönfte , fondern Kohlen • Wall^** 
ftoifgas her, und diefes war das Agens bei d^^ 
folgenden traurigen Vorfalle. d. H. 




Sttmtneiiden Körper erft angezündet werden. £)•• 
follte auch hier gefcbehen. Die Frau desOberver- 
wefers, der man zu ihrem Unglück (diefe Ehre zu- 
gedacht ^hatte, näherte Geh dem Ofen n>it einem 
Inrennenden Holze. In einem Augenblicke entzfin^ 
dete lieh mit einem Knalle das aus dem Ofen ftrö- 
rfiende brennbare Oas, und fchlug, da es durch deä 
Soliornftein nicht entweichen konnte, bei der Oeff- 
öung der Gicht heraus, und entflammte die ganze 
TJingebung der Hütte. Die Unglückliche hatte eia. 
leichtes muffelinenes Kleid an, das auf ein Mahl in 
Plammen aufloderte, und in wenig Augenblicken 
ganz voiti Leibe brannte. Sie fiel finnlos zu Boden, 
^^ar ganz gebraten, und ftarb nach ^Stunden. Ihr 
^Änn , der zu ihrer Rettung herbei eilte, verbrann- 
*^ feine Hände dermafsen, dafs man zweifelt, fie 
^^eder in brauchbaren Zuftand herftellen zu kön- 
,.*®n, - Ein kleiner Knabe, fein Sohn, der fich nahe 
^ei der Mutter befand, ift gleichfalls ein Opfer tlie- 
f^S Zufalls geworden. Und fo find alle ütrige An-^ 
^^^fönde, 27 an der Zahl, woruriter fich d^r Eigen- 
^■^örner des Werks befand, mehr oder minder be- 
*^tiadigt worden. Siebzehn derfelben haben hefon- 
**ers an den Augen gelitten, von welchen die we* 
'^^gften ihr Geficht wieder erhalten dürften." 



■0« 



i . 

I 

Zufäiz zu Auffatz VI. 

iJLerir Geh. Oberbergrath Karften, deffen mil 
gleicher SorgMt angeftellte geognoftifche und ba- 
«römetHfche Beobachtungen,' deren Refultate ' ir 
Auffatz VI zufammen geftellt find, eine Ueberüchl 
über die öfterreichifchen Alpenketten gewähren, der- 
gleichen wir felbft durch Hacquet's verdienftvol« 
le Unteffuchungen nicht erhalten hatten y -^— giebt 
mir, auf meine Nachfrage, ,wegeh der Reifebar omö- 
ter, delren er iich bedient hat, folgende Auskunft^ 
dieich dem Le(er ttöch in diefem Hefte mittheileri 
zu muffen glaube^ da die ZuverläfGgkeit der Beobach'^ 
tung fo fehr von der Güte des InftrumenteS abhängt. 

„Mein rfe LücTcä^^ Barometer von Renard 
zerbrach zu Neumarkt in Steiermark, [S. 201,] 
dur^h einen Fall meineis Bedienten. Erft zu Cla- 
genfurth würde es durch ein Sahiegg^fches Baromt^ 
tre naudque m\i hölzeriier Büchfe erfetzt j und mit 
diefehi find alle folgende Beobachtungen bis As- 
lingj [S. fäoy^] gemacht worden. Zu Würzen 
zerbrach auch diefes Barometer durch Unvorfichtig- 
keit meines Gefährten; ich fchickte aber gleich et- 
ilen Expreffen von Villach nach Clagerifiirth, 
tmd bekam auf der Stelle ein neues i durch die Gote 
meines Freundes j des Barons vo'n Hbhehwart» 
Generalvicars des Fürftbifchbfs V. Gurk, weichet 
mehrere Barometer nach Schi egg vorräthig hat- 
h;'' [S. 251^2 




, (/lUrrfj A«.K:d, ?A,ff. ao.^.' 1«' 



fj 



' mSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS^BSSSSSS^^^^^^^^^^^^^SBrn 



ANNALEN PER PHYSIK. 



JAHKGAITQ i8o5, SIJEBEIfTES STÜCK. 



I. 

ü e b er 
d^i0 9^ ariationen des Magnetismus der 
Er-de in verfchiedenen Breiten^ 

Ton 

eleu Herren von Humboldt und Bior. 

\ 

Vorgele/en voii*Biot in der math.'phyf. Kiajfß dts Nat.» 

Infi, am iften Det. i8o4* *) 



D 



he Unterfuchung der Gefetze des Magnetismus 

der Erde ift unftreitig eine der wichtigften in der 

ganzen Phyfik. Die Beobachtungen, welche über 

denfelBen bereits gemacht find , haben litis fo intern 

efCante Phänomene kennen gelehrt, dafs man iticht 

umhin' kann, zu verfuchei^ , die Räthfel zu Idfen^ 

"welche er noch für uns enthält; doch muffen wir 

geftehen, dafs wir ungeachtet aller bisherigen Bema* 

hungen fchlechtetdings noch {nichts von der Urfach» 

deffelben wiffen. 

♦ ) Nach dem Journ. de PJiyßque , t. $9 , p« 429 -^ 45a» 

tiearbeitet Vom Herausgeber. 
Annid. a. Pbyük. B.2o«S|. S- J- 1805- St. 7. R 



r 



T 258 ] 

I ■ 

* / ' Es war fehr fchwierig, zu etwas Zuverläfligem 
diefer Materie zti gelangen, fo lange die Conftf 
ction der Magnetnadeln noch unvollkommen wa 
und es ift erft fo kurze Zeit her, ^afs die Entd 
ckungen Coulomb's uns gelehrt haben, ihn< 
vollige Genauigkeit 'zu geben, dafs es nicht zu ve 
wundern -ift, wenn wir unter den Beobaohtunge 

% der Reifenden bis jetzt nur wenig züverlä£Q| 
finden. 

Die Reife, welche Herr von Humboldt vi 
kurzem beendigt hat, bereichert diefen Theil d> 
Phyfik mit einer nicht minder fchatzbaren Samr 
lung von Erfahrungen, als fo viele andere Zwei^i 
des menfchiichen Wiffens. Er l^atte fich mit ein« 
trefflichen Inclinations-Bouffole verfehn, vtrelcl 
von Le Noir nach der Vorfchrift Borda's v^ 
fertigt war, und mit ihr hat er mehr als 300 Beo- 
achtungen über die Neigung der Magnetnadel , ur 
über die Inten&tät der magnetifchen Kraft, in de 
Theilen von Amerika angeftellt, durch die er g 
reifet ift. n Fügt man hierzu die Beobachtungei 
weicherer vor feiner Abreife in Europa angefteL 
hatte, fo ift das die erfte Reihe genauer Thatfache 
über die Variation der magnetifchen Kräfte m ein: 
gen Theilen der nördlichen und der füdlichen Halt 
kugel der Erde. 

Die Fr eundfchaft , welche Herr von Hum 
boldt feit feiner Zurückkunft mir gefchenkt ha 
gab mir die VeranlaiTung, ihm einige Beobachtunge; 
diefer Art mitzutheilen , die ich in dief&m Jahr^ v 



C ä»59 3 

dl«tt Alp^ü ängeftellt hatten £r m;tehte mir Ibgidch 

^en Vorfchlag, iie mit den feinigen in der AbhancU 

lung 2u vereinigen i welche ich jetzt der KJaffe vor- 

Jege. Wenn indefs Freundfchaft und Wifsbegierde 

uiich beftimmt haben ^ diefeh Vorfchlag, änziineh-^ 

nien^ fo (verbietet mir doch die Oerechtigkeitsliebd, 

feu feinem Nachtheil hiervon Gebfauch zu machen^ 

ich mufs aufriohtig bekennen , dafs ich nur fehr 

mg Antheil an diefen Bemerkungen habe« 

Um in die Thätfachen und in die SchlufsfoIgöÜ^ 

^Cblche fich aus ihnen ziehen laffön, einige OrdniUig 

ftu. fcringeii, muffen wir die Wirkungen des Magnus 

"S*TnuS der Erde unter Vetfchledene Gefichtspünktd 

"^^iiigenj nach den verfchiedenen Kläffen von Phä* 

*^^iiietaenj welche dävöti abhängfen. Beti-achtöii 

^*^ diefe Wirkutigeh züerft im AUgem feinen, fö fehil 

^5*^ , dafs det* Magnetismus an der gänzön Öberflä- 

^"^ der Erdö, lind noch in den Räumen Übel* fid 

*^*»iaui fich äuDsert. DiefB letztere Thetfachöj WeU 

^Het von einigen bezweifelt worden war, ift vor kür^ 

^örn von einem unter unS, und befonders von uü» 

^^t'in J^reunde Herrn Gay - Luffa c, iii iWei äeriö« 

^tifchen Reifön aüfser Streit gefetzt wördfen; *) 

^*ic! da bei den Beobachtungen, welchö auf diefeü 

Reifen mit aller möglichen Soi'gfalt ängeftellt wor* 

den, fidh keine Verminderühg der Intenfität dtt 

ttiagnetifcheii Kraft ih den gtofsten Ilöherti bis tu 

Vffelchen Mönfchen fich je erhöben haben , gezeigt 

*) Mm fche oben S, i utid i$\ tf. H« . 



ri 



hA%9 h 4i^]?f man fchliefsen » dafs diefe Ejsaffc'ftcli in 
^as Unei^dlicbe im Welträume verbreitet , ob &t 
^lejich bier vielleicht febr fchnell, nach einem unfe \ j 
iDOeb völlig unbekannten Gefetze abnimmt 

Ap der Oberfläche der Erde feibft nehmen wis 
,4rei grol^^ KlaJCfen magnetifcher Phänomene wahn 
^i^elebe einzeln ftudirt werden muffen, wenn m 
fibie vollftändige Kenntniüs von der Wirkun 
des Erdmagnetismus haben will, nämlich: die 
weicbung der Magnetnadel, die Neigung der -Mi 
gnetnadel , und die Intenfität der magnetifcher "^A 
Kräfte. Und zwar, mufs jede Klaffe diefer 
xoene fo wohl nach ihrer Verfcbiedenheit an ve 
üchiedenen Orten , als auch an fich , in Hinficht a 
die Variationen, denen fie unterworfen ift, u 
terfucht werden. Gerade fo hat man, nachdem di 
Schwere als eine Centralkraft bekannt geworde; 
war, die Variationen derfelhen in verfchiedeoe 
Breiten, welche von der Geftalt der Erde 
gen, erforfcht. 

I. , 

Die Abweichung der Magnetnadel fqheint rtrtig*' ^* 
Phänomen zu feyn, welches bis jetzt die Aufmerk' 
famkeit der Phyfiker vorzüglich befchäftigt bat, 
wahrfcheinlich wegen des Nutzens, den man daran 
zur Längenbeftimmung auf dem Meere zu. ziehen 
hoffte» Nachdem man fich aber überzeugt hat, 
dafs die Abweichung an demfelben Orte fich mit der 
Zeit verändert, dafs fie einer täglichen Verände- 
rung unterworfen ift, und dafs vejffcbiedene Me- 



i 



f *«« i 



f f 



lore aitf fie einw regellofen Eiriflufi frfJsftrti ; wo* 
a noch die grofse Schwierigkeit kommt, fie. auF 
em Meere bis auf i^ genau ^zu beobadxtta: mtlfstn 
lan jene Hoffnung aufgeben, und fieh geftithen^ 
als die Urfache diefes Phänomens viel mehr zu«^ 

s 

ksnnlen gefetzt ift, und tiefer liegte «Is mab an« 
iog$ geglaubt hatte. 

Die huenfuät der inagnetifehen l^räfie yrüir bis- 
e!r noch nicht an verfchiedenen Stellen der JErdku- 
el auf eine unter fich vergleichbare Art gemeffen 
'Orden. Die hierher gehörigen Beobachtungen 
BS Herrn vonHumboldt lehren uns eine fehr 
lerkvvtirdige Erfcheinung kennen, nämlich« daß 
iefe Inpcnfität fich mit der Breite verändert j und 
afs fie zunimmt y indem man fix:h vom, Aequaior ab 
en polen jtähert. Diefelbe Magnetnadel, wekäie 
»i der Abreife des Herrn von Humboldt in 
uris in lo Minuten ^45 Schwingungen vollendetei» 
ittchte in Peru in derfelben Zeit nur 2x1 Schwin- 
bttigen , und immerfort nahm die Zahl der Schwin- 
langen ab , indem er fich dem Aequator näherte» 
idefs fie wieder zunahm.» als er fich davon nach 
forden entfernte, 

Diefe Verfchiedenheit läfst fich nicht einet Ab« 
^hme des Magnetismus der Nadel, und einer Stobwä* 
bxing deffelben durch Zeit und Hitze zufchreiben; 
'ei»n als Herr von Humboldt nach einem Auf- 
tiithalte von drei Jahren in den heifseftan («ändern 



[ 36a 3 

4er Erde, napVMexiko kam, fohwang 0e dort wie« 
ii^X eben {p fcbneU als in Paris. *^) 

. Eben fo wenig Iäfst.fich die Richtigkeit der Beob« 
tohtung^n d^s Herrn von Hamboldt in Zweifel 
aiehen. Denn häufig hat er die« Schwingungen der 
Nadel, im magpetifchen Meridian , und darauf in ei« 
ner auf diefem Meridian fenkrecht ftehenden'Ver« 
ticalebene beobachtet, woraus fich die Richtung 
der magnetifchen Gräfte, und niithiq auch die ^ei« 
guug der Nadel,' durch Rechnung finden läfst. **) 
Die auf diefe Art berechnete Inclination der Magnet- 
nadel ftimmte jedes Mahl mit der über^in, w^lchQ 
|{err von Humboldt unmittelbar beobachtet hat« 
(e^ T^nd 4a£$ man (eine Beobaichtun^en diefer Prd« 

^) Man fehe die Tabelle am Ende diefes Auflatzec. 

«») Es fey HOC, (Fig. i, Taf, 11,} die Ebene cTea 
magnetifchen Meridians durch O, OC eine Verti« 
callinie, OH eine Horizontallinie und Ou cUe Lage 
der Magnetnadel in diefer Ebene ; fo iß LQH die 

7*feigung der IVlagn^madel, welche wir mit./ he^ 
zeichnen wollen. Sc tz( man nun die gan^e tpagne« 
tifche Kraft, welche nach OL wirkt, = F, fo ift 
der Theil derfelben, welcher nach OC wirkt, es 
F. fin. f , [und blofs diefer Theil der magnetifchen 
Kraft kann, auf, die tnclinationsnadcl wirken, wenn 
die VerttcaTehene, worin die Nadel fich dreht, auf 
dem magiietifchen Meridiane fenkrecht ift, weEshalb 
dann auch die Nadel völlig fenkrecht fleht, (/T«, 
• nalea, IV, 449») <^« H,] Nnn aber verhalten fiel» 

die inagnetifcben iir^fef we)gh<) d«^ Nadel in if^ 



fung unterwerfen würde, welche La Place, um 
Ce zu verificiren, erdacht hat, konnte er, als er 
£e anftellte, nicht voraus wiffen. 

Da fich nun die Richtigkeit feiner Beobachtung* 
gen nicht abläugnen läfst, fo mufs man auch da$* 
Refultät, auf welches fie führen, als wahr anerken- 
nen, nämlich, dafs die magnetifche Kraft zunimmt, 
wenn man vom Aequator nach den Polen zu geht. 

Um diefes Refuliat leichter zu verfolgen, müt 
fen wir von feften Punkten ausgehen, und dazu 
fcheinen fich am natürlichftcn die zu fchicken, wo 
die IncUnation der Magnetnadel null ift, weil 
diefe Punkte die Stellen anzuzeigen fcheinen, wo 
die entgegen gefetzten magnetifchen Wirlyingen der 
beiden ErdbQmifphären einander gleich find, Diefe 

gend einer Verticalebene zum Schwingen bringen, , 
v^ie die Quadrate der Schwingungsmengep in gl ei» 
cber Zeit. Setzt man folglich die Zahl von Scbwin«- 
•gungen , welche die Nadel im magnetifchen Meri- 
dian in lo Minuten macht, sc M^ und die, welche 
üe in derfelben Zeit in einer auf diefem Meridian 
fenkrechten Verticalebene macht, ccP; fo verhalt 
fich F : F • fin. /^x Af* : P% woraus folgt: fin. I 

5= ^^. Nach diefer Formel läfst fich die Inclina« 

tion der Nadel aus den Schwingungen in den bei- 
den erwähnten Ebenen berechnen, — Auf eine 
fUhnliche Art liefse fich die Lage des magnetifchen 
IMeridians durch Rechnung finden, wenn man die 
^ r^adel in mebrern Verücalebenen fchwingen Hefseb 



>> 



t 

Punkte liegen in einer krummen Linie, welche* von 
dem Aequator felir bedeutend verfohieden ift, una 
im atlantifchen Meere fadlich. In der äüdfee nörd-« 
lieh vom Erdäquator liegt. * Man hat fie naqh^der 
Analogie mit dem Erciäquator den magneiifchea 
^equcuor genannt, ob man gleich noch nicht ytibf 
ob fie genau einen ^röfsten Kreis der Erdkugel bil« 
detj eine Ffage, jivelche^ wir weiterhin unterfucfaea 
werden. Für jetzt genügt es uns, zu bemerken, drfs 
Herr von Humboldt diefen magnetlfchen Ae- 
quatolr in Peru in 7® i' füdlicher Breite gefunden- 
hat, älfo ungefähr da, wo ihn Wilke und L ^'• 
monnier für diefen Theil der Erde hingefe*^^* 
hatten. 

Die orte, welche nördlich von diefem .^^ 
quator liegen, laffen fich in 4 Zonen eintheil^-^ 
von denen die drei erften fchmäler und nur uA^^ 
fähr 4^ breit find, indefs die vierte ausgedehnte^ 
und mehr variable eine Breite von 14^ hat. . ^- 
reichen in Amerika Vom magnetifchen Aequator k^ 
23^ nördlicher Breite, und nehmen in der Länge ^ 
nenRaum von ungefähr 6^^ ein» 

Die erfte diefer Zonen geht von 7° i' bis a^ 5-^ 
füdl. Breite, (man vergl. dieTab.) In ihr macht d> 
Mfignetnadel im magnetifchen Meridiane binnen TT 
Minuten 21 1^9 Schwingungen. Keine der Bep# 
achtungen; welche in diefer Zone angeftellt wu^ 
den, gab in lo Minuten weniger als 211 und mal^ 
als 214 Schwingungen. Eine ähnliche Zone .liefst 
iich aacfa. den Beobachtungen des Hrn. von Hunu 



[ i^5 5 

boldt üiiter denfelben BeffimmuDgeii füdlicb ironi 
znQgnetifchen Aequator annehmen. 

Die zweite Zone reicht von ö^ X3^\f0dllcber 
Breite bis 3^ 15' nördlicher Breite. Hierjfchwingl 
die Nadel in xo^ im Mittel 217^9 Mahl. Keinli 
'Beobachtung gab hier weniger als 214 u^d mehr als 
2223 Schwingungen.' 

Die dritte Zone geht von 4® 36^ bis 8® 56' nörd- 
iicher Breite, und hier fchwingt die Nadel im Mit- 
tel 2^4 Mahl. Nie fanden fich der Schwingungen 
weniger als 220 noch mehr als 226. 
• . Die vierte Zone endlich geht von 9^ 15' bis 23^ 
S^ nördlicher Breite, uqd in ihr ift die mittlere Zalü 
von Schwingungen der Inclinationsnadel in zo Mi- 
nuten 237. In keiner Beobachtung war fie unter 
^29 und über 240. 

Die Intenfität der magnetifchen Kräfte aber 23^ 

« 

uördh'cher Breite hinaus ift in diefera Theile der 
£rde nicht bekannt. Für Europa, wo wir Beob« 
achtungen in hohen Breiten haben, fehlen uns um- 
gekehrt die Beobachtungen um den magnetifchen 
Aeqiiator« Wir wagen es^daher nicht, diefe hei- 
klen Klaffen von Beobachtungen mit einander 2ti 
vergleichen, die, .wie wir fehen werden, wohl 
zu verfchiedenen Syftemen von Kräften gehören 
. könnten. 

Wie diefem indefs auch fey, fo febekit fcbon 

^ie Zufammeaftellung derRefnltateaus den BaöS^ 

aohtungen (tes-Herm van Hambdjd% in A^ßfetf- 

ka mit Sicherheit dtträutbiui^ daft did'Ma{{fiittfeltiKii 



f 

Ktäfls'vöm^magttetifchen Aequator nach' d«n Polen 
zu wachfen. Auch die in Europa angeftellten Beob«' 
HobtüugQov fo wenig wir iie mit jenen unmittelbar 
|n Verbindung bringen ipOchten, ftimmen unter eUf 
under d^liin überein , diefes zu beftätigen. 

Wir haben die Beobachtungen in Amerika naclcm 
tjonen, welche mit dem Aequator parallel find, zlä-* 
ifaminen geftellt, damit dJQ Richtigkeit de$ Gefetzes^» 
auf das fie leiten, mehr in die. Augen fpringcjn, un ^ 
der Beweis nicht durch die kleinen Anonialieen e 
fchwert. wenden möchte, welche ficb djeren Refu 
taten unvermeidlich elnmifchen. Obfqhon die 
Anonialieen nur fehr klein find, fo find fie doch z 
merklich und zu häufig, als dafs man fie ganz ffl 
Fehler der Beobachtung nehmen könnte, Es fchein 
vielmehr natürlichej: zu fcyn, fie dem EinfJuiTe ört--^ 
llcher Uniftändej, und befondern Anziehungen zu-*' 
zufchreiben, welche eifenhallige Maffen , oder Oq^ 
birgsketten, oder grofs^ Maffea feften Landes auf 
die Magnetnadel äufserh, 

' ■ • • . 

In der That fand einer von uns auf einer Reifen 
welche er diefen Sommer in den Alpen machte^ 
und auf der er diefelbe Magnetnadel bei fich führte, 
die ihm bei feiner Luftfahrt zu feinen Beobachtung 
gen gedient hatte, dafs die Kraft, mit der die Na*- 
ilel in diefen Gebirgen nach dem magnetifchenf Mc- 
ridiane zurück ftrebt, durchgehends gröfser ift, al» 
i)e es SU Paris^vor und nach, feiger Keife war« Di^ 
fe« zeigen die fol^Qudßi^ -TM^i 



[ »67 ] 

■ 




1 

Btobacktuiigtort, 


ZaU ilerSchjni«« 


s, vor der Abreife 


|ttngen,iq. mj, 

83,9 


in 

dem Mont Oen^vre 


87,2 
88,a 


nobl« 

• 

f 

is, aach der ZurQckkuiift 


874 

87,3.. 
86,5. .. 

84,5 
83,9 



*■ 



Ca Refultate beruheor ^u£ Beobachtungen, 
mit d^r gröfsten Sorgfalt, in Veirbindung 
trefflichen Beobachtern;, und nach d.erfelbeii 
d nach kleinen Pendeluhren verificirt wurde» 
Itfind, und fie fii^d. ^Uefammt Mitt^ahlen 
hrern Reihen vo.n B^obuchtungen ,' wölch^ 
$erft wenig yoh einander abweic)ien. £$| 
daher aus ihnen zu folgen, d^Üs «di^ .^pei^ 
trkbare Einwirkung auf die Intenfitat ■ des 
fchen Kräfte gufstjrn. •»^. Etwas ^^h«U-» 
t Herr von Humbaldtam Fufce ,der Py-? 
z. B, zu Pqrpignan, gefunden. ^) Vielleicht 
Einwirkung den- Gebirgsuiaffen felbfjt;, jodei: 
ofsen Menge eifenhaltiger Materien; i^.ibnei^ 
reiben. Wie dem indefs puoh fey, immer 
n aas diefen Beifpielen^ dafs die allgemeuii^ 
g des Magnetismus der Erde merklich voyi 
n Urfachen afücirt wird, welche üch an Of 
'r nur wenig von einande? eptfernt fiudi vei?» 



Ä vcrgl.\4i?jui/*ii ,1 IV , 4541^ 4- Hl 



jt. 



C «68 ] 

fchierfea Sufsem können; eint9 WdhAött, die im 
Verfolg diefer Abhandlung immer mehr bewahr'K: 

wird. » 

Unftreitig find es aeiicb Urfa^Tien diefer Art, de* 
nen die Ahnahme der magnetifchen Krifte, w«lch^ 
man auf einigen Bergen bemerkt hat, zuzufchreiber^ 
iind ; eine Abnahme, die auf den erften Anblick deCB. 
Refultaten zu widerfprechen fcheiot^r jwelcbe fict»- 
auf den letzten Luftreifen ergeben haben. So er-' 
hielt Herr von Humboldt auf dem Gipfel deds 
Bergs von Guadeloupe, 338 Toifen über Sin'^ 
ta- Fky binnen 10 Minuten volle 2'^chwingtinjfCK 
weniger als auf der Ebene. Auf der SiMa voä 
Caracas in einer Höhe von 13 16 Toifen üherdi^f 
Küfte, lÜeg diefe Vcrniinderung felbft auf 9 
Schwingungen. Dagegen machte die Magnetnadel 
itif dem Vulkan von A n t i f a n a , 0467 Tdfett 
ftber dem Meere, in 10 Minuten ^^o; zu" QnltCf 
tber nur 121 8 Schwingungen, welches eine Zunal»* 
nie von Intenfität der magnetifchen Kraft auf di©* 
^ lern Vulkane beweift. — ' löh habe etwas AehnlichM 
' imf dem Gipfel des Mont- Genövre gefuödeOf 
Äer^bo'bis 900 Toifen hoch ift, \vie man aus d^ 
eben mitgetheilten Zahlen erfieht. Auf ihm war^^ 
die magnetifchen Kräfte Oberhaupt am gröfsteif^* 
Bei den Beobachtungen , die ich mit Vaffalli S^ 
dtm Högel de la Superga bei Turin anftelll^'^ 
erhielten wir in 10^, auf dem Gipfel S7i auf dt^^ 
Abhänge 88/8 » "«^ am Ufer des Po's am FuC^^ 
des Hobels 87/3 Si;h\v!ngungeii ; tJAtetfehltäf ^^ 



C »69 3 

«reiche zwar geringe, aber doch merklich find, und 
Lm von leichten, durch Localumftände vemrfach- 
Anomalieea ab'^uhängen fcheiDen. 



Diefes führt uns darauf, Verfchiedenheiten you 
i^K(^ierle| Art in der Intenfität der magnetifchen 
Lräfte an den verfchiedenen Stellen der Erdfläche z^, 
mterfcheiden ; allgemeine, welqhe blofs ypn d^r Lar 
(e der Orte in Hinficht des magnetifcheir Aequatorf 
!A>liängen» u^d in einem allgemeinen Phänomeni^ 
(ftfimlicb in der Zunahme der L;^tenüt$t diefer Kräfte« 
Kui dem magoetifcfaen Aequator abwärts, gegrü«? 
ciet fipd ; . und befondere, welche weit kleiner un4 
iSnzlich unregelmäfsig find , gänzlich von örtlicbea 
(Jrfachen abzuhängen fpheinen, und die allgemeA^ 
PAH Verfchiedenheit'en , einige vermehrend, andere 
IF^mindernd, modj.ficiren. Will man den Magnet 
lismus der Erde als Wirkung einer anziehend^ 
Kraft anfehen, welche allen materiellen Theilchen 
i^x Erdkugel, oder vielleicht nur einigen diefec 
IPbeilchen inhärirt, (worüber wir weit entfernt 
G^i^ entfcheiden zu wollen;) (o wird das allgemei« 
9« Gefetz deffelben das Total - Refultat d^ Sy- 
&ems der Anziehungen aller diefer Theilchen feyn, 
und die kleinen Anomalieen werden durch die be-* 
iendern Anziehungen der Partial-Syfteme raagne- 
ttfcher Theilchen entftehen, welche um jeden Ort; 
•uJE eine regellofe Weife verbreitet find, und we- 
&ta der geringen Entfernung diefer Theilchen merk- 
'***•» wer dep. 



I » 

Wir kommen nun zu der Neigung detMagfUtt^^ 
nadel in Bezi^ung auf -die Horizontalebene. 
Vreifs feit geraumer Zeit» dafs diefe Neigung nidit 
überall diefelb'e ift. In der nördlichen Kalbkugit 
neigt fich die Nadel naöh Norden, in der füdlichM, 
Aach Süden. Die Orte , wo fie &ch horizon 
erhält, bilden den magnetijhhen Aequator. Zifi 
beiden Seiten deffelben bilden die Orte, wo dii 
Nadel einerlei Neigung hat, Ciirven, welche md^ 
nach der Analogie mit den ParallelkrelfeD) magne* 
ti/che Parallelkreife genannt hat; ihre Geftäit und 
Vertheilung über die Erdfläche findet man in .mein 
rern Werken, befonders in Lemonnier*s Loil 1 
du Magnetisnie, abgebildet* 

Schon aus diefer Anficht erhellt, dafs die Net» ; 

gung zunimmt > indem man fich vom magneüfcbeil 

,Aequator entfernt; doch hat man, wie es uni = 

fcheint, das Gefetz für diefe Zunahme noch nichf 

.gefunden. Und doch würde es von befondernr 

Nutzen feyn* diefes Oefetz zu kennen ^ weil di# 

Neigung unter allen magnetifchen ErfcheintiDgea 

die beftändigfte, und weit weniger Anomdlieen al*. 

diö Intenfität der magnetifchen Kräfte unterwor<^ 

fen zu feyn fcheint; es auch möglich feyn dOrftei 

terniittelft eines folchen Gefetzes die Breite auf 

dem Meere an Stellen der Erde, wo der Hiramel 

den gröfsten Theil des Jahrs über in Nebel verhüllt 

ift, aus der Neigung der Magnetnadel aufzufinden« 

Denn aus den Beobachtungen des Herrn toa 



-Humboldt erhellt, dafs diefe Anzeige daztt al«* 
lerdings fein genug feyn dürfte, da ficfai in zwei fo 
.nahegelegenen Städten, als Nimes und Mont^ 
pellier, ein Unterfchied von 55' 6" lo der Nei« 
gung der Magnetnadel findet. Diefe Gründe habea^ 
Uns beftimnit, die Reihe von Inclinationsbeobach« 
* tungen des Herrn von ELumboJdt mit vieler 
iSorgfalt 2.U ftudiren, und es fcheint uns, als lie«» 
isen £e fich fehr genau durch eine mathematifche 
•Jiypothefe darftellen, der wir jedoch defshalb noch 
l^eine Realität zufchreiben möchten, und die wir 
fcir nichts mehr als ein bequemes und licheres Mit- 
tel ausgeben, die Erfahrungen unter einander zu 
Verketten. 

Um diefes Gefetz zu finden, mufs vor allen Dia* 

Seil die Lage des raagnetifchen Aequators mit Ge* 

'•a uigkeit beftimmt werden. Dazu finden wir zwei 

^irecte Beobachtuilgen vor, die eine von Lapey- 

^oufe, *) die andere vom Herrn von Hum» 

'^oldt. Der erftere erreichte an den Küften von ^ 

?**afilien den magnetifchen Aequator in lo^ 5?' 

leidlicher Breite und 25^ 25' weftl. Länge von Pa- 

^*S;*der letztere fand ihn in Peru unter 7° i' fücu. 

^»•eite und 80° 4^' weftl. Länge von Paris. Diefe 

*^öiden Data rei'chen hin, die Lage des magneti» 

*clien Aequatprs unter der Vorausfetzung zu be- 

^^chnen, dafs er ein gröfster ivreis der Erdkugel 

y; eine HypotheTe, welche den Beobachtungen 

T) Vialnaehr von Lamanon, Ann.t VI, Sig, Anm. 



CJ 



C 278 ] 

ganz gut «dtfpricht. Nach diefer Berechnung b»* 
trägt der Winkel, welchen die. Ebene des magne- 
tifchen Aequdtprs mit der Ebene des Erdäquatbrs * 
macht]^ lo® 5Ä' S^''» und der weftliche Knoten def» 
üelben liegt im Erdäquator unter 120® a' 5" weftl 
Iiänge von Paris , alfo in der Sadfee, etwas jenfeitf 
Amerika'»« nicht weit von den Gallipagos-Infela' 
Sein zweiter Knoten liegt in 59^ 57' 55" öftlichc^ 
;e.von Paris, undalfo im indifchen Meere* *) 

Wir 

*^) Hier dtefe Berechnung. Es Helle in Fig. 2 , Ta£ 
U, NEE den Erdäquator und NHL den magneth ' 
fchen Aequator unter der Vorausfetzung vor, dab , 
auch diefer ein gröfster Kreis der Erdkugel Cey. 
Sind nun H^ L die beiden Punkte deCTelben, de- 
ren Lage aus den Beobachtungen Lapeyroufe'l 
und des Herrn ron Humboldt bekannt ift, lo 
kennen wir die Breiten H E und L E' dieCer beiden 
Punktf, und ihren Xängenunterfchied EE\, Setzt 
man daher HE^b^ LE\=. h\ EE' =z v^ £Nae x 
. und den Winl^el £/Vf/ ss ^, fo hat man in den 
"beiden rechtwinkligen fphärifchen Dreiecken NEU ^ 
und NE'Ly fin. ä »c tang. b . cotg. ♦ ^ 
und fin. (x + 1;) =» tang. 6'. cotg. ^^ 
, . , fin. (,x + v) tang. b* 

und daraus gST^ — « TiHTg— • , 

Löß man diefen Ausdruck auf, fo erhält man 

«^'g-^ == iang. b . iiiZTi — -^.—r ^ehmen wir da- 
her einen Winkel -irzu Hülfe, fo dafs tg, ♦ =s -'- - -^ 
p • ji r T. 1 • 11°' ^ • ^u. * 

gefetzt wird, fo haben wir tang. x «a "j — T^TI^y^ • * 

Au« 



r «73 ] 

# 

Wir geben diefe Beftimmung nicht für voUkom- 
en genau au.^. Hätten wir eine gröfsere Zahl 
eich zuveriäffiger Beobachtungen, fo würden^fich 
iftreitig noch einige Correctionen finden; doch 
auben wir, dafs diefe Correctionen immer nur 
hr klein feyn würden. Und das nicht bJofs defs- 
db, weil jene beiden Beobachtungen alles Zutrauen 
irdienen, fondern aucii aus andern Urfachen, die 
an weiterhin ÖnJen wird. *) 

Es ift fehr merkwürdig, dafs diefe Beftimmung 
^ magnetifchen Aequators völlig mit der übefein 
immt, welche fchon vor geraumer Zeit Wilk« 

Aus diefen beiden Gleichungen lätst fich cc , und 
dann aus einer der beiden erften c^hfdrtchnen. 

Biot. 

*} Seitdem wir diefe Abhandlung vorgelefen faaben^ 
. ift .uns noch eine Nachricht auFc^ellorsen, vi^elcho 
^iefe erßen Refultate fehr gut beftätigt. Lapey- 
roufe durchfchnitt, nachdem ^r das Cap Hörn 
nmfegelt hatte, zum zweiten Mahl den magneti- 
fchen Aequator, und das in iS'tiÖrdl. Breite und 
119® 7' welltl. Länge VOR Paris, Er befand |ich 
folglich damahls fehr nahe bei dem weßlichen Kno* 
ten des magnetifchen Aequators, fo wie wir>ihn 
hier berechnet haben. Diefe; beweift auf eine poriti- 
vöArt zwei wichtige Sachen: erftens, dafs die obi- 
gen Beflimmungen nur fehr kleiner Correctionen 
bedürfen ; und zweitens , dafs der magnetifch© 
Aequator in der That ein gröfster Kreis der Erd- 
kugel ift, wo auch nicht ganz genau , doch wenig- 
ftens fehr nahe. Die y er/affer. 

^Qnal. d. Pliyük. B. 20. St. 3. ^ i8o5- St. 7. S 






: 



und Lemonnier gegeben haben. Diefer letz- 
tere insbefonclere, der, aus- Mangel an directen Be- 
obachtungen > nach einer grofsen Menge zufammen- 
ftirfimender Beobachtungen gefchloffen hatte, fetzte 
den magne^tifchen Aequator in Peru unter, yj^ füdl. ' 
Ureite, und Herr von' Humboldt hat ihn hier 
in 7° i' füdljcher Breite gefunden; und fo wohl die. 
Karten Wilke*s als Lemonnier 's geben dem 
magnetifchen Aequator eine Neigung von xi^ ge- 
gen den Erdäquator, und fetzen den weftlichen Kno- 
ten deffelbon in i4o® weftl. Länge von Paris. — 
^Sollte es ein blofser Zufall feyn , dafs diefe. fcboa 
vor 4^ Jahren gefundenen Elemente des magneti" 
fchen Aequators, mit den ünfrigen^ die ficb auf 
neuere Beobachtungen gründen, fo gut Obereia 
ftimmeii? Oder follte nicht vielmehr die Lage des 
magnetifchen Meridians gegen den Erdnieridian 
luir fehr geringen Veränderungen unterworfen 
feyn, während alle andere Symptome des Erd*, 
magnetismus fich fo fchnell verändern ? Kaum dürf- 
te man anftehen, fich für diefe letzte Meinutfg za- 
erklären, wenn man beidenkt, dafs die Neigung de^' 
Magnetnadel fich zu Paris feit wenigftens 6o Jab- 1 
ren, als fo lange fie hier beobachtet wird, nicht | 
um 3^ verändert hat, und dafs fie in London , nach , 
den Bemerkungen Graham's, binnen £2oo Jahren 
keine 2° Veränderung erlitten hat, indefs die Ab* 
vireichung während diefer Zeit um mehr als ao*^ an; 
ders, und aus öftlich weftlich geworden ift. Auf; 
der andern S«ite ift es jedoch fo fchwer, die Nei* J 



1 



.V 



, ' C 275 1 

» 

ung der Magnetnadel genau zu beobachten^ und 
lan hat fie erftXeit fo kurzer Zeit mit Schärfe mef- 
jn gelernt, dafs es wohl gerathner fevn dürfte, 
ch jeder voi:eiiigen Meinung über diefePHiänofnen» 
U enthalten^ defl'enUrl'ache uns noch fo völlig un« 
ekannt ift. 

Um die übrigen Inclinationsbeobachtungen des 
!errn von Humboldt zu benutzen, habe ich 
amit ang 'fangen , üe auf den magnetifchen Aequa- 
)r zu recluciren, und die beobachteten Breiten 
nd Längen in magnetifche Breiten und Längen zu 
jrwandeln, w^elche letztere ich von dem weftli- 
len Knoten In der Südlee an rechne. DiefeRech- 
mgen haben mir zuerft gezeigt, dafs wir die wah- 
L.Lage des magnetifchen Aequators ziemlich g^- 
Lu muffen aufgefunden haben; denn Orte, wi« 
inta-Fe und Javita, wo Herr von Hum- 
ylAt nahe diefelben Inclinationen beobachtet hat- 
» fanden fich nahe in % einerlei magnetifchem Pa- 
Uelkreife, obfchon ihr Längenunterfchied mehr 
B 6° beträgt. Auch ift das eine Beftftigung mehr 
ivon, dafs der magnetifche Aequator ein gröfster 
reis ift. 

Ich habe alsdann verfucht, die beobachteten In- 
nationen durch eine mathematifche Hypothefe 
rzuftellen, welche den Ideen ziemlich gemäfs ift^ - 
B man 'fich bis jetzt von dem Erdmagnetismus ge- 
höht hat. Ich 'denke mir nämlich in der Achf^ 
>i magnetifchen Aequators in gleiolieu Entfernun- 
!n vom iVIi'ttelp unkte der Erde zwei Centra anzie- 

S a - 



[ ayS ] 

hender und abftofsender Kräfte, eiji füdliclies upd 
ein nördliches Centrum, als zwei entgegen gefetzte 
Pole der Erdkugel, und habe die Wirkung berech- 
net, welche diefe beiden Mittelpunkte auf irgend 
liinen'Punkt in der Oberfläche der Erde, unter der 
Vorausfetzung äufsern muffen, dafs die Gröfse ih- 
rer Kraft den Quadraten der Entfernungen verkehrt 
proportional ift. Diefe Rechnung ' giebt mir die 
Richtung der mittlem Kraft, welche aus beiden ver-' 
eint entfpringt, und diefes mufs zugleich die Rich- 
tung der Magne,tnadel an jenen Stellen feyn. 

Hier das Detail diefer Berechming. 

Es fey A (Fig. 3) der fcidliche, B der nördli- 
che magnetifche Pol der Erde, und in M tDefiiide 
fjch an der Oberfläche der Erde ein Theilchen des 
füdlichen raagnetifchen Fluidi, welches folglich von 
A angezogen und von B abgeftofsen wird, nach 
verkehrtem Verhältniffe der Quadrate der Entföt- 
nungen. Es ift die Frage: welches ift dieRichtunfo- 
nach der das Theilchen M vermöge diefer beiden 
Kräfte getrieben wird ; denn diefes ift offenbar auch 
die Richtung, welche «ine in M frei fch webende ' 
^Magnetnadel annehmen müfste, da ihre Län<re im 
Vergleich mit den Entfernungen MA und Af JB für - 
unendlich klein, und alle von /i, und fo auch von 
JB nach den einzelnen Punkten der Magnetnadel '. 
gezogene gerade Linien für vöHig parallel zu neh- 
men find. Endlich denke ich mir hier die Erde 
als' eine völlige Kugel, und fetze fürs erfte die Kräfte 
der beiden Pole A und JS gleich. Wir werden als- 



1 



C ^77 3 

t V 

dann Nachfeilen, wie weit diefe Vorausfetzungen 
init den Beobachtungeü überein ftimmen. 

. Es fey C der Mittelpunkt, r der Halbmeffer der 
"Erde,, und MP ein Perpendikel vom-Puukte M auf 
die Achfe des ihagnetifchenAequators gefällt. Man 
tetze AM =Dy BM=^D^\ CP=: x, PM=^y, 
^den Winkel MCP = m, und CA =; CB =: a 
= IC . r, fo dafs K eine beftändige Gröfse = — 
bedeute. Endlich mögen X und r die Kräfte be- 
zeii^hnen , welche das Theilchen M parallel mit den 
Achfen der x und der y foUicitiren , und ß den 
Winkel, welchen die Richtung der aus beiden ent- 
• fpringenden mittlem Kraft mit der Achfe ABD des 
ttiagnetifchen Aequators, [und alfo auch mit der 

Achfe der x,] mächt, da dann — =: tang. ß ift. 

Es geben fich fogleich^ folgende Gleichungen, ia 
w^elchen F die Gröfse der magnetifchen Kraft in der 
Entfernung l bedeutet: 

. F. cof. MBB F . cof. MAP 

F , iln. MBD ^ F.Tin.MAD ' 

i *— jD» Dia 

oder, wenn man ftatt der Cofinus und Sinus ihre 
Werthe di/rch die t echtwinkligen Coordinaten aus- 
gedruckt fetzt: 

Y F . (x'-'a) F .(ae + a) 

y. y * y IjlX. 

^ D> "" D^' 

und daraus folgt, da tang. p = -^ ift: 

tang. p . — ^ ^£)^, -►£)')— e (D^J 4- i>M 



[ 278 ] 

• * 

oder, daxssir.cof. w; y=:,r,fin. u; a = iC.rift, 

; tang. /3 = — '"i" "/-ß" + D'y. ^^) 

cot. u — K «. ^ö/j ^ Di 1 

Nun aber ift ^ 

= r'(i +2K:cof. M + /C') 
J5* == j' -{- (* — «)' = r' — 2aa; + a* 
= r'(l —aK cof. M +/C») 

(i-f-aKcofn + K'')* + (i — a/tcof. tt + K»>' «- 

Ml ■ ■ ■ - ■ 1\,_ 

(I +2 K cof. a + KM^ — (l -;2 K cof. tt 4: K')»* 

Diefe beiden Gleichungen geben die Richtung 
der Magnetnadel in jedem Punkte M, deffen Ab*» 
ftand vom magnetif eben Meridiane bekannt ift. Man 
ficht, daCs diefe Richtung aufser von dem^Vyinkel 
i/, der durch diefen Abftand gegeben ift, anch von 
d<er Gröf^e K abhängt, das ift, von der Entfernung 
der beiden magnetifchen Mittelpunkte vom Mittel- 
\punkte der Erde, in Theilen des Erdbalbmeffers 
ausgedruckt. Vor allen Dingen ift daher diefe Grö* 
fse denBeobachtungen entfprechend zubeftimmen*' 
Für eine erfte Näherung zu dem Werthe der- 
felben habe ich eine Beobachtung gewählt, wel- 
che Herr von Humboldt zu Carric'hana un- 
ter 6^ 34' 5" nördl. Breite und 70^ 18' wefthcher 
Läng^e von Paris, (folglich unter 14^ 5^'' 25" nördl. 
, rnagiietifcher Breite und 48^ 21' 53" öftl. niagnet. 
Xiäuge vom öftl. Knoten ab gerechnet,) angeftellt 
hat und die mit feinen übrigen Inclinatioh^beobach- 



l 279 } 

töiigAi fehr gut zufamraen ftiirimt« Herr von 
Humboldt hat hier die Neigung der Magnetnadel 
im Meffidor des Jahrs 8» (Julius igoo,) beobachtet, 
und 33°;78derCentefimalabtheilung (30^ 24') ge- 
funden. *) 

Ich habe nun der Gröfse K verfchiedene Wer* 
thc gegeben, die Inclination berechnet, welche ih* 
laen zu Folge in jener Breite Statt finden müfste, 
und fie mit der von Herrn vonHumboldt beob* 
achteten Inclination verghchen. Der Gang der 
Fehler führte mich von felbft auf die fchicklichftf 
Annahme. 



Angenonimene 


Inclination en 




Feblei 


Werthe von K 


berechnet beobaclitet 




K = i 


7%73 33* 


:78 


26 >4 


K = 0,6 


18,8 X 




»4/97 


K == 0^5 


82,a4 




11/73 


K = o^t 


89,38 




439 


iK:.=t 0,1 


3o,64 




3,ii 


K a= 0,01 


31,04 




2,73 


K =» 0,001 


31,07 




2,7 



Der erfte Werth von K würde die Centra der 
magnetifchen Kräfte an die Oberfläche der Erde, in 
die Pole des magnetifchen Aequators verletzen ; 
dief« Annahme ift jedoch, virie man ficht, unzu- 
läOig» weiMhr gemäfs dieinclinätionen viel zu lang- 

*) Ich werde hier alle Inclination en nach der Cen« 
> tefimaltheilung des Kreifes ausdrucl^en, wie dies 
Herr von Humboldt bei feinen Beobachtungem 
gethan hat. Biot. 



1 \ 



C 280 ] 

farri itlfnelimen. Daffelbe ift der Fall mit den fol- . 
genden Werthen von jfC; doch nähert ficji die Be- 
rechnung der Beobachtung immer mehr^ je klei- 
ner man den Abftand der Mittelpunkte der magne- 
üfchen Kräfte vom Mittelpunkte der Erde fetzig 
welches offenbar darauf deutet, dafs die beiden 
Mittelpunkte der magnetifchen Kräfte fehr nahe 
bei dem Mittelpunkte der Erde liegen. Alle Qbri- 
ge Beobachtungen des Herrn von Humboldt 
bürden auf einem ähnlichen Wege zu derfelbenFol^ 
. gerung leiten. 

Die paffendfte Annahme würde alfo feyn,iCnuli^ 
oder doch fo klein zu fetzen^ dafs es ganz v«rnach- 
läffigt werden dür|c» Unter diefer Vorausfetzung 
giebt die Rechnung eine Inclination von 3^*^/o843> 
welches der beobachteten am allernächften kommt, 
und nur noch um s'^^Gg zu klein ift. Und l^erbei 
mufs man noch bedenken, dafs unfre Tormein 
voraus fetzen , die Lage des magnetifchen Aequa- 
tors fey genau bekannt ^ dafs alfo, da diefes nicht 
der Fall ift, der Fehler zum Theil auch hierin ge- 
gründet feyn könne. 

Setzt man nun aber in Formel 11 iC = o , fo er- 
halt man zum VVerthe derfelben —; wendet man in- 
defs auf diefen Fall die bekannten Methoden an, fo 
findet fich, dafs diefer ihr VVerth dennoch reell und 
beftimmt, und zwar = ^ ^'^^ -^ ift. Diefer Werth 
in Formel I gefetzt , giebt 



tang.,.0 



C =8t ] 

cof. u- 



3 • coL u 
flu, 2 u 



Aus diefer Formel findet fich der Werth von ß fehr 
leicht; und ift diefer Werth bekannt, fo giebt fich 
aus folgender Formel : 

/ ==. joo -f- u — ,3 
die Inclination der Magnetnadel nach der Centefi^ 
Inaleintheilung (f), und zwar überall in beiden 
SErdhemifphären. 

Mau ficht aus dem Gange, welchen ich hier ge* 
nommen habe, dafs dief^ Formel keine bloCse em- 
pirifche Conftruction der Beobachtungen ift. Viel- 
mehr ift fie von einer folchen ganz unabhängig, und 
fetzt weiter nichts vorai^s, als dafs die Inclination 
der Magnetnadel durch einen unendlich kleinen 
Magneten, der fich im Mittelpunkte der Erde be- 
£D(^et, be^virkt werde. Berechnet man nun nach 
diefer Formel die Ihclinationen für verfchiedene 
Breiten, fo erhält man faft genau diefelben, wel- 
che Herr von Humboldt in diefcn Breiten, 
theils in Europa, theils in AmerK^a beobachtet hat, 
und auch die Beobachtungen , welche beim letzten 
Durchgänge der Venus durch die Sonne zu Kola 
• im ruffifchen Lappland s^ngeftellt worden, laffea 
fich durch diefcis Gefetz darftellen , v^rie das die Ta- 
' belle am Ende diefer Abhandlung zeigt. Man fiui- 
detin ihr die Beobachtung von Mallet und Pi* 
et et und einen Theil der Beobachtungen des Hr*i. 



[ 282 ] 

Ton Humboldt, die ich ohne Auswahl, doch 
fo gen omni en habe, dafs alle übrige dazwifchea 
fallen. Ich habe fie nach den letztern Formeln be- 
recbtiet und dl6 beobachteten Inclinationen dan^« 
. ben geftellt. 

Die Abweichungen zwifchen den Berechnungen 
nach der Formel und den Beobachtungen laffen fich 
noch mehr vermindern. Man fieht nämlich aus der 
Tabelle, daf$ die berechneten Inclinationen in Arne- 
rlka> in kleinen Breiten etwas zu klein, da£s fie 
dagegen in hohen Breiten zu grofs find. Diefes iff 
ein Zeichen, daCs fich durch eine leichte Modifica" 
tion alles noch mehr muffe ins Gleiche bringen laft 
fen^ entweder durch eine fehr geringe Aenderung 
in f!er Neigung und der Knotenlinie des. magneti- 
fchen Aequators, deffen Lage aus zwei Beobachfun- 
gen nicht mit der äufserften Schärfe beftimmt feyit 
kann; oder durch eine Aenderung in dei* Lage un- 
fers kleinen Erdmagnets, indem man den Mittel- 
punkt deffelben in der Ebene des magnetifchen Ae» 
qtators läfst, ihn aber fo ftellt, dafs er fich etwas 
näher bei Amerika als bei Europa befinde. Die 
Beobachtungen felbft muffen uns in diefen Ideinen 
Correctionen leiten , wenn wir deren erft eine grö- 
fsere Zahl haben werden, 

Uebrigens darf man nicht erwarten, durch ir- » 
gend ein matheraatifches Gefetz alle beobachtete In* 
dinationen in aller Schärfe dargeftellt zu fehen ; denn 
auch das Phänomen der Inclination, ob es gleich 
mehr Regelmäfsigkeit als die übrigen magnetifchen 



[ 285 ] 

z^igt^ ift nicht ohne alle Anomalieeir. Man kann 

Cch davon leicht tiberzeugen > wenn man die Curv» 

conftruirt, welche durch die Beobachtungen felbft 

gegeben wird. So z. B. fand Herr von Hum- 

l^oldt die Inclination zu Popayan um o^,io grö-r 

fser> als zu St. Carlos del Rio Negro, ob^ 

rchon die magnetifche. Breite des letztem Ortes um 

37' gröfser als die des erftern ift. Derselbe Fall ift 

mit den Beobachtungen zu Javita und zu Santa- 

T*e. Andere Anomalieen entdecken fich, wenn^ 

znan ddn Gang der Beobachtungen und der Formel 

mit einander vergleicht. So z. B. harmonirt die Zu- ' 

xiahme der Inclination ^wifchen C a r i c h a n a und 

St. Thomas de la Guyana keinesweges mit 

der zwifchen diefem letztern Orte und Carthage- 

XI a, wie das aus der Anomalie in der Intenfität der 

znagnetifchen Kräfte an diefen Orten einiger Ma* 

£sen voraus zu fehen \rar. 

Auch diefe Anomalleen find blofs Wirkungen ort- 
lieber UrXachen, und rühren von kleinen Syftemen 
der Anziehung her, welche die allgemeinen Phäno- 
mene modificiren. Sie muffen in dem von Herrn 
von Humboldt bereifeten Theile Amerika's vor- 
züglich merkbar feyn, da die grofse Kette der Cor»^ 
dillere der Anden diefen Theil Ametika's in fei- 
•der ganzen Länge durchfch neidet. Auch kommen 
da jn der That die gröfsten Anomalieen vor. Po> 
pay an z. B. liegt nahe bei den Vulkanen von So* 
tara und Purace, und am Abhänge von ßafiilt- 
bergen, die voll magnetifchen Eifens find, fo dafi 



[ »84 3 

die > Bafaltfäulen zu Sulinito öftlich von Po- 
payan, fehr beftimmte magnetifche Pole haben. 
£bep fo liegt Mexiko auf dem Rücken der gro- 
, Jfeen Cordillere von Lenfchtitlan, iiGoToifen 
jüber dem Meere, und der Boden ift dort mit Ba- 
ialten und poröfen Mandelfteinen bedeckt, die faft 
alle magnetifches Eifen enthalten. Sollten wohl 
alle diefe Urfachen ohne merklichen Einflufs'auf die 
Keigung der Magnetnadel feyn, und föllte die Ver- 
theilun.; der eifenhaltigen Maffen, oder die Verän- 
derung, welche fie allmählig leiden, keine Varia- 
tionen in der Neigung bewirken? Hr. von Hum- 
boldt hat über diefen Punkt eine entfcheidende 
Beobachtung. Das Erdbeben vom 4ten Nov. 1799 
hat zu Cumana die Neigung.der Magnetnadel ver- 
ändert. Sie betrug am iften Nov. 43^/^5 > ^^ yten 
war fie riur noch 42°/75> und zehn Monat fpäter 
war fie nur bis 4^/85 zurück gekommen, und er- 
hielt ihre vorige Cröfse nicht wieder. Die Inten- 
fität der magnetifchen Kräfte waf durch die Wirkun- 
gen diefes Erdbebens nicht verändert worden. 

Es ift folglich durch diefe verfchiedenen Beob- 
achtungen bewiefen, dafs örtliche Urfachen auf die 
Neigung der Magnetnadel einen merklichen Einflufs 
äufsern können, und diefer Einflufs äufsert fich in 
den Gegenden, durch welche Herr von Hum* 
boldt gereift ift. *) 

♦) Wir können hinzu fügen, dafs diefe Anomalieen 
vorzüglich nicrlxbar in den Infeln find, wie das. be- 
fonders die iieobachiang de Roffel's zu Sura- 



C 2B5 ] 

Die matheinatifchö Hypothefe, von der wir aus- 
gegangen find, fcheint daher wirklich das Gefetz 
der Natur auszudrucken , wenigftens in den Gegen- 
den nördh'oh vom magnetifchen Aegüatör. Zwar 
fchelnen die wenigen Beobachtungen, welche wie 
bis jetzt aus Gegenden füdlich vom ni^netifchen 
Aequator haben, gleichfalls derfelben zu etatfpre- 
chen; doch mufs unfre gänzliche Unkünde der wah- 
ren Urfache diefer Phänomene uns im Vermtithen 
febr vörfichtig machen, und uns hindern, die Fol« 
gerungen aus den beobachteten Gefetzen, nicht za 
weit 2u treiben. *) 

baya duf Java, m der folgendenr Tabelle zeigt. 
V Aehnliche Anomalieen Anden ilch auf den Infeln 
in der Abweichung und in der lutenlität der ma« 
gnetifchen Kräfte. die V erfafftr. 

^) Seitdem diefe Abhandlung im National r Inftitute 
Yorgelefert worden, können wir etwas beftimmte- 
res hierüber feft fetzen. Die von mehrem Seefah* 
rem auf dem Vorgebirge der guten Hoifnung, auf 
Cap Hörn und in Neu -Holland angeheilten Beob- 
achtungen werden von w n fr er Formel 'f ehr genaa 
dargeftellt, und dies beweill, daf? fie auch für die 
füdlicbe Hemifphäre gültig iß. Wir hoffen bald 
zahlreiche und febr genaue, Inclinationsbeobachtutt- 
gen aus diefem Tlieile der Erde zu erhalten; doch 
haben ng\v geglaubt, fchon Jetzt in unfrer Tabelle 
alle hierher gehörige Beobachtungen, w^elche-wir 
uns haben verfcbaffen können, hinzu fügen zu 
muffen. Wir haben überdies zwei Beobachtungen 
über die Intenfität der magnetifchen Kräfte beige« 
fügt, welche. von Herrn de Roff el auf 4er Kci- 



*' 



Aus der Lage;des magnetifchen Aequatorslä 
üch leicht die Lage der Punkte berechnen^ -wo dii 
Achfe deffelben die Oberfläche der Erde durch 
Schneidet. Die Breite diefer Punkte ift nämlich daj 
,Complenient d.er Schiefe des magnetifchen Aequa 
tors zu 90^, und der Längenunterfchied derfelbet 
und der Knoten des magnetifchen Meridians betrag 
90°. Mithin liegt der nördliche magneüfehe PoS- 
unter 79^ i' 4" nördlicher Breite und 30 ' 2' 5'^ 
weftlicher Länge von Paris , und alfo nördlich von 
Amerika. Der füdliche magnetifche Po/ hat diefel- 
be füdliche Breite und 149^ 57' 55" öftlicher Län- 
ge von Paris, und liegt daher in ^en ewigen/ Eisge* 
. filden des Südmeers. 

Könnte man bis zu diefen Polen gelangen, fo 
würde man in ihnen die Magnetnadel fenkrecht 
ftehen fehen; das wäre aber auch, (wofern das Ge- 
fetz, welches wir entdeckt haben, einiges Zu- 
trauen verdient,) die einzige Verfchiedenheit in der 
Inclination, und man wäre dort den wahren magne- 
tifchen Mittelpunkten, welche die Inclination er- 
zeugen, um nichts n^er als in Europa. Diefes 
würde das Intereffe, welches wir haben könnten, 
diefe fchrecklichen Gegenden zu befuchen, gar fehr 

fe von Entrecaßeux mit grofser Sorgfalt ange- 
,^ ße)lt worden, und die vorzüglich wicliiig find, weil 
fie dardiun, dafs auch in der Sndliemifphüre die 
magnetifche Kraft der Erde zunimmt, fo wie man 
fich vom magnetifchen Aequator weiter entiernt. 

die y erfaffer» 



C 287 ] 

TorxninderD^ dürften wir nicht hntten, dort neue\ 
Phäooniene in Rückficht der Intenfität der niagne* 
lifcli-en Kräfte und des Zufammenhanges der Me» 
teore mit dein Magnetismus zu entdecken. 

Dafs die magnetifchen Wirkungen nach dem' 

Norden hin zunehmen, fchreibt man gewöhnlich 

der grofsen Menge von Eifen in jenen Gegenden zu; 

' dieCe. Meinung fcbeint uns aber nicht mit der \Vahr- 

«beit zu ^eftehen. Auch die Cordillere der Andea * 

enthält eine ungeheure Menge magnetifchen £i* 

fefis, und das gediegene Eifen von Cbaco» wel« 

' ches der problematifchen von Pallas gefundenen 

I Eifenmaffe ganz ähnlich ift, und doMvon Xacate- 

[ ras in Mexiko, liegen unter den Wendekreifea 

l fclbft. *) 

f. 

Da, unfre Hypothefe die Inclinationen der Ma- 
gnetnadel fo genau darftellt, fo haben wir verfucht, 
ob fie iich nicht auch auf die Intenfitäten der ma« 
gnatifchen Kraft, welche Herr von Humboldt 
beobachtet bat , foUte anwenden laffen. Allein hier 
genOgt fie nicht. Sie giebt zwar eine Zunahme der 
mägnetiCchen Kräfte vom Aequator nach den Polen^ 
diefe Zunahme ift aber anfangs zu langfam und dann 
2u ftark. Ich habe noch nicht Zeit gehabt, zu un- 
terfuchen, ob eine kleine Verrückung des Erdma- 
gnets beitragen möchte, fie beffer darzufteilen ; man 

*) Auch wiCfen wir jetzt, dafs die Intenfität der ma- 
gnetifchen Kraft nach dem Südpole zu eben fo, als 
nach dem Nordpole hin zunimmt. die Vtrf^ 



C «88 1 

• / 

' imufs indefc bemerken, dafedie Reihe der Intenfitä} 
ten auCserordentJich bizarr ift, und eine ünendlicbe 
JVIenge ^nomalieen in fich fchJiefst, wefshalb die ort« 
liehen Urfacben auf diefes Phänomen leicht einca 
viel merklichem llinflufs als ai^f die. Inclinationea 
Ilaben könnten. 



Folgendes ift im Kurzen, was wir in diefer Ab*^ 
handlung erörtert haben. Wir haben zuerft die La^ 
ge des magnetifchen Aequators aus directen Beob* 
achturigen beflimmt, weldhes bis jetzt noch nicht 
gefchehen war. Wir haben alsdann bewiefen, dafi 
die magnetifche Kraft zunimmt,, wenn man von die- 
fem Aequator fich nach den Polen zu entfernt ^ 
Endlich haben wir eine mathematifche Hypothefir 
aufgeftellt, welche, auf eine Forn>el reducirt, alleo 
bis jetzt beobachteten Inclinationen Genüge leiftet'-- 

Wenn man zu diefer Formel die kleinen Corre^ 
Ctionen wird aufgefunden haben, deren fie noch fij^ 
hig ift, fo kann fie ausnehmend nützlich werden 
theils um in der Folge der Zeit die Variationen keiH? 
nen zu lehren, denen die Wirkungen des Erdma^ 
gnetismus vielleicht unterworfen find, theiis uni 
die Gröfse der Inclination zu beftimmen oder felbfr 
vorher anzugeben, welches in vielen Fällen von 
grofser Wichtigkeit feyn dürfte. 

So z, B. wird in der Gegend des magnetifclien f( 
Aequators ein Schiff aus der Zunahme oder Abnah- i 
me der Inclination beurtheilen können, ob es durch ' 

die 



« 

^ Str&me in feinem Lau^e an Breite gewonnen 
[er verloren hat; und die Beftimmung der Breite 
s Schiffs ift in manchen Fällen eben fo wichtig, 
? die der Länge. An der KQfte von Peru.herrfcht 
z. B. von Chiloe an, eine fo heftige Strömung 
<:h Nord und Nordoft, dafs man von Lima nach 
aayaquil in 3 bis 4 Tagen fchifft, indefs man 2, 3,' 
snanchmahl 5 Monate bedarf^ um von hiernach 
r»a [Callao] zurück zu fchiffen. Es ift daher von 
r gröfsten Wichtigkeit für die Schiffe, welche. 
m Chili kommen und längs der Küfte von, Peru 
bren, ihre Breite zu wiffen; denn fegein fie ober 
m Hafen hinaus, wohin fie beftimmt. find , fo müf- 
i* fie nach Süden zuröclc fteuern, und auf dem 
''©g, den fie in einem Tage zu weit vorwärts ge- 
dacht haben, können fie zurQck manchmahl einen 
tonat zubringen. Unglücklicher Weife verhindern 
ier die Nebel , welche 4 his 5 Monate lang an d^n 
Hften von Peru herrfchen, die Geftalt der Küfte 
I erkennen; man fieht nichts als die Spitze der An^ 
An und der Pics, welche über diefe Schicht von 
ünften heraus ragen, deren Geftalt aber zu. ein- 
rmig ift, als dafs fie dem Steuermann dazu dienen ' 
Knuten, fich zu finden. Nicht feiten gehn 12 bis ' 
5 Tage hin, ohne dafs er die Sonne oder einen' 
ern zu fehen bekommt, und er bleibt gewöhnlich 
ährend diefer ganzen Zeit vor Anker liegen, aus 
ircht, über den Hafen hinaus zu fegein. Gefetzt 
tn, man wüfste, wie grbfs die Neigung der Ma- 
ketnadelin Lima und in den nördlicher gelege- 
Innal. d. Phyfik. B..^o. St. 3. J. 1805. St. 7. T 



C >90 3 

neu Häfea» rZ* B. in Chancay, Hua^ura und 
Santa, fey, fo wird fich ans der Inclinatiopsnadel 
crfehen laffea, oJj man fich nördlich oder fadlich 
tona Parallelkreife von Lima, ja, welchem Punkte 
der Jtüfte man fich ungefähr gegen über befindet j 
eine Anzeige , welche eine gröfsere Schärfe zuläfst, 
als man wagen foUte zu hoffen, da die Inclination 
fich in jenen Gegenden mit einer aufsefojrdentlichen 
Schnelligkeit ändert. Herr von Humboldt, 
dem diefe Bemerkungen angehören, hat ib diefen 
Oegenden folgende Beobachtungen gemacht. £s 
lietrug 

za, in einer füdL die InclU 

JBreite von naüon 

Huancey lo^ 4' 6®,8o 

Huaora ii 3 9/ oo 

Chancay ai 33. lo, 35 

Diefe Beobachtungen zeigen, dafs ein Fehler von 
3 bis 4 Grad in der Inclination, in diefen Gegenden 
nur erft einen Fehler von i° in der Breite erzeugen 
würde, und bei der grofsen Ruhe, welche in dem 
ftillen Meere herrfcht, läfst fich die Neigung der 
Magnetnadel fehr leicht bi$ auf i° genau beobach- 
ten. — Aehnliche Beifpiele laffen fich in Menge 
au$ den Seereifen nehmen. So würde es eben fo 
'nüt?lich feyn, die Inclination an der Mündung das 
Rio de la Plata zu kennen, da zur Zeit, M^enn 
hier die Pamperos' blafen, der Schiffer in lÄ, bis 
Ig Tagen weder Sonne noch Sterne zu fehen be- 
kommt, und hin und her lavirt, aus Furcht, den 
Par^lielkreis (tiefer. Mündung zu verlieren. 



1-- ' 



fr 

Endlich kann in diefen Gegenden die Inclinatioa 
auch die Länge anzeigen » und diefes Mittel bleibt 
Qbrig» wenn alle andere fehl fchlagen. Ein Schiff^ 
welches hier auf einen Paralielkreis fegelt» kann feine 
Xänge weder verniittelft eines Chronometers noch 
vermittelft der Declination nach Halley's Art fin- 
den, wenn es keinen Stern lieht, um einen Stun* 
denwinkel, oder das magnetlfche A2imuth i>eh- 
men zu können ; dann kann die Inclinationsbouffole 
mitten in dem dichteften Nebel über die Länge Aus- 
kunft geben. Wir zeigen diefes Mittel als eins von 
denen an^ die nur an gewiffen Orten anzuwenden 
^ £nd> mit dem man fich aber bisher nur fehr wenig 
befchäftigt hat. Kenntnifsreicbe Seefahrer werden 
diefe Ideen erweitern und berichtigen. Kann man 
fich auf die Inclinationsbouffole und auf das Gefetz 
verläffen, welches wir hier aufzuftellen verflicht 
'haben, fo würde es hinreichend feynr, dieinclina«. 
tion und die Breite des Orts zu beobachten, '^) um 
aucji die Länge zu haben. Wir haben indefs noch 
nicht die Gränze der Fehler bei diefer Methode un- 
terfucht, und wir begnügen uns daher, fie angezeigt 
%!aL haben. 

Das Phänomen der Inclination hat für die Beob- 

itelhtungen auf dem Meere einen eigenthümJichen 

^ünd fehr beraerkenswerthen Vortheil; nämlich 

den, den grofsen fortfchreitenden Veränderungen 



\ - 



♦) Wiej^foll das ab^r In Nebeln gefchehen, welche' 

V 

Sonne und Sterne verbergen? d. H, 

T a 



l «0a 3 

\ 

nTcht. unter werfen zu feyn, welche die Abweichung 
leidet. Ohne das zu wiederhohlen , was wir wei- 
ter oben Ober die Beftändigkeit diefes Phänomens, 
verniuthet haben , bemerken wir nur noch , dskü 
unfre Formel felbft einen neuen Beleg dafür abgiebt^ 
da fie in einem und demfelben Gefetze die Beobach* 
tungen umfafet, weiche vor 36 Jahren in Lapplatid, 
im Jahr 175^ vonLaCaille am Vorgebirge der guten 
.Hoffnung unc| jetzt von Herrn von Humboldt 
in Amerika angefteilt find. 

Wenn wir übrigens verfucht haben , die Incllna<^ 
tionen in verfchiedenen Breiten dadurch darzuftel- 
len, dafs wir einen unendlich^kleinen Magneten na- 
he beim Mittelpunkte der Erde angenommen haben, 
der fenkrecht auf dem magnetifchenAequator fteht; 
fo ift es doch defshalb unfre Abficht liicht, diefe Hy-- 
pothefe für etwas reelles auszugeben , fondern wir 
halten fie blofs für ^ine inathematifche Abftraction, 
welche den Nutzen hat, die Beobachtungen mit ein- 
ander zu verketten, und vermittelft der wir künftig 
cinmahl werden wahnehmen können, ob die Indig- 
nationen einer Veränderung unterworfen find. Was 
die Abweichung und die Intenfität betrifft, fo ge- 
ftehen wir unverhohlen, dafs wir von ihren Ge- 
fetzen und ihren Urfachen fchlechterdings nichts 
willen. Sollte ein Phyfiker fo glüklich feyn, fie 
auf ein einziges Princip zurück zu führen , welches 
zugleich die Variationen der Inclination erklärte, fo 
würde das unftreitig eine der fchönften EntdeckujjL- 



[«95 1 

gen jTeyn, die je gemacht worden ift. Diefe aus- 
nehmend fchwierige Unterfuchung. dürfte jedoch, 
um mit Glack verfucht zu werden, mehr Beob- 
Hchtungen, und vor allen Dingen mehr genaue 
Beobachtungen erfordern , als wir bis jetzt befitzen. 
IDiefes ift der Grund, warum wir glaubten, der 
inathem. - phyfik. Klaffe des Inftituts gegenwärtige 
Unterfuchungen , fo unvollkommen fie auch noch 
•^nd , vorlegen zu dürfen , wobei vf Ir fie erfuchen^ 

«liefe Arbeit mit Nachficht aufzunehiheo. Sollten 

• 

wir fo glacklich feyn, dafs unfire IVefultate ihr tön 
einigem Nutzen dünkten, fo haben wir "zur Abficht, 
alle genaue Beobachtungen , die man bis jetzt über 
den Erdmagnetismus gemacht hat, zyi fammeln, um 
dem von uns entdeckten Gefetze den letzten Grad 
•von Genauigkeit zu geben. 





l =94 ] 






r«^ 


eile ^ber die mag.nvtifeh.f_n 




l. in der nördlichen md 


Namen 
der Beobachtet. 


B.ob„b.a„g„„. ^^ 


Lä.ja 
deHelbnn 
von Pati... 


T.Humboldt 


Wagneiifcher Ae- OlJliclie 


weliliclie' 




quator in Peru 


7* fo" 


80" 4'o' 


Lapeyroufo 


>Iflgn.Aeq.ai.fd. 
Meere zwirch. 
ßraüliea u. dei 








Arcealions-inl. 


1067 


25 25 


T. Humboldt 


Tompenda 


5 Ji 4 


80 27 




Loxa 


400 


8t 12 




C™„5a 


2 54 9 


8043 




Quito 


3 i3 t7 


80 t5 




St. Antonio 


000 

aordliche 


80 12 




Popayan 


2 2433 


7845 




St. Carlos del Rio 








Negro 


t 52 4 


70 10 




lavita 


2 49 


70 3o 


; 


Esmaraida 


3 i3 26 


68 38 




Sta Fe di Bogota 


4 36 5 


76 37 




Cariohaoa 


6 34 5 


70 18 




St. Ttiomas de la 








Guyana 


8 8 24 


66 26 




Cartli3gena 


10 25 57 


78 2 




Mexiko 


19 26 2 


101 22 


^eRorfel 1791"] 
T. Humb. i79qj 


St. Ctoix aoE Te 






nerilF» 


28 28 3o 


t8 37 


T Humboldt " 


auF d. atl. Meere 


38 52 — 


16 20 




Paris 


48 50 i5 


000 

öHlicha 


■ Euler der Sohn 


Petersburg 1755 


59 56 23 


27 58- 


M«llet 


Kolaimrorarchcn 






Lap|>I.inili7t:9 SS 52 3o 


3o 40 3« 


PhippS 


B.etH.lnWnatieii. 






Sv.»»\ietj. iiT 


SV^ &> - 


\ l''*- 



C »95 i 



fnfidäten und Inclinai;iohen; 

i/c hen Rem ifp hart» 
(Magiistifche ' 
. Br. 1 öül. Länge 



Beob> 

mgs- 

19. 



3/ Q./ 



vom wefll. 
Knoten ab 
gerechnet. 



i 



Zahl dl Inftliiiatidnni 

S hwin J"^*^^- ^^ £eiiteilmaltli«lluii|^ 



jgungfiÄj 
in 10' 



40' 17' 56 



t4 



O 

54 

4-27 

6 44 
6 59 

6 33 
S 16 

3 14 

7 40 
5 45 
5 i3 

2 25 

% 18 
B 43 
5 14 

2 40 
J 22 

7 — 



4 36 



95 33 56 
39 52 5i 
3Ö 55 o 
39 i3 52 
39 17 52 
39 18 52 

4P 24 27 

49 6 35 
48 39 6 

50 29. i5 
42 17 i3 
48 21 53 

52 7 26 
39 55 i3 

14 36 41 

72 o 26 
106 3o 10 
128 22 47 

173 3o 25 



211 



2l3' 

212 

214 
21» 
220 

223 

216 
218 
217 
226 

227 

222 

240 
242^ 

238 



nete. 



o'^^ooo 



o„ 000 
3, 364 
6/ 440 
8, 97 
14, 87 
i5, ag 



b^ob*. 
abhtete. 



o',oö 



22/ 028 

23, 87 

25, 76 
3i, 08 

34/ 77 
36, 07 

44. 87 

64/ 997 
242 74, 29 



245 



^79 9 29 I — 



80, 69 
85, 21 

89, 59 



0/ 90 
.3} 55 
6, öo 

g,^ 35 
14, 86 
16, 02 

23, 20 

23, 10 

27 

28, 85 
26, 97 
33,77 

39 ~ 

39, 17 
46, 85 

69, 35 

75, 76 

77/ 62 
81 67 

86, 39 



Xlater- 
fchied. 



o*,oo 



9 5oli27 40 5 



0,ÖO 

-i 0,186' 
+ 044 

^o,38 
— 0/73 



— »/07 

— 3,x3 

-^ 1,21 

— 2/69 

fr 

--.423 

— 3,10 

— I/98 

— 4/35 

— »/47 
+ 3,07 

+ 3,54 
■b»3,2ö 



oy, v/y uu, v/y ■ -' — 

— . [96, isa\9\, ^WVV 5»f»l 



C 296 ] 

Tabelle über die magneei/chen 

JL in d9r füdjiichen ma 



. Länge 

^•r Beobacliter. I B*<>^«^««8«^"- | aeffelben. | ^^^ p^^^; 



mm 



f.Vimnboldt 
deKoCTela^En-^ 
ttecaßeiiux's / 
Reife *J 

r ■ 

^ayli a. CdoVs\ 
zweiter Rei- > 
fe 1775 J 



deRolTel 



Lima 

Sourabaya auf deir 
Infel Java 

Vorgebirge d. gu< 
ten Hoff»uDg 



ludliche 
72 2'3l" 

7 14 23 



33 55 3o 



-weHiiclie 

: ölUiche 
110 21 28 



36 42 



In der Bay Tal- 

caguara 
Im Geficbtd. Infel 

der Patagoneii |52 21 26 
aufNeu.äollandi43 34 3o 144 36 33 






, 16 10 — 

weßlicbe 

75 53 — 
69 38 — 



Die Beobachtungen, welche in der vorßehenden 
Tabelle zufdmmen geßellt find, reichen Ton 38° 55' bis 
263° 21^18^^ öfilicher magnetifcher Länge, diefe Länge 
vom vröftiichen Knoten des magnetifchen Aequators im 
Sü^dmeere an gerechnet. Sie umfaffen daher über 224^1 
und ihre UebereinlUmmung beweifi, dafs der magne- 
tifahe Aequator in diefcr Ausdehnung nicht merklich 
von einem gröl^sten Kreife, der Erdkugel verfchieden ift 
Für die i36f, welche an dem ganzen Umfange des ma 
gnettfehen Aequators fehlen, haben wir keine Beob* 
acistung berechnet. 

Die Beobaclitungen dfes Herrn de RoffeljWel 
che wir in diefe Tabelle eingefchaltct hajjen, find mit 
febr vieler Sorgfalt auf der Entdeckungsreife unter En< 



t Ö97 ] 



fite enfitäien und IncHnation&n; 

gn e t ifc hen Hemifp käre» 



feudi. Breite 
d«s Beob- 
aclitungs« ' 
oits. 



Magneti Celle 



4^48'36" 



\tS- 37 22 



oM, Lange 
vom weiU. 
Knoten ab<* 
gerechnet. 



i5 34 



42 14 



44> 3o 3 
i5<i. 12 43 



41 • 42' 5i'^ 



228 56 5o 



Zahl d. 
Schwin- 
gungen 
in 10' 



Inelinationeii 
nach de^ CenteHinaUheiltfiig 



i3i 38 53 



49 o 5 

57 i3 52 
263 21 18 



219 



204 



I 



265 



berech- 
nete. 



beob. 
achtete. 



TJnter- 
fchied. 



10^;6l4 



32/ 466 



11%10 



28, 5x8 



49/ 58 

52, 89 

70, 04 

78/ 70 






47/ 78 



55, 55 



— 048S 



+ 3,948 



+ 1,8 



— 2,66 



68, 89 + i,i5 
77/ 97 1— 0,73 



tr'lc^cafteux angeßellt worden. Die von ihm zu Te« 
B^^ifFa beobachtete Inclinatipn iß genau dierelbe, vsrel' 
M^ Herr von Humboldt dort 8 Jahre fpäter gefun- 
i^xx hat; und diefes Zufammenfiimmen hat es uns mög- 
üel^ gemacht, die Beobachtungen beider Pfayiiker über 
^^ Intenfität der magnetifehen Kräfte auf einander zu 
^ß^uciren^ indem wir vermittelft des VerhähniUes der 
Sphwingungszahlen de Roffel's und von Hum«? 
boldt's auf Teneriffa , zu den übrigen Schwingungs* 
wlile'n de RoffeTs, die vierten Proportionalzahlen 
berechnet haben ;*fie findet man in der Tabelle für die 
ludliche Hemifphäre in der CoJumne der Schwingun- 
gen. Sie beweifen aufs neue, dafs die Intenlitäten von 
drtlichen Urfadben ausnehmend, und unendlich mehr 



r ?^8 ] 



/ 



als/ die Inolunationeii modificirt werden» Sie nehi 
nach den Beobachtungen des Herrn von Humbo 
weniger, n^ch denen des Herrti de Roffel dage 
ftärKer zn , ah tiaöh imff er Hypothefe ; und es läCst 
daher über das wahre ^flffetz diefer Zunahme n 
nichu fdft ferzenw ^ 

Wir bemerken noch, da£s, wenn roanunCreFor 
n:<it den Beobachtungen von Reifenden zufammen 
ten will,, diefe letztern ä^uvor xQit vieler Kritik zu 
terfucheiti und nur dann zuzuladen find, ^ wenn ^fie 
ter einander und mit den* Beobachtungei| der and 
Seefahrc^ harmoniren*. Ohne di^fe Vorficht ^ürde t 
bei jedeto Schritte zu bedeutenden Irrthümern du 
die IncobärMKi» derReCuiltäte verleitet werden. Wir 
ben überdies die vorAeltenden nur für eine erfte i 
näherung aus. 



» > » 



C «99 3 

mi , ■ Hf l ' ' 11 



IL 

W€^ifseg Licht von fchwarzen Pigmenten^ 
ein Paar Verfuch9 

4 

.von 
M. L Ü D 1 K E 

' inMeiüflen. 

-X-r a ich miph f^it langer Zeit mit dem voQ.F^ben 
^i^r-ück geworfenen Liebte,, mit denMifcbungen die- 
ser liichtftrahlea und mit einem entd^Pkteji Ge» 
|etze, n^ch welchem iigh dieüe Mifcbungefi ricjbten^ 
befchäftigt habe und uocfe befchäftige : fo wiU ich 
^VLs der Abhandlung, die iclj jetzt üb^r di^fe» Ge- 
genftandfür de» Druck bear^^it^ ,-; ein. Paar Vcrfu* 
phe aUsbobeq, welche von den übrigen, r^bgefon- 
dert erklärbar und nicht ganz unwichtig find.. . , 

Ich fand es nämlich bei einigen Verfuche» nö- 

^ig, alles in das Auge kommende Seitenlicht zu 

entfernen, und richtete daher über dem in dem 

, 3ten Stücke des 5^^ Bandes, diefer Annol^n be- 

, Ichriebenen und abgebildeten kleinen Scbwu;jgrade, 

i^iiie kurze Seberöhre ohne Gläfer fo ein, dafs iqh 

nur den verlangten Farbenring fehen konnte. Diei^e 

«Zoll lange und innerhalb durchgängig gefchwäjpzt^ 

Seberöhre bat^ine Einficlut von J dresdner ZqU im 

Durcbmeffer, und an de? Stelle des Objcktivglafe« 

eine befond^re Blendung, welche aus einem Ringe 

von Blech und aus einem innerhalb dioCes Kinges 






[ 500 1 

befindlichen kreisrunden Sieche befteht, deffexi 
Mittelpunkt in der Achfe des Seheröhrs L'egt. Der 
innere Durchmeffer des^Riiiges hält jü» ^^^ Durclt* 
meffer des runden Bleches aber ^ Zoll, und let^r 
teres ift an 4 Orten , vernüttelft feiner gefchwär«- 
ter Drähte an den Ring fo befeftigt, dafs zwifchen 
beiden ein gleich breiter Ring, von ^h "^^^^ dresdner 
Breite, zur Durchlicht leer bleibt 

Bei dem Gebrauche diefes Seherohrs konnte €$ 

• •■ ■ ■ 

nicht fehlen, dafs ich zuweilen auch auf den inüersi 
mit Tttfche gefchwär^ten Kreis der Farbenfcbeiben 
kommen ni^Cste, und alfo einen fchwarzen Riog 
hätte zu fehen bekommen muffen; dlefer Ring fiel 
aber» als das Rad gedreht wurde $ beinahe gatit 
w^tß'itis. Da das ScHwairz diefer Farbehfcheibcfa 
in da^ Braune fiel und etwas glähz'ebcl war, fo 
unterfuchte ich auf ähnliche Art mehrere .Arten 
Schwarz, und diefe gaben folgende Erfcheinüngen: 

Schwarzes geglättetes Papier, welches mehr ein 
blaues Schwarz hatte, gab, auf dasRad gebracht und 
fo gegen das Licht gehalten , dafs der Glanz des Pa- 
-piers in das Auge fiel, ohne Bewegung des Rades 
ein glänzendes Afchgrau, mit fchwarzen Fleckett 
an den nicht glänzenden Stellen, und bei fchneller 
Bewegung des Rades ein fchönes Weifs mit einigen 
afchgrauen Kreifen. 

Daffelbe Papier fo gehalten, dafs ich deffen 
Glanz nicht fah, gab ein leichteres und glänzendes 
Schwarz, bei dem Drehen aber Weifs mit afch*- 
gratien Kreifen vcrmifcAt. 




[ 301 3 

Zweierlei fchwarzes Papier ohne allen Glanz^ 
tleffen Farbe > (aus Ofenrufs,) felir wenig und zwar 
fo viel Leim hatte, daCs fie Cch nicht abwifchea 
y war blofs in Anfehnng der Feinheit des Pa-; 
fiers verfchieden. Beides gab ohne Drehen eia 
Uites Schwarz und bei fchnellem Drehen ein mat-^ 
is Weifs. 

Feines fchwarzes Tuch zeigte ohne Bewegung 
M Rades ein lichtes glänzendes Schwarz und bei 
eflen Bewegung eine Menge weifse und afchgraue,. 

Gros de Tours, welcher theils wegen fei- 
pi^ Alters, theils wegen des Aufziehens auf fchwar- 
te Papier fehr vielen Glanz verloren hatte, zeig^ 
^:'cLaffelbe> wie das fchwarze Tuch, nur etwas 
Ifiiizejider. ^ 

Wenn ich bei cfiefen Verfuchen Sonnenfchein 
if die fchwarzen Gegenftänüe fallen liefs, waren' 
le JErfv'/lge lichter , glänzender und weifeer. 

Nunmehr veränderte ich durch Einfetzen ei* 
esi gröfsern oder kleinern kreisrunden Bleches in 
la Blendung vor der untern Oeffnung der Seheröh-' 
i'<^en zur Durchficht leer gelaffenen Ring, und 
lachte ihn ein Mahl ^ und das andere Mahl f Zoll 
reit. Beide gaben die oben bemerkten Erfchei* 
UDgen, welche jedoch bei dem breitern Ringe et- 
ras dunkler zu feyn fchienen. ' 

Als ich das innere Blech ganz heraus nahm> 
eigte fich zwar das Schwarz etwas lichter und . 
länaEender, als der Ring der Blendung; es behielt 



C 30Ö 3 ^ 

aber diefes* Anfeilen olin^ merkliebe Väränderungy 
fo gefchwind auch das Rad gedreht ^yurde. Ali 
ich hingegen vor ^iner |ZolI weiten. Ocffnung einjeF 
neuea £Lendung eine Scheibe iii(n Verfbhieb^n aa- 
brachte^ die bald einen kleinem, bald einen gröfs^n 
halben Mond zur Durchficht übrig lieGs, zeigte' figfa ^ 
bei Bewegung des Rades el^enfalls ein wei&es Licht, 
welches jfedoch bei Vergröfserung des halben Mon- 
des etwas trüber wurde. So bald ich aber aus deiÄ 
halben Monde einen li^dbkr eis maclite^ fand fich bei 
der fchnelleften Bewegung des Rades, keine merk^ 
liehe Erhöhung des Schwarzen über drejenige» wel* 
che ohne. Bewegung des Rades zu fehen war. Hier* 
9tts erhellt alfo, ^dafs eine Blendung in de^Acfafe 
des Fernrohrs zur Entftehung des VVeifeen nd* 
thig ift. 

So unerwartet bei dem erften Anolicke diefe 
Entftehung des weifsen Lichtes zu feyn fcheint, fo 
dürfte es fich dennoch fehr leicht erkläreii^IafTen, 
wenn man die Bemerkung, dafs dasjenige Schwarz 
das dichtefte fey, welches gar kein Licht in das 
Auge zurück wirft, mit der beträchtlichen Oe- 
fchwindigkeit des Rades und mit der' Geftalt der 
Blendung verbindet. 

In das Seherohr fällt kein anderes, als das von 
dem fchwarzen Gegenftande reflektirte Licht, wel- 
ches neben der Blendung vorbei geht und deren 
innere Seite nicht erleuchtet; der fchwarfc^ Gegen-', 
ftand aber, der von dem TagesKchte erleuchtet 
wird» wirft diefes auf ihn gefallene Licht uri^er- 



C 503 ] 

fetzt) obwohl fehr vermindert oder verdünnt, je- 
doch immer in viel gröfserer Menge zurück, als die 
Uinere Seite der Blendung , weiche wenig oder gar 
kein Licht in das Auge fchicken kann. Es lAufs 
daher der fchwarze Gegenftand viel leichter und 
glänzender, als die Blendung erfcheinen, wenn das 
Aad auch ohn^ alle Bewegung ift. 

Die Gefch windigkeit des Rades aber ift fehr an- 
fehnlich, da es bei dem ftärkften Zuge^ des Fadens 
fn t Secunde ig Umgänge bcfchreibt. Wenn man 
alfo mit von Segner,*) nach deffen Verfuche, 
annimmt, dafe der Eiödruck, welchen das Eicht 
äüf der Netzhaut macht, atich nur | Secunde dauert; 
fo würde das Rad wahrend diefer Zeit 9 Umgänge be- 
fchrieben haben, und jeder zurück geworfene Licht- 
ftrahl würde, ehe fciq erfter Eindruck vergangen 
wäre , noch 8 Mahl dem Auge erfchienen feyn. Bei 
der fchnelleften Umdrehung des Rades würde Geh dä- 
Irer das Licht dem Auge 8 Mahl <lichtcr dargefteilt 
baben , als es von dem Gegenftande zurück gewor- 
fen wurde. Diefes in der Nähe des Auges oder auf 
der Netzhaut verdichtete Licht ift nicht mehr ein 
fo verdünntes Licht, welches einem fchwarzen oder 
glänzend fchwarzen Körper zukommt; fbndern das 
Aujge empfindet ein Licht, welches in taufend an- 
dern Fällen von weifsen K-örpern herkömmt, und 
■ welches fchwarze Körper noch nie zurück geworfen 
"haben und ohne Verdichtungsmittel nieijnahls in das 

*) jD# raritate iuminis. Gött. I740. 



E 304 ] 

Auge fenden werden. Das Auge hat richtig empfhix.« 
den ; und wer hier einen Irrthum oder eine Tai:«.- 
fchung zu bemerken glaubt, der muts beide auf di.« 
Rechnung der analogifchen Schlüffe fetzen. 

Da jedoch die Darftellung diefes weifsen Liebt« 
tes von der Gefch windigkeit, deren Maafse Raunn, 
und Zeit find, abhängt; der Raum aber hier in dexr 
Achfe der Umdrehung := o wird .*' fo können di& 
liichtftrahlen , welche von dem Mittfelpunktc daJ^ 
Scheibe oder von angrenzenden Punkten zurück ge»^ 
worfen werden, gar nicht oder nur wenig verdich- 
tet werden, und alfo gar nicht die Dichtigkci* 
des weiCsen Lichtes haben. Dief^ Strahlen in deS^ 
Nähe des Mittelpunkts, welche fo anfehnlicb lan^^ 
famer und dünner find, kommen ebenfalls uki( 
zwar auf einem kürzern Wege in das Auge; fii 
werden alfo die übrigen dichtem verdünnen, eh^^ 
£e auf die Netzhaut gemeinfcbaftlich fallen: da fi^^ 
aber zugleich in der Augenachfe liegen , fo werden^^. 
fi« vor allen andern von dem Auge bemerkt wer- 
den, und vorzugsweife die Empfindung einer Farbe» 
die dem Schwarzen nahe kömmt, hervor bringen. 
Hieraus dürfte fich die Nothwendigkeit einer Blen- 
dung in der Achfe des Seherohrs fehr wohl erkla* 
ren laffen. 



ut. 



r 

Kl 



C 305 3 



III. 

V e h t r 

fdeneiiät des Lickt* und W arme f if off Sf, 

Ton 

Herrn Prechtl 

inBrunn.. 

L vTögeh eine Hypothefe lafst fich mit Oründe 

licfats einwenden, w^nn fie die Thatfachen, die 

icli *atif diefelbe Erfcheiriung beziehen, einfach^ 

Völlig gen ögfend ungf umfarfend erklärt, Sie erhält 

las XJebergewicht über jede andere» deren Erklä-^ 

*tuigsart .weniger einfach und genügend Ift, um fo' 

id^lir^ je einfacher und homogener mit den bereits 

>^annten, die Kräfte find, die fie dabei der Natur 

aiflferlegt. Da wir überhaupt die Erfcheinungen 

bäch 'den verfchiedenen Verhältniffen beurtheilen« 

[n dfeneh fie mit unferm Empfindungsvermögen fte- 

■ - ■ ' . *. ' ■' 

5rei|^9 und wir daher gewöhnt find, die Urfachen 

4er Erfcheinungen nach der Verfehl edenheit der 

S^A'ne,' die dabei thätig find, felbft verfchieden an* 

jfnjgeben; fo ift es natürlich , dafs man den Erfchei* 

fiiungen von Lichj und Warme zwei verfchiedene 

bruridurfächen gegeben hat» Auf der andern Seite 

erzeugt die oft auffallend ähnliche Wirkungsart bei;^ 

i6t Grundftoffe die Vermuthung, ob vielleicht jene 

beiden Erfcheinungen nicht auf 'einer und dcrfelben 

Dach beforidern Umftänden wirkenden Urfache be* 

rtthen könnten; eine Vermuthung, die durch di# 

Annal. ^. Pb>iik. B. 20. Su%. J. 1806^ St. 7. \3 



E 306 } 

I 

bekannte J^infachbeit der Natur ui ihrer Wirkusgs* 
art um fo rechtlicher wird. 

Umliicht und Wärme auf eine und diefelDe, nur 
verfchieden wirkende Grundurfache zurQck zu füh«- 
ren , würde zuerft der Begriff des Wärtneßqffs dd- 
hiozu beftimmen feyn, dafs der Wärmeftoff eine 
äufserft feine, im höchften Grade eKftifche Flfifißg* 
keit fey , die, weil ihre Theile in fehr groüser Ent^ 
fernung einander zurück ftoüsen » in Vergleich nnjt 
der Materie, deren Theile fibh in ihrer wechfelfdtir 
gen Anziehungsfphäre befinden , für imponderabel 
zu nehmen ift; die aber doch gegen die Materie 
felbft eine beträchtliche« (nach Verfchiedenheit der 
Materie verfcfaiedene,) Anziehung hat, weiche die 
Zurückftofsungskr^ft ihrer Theile in verfchiedenetL 
Uradeii zu vermindern fähig ift Nebft diefen br 
fondern E^genfchaften hat fie alle, welche jeder ela? 
ftifchen Flüffigkeit zukommen, nämlich Verbrd; 
tung ins Gleichgewichte Verdichtbarkeit, Verdünl^ 
barkeit, dadurch vermehrte oder verminderte £1^' 
fticität, u. dergl. - 

Seit dem Dafeyn der neuern Chemie bat maHt 
auf Verfuche fich gründend, auch nur ^twa diefes 
iinter dem Wärmeftoffe verftanden. Aus diefcö» 
Begriffe fliefsen folgende weitere Eigenfchaften deS, 
Wärmeftoffs. 

a. Er ift, feiner grofsen Elafticitätgemäfs, iöJi 
ganzen Welträume verbreitet, aber, feiner Anzi^. 
h4iDg auf die Materie wegen, um die Weltkörpe?. 
angehäuft. 



t toi J 



k. Ei: kääd cteirg«lblt ihii; Materie vel'biintteü 
yti^ dafs 6r in einem verdichtetem Zuftande, oder 
einer gröfs^rn Eiafticitat im Körjpet befihdiicfa iHt^ 
t aufserhalb däffelben. 

c. Ift ^r irgendwo in eittöm VeHicliUten Zuftan« 
i ödfer in v'ergtöfserter Elafticität, fo fücht er ficil 
it einer Schnelligklsit, die mit dfefer im Verhält- 
ß% fteht, nach allen Seiten auszubreiten j tind mit 
im ümgebebdexi WSrmeftoffe ins Gleichgewicht 2ü 

iL Er ift demnach einer Verfchledenen öröfso 
Sr Bewegung fähig, uüd kann ficb ftufeüweife voä 
e^ gröfsteii mit feiner äufserften Feinheit Qbereiti 
imm'ehden Öefchwindigkeit bis zur geringften 

*'a. Offenbar mülTen dicfe verfchiödeneh Gröfseit 
car Bewegung auf unfer Empfind ungsyeJrmögeii 
lii verfchiederie Eindrücke machen; Die Er- 
sheinüngi welche durch die Bewegung dieis Wär^ 
leftoffs in den höchften Gefchwihdigkeiten hervor 
sbrÄchtwird, fey das LicÄt; die verfchiectenenAb^ 
^hingen diefer Öefchwindigkeit bis zu einer Gran« 
&y in welcher die Bewegung des Wärineftoffs ini 
.uge keinen Eindruck weiter hervbr bringen katan^ 
syen die verfchiedenen Abfiufungen des Lich^^i 
hd die Erfcheinüngi welche durch die ühtei^ jeher 
ranze befindlichen getingerh BeWfegütigsgrSlScil 
erTheile des Wärmeftoffs bewirkt wird, fey di4 
^2rme. Ich werde zeigen j Wie nach diefeF Hyplp^ 
Utt fich alles f ehr einfach und leicht etklätt, 

Üi 



t 3oa 1 

'5. Dec Bewegung des Wärmefto^/ welche L 
XJßbereinftimmung mit der Euler *fcben Bypothefitf 
immer von einer fchwingeoden Bewegui^g derTkei- 
le deilelben zu verftehen ift, mufs eine vermehr te- 
Elafticität deffelben zum- Grunde liegen. Diefe Ela- 
fticität k^xtn entweder dadurch bewirkt weifden^ 
dafs der Wärmeftoff durch den Druck' eines dazu 
g^eigheten Körpers eine Impulflon erhält 9 oder dafs 
er» vorher mit Materie im verdichteten Zuftande 
verbunden, nun auf ein Mahl frei wird. Das erfto 
gef<:hiebt vielleicht durch die Umwälzung der Sa0* 
neu» das zweite ift bei den terraftrifchenlicbtfhraH'' 
len der Fall. 

t^on den S onnenfcrahlen* 

4. Ohne die Umwälzung der Sonne als die d^^ 
Wärmeftoff impellirende Kraft anzufehen, nehm^*^ 
wir blofs an, dafs die Sonnenftrahlen nichts ander^^ 
find» als- der im Welträume verbreitete, von d^"' 
Sonne aus nach allen Ricl^tungen fchnell in Bew 
gung gefetzte Wärmeftoff. Ein Sonnenstrahl e 
fcbeint alfo dann in unferm Auge , wenn die d^^ 
Theilen des Wärmeftoffs um die Sonne ertheil^* 
Bewegung fich bis an die um unfreErde befindlicher-^ 
Schichten fortgepflanzt hat. Nenat man die Kraf^*» 
vermöge der der Wärmeftbff die Schnelligketit d^ ^ 
Bewegung erhält, welche nöthig ift, damit er a 
Liqht erfcheine , die ftrahlende Kraft y fo fteht di 
i*e ftrahlende Kraft im umgekehrten Verhältniffe 
Anziehungskraft der Materie, und im" geraden m^'* 



i 

f 309 3 

er Dichtigkeit ed'er.EIafticitat dts WSrmeftoffs. 
a bald die Bewegung des. Wärm eftoffs durch deit 
rtjltrauni bis in unfre Atmofphäre fortgefetzt ift, 
» wird die Anziehungskraft der Msrterie auf rfeA 
rSrineftoff ein Hindeirnifs der ftraklenden Kraft; ejp 
kann uns alfa nur in fo fern als Licht erfchei- 

5 als feine ftrahlende Kraft die Anziehungskraft 
5ar Materie auf ihn überwiegt. Die Elifion [Auf^ 
rtong] der ftrahlenden Kraft ift die Umwandlung 
fes Lichts in Wärme. 

Da» Licht kann daher an urid für ficb gar nicht 
'^Mfärmend feyn , und es erwärmt nur dann , wem» 
arch die Wirkung der Körper die ftrahlend^ Krafli 
effelbon elidirt ift, das' ift, wenn der WSrmeftoflT 
en Bewegungsgrad, der feine Erfch«inung in Licht*- 
ocm begründet, verloren bat. Alfo nur i<i dem 
kiugenblicke erwärmt .das Licht, als es aufhört,^ 
^t zu feyn. < 

5' Da bei der natürlichen Entbindung des War- 
leftoffs ohneLicht, der Anziehungskraft der nahen 
tftrper auf denfelben keine ihr überlegene Kraft 
utgegen wirkt, wie die ftrahlende Kraft bei der* 
rrfcbeinung als Licht; fo folgt, dafs das Liicht.nicht 
r de«n Maafse erwärmend ift, als Wärme ohne 
richte So ift im Sommer, obgleich die. Sonnen-* 
tttblen auf der Erdfläche beträchtlich erwärmen, 
ie.Hitze doch nie drückender j^ als wenn, bei der 
httxliohen Eotftehujig grofser Wolken, auf ein 
iahl eine Menge Wärmeftoff frei wird , der vorbei? 
itH^aCCerdampfe^dei^ Atmofphäre enthalten war. 



[ 3IO 5 

9» Ehe die Sonnenftrahlen durch die Ati|iofphSv 
i;e auf die Erdfläche gelangen , wird bei einem Thei^ 
^ß derfälben die'ftrahlende Kraft elidirt, ^nd der 
Wärnieftoff verbindet Qch mit der Luft uui fo mehr,| 
|e näher fie um d|e Erde ift ; aber die* Menge dieftf 
redudrten Wärmeftoffs kann lUcht beträchtlich fept 
^ die ftr^hlende ICraft der durcli die Luft gehend« 
Sonnenftrahlen gegeilt die Anziehungskraft dei^ feh 
p^i^ Luftm^terie zu Qbermegend ift. Erft w!enft 
nach ihrer Reflexion von der Erde ihre ftrahleoflb 
Kraft beträchtlich geringer geworden ift» (von dem 
grö^teA Th^ile der Strahlen ift diefe Kraft bereiti 
l^zUch eUdirt worden ,) ift die* Anziehungskraft 
^er Liuft 9uf diefelbe th^tiger, un^ die (iuft exw^X»^ 
$ch 'merklicher^ 

7. Je mehr ein Körper durch feine polirteOber^ 
^äche geeignet ift> die Sonnenftrahlen zurück x% 
werfen ^ defto weniger kann er fich dabei felbft «* 
warmen. Denn die Sonnenftrahlen können nitf 
in fo fern erwärmen , als fie durch die fie anfnek^ 
^ende Qrundlag^ ^^^ Form als Licht yerlierett 
W.d M«? g«ht, eben weil die Stralilen wieder ««^ 
}^4Xc]^ geworfen werden» lieipe Elifion der ftrab* 
landen Kraft 3^ daher keine Erwärmung vor. --^ 
. ^xxigeHeh:(>t muffen diejenigen Körper ^ch im Sol^* 
^eniichte am (chnelieflen eFwar-men« welche geei^ 
net find» die ftrablende Kr^ft des in Lichtfarm 
(e^einenden iVYärrneftoffs ganz ^u elidiren, weil 
nc^ch diefar Elifion fogleich den Wärnaeftoff mit üct^ 
ywl^Lnd?«, yvA diefe^. ift c^er Fa^l wt Kqrf qo« 



t 3" ] 



. ' . . ' . . 

alche die Liclitftralilen nicht reflectiren, da die 
chtreftexion bei undorchfichtigen Körpern eine 
»Ige det Elifion der ftrahlenden Kraft ift. Daher 
bttzen fich dunkle Körper im Sonnenlichte am 
inell^ften,. die rauhern fchn eller als die glattens 
oh die polirten fchneller,^ wenn üe gefchwärzt 
d. Man hätte nach diefer Theorie den Satz a 
iori aufftellen könnien, fdafs die Erwärmungsfä«* 
gkeit der Körper irii Sonnenlichte mit ihrer Fähig- 
st, die Strahlen zu reflectiren , im umgekehrten ' 
erhältniffe fey, 

3. Durchfichtige Körper laffen den auffallenden 
chtftrahlen einen freien Durchgang durch ihre 
Tfifchenräum'e, oder fie pflanzen die Bewegung 
s Wärmeftoffs , unter gevviflen Umftänden, ohne 

tvi vermindern oder zu ändern , durch fich hin« 
roh» etwa wie ein tannener Stab die fchallende 
ift Da fie indefs nie vollkommen durchOchtig 
d, fo wird ein Theil der auffallenden Strahlen 
lectirt* ein anderer kleiner Theil verliert im 
irchgehen durch die Anziehungskraft der Theile 
oe ftrahlende Kraft> und diefer erwärmt fie. 
tzteres gefchieht bein) Qlafe anfangs unmerklich; 
aber das Glas eininahl erwärmt j^ fo erfolgt die 
nähme an Wärme fclineller als anfangs, da durch 

Ausdehnung des Glafes feine Durehfichtigkeit 
mindert, dadurch aber dieEhfioQ der ftrahlen- 
i Kraft vergröfsert wird. 

9. Läfet man das Licht durch 5t bis 5 parallele 
afterfcheib^n fallen» die in der Oeffnung eines in* 



E 3« 1 . 

* 

. Wendig fchwarzeo, luftdichten bdlzernen K^fteqi 
^befeftigt find, fo hat man gleichfam einen Kerker 
für die Sonnenftrahlen. Sie gehen nämlich durch 
die Gläfer hindurch, und verwandeln fich durch 
Elifion dör ftrahlenden Kraft an den dunkeln Wän* 
den in Wärmeftoff, für welchen nun die FenCter« 

Ccheiben fchlechte Leiter find. Die Hitze im Kaften 

• . ■ ' . "" 

Wird dadurch um fo beträchtlicher, je mehr man 
Sorge trägt, (eine Wände durch fchlecht wärmelei- 
tende Körper von der äufsern Luft zu ifoliren. Wä* ' 
re das Licht ein befonderer Stoff, fo würde hier die 
gänzliche Verfchwindung und Verwandlung deQel- 
ben in Wärme ohne neue Hypothefen nicht erklärt 
werilen können, 

lo. Auch um die Erde befindet fich der Wärme- 
ftoff in einer ftärkern Anhäufung, als weiter ober- 
halb derfelben, und man kann wegen der Anziehungs- 
kraft der Materie auf derfelben annehmen, dafs die 
' Anhäufung des Wärmeftoffs mit der Dichtigkeit der 
Luft abnimmt. *) Wenn nun die Sonnenftrahlen 
der durch Impulfion in Bewegung cefetzte Wärme- 
ftoff find, fo mufs die Gröfse diefer Bewegung in 

^) Durch Erfahrung wäre ein folches Gefetz. nicht 
genau auszumitteln, da die Reflexion der Strahlen 
bis über die höchßen Berggipfel reicht, fo wie Ber« 
ge überhaupt zu folchen und ähnlichen Abmeflnn- 
gen nicht taugen, da fie ihre eigne Atmofphära 
haben, fo dafs Beobachtungen auf oder an denfel- 
ben angeftellt, mit denen in freier Luft bei gleicher 
Höhe wohl fchwerlich gleiche Refultate geben wer« 
den*. pr. 



C 313 } 

cfatn dicbtern Schichten des V^ärtnc^ftoffs beträchtli- 
cher feyn, als in den weniger dichten; die Eüfioa' 
41 efer Bewegung, x>der der .ftrablenden Kraft, in 
ilaxaen mufs daher alich eine gröfsere Wärme zur 
IpoJge haben, da hier eine gröfsere Menge Wäcme^ 
itofjp aus der Lichtform reducirt wird. Daher find 

.^dl^ Sonnenftrahlen auf der Oberfläche der Erde 
Q^^r erwärmend , als auf den Spitzen der Berge. ' 
Wir können, aus demfelben Grunde, nicht fchlie- 
fsen, dafis es für uns oberhalb der Atmofphäre eben 
^9 läellf und die Sonne eben fo blendend, als hier 
^ttten f^, «^ Für uns, die wir an das ftärkere 
X«icht dicht um die Erde gewöhnt find, welches durch 
4i« in der Höhe der Atmofphäre, und in dex Qröfse 
dc^r'Erde fich gründende Anhäufung des Wärmeftoffs 
^*n diefelbe verurfacht wird, — herrfcht vielleicht 
"^^xt eine ziemliche Finfternifs, und Scanne und 

%tc3nd möchten dort von ihrem Qlan^.Q viel ver- 

**-«^jren. 

Es folgt eben daraus, dafs das Klima der Plane« 

*^*^ hauptfächlich durch die Höhe ihrer Atmofphä' 

J^öÄ^ und ihre Maffe felbft beftimmt wird. 

Daher wird ferner durch das Sonnenlicht, der 

E^c^cjie keine neue Wärme zugeführt, fo wenig als an 

^^«^ Orte, nach welchem ein Schall ertönt, eine 
""^^ftverdiAtung erfolgt. Die Theorie eines eignen 
I^i<5htftoffs fülirt in diefem Punkte in fchwer zu lö* 
fettcle Verwickelungen» *) 

^) Hier noch eine Folgerung. Gefetzt, es Rele ein 
Körper von einer Gegend im Welträume oberhalli 



t 5H 3 

* SX. Wenn die Sonnenftrahlen fenkreekt toffal«-' 
len» fo kann der Körper nach feiner ganzen Fäblg^«^ 
keitf die von feiner Oberöäche ahbängt, auf di 
firahlende Kraft als elidirend wirken , indem er xni 
der ganzen Bafis der Strahlen. in Berührung ift, 
ihi'Q ganze Bewe^Qgsgrqfsei leidet Die Lekhti 







der Erdatm ofphäre auf die Erde herab » -fo 
die Temperatur dlefes Körpers um fo mehr erh 
Jict werdeil , je näher er der Erdflache kOmmt. Ei 
Körper z. B., der vom Mopd^ gefchleudert in unP 
rer Atm.ofphäre ^aliäme, würde während des F 
lens durch diefelbe feine Temperatur nach 
VerhältnifTe erhöhen, in welchem die fpecififch 
Wärme,, die er oberhalb der Erdatmofphäre hatt 
zu der mitdern fpecififcheAWät'iTie der telluriftihen 
Körper ftcht. pr wird alfg glübeu oder brennen^ 
fo lange, hi3 die dadurch en^ftändene Ae^derung 
de5 Verhäkniffes feiner Theile, feine fpeci^ch«^ 
Wärme im Verhältniffe der gewöhnlichen Erdtem« 
peratur erhöht hat. Daraus folgt nicht^ dafs er 
oxydirt feyn muffe; er kann auch durchdie gr&- - 
fsere Hitze entoi^ydirt'wo.rdjen feyn. Ein Cblcher 
Körper m;üCste hiernach drei Zuftände durchgehen.1 
dep, welchen er im ^onde hatte; den im Wek- 
i^anoie dureh die Terminderte fpecififche Wflrmci.- 
bewirkten ; und den mit der tellurifchen Tempera- ' 
lur überein ftimmenden. Der letzte Zulhind ift tob' 
dem erfian im Verhäknirfe dev tellurifchen zur Ivh ' 
i^arifchen Temperatur verfchieden^ Dakar tBii£s?> 
ten ähnliche lunarifche Auswürfe in ui^frer Atm<v 
Sphäre, fi.e mögen oxydirt oder entoxydirt worden' 
feyn, 'glühend auf die Erde kommen, weljches mit 

4exi mf^orifckeQ SineiMH der Fall ift% fr^ 






i 315 3 

keit, mit welcher fich die fcbief aufißülen'clen Streik 
len refiectiren, verhindert die Elifion ihrer ftrable'n^ 
den Kraft» .weOshalb Qe welliger als die feiücrechteit 

^ erwärmen. 

12. Die Verfchiedenheit der ehemifchenWirkun^ 
gen bei Licht und Wärme hat nach diefer Theoria 
tiberhaypt darin Qrund» dafs der Wärmeftoff fich fo 
bald mit einem Körper, feiner ganze ii Majfe nach 
Verbindet^ als feine Elafticität gröfser ift, als cfie 
des im Körper enfhaltenen Wärmeftoffs, und dab 
diefer Uebergang fo lange qnhält, bis das Gleichge- 
wicht hergeftellt ift» — — der durch gehörige Be« 
wegung in Lichtform erfcheinende Wärmeftoff aber 
fich nur in fp fern mit den Körpern verbindet, ala 
durch die Oberfläche oder Theile derfelben feine 
ftrahlende Kraft elidirt wird. Plefe Elifion hängte 
wiegefagti von der verfabiedenen Reflexiohsfähig^ 
keit der Körper oder ihrer verfchiedeneu Anzie* 
bungskraft zum Warmeftpffe ab. Bei Verhindungea 
VonEörpern, welche einzeln ver-fcbiedene diefer Eir 
ganfchaften haben, muffen daher einige Theile beim 
Auffallen der Sonnenftrahlen fich mit WävmeftAfF 
V^rh^nden, während die daneben liegenden die 
Sirahlen rei^ectiren und kalt bleiben. Körper voa 
heterogenen Theilen müfifen daher , dem Sonnen* 
lichte aufgefetzt, ganz verfchiedeqe Veränderung 
gen erfi^hren, als weun fie erwärmt werden, weil 

' dabe} einzelne Theile der Körper ihren ^uftand 
durch Wärme ändern können, ohne dafs die dan^ 
be^ liegenden d^fUl TUc^l »ehjEnfn, Aui^ dleftf 



[ 316 ] 

% * 

V^fchiedenheit der Wirkungen des untei» zwiefa- 
chen BedinguBgeo wirkenden Wärmeftoffs geht die 
Stkläriui^ aller Anömaü^en zwifohen Wärme und 
Licht hervor. 

* Bekanntlich hat d^rSunerftoff zumWirmeftoi^e 
eine grofse Verwandtfchaft ; daher mufs er vorzüg- 
lich thätig feyn^ die ftrahlende Kraft de« Wärme- 
itoHs-zu elidiren, und fich mitdemfelben zu verbin« 
den. Diefe Tbätigkdit kann natürlich nur da State 
finden, wo der Sauerftoff- durch die Verwandticbaft: 
eines andern Körpers nicht völlig gebunden ift. Ge- 
fetzt nun ,. in einem Körper wäre locker gebunde-- 
ner Saiierftoff vorhanden , und er würde dem Liehie 
ausgefetzt, fp md£ste fich der Wärmeftofß, der 
durch Elifion feiner ftrahlenden Kraft did LiehtfoiFm 
verloren hat, mit den Theilen A^^ Sauerftoffs v^r<» 
binden, während die übrigen heterogenen Tfaeile, 
d-eren Tbätigkeit zur Elifion der ftrahlenden Kraft 
geringer ift, keine mit jener vergleichbare Erwärm* 
mung erhaltea würden. Da nun der Wärmeftoff 
aus dem Sauerftoffe nicht iu die übrigen heterogt^ ; 
nen, weniger Verwandtfchaft.'\auf den Wärmeftoff- 
äufsernden Tbeile übertreten kann, fo mufs^fich^aus"^' 
dem Körper Sauerftoffgas entbinden. Durch £r^ 
wärjmung würde diefes nicht zu 'bewerkftelligen. 
feyn, denn durch diefe erhalten a//^ Thejle des*. 
Körpers eine gleiche Temperatur: bekanntlich ift 
aber die Erhöhung der Temperatur eines Körgers* 
dteVergröfserung feiner Vörwandtfchaft zum Sauer- 
ftoffe^ jener vorher locker gebunden^ ..Sauerftoff 



[ 317 J ^ 

vtrlrdl alfo jetzt iroeh fefter gebunden. Das'Li6H. 
h^at alfo die Wirkung, i^ie Temperatur einzelnet 
eines Körpers zu erhöhen, während diu 
(inperatur der heterogenen daneben liegendeok 
fo gut als unverändert bleibt. 
13. IV^n kann nach diefer Theorie a priori be- 
itlxhmen, unter welcher Bedingung Körper denib 
Sonnenlichte ausgefetzt, eine, von ihrer VerSn-, 
d^Tung durch Erwärmung verfchiedene VerändeF«. 
rung erleiden werxlen. Nämlich nur dann, ^enii, 
einige Theile derfelben, die durch mäfsige Erwär-^ 
niiing eine Veränderung erleiden können, und de« 
reu Verwandtfchaft zu den übrigen Theilen durch. 
' die Erwärmung der ganzen Maffe vergröfsert wird,, 
eine geringere Reflexionskraft oder eine gröfsera 
' Verwandtföhaft zum Wärmeftoffe und dadurch eine . 
gi'öfdere Thätigkeit zur Elidirung der ftrahlendefl; 
Straft befitzen, als die übrigen. ' ; 

Dergleichen Verbindungen giebt es JndeDs nicht 
vi«le, da die heterogenen Theile der Körper ent- ' 
^'''' ©der keinen fo beträchtlichen Unterfchied von An* 
zitsli^ngskraft zum Wärmeftoffes haben , oder durch 
^^la^ja mäfsigen Wärmegrad nicht veränderlich find, 
• Oci^j* endlich dieielbe Veränderung auch durch di- 
^^ote Erwärmung erleiden, weil durch diefe die.- 
V^örwandtfchaft der heterogenen Theile zu einan- 
°^^ nijcht vergröfsert wird; So bleiben mechani« 
**^tie Mifchungen von Erden im Sonnenlichte unver- 
^^dert; weil ihre veffchiedenen Theile fich arn • 
^^^nenlichte beinahe gleich ftkrk erwätmeiiy ohn^ ^ 



E 3i« 1 

äafs ^inig^ von ihül^il'in einer mäfeigtö WSfttte ild 
te Geftalt zu verSndern vermögezi. DafTelbe findel 
bei eint^ir Mertgung von fchwar^^n iinct weifseh Sa< 
Bienkörnern Statt: denn obgleiöh fich siinfähglicb 
die fchwarzen ftärker erwärmen, al^ die danebed 
liegenden weifsen, fo ift diefe tnä£sige Erwärmung 
doch nicht fähig» ihren Aggregat^üftand zu ändern, 
und der Wärm eftoff verth eilt lieh, wdl bi^ nicht zu 
einer neuen Körperfbf'm verwendet wird^ lintef 
der MaCfe gleicühmäfsig. Eine mit Waffer angefeuch- 
tete Erde trocicnet im Lichte Iwar aus, weil, wend 
hier auch die Erde' und das Waffer die ftrahlendd 
Kraft des Wärmeftoßis gleith ftark elidiren, uutE 
ficb daher gleich Utark erwärmen, dais Waffer je- 
doch in der mäfsigen TeiHperatuferhöhiing ver- 
dunftet^ in welcher die Erde unveräiidört bleibt j 
allein di^fes gefchieht auch bei der diröcten Erwär- 
mung, weil hier die dritte Bedingung, dafs die Ver^ 
v\randtfdiafttdes Waffers, (als des hier durch War« 
me veränderlichen Körpers j) zu den übrigen Thei- 
len durch die ErwännungderMaffe erhöhet werden 
fehlt, und daher alle verfchiedenartige ' Theile des 
Körpers gleiche Temperatur haben können, ohn6 
dafs die Verflüchtigung des Waffers gehindert 
Werden 

i4i Da der Satierftöff alle diefe drei Bedingun- 
gen in fich vereinigt, fo muffen vorzüglich die Kör- 
per, in welchen er fich dergeftalt befindet j dafs 
er von dön übrigen Theilen oder von der Grundla^ 
go^ nicht TdlUg gebunden ift^ zu ehemifchen Aea^ 



[ 519 3 

cterutigen im Sonnenlichte geeignet feyn« Za di^ 

üeo Körpern gehört z. B. die oxygenirte Salzßlure. 

Kln Theil ihres Sauerftoffs ift durch die Grundlage 

ilex* Salzfäure völlig, der andere Theil aber nur lo- 

tlcer gebunden. Setzt man fie nun den^ Lichte ws$ 

fo hat diefer freiere Sauerftoff auf die Elifion der 

ftirablenden Kraft des Wärmeftoffs eine gröfsera 

iriiätigkeit, als die Theile der Salzfäure; er erhöht 

d^lier fchneller als diefe feine Temperatur, und 

dnrch diefe Verbindung mit dem Wärmeftoffe wird 

der Grad von Verwandtfchaft , der ihn vorher an 

^^e Salzfäure erhielt, aufgehoben, und er entwi* 

cUelt fich in Gasgeftalt. 

i5- Derfelbe Prozefe findet bpi der mehr oder 

*^inder voUftändigen Reduction der Metalloxydm 

^P^ Sonnenlichte Statt. Der Sauerftoff, der durch 

(I«is Metall nicht völlig gebunden ift, elidirtdie ftrah« 

^^nde Kraft des Lichts und erhöht feine Tempera- 

tux:, während das Metall die feinige nicht fo fchnell 

^^d merklich zu erhöhen vermag. Der Sauerftoff 

IS'^^nnt fich alfo von dem Metalle in Gasgeftalt fo lan* 

S^.9 als feine Verbindung mit dem Metalle ihm noch 

■^^i^ätigkeit auf die ftrahlende Kraft übrig läfst, odet 

^^' er im Metalle nicht völlig gebunden ift» Daraus 

• *€t, dafs unter den Metalloxyden die am leichte^ 

-*^%ti und fchnelleften fich im Lichte mehr oder we* 

^^ger herftellen, deren Metall keine vorzQglichd 

^^rwandtfchaft zum Sauerftoffe hat, z. B. did 

^^Id-, Silber- und Queckfilberoxyde. So Y^ird- 

^^ weifse Silberoxyd am Lichte allmählig grau, im^ 



t 520 ] 

frier grauer^, und endlich fchwars^, bis üacK IStig^l. 
Ter Zeit einige Theile fich vollkommen reducirexx'. 
Aus det abgegebenen Ürfache kann eine mäfsige (!.£•« 
recte Erwärmung diefes nicht bewirken, weil fiii 
die Temperatur aller Theile des Oxyds gleichma- 
fsig, mithin auch die Anziehungskraft des Metalle j- 
Ifüm Saüerftoffe erhöht, und, ftatt ihn entweicheif 
zu lafferi, ihn noch hiehr bindet. Ki der Glühe- 
Kitze erfolgt endlich diefe Zerfetzung, aber nii?lit 
etwa durch Wirkung des bei diefer Temperatut vo«^ 
^handeneri Lichts, fondern weil in diefer Tempet'Ä- 
tvLt dlh Menge Wärmeftöff^ mit welcher fich äi^ 
Theile des Metalles verbinden, die Verwandtfcharf* 
d^rfelbeii ^um Saüerftoffe durch diefe neue grö&er:^ 
Verwancltfchaft aufhebt. 

i6. Da die helle Farbe der Pßanzen uni thieri^ 
fchen Körper vom Saüerftoffe herrührt, der mitib^* 
ren Theilen locker verbunden ift,. To leiden ff^ 
durch das Licht ähnliche Veränderungen, wobei dx^ 
Farbe der Pflanzen fich ändert, indem der Saue^"' 
ftoff aus ihnen in Gasgeftalt entweicht. Welcl»-^ 
Farbe' aber z. B. ein helles, erft hervor gekeimt^ -^ 

■ 

Blatt im Lichte annimmt, das hängt von der 



der Verbindung des.Sauerftoffs mit den Theilen d^ -^ 
Blattes oder mit feiner Oberfläche ab. Da nä'mlSc 
der Spuerftoff zwifchen den fehr kleinen Theilche 
diefer Oberfläche fehr fein zertheilt ift, {o entft 
heu in derfelben dörch feine Verflüchtigung fe 
kleine Oeffnungen, deren Gröfse, Menge und Ver 
theilung von jener erften Verbindung des Sauel^ 



C 3ai 3 

ftoffii abhaagt. Die Entbindifbg de$ Sauerftoüs atit 
'den hellen Blättern durch das Licht beftimmt-alfo 
die Befchaffenheit der Oberfläche des Blattes , wkI 
dadurch deffen Farbe* 

17. phe ich zu den Erfcheinungeii bei den pris* 
matifchen Strahlen fibergehe, mufs ich etwas in Be^ 
' treff der Euler* fchen Hypothefe des ZicJ^j belffigeii^ 
'^ meine Theorie, mit diefer in Verbindung ftebt, 
«*cliBr von ihr ausgellt, und hier der Wärmeftoff et- 
^a diefelbe Function hat, als Euler *s Aether. 
^'Xan hat nämlich der Euler*fchen Hypothefe vorge- 
iVorfi^n , däfii bei der Analogie der Bewegung de«^ 
A-ethers mit der Bewegung der fchallenden Lufil^ 
die Lichtftrahlen fich nicht in geraden Linien, wie 
^8 die Erfahrung gelehrt, fondern wie der Schall 
in yei^fchiedenen Riohtudgen, ohne in ihrem Wegai 
divch- eine undurchdringliche 'Fläche aufgehalten 
Sü werden, fortbewegen mafsten, und hat aus die- 
fem Grunde dleNewto^*icheHypöthefe vorgezogen. 
AJleisi jener Einwurf, (von dem Gewichte der Ein- 
'^tlrfQ gegen die Newton*fche Hypothefe hier nichts 
^'^ fprechen,) ift um fo unzureichender, je gewag- 
^^ der ihn begrfindeifde Schlufs ift, der fich auf fär 
**^ Analogie twifchen der Fortpflanzungsart zweier 
^'lüffigkeitenftützt, die in ihren Eigenfchaften fofeht 
^^rfchieden find. Es ift einleuchtend, dafs die Fort- 
PQanzungsart einer Flfiffigkeit, deren Bewegung 
^]ber 976000 Mahl fchneller ift, als die einer andern» 
*'*^ Hinficht ihrer Wirkungen nicht nach der Bewe«- 
^K^ngsart diefer 976000 Mahl langfamemFlafligkeit 

AxuxaI. d. Phyük. ^.:ao. Su %. J. 1^05. St* 7« X 



£ 3Äa 1 

,beurtheilt .werden könne» wenfL gleich im AUga*> 
.meinen die Bewegungsart beider analog ift . Da bei 
der Bewegung der fchallenden Luft die Solinellig^* 
Jceit, mit welcher in gerader Linie die Schwingun- 
.gea der Theile vom Mittelpunkte der Schwingung 
.aus auf einander folgen, in Vergleich mit der Schnei- 
Ijigkeit de^. Lichts geringe ift; fo ift die Zeit» welcjbe 
zwifchen den Schwingungen zweier in gerader Li-* 
.nie an einander liegenden ThjBile verfliefst, lange 
genüge um auch den benachbarten» wegen d^r 
.Pichtigkeit der Luft mehr anliegenden Theilen auf 
4eh Reiten der geraden Linie diefelbe Bewegung mit- 
zutheUen, welches bei der 976000 Mahl gefchwio- 
.de^n Bewegung der Theile des Aethers oder Wär«^ 
meftoffs der Fall nicht feynkann, da l^ier die Zeitf 
welche zwifchen den Schwingungen von a in gerar 
der Linie an einander liegenden Theilchenverfiiels^ 
jzu kleiti ift, dabei die benachbarten Thjsile aiff bei- 
den Seiten der geraden Linie, der um fo' viel fei- 
jaern Fliiffi^keit wegen, zu entfernt liegen » als dab 
£ch die Bewe;gung der vom Impulfionspunkte in ge? 
rader Linie ofcillirenden Theile auf die nebenlie» 
genden verbreiten follte* Die Theorie der Bewe-> 
gung und die Erfahrung lehrt, dafs die Bewegung 
der Luft fich den auf beiden. Seiten des Windftricheg 
liegepden Luftfchlchten um fo weiter mittheilt» Je 
langfamer fie felbft ift: bei febr fchnellen Winden 
üeht man dagegen oft, wie fie in einer geraden Li- 
nie erhabene Gegenftände vor fich hinwerfto» wäh- 
rend in eijjier geringen Entfernung ai^f beiden Sei- 



ttn des Wiadftrichs die Luft ziemlich nxhig ift. Vfir 
.i^hen» wenn ein Bach langfam in eine gröbere Waf* 
fermaffe fiie£st) dibfan Bach auf feinen beiden Sei- 
ten der übrigen W)af(ermaffe bis auf eine beträcfat- 
.liehe Strecke eiae merkliche Bewegung mittheilen, 
während ein Bach, der fich fehr fchnell in diefelb« 
Waffermaffe ftarzt , auf feinen beiden Seiten in die- 
Ser Waüermaffe eine beinahe unmerkliche Bewil- 
gnAg erzeugt. Einen folchen Unterfchied kann 
fchon eine nicht beträchtlich vermehrte Schnellig- 
keit der Bewegung in Hinficht ihrer Wirkung aotf 
4^e fiebegränzende FlQffigkeit derselben Art bewlr* 
;keii» wie auffallend muCs erft noch diefer Unter- 
Ichied feyn, wenn eine um fo viel fohnellere Fiflf- 
£|^eit auch noch um fo viel feiner ift! 

Ich halte diefes für hinreichend, umaufdieUnzii« 
Jänglichkeit jenes Vorwurfs gegen die Euler'fcheTIy- 
pothefe aufmerkfam zu machen^ ohne mich hier auf 
ihre Vorzüge, dafs fie z. B. manche Erfcheinungen^ 
wi^diederPurchfichtigkeit, Vfeitphyfifcher erklär^ 
fis die Newton'fche Vorftellungsart, einzulalTen, 

Von der Erwärmungskra/c der prishta^ 

iifchen Strählen* ' ' 

13. Durch das Prisma treiint iich ein Sfxahlexi- 
iMifahel ^) in verfchiedene farbige Strahlen nach 

*} Ich bediene mich diefes gewöhnlichen Ausdrockt, 
ob er gleich zu diefer Theorie, nicht pafst, da nach 
ihr die farbigen Strahlen nicht fchon vor aer Br«»^ 
cbung in dem StcablMibarehe! enthalten find. Fr» 

X a 



E 3^4 .3 

t 

iheiner Hypothefe dadurch , dafs die Stärke -dar L 
ftrablendea Kraft des Wärmeftoffs ia Lichtforixii 
. bei dem Durchgänge durch das Prisma in den ve^ 
fchiedenen Theilen ftufenweife ^vermindert wird; 
ip dafs alfo die farbigen Strahlen durch die verCchid> 
dene Verminderung der ftrahlenden Kraft verfbhie- 
dener Theile d^s in^Bewegung gefetzten • Wärme- 
ftoffs h^rvop gebracht werden. Unter den prii- 
matifchen Strahlen hat daher einer die grdlste, uod 
ein anderer die kleinfte Bewegung unter den übii- 
gen. Nun erwärmt aber das Licht nur in fo fern, 
als deffen ftrahlende Kr^ft durch die Grundlage eli* 
dirtwird, und es 4ft deutlich, dafs, wenn bei ver* 
fchiedenen Strahlen verfchiedene Gefchwindigkei- 
ten der Bewegung vorhanden find, die ftrahleads 
Kraft derer von gleichen Grundlagen am fchnelleftea 
elidirt wetden kann, weiche die geringfte Bewe* 
gun^ haben : StraUen , welche die geringfte .Bewe* 
guug haben, mü (Ten folglich die Körper, auf w^ 
che iie fallen, am meiften und fchnelleften erwär- 
men« Zur Ausmittelung diefer Bedingung dient der 
bekannte optifche Erfahrungsfatz : dafs die brech* 
barften Strahlen zur Zurückwerfung am geneigte 
ften find, und umgekehrt diejenigen, die fich. am 
wenigften brechen, die geringfte Tendenz fzur Re* 
fißxion befitzen. Da «nun offenbar unter den Carbi: 
gen Strahlen fich die am leichteften miiilen zurQck 
werfen laffen, welch^ die gefchwindefte Bewegung 

haben, wie das aus dem Vorigen erhellt, (da fich 

'.11 ' ■. .' .. . 

ihre ftrahlend^ Kraft uni fo leichter elidirt, Je ge- 



C 3«5 J 

riliger fie , odar die Bewegung der Tbelle dal Wlr- 
meftoffs ift,) und durch analogifche Erfahrungen 
niit andern Flülißgkeiten beftättgt wird: Co habemt^ 
die Strahlen die geringfte Bewegung, welche anjt 
venigften brechbar find, und umgekehrt« Da nun« 
der £rfahr.ung gemäfs, die Brechbarkeit von den 
rothen bis zu den violetten Strahlen zunimmt , fo 
ift die Bewegung der rothen Strahlen die geringfte» 
die Bewegung der violetten die grdCste , und unter 
den prismatifcben Strahlen müfl^en daher die rothen 
am meiften, die übrigen nach dem Gr;)de ihrer 
Brechbarkeit wcniger>'dit violetten am wenigfEen 
erwarmen. Man fleht, wie aus diefer Hypothefe 
a priori hervor gehen kann, was R o eh on , Her- 
Cc'hel und andere durch Verfiiche gefunden 
haben. * 

xq. Da die rothen Strahlen demnach unter al* 
len die geringfte Bewegung haben ; die Verminde« 
rung einer Bewegung Überhaupt aber nicht bis zui' 
einer beftimmten Gränze Statt finden kann^ fondern 
Ins unendliche abnehmen rtiufs: fo milffen nach der 
einen Seite der rothen Strahlen noch melirereStralw 
len in Abftufungen vorhanden feyn, wovon die 
nächiften eine noch geringere Bewegung ak die rö- 
then felbft haben , die aber als Strählen för das Au- 
ge. gär nicht mehr fichtbar, obgleich ihrer nocft' 
langfämern Bewegung wegen noch mehr erwi^rmend^. 
als felbft die rothen, find. Diejenigerr Strahlen, 
welche um den violetten liegen, und efne geringere 
"Bewegung als diefer haben, find niehr,^ wie Jene, 



imfichlbar» fondern fie find die an die violetteo zu- 
nacbft angrSnzeDden blauen Strahlen. Aaf der ent. ^— 
gegen gefetzten Gränze der violetten find gar keL — 
ne Strahlen vorhanden , da fie fonft farbig erfbheS^ * 
neo müfsten. Daher mufste in D. Herfchel* <d^ 
Vierfachen in einer kleinen Entfernung von den r< 
then Strahlen das Thermonieter höber fteigen, 
felbft in den rothen , und ftufenweife mit der £n^ 
fetnung fallen; an der einen Gränze det violette 
lu)bgegen gar keine Wirkung erfolgen. 

, J!^o. Daher erklären fich wieder mancherlei Ei 
ftpiheinuifgen , z. B. die des Glühens ^ äufserft cbnfi 
qaent und einfach. Wird nämlich einem Körp^^^ 
c^irch äufser« Erhitzung Wärmeftoff zugefahrt, . B^^ 
fteigtdieElafticitätdes demfelben mitgetheilten Wäi 
m:eftpffs in dem Grade der äufsern Temperatur; d( 
Wärmeftoff dringt in unfichtbaren Strahlen aus 
Körper, (die fo genannte ftrahlende Wärme,) b^^'' 
endlich die Bewegung des ausdringenden Wärm^^^"' 
ftoffs fo grofs wird, als zu einem fichtbaren Stra] 
von der geringften Bevvegung erforderlich ift. 
h^r ift die Farbe des Körpers, da er zu gljlhen aj 
fängt, roth, und wird inimer heller, je mehr fein • 
Hitze zunimmt, wenngleich nur feiten in den AI 
ftufurigen der Farben, da von der Glahebitze ai 
die Temperatur der Körper fich fchneller erfaöhel 
oder die Bewegung des ausftrömenden Wärme 
fchneller zunimmt, als nach den geringen Abftu^ "^ 
hingen, bei den farbigen Strahlen. 



[ 3«9 ] 

be "dl« Ausdehnung der Luft durch Wirme fiXt 
! R; 0/00475 beträgt, fa correfpondirt eine Wär- 
9 j 'Wodurch die Luft um j^isö ausgedehnt wird^ 
in 475ften Theile eines Grades, welcher am 
ucckfilberthermometer fchon nicht bemerkt wer- 
n kann, obgleich die Menge desWärmeftofFst 
T jene Erwärmung bewirkt^ noch nicht febr 
ein^ ift- ^ 

, 25« DieCs geringe Zerfetzung des Sauerftoffgas 
id» Entbindung einer geringen Quantität Wärme- 
>fE8 findet ;z. B. bei dem Leuchten des Phosphors 
»•gewöhnlichen Stickgas Statt, welches immer 
>ch etwas , wenn gleich hdchft wenig Sauerftoff- 
LS enthält; DasSauerftoffgas, \^elches hier mit 
»m Phosphor in Berührung kömrot, ift folglich 
n äufserft kleiner Theil der ganzen Gasmaffe» und 
aber auch die Quantität des Wärmeftoffs, welthe 
BT Phosphor daraus entbindpt, fo klein, dafs fie 
O.Vergleich mit den gewöhnlichen Wärmequanti* 
Iten» die noch auf daS Thermometer wirken, ver« 
sliwindct , und auf die an- den Phosphor befeftigte 
rhermometerkugel keine- Wirkung äufsern kann, 
de Prof. Göttling*s Verfuch gezeigt hat. Furcht 
or Weitläufigkeit hält mich ab, dar aber eine be- 
Kargende R^chnupg beizufagen. Bei einem em* 
ifitidlichen . Lufttheirmoineter , etwä^ an cTes Grafen 
\mmford- Thermofkop, -würden wahrfcheinlicb 
lergleichen geringe Wärmeentbindung^n zuweilen, 
wenh fie nämlich nicht zu fehr ins Minimum fallen, 
bemerkbar <'fe^. ^ 



■'i 



I: iso 3 

I 

26« Bei dem Leuchten des faulen Holzes und 
Jer JoliHnnisWürinchen ift zwar hinlänglich viel 
Sauerftoffgas vorräthig, diefe Körper können aber 
wegen ihrer fehr geringen Maffe fo wohl, als wegen 
cfer niedrigen Temperatur und geringern Verwandt* 
fchaft nur wenig davon zerfetzen* Beim faulen 
Holze oxydiren ficH nur nach und nach fehr kleinit 
Theile, welche durch die Gäfarnng ihre Vtefwandt* 
fchaft zum SauerftofFe gerade bis auf den dazu &t* 
forderlichen Punkt erhöhet haben ; daher das laagö 
anhaltende Leuchten. Da aber zum Verbrenn ^^ 
eines folchen Theils nur fehr wenig SauerftöfF 
foi<dert wird, fo ift der dabei entbundene in 
formerfcheinendeWärmeftofFzu geringe, um mcrl* 
lieh wärmen zu können. DafTelbe gilt vodden T^ 
hanniswürmchen, Ihr Leuchten rührt von feVi* 
kleinen Infekten, (?) die an ihrfcm Leib^ fitz»^» 
'tind die fCkr eben fo viel kleine fich nach und na^^ 
öxydirendeTheile anzufehen find, hei*: jedes dief^^^ 
kleinen Infekten kann alfo} keine andere WirkurT^ 
hervor bringen, als die fich einzeln öxydirencrrd^ 
Tbeilchen des faulen Holzes. In beiden Fällen 0^^^ 
die Anzahl diefer Theilchen, die fich auf ein Mä^^ 
oxydiren, nicht fo beträchtlich, (da fie zu weit vo^^^^ 
einander liegen,) dafs die Summe diefer kleine '^'^ 
Theile oder die Summe ihrer Wärmeentbindung 
ne merkbare Gröfse oder Maffe von Wärmeftoff g 
ben könnte. "^ 

27. Der zweite Fall (23) findet immer da Staff^ 
wo eine beträchtliche Menge von Theilen fich 



l 55« 1 



nr öder minder reinem SauerftofFgd/soxycTirt» und 
ler fo viel Wärmeftoff in Lichtfoi-m entbuhderi 
rd, dafs Wärfne und Licht zugleich entftehn, wie 
s bei den gewöhnlichen Verbrennungen der 
11 ift. 

ög- Auch die terreftrifchen Strahlen find fo gut 
idie Sonnenftrahlen, unfichtbar» fo bald ihre Be- 
)^ng geringer als die der rothen Strahlen ift, er- 
irinen dann aber fchneller und heftiger, als felbft 
efe, und muffen bei den roth brennenden Körpern 
1 häufigften vorkommen, z. B. b^ den rotheil 
ammen, den glühenden Kohlen, deün roth glühen? 
n Elfen. So bald fich die Temperatur des roth 
Qhenden Eifens vermindert, fo mindert fich die 
sirägnng des ausftrö m enden Wärme ftöffs , bis fie 

geringe wird, dafs er nicht mehr als Licht pr* 
üeint. Das Metall leuchtet nun zwar nicht niehr,' 
er es mufs doch noch nach allen Richtungen der 
'Srmeftoif in unfichtbaren Strahlen davon ausge^ 
»n, bis diefe Bewegung endlich fo abnimmt, dafi» 
ir Wärmeftoff ans dem Metall nur in die daffelbe 
imittelbar berührenden Körper von geringerer* 
emperatur überzugehen vei'mag. Daraas erklä«? 
n fich alle Verfuche von Scheele, Sauffüre^ 
\d Pictet über den ftrahlenden Wärm«fto£f. 
*= Aufser der Entbindung des Wärmeftofft aus den» 
uerftöfFgas* giebt es noch andere Wärmeentbin- 
mgen: bei ihnen allen kann aber, nach dem Vo^ 
jen, der Wärmeftoff nur dann als Licht erfchei-» 
»tt," wenn er .die zu diefer Erfcheinung gehörige^ 



C 33^ 3 

Ton feiaer ElafticitSt abhängende Bewegung befitzt; 
ohne dies rnuts Wärme ohne Licht eiitfteheii^ Die* 
fes gefcbieht bei der Entbiodung der Wäcme durch 
Reibung > bei Gährungen, ^Ü Mi/chungen von Flflf- 
figk^iten, deren fpecififche Wärme verfchieden ift* 
odef w^nn fich Gasarten » die beträchtlich weniger 
Warmeftoff als das Sauerftoßgas enthalten » mitein- 
ander oder mit fl affigen und feften Körpern verbia«* 
den ; z. B. das. fchwefelf«ure Gas mit Ammoniakgas» 
oder das kohlenfaure Gas mit VVaffer oder KaDc** 
erde, oder wenn der Wafferdampf tropfbar -flüT- 
fig wird. "" 

Da nach dem Bisherigen fich die AnwenduBlT 
diefer Erklärungsart auf noch andere ErfcheiiniiH 
gen von felbft macht, fo halte ich es für unnathi{ii 
noch mehr hinzu zu fagen^ um zu zeigen« wie^eio^ 
fach und ungezwungen cfieCe Theorie auf eine ei0^ 
«ige durch Analogie gerechtfertigte Annahme g^ 
gründet, alles hierher gehörige erklärt. ' Beiil^ 
ftimmt alles mit einer bereits bekannten Wirkün^^ 
art der Natur zufamm^a» und es wird bei ihr \^^ 
der ein neuer Stoff, noch eine neue Kraft an^^ 
ttommen. Wenn man zwei verfchiedene Flüffigk^^ 
ten, wie Wärmeftoff und Luft, mit einander v& ^* 
gleichen kann , fo ift etwa bei der Luft für das G 
fühl und das Ohr der Wind und der Ton das, w 
beim Wärmeftoffe für das Gefühl uqd das Au^^ 
Wärme und Licht find. Die ofcillatorifche Bew^^ 
gungsart einer Flüffigkeit fcheint überhaupt auf "^ 
nach ähnlichen . Verhältni£fe& fortgehende Mod:^' 



[ 353 ] 

Nationen eingefchrSnkt zu feyn , da hier die 7 Td* 
9 mit den 7 Farben in Vergleich kojnmen , und ih« 
s Intervalle in demfelb^n Verhältniffe ftehen. Di« 
ypothefe vom Lichtftoffe erklärt alles nicht nur 
.t;ht fo einfach, .oft feh^ gezwungetit fordern fie 
it apch de|i Nachtheil, dafs fie die WirkungskrSf- 
4der Natur, die wir doch immer um fo einfacher 
})en, je näher wir fie kennen lernen^ za fehr ver^ 
e}fältigt. Sie ift nicht nur genöthigt» einen be- 
mdern Lichtftoff anzunehmen, dem man felbft 
Jeder mehrere hypothetifche Eigenfchaften, z* Bi 
odificable Anziehung zum Wärmeftoffe« bdlegea 
itds, fondern fie mufs die verfchiedenen Strahlen 
ieder durch Annahme eben fo viel befonderer 
xiindftoffe erklären, welche mit verfchiedener 
^n^üehung zum WärmeftofFe begabt find , und mit 
HU den Lichtftoff als Elemtate zufammep fetzen* 
^ dafs diefe Hypothefe bei der Erklärung von War-. 
I« und Licht 9 befonderer Grundftoffe bedarf 
Smlich Sir 7 Farbenftrahlea , des ftradiilenden War« 
i«ftofFs und des ungebundenen Wärmeftoffs, 

Ich hab^ über diefen Oegenftand wiedeihohlt 
achgedacht, und es ift mir keine hierher gehörige 
rfcheinung bekannt» die fich aus diefer Vorftel- 
tngsart nicht höchft genügend erklären liefst. So 
tl^tie leuchtende Erfcheinung bei der Dilatation 
er comprimirten Luft nach diefer flypothefe etwas 
»lir natürliches, indeffen ihre Erklärung durch do^a 
ichtftoff immer gefucht und gezwungen bleibt. 



f -334 j) 



IV. 

Vebtr 

die Ferfchiedenkeit' in den Wirkunge^^ 
der Sleciriciiä'ü und der Hitne% 

TOtt 

Behthollet, 

Centteknt aus deßen EJJai de fiatique chimique») 

Jj^s fcbiea mit von Wichtigkeit za feyn , die Vpe^^ 
fchiedeaheat in der Wirkun^sart des electrifcliüv 
]fluidi und des Wäroieftoffs» ^nddie Urfache, welr 
cUe ihre Wirkungen ähnlicli nracht, genauer zu, an«'' 
terfuchen, da mich diefe Aehnlichkeit bewogo^^ 
hatte 9 in den ; Vorlefungea in der NorinallchBic 
der Meinung beizutreten, das electrifche Fiuidimy 
fey der WSrmeftoff felbft. Ich wendete mich, a0 
Herrn Charles, um von ihm die Erlaubni£s zutß 
Gebrauche leider mächtigen electrifchen^Apparatf 
zu erhalten,. Auf die ^u vorkomm endfte Weife, wif 
fie-j^eder infolcben U^terfuchungen von ihm ficbet 
ift, erbot er fich% die Verfuche, welche ich aezOf 
ftellen wtii^fchte , . felbft auszuführen. Hier die R«* l 
fultate derfelben, wie ße mir Herr Gay-Luff^«^ 
jöberbracht hat, der t^ei den Verfuchen mit g^ge^ 
ijcärtig waj'. . 

. Verfucli I. Ein Platindraht wurde Entladung«» 
fchlägen aii sgefetzt, die beinahe ftark genug wari^« 
ihn zum ^ Verbrennen zu bringen. Zu dem En^* 



£ 335 ] 



.< 



tte mw zuvor einen Schlag bewirkt, dei: einen 
^fsen Theil eines folchen Platindrahts. fckxnelzte 
ci zerftiebte, und dann die Intenfität der Entla- 
ngsfchläge etwas vermindert. Unmittelbar nach 
Lern Schlage wurde der Draht berührt» um übet 
t Temperatur urtheilen zu können, die er durch 
n Schlag angenomm»m hatte; er war j^des Mahl 
tifs; die Hitze zerftreute iich aber in. wenigen Mi« 
Lten , [ Secunden ? ] und -würcle , als' fie am ftärk« 
dawar, der Hitze des kochenden Waffers gleich 
^fchätzt. 



• f •. 



Wäre es vermöge der Hitze, die fie erregt, dafs 

■ ■ ' ■ i . 

6 Electricltät die Metalle zum Schmelzen und 

- • . ■ * * 

un Verbrennen bringt^ fo müfste der Platindraht 

ich einem Entladungsfchlage, . d^r beinahe ftark 

tjiug war, ihn zu zerftieben und zu verbrennen^ 

ix Temperatur nahe gekommen feyn, welche nö*^ 

igift, um Platin zu fchmelz^n; eine Temperatur» 

eiche nach Wedgwood's ungefährer Schät- 

iDg 32277^ F. beträgt. 

Ift der Schlag ftark genug, den Zufammenhang 

^r Tbeilchen des Platindrahts aufzuheben^ fo fängt 

e{e6 damit an, dafs fich yon der Oberfläche Theil- 

ien ablöfen, die zu rauchen fcheinen. Ift der 

ihlag ftark genug, ein Verbrennen hervor zu brin- 

iti>* fo find die Ueberrefte des Drahts in.Fäferchea 

^rriffen. 

.. Verfuch 2. Ein mit Tinte gefchwärzte^ Ther« 

ofkpp zeigte in dem Strome eines ftarkenele** 

rifchen Funkens nur eine Dilatation, welghe ei* 



[ 336 ] 

njem Grade des Reaum. Thermometers entfpraeli; 
und diefer kleine Effekt rabrt vielleicht voa der 
Oxydation des Eifensin der Tinte her. Wurde et 
neben den Strom geftellt, fo zeigte fich gar keine 
Dilatation , obfchon die Lnft vbn der electrifjobei 
Wirkung nothwendig afficirt werden mufste; daP 
felbe fand Statt , wenn das Thermometer mit einen 
Metalle in Berührung war, durch das ein roin^ 
der mäclitiger Strom als in dem vorigen Verfocht 
ging.*) 

* Verfuch 3- Aus ^inem Glascylinder voll LuOB^ 
der an beiden Seiten mitDrShten verfehn war^'gia^ 
an der einen Seite eine Röhre in einen zweiten Cf' 
linder voll WaiTer. Jeder Schlag, der durch jeoeK» 
Cylinder ging, hob das Waffer über fein Nivaati 
um mehr als ein Decim^tre ; die Wirkung defCeftefe* 
war aber nur augenblicklich. 

Diefe Verfuche Tcheinen mir zu beweifen, iib 
Electricität auf Subftanzen und auf deren- Verbiii- 
düngen , nicht durch eine Erhöhung der Tempera* 
tur, fondern durch eine Dilatation wirkt, welch« 
die kleinften Theilchen der Körper trennt* Dft gi" 
ringe Hitze, die der Platindrabt zeigte, ift ledig- 
lich i 
1. 

*) Nioboiron, der diefe Verfache Berthollet*! 
in feinem Joum. of nat. pJiil. mitthcilt, bemerk* 
Uerbei, Nairne habe gefunden, dafs ein Uei* 
nes Thermometer in dem leuchtenden Stroms 
zwifchen zwei hölzernen Kugelx^um 32^ F. iS" 



♦ \ 



, I 337 3 

lieh eine Wirkang t}er GomprelEon,, welclre tlurch 
die kleinfteo Tlieilchen hervor ^ebx^acbt wird, die 
Ae electrtfcbe Wirkung zuerft, oder die £e in «i- 
Mm hohem Grade leiden, vud Ut daher mit -det 
diJTch -Stofs oder Coaiprei£oji bewirktes HiiLze zn 
rergleichen. 

^ W^re die HHlataHon «eine Wirkung der Hitee, 
o würde die Diiatatlon der Luft in Verfnch^ mcht 
aftantan gewefen, fondem nur allmählich tie^m 
lYkalten verfchwanden feyn^ wie da$ jedes Mahl 
er Fall ih) w>enn Luft durt^ Warme dilatint wxxr- 
•o ift. 

. ^ Bei der Zerfetzung äesJlmmomakgas durohEle* 
tridtät» fällt es in die Auigen, dafs die Eledrici- 
Ikauf diefes Gas wirkt, und doch wird es nicht «^ 
''•armt; und £o bald die Zerfctzufig vollendet iü^ 
leibt das Volumen des Gas unverändert, weil di« 
IciJBtrifche Wirkung, deren man£chin diefen Ver- 
nieten bedient, 33icht kräftig genug «ft, um ei&% 
icktbate Dilatation hervor zu bringen. In keanem 
3fas wird -eme wahrzunehmende ^Dilatation ander% 
dadurch «iüen 3!ehr ftark-en Schlag bewirkt^ w-ei4 
Udte Wirkung Jifidit TtufenweiTe, wie bei der Aus« 
Ahnung durch Wärine^ fonder« augenbli-ckliclt 
mt&sht , der Widerftand der tropfbaren Flü£fi^eit 
ca jjro'fs itt, um überwofiden ^u werden^ w^fem 
ücht die Dilatation mit aisiiserordentlicber Kraft ^ge* 

£itt VerTutli Dei«ian'*s und ifeiner gelehrteÄ 
ffiten*eiter bef tätigt diefc Erklärung.' Sie iief^en 

Aimitl. id. Plryfik. B. ao. St. 3. f. «iSoJ. 'St. 7. Y 



I 338 1 

einen Schlag durch Blei gehen , das 6ch in einem 
Gefäfse voll Stickgas»' welches ihn alfo nicht zu 
oxydiren vermochte) befand. Es zerftiebtet iil eia 
Pulver, welches alle regulinifcheEigenfchaften bei- 
behalten hatte. Hätte hier das Blei eine ähnliche 
Schmelzung, wie durch Wanne » erlitten, fo wOik 
de es fich allmählich abgekühlt habeis, und dabei in 
eine oder wenigftens in etliche Mafien erhärttt 
feyn. 

Wird ein Metall der Einwirkung der Electrid- 
tät ausgefetzt, fo mufs man fehr wohl die Wirktm- 
gen, welche unmittelbar von der*Electricität her* 
i'ahren, von denen uAterfcheiden, die auf derOxy- 
^dirung deffelben beruhen. Die erftern befchotio- 
}cen fich auf Verminderung oder Vernichtung der 
Wirkungen der Cohäfionskraft, auf Trennung und 
Z^rftreuung der kleinften Theilehen; und wird'da* 
bei etwas Wärme frei, fo rilhrt fie lediglich von 
"der Compreffion her, welche einige Theile leidep* 
Die letztern dagegen , weiche durch dito Oxydirung 
hervor. gebracht werden, erzeugen einen hohel* 
. Grad von Hitze, und dann nehmen die Wirkung« 
ganz das Anfehen eines gewöhnlichen Verbrenneik- 
an; und daher rührt es, dafs gerade die oxydirbaC 
ften Metalle am leichteften zum Glahen kommez' 
VLnd am meiften die Eigenfchaften eines durch Hiti^ 
ilüffig gemachten Metalles zeigen. 
* Die Electricität begünftigt die Oxydirung deft^ 
mehr, je mehr fie die Kraft der Cohärenz fchwacbt; 
gerad? fo, wie t£a Alkali die Wirkung de« SAnt^ 



i 



C 339 ] 

itf auf den Sauerfroff dadurch gdf fehr ^rliOht, da& 
s die ihr entgegen wirkende Kraft der Cob3renz 
erftört ; und ein Metall , in Oueckfilber aufgel^ft^ 
reit leichter als int feften Zuftande zu oxydiren ilV. 
elbft die Wärme befördert das Q^ydiren der Me^ 
Jle nur dadurch 9 dafs fie die Wirkungen der Go* 
Srenz aufhebt; doch hat hierin die expanfive Wir« 
ciDg der Electricität einen grofsen Vprtheil über 
iades WärmeftofFs, weil ihre Wirk&inkeit blofs 
if den feften Körper eingefcbränkt ift» auf den £• 
I ihrem Strömen trifft; die Luft leidet durch fia 
■ine Ausdehnung, welche der Fixirung des Sauer- 
offii doch immer entgegen (drehen würde.-— Hifer- 
■i lädst es fich auch erklären , wie WafTerftof^t 
In Eifenoxyd, welches im Focus 'eines Brennglih 
tt liegt , vollftändig zu desoxydiren rermag, ob* 
hon Waffer» deffen beide Beftandtfaeile gleichmS* 
ig Hitze erhalten , durch Elfen zerfetzt wird. 

WahrCcheinllch ift es ebenfalls die expanfive 
i^irküng eines electrifchen Stroms, der in zwei fich 
wahrenden Metallen , zwifchen denen fich eino 
age Waffer befindet, entfteht, von welcher dif tou 
abroni beobachtete Oxydation zweier Me« 
He, die in Waffer eioander berühren, herrührt; 
kid zwar fcheint fie in diefem Falle auf die Verbin« 
uog mit dem im WafTer aufgelöften SauerftofFe ein* 
sfehränkt zu feyn. 

Diefe Betrachtungen laffen fiph auf alle chemi« 
^e Wirkungen übertragen , welche in SubftenzejBi 
Qtftehen, die der Kinwxrlwng der Electricltit 



[ 540 ] 

gefetzt werdet J Vetitiindetuti^ der. Kraft der Co- 
{läreoz, welche ein Hindernifs der Verfaiddung^o 
jftt'die ihre kleinftenTheilcheti einzugehen ftrebeji^ 
erklärt fie alle. Hierbei bleibt jedoch nocli tierüa* 
terfchied zu e)rkläi!'eh, der durch pofitive Und D^ 
gative Electricität bewirkt werdert möchte. Dafs dit 
chertifchen Wirkungen der VoltaifcheU Säule weit 
bedeutender find ^ als die der gewohnlichen fo viel 
intenfivern Electricität» dürfte, daher rühren , weil 
letztere nicht ununterbrochen wirkt> Und weild*- 
her die chemifehen Wirkungen, die, um vollendet 
zu werden^ Zeit erfordern , bei ihr immer nur be« 

■ 

ginnen, und dtgrch die plötzliche WiederherfteHmig 
des vorigen Zuttandes ftets wieder 2'erftort werdM» 
während die viel fchwächere Wirkung des electro^ 
motorifchen Apparats dadurch, dafs fie beftandig anr 
hält, durch ftetige Verminderung der Kraft der 
Cohärenz die chemlfchfe Wirkung, welche fie b^ 
fördert, fteigern kann. 

Ich gebe diefe Erklärungen f ör nicht<s mehr aus, 
als für Vermuthungen, welche fernere Beobadh 
tungen beftätigen oder widerlegen werden» 






«1 



[. 34^ l 






- ■ .-. 



V. 

EINI(3E BEMERKUNGEN 

• ■ • * * 

feger^ Folgeruhg$?2, welche Hr. Perok' 
aus feinen Verflachen über die Tem^ 
peracur des ^e.erwaffers zieht, 

Ijeofolp »y on . BucH^ 

Aui ^inem Bri^e an den Hprau,sg9ber\ gefchriehem 
^1^ einer, ^eife rntck Italien^ ) 

' 'i ."yVeimai^ den Z^^^ Mai igoS. 

tN^ch immer kann ^cli mich yon d6n Folgerungea 
^ht flberzeugeq^ welche Herr Per qn auis feinen 
toft fo hqchft interef fönten Veiffuchep über cße 
r^mperatur des Meeres in grofseli Tiefen, {Anna* 
?ir, XIX, 4^7,) zieht Erfand, dafs die Wärme 
€1$ Meerwaffers unte^ dem Aequator in einer Tie* 
i von 2144 Fwfs von 24^a8 ^^^ ^uf 6*^ R. abnahm, 
Hd defswegen foU nun üfc^erhaupt keine Wärme- v 
itelle iin lünern des Erdbodens feyn^ fo'ndern viel- 
lehr ewige Kälte. „Alle bisher angcftellte Ver- 
lebe diefer Art**, folgisrt er S. 443 j j> deuten ein- 
immig'darauf hin, dafs die tiefften Abgründe des 
toers eben fo gut als die höchften Gipfel unfrer Ge- ; 
irge mit ewigem Eife bedeckt find, f^lbft unter 
erm Aequätor," 

In der That, mich fchaudert, wenn ich an eine 
klohö Eiserde denke, und ich kann )3icht umhin. 



t 34a 3 

mlbli gegen cline fo fQrchterUche Idee za efklireir, 
ta der ans die Verfuche, viriB es mir fcheint« kei- 
nesweges nöthigen* 

Wären wir in den /eßsn Erdkurper eingednuv* • 
gen, und hättet^ in ihm eine folche Abnahme der 
Wärme gefunden; dann möchte das Woher f uiH 
endlich viel Schwierigkeiten haben. Aber in eintf 
Flüffigkeit» wie das Meerwaffer, läfst iich eint 
Menge anderer Urfachen der Erkältung denken, dkf 
eile einfacher fcheinen»^ als die Annahme ewigtf 
Froftkähe im Innern der Erde, und einer ewige^ 
kältenden Eisrinde« Herr Peron föheint zu gkt- 
ben» das Waffer xnflffe ohnedies xo'' R. Tempertr 
tur> als die gewöhnlich angenommene mittlere 
ICemperatur des Erdkörpers, befitzen. Trailfik 
ifts freilich, dals man noch fo häußg glaubt, yrit 
Wiffen irgend etwas von einer folchen mittlere 
Temperatur} da doch alle Beobachtungein im Jßr 
nern der Erde, durch Quellen, tiefe Brunnen , % 
i', w«, nur die mittlere Temperatur des Orts ief 
Beobachtung gebesi. 

Laffen Sie im ruhenden Meerwaffer nur eis 
Mahl, oder einige Mahl im Jahre eine niedrige Tem^ 
peratur auf die Oberfläche wirken. Das kältere 
Waffer wird ßnken , und fich lange mit diefer Tem-' 
peratur in der Tiefe erbalten. Beweis die Scbwei- 
zerfeen, deren Wärme der gröfsten Wafferdichtig* 
keit entfpricht, (4 bis 5° R*») nnd durch dengae* 
zen Sommer conftant ift. Laffen Sie nun Strömuo* 
gen von den Polen unter die Oberfläche gegen dek 



C 343, J 

A.equator gehen, dergleichen z* B« die fehi; bektim*.. 
t^ Strömung vom Cap g^en >die brafiüfchen Kflften 
und gegen den Golf von Mexiko ift; und wir haben . 
Echon eine hinlängliche genugthuende Uriache der 
Erkaltung in den Gegenden des Aequators gefun^ . 
den, phne an mittlere Temperatur A^% Erdkörperv 
za denken. In den Polargegenden » virö Irvine 
Teine Verfuche anftellte, (Annalen, XIX, 44^)) 
kmm virohl leicht ein Eisberg dem Se^waffer eino 
Ceinperatur von -— st^ R. mitgetheilt haben. 

Solch ewiges Eis» folche Itälte fo nahe unfrer 
ix)diinde, wie Herr Peron es fich denkt, follten . 
dh wohl durch mehr Erfcheinungen , als blols 
QTch TemperatuTabnahme der Tiefe des Meeres» 
H|i«ern. 

. Laffen Sie uns zuerft fehen, wie QueUbn die 
littlere Temperatur der Gegend an^eigen«^ Die 
Gaffer dringen in die Spalten, mit der Wärme des 
*ages; andere mit der Nachtwärme folgen. Beide 
irmifchen iich , und wenige Fufs unter der Ober*' 
Sehe zeigen fie die mittlere Wärme des ganzen Ta« 
KS an. Der folgende Tag ift wärmer ; fo bald diefe 
Taffer die erftem einhohlen , oder durch die Roh« 
in laufen^ denen die erftere mittlere Wärme mit«^ 
sdieilt war, erkälten fie fich zur mittlern Tempe« , 
itur beider Tage. In grösserer liefe werden wir 
18 Mittel der Woche , noch tiefer des Monats fiu* 
sn. Endlich wird ein Ort kommen , an welchem 
ie Waffer, iiachdem fie alle^ Temperaturen ver* 
lengt haben, . dip mittlQre Temperatur des ganzen 



[ 344 1 

I 

Ttfbre» abCeteen: werden.. Uruf d^smit Beft{ifd%|' 
keit. Denn gefetzt» die mittlere Temp^iratizr ei 
Jahrs fey von 6 ;, das^ Mittel der Gegend vo» 
fo^eicb wird die Quelle ihre Wärme id &|Gjrad 
aiHJero muffen ; und ifk iiir Lauf ditrcb den £>ifl 
der mittlem Temperatur* f ehr lang» fa wird ih 
Wärme fich den 7^ immer mehr nähern und endlid^ 
mit diefer Wärme hervor kommen. Da nüncM 
Quellen feiten mehr als ein halbes Jahr zu ihrer vi^'lc( 
ligen Circulation vom erften Eindringen bi» zqjd \^ 
Hervortritt nöthig haben i wie aus ihrem Stehen 
und Fallen hervor geht» fo wird durch fie die min- 
iere Temperatur im Innern der Berge fehr fchnell 
ymexier erneuert* 

Nicht .fo> wenn diefe Waff^ hierbei nicht mehr 

thStig find. 

■■ « 

Sau f f ür e *9 Beobachtungen haben ge^zeigt^ mit 
welcher I^angfamkeit die Temperatur fich durch den 
heften Erdkörper verbreitet. Schon in 50 Fufe Tie- 
fe ift Winter» wenn auf der Oberfläche Sommer 
berrfcht, und Sommer» wenn dort Winter ift* Jah- 
re find daher nöthig» um die Temperatur in gro* 
fsen Tiefen > die doch für uns noch erreichbar find» 
zu erneuern* Das ift der Fall am flachen Meeres- 
ufer^ denn da läfst fich eine Circulation der Waffer 
in der Tiefe nicht gut mehr denken. Das Wafier 
ift gefangen und kann nicht wieder heraus. *— 
Wenn nun die innere Gentralkälte fchon auf das 
Meerwaffer in fo geringer Tiefe wirkt» foUte fic es 
nicht auch in folcben Tiefen unter der Erde am 



t 345 I 

:eere» die fi> 'iV'elt van der ErwSrmtihg5<JiäeÖ#*Äfef' 
berfläche entfernl find? Und hat man ye in am« 
Brdammer Brunnen y die tief genug find, eine Spur 
oer folphen Temperatur gefelm» die auffaüenct 
3ter der mittlera des Ortes geftanden hätte ? 

Treilich ift die Behauptung nur hypothetifchi^ 
iFs die,, von Herrn von Humboldt ausgefabrte 
ntwkrkelung des Wärmeftoffs bei der Solidifioatiön 
•r Gebirgsarten^ d enr« Innern der Erde eine ganz, 
'tige Temperatür mufs mitgetheilt haben; aber fio- 
lebt doch noch eine Unwahrfcheinlichkeit niehr jgfl- 
Sil die Kälte des Indern* -^ — 



•«•i 



mmrn^ 



i • 



\ . 



t 346 1 



» 



VI, 

I 

••• 

Tortgefetzte Beöbaehturigen über £ie 
irdifche Strahlenbrechung^^ 

Tom 

Dr. H. W' Brandest. 

{Aus ein^m Sehreihen an den Herauige^er.'J 

Eckwarden dte lÖtea Mai 1805. 

Ich kann mir nicht länger das Vergnagen Verlagen» 
Ihnen eine kurze Nachricht von meinen neueften^ 
Beobachtungen über die Refraction mit2;utl>eileii. 
Ob ich gleich febr wohl fühle* dafs ich von dem 
Zifele, wohin ditfe Beobachtungen führen follten» 
noch weit entfernt bin» fo kann ich doch mit Sicher* 
heit behaupten 9 dais die jetzt gefundenen Refultate 
uns um einen fehr wichtigen Schritt weiter bringeni 
und den Grund zu einer Theorie legen, zu deren 
Vollendung freilich noch eine vollkommnere Reihe 
von Beobachtungen nöthig ift, als ich ohne. Unter 
ftützüDg eines fachkundigen Geholfen anzuftellen im 
Stande bin. 

Schon neulich erwAnte ich» dafs die Refiractios 
vertnuthlich von dem Gefetze abhänge , wi« di^ 
Dichtigkeit der Luft in der Höhe abnimmt: es mufii« 
te aber erft erwiefen werden, dafs diefes Geietz fihn*>' 
liehen Variationen unterworfen fey, wie die fchein«' 
bore Höhe der Gegenftfinde, und dafs die Aende« 
rungen jenes Gefetzes dea' Aenderungen derReira« 



t 347 1 

etion gleichzeitig find. Pictet^e Beobacbtuogea 
über die Unterfchiede der Temperatur in verfchie« 
denen Hdhen, find Ihnen bekannt ; fie leiteten mich 
ftl^evft ai|f eine Vermuthung über den Grund dec^ 
Variationen der fcheinbaren Höhe irdifcher Gegen* 
ftande« Nach Pictet ift die Wanne in einiger 
Höhe aber der Erde zu gewiffen Tageszeiten gerin«^^ 
ger, zu anderer Zeit gröfser, als nahe an der Erde» 
^d meine Beobachtungen im vorigen Jahre zeigten, 
dala die Aenderungeh der Refraction in Rückficht 
-- diQr Tageszeiten einen ähnlichen Gang gehen, wie 
die Unterfchiede der Temperatur in verfchiedenen 
Höhen bei Pictet's Beobachtung. Gerade in den 
Tageszeiten 9 wo Pictet die obere Luft in Ver- 
gleichung der untern am kälteften fand 5 erfchienen 
die Gegenftände am niedrigften» und ihre gröfste 
Erhebung traf auf diejenigen Zeiten, wo, nach Pi^ 
et et, die höhern Luftfchichten wärmer als die nie'« 
> drigern find. 

Die Vermuthung, dafs in diefer verfchiedenen 
Wärme, der höhern und niedrigem Luftfchichten 
der Grund der. gröfsern oder geringem Erhebung 
fler Gegenftände liege, wird durch die Theorie der 
Strahlenbrechung fehr unterftützt, wie das auch 
Xcbon von mehrern, die fich mit diefer Materie be. 
ichäftigt haben , recht gut dargethan ift. Da näm« 
li,ch die Krümmung des in der Luft fortgehenden 
Xiichtftrahls blofs davon herrührt, dafs die Dichtig*» 
keit der verfchiedenen Luftfohiichten ungleich ift, fQ 
«nafste die Krümmung 4^: Strahl» mithin die 



t 348 3 

fcfaeinbare Erhebung der Gege'nfäade, cfeftb xneBl^ 
zunehmen » je fchnellbr die Dichtigkeit in i|dr Höbai' 
abnimmt» und das Gefetz diefer Aboi^bme cter^ 
Dichtigkeit ift offenbar anders 3^ w^na'^le Luft In- 
der Höbe wärmer ^ und sonders, wenn fiekfiher iüb 
als an derE^de, Bei ein<^r Qber^l gleichförmigen«- 
Teniperatur würde in ao Fufsliöbe aber der Erde^ 
die Dichtigkeit de^r l^uft dem Mariotte'fcheii' Gefetztt 
gemäfe etwa um -^^ geringer als dicht an der Erdr 
feyn;; aber da die fpecififcha Elaftic^tät der'Lnft' 
durch-die: Wärme fagrofse Aenderungen leidet» fq* 
ift d|e Abnahme der Dichtigkeit bei «mgleichförmi«' 
ger Temperatur beträchtlich hiervon verfdhiede|i< 
Nimmt man, um in runden Zahlen zu rechnen ^ aik 
dafs bei, eineic Aenderung der Wäiffme voii i^ R. dia! 
Dichtigkeit bei gleichem Drucke fich um, 3^ an*' 
dertjj fQwii'dj^ weno in 2.0 Fuls Höhe die Wäymil* 
aneh nuir um |^ R, kälter als unten ift, di9Pi(^tig<' 
keit der Luft ii^ dieffer Hohe = |f^ . ^^ das if^" 
beinah^ 5= Z/002. feyn, we^ii-fie nahe an der Erde. 
= I ift : die Djcht^keit würd^ a^fa in dl^fen^ F^d 
in der l^ohe zunehmen > ffatt dafs fie ^^ch der g^' 
wohnlichen I\egel abxiebmep fpHte. |n einem, foh' 
chen*FaIle, (welcher, nach PictetV um Mittag Statt 
finden kann,) inüfste alfo de^- (iicb^ftrahl einen' 
Weg nehmen 3^ deffen cphvexe Seite gegen die ]pj:de 
gekehrt wäre, und der Gegenftand nicht erhobeOf 
fondern erniedrigt erfcheinen. In dem entgegen 
gefetzten Falle aber, da die Wärme in der Höhe 
gröfser als unten ift, nimmt die Dichtigkeit fcbnel- 



C 549 3 

ter ob>;al8 bei gleichförmiger Temperatur > ^nd die 
E)rliebuog .mufs alfo gröfser leyn» als wenn übi^all 
gleiche Wärme herrichte* 

Diefe Schlaffe fcbieti^n ,mir fo überzeugend» 
daJr$ ich gar nicht mehr itweifeln kann , dafis hier* 
durch die Variationen der Refracdon beytfirkt wer- 
den» und i^h hielt es de£sb^b für unnöihig, dar- 
^pt befonclere Beobachtungen anzuftellen. Da in- 
ddb Herr Dr. 01b er s mich au£merkfam darauf 
machte , dafs directe Beobachtungen doch beffer da* 
Sa dienen worden > die Sache Valiig ins Licht tvL 
ftellen, fo entfcHlofs ich n^ich iivden erfteuFrüh- 
liiigstagen des März zu einigen Beobachtungen die- 
ser Art Wegen der Schwierigkeit» einen hohem 
Ktfaft aufaurichten» und ein Thermometer* zu grö« 
^ern Höhen hinauf zu ziehen und herab zu lafTen^ 
begnügte ich mich) einen Sparren von 2oFufs aufzu- 
richteu, und vermittelft eines hinaufgezogenen und 
Ijierab'gelaffenen Thermometers die Wärme in ijg' 
]ptt£B}IÖbe zu beobachten) während- ein anderes un- 
%9ii hängendes Thermometer die Wärme in 41 ^ufs 
^5hei aber der Erde anzeigte. Zugleich wurde die 
Ccheinbare Höhe einiger entfernter Gegenftäikd» 
beobachtet. 

Diefe gleichzeitigen Beobachtungen zeigten nun 
ibgleich> dafs die Verfchiedenheit der Temperatur 
fich gerade ^ben fo ändert, wie die ifcheinbare Hd« 
lie der Gegenftände. 

/ Bei Sonnen Aufgang War die obere Luft etwas. 

wätmer als die unter«; jabet. fo wie die Sonne ftieg» 



t 35o 3 

üdbm der Uftterfchied ab, und würde os O : und 
'fo wie dies erfolgte» nahd^uch die fcheinbare Hö- 
be der Gegenftände allmäblicb ab. 

War die Temperatur in diefen Terfcbiedenen, 

■ 

Hüben zur Gieichbeit gelangt, (o nabm fortdauernd 
die Wärme an der Erde fcbneller als oben zu, uod 
an günftigen beitern Tagen war kurz nach Minajg 
die tuft in 18 FuCs Höbe reicblich |^ R. kälter all 
in 41 Fufs Höbe. Die entfernten Gegenftände e^ 
fcbienen am niedrigften, wenn diefer Unterfchicd 
fein Maximum erreichte, und fingen an ficb zn er- 
heben, fo bald die relative Kälte der obem Luft 

abnahm. 

So bald nämlich die Wärme einige Stunden nach 
Mittag wieder abzunehmen anfing, näherte fidi 
die Temperatur in diefen verfchiedenen Schichten 
wieder der Gleichheit; um 4 bis 5 Uhr NachmU- 
iags ftanden die Thermometer gleich hoch, und 
fpäter bin war, weil die Abköhiung an der Erde 
immer fcbneller als oben fortging, die Wärme obeä 
gröber als unten, und mit dem Wachfen diefes Uo* 
terfchiedes erhoben, fich die Gegenftände mehr 
«hd mehr. 

Diefer Unterfchied der Wärme nahm nach war- 
men Tagend wenn es recht ftill war, gleich nach 
Sonnen Untergang fchnell zu, und diefem Zun^ 
men gemäfs, wurde auch die fcfa ein bare Höhe der 
Gegenftände faft von Minute zu Minute gröCser, bil 
fie gegen das Ende del* Dämmerung ihr Maximum 
au erreichen fchiea^ *• An-eiuigen vorzöglich gfloi^ 



ftigen. Tagen war dann die Eiift öbenf um ntehr atit 
1$^ R. wärmer als in i^FuCs Höhe; und dicht an 
der Erde war fie noch kälter als hier. 

Diefe Beobachtungen beweifen auf das voükonir 
menfte, dafs die vorhin angefahrte Vermuthung 
Völlig gegrflndet fey: aber zugleich fcheinen um 
auch auf die Erklärung eines andern Phänomens za 
leiten. — ^ An heitern Tagen » wenn um Mittag 
die Wärme in 5 Fufs Höhe größer als in 28 Fu(a 
Höhe ift, fihdet man die Erde felbft noch um vieles 
.wärmer» als die Luft in 5 Fufs Höhe, uüd das be- 
trägt zuweilen mehr als l^ R, Unter diefen Cm« 
Atänden mufs alfo die Dichtigkeit der Luft von der 
Erde an bis zu 5 ^ufs Höhe. fehr erheblich, (etwa 
nm^^^,) zunehmen, und Lichtftrahlen , die nahe 
an der Erde vorbei gehn, müflen wahrfcheinlich fehr 
Tiel mehr gebrochen werden, als die, welche durch 
liöbere Luftfchicbten gehn. Hierdur<^h könnte es 
fpr wohl möglich werden, dafs von demfelben 
Punkte zwei vf^rfchiedene Lichtftrahlen ins Auge 
Ijelangten : einer beinahe geradlinig durdi die obe* 
re.Luft, ein zweiter» der nahe an der Erde wieder 
aufwärts gebrodien wQrde: — und Ib könnte maik 
denfelben Gegenftaod doppelt fehen. 

Wirklich fieht man zu folchen Zeiten, die Oe- 
genftände doppelt: ein Mahl in ihrer natarlichen 
^ge, und aufserdem ein umgekehrtes Bild, (wie 
gefpiegelt,) unter ihnen. Die eben angeführte 
Betrachtung giebt nun zwar, fo beim erfteuBHcke 
aiebt an» wvum das zwiMte BUd umgekehrt tC'* 



C 35a 3 

"" Jcheint^ aber . ttine genauere UnlerJuchung wiriL; 
.wenn ich uicbt irre, auch hiervon den Grund aa- 

Im Allgemeinen wiirden lieh nun alfo Avohltlie 
Jilerbei vorkomnieuden Erfcheinungen erklären I4LI 
Xen; aber um eine ganz vollkommene Xbeorie za 
entwerfen und iie in allen Rückfichten zu prflfe]|^j 
wären doch noch neue Beobachtungen nothig. Map 
nift(ste nämlich ^uerft die gleichzeitige. Wärme in. 
xnehx:ern Höhen beftimmen, um die Scale der Dif- 
ferenzen, oder eigentlich die Scale der Dichtigkei- 
ten für den Zeitpunkt der Beobachtung genau za. 
Jcennen; und zweitens müfste man fich nicht begoA" 
gen ) die fcheiobare Höhe einiger Gegenftände ftt 
eben die Zeitpunkte zu beftimmen, fondern man 
xnüfste durch ein genaues Nivellement auszumachen 
fachen, unter welcher fcheinbaren Hohe diefe Ge- 
genftände ohne den Einiiufs der Kefraction erfghei- 
nen würden. — Eine mäfsige Anzahl folcher 
Beobachtungen, welche für gegebene Scalen der j 
Dichtigkeit j ('oder der Wärmedifferenzen, als 

Haupt- 

• *) 'Aoch dfieTer trnmd ift Tchcn ziemlich genügend 
Ton jnehreru der NaturCorfcher entwickelt wor- 
«den, wekhe iioh vor einigen Jahren mit Beobach- 
tungen und Erklärungen der ungewöhnlichen Er- 
Icheinungen durch irdifche Strahlenbrechung be- 
schäftigt haben. Doch berechtigen uns die bisheri- 
gen üntcrfucbuogen des Hm. Dr. Brandes, auch 
hierftbervon ihm noch viel Neues^ Bericfatigtes un4' 
^ jgefiau«r*BeIhBumet an «rwarteii* ^ .H^^ . 



C 353 1 

* 

latiptbertimmungsgraBd der DiehtigkeHen,) die 
lUffehdrige wahre /Gröli|Bf der Re&acdon 'angäben^ 
fürden, glaube ich» hinreichen, um diefe Lehr« 
In einem -folchen Grade von Vollkommenheit zu 
Hingen 9 als man für jetzt wflnfchen kann. 

Aber diefe Beobachtungen fcheinen mir nicht 
Ittrch eine Perfon ausführbar. Wollte man z. B. 
leben den Refractionen die Wärme in 4O9 sO^ lO, 
{, 2 und o Fuis Höhe über der £rde beobachten^ 
il Würde eine folche Reibe von Beobachtungen 
bdls nicht fchnell genug vollendet werden, um aW 
e als nahe genug gleichzeitig zu betrachten, theils 
rlirden fie die Aufmerl^famkeit zu fehr theilen. 
oAi wünfchte fehr, diefe Beobachtungen noch aus*' 
affihren, aber ich zweifle, ob ich einen Ceholfen 
aztt finden werde. 



mi 






Annal.^L Pb)ilk. B.ic;. S1.3, J. 1805. Sr. 7. Z 



C 354 1 



■if 



I 



•. • 

Minige 'B eine rkiin geh ^iber Ifälatoren» 

Aus fiittem Schreiben des Herrn Predigers 
Marscuaux an den Herausgeber^ 

Wefel äen agilen April iBoS» 

.ndem ich mich zu fehr zarten elect;^oiii«- 
trifchen Verfuchen bereitete, glaubte Ich den Ein- 
flu fs» der Ifolatoren auf die Voltaifche S^'ule gälte 
g^nau prüfen zu muffen. ^ 

Ich unterfuchte zuerft, ob Glas von der-Dicke 
unfi*er gewöhnlichen Fenfterfcheiben zur Ifolirwog 
einer darauf ruhenden Säule wohl hinreichend fcyö 
wa^de. Zu dem Ende ftellte ich auf eine Fenfi;d)r>-. 
fcheibe von weifsem Giafe, .die von Staube gerei- 
nigt war, und fehr trocken zu feyn fehlen, eioe 

m 

Säule von 14 Plattenpaaren, und verband den ei- 
nen Pol tierfelben mit der Kcone, den andern mit 
<ler Kugel meines Electrometers, fie zeigte eine In- 
tenfität von 428*^. *) 

* *) An diefem Tage blieb fich die Electricität der At« 
mofpbäre den Morgen durch auffallend gleich; 
denn als ich fie zu verfchiedenen Stunden VR^^ 
gleichen Säulen unterfuchte, um auf die übrige» 
Verfucbe mit defto mehr Sicherheit bauen zu Kön- 
nen, fand ich lie 
um 9U ; 9117/ ; 91/26'; ioU24',- liU ; iaUi7^ 

Mar^chaux. 



. [ 355 ] 

Als ich blofs den dbera Fol diefer Saale in Ver- 
bindung mit der Krone des *Mikroiheters brachte, 
bekam ich ^^o% 4^8^> (welche Zahlen fich bei 
mehrmahliger VViederhohlung eben fo fanden;) alfo 
eben fo viel Electricität, als da ich beide Pole der 
Säule mit dem Electromikrometer verbunden hatte: 
"Voraus ich fcbllefsen muüste, dafs der untere Pol 
diefer Säulen -auch jetzt noch in leitender Verbin* 
«lung mit der Kugel des Inftruments ftand, und da& 
folglich das Glas entweder leitete, oder an der 
entgegen gefetzten Fläche entgegen gefetzte Elecitri- 
cität condenfire. , 

Ich bauete nun eine zweite Säule auf, ifollrte 
fie, genau eben fo wie die erfte, und ftellte beidt 
neben einander, in einer Entfernung von ungefähr 
6 bis 7 Zoll, fo dafs beide Glasfeheiben hinlänglich . 
getrennt zu feyn fchienen. Die ungleichnamigea 
Pole diefer Säulen waren nach oben zugekehrt; ich 
verband den einen mit der Krone, den andern mit 
der Kugel meines Electrometers, und es fanden fich 
beim erften V^fuche 690°, beim zweiten 720^, 
alfo beinahe das Doppelte als zuvor. Es faAd alfo 
offenbar durch das Glas und die Tifchplatte eine 
Leitung Statt, welche beide Säulen iq eine einzige . 
von beinahe doppelter Anzahl Piattenpaare ver- 
wandelte. 

Dafs die Glasfeheibe nicht gehörig ifolire, brach* 
te ich zur vollen Gewifsheit, als ich die beiden Säu- 
len, mit ihrer gläfernen Unterlage, auf zwei Ge- 
ftelle fetzte, wovon jedes aus a horizontal liegen- 



^ t 356 3 ' 

\ 

P 

den 8 Zoll langen Glasftäben beftänd, die | ZiSl 
von der Tifchplatte entfernt waren. Der obetf 
1?ol der einen diefer bi^iden Säulen, ausgemeffenM 
verfchiedenen Mahlen; gab jetzt 592^ 385% ^^i 
340% 35^^; auch ungefänr fo der aiidere; und ab 
ich beide obere Pole diefer Säulen deü einefi mittler 
Krone, den andern mit der Kugel verband^' brbidt 
ich 441^5 bald etwas mehr, bald etwas Wienijgefr 
Eine Stunde fpäter gaben diefe Säulen 46o'^i465^ 
465% einige Zeit nachher 472% 472% 48o% 460®; 
«ine* Erhöhung, die von der erhöheten Te^iifiott'de^ 
atmofphärifchen Electricität herrührte. ■ "* ' , 

Wenn man dbn obern Pol einer* per|)endiciäfr 
fte^enden Säule mit einer gut leitenden Subftäiiz be- 
rührt, während der untere mit der Krone des ESte- 
ctrometers verbunden ift, fo wird diefer untere Pol 
fogleich vöUig thätig. Göfcbieht die Bdrührung niit' 
einem Ifolator, fo zeigt er defto mehr von fein^i" 
Thätigkfeit , je kürzer der Ifolator ift. Ich'birfth^ 
te ganz leife den obern Pol einer Säule von it^ftit'' 
tenpaaren mit einer 18 Zoll- langen Glasröhre; lo 
lange die Berührung dauerte, gab an diefem Tag€ 
der untere Pol 65 . Mit einer kürÄrn Röhri 
gab er 250% und bei einer Berührung mit- der 
iHand 300^. ^ 

An horizontal liegendeh Säulen haKe ich bis 
jetzt, (ausgenommen ein einziges Mahl,) bei ähn- 
lichen Verfuchen imnler beide Pole thätig gefiinderij 
obfchon v^n ungleicher Intenßtät. Als ich die mit- 
telfte Schichtung einer folchen Säule mit der Krone 



\ 



[357 ] 

iieff Electröineters verband) bewirkte fie bald gar 
keine Anziehung» bald nur eine Anziehung von ei- 
lugen Graden, je nachdem es mir mehr. oder weifi« 
ger gelang, die Gränzen beider pofitiven und nega- 
Üven Maffen mit dem leitenden Drahte zu treffen. 
Ich durfte inzwifchen nur unter diefen Umftäi^deil 
den einen oder den andern Pol mit der Glasröhre 
beröhren, umJofort am Mittelpunkte Thitigkeit 
tu findeii. / 

Oft war eine blofse Annäherung des Olasftabti 
an den obern Pol der perpendiculär ftehenden , und 
an den einen oder den andern Pol der horizontal lie« 
genden Säule hinreichend, um fogleich dem untern 
Pole der erften, und dem Mittelpunkte der andern 
Thätigkeit zu geben^r 

Das leitende Vermögen der Ublatoren' fcheint 
iHcht die einzige Urfache diefei* Erfcheinungen zu 
C^yn; fie entliehen gewifii mit von jenen electrifchen 
Atiiiofphären , die Herr Prof. £ r m a n an gröfsern 
Körpern wahrnahm, die Volta an Gegenftandeil 
In feinem Zimmer längft fchon beobachtet haben 
ipyill, und die mir bei dem häufigen Gebrauche der 
Voltaifchen Säule, durch ihre Wirkung auf diefe, 
c^ft in den Weg kamen« 

Auffallend und belehrend, aber höchft unange- 
behm war mir eine Erfahrung diefer ArH an einem 
heu verfertigten Electrömikronieter, das, anftatt 
4ao^ zu geben, die ich damahls \'on einer Säule von 
X4 Plattenpaaren zu erwarten berechtigt war,, nur 
90^ und nicht mehr lieferte. leh fuchtb alles wegzu« 



[358] 

räumen) wovon ich glaubte, es könne hieran Schuld: 
haben, doch lange ohne allen Erfolge bis ich die 
SeitenofFnung des Glascyliaders» welcher von der 
Mikrometerfcbräube beinahe berührt wurde; zu er- 
weitern anfing. Dadurch gewann ich fogleichr 30^ 
Diefein Winke folgte ich. Der Durchmeffer des 
Cylinders war etwas grüfser ausgefallen , und ft^ 
dem Geftelle, das die Mutter derMikrometerfchran^ 
be trägt, nahe* Der Cylinder wurde l6sgefchro- 
ben^ und etwas entfernt. Die Intenfitat wuchst 
und nahm mit der Entfernung immer mehr zu^^iui 
ich das Maximum erhielt. Nun gingen freilieb 12 
Tage Arbeit. verloren, indem viele Stücke« zuxieip 
neuen V erbäitniff e , verändert werden mufsten, al« 
lein es wurde an Erfahrung gewonnen, nad idb 
lernte da^ wo ich fie nicht vermuthet hatte, «di&Ge^ 
genwart der 'electrifchen Atmofphären kennen, die 
jeder Körper mit fich führt. Ein Wink für KöDf^ 
1er, die etwa mein Electromikrometer werden nacb^ 
machen wollen; zugleich auch ein Wink für Pby 
fiker, die nicht immer geifiug den Einflufs nahe fte* 
heuder Gegenftände berechnen» 



Wefel den loten Jania« lSo5> 

Noch einen kleinen Zufatz zu meinem Schreiben 
Über Ifolatoren, veranlafst durch Ihren letzte» 
Brief- Sie fchrieben nämlich der Ableitung meiner 
Ifolatoren ein Phänomen zu, woraus ich auf Gra- 
vitation der electrifcben Materie fchlofs. Sie ba^ 



r 359 1 

te» Recht Ift mir dadurch: eine Spekulation vev- 
. loren gegangen,, fo habe ich dagegen einen höchft 
einfachen» zur VoltaifcheaSäule zweckmäfsigen Ap- 
parat gewonnen. . Da Giasfäulen felbft von g bis 
lo Zoll Länge zu Unterlagen^ der Säule ni^ht recht 
taugen» gerieth ich auf den Einfall» meine Säulen' 
an feidenen Schnüren aufzuhängen« Ich verfertigte' 
mir zu dem Ende- Scheiben von: dünnem Meffing- 
Wech,' bohrte am Rande fünf kleine Locher, gleich 
mtfernt voii einander » zog durch diefe Löcher fünf 
Sehnüre von dunkelrother Seide, die ich gerade bei 
iter Hand hatte,.;und befeftigte fie oben durch einen 
Öinwiten. « .J« hoher die Säule virerden foll, defto 
mehisifolcher Bleche ziehe ich auf die Schnüre^ und- 
klaffen ßch au£ diefe Art Säulen von loo bis 200 
ntt.ttenpaaren aufbauen, die eine hinreichende Hai- 
tiuig bekommen» wenn die Zwifchenbleche^von 2^0 
z^tt ^ö Plattenpaaren das Schwanken der Schnüre 
yerhindern. - Aus.' folgenden Verfuchea feben Sie^ 
^e^.fchöndiefes Geftell ifolirt- 

•■ Nachdem eine Zink -Meffing^ Säule von 12 Piat- 
tcnpaaren von 11 Uhr an gehangen hatte, gaben 



um 


3 ) 


4 , 


7 


, SUhr 


der obere Pol 


i3o" , 


io5 , 


125 


, i33 


der untere Pol 


i35 , 


ii5 , 


127 


, i33 


« 


265' , 


235(?), 


262 


, 266 


beide Pole 


35o , 


335 , 


371 


, 355 


ynterichied 


85 » 


100 ) 


119 


» 79 



Diefe Unterfchiede zwifchen der Action beider 
Pole einzeln genommen» und der Totalmrkung der 



C 56p 3 

SSulcy erwähne ich hier zum erften Mahlet ob 
fie gleich mich fchon feit einigen Jahren befcbäfttgt 
Ilaben ; allein bis zu. c|iQCer . Stunde habe ich nocb 
Hiebt genau das. Zufällige von dem <!onftanteti tren« 
Den können. Ich glaube, dab fie zum TheU iiO(Jl 
von Urnftänden abhängen, die lieh werden wogtti/t» 
man lalTeQ. 

IndeCfen ergifebt (ich aus den angefahrten Ve^ 
lachen: i. Da£s diefes neue einfache Oeftel) fe 
vollkommen ifolirt wie möglich. -— s.^Dalk, wei^i 
die Ifolation voükommen ift, beide Pole gleich ftark 
wirken; da£s folglich die gröTsere Leitkraft, w^ 
che Herr Prof. Er man anfangs an dein polkirä ' 
obern Pole feiner üoofchichtigen Zink -Silber- Sin» 
le bemerkte, von- einer unvollkommenen Ifolhipil 
herrührte, da feine Säule auf einer Glasfcbiillte 
ftand.— -* 3- Dafs die Action der^ Säule zufammeo 
gefetzt ift aus der Action beider Pole, die^zu^et 
TotalwirkuQg beide gleich viel hergeben ; wodufcb 
die beiden ungleichnamigen Electricitäteri fich on« 
ter das bekannte Gefetz der chemiTchen Verwaftdt- 
fchaften ordnen. 



C 3<5t ] 



•■ "l 



VIIL 

VORLÄUFIGE ANZEIGE 

ler "Buchhändler Levrault und Sclibel« 
iie Werke betreffend,, welche Hr^ Alex. 
l^O.N IIuMBOLDT über feine Reife nach 
^ Amefika in ihrem Verlage heraus 

geben wird. 

j. . , Pafit den Soßen -Ma» i8o5« 

— — iierni tob Hninboldt's raftlofer Eifer, neue 
Entdeckungen zn michen und gemachte zu prüfen , liat 
ihn bis jetzt Terhindert) feine Papiere röllig zu ordnen. 
Wir kdnnen daher dem Publicum noch nicht den aus* 
{0hrIiehen Plan der Terfchiedenen Werke vorlegen, die.^ 
■ulattimen feine Reife ausmachen werden , in welchem 
Plane man zugleich ein Verzeichnifs cfer von ihm mit- 

Sebrachteii Zeu^hnungen, Landkarten und Naturpro- 
ukte finden wird. Herr von Humboldt hat uns 
inzwifchen erlaubt, die Neugierde des Publicums durch 
folgende Ankündigung vorläuiig zu befriedigen. 

Die Materialien, welche Herr von Humboldt 
ans Amerika mitgebracht hat, Zeichnungen und Land« 
karten fo wohl, als Manufcripte, bedürfen nur einiger 
Heyifion, um dem Publicum vorgelegt zu werden. Da 
er aber , vrie billig , Zahlen und Meffungen als die Grund' 
Ißge aller phyßfchen Unterfuchungen anficht , fo hat er vor 
sdlen Dingep alle feine Berechnungen unterfuchen laf- 
fen wollen. Er hat daher dem Bureau des Longitudes in 
Paris einen Theil feiner aßronomifchen Beobachtungen . 
der Abßände des Mondes und der Verfinßerung der Ju« 
piters- Monde vorgelegt, und der berühmte Prony 



C 36a 1 

liAt die Geßdiigkeit gehabt, nach Jer LapUce'fcken Far- 
xnel mehr als 5oo barametrifche Höhen su berichtigeu* 
Da diefe Arbeit vollendet Ceyn mußste 9 ehe man daran 
denken konnte, die Reife felbß in den Druck zu geben» 
fo mufste nothwendig die£pocbe ihrer Erfcheihung ver* 
fpätet werden; das gelehrte Publicum wird ab^ dafui 
in der gröfsern Genauigkeit, die in dem Werke herp 
fchen wird, eine reichliche EntTchädigung iinden. 

Die meiften bisherigen Reifebefchreiber haben ibr^ 
Beobachtungen, .von £0 heterogener Natur' lie auch feyii 
mochten, in Einem Werke -vereinigt. HtL. von Hum« 
boldt fehl ägt einen andern. Weg ein: die verfchied» 
nen Gegenfiände feiner Unterfuchungen machäb eben 
lo viele verfchiedene Werke aus. Alles, was Aftron^ 
mie , Geogno/ie , Botanik und Zoologie betriilt , erfchellil 
in befondem Sammlungen, fo, dafs in feiner eigeat^ 
liehen 'Reife vorzüglich nur von der BefchalFenheit det 
Länder überhaupt, von deni Urfprunge der verfchiede* 
lieh Nationen^ von ihren Sitten, ihrer Geißesknltsi 
und ihrem gefellfchafüichen Zußande» von den Altfr* 
thüüiern, dem Handel, der Staatsökonomie und' andern 
Geg^nftänden von allgemeinerm Intereffe die Rede feyn 
v^ird. Derjenige Theil des Publicums, welcher lieh 
nicht befonders mit obigen Wiffenfchaften be£«häfdgti 
wird es gerne fehen, dafs die Erzählung nicht bald 
durch eine aAronomifcbe Beobachtung, baki durch die 
Betchreibung einer neuen Pflanze oder eines unbekatfi^ 
teh Thieres unterbrochen werde, da hingegen derAlhrO' 
jiom, der Botaniker, der Zoologe, ihue Rechnung da* 
böi finden werden,, dasjenige, was für iie hauptfäch- 
lich wichtig iß; in äbgefonderten Werken zu befitzen« 
Da jedoch durch diefe Einrichtung die Erfcheinung der 
Reife felbft für die Ungedaid des Publicums zu'-fehr 
k<5nnte verfpätet werden , fo haben die beiden Gelebr' 
ten üch entfchloffen : 



C 363 1 

1. Vorläufig eine kurze Erzählmig ihrer Reife im« 
: dem Titel: Alex. t. Hümboldt^s und A. Bon- 
cnd's Befckreibung einer Reife nmck den Tropen 'Län^ 
nt , nebft Beobachtungen im Innern von Süd - Amerika uad 
m- Spanien in den Jahren 1799» '80a, 180I , 1S02 un(l 
loS) vorläufig entworfen von dem Erftern^ in einem 
inde in 4* heraus zu geben. 

2« Ungefähr zu gleicher Zeit ^vcrerden Alex. Ton 
umboldt's undA, Bonpland't aftronomifcheSeob» 
htungen und Biejfungen auf einer Reife nach den Tropen^ 
Indern^ ein Band in 4*» fertig werdeoi auf ^^elche'der 
efer verwiefen wird, fo oft in der Reife felbJft eine, 
öhe angegeben ift. 

3* Ein drittes Werk, welches aber vor jenen bei* 
en erfobeinen wird : Alex« von Humboldt's und 
k. Bonpland*S Verfuck einer Geographie der Pflanzen^ 
tbft einem Naturgemälde der Tropen - Länder , gegründet 
vy^ Beobachtungen und Meffungen ^ welche fie von 10° füdh 
is'zu lo^ nbrdL Breite in den Jahren 1799« j8oO| iSot, 
802 und i8o3 angeftellt haben; bearbeitet und heraus 
egeben^ von dem Erftern ; ein Band in 4. , mit einer 
CLupfertafel . im gröfsten Atlas • Format, — enthält 
las Refultat aller Unterfuchungen der Atmofphäre und 
lee Bodens , welche die beiden Reifenden angeftellt ha- 
>en. Auf der Kupferplatte liefert Herr von Hum« 
>oldt einen Aufrifs, der von den Küßen der Südfee 
Imrch den Gipfel des Chimborazo bis an die brafilifcbeit 
Kiiften läuft 9 und, auf eine fehr ünnreiche Art, die 
Fortfehritte der Vegetation von den Kryptogamen an, 
fie fich im Innern der Erde erzeugen , bis zu dem ewi- 
gen Schnee darftellt, der aller Vegetation ein Ziel fetzt. 
Die obern und untern Gränzen der Palmen und Scitami- 
neen, der baumartigen Farnkräuter, der China und der 
Gräfer find nach den Höhen, welche die Humboldt* fchem 
Meffungen be&imnat haben, angedeutete Neben delia 



r 364 J 

Bilde find it Kolonnen «ng^iracbt, inj'vrelcheii Ton der 
chemiTchen Natur des Luitkreiles; toq der Laftwärme 
nach Höhe. der Schichten^ durch den hfichften und nie« 
drigften Stand des Thermometers ausgedruckt; W9» 
der Hohe der untem Gränzen des ewigen Schnect 
nach Verfcbiedenheit der geographiroben Brrite; tiAi^ 
den Thieren^ nach der Höhe ihres Wohnorts; ^on dar 
Siedhitze des l^atTers nach Verfohiedenbeit der Höheaj 
von Schwächung der Lichtftrahlen beim Durchgangs 
durch die Luftfchichten ; vvom Drucke der Lu(t| in Baco« 
meterhöhen; Ton der Abnahme der Feuchdgkeiti inGrsf 
den des 5iif//jfiZreycAtfn Hygrometers ausgedruckt; Tondts 
Luftbläue, in Graden des Kyanometers; TOn der Abnali* 
me dm: Schwere; von der Kultur des Bodens ^ : nack 
Verfcbiedenheit der Höhe; von electrifchen ErEcbci* 
nungen, nach Höbe der Luftfchichten; wan derfntftf- 
nung, von welcher Berge auf dem Meere fiohtbar Bni\ 
von der horizontalen Strahlenbrechung; von Höben' 
uiefTungen in verfchiedenen Welttbeilen , u. f. w«,-, baa* 
dein , und endlich eine geognofiifcbe Anficht dei* Tro- 
pen -Weh Hefern. Von keinem Theile des Brdbodeoi 
exiftirt ein voUßändigeres und mehr umfalEendes pby- 
ilfches Gemälde* 

Zugleich mit diefem W^rke drucken wir noch zwei 
andere, ein botanifches und ein zoologifches^ 

4« ^^ Herbarium, ^welches die-Herren v. Hum- 
boldt und Bonpland aus Mexiko, von den Gordil« 
leras der Anden, von den Ufern desOronoko, des Rio« 
Negro und de^ Amazonenfludes mitgebracht haben, il 
eines ^der reichften an ausländifohen Pflanzen, das je 
»ach Europa gekommen ilL Die beiden Reifenden haben 
eine geraume Zeit in Ländern des innern Amerika zu» 
gebracht, "wohin nie ein Botaniker vorgedrungen war,, 
und mehr als 63oo Pflanzen zwifcben den Wende- 
fcreifen geCunmelr.. Maailenke, wie viele ga;iz neae^ 



C 366 ] 

doruater feyn naüfleB ! Wenn man auf ein Mahl die Be- 
(cfareibung diefer füam»u m fyfteniatifcher Ordnung 
heraus geben wollte, Xo würden entweder Jahre Terget» 
ben, ehe man mit ZuTerläffigkeit beAimmen könnte, 
was wirklich neu ift, oder die beiden Gelehrten wür- 
den Gefahr laufen, fchon bekannte Gattungen unter 
jicuen Namen zu geben. Sie^ haben Höh daher en^ 
fchloGTen , allmählig , ohne f yftematifohe Ordnung , • die 
in der That als neu anerkannten Gattungen und Arten 
Aechen , und in einzelnen Heften folgen zu laffen. Erft 
in der Folge vrird ein Band ohne Kupfer die Diagnofen 
in fyftematircher Ordnung liefern. Jene Hefte fuhren 
den Titel : Alex, von Humboldt et A, Bbn* 
pland Plantae aequUoctiales ^ per regnum Mexict^ im 
Frwfinciis Carracarum et Novae Andalufiae , ia Perutfiano» 
rmn!* Quitenfium, Nouae Granadae Andibus ^ ad Oronocif 
JhtPÜ Nigrii , flumittis Amazonum ripas t nafcentes. In or* 
dinenif digt^ßlt A. Bonplavd. In /olio cum figuris a 
S^lliex inaifis. Die Platten der beiden erfien Hefte lind 
bereiu g'CßooheA, Sie werden bloij fchwavz abge- 
druckt-; ^wlfcben unter aber erfcheinen Monographiees 
in: Prachtausgaben mit kolorirten Platten, z. B. von den 
Melafioma , fo wie vielleicht die Gefchichte der Gräfer 
und'Kryptogamen der WendekreiCa^ wozn der Text 
bald fertig ift. ' 

f^ 5/~ Die Zoologie und vergleichende Anatomie hat 
uAfcm^beiden ReiGendcn ein nicht minder reiches Feld 
ziKiviühtrgeli Entdeckungen dargeboten« . «»Sie haben von 
itfrer langen Reife viele Befcbreibongen und Zeichnun- 
'gen ganz unbekannctsr Thiere, vorzüglich AiFen, Vö-» 
gelf Fifche nnd Am^h'ibien^mit{||ebrächt; unter den Jeta;- 
len nennen 'w)r bloüs den A'chidotl der mexikanifohen 
Lai^dfeen, ein räthfelhaftes, Proteen - artiges Thier. 
Herr 'Ton Humboldt het^ zcii^ Bereicherung der ve»» 

Anatomie, mahiief« TbeiUrdeSiKroKodtla, 



E 366 1 

des WallrofTes • des Faultbieres , def Lama und den t*» 
rynx der AiEen und Vögel gezeichnet; und eine Samm- 
lung Schädel Ton eingebomen Mexilianern, Peruaners 
und Indianern am Oronoko mitgebracht, die nicht min« 
der wichtig fQr die Gefchichte der Menfch^n-Racen 
als för die Anatomie find. Diefe mannigfaltigen Mate- 
rialien, imter welchen eine Nachricht yoIi (bnilen £Ia* 
phantenknochen begriffen ift, die er in einer Höbe von 
i3oo Toifen über der Meeresfiäche gefunden hat, e^ 
fcheinen in Heften unter dem Titel: Alex« ▼• Hnm« 
boldt's tt.A* Bonpland's Beobachtungen aus d&w Zoo» 
logie und vergleichenden Anatomie, auf einer Reife nach dn 
Tropen 'Ländern gefammelty bearbeitet von dem Erftom, 
in 4*9 ^^ fch^^arzen und kolorirten Kupfern von Boa- 
quet, nach Zeichnungen von Alex» ron Hum* 
boldt. Das erfie Heft mit 7 Kupfern ift beveits im 
Druck« 

Während diefe verfchicdenen Werke gednwjkt 
w^erdeni läfst Herr, von Humboldt an dem Sticha 
der Platten zu drei andern, nicht minder 'wichtigeiit 
arbeiten, welche lind: 

6» Ein geognoftifcher Atlas der andifchen und mexi' 
kanifiken Cor diller as. Er enthält Profile, die fich an£ 
HöhenmeCTungen gründen« 

7. Ein Verfuch über die geognoftifcke Pafigraphiet 
oder über die Mittel , durch ganz einfache Zeichen die 
Phänomene auszudrucken, welche die Stratiiication 
der Gebirge darbietet» 

8» Ein f^eo^raphifcher Atlas von dem Magdalenenfluf» 
/e, (in 4 Blättern,) vom Laufe dei Oronoko, des Rio» 
Negro und Caffiquiare , nebft der Generalkarte von Neu • 
Spanien und einer Statiftik des Landes, Alle diefe Kar* 
ten hat Herr von Humboldt felbß gezeichnet, und 
fich dabei theils feiner eignen aftronomifcben Beob- 
achtungen, theils einer Menge H Ulf «mittel bedient, die 



I 



< 



£ 36? 3 

l 

ibm zu Gebote ftanden, und worüber man feiner Zeit 
dem Publicum RechenJGbart geben wdrd; 

9. Neben diereji Werken arbeitet er den erftet^ 
Theil feiner Reifebefchreihung arus, welche, nebfi den be- 
reits oben angeführten Gegenßänden von allgemeine^i 
Intereffe, Bemerkungen über den fiinflufs des Klima 
auf die Organifation überhaupt, Unterfuchungen über 
die ehemahlige Kultur des Landes, und fehr wichtig» 
nbd detaillirte Nachrichten über die Verwaltung und 
den Ertrag der Bergwerke enthahen wird. Zu diefer 
Reife gehört eine Sammlung Kupferßiche , enthaltend 
Profpekte der Codilleras, intereffante Abbildungen /von 
-mexikanifchen und peruvianifchen Aherthüm^m, z. B«^ 
der zierlichen Arabesken, womit die Ruinen uralter Pallä« 
Jle bekleidet find; mehrerer ungeheurer richtig orientir- 
ter Pyramiden aus gebackenen Steinen ; und von Statuen 
und chronologifchen Monumenten, welche ein^ auffallen- 
de Aehnlichkeit mit den indifchen Alterthümern haben« 
Auch von diefen Platten find bereits mehrere geftochen. 

Die beiden Reifenden, welche alle Gefahren und 
BeCchwerlichkeiten gethellt haben , find überein gekom« 
men, die yerfchiedenen Refultate derfelben unter ihrett 
beiden Namen heraus zu geben; doch wird die Vorrede 
jedes Werkes anzeigen, von wem die einzelnen Arbei- 
ten herrühren. 

Da ein langer Aufenthalt in Paris und ein genauer 
Umgang* itiit den dortigen Gelehrten Herrn v. Hum- 
boldt die franzöfifche Sprache, fo geläufig gemacht 
hat, als feine Mutterfprache , fo ift er entfchloCfen , all« 
diefe Werke in beiden Sprachen heraus zu geben, fodafs 
alfo die franzöUfche fo wohl , als die deutfche Ausgabe, 
Originale ßnd. Nur für das botanifche Werk, weK 
ehes, gvöfsten Therls von Hrn. Bonpland, franzoßfch 
gefchrieben ifi, hat man eine Ausnahme gemacht. Da 
der {(laupttext der Plantar ßfgqmagctiaies . wie bei den 



X 368 3 

I I 

W(9r]i^eA vQrt Ventenat und Kedouti, fatemifch 
^ ift, fo bedurft^ es keiner Dollmetfchung des üiafrigeii« 
um fie allen Botanikern Eurqpa's verAändlich zu madb^» 
Diefeif.Werk ift auch das einzdgei welches iii Fo/io er- 
feheint; ein Format,, das man wählen niu£s|e| um ^lie 
Pßanzen in ihrer Vollkommenheit darzufiellen. Alk 
iü)rige erfcheinen gleichf&rmig in einerlei Format« 
xiämlich in firofs Quart; und obgleich jedes einen befon- 
. dern Titel führte und Yereinzelt; wird, fo macht doch 
da^Ganze'eine Sammlung aus, unter dem Titel : Ale« 
xander von Humboldt's uad Amatus Bon« 
p 1 a n c^' ^ JRei/tf nach Süd - Amerika und Neu - Spanien. 

. Noch m&ffen wir beifügen, dafs Hr. von Hum- 
boldt uns den förmlichen Auftrag gegeben hat, zu er- 
kl^en, dafs die Werke, welche wir dem PubUcum 
hierdurch ankundigen, die einzigen find, che er, fek 
feiner Abreife aus Europa im Jahre 1799, heraus gege- 
ben hat, und dals er an flen Verfchiedenen Relationen 
feiner Reife, die neuerlich in deutfcher oder englifcher 
Sprache angekündigt worden find, nicht den minde- 
ften Antheil habe. An einer englifchen Ausgabe feiner 
Reife läfst er arbeiten« ■ ' ^ 



■^». 




H 






\ 



^iliertr dnn: d: (FAff= 20.Ä.- 2.^= 



l I t I •' 



ANNALEN DER PHYSIK. 



*> ■ p«" 



JAHRGANG iSoS* ACHTBS STUCK^ 

' i -i >i I II '■ 

I, .... 

Sintge neue y^rfuche^' t^etche beweis 

Jelly iüfs die Temperatur^ bei der i{i# 

Bich^igkeii des Waf/ers am grö/sten iftp 

,.. mehrere Thermometergrade über 

dem Fr efi punkte liegte 

▼oa 

fifiKiAM% Grafen tok RtrM>oii9> 

;Vit«*PrificL der Lottd. Soctetit» fftntw. Mit|litd« d«a b$me^ 



L 



M«t.«Iiuftitiitt, «• £ w. *} 



tntinem fiebentea l^y» wdch^r von der Fort* 
fiientu&g der WSrmt durch Flafifigkelten handelt» ^ 
«od in einem neuern Auflatte Über die merkwür» 
digen Wafferlöcher» welche häufig in dem Ölet* 
Jehel' von Ghamottni vorkommen »^*^) habe ich das 
Schmelzen von Eis t das üch» (abfichtlid& odtt 

^) Aus dM Handtchrlft Ikbertetat veia Nm^oMSgeier^ 
**) AenaUn. Band ttmd IL ' d» H» 

XVIU, 36t. d. H. 

an«1.4.Pb7fik. B.aii. Si.4. i.mS. St»», Aa 



t 370 3 ' . 

durch Z ulafi, ) ^nfeiTdßfiaTfe W^Wafifer biöiGncfitVätiÄ 
Strömungen wärmern Waffers erklärt, die in ge» 
wiffen Fsällen in das eiskalte VVaffer herab gehn. Da 
indefs vor kurzem mehrere diefe letztere Thatfachi 
\n Zv^ktA gezogen habeiii urfib biil ifar <}f4-Fblge- 
rungen fallen- würden, die ichtHjf fie baute, fo 
eBifoh)o1^Jcti.^(^b, fie »xaf Geg^üttäsOi^Bitii 

forgfältigen und vn1]ftänrlig|*TH TTnturfn/^hiincr ztt 

machen. ^ 

Auch ift die Thatfaclie , welche Herr de Laie 
fohduyör ^£h&h;Jtthretf 2kt0(^4fe1Kamitgefhi^ll«bift , 
4af& di6^*Tettiperatar% bei w^cdier die Dichtigk^i 
dis Wiarffiers: am ^öfsten ilt^ 'iVi0hrbrd'Of)i4d^^iötiA 
als di^ Uts Wl wBiphfejf ^rfriwrt j^ ^^ in tfcir^IftBt fo 
aufserordenti^fa'iind XbhBiut.^ttti^fa^be^o mancher 
intereffanten Erfcheinuögen zu feyn, dafs man 
fchweriich Sorgfefi: genug dhwvfden kanfn',''\im iie 
a«Rer-4#Wifel' iu fetien. ; " '-'^ 

Da die Metnod'en, deren man fich bis jetzt bft 
dient hat, . U91 idiefen ^^ichtig^a Ppnkt ins Rei^^H 
b«4ngen> ^Inigfm^wenigftcrQ^^liH^isuläoglidi ^efohil 
Ben haben ,: fo habe ick ein e;[i, neuen Weg beti^lW 
st^iS dem.9 wie i^h glaube^ -di^, bezweifelfi^ That^ 
|kch6 fich dir^cty ^ohne s^ £ßme Rechnung^ ,viiA 
^ne fehr fcb widrige pder deli^atjQi Verf uche. :bevrf^ 
fen läfst. 

. , Die fplgendea Verfucbe, diö fich fehr leicht v^e^ 
derhohlen kffen, mögen fqr#fich felbft fpreoheirf/ 
.; Das cy^ndrifcheGcfäfs -4, .(Fig. i, Taf. IH,) 
bdftand au$ dünnem Meifingblech, war S^.ZoU Weif> 



i '371 3 



'. Zoll tief und oben offen , und runte auf drei ftiu^ 
:en, i5 Zoll hohen Fflfspn. Ich fetzte in daffelb« 
ine dAnne mefliiigene Schale, nlit 6t\vas concävem 
loden, di6 unten a", oben 2";8 i'ni Durchmefler 
atte, i'',3 tief war, und auf dr6i Fof^^'auä ftar- 
em Meffingdraht ftand, die eine folche Form und 
länge hatten, dafs durch fie die Schafe genau in 
er Achfe des cylindrifchen Gefäfses> und i| ZoH 
her dem Boden dieffelberi feft erhalten wurde. Dib 
Öhre aus dünnem Meffingblech , welche in der 
litte diefer Schale fteht, und | Zoll titelt, ^1 ZoH 
och, und oben offen iff, diente zum ^rä^r eineir 

weiten kleinern Schale C aus Kork, deren obe* 

■• • 

if Rand mit dem Rande der Schale 2^ g^nku in 
orizontaler Ebene war. 

Diefe Schale aus Kork war fphärifch geftaltet^ 
Se bildete nicht voJI eine halbe hohle Kugel;) hat- 
) an ihrem Rande einen innern Dürchmeffer von 
Zollj war fi Zoll tief und l Zoll dick, und fteck- 
! inlt ihrem jZoU langen cylindrifchen Fufse in der 
Öhre feft. Sie war auf der Drehbatnk eenati ab- 
täreht, und von innen und aufsen dann mit ge* 
hmolzenem Wachs überzogen > und dieses dann 
►lirt worden. 

An der einen Seite "hatte diefe Ko'tkfchale ein 
eines Loch, durch wfelcheis der untere Theil der 
ühre eines kleinen Öueckfilberlhermometers D 
Dg, das darin mit Wachs fb befeftigt war, dafs 
ir Mittelpunkt der Kugel, welche genau 7I Zofl 
iDurcbmeHer hatte» gerade j* Zoll über dem Bo- 

Aa 9t 



I, 37a" 3 

I 

den der ScbaLe^ fchwebte, weüslialb fie dea Bodea 
nirgends berührte, noch irgendwo Ober das Niveau 
jdes Randes der Schale heraus ragte. In dem Ab- 
.ftande i Zolles von der Kugel war die Röhre diefef 
.Thermometers unter einem Winkel von etwa i lo^ 
aufwärts gebogen » und an dem herauf gehenden 
Arme», (der mit dem untern horizontalen Stücke in 
fenkrechter Ebene lag,) befand fich eine eifeobei- 
nerne Scale , nach Fahrenheit graduirt. Das Ther- 
mometej war fo eingerichtet» dals der Frofkpunkt 
jeben über dem Niveau des obern Randes des cv^ 
lindj^ifchen ^CefSfses A lag. 

Nach dem Einfetzen des Thermometers mit 
Wachs» war die Schale im Innern und Aeufsem. 
wieder genau fphärifch gemacht worden; Die hüh- 
le meffingene Röhre » welche ihr zum Fufse diente, 
hatte mehrere Löcher, durch die Waffer aus der 
Schale B frei hinein und hindurch gehen konnte. 
Endlich befchwerte ich jeden der Füfse der Schalet 
^it 6 Unzen Blei, um die Schale defto ficherer und 
fcfter in ihrer Lage zu einhalten« 

Als der Apparat fo eingerichtet war, fetzte idi 
ihn in ein irdenes 5^^ tiefes Becken £*,. das unten 
7", oben 11" weit war, und umlegte ihn ringsum 
mit zerftofsnem Eife. Darauf wurden am Boden 
des cyUndrifchen Oefäfses, fenkrecht unter der 
Meffingfchale J5, einige flache Stücke Eis befe- 
ftigt, und längliche Eisftücke rings um den Rand 
der Schale aufrecht geftellt, fo dafs fie bis auf 19 
Zoll an den Rand des cyUndrifchen Gefäfses hinauf 



[ 37,'» ] 

* * • ■ 

reichten. Nachdem diefes alles gdiörig elogerichtet 
war 9 gofs Ich das cyKodrifche Gefäfis fo weit voll 

eiskalten Waffers Tdafe es einen Zoll hoch über dem 

• ■.... . » 

lUnde derKorkfchalej fo wie der meffingenen Scha* 
le, ftand. Diele beiden Schalen waren folglich mit 
t^iskaltem Waller geiFallt und bedeckt, und yon un« 

- * ''s ■ • * 

ien und von den Seiten mit fteftem Elfe umgeben. 

So '4eCs ich den Apparat länger als eine Stunde 
fiehen , während welcÜer Zeit das kalte Waffer in 
dem cyllndrifchen Gefäfse und in den Schalen mit 
dem weichen Ende einer ftarkep Feder häufig hin 
und her bewegt wurde : bnd als nun das Waffer und 
die Schalen gewiis durchgängig die Temperatur des 
Froftpunkts angenommen hatten, fchritt ich zu dem 
i^lgenden qntfcheidenden Vei^fuohe. 

Verjufh i, Iph hatte eine maffive l^uge}. aus 
Z^nn, f , yon a/;f Durch^xelfer verfertigen laffen, an 
d^ren unterm Theile fich ein Cylinder von | 240U 
]$obe und i Zoll DjarchmeiRbr befsynd^ i^elch^er in 
^pe l^om&he Spitze von | Zoll L^ge auslief* Ein 
ftarker c^iferner Djaht^ yo;^ §^^ Ijf^go diente i^r als 
handhabe. Diefe Kugel haltte i^h f^J^t eine halbe 
Stunde lang in einer grofsen Menge Walje^ erjial* 
ten, das eine Temperatur von 4a° F. hatte» und 
brachte fie nun fo fcbnell als möglich mit ihrem Mit- 
telpunkte in die Achfe der Korkfchale» und befe» 
ftigtö fie hier fo, daCs gerade nur die konifche Spit- 
ze ii\ das Waffen eingetaucht war^^ upd dafs folg- 
lieh das .äufserfte Ende derfelben genau | Zoll über 
der oberften Seite derThermometerkugel fchwebte. 



E 374 3 . 

► J 

Was icl^,bei diefer Einrichtung bezweckte ^ war 
folgendes« Die Theile des eiskalten Waffers, wel« 
che mit der kguifchen Spitze in Berührung waren, 
niufsten von dem wärmern Metalle einige Grade 
^V^ärme in^ fich aufnehmen« Gefetzt nun, fie würdea 
dadurch in der lihat fchwcrer j^ als fie zuvor wareiif 
fo würden Ge in dem (ie umgebenden leichtern, eis« 
]<alten Waffer haben fierah ßnken^t und da die Me» 
tallfpitze senau fenkrecht über der Korkfchale befe- 
itigt war, nothvvendig in diefe Schale hinein falleoi 
T^nd mit der Zeit fie füllen muffen j und die Gegen- 
wart diatfes wärmern Waffers in der Schale würde 
^ch durch ein Steigen de& Thermo oaetQrsi hab^nof* 
fenbaren wüffen, 

I 

A 

Der Erfolg diefes fehr Jntereffanten Verfuct« 
war genau fo, wie ich ihn erwartet hatte* Die ko- 
nifche Metallfpjtze war noch nicht Über 5iO Seen»* 
den mit dem eiskalten Waffer in Berührung gewe- 
fen, als fchon das Queckßlber im Thermometer z* 
fteigen begann , und binnen 5 Minuteii war es ui* 
31 ^ nämlich von 32^ bis 35|^ F., und als 5 Mi- 
nuten hingegangen waren, bis 36° F. angeftiegcP« 
Und das war diegröfste Höhe, die es erreichte, 

Ein zweites kleines Thermometer, welch^^ 
eben unter der Oberfläche des eiskalten Waffers a^^* 
gebracht, und nur 15 Zoll voa dem ob^rn Theile d^"* 
konifchen Spitze feitwärts entfernt w^f, wnrdedurc?^ 
die^ Nähe diefes wärmern I^orpers ni«bt fichtb^^ 
verändert. 



l 375 ] 

. £io drittes* Tl^rmometei;» detC^a Kug^l lieh if 
der meffingenen Sjchale 9P der Auf^eofeite der Kork- 
üchale und im I^ive^u des Randes beider befand^ 
geigte, da(s das^W^fCer» welches die Korkfchdle 
tmmittelbar uinga.b, ^die ganze ^eit des Verfuchs 
pbcT) unverändert = in der Temperatur des Froft* 
punkts geblieben war. 

Da ich aus den Refultaten meiner Verfuche aber 
die Fortpflanzung dis^r Wärme durch eine Metaü*- 
ftange^) voraus fehen konnte, dafs in ge^envvärtl- 
Kern Verfuche das eiskalte Waffer ^ in der Beruh* 
rvng mit der Metallfpitze nicht bis zur Temperatur 
^pn 4?^ F. kommen könne; fo war ich nicht ver- 
f lindert, dafs das Thermometer, deffen KugeJ 
ph in der Kbrkfchale. befand^ nur bis zu 36® an- 
^^.^g« Um zu fehen, ob nicht bei gröfserer Warme 
^5 Metalles das Thermometer höher und fchneller 
?ftiege, und ob.jjiqht da«. Metall zu einer Wärme 
-X bringen fey, bei der es dem Waffer die Tempe- 
»tur mittheilen könne, in der Waffer am dichte- 
^n ift, ftellte ich den folgenden Verfüch an. 

F-erfuch 2. Ich nahm die zinnerne Kugel Ffort, 
^e fanft das wärmere Waffer aus der Kprkfchale^ 
Velches fich nach Anzeige des Thermometers noch 
^mer darin befand,) und legte einige Eisftückchen 
das cylindrifche Oefäfs, die an der Oberfläche 
Hher fchwammeui und dadurch das WalTer ver- 

Z^) Sie wurden äer erfien Klaffe ^des National -Inlli- 
tuts am 7ten Mai 1804 in einer Abhandlung vbF^ 
(degt. [VergU Ann., XVII,. 2»3»} d. Vtrf, - 



• • • 

tiltiderten, fielt in der Luft » ( dertii Temperatiit dih 
)biahls 70^ Fahr, wat») 1 zu erwärmen. So bald die 
Ko^kfchale und die ge&mmte Maüe dea Waifers die 
Temperatur des IVoi^tMaHts wieder angenommen 
i;u l^bea fchiienen, entfernte ich forgffltig^ alle gnf 
dem \Vaffer fchwimmende Eisftacke, und brachte 
dann die kopifqhe Spitze der Metallkugel F g^naä 
wieder in ihre vorige Lage. Ihre Temperatur wa^ 
jetat aber nicht 4a;% fbndern 60® F. 

Das Refültat diefes Verfucbe war Sufiserft über- 

sengend, und beweift , wenn ich nicht irre, directi 

■ , . . . • • • • . . 

iLuf n|oh^ a\!i bezweifelnde Art > däts das Wafler in 
finer Temperatur einige O^ad^, äA^rdemFroftpunk« 
te diß gröbste. Dichtigkeit hat, und daCs wirklich 
}parme.Si;rQmwigen in eiskaltem Waffer herab gehn^ 
weni^T^eile, d^e Qch an der Oberfläche befinden, 
eii^ wenig erw|[rmt werden« 

Pi^ konifcl^e Metallfpltz^ war noek nicht üb^ 
|o Sekunden ^n ihrem Orte, als das Thermpraeter» 
deffen Kugel fiel) in der Korkfchale befa^id, fchoii 
fichtbar anftieg« -Nach 5^0 Secund^n war es um 4^, 
aäämliql^ vpn ^a'^ bis 56°; nach fi| Minute^ (vom 
Anfange des VetTfiichs an gerechnetji) bis 39®: und 
um Ende Ae^ 6tep Minute bis 39f ^ geftieg;eif; und 
^un ^ng e$ an zu fallen , pbfohon fehr langfam, denn 
pach ßl IVlinut^^ (vom Anfange d^sVerfuchs an ge» 
rechnet,) ftand ef noch auf Sgl®* 

Ein kleines Queokfi{berth^rmon»eter, deffen Ku« 
gel Y5 Zoll von der Korkfchale eeur Seite entfernt 
war> wurde nicht im mindeften von der WSnne 



t 577 1 

i 

«fllcirt» welclie die Met^illkbgel deo^ eis^akeii Wafr 
lor mittheilto. 



Diefep VerAich wurde an dexnfdtxen Tage» (den 


I3tea Junius l8o6>) drei Mahl wiederhohltt nnd 


jedes A!|ahl warei^ 


di^ I\efalt^te febip naHe diefelben. 


Das mittlere Kefultat auf diefen vier Veirfuche]^ 


war folgendes: 




täeit yam Anßmg« 


I^omp. des Waflert in 6er Rorkfelial« « 


- ile^ Verleb» «j| 


«ach Anseige des Tbcmnoinet, 


p< o'< 


32« R ^ 


^o 


3? + ( ^^g^ ^n ^" fteigen ) 


.«»3t. 


33 

« « 


98 


34 . 


35 


35 


• * 1 ■ 

48 


36 


. 1 3 


37 


! I 35. 


38 


« 3^ 


35 


- - 3 41 « 


39I 


4 48 


39.i 


6 5 

* * 


391 



Aus mehr ern Ver fachen, die. iob im. Jahr 1797 
-angeftellt, und in meinem £/^j VII, Pari, i, be* 
fipbrieben habet, weiCs man, dafii VVaffei^ von 4^^ F. 
WärJKie, wenn es über Eis ftebt». von diefem Eide 
beträchtlich viel mehr fohipelzt, als gleich yletl fie- 
dend heifses Waffer. Ich war daher Ijegierig, zu vi^if« 
fen. ob nicht vielleicht auch der Thermometerku« 
gel in der Korkfcbale weniger W^me möchte zu- 
geführt werden» wenn das Metall /ehr tieifs^ als 
wenn es maCsig warm ift. 



E S7B J 

Verfüch 5. Zu (jem Ende erhi«|t ick die Mq; 
tallkugel eine Zeit über in kochendem Waffer, und 
als das Waffer und die Schalen gleichmäfsig zur 
Eiskälte herab gekonlmen waren, brachte ichÜe 
fchneil an ihren Ort, wie in den vorigen Verfuchen. 
Deir Erfolg war für mfch fehr intereffant und be^ 
lehrend, 

• « 

Erft nach 5o Secunden gufserten fich api Ther- 
mometer einige Zeichen von Anfteigen, und nach 
i' 7", (von Anfang an gerechnet,) war es erft um 
i® geftiegen, indefs es \m vorigen Verfuche, als die 
Metallkugel wö}t kälter wir, fchon päch lo" in 
die Höbe ging und an> Eqde von i* 3". um 5® gc- 
ftiegen war. Ejn fehr merkwürdige?* Up.1^erfchied! 

Be weift er nicht die Exiftenz von Strömunsen und- 

■ ■ ... p 

die grofse Wirkfamkeit dß|:felben im Fortpflanzen 
der Wärme in Fli|fiigkMtQn , fo fehe ich nicht ab» 
ich geftehe es, wje die Wirklichkeit irgend einet 
nicht Achtbaren mechanifcbeq Operation^ die in ih- 
rem Fortfehreiten nicht unmittelbar in die Sinne 
fällt, je bewiefen wepdet^ Hönne. 

Da mir diefer Verfuch mit den^ l)i^ zur Sie* 
dehitze erwärmten Metalle vorzüglich Ipterfffant 
fehlen, fo wiederhohlte \ch ihn noch zwei Mahl. 
Die Refultate waren fehr nal^e diefelben» und folr 
gendes ift das Mittel aus ihnen: 



■ •. 



£ 579 ) 

tei\ /fitti ^Afang* T^''^^' ^®* WaiTers in dar Korkfchtl^ 
'Jet Verfucha an nach Xnseig« des Thonnomet* 

ö' o^ 3a' F. 

7 34 . 

i8 35 

3 2 36 

3 3 361 

4 17 37 
. 6 13 38 

7 17 38| 
9 — 38^ 

12 — 38J 
' 14 — 38^ 

» Vergleicht mani diefe mittlem Refultate mit de*» 

iien aus dem vorigen Verfuche, fo zeigt Och recht 

auffallend, wie viel fchneller das Tberni<»meter in 

der Korkfchale Wärme annahm, als die Metallkti-. 

gel nur 6o° F. Wärme hatte, und folglich verhält^ 

hifsinäfsig kalt War> als da fie die Temperatur des 

kochenden Waffers hatte. Und es ift felbft fehr 

wahrfcheinlich, dafs erft, nachdem die IVJetaJlfpit- 

ze durch das fie berührende eiskalte Waffer f^br 

bedeutend erkältet war, von ihr die Strömung mä- 

feig warmen Waffers, welche in der Länge das; 

Thermometer erwärmte, herab zu gehen anfing. 

In den Verfuchen, welche mit der Met^Ukugel» 
al$ fie in kochendem Wc(ffei? erhitzt worden war, 
angeft^Ut wurden, J^am ein kleines Thi»rmometer, 
d^ffen Kugel fich eben unter der Oberfläche des 
Waff^s feitwarts von der Metallfpitze befand, fehr 



£ SSO 3 

fdini^ zum Ste^D , fo bald die hei^e MetallQiitze 
fich an ihrem Platze befand» Indefs ein ander« 
Thermometer» das nur f Zoll tiefer» an der Sxt» 
Isern Seite der. Korl;(cfaale angebracht war, voB 
«Anfang bis ^u Ende dcfs Verfvchs» yoUkommen » fo 
,yiel fich fehen lieft» in Ruhe blieb. 

Die Erklärung aller diefer Etfcjböinijjige^ ift ib 
liufserordentlich leicht» dals es Zeitverluft, fejn 
wfirde» fich dahe^ zu verweilen. Poch dOrfte 0* 
von Nutzen feyn, die vorzügliebften Phänomene 
vooh ein Mahl zu aberfchaue^» und zu zeigen» |/i 
wie fern fie die Thatfachen begrQnden» Älr die wir 
Ij^e 9ls Be weife ^ufge^ellt habei^. 

Jederin^n Seht 9uf den erften Blick » daft die 
Wülrme» welche das Xherihomet^r fti^gen mächtig 
\n allen dii^fen Verfuchen durch herab fteigej^(f 
Strömungen w$rmern VVaffe^s, in die Korkfcbale 
j^ey herab geführ l^ worden * und es ift evident» d^ 
Waffer» welches herab fteigt» nothyrendig fped^ 
£Ibh ^hwerer als d^s feyn nQtuf;,! in vrelchesu e^ 
herab fteigt 

Aus .dpx\, Refu^taten der abigen Verfuchc. 1$% 
$c)i fchliefsen » dab die lUchtjigkeit des Wa^fers da 
McLXvnum ift» wenQ die Temperatur deffelben eia 
wenig niedriger als ^o^ nach Fabreph. Scale ift 

Ift in einer MafTe eiskalten Waffers alles ia 
Ruhe» und werden Theile A^% Waffers, die flcli 
an der Oberfläche^ oder dicht unter derfell^en befia- 
den, auf irgend eine Weife über 4o^ F. hinaus e^ 
wärmt» fb werden C^fpeoififch leichter y als eiskal* 
tes Waffer , und können deishalb in dem fchwerpn^ 



I 



[ 38« 3 

iBiskalten Waffer nicht herab finkenv <; IdieTei hewiei- 

ien die Verfuche mit der bis 2ur.3i^iehiisBe erWSfm« 
ton Metallkugelk Die Wefferdi eilchen 9 welche an* 
fangs mit ihr in Berührung kamen , Wurden bis über 
die Texnperatut hinaus erwärmt^ bei welcher. fia 
geeignet find» in eiskaltem Waffer herab zu fioken; 
und diefe ftiegen auf und verbreiteten fich über die 
Oberfläche des übrigen WafTers. Die Waffertheil« 
chen» welche fpäterbln eine geringere Wärme an- 
nahmen^ ianken herab , füllten die Korkfchale» 
floffen dann ünftreitig über den Rand derfelbea 
Über 5 und ftiegeor bis zum Boden der meOingenen 
Schale herab» wo ihnen durch das eiskalte Me- 
tall die Wärme entzogen wurde ^ und fie in Ruhe 
bUeben* 

Da Kork ein votlrefilicher Nichtleiter der War« 
me ifty fo behielt das Waffer , welches ifich wäh- 
rend der Verfuche in der Korkfchäli gefamraelt 
hatte 9 feine Wärme noch lange Zeit übet b^i, nachr 
dem* die Metallkügel weggenömuien war» ob es 
gleich von eiskaltem Waffer rings umgeben» und 
felbft unmittelbar damit bedeckt war» (welches bei- 
läufig zumBeweife dient» dals WaiTer nichts weniger 
als ein guter Wärmeleiter ift.) Dies ift der Grund» 
warum nach jedem Verfuche das Wafter wiederhohlt 
mit einer eiskalten Feder » die ich beftändig im Waf- 
fer des cylindrifchen Gefäfses liefs» aüsgeiFegt^ und 
die Schale erkältet wurde« 

Ich darf nicht vergelten» anzugeben » durch was 
für Mittel ich die Metallkugel in ihrem Orte bef eftig- 
te^ Dies gefchah auf eine fahr einfache Weife» ver* 



äiitteirt i^lHer ftärl^l^ii Zinnplatte, äit 6 2olI lang 
ilnrf ö?'^ioll breit war, ein kr'eisrundes Loch, von 
i^' Durchnieffer in ihrer Mitte hatte. Sind auf dfeifi 
Kanide des cylindrifchen Gefäfises horizontal, fo bcK 
feftigt \<räi- \ daft der Mittelpunkt diefes Lochs in 
iJle'Ächfe 'defi cylincIrifchiBn Gefäfses und der Seh«- 
le'ti 'fieK Wurde der cylindrifch'e Anfatz der Metall» 
kugel In diefes Loch gefchbben , fo ftand die Metall- 
kügel in ihrem Orte feft und unverrückt. 

Die Menge eiskalten Waffers im cylindrifchcA 
GefäTse war fo abgemeffen, dafs in diefer Lage der 
Kugel nur die konifche Spitze fich im Waffer befand 
War auch ein Th eil des Metallcylinders ins eiskal- 
te Waffer eingetauchf , fo fchien das herab fteigciH 
de wärmere Waffer in Wellen ausgeftofsen zu ^tci^ 
den, welöhe es umher zerftröuten^ und es verhin- 
derten, in einem zufammen hängenden Ströme re- 
gelmäfsig in die Korkfchale zu fallen. 

Zwn Schi u/s bemerke ich noch, dafs, fö voH- 
Icommen beweifend und zweifelsfrei die hier mitge' 
Iheilten Verfuche auch find, doch im Fäll, wenn 
ähnliche Verfuche als diefe angeftellt werden, um 
auszumachen, ob in Waffer von höherer Tempe- 
ratur, als die, bei der es am dichteften ift. Wärm« 
herab zu ßelgen vermöge, — Schwierigkeiten in 
den Weg treten, die niir völlig unüberfteigbar 
fcheinen. 

Das Waffer ift fo vollkommen flüffig, oder die 
Beweglichkeit der Theilchen' deffelben fo grofsi 
dafs das Waffer an der Oberfläche, welches zuerft 
wwärmt und ausgedehnt Wird, fich augenblicklich 



eit'iimlier^Verbrälletr öifcl Wenn es an die"^lteti- 
ände des Gefäfses kommt j dlefe erwärmt. In 
efeui feften Körper velrftreitet fich die erlangte 
^ärme fe £ut nacU unten als nach oben;* dur-ch ihn 

erden die niedriger .JtebpHflen Wafferfchichten, 

■ \ * -'■ . - - 

it welchen er in Berührung ift, erwärmt, und in- 
5m diefes wärmere Wa£fer.fich nach der Achfe de« 
efäfses 2U verbreitet, fetzt es Wärme an einTher- 
ometer ab, welches nier ujnter der Oberfläche 
BS Waffers angebracht ift. 

Dafs cifefeverfchiedenenTPrözeffe wirVlfcli Statt 
aden, daran kann niemand zweiftln. Mir ift et 
n wahrfcheinlichften , dafs alle Wärme, welche ei«- 

»m Thermometer unter der- Oberfläche warmen 

«... ■ ■ ■ ... 

r^affers zugeführt wird, ..wenn -die Waffertheile an 

'*" " ■ " _• _ ■ * 

ar Oberfläche Ttark erwärmt werden, in der That 

• • ■ ' 

m den Seitenwänden des Gefäfses herrührt: und 
L^ nicht blofs deswegen, weil das Thermprneter 

diefeirii Falle fo gar langfam fteigt, fondern vorzüg- 
3h' auch defsbalb, w.ei] eS'fehr. viel langfamer fteigt, 
•mn d^s Gefäfs weit, als.we^n e$ enge. ift, und 
'enn- die Wände fchlechte; ^Wärmeleiter find,, als 
'.enn fie aus einer Materie beftehn, die ein guter 
Wärmeleiter ift, wie ich mich davon durch Ver- 
lebe überzeugt habe« .^ 

, Doch da eipe nabej^e U^terfuQhung hiej^über füt* 
leinen gegen wärtigen.Zwfifilc fremdartig ift^, ib ver« 
lige ich- hier diele Materie tiibhl; weiter. « • 



V. 



I 

• f ■ ■ ■ - ■ ^' ■ •< -. I 11. J I ■ ! ■ J" ■ "J. ■ ■ ■ ■ 

' I I ■ -^ 

ilts Wa/ferS ih Terkpetatureti xtvifchti^ 
b^ und -f" ^o^ difi hund^f'tthi^iU^ifi^ 

Thermom^ter^B 

GVST. ÖABIL HiS LLSTHOlIf 
Pr«£«rfor a«« Plijfik Sil Abo.*) 

JL/äÜs un$ noch töü den Wenigftdh Itörpern thi$ ^ 
wahre Gefetz ihrer Ausdehoting durch Wärme b^' | 
kannt ift» erhellt fchön daraus » da& die meifta I 
Phyfiker beim Auffubheu diefes Gefeites voraus gi" I 
tdtzt haben» die Ausdehnung fey den Graden der 
Erwärmung proportional, fo dafe Körper bei eitier 
Erwärmung von o^ bis Xo^ fich ihrer Meinung nach 
um eben fo viel ausdehnen, als wenn fie von 90^ Ul 
100^ erwSrmt Werden/ Dier^m gemäiGs glaubten fia» 
2wei Beobachtungen wJtren in dMtt Saehe für ]jt 
den Körper hinreichend* 

■ . .; Da 

*) Ein von Herrn ProJEeflbor HillUrSm mir hand* 
Schriftlich mitgetheOtcäTi erweiterter Aüsftilg atu 
feiner Dhf. phyf^ de tnutmi» voluminn nqunt defiiU*% 
intra temptrk mtgtt» et ^iceß gratms. ,tkermh ceM^/hm 
Aboae i8ea* VergleiAe ifftite/en» XVII, 107« 

4. ii^ 






i 385 3 

V Da man.indefs in nemera . Zelten geCuodM hat^ 
dafs einige Körper fich bei Erwärmung um gleiqjbi 
viel Grade 9 in l^altern Temperaturen weniger, in 
heifsern dagegen ft&rker ausdehnen j fo vermuthe- 
■ te ich, dafTelbe möchte beim Waller der Fall feyn» 
iind glaubte, ^s verdiene dieses auf jeden Fall forg- 
£21tiger uitterfiicht zu werden. Diefer Unterfu* 
chung unterzog ich mich um fo williger, da fie, 
wenn die Verfuche gebödg angeftellt werden, zu^ 
gleich darflber Entfcbeiduog geben mu£i, ob, dat 
Waffer bei 5 Warme die grö(ste Dichtigkeit hat; 
welches von einigen behauptet » von andern gelaug- 
i^etwird. 

: Ich habe mich zu meinen Verfuchen einer hin- 
jtfn^ch genauen Wage bedient, an die ich vermit- 
telft eine$ Menfchenhaars eine follde Kugel aus wei- 
Ipi^m Glafe hing , deren Gewicht in der Luft, und in 
.^leftiliirteas^ Wafler ron den verfchiedeneh Tempe* 
raturen, ich mit der grö&ten Genauigkeit beftimmte. 
Der Uaterfchied beider giebt den Gewichtsverluft 
der Glaskugel in deftillirteni Wäffer von der gege> 
benen Temperatur. Es fey diefer Gewichtsunter* 
fchied in der Temperatur des Froftpunkts sl p; 
itad in einer ITemperatur von n Graden d^ hun« 
4erttheiligen Thermometers =^ //. 

Dehnte fich das Glas durch Wirme gar nicht 
-aus , fo wOrde, fetzt man das Volumen des Waflers 
bei o"^ Wurme sä i , das Volnmea des Waflers bei 
n"" Warme ='J; feyn, . 



£ 586 3 

Da fich aber das Glas allerdiiigt^ durch WSrme 
ausdehnt, fo lft> wenn wir das wahre VolüineU 
des Waffers bei n^ Wärm^ s= 7 fetzen» den voa 
mir entwickelten Formehi > lAnnalen, XIV^» 3^5 J 
gemä&f ^ 

^ — /^i + iSl+i*>ü'\ £.. 

/ V ■ 62500000 J * p^ ^ 

oJer, welches daffelbe fagt 9 

r ■ 

j = (l + O/OOOOO52 . A + 0/OOO0DOO3ä,ll*)* .4. 

Diefer Formel habe ich mich bedient, um die 
Wahren Werthe von y für die v.erfcbiedenen Tera- 
jjeraturen von o^ bis 5!0*^des hunderttheillgeh Ther- 
mometers zu berechnen, aus dem Gewichtie Aet 
Glaskugel in der Luft, welches ich Vetmittdft 
meiner empfincUichea hydrdftatifchen Wage ss 
9i7i8Theilen gefunden hatte, und atrs dem Ge« 
Ivichte der Glaskugel in deftillirtem Waffer von den 
verfchiedenen Temperaturen, welches fo war, wie 
die folgende Tabelle es 2eigt< . 



j 



i 387 3 



Tempera- 1 , Dw Glaikugel 
^ur naclicl.! Cewicbc in I Gewichts- 
ili. I dcililL Waf. Yarluft ia 



'lootbeüi 

gen Scale 

oder n. 



o 
l 

I 

2 

3 

4 
5 

6 

7 
8 

9 

10 

II 
la 

* # 

15 

iS 

17 

c ■ 



fer voa «* 
Wärme. 



r 



-'f 



53227 Th 

53221 

53217 
53215 
5321 3,5 
5321 3 
53213* 

53214 
5?2i5 
53216 
53s(i8 
53220 
53a2a 

53^245 
53228 

5323 o 

53i33 

53236 

.53239^ 

53243 
53247 



die fem 

W affer. 



33491 Th 

38497 
38501 

385o3 } 

385o4,5 

38$o5 

385o5 

38504 

385o3 
385oa 
38500 

3S498 

38496, 

38493;5 

38490 
38488 
38485 
38483 
38478,5 

38475 



iL 



Wabrea 

Voluraea 

dea 

Waffera 



1^0000000} l/OOOOOoO 



0,9998442 
7402 
6884 

6494 
6365 
6365 
6624 

6884' 
7144 

7662J 



0,999859a 
772«^ 
736» 
7i3a 
718/1 
7324 
7764 
82 ^ 
8620 

93j* 



8182 1,000001^ 



8702 
9349 

l,00pO260 

780 

i^dooi56o 
fl339 
3244 
4t6o 

1,0005200 



1,000072^ 

1^000 1 53^ 
24S0 

333o 

4287 

5283 
6370 

7462 

1,0008717 



3847» 
erhellt hiera»js zugleich, dafs, wenn man auf 
^li*. Ausciebnuog des Olafes durch Wärme nicht 
ieh«, die gröfste Dichtigkeit des Wajfers zwifchen 
-f 5"* und 4-6 '■ der hunderttheiligen Scale*) zu fal- 
len fcheiiit, wie das. auch andere auf verfcbied«- 



^S Das ift, z,vifclien 



41^ ttiid4«,^8der Fahr. Seal«. 



E 38Ä 1 

k^n. Wtgto gefandett haben. Nimmt maä dag^geli 
auf die Ausdehnung dbs Glafes durch die Wärtn^ 
R&ckficht^ und bringt diefe gefadrig mit in Rech^ 
fiung» fo k&mmt swar die Temperatur, in welcher 
die Dichtigkeit d^s ^^arföfs am grölsten ift, dem 
jfroftpunkte nähet, f&ilt aber keinesweges mit dem 
, Froftpunkte zufammen , wie Hörr ronArnimi^ 
tond wie Monge ^^} tu glauben fcheinen. Denn 
'es ^eigt fich hier t dafsf diefiü gf dfste Dichtigkeit bei 
;4^ oder zwifchen 4^ und 5^ der hundertth eiligen 
>»le fällt. ^ 

Wie bedeutend Aberhaupt bei Verfuchen diefer 
«Art der Einflufs der Au$dehnudg des Glafes durch 
Wärme ift> zeigt fich r^ht augenfcheinlich aus dem 
'groben Unter fchiede zwifcheii den Wertben voU 
A und y f welcher mit zunfehtnendw Witme iibmer 
beträchtlicher wird« 

Aus diefen Verfuchen häbfe ich das üejeiztüt 
^e Ausdehnung de^ deftillirten WafTers durch War- 
^me in Temperaturen von ö^ bis &e^ derhunder9 
theiligen Scale entWickelt. Setzt mau 
4= 0/00X008357 folgl*» log.2f ==b/Oo36i45*-$ 
a = X/o48353i4 ' log« « = O/osoSo*;^ 
B=s 0/0007 15207 • lögbi?=soy85443so— 4 

b SS 0/7456683 J log. ää Q/8725456 —.1 

C =0/9982765 

^) Annalen^y^ 65* H^ 

**) Neue Arckitect» hydrituliC^ tPU PrUttyi Tt ty 
S« 880. f. ' H% 



[ 9S» } 



- Dafs dief« Formel mit dea V«rfttdieB tuF 9a» 

• ■ - • 

beft« Qberein -^10101(9 «riiellt «w d«r folgenden 

TabcUe. 



Bertcbfie* 

men det 

WaCTert. 



Untarfchied 

«dit. III. B 
rcchasiig. 



"^^iBertchÄe- 



i^ooooooa 

7549+ « 



7««6 

7381 

77«5 
tiSi 



9514" 



— 0|00000j 

+ 4. 




men dei 
WaOon. 



5V9999995i 

i|Oooo747. 

«#•001555 
S4t5 
S518 

4>95 

• tei7 

75*4 
•7*5 



> • > • 



UnterTcliMd 

sTf . Beob« 

Acbu u. B«- 

rochmuig; 



*t»O|0OO«0tS 



«1 



Mit Hülfe diefer Gkichung läfet fidi |iim aiiclnBe 
Temperatur 9 bei weldier das Volttmeii des Wafferf 
am. klein£k«D ift» genauer als durch uBimttelba[ra 
Verfuche finden» Nach der bekannten Method# 
findet fieh nSmlielir AMr den Fall» dabj^einMii^ 
numih, folgender Werth : 

* log, • — log. a 

welcher» fwena man hierin die oben angegebenea 
Werthe Cstxt» 

X SS + 435427 wkA ♦> 



*') Welches fd>enHn llidimt mit 3^,4^1*4 dierReaum.« 
und mit 39^^ä768 der FahrenheidCchei» Scale«. 
Herr Graf wo n Rumf ord feot Mjph leinen Vec« 



tfiid fttf Äieifeti* Wirft egr ad nach' der liunderttheiL 
öbäle ift das VöldfffÄn itiwWafferST' == 0/9997143; 
und diefes ift das klein fte aller Voluminum. 

F . Diefer WerthfQir das kleinfte j ift zwar e\n we« 
Big gröfser, alsder» welchen die obigen Verfuche 
fOr. ip-^ 4 MP^^^l diefe Vericbiedehheit läfst fich 
aber aus unvermeidlichen Fehlern bei den Verfu^ 
clien erkifiren. und muk in der That ganz auf 
jkechnung diefer, «gefetet Werden. Ich halte daher 
fl«n hierberechnetbn W:erth, weil er mit dto übri- 
gen Verfuch^n genauer zufammen. ftimmt, für dea 
Wahren kleinJEten A^^^ef th. 



c. 



t ! Dafs fibrigeds ftieCe nitoine Verfuche nicht mit 
denen zülarti^en flkmhieni^ welche von Herrn. Dül- 
ton in den Annaleiiy XIV» 293 f*» nlitgetheiit wer- 
Ü^i dfts rei^M 'fch ihnen nidit ziinl Fehler' an. 
Diefes hftt nämlibh einen zweifachen Grund: eiti 
Mihi die Atii wie' Dalton f^e Verfuche" «nge« 
f^t hat; zweitens die Ausdehnung feiner loftru^ 
ntote ^tis DliiSi «balton zieht äaefe Hiebt mit in 



*''^ lochen in AüCbtit 1 AielW StÄcKs^ dieCe .Tea^pera* 
tur bei 69 J oder 39*',875 F., welches; wie man 
^ fieht, fö' ^ehaii, 4h e^ Bei %eö\>atshtüngen diefer 
Art nur immer feyn kann, mit der* BeMmmung 
des He^ Prof/ Hällftr^m 'fiberein ftimmt; eine 
Uebereinßimmung, welche eben fo fehr, als für 
die Richtigkeit diefer Befiimmungi Zuverläfligkeit 
der Formeln und ^er Berechnungen des fcharffinni* 
.' gta Pbyükers. in Abo %ricbt« d* H. 



»WI«Iir;^)' und jene Ift wegen tferAfHiäfimi^ef. 
Gaffers am Olafe ^ uiid wegen der VerdQnftung des 
baffere nicht ganz fehlerfrei» wefshalb ich glaube, 
ftis meine Methode die voraoglicbare fej»- -. 



.»'. 



^ Er btxte Sie grölste Dichtigkeit dei» H^afTer«,^ 
\^ wiederliohlten übardn fBmmenden^ Verfeöhen 
geuiäls« bai 4^9^ das FjAreaheitiikdien Quecklilbar- 
thermDmaterSi^ (^Annmiem^ XIV , 294;) und nach 
Harro U:tllftriim't VarfuidMn liagtr £a, wann 
apui Attf die Aasdabniuig des Glafas nicht iiaht, 
9wilchan 4^^ nnd 42^8 F. ziemltdi Hl dar )Mlitter 
An Cch IHounan aito die Rafaltata beider lehr ndür 
;Bttiammant ^ ä» 0. 



■7 



. » 



[ 39«^'* 3 ■ 

EINIGE THATSACHEN, 

iie Frage betreff e,nd^ bei welcher^ Tem^ 

veratur die Dichtigkeit dee Wäffere 

am gröfsien iftp 



' J O K TU Ö. A t T O K. 

f4Mi eimmMu^ha»^ Mttmehefter d. lotM Ja»* iSoSr) *) 

JSs wird in melir^rii Werken als eine atisgemacbte 
Thatfache vorgetragen » dafs Walter in einer Tem* 
jperatur ron 4o^ T^9"^c6fT pabe dabei, die gr&lste 
Dichtigkeit babe» und da£s es, wenn es über diefe 
Temperatur hinaus erwärmt > und unter fie berab 
erkältet wird, für gleich viel Grade, in beiden Fäl- 
len fich ftets um gleich viel ausdehne. Ich bat»e 
vor einiger Zeit eine andere Lehre aufgeftellt: dab 
nämlich Waffer in der Froftkälte , oder bei 3a? F., 
am dicfateften fey; dafs es fich von diefem Punkte^ 
ab, durch wenigftens 25% (voraus gefetzt, dafs es 
nicht friere,) herabwärts, gerade fo als herauf« 
wärts ausdehne; und daüs die Gröfse diefer Ausdeli« 
nung in beiden Fällen dem Quadrate des Tempera» 
turuuterfehiedes von 32^ F. ab gerechnet, propor- 
tional fey. Setzt man fo z. B. die Ausdehnung des 

^) Nicbolfon^s Jourmel, i8o5> Febr., p*934l 



[ 595 1 

Wa&x^.bei Erwärmung von 3.2® bi« ^7p> P. sbs j;, 
fo ift» diefer meiner Lehre semäfs, die . Ausdeh* 
iiHng des WaOfi^rs bei einer Erwärmiin^ von 32^ bis 
5a^ f. SÄ 4 und von Sa"" bi» 6a° F.ss? 9, u. f. w,, 
oder nahe fo ; und eben fo ift die Ausdiriinnng bei 
Erkjlimng von Sa"" Ws 2a® P. s=5 x ^ yon .52^ bis 
ia^F.=s4, und von 32^ bis 2® F.=5^. *) Trifft 
diefes nicht fcharf zu» fo liegt, wie ieh |(laube, der 
Grund darin » dafs das Queqkfilbertheripoineter keia 
genauer WarmemefTer ift» 

Diefes bat einen. If^lurforfcber» (m gentebnäii^ 
cf jBrofe^anal enfinencej^) veranlafst» den Gegen? 
ftand aufs neue zu unterfuchen, und eine Reihe 
fehr fcharfUnniger Verfudbe» gänzlich, verfchieden 
von den folgenden , haben fdr die gewöhnliche Mei« 
siung entfcbieden > dafs nämlich Waffer um 40^ P- 
am dichteften ift. Diefe feine Verfuche werden in 
kurzem bekannt^ gemacht werden* 

Ich bleibe indefs noch immer fiberzeugt» da& 
ineine Meinung die wahre ift, und diefes hauptfich« 
lieh wegen der Thatfachen» die ich hier mittheileii 
will, und welche die Anhänger der gewöhnlichen 
Meinung Bothwendig entweder aus ihren Grundlat- 
zen erklären > oder als Thatfachen widerlegen rndf» 
fen. Sie find fehr einfach, und ohne grofseMoh« 

*) Daltonift felglich feitdem von der Meinung in- 

rück getreten, die er in den Annalen^ XIV, sjSp 

aus feinen Verfuehen folgerte, (der gemifs der ter» 

'" > minus m quo fiir diefes Gefetz ^^\^ F. war;) aus 

yf{^% f iir Gründen, ift mir nnbekannt. d. H, 



t 394 ]' 

>iifi(} Weitlstufigk^t zu wledorbohlen ; auf ErKlärun^ 
gen laffe ich'ntioh' für jetit gär nicht ein. 

Man ribliteficli eine Anzahl Yon WafTerthermo^ 
metörn mtt TSefäTsen äü'i irorfchiedfcneii Materien^ 
irdehär Wkfiro', Glas utad Metalleii ein ^ deren je» 
des ungefähr f bis a Unzen,;. (400 bis 800 GräHft,): 
WaiTer faffe: Oewöhhliche braune TintenAOer 
(inkßatfds)i die unter der Nottinghamer Waare irer^ 
kauft werden , . 'find zu einer Art derfelben gakz ge* 
fchickt« wenn fie au&en gut bemahlt find^ «reil fie 
kur 'daön WafTtfr halten. Ferner einige Artafi von 
Viredgwodct'fehem Zeuge, einigte von innen und au^ 
fsen glafirt, anderes blois auften bemahlt; beidet 
äehnt fich gleich durch Hitze aus. Den Metallge* 
föfsen habe ich die Geftalt dünner, oberwSrts koni« 
Icher und zu oberft mit einer cylinrdrifchen Kffhni 
Verfehener Cylinder ^ ehin cilindrical canifters) 
gegeben. Die gIaQrte irdene Waare und die Metal« 
ie muffen mehrentheils von ^viistn bemahlt werden, 
t>eyorfie ganz ■wafferdicht werden. Sind diefe Ge* 
JTärse gehörig in SUnd gefetzt, fo falle ich fie mit 
eben gekochtem Waffer, das frei von Luftift« und 
bringe dann fchnell eine mit Kitt umgebene Ther* 
inometerröhre hinein, und kitte diefe feft Durch 
Bitze läfst fich Waffer heraus treiben , öder mit 
Hülfe eines Drahts etwas nachfülleui} Das Inftru* 
ment ifi dann zum Gebrauche fertig, und man kann 
4iun an der Röhre eine Scale aus gleichen Theilen 
atkbringen, oder fie auf der Röhre felbft mit diner 
Feile ^nreilsen oder auf fie mahlen* 



f ml 3 

Bringt man ein folches Inftrument plötzlich ia 
IVaffer, welches um lo^ F. wärmer ift, als das 
.Waffer im Inifer^ deffli^lbten, fö ßnkt dicfes letztere 
•usenblicklich fehir bedeutend / oHneZ-^veifef« weil 
jerft das Gefäfs durch d|e Hitze ies umgebenden 
Waflers ausged^hat Wlrd^ bevor die Wärme das dar- 

fti hefindlich« Waffer austilttehliM*V&rmag. Xttefiss 

^^ * (. '■'-■<..•_ 

Phänomen ift zwar nicHr unbekannt« verdient aber 
hier befond^r« BeiBch^ung. -Ich habe die Grd(«»d09 
Sinken^ in diefen Fällen forgfältlg beobachtete und 
fire bei meinen Verfuchen in Thelien desRauiVis aus« 
gedruckt, um welchen das WafTer'in einem folche^i 
Thermometer fich auszudehnen fehlen, wenn ejp 
voiKler Temperatur,, bei der das Thermometer 39 
nSedrigftea ftand^ ab, um 10^ F. erwärmt, wutd^^ 
diiBfen Raum s=s z gefetzt 

'"' FoIgend£i find einige d#r ReiTultate Meiner Ver* 
fachief mit Thermometern diefer Art. 



1 



t 596 3 







1 


iss 








r 


keite dM Waffer 


1 *»• r 

• 5. 


Im Tbevmtini^m 


4 


CO* 


vü( €klUM(- im .. 


iaft-xie^ 


i 


i." . : -. ■ . . : '■ ■ ■ 


drigfien 


e(]iMlM 


l-^^ 


1 

■-■•■' 


Stand 
Lei 


Smidbei 


BP? 


!• llraun. irden/ Wi«r€ No. 1 


3߻F. 


^•u. 40» F. 


io/a . 


m* bratm. k^aii^ Wtfüre No. 3 


38 


Sa -44 


3. W#dgwoo<IYdMtt Ztebge 


4» 


3» ^48 


03 ; 


4. FHniglas, (Thwte^ autgr& 




' _ . 


• 


/. ft««rn Kugeln als gewö^MÜ.) 


41I 


3»--<i» 


9/tS. 


5. d.fimem Eifenbleck - 


4?i 


3a —$3 


0^ 


Ith mndQBtem SiCsiiUff cK 


42I 


3a — 53 


c 


^* Kupier 


45i 


32-^59 


^9 « 


f. MeiBsg fbraft) 


46 


3a— 60 


»»I • 


^ Zinn (Pewttr} 


-4« 


3a ^6« 


»*Ä 


&o. Blei 


494 


3a-r-6.7 


»^ . 



»r: Ic^ lege diefe Tkat£acben denen 2»m Nachden« 
Ifcen vor, die fioh fOr Unterfuebuogen diefec Art inr 
terefliren » und wünfchte, dads fich mit ihnen hauptp 
fSphlich die befobäfdgen machten , welche behaup« 
tein» Waffer habe in der Temperatur von 40^ F* (üö 
g^öfste Dichtigkeit. «) 

*) Irre ich mioh niebt ^ fo find diefe Verfi^e zwar 
fehr dazu geeignet, den Ein&nb der Ausdehnbar« 
keit der Gefälse euf den Stand thermofkopilcher 
FliiQigkeitenL in ihnen darzuthun^ und dürften in 
dieter Hinficbt zu intereOanten Betraehiungen An» 
lafs geben; begierig^ wäre ich aber, zu fSdben, wie 
Dal ton aus ihnen einen Beweis gegen den Satz 
f&hren möchte, dafs das Watfer bei 40* Wärme 
die grölst» Dichdgkät habe. d. if. 






C 397 1 

- ■•- - IV. ■ 

Ü N 1: E K S U Ö H *U N O E N 

ikb^r die Ausdehnung des Que€kßlber9 

durch die Wärr/iß> . , 

^ ■ . • • f I 

JL#ie folgenden Verfnche Aber die Amdehnuflg dts 
'^ureckfilbem dtirch Wälrixie Wtifdeti jpeAx gewj&fan«» 
liehen *QtitfckfiH»ertherfl:iometera angefteUt Aa 
diefen Uefs £ch meffen: 

Di^ L&dge cler QuecklUber-' 

Täale ,in der {löhre von j , • « , . ^ 
.: der Kugel ab gerechnet 

der Halbmeller der Tbermometerröfare sc r 

<def tialbmetTer der Thcrnibnieterkage! ä^ 

Uan fetze dat Volumen des ifbei o* as ^ 




SS jrbei o* 
•■ tb«i»*d.; 



QttecklUbserf im Tberai,- lb«i«^d.;i«otb«$e.«tti^x 

*) 0^ itt sK^reim der Pormelii ^ welche mm itt den 

. An$iMlen\ JCVII, *io9, findig Schreibfehl^ tot« 

KomMm , Ib fehicke ich der FortCstzuiig der dort 

' im'AusKngo m^getbeikea Unterfoohnngea^ welche 

VHT Herr Prof. HftUftröm handCchriftKch tfkr di« 

^nnalfn mitzudbeilen die Güte i^ehabt hat, das Wc- 

tentlichfte aus dem Anfange der Unterfuchangen 

hiel* wieder Toraiu d^ A« \ 



■ / 

y 



/ 

Rcfulttt äif Veirfüche der iBferren La Latode^und 
Se risU uicTit wohl möcfcte 2u vereiiiSge» feynj 
welche, ohfie' auf die Ahsdehnung der Olasröbra 
SU feheö, äiedasYQueckfilber enthielt,' * =r g^J 
S£= 0/0150576 *) gefunden haben, (jlnmalen^ XVII, 
I02.A S^tzt msq indels daa Volumen die£er Glas« 
rohrö^beio^ Wärme s=: i undhciiöo^^VfärnaeÄüp^, 
und die wahre Ausdehnung des Queckfilbers : in die« 
fen Vexitiqhta ss: s, fo war diefen Verluchen zu 
Folge )' + O/0 150376 = I 4* » und alfo s ss^ jr 
•— I 4* O; Ol 50376: und da nach meinen Formeln 
för die^ Ausdehnung des Giafes durch Wlruie^ 
(Annalen, XIV, 299») in diefem Falle j —^ X s=: 
"OfQOQ^f^z^^ feyn mufste, s ssz 0/017560; ein 
Werth, der mit dem, welcher aus meinen Vecfii* 

■ * ■ ' • 

dien fol^ , aber alle Erwartung genau zufiiinaitti 
fUmmt. Hierans erhellt zugleich, dala die Grade 
des La Lande^Jchen Thermometers keinesweges der 
wahren Ausdehnung des Queckfilbers entfprechen^ 
feine Scale ift daher in diefer Hinficht fo wenig, als 
in irgend einer andern, den gebräuchlichen Tbtf'. 
mometcrCcalen vorzuziehen. 

Da fich das Queckfilber in hohem Temperata: 
ren verhältnifsmärsig ftärker als in^ niedrigem aus^ 
dehnt, fo habe ich es für nützlich gehalten,' «n« j 

GW- • 

*) Nicht o,oiSp|, wie in Ton ZtLoh^M moMtlider 
Correfpäfidenz , Febr.^ . i8o4) S. l33i fteht» 

HAUftr. 



K 



C 4of, ] 

■ 

Gleichung aofzttfacben, durch die (ich das Volii^ 
men des Queckfilb^rs für jede Temperatur ^ fo wie 
fie durch die obigen Verfucfbe beftimint wird, fi&dea 
läfst« Setzt maa nämlich das Volumen deffelben 
bei o^ Wärme =^ i und bei n^ Wärme nach CeUl 
Scale = X + «> fo ift 

* l^ — y^* ~ <i26oooeo J •- y^* ~ tb6Qooo« 

0,000150354' . tT^ 

= ( x-f-0;00ooo52 . » + 0/Ooooooo3a . n^)*. 
( 1 + 0,000155554 . «+ 0,00000003a . n^y 
Das Glied 0;OQQi5554 . n hängt van der fcheinba« 
ren Ausdehnung des Oueckfilbers, die übrigen hän» 
gen von der Correction wegen der Ausdehnung des 
Glafes ab. Vernachläffigt man die fehr kleinen 
Glieder, und fetzt 

, log. /l = Ofü, 1 99877 — 4 log- C ±=r 0,0263379 — 1 1 
log, ß « 0,989649 1 — 8 log. D es 0,4947990 — i5 
io ift mit hinlänglicher Genauigkeit 

I^ür kleinere n kann man noch einige Glieder 
diefer Gleichuxig vernachläffigen. 

Diefe Gleichung, glaube ich, gilt fQr alleTem'* 
peraturen, fo lange das Queckfilber tropfbar -flöflig 
bleibt; nicht aber för Queckfilber im feften Zu- 
ftande. Doch fcheiüt mir hieraus auch das Volu* 
men des feften Queckfilbers auf folgende Art fich 
berJeiten zu laffen. Bekanntlich friert das Queck- 
filber bei — 4<>^ der liundertthei]|^e»i Scale; und 
iirt Augenblicke, da' diel'es gefchieht, condcuürt 
Aaiutl. d. PbyülL. B. 20. Sr.4. J. 130^. Si. 8- C 6 



E 4oa ] 

•s.fich fo bedeutend, dafs es nach den Bebbäch« 
tungen des Herrn 3 raun ♦) bis auf — 335}^ der 
biinderttheiligen Stale^ (das ift, 650^ nach dem de 
KJsleTchen Thermometer» deffen er lieh bediente,) 
herab (inkt. Hiernach uiufs in den Gliedern , wel^ 
che von der Correction wegen der Ausdehnung des 
Qlafes abhängen, n ^=^ — 4^'^» dagegen in dem 
Gliede, welches vom fcheiubaren Volumen des 
Queckßlbers abhängt, /» = — 333f ^ gefetzt wer- 
den. Gefchieht diefes> fo findet man aus der obi- 
gen Formel das Volumen des feften Queckfilbers 
in einer Temperatur von -^ 4^^ der faundertthei- 
ligen, Scale 
= ( 1—0,0000052 . 40 -f- 0,000000032 . 40*)* 

' X(i— 0,0000052 . 40 — 0,000 1 50354 • 333 J Hh 

0,000000032 . 40*) 

Ä 0,9494274. 

Ift der Siedepunkt des Queckfilbers bei 600'^ F. 
•der 315° ^*^^ bunderttheiligen Scale, **) fo findet 

^) Nach Sin Verfucben des Herrn R o u p p e in Ro^ 

teriiam, welche man in den /^nnqlen, I, 4^9« 
findet, fank das Quekfi]ber hei einer Kälte voa 
— • 49® F oder — 45" der hunderttheiligen Scale, 
(nach Anzeige eines mit Aeiher gefüllten Thermo* 
meters,) nur bis auf — 100* F., (-^^737** derhun* 
derttheiligen Scale,) herab. d. H. 

**) Nach den Verfucben des Herrn Crichton in 
den Annaleriy XVII, 212, Hegt er noch beträchr- 
i lieh hoher, über ^SS"" F. oder 346** der hundert- 
theiligen Scale hinaus« d. H. 



C 4o3 3 

fieh üach «einer Formel/ wenn «nrjn ihr „» 

315 fetzt» das Volumen d^s kochenden Queckfil* 

bers = 1,06235. 

Nach Briffpn beträgt das fpecififche Gewiclit 

des Oueckfilbers in einer Temperatur von *f- 17^^5 

der hunderttheiligen Scale 13/568 r. Daraus finde 

ich mit Hiüfe der obigen Gleichung das fpecififche 

Gewicht deffelben in 9^ Wärme =: 13/6078. Und 

dann haben wir folgende fpecififche Gewichte: 

des feftcn Queckfilbers in — - 40^ W, st i4/33S 
. des flüffigen Queckfil bers m o"" W. » i3fioS 
des kochenden Queckfil bers in 3i5^ W. sc is^Sio^ 

Herr Braun hat in einer noch gröfsern Kälte 
das Queckßlber fo dicht werden feben, dafs'es bis 
^uf — 900^, (1500° der de risle'fchen Scale,) 
Jierab fank. Da die wahre Temperatur bei diefem 
Verfuche unbekannt ift, fo wollen wir für die Cor- 
^ection' wegen der Ausdehnung' des Glafes n =5 
-^ 4^° fetzen. . Wird nun für das Volumen des 
Queckfilbers 72 = —- goo gefetzt, fo findet fich das 
ITölormen diefcs hämmerbaren Oueckfilbers = 
O/86425 und daher das fpec. Gewicht deffelben äs 

»5>745. *) 

*) Novi Comment* PetropoLp T^m. XI, p. 287 ^ 3»4» 

Häilßr. 



Cc a 



-1 



C 4o4 3 



\r.- -'• •>• '-»H" '»' 



Hauptfächliche jErklaruHg^ eYn%'^''pn&U' 
matijchen Faradoxoni '^^ " 



vom 



5> 
35 
5> 



3> 



C o m m i f fionsr a t n Busse. > 

Prof. der Math, und Pliyfik in Froibec^. 

A'' '- - ' ■ 

eufserft merkwürdig ift ciie Erfahrung, .die der 

berabmte engiiCphe Ei fenhüttenin elfter » Heri; 

John -Wi 1 k in-f ö n , vor mehrern Jahren a^ufüllt- 

ger Weife getnacbt hat, und zu. deren Erklärung 

,3unfre gegenwärtige Pne«Kna|ik ganz, unzulänglich 

ift. Er gerleth auf d^n^Eiiifa]!,^ «inen Bach mit 

einem ftarken Gei^e, zur Betreibung eines' Höh- 

„ofens zu benutzen, welcher 5^00. FuJ^, (nnge- 

,,fähr eine englifche Meile,) von der Sfi^^^ fsnjtfernt 

',, war. In diefer Abficht bauete er *ein,gi;L5:»fses ober* 

fchläclitiges Rad mit einer vollftändige^r Qyjinder- 

mafchine, und führte eine Windleitiu^g yoß 19 

Zoll weiten, gegoffenen, eifernen Rölurep von 

der Mafchine gerade nach dem ^Ofen. 'Als, .nun 

„die ganze Anlage vollendet war^ und man dq^erfte 

Mahl Waffer aufs Rad fchliig^ zeigte ^cbszum 

grofsen Erftaunen aller Gegenwärtigen, ^dafs die 

zufammen geprefsteX-uflCdurcU die kleinfteo^peff« 

nüngen und Fugen^,-». yo^it^ftgJich aber 4M**^h ein 

„mit Gewicht befchv^rte« yi.*jFi4il, (Wßfie vcUve^) 

„an d«r Mafchine felbft, eiUvtlfchtc, indefsau&der 






3» 
9> 



t 405 1' 



„ Oeff nüng am eiflf ernten Endr der RdBrdnleitungt 
„durch ein vorgehaltenes Licht nicht einmahl di^ 
M gerinjgfte Bewegung zu bemerken war ! — - Man 
t, verftopfte Irieraaf «Ue Fugen auf das forgfaltigfte 
9>und befohwerte das Ventil nach und nach mit fa 
»,viei Gewichtt dafs die verdichtete Luft foIche& 
jfgSLT nicht zu heben mehr vermochte, und das Rad^ 
),bei vollem Auffchlagewaffer» iich immer langfamer 
^, bewegte, bis es endlich ganz ftill ftand. Allein, 
^obwohl nunmehr diie Luft auf einen £0 hohen Grad 
,, verdichtet war, dafs ihre Elaftidtät der ganzen 
^vorhandenen Klraft das Oleichgewicht hielt, fo 
^war doch an dem entfernten Ende der Wandlei« 
^tüng noch nicht der fohwäcbfte Luftzug zu fptt* 

r^n. Natarlicher Weife entftand jetzt die Vermu« 
„thüng, da£s*die jRöbrenIbrecke an irgend einer 
^Stelle durch einen Zufall verftopft wäre} und, um 
^diefe Hypothefe zu prüfen^ fteckte man in die 
„'Möndnngder Wlndleitui>g bei der Mafchine eine 
,^ lebende Katze, we]k;he» nachdem ihr der Rück« 
',^weg verfchloffen ward, ' nach einiger Zeit, ah deni 
'9, andern offenen' Ende, (von welchem das enge 
„Bl^ferohr abgenommen war,) unverletzt herauf 
,^kam» folglich die ganze Röhrenleitung ohne Wi- 
„derfttod durchlaufen hatte f — Nunmehr gerieth 
9, man zuerft auf die Vermuthung , es mQffe in der 
^Xiänge deif Röhrefti felbifc» eine bisher unbekannte 
^Urfache dieCer fenderberen Erfcheinnng liegen; 
,,und um fich hiervon zu fiberzeugen , liefs Herr 
„Wilkinfon von dem äuüferften Ende an bis zur 



9> 



' C 4o6 1 

ifMafchine in einem Abftande vdii 3^ ^u 30* Fuf« 
t, Löcher in die Röbrenleitung bohren, da dana 
„ erft in einer Entfernung von 600 Futs von dei 
99Marchine ein fch wacher Liifti'trom zu bemerken 
j,war> der allm^hlidh lebhafter und ftarker vt^ard, 
,)in dem Verhältniffe, als die Oeffnungen fich des 
9,Mafcbine näherten/' 

5,Ich überlaffe es jedem öelehrten, die phyfi* 
^^fche UrXache diefes Widarftancles, oder vielmehr 
sddiefer gänzlichen Tilgung einer bewegenden Kraft 
9, zu erklären, oder das Gefetz theoretifch aufzufin- 
9t den 9 nach welchem der Widerftand einer durch 
i».eine lange Rohrenleituns bewegten Luftmaffe 
^mxt der Länge derfelben zunimmt. Meine eig- 
^^nen Gedanken und Muthm^fsungen über diefen 
i^Gegenftand hier vorzutragen^ würde eben fo un- 
),befcheiden als unnütz feyn. Viel weniger würde 
i,ich es wagen, mich in dieanalytifcheUnterfuchung 
9, einer fo äufserft delikaten und verwickelten Ma« 
.,terie eipzulaCfen./V u, f,. w, -— -"^ (Aus des 
Herrn Landesdirectionsrathes Baader Bejchrei^ 
^ung und Theorie des englifchen Cy linder geblüfesy 
München 18^5; einer neuen, fehr beachtungs'wer- 
then Schrift diefes rühmlich bekannten Mecha- 
nikers, ) 

Ebenfalls fchon in der Vorrede, Seite XI, wird 
auch von ihm beigebracht, dafs „fdibft die mäch« 
9,tigfte aller Wettermafchinen , die Wajf er trommele 
II nicht aber 60 Lachter weit bläfet.^^ 



C 407 ] 

Auf soo liSohter bat fie im biefigen Erzgebirge 
cinrch nur zweiböhrige Röhren , (c{ie nur 2 leipzi«» 
ger Zoll im liebten Durcbme£fer haben,) noch 
ziemlich ^at gewirkt; nach dem Buche: Bericht 
IHim Bergbau y Freiberg X796; auch noch auf 500 
und auf Z009 Lachter, wofür ich zwar dieRöhreu- 
darchmefrer fo eben noch nicht mit Gewi£sheit än<i 
zugeben weifs: aber mehr als höchftens dreizöilige 
bat man fcbwerlich daran wenden können; und an 
weitere Lotten, die für den hier entftehenden VVi- 
derftand luftdicht genug wären,* wird man auch' 
iilcht zu denken haben. 

Indeffen bleibt es auf den erften Anblick fon« 

derbar genug, warum die Luft, ein fo ä'ufserft 

fiöffiger, und ftark zufammen gedruckt, ein fo fehr 

elaftifch regfamer Körper, nicht durch noch längere 

Strecken fich merklich fortdrQcken läfst, oder felbft 

auch fich fortbewegen hilft. Noch auffallender ift 

es, dafs auch ziemlich weite Löcher, durchs Ge- 

ftein in die Tiefe gebohrt, obgleich auf ihre untere 

Mandung die Luft um ein beträchtliehes ftärker als 

auf die obere drückt, dennoch fo gut als gar kei* 

neb Luftzug gewähren! Diefe Erfchoinung im Klei* 

den ift noch auffallender als jene im Grofsen, weil 

bei der fchwachen Bewegung, die man hier nur 

verlangt und erwartet, der allgemeine Sundenbock, 

die Friction , nur wenig auf Geh nehmen kann^ 

Seit meinem Hierfeyn mit fo vielen mir neuea 
Unterfuchungen überhäuft, war ich noch nicht da- 
zu gekommen, diefen Gegenftand dynamifch zu 



C 408 3 

betrscht^ji; ^ Wäre das* eher gefcheb an t ^aoeh * 
ip leicht uAdvorjäufiig, als ich hier es nun mittl 
J«p wer^i^r^^ H^ it^fa -follte doch vermatfaeir, drflj 
ich dergleiqltkea.^rfchernuDg, als in England einge^ 
tretep und €k>rtgaq^ unerklärt geblieben ift, jckov 
aprioTiy von Seiten «der Theorie her» Tonuis g«- 
fagl; hätte. »-^ 



•* >'^* 



».» * 



Eind^^Hmlrifche Röhre ^it kpnzontaler Acfafe 
öS L Fuüs , und dem Querfchnitte = W Quadrat- 
fiifs, halte "Msss'LWKuhiktixis gewöhnlicher Luft, 
von welker, der Kubikfufs ;=.X Pfund wiege^ fo 



;• yunj■^r 



iftMV = LirX<las Gjewieht der iammtlicheii Luft 

v»»-;i i' 'S. '■ ' 

inderKöBre.^ 

' Die Klafticijtätshöhe diefer freien» nur von der 
Atmofphäre fdbft zu/ammen gedruckten Luft fey 
2= a FuCs ITaj^i^erböhe, (der Kubiiaufsf yV'jUIef- vviege 
yPfund,) * ' ■ 

und = ».e Fofs fey die W^afferhölie , welche 
der Elafticität eines tiuftftrqnis zugeliört^ der durch 
die vordere völlig freie Oeffnung der Röhre in fie 
eindringen foll j fo ift P, =:(»—• i ) ^e . Wy, das 
Itatifche Maafs der Kraft zur Bewegung der I^uft* 
maffe M im erfien Augenblicke des Einftrömens» 
wenn wir der Kürze wegen uos diefes Einftrömeu 
zh plaiz^Iich irorhanden voriteü&n. ' Sog^ich »ach 
diefem erften Augenblicke ^her treten. Bewegungs- 
hindemiffe ein , dereii hydfqä:ali[cl|.e Widexftaad&* 
l^öhe durch & « e benaant 9 »«^ 



C 409 1 

I 

skiSiar tiöoli P^^{n -— ■^I— •- h) e Wy übrig laffen wflrcfe^ 
-äjgafetzt auob, dafs die Luft in der Röhre nicht ver« 
r,i4sKrfitet wiiftde. Weiki daher v die^efchwindigkefC 
c^er un verdichteten Luftmaffe M' genannt wird» fo- 
Jf,1iat man, "(unter g die freie Fallhöhe der erften Se- 
il cundje verftanden ,) - 

.fQr den Endpunkt einer io kurzen Bewegungsseit 

i^ dafs während derfelben nicht nur i, die Elafti* 

^ cilätshöhe'der Maffe M unverändert sn i . e, fon^ 

^ dern auth a. der Maffe Af Gewicht unverändert 
^. , - Vij • - 

^ ::= M . X geblieben wäre. Die^ Widerftandshöhe 

^ J:.e aber würde auch, unter diefen beiden Bedlngun- 
J. gen, als eine veränderliche GrOfse zu betrachten 
feyn , die fo ziemlich dem Quadrate der Gefchwin- 
cBgkeit proportional wächft. 

Um für das ausgebreitete "Publicum diefer Zeit- 
fchriftdas Hauptiächlichrte meiner Erklärung ohne 
alle künftliche Integrirung anfchaulich zu machen» 
fey t nur! eine fö kleine endliche Zeit, während 
welcher nicht nur die beiden Forderungen i. und 
2. ziemlich wahr bleiben, fondern auch 5* f^^ J^ 
eine mittlere conftante Zahl ohne merklichen Feh-» 
1er gebraucht werden kann ; fo hat man 
17= 2 g" — 2; — • ^ T" ^ am Ende der kleinen Zeit ^, 
und die wahrend eben dlefes i von M durchlaufene 
Raumslänge 

^ -^ ff • — X — . <? . X • ^^• 

AIfoiftjr.S.X=:«'.^'i^^.e.7^^dasGewicbt 



'^^y 



C 4sö X 

f}er Xjuftniäffe> welche während diefes ei^ften i aus 

der Röhre hinaus getrieben wird 9 indem, wir au^b 

an ihrem hintern Ende uns dietelbe frei geöffiiet 

denkexi wollea. 

• ■ . ■ • ■ 

Hinein getrieben durch die vordere Oeffaung 

wird eine n Mahl dichtere Luft mit einer Gefcb win- 
digkeit, die dem Ausdrucke cT unterworfen feyn 
inuiS) wenn c die Gefch windigkeit desjenigen Be- 
harr ungsftandes bedeutet, der unter den Bedingun* 
gen I» 2, 3 eintreten würde, und T eine folcho 
Function von t^ die bei diefem Eintritte gerade == ^ 
würde«. Allerdings wird man durch Vergleichung 
Shnlicher Fälle , felbft auch aus der Mocfaanik fe«r 
fter Korper, fchon einfehen, dals wegen des zu« 
nehmenden Widerftande^ der Bewegungs^iinder« 
niffe, der Beharr ungszuftand erft nach einer un- 
endlich grolsien Zisit, das heifstf niemahls völlig 
eintreten könne; zugleich aber weifs man auch, 
dafs wegen der quadratifchen Zunahme diefes Wi* 
derftandes, fchon in ßhr kurzer ?eit eine Qe* 
fchwindigkcit eintreten kann, die der Beharrungs- 
gränze äufserft nahe kommt « wefshalb auch in fehr 
kurzer Zeit fchon jT = J werden kann. Eben die- 
fes wird uns rechtfertigen^ dafs wir fchon oben, 
und felbft auch für die drei fchon genannten Forde- 
rungen, ein plötzliches Einftrömen annahmen. 
Wird nun in diefer Hinficbt die Gefch windigkeit 
der einftrömenden Luft fchlechtbin :;=:= c genannt. 



d 4«. ] 

to ift W.ö.nX^ das Gewicht der tuftmajfe, welche 
Während des erßen i in die Röiire einfirömi. 

Wenn daher W . c ,>n\t> W . g "— [; — eyip 
ift, fo dringe während diefes ert'ten t in die Röhre 
mehr Luft hinein ^ als aus ihr hinaus gehts und 
diefes ift der Fall, wenp L>^ . ""^iT *^ -.T^*^** 

Hierin ift e ctiva S^^ufs: mag nun auch'cum 
ein beträchtliches gröfser als gss^ 15/625 Fufs fbyn; 
der zweife Factor — wird für das erfte i: 

nicht fo gar viel kleiner feyn als i ; der vierte -r- aber 
ift eine grofse Zahl, etwa 85^- Wenn man daher 
nur auf die effifen vier Factoren achten wollte , fo 
würde es fcheinen, als ob L eine ganz beträchtliche 
Gröfse haben könnte, ehe der erwähnte Fall ein- 
träte; und diefe Läüge ^drJe noch vergröisert 
werden, wenn man die 'Einftrömungsöffnung, die 
wir hier der Röhrenweite völlig gleich genommea 
habien , etwas kleiner annähme. Bedenkt man aber 
fOr den letzten Factor Sy dafs die Bediogungen i, 
22 und 3 defto vollkonfimener Stattfinden, je klei« 
ner ^ genommen wird, dergeftalt, dafs alle bishe- 

rige Folgerungen, falls fie fchon für -^ = jl^ 

Secunde» ziemlich richtig wären, dann für-pSfleQ 

oder 7" = T5füo i^ noch hoherm Grade richtig 
werden mQfsten; fo ift durch obige Betrachtun jjen 
der merkwürdige Satz dargethan ; 



Die Länge L derKöhtt iA9g:jiocli fo unbetrSehf^' 
tich feyn, fo wird dennoich. Wenn man' xmr daf; er* 
fte ZeittheilchttU r.liloläog}h;h klein ^aumtutiit, wäh* 
rend dfittihe^'m^hr Lifft in die Rlikt^ hinein y als 
aus. ihr heraus gehen. Folglich wird Vi^hfend die- 
fes erften Zeittbeilchens die Luft in der Rühre ver^ 
dickiet. : . . 

Die . Anhäufung der Luftmaffe in der Rohre 
niufs zur Folge haben ^ dafs diejenige Gefcbwindig* 
keit Vy welche in einem zweiten ZeittheilcheiT 

^ z=z i erzeugt wird, nur dn yf z=z fzg — ^ — . 

.. ■ - ... 

-TT er ausmacht, welche fchon defshalb, weil 
q > i ift und irgend ein ^ > li^a^ich im Nenner 
vorkommt, kleiner. als v feyo muls^^.za g«fch,wei- > 
gen , da£s auob h «Mfegea .d^ aeifm. Oetchwiiidigr. 
keit^zuwachfes vergNMJI^ wird, r?, .., ^m - • 

Auch in dWfem^WjeijteD Zeittheij|t^cbei^ y^f<K in 
die Röhre hinein^ . ^p^ l^ft u\s »us ihr .heraus 
treteny wenn auchL > -j: . ^""^^üU ' • -^j^- j^^' ift, 
wo ^^ das gröfser gewordenj&yÄ bedeutet, und V> die 
imitiere ' Gefehwindigkelt des Einftromeos wäh* 
yend ^. -,•• -r,,,. :■: 

Offenbar genitg kann nun L fo grofs genommen '^ 
wdrden, dafs nicht nur in dem zweiten und in tneh- 
j-orn folgenden Zeittheilchen der Gefchwindigkeifs«- 
Zuwachs immerfort kleiner und kleiner aurfallea 
mmfsy fondern auch die Summe diefer fämmtliohen 
GefchwindigUeiten nur eme geringe Grö£se aus- 



C 41S i 

maclit) Sb dem Augenblicke^ 'da Tcegen'cfer anga* 
wachfeoeo q und ^ der. Oefcly^irindigkeitszu wachs 
gänzlich ayfbört. Diefes Avird auch uiu fa mehr 
bei einer fehr uojbetritchtliche.n- GefcbwiiKBigkeits-^ 
fumiiie eintreten können , ^eil dieV?id«iftaiidsh'aha 
1i nicht bloüs mit d^r.GefcbwipiU^keit;^f0ii21eMiauch 
mit der Verdichtung der Luft zunimmt. .>v,*^ 

Hiermit iftvAun meines £i-achtfnsf|as Haupt* 
fächliche der oben j^qgefQhrten Erfahrung erkJärti 
und ihre Mögli(;hkeit durch Schlaffe dargethan, di© 
fchon bei einer mafsigen Bekanntfcbaft mit den er- 
ften GMnden der höhern Mechanik einleuchtenct 
v^erden./ ' 

Um über düß'Dinlenfionen der Leitung und die 
Grö&e iürer-Wiifktfrig^ zu rechnen, dazu find cVi^ 
hier feBratifeftieiHBWSUrtfcke ufid Formeln bei wei* 
tem nicht beftimmt uitdi^mTläMlldi genug abgeiFafst. 
Für uftrtittSg' aber d^^an «. B.'den obigea 
Ausdruck des ^j^iebt eWa d^fsbalb erklären/ weil 
er von dieryEöbrenfe^to^ unabhängig fey. Er ift 
diefes fchon darum^mchti weil h mit Verengerung 
der Röhreugröfeef^ärirdr- Üebor dies ab^r wird je* 
he Abhängigkeit gar fehr vermehrt, wenn man dia 
gar zu einfache Vorftellöftg veYläfst, dafs dte'^Oeff- 
»ung, durch welche der Strom eindringt, völß'g 
eben fo weit als die Röhre felbfüfe^ So bald ffd 
kleiner ift, wie es in der Wirklichkeft alle Märbl- - 
der Fall .feyn wirdj fo kommt däön für den Oe- 
fahwjhdigkeitszu wachs und daher auch für L inüe-^ 



[ 4^4 3 , 

\ 

I 

traclit, dafs der kubifche Inhalt der R&hre nUr ih* 
Yem Querfchnitte einfach propöirtional tt^cAyi^, das 
Trägheitsmoment ihres jedesmahligen VVgfferinhaltl 
aber dem Querfchnitte quadratifch prö|>ortional ab* 
nimmt» Da man es ^un bei einer langen Röhre mit 
einer fehr verdichteten Mh ff e zu thun hat, fo cr^ 

i 

hellt auch hieraus, dafs die Erweiterung der Lei* 
tung.gar fehr zi^r Vermehrung des Luftzuges bei- 
tragen kann. 

Uebrigens ift leicht einzufehen, dafs auch ein 
beträchtliches Wafferrad, indem es einen ziemlich 
weiten Kolben treiben mufs, durch ein wei#körze* 
res L zum Stillftehen gebracht werden kann, als 
«ine Waffertrommel von hohem Gefälle und enger 
Ausmündung. Daher ift es keine neue Sonderbar«' 
keit, dafs in England die Luft nicht 6000 Fufs lang 
fortgfeblafen wurde, da es doch bei uns durch ei<* 
ne Strecke von 1000 ' Lachtern , alfo 7000. leipzi* 
ger Fufsen, wirklich gefchehen ift. 

Ueberhaupt ift bei einem Rade die ftati/che 
Kraft nicht fehr grofs; wefshalb es auch durch einen 
ifiicht fo gar grofsen Widerftand gehemmt werden 
kann, wenn feine mecbanifche Kraft nach und nach 
vermindert wird. Vor Druckwerken, von einem 
beträchtlichen Wafferrade betrieben, wenn fie nur 
einen grofsen \Vindke£fel haben, kann man hän« 
fene Schläuche von mittelmäfsiger Gute verichlio« 
fsen ; fie werden nicht zerplatzen , fondern das 
Rad zur Ruhe bringen^ Die gar zu langen Lei tröh- 



C 4.5 3 

r#n eines IiuftgebläfeS) in welches weit mehr Luft 
'■ hinein getrieben ilt, ah ans ihnen während eben 
der Zelt heraus ging, wirkt wie ein grofser Wind« 
keffel zur Hemmung des Rades. Sie ift ein VVind«>. 
keffel, der in der hintern Oeffnung derRdtire frei«» 
Hch offen ift, aber l$ngs einem beträchtlichen hin« 
tern Theile der Rdhre durch die Dynamik in einem 
hoben Grade trerfchloffen wird, der fich der vöUi- 
gen Verfchliefsung allenfalls ohne Ende nähern 
kann, aber diefes noch nicht iiöthig hat, um dad 
grofse Rad zur jRuhe, oder doch zu nur kleinen., 
periodifchen Bewegungen herab zu bringen. 

Wenn aber bei einer gut eingerichteten Waf** 
fertrommel die einftrömende" Kraft lange genug an« 
hält, fo gewinnt die in einer mittlem Gegend der 
'langen Leitrohre am ftärkften compriniirte Luft Zeit 
genug, um die viele Maffe jenfeit jener Gegend 
bis ans Ende der Röhre hin^ in eine ziemlich« 
Gefchwindigkeit und in einen brauchbaren Behar« 
^ rungszuftand zu bringen. Woher es kommen kann^ 
diSs diefer Zuftand durch einige Verengerung der 
Ausmündungim hintern Ende der Röhre verbeffert 
•wird; diefes kann aus den obigen Vorftellüngen 
vrohl defshalb noch nicht erklärt werden, weil fie 
nurifehr allgemein das Häuptfächliche darftellen» 
und auf die elaftifchen Wallungen und denCompref* 
fionsgang in den einzelnen Luftfchichten der Röhr# 
fich. noch gar nicht einlaffen. Ich habe in der üe^ 
berf€hrift diefes Auffatzes nur eioe Erklärung der 



C 4i8 1 

■« 

lles^^ls den wahren SchlüfCel zur Einücbt in die Na- 
tur, anpreifen hörten ttnd dafs er es fein erßes Beßre* 
ben Ceyn liefs, den Standpunkt der Glückliqben zu um* 
leuchten , in dieren Speculationen die J^atur iich felbS 
au&fpricht) das "war Tebr natürlich. 

„Als ich das Vergnügen hatte, in Halle Ihre Ba* 
^„^anntfchaft zu machen/* (fchreibt er mir in einem * 
feiner geißreicben Briefe)) ,, kam ich eben erA nach 
,, Deutfchland, .und wufste fchlechterdings nichts von ; 
„Fichte und Scbelling: die Namen diefer deut- l 
„fchen Philofophenbäupter iind nicht in das Ausland I 
„gedrungen. Ich -war daher unfähig, einige Ihrer Aeu* j 
„fs^run^en zu Terfiehen. Seitdem habe ich aber den i 
„SchlüCfel zu allen den Herrlichkeiten erhalten, wel- 
sche von Jena ausgegangen find. — — -— Als ich 
„ fah, dafs es smch äaf die Chemie abgfefehn Cey.« konn- 
„te ich oieine Indignation nicht zurück halten» und b 
„ entßand der Auffatz über die WinterlTche Chemie 
„und die fo genannte NaturphiJofophie, den &\e in den 
^^ Annales de Ckimie, Floreal, An 12, (Mai 1F04,) und 
„in den Pliilofophlcal Transactions. for 1804 gefunden 
„haben. Ich bähe mich darin zwar nicht fchonend aus- 

„gedruckt, doch Seitdem iß mir die deutfche 

„ üeberfetzung der Mineralooie des Herrn Hauy, Ton 
J.Herrn Karßen, in die Hände gekommen. Z^ar * 
. „läfst fich diefe Wiffenfchaft nicht mit der Chemie ver- 
„gleichen, aber doch halte ich, obgleich felbfl ein Zog* 
„ling der Freiberger Schule, das Werk des Hrn. Hauy 
„für eins der vortrefflichften der neuern Zeit Im erßen 
„Bande der deutfchen üeberfetzung Hndet fich ein Auf- 
„fatz eines gewiffenMagißers Weifs in Leipzig, worin 
„gelehrt wird, die Welt laffe fich auf Null redudren, 
„einKryflall fey aus Polen zuCammen gefetzt, ein Punkt 
„fey einWinkd ohne Seiten, und was desUnfinns mehr 
,,ift. — — . — Dafs ein gefchätzter Mineralog zugeben 



C 419 ] 

^Konnte) dab To ttwas d^in Werke des Herrn Htuy 
9) eingemengt werde«, verdiente eine öiFentliolie l\öge| 
ifUnd veranlaCste mich zu einem zweiten Auf falze, der 
^1 jetzt in den Annales de Chimie und im Journal des Hrn« 
^Tan Mons abgedruckt wird« Sie werden darin auch 
^manches, über die deutfohe Seh} iftßellerei und die 
),deutfchen Mineralogen iinden. Er wird mir keine 
j, Freunde machen; es fcheint mir aber nicht minder 
I, verdienfiiicb zu fejrn, Verirrüngen in den WilXenfchaf- 
^iten unverhohlen aufzudecken « als utifre KenntnifCe 
)) durch «neue Entdeckungen zu fa|^eichern. Mögen 
),übrigenK die wahren Gelehrten in Deutfchland über- 
^ zeugt feyn^ dafs ich durch das, was ich bemerkte und ' 
^rügte, ^^^ ^c meine Achtung nicht verloren ha» 
,) be. «- -^^ In einem der letzten Hefte des zu Berlin 
^ tfrfcheinenden allgemeinen JournaU der Chemie« hat 
^^es fich Herr Gehlen erlaubt, bei Gelegenheit einU 
^,ger Anal yfen der hallifchen Thonerde, Herrn .Four» 
^proy fehr viel Grobheiten zu fagen^ unter andern t 
^er habe unter feinem Namen eine falfche Angabein 
5, die Welt gefchickt. Ich befchäftige mich jetzt damiti 
^diefe Analyfe zu wiederhohlen, und werde, wenn 
• ^ich das Kefultat derfelben bekannt mache, einiges über 
^ 4ief^^ V^^'f ^^^'^'^ fagen. Schon mehrmahls iA in die* 
^tem Journale etwas, wie ein allgemeines Aufgebot 
■ Jfür die Winterrfche Chemie, erfchienen, und dasJour- 
^nal fcheint ücb immer mehr zu ihr hin zu neigen« 
,,Soiltcn die Herren Klaproth, Hermbftädt, 
^Richter, Scherer, Trommsdorf, u. f. w., 
,, deren Namen auf dem Titel fteht, wirklich an den 
,, Meinun^^en des Herrn Wi uteri Theil nehmen? und 
^ift das nicht der F<il], wie können ße es zugeben, dafs 
. ,,nian diefes auch nur meinei" 

Diefer eij^neti, aus einem freundfchaftlichen Briefe 
cntlebntea Natiz des Verfaffers von den tilgenden Auf- 

Dd a 



C 4*o ] ^ 

« . . . 

f ätzen I fäge icli nur noch ein taar Bemerlsungen bei 
Ich unternehme es eben fo wenig, alle die fcharfen ü^ 
theile.und die Tchneidenden Aeufserungen, ^velche^ 
brittifche Naturforfcher in feinem edeln Un^nilen * liiii' 
^rft, zu rechtfertigen, als iie zu tadeln; Tielleieht war 
er überzeugt hier fey ein Fall , wo allein eine fiaib. 
Medicin helfen könne. Sie fehienen mir indefs in qs* 
ferer Mutterfprache noch eindringender zu werden; 
und debhalb habe ich es mir erlaubt, Ce hin und wt 
der zu mildern, und fo weit es möglich war,. das weg» 
^ulafTen, was das ^nfehen haben konnte, mehr gegei 
die Perfon , als gegen die Sache gefagt zu fe jn, Die(ei 
■iß befonders im zweiten Auffatze in Beziehung desHn* 
geh. Oberbergr. Kar ften gefchehn, da er für die 0» 
Aivenz, mit der er die Ueberfetzung eines jungen Mifr 
»es, der, wie Herr Chenevix zeigt, der Sache flieh 
gewachfen war, unter feinem Namen gehen liebf ml 
mit der er deffen naturphilofophiftifchen Träumerde« 
eine Stelle in der Ueberfetzung einräumte, vieüeieb ; 
mit allzu viel Bitterkeit behandelt wird, die Herr 
Hauy felbß, in Briefen an ihn, mifs billigen zu in&IIeA ^ 
glaubte An Stellen , 'wo ich nieht ^vünfchte den diih .. 
cleften Zweifel zu lafTen, in wie weit ich das Origiiul 
richtig wiedergegeben habe, ündet man dittles- Iplbt 
hinzu gefügt. 

In fo ferp, (wie ich daran nicht zweifele,') iuch 
Egoismus und falfche Buhmfucht, fondern reines Be- 
ßreben nach Wahrheit Herrn Profeffor Winterl in 
Pefth leiteten, werden Billigdenkende ihm alle Ach- 
tung zukommen laffen, auch 'wenn Iie von feineiL Leh- 
ren kein gunftigeres Urtheil füllen follten , als der brit- 
tifche Naturfprfcher. Wer feit einem halben Menfchen- 
leben aufser wiffenCchattl icher GomeinfchaU, und oh- 
ne Ideentaiifch mit andern, die daffelbe Fach betrei- 
ben) geforfcht Und nachgedacht hat^ ift, je mehr Phan 



[ 4" ] 

taCe und ScharFfinn ihm zu Theil wurden ^ in defto grö- 
Cserer Gefahr, Sy&eme zu fchafFen und Lehrget)äude 
aufzuführen ) denen ein Unbefangener Tielleicht auf den 
erfien Blick 'die luftige Natur anüeht, inde£s er felbftf 
der Geh an die Täufchung allmählig gewöhnte , der Ce« 
.Ben Meinung feyn kann, er habe auf Felfen gebaut« 

Ob Hr. Chenevix die fo genannte Naturphilofo- 
phie^ wie iie in Jena und dem füdl ichern Deutfchland be- 
trieben wurde, und vielleicht noch betrieben wird, mit 
irahren oder mit yiel zu grellen Farben fchildert, das 
weifs ich nicht; fo viel Ccheint mir aber ausgemacht zu 
feyn, dafs, wenn man den Grabgefang der alten PhyCk^ 
und' das Triumphgefchrei über den Sturz der mathema«/ 
tifcben Phyfik, welche der Natur Armfeligheiten andichte^ 
die nich in ihr find, in einer geachteten litterärifchen 
^itfchrift wiederhohlt; im Ernfte angeftimmt hört, *) 
itnd die erfreulichen Zeiten eHebt, wo man den berüch- 
^gren Romanfchreiber Retif-dela Bretonne we- 
gen der herrlichen pfayGkalifchJen Ideen in feiner Philo^ 
faphie de Mr.^ Nicolas als den wahren Naturphilofophen 
Frankreichs brüderlich umfängt, und mit ihm vor dem 
JPublicum fraternilirt; **) dals zu einer folchen Zeit die 
Stimme emfter Wahrheit, wie igaan fie in den folgenden 
Auffätzeii hört, recht an der Zeit ifi. Und das vielleicht 
um fo mehr, da der, welcher in dielen AufTätzen redete 
pitr hoch geachteter Gelehrter des Auslandes ift, den 
dfer Dürft nach Kenntniffen nach Deutfchland führte, 
und der , in fich felbftlländig, über alles kleinliche Trei- 
bhn in'^er deutfchen Gelehrten -Republik hoch erha- 

ift. Gilbert. 

*) Man fche unter .andern die Recenfion von Hm. Hauy*f 
Phylik in der Jenaer allgem. Litt. Zeitung, März igo5. 

**) Man feklB die Recenfion disfes Werks in d^r Jenaer 
allgem* Litt* Zeit., iSo5, No. 120. 



C 422 ] 

f 

I. 

BEMERKUNGEN 

über ein Werk, welches den T itel führt: Ma* 

tarialien zu einer Chemie des ueunz^ehntem 

Jahrhunderts , herausgegeben vom Dr. 

J. B« OerJled, Kegensburg i8o3; 

von 

• Herrn Chenevix, 

Hitgl. der Londner Soc.', der iriTchen Akademie» u. f. w. ') 

JL/iefes Werk ift nur ein Auszug aus einem grö^ 
fsern lateinifcheo Werke des Hrn. Winterl, Prof. 
der Chemie und Botanik zu Pcfth in Ungarn , wel- 
ches den T* itel fahrt: Prolußones ad Chemiam Sad- 
culi decimi noniy Budae i^oo,**) Hr. Oerfted 
präludirtperfdnlich durch eine Vorrede, in «welcher 
er uns beaacfarichtigt, Lavoifier^s Syftem fey 
unvollkommen , weil es die Fragen nicht beantw'or« 
te: Warum fattigen Säuren und Alkalien einander? 
Welches ift das allgemeine Princip*der Metalle? 
und andere Fragen ähnlicher Art. „Während La» 
„voifier feine Blicke nur auf eine kleine Portion 
ajder Wiffenfchaft heftete, bat Herr Winterl dan 

*) Annales de Chimie , Floreal y .4« 12, (Mai l8o4>) 
t. So, p. 173 — »99; 'i'^d ^hilofophical transactions 
of theP^oy» Sog. of London for i8o4> P« 2» d. /#• 

**) Die Mäfsigung, mit welcher Guyton in dem 
ihm aufgetragenen Berichte an das National- In ftitut 
Ton diefem Werke redet, [^Annaien. XV, 49*' J «od 
die Geduld, mit der er es geprüft hat, find zu be« 
wundern. Cheaevix. 



[ 423 ] 






^Univerfum in feiner Anficht umfafst. Er ift einer 
de^ feitenen Männer, die mit hellen Augen jede 
merkwürdige Aeufserung der Natur verfolgen, 
bis fie fie verftehn. Er geht nicht von einer Er- 
fahrung zur andern, fondern von einer Erfahrung 
5, zur ganzen Natur. In den Bodenfätzen , welche 
5, die gewöhnlichen Chemiker wegwerfen, nachdem 
^,fie ihre Reagentien bereitet haben, hat diefer ein? 
5, dringende Geift den Stoff aufgefunden,, der uns 
yydsLS Geheimnifs der Mifchung der Metalle, der 
„Erden, der Alkalien, der Luftarten , u. f. w., auf- 
„fchliefst DerPefther Profeffor ift viel mehrBeob?^ 
^achter als Experimentator; folite es uns auch fchei«^ 
^,nen, er habe ficb in feinen Verfuchen geirrt, fo 
„kann das doch feinem Syftem nicht fchaden. Der 
9, Fehler liegt in uns; die Natur hat uns alles ge- 
9,meinfame Maa£B mit Herrn Winterl verfagt, 
„und es fehlen uns die Mittel, ihn zu beurtheilen. 
,^Um in den Thatfachen aufzuräumen, und alles 
„ins Helle zu bringen, wird, wie Prieftley, .fo 
„auch Herr Winterl feinen Lavoifier finden/* 
Dies hofft Herr Oerfted; fchwerlich möchten 
wr aber, wäre Prieftley ein Winterl gewe« 
fen, einen Lavoifier gehabt haben. 

Herr Winterl verlangt, dafs man ihn nicht 
verdamme, ohne feine Verfuche zu wiederhohlen. 
Ich werde feine Refultate auf ficlb beruhen laffen, 
tiis ich den Verfuch bei diefer oder bei einer andern 
Gelegenheit werde angeftellt haben. Seine Ver- 
fuche, feine Refultate und die Folgerungen, wel* 



che er aus ihnen zieht, ^fprechen indefs f^r &A 
fcbon deutlich genug;. 

Fon dem Säureprincip. ,,Es giebt.ein Priaafli^ 
syderAcidhät niid ein- Princip der Alka/itäi oder der 
jyBafeuät. Beides find entgegen gefet/.te Kräfte 
>,die (ich nach gewiffen Verhäitnifl'en aufhebe^i 
:^Wenn mau ein Salz, das ein flüchtiges Principba^ 
i,in ein^r VV^rrae zerfetzt, die geringer als die Gl§« 
»»hebitze ift, fo fcheidet ßch das Süchtige Prindj^ 
,,(es fey Säure oder Alkah,) in eititm fiumpfen 
,,Zuftaiide ab> und hat alle feine Charaktere verb* 
„ren. So die fohweßlge Säure aus der Pottafcbej 
9>fo die Köhhiifäure aus dem kohIeDfai>ren Kalke» 
^LetZttere iß außöslicher im Waffer als die gew^ 
^y liehe Kahlenfäurey trabe das Kalkwafjery Üfi 
aber den fa gefölhe» kohlenfaurenKalk nicht wkr. j 
der auß X>as boraxfaure Aaimoniak verliert bei 
i&o^ F. etwas Ammoniak, wirkt dann.9ber.iudit. 
auf den Veilchenfaft^ bei 3oo'' F. entweicht alles 
Ammoniak » die Boraxfaure ift dann aber keke 
syBoraxfSiure mehr. Einige Säuren laffeo fich voa 
ihren Bafen durch das Feuer trennen. Salzfiturt 
Magneßa giebc in höhern Temperaturen Kohleu* 
^yfuure und Stickgas; ein Tb eil der Kohlen fäure 
»bleibt in Verbind|ihg mit der M^gnefia^ fa wie 
„auch noch un^erfeä^te Salzfäure." 

„Es hat mehr Schwierigkeit, die Alkalien abzir 
„ftumpfen. Das befte Mittel ift, fie an eine Me- 
„tallfäure zu binden,- und ein Metall falz hinzu, zm 
,^ fetzen,, weipl^e^ der Säure einen Theil d^ Sauer^ 

• ' '.%.;> ,.■11.1»'-'»-' 



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99 

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[ 4a5 ] 

^>ftoffs entzieht, der fie Dauer macht Sie verlä&t 
9, dann das Alkali und man erhält ein fades oder 
P^ftumpfes Alkalu Verpufft man fchwarzes Braun- 
5,fteinoxyd mit Salpeter, löft den Röckftand in VVaf- 
„fer auf, und fetzt etwas Silber, Queckfilber, Blei, 
9>Zinn oder Zink, (nicht fo gut Eifen,) zi^,* fo er- 
„hält man abgeßumpftes Kaliy welches flüchtig ift 
^,und merkwürdige Eigeiifchaften hat. Giefst man 
^,fades Kali in, Kalk wa ff er, und ßltrirt, fo bleibt 
^yfader Kalk auf dem Filtro, ^der ohne Gefchmack, 
^, minder auflöslich als der gewöhnliche Kalk, und 
9^Uchng ift. — In der Hitze zerfetzter falpeter- 
9,faurer Baryt behält einen neutralen Gefchmack; 
„ er ift fiumpf* " 

„Ein lades Alkali giebt mit einer faden Säure 
9, genau daffelbe Salz als beide, wenn fie nicht abge« 
^,ftumpft find; eine voUftändige Säure wird durch 
„eine fade Bafis aber nur wenig abgeftumpft '^ 

^Unter gewiffea Umftänden wird eine Säure 
5, durch die Bafen entoxygenirt; und dann ift fie im- 
9,mer fade. Durch eine doppelte Menge der Bafis 
^,vrird fie zweifach entoxygenirt, durch eine drei- 
3, fache Menge drei Mahl mehr, u. f. w. Wenn 
^ man- ein Schwefelkali zerlegt, fo ift der grufste 
5, Theil des Alkali kauftifch. " 

Ein diefen Verfuchen entfprechendesHaifonne- 
xnent befchliefst diefen erften Abfchnitt. 

Was iß die Lebensluft? „Sie ift nicht dasSäu- 
reprincip, weil die Säuren mehr und mindey oxyge-' 
nirt w^rdejf^ können, ohne Lebensluft anzunth* 



« 



3> 
9> 



C 4^6 ] 

^'men oder herzugeben, wie das aus den bisher e^. 
„zählten Verfiicben folgt. Es werden aber dock 
jjHiebrere Stoffe, die Geh. mit ihr verbinden, n 
9>Säuren. Die$ gofchieht, weil ß& J&lbji eine Säxh 
f^reiß* Beweis: man hat fie in einem mehr oder 
,/minder fauern Zuftande. Jedoch haben bishcrf^ 
9,alle Chemiker fie verlcannt. Sie ift das dephlogh 
99jdßr^e Salpeter gas. Manchmahi kann fie faftwi« 
„Stickgas ieyn. Lafst man fie durch eine glühende 
y^eiferne Rohe gehen y fo erhah man en^oxygeairtt 
^^Lsbeusluß; entbindet man fie aus Metailoxydei^ I, 
„fo erhält man fie oxygenirt*' Und nun weib | ,. 
man, was Lebensluft ift. 

, Was find die rauclienden Sauren? „EsfindAber^- 
„oxygcnirte Säuren; Beweis: ihre Verbindung mit 
„den Bafen, £s giebt vier Mittel, eine Saure za 
„überöxygenircn ; i, fie durch Hitze voi? den me- | 
„talU(i)hen Bafen zu entbinden; 2. eine ftutnpfe 
„Bafis mit concentrirter Säure zu überßLttigen; 
„3. aus einfem Salze die Säure vermittelft einer rau- 
chenden Säure zu entbinden , da dann der letzte 
Antheil überoxygenirt wird; 4, die Glühehitze, 
„wie man weiterhin fehen wird." 

„Das Waffer entzieht den Säuren den überflüf- 
„ figen Sauerftoff, Waffer ift von bafifcher Natur^ 
„denn es befteht aus Sauerftoff und Wafferftoff, und 
„letzterer ift von bafifcher Natur. Aber eine Aen- 
derung der Temperatur verändert die Natur def- 
felben. Warm ift es bafifch; unter Null •Grad 
"„feuef ; «wlfehen beiden ift es indifferent.^^ 






7* 

S9 



t 4=7 1 

Was iß dieÜrfache der Kaußichät ? ^sManmufs 
„die Beantwortung diefer Frage in der fuchen: 
5, Was ift Urfache der Nicht- Kaufticität? Alles, was 
„die Kraft der Kaufticität der Bafen abzufturnpfen 
vermag. Die Bafen verlieren ihre Kaufticität an 
der Luft, ind*e!n fie kohlenfauer werden; das 
Feuer giebt fie ihnen wieder, indem es die Koh-» 
lenfäure austreibt. Daraus fchliefst und beweiß 
der Verfaffer, dafs die Kohlenßiure die Urfache 
der Kaufticität fey. Zwar macht die Kohlenfäure 
die Alkalien mild ; die Säure aber, welche fie kau- 



9i 

93 
33 



^^ftifch macht, ift nicht diefelbe, durch die fie mild 
,, werden. Die Kohlenfäure hat folglich zwei Zu« 
,,ftände. Das Feuer macht den Kalk kauftifch; 
^ Salpeterfäure treibt aus dem kauftifrhen Kalke 
^, Kohlenfäure aus: folglich enthält kauftiföh'er Kalk 
„Kohlenfäure; fie'wird gegen Ende des Kalkbren- 
^^nens wieder aufgelöß\ und das macht den ge- 
^^ brannten Kalk kauftifch,** 

' „Um ein eignes Princip der Kaufticität zu be« 
^weifen, dient die Darftellung einer nicht-kaufti- 
9, fchen und doch nicht abgeftumpften Bafis. Der 
„Baryt, den man durch Zerfetzung des falpeterfnu« 
„ren Baryts im Feuer erhält, ift fade und nicht <• 
„l^uftifch zugleich. Löft man ihn in Waffer auf, 
„und fetzt ihn nach und nach einer Auflöfuog von 
„kauftifchem Kali zu, fo erfolgt ein Bodenfatz,*^ der 
„theils von der Schwefelfäure, die faft immer mit 
,>dcm Kali verbunden ift, theils vom' Princip der 
„ Kaufticität herrührt. Diefer letztere NiederfcWag 



C 428 3 



,,lft anflöslich in den Säuren, dieWafferftoff enthal- 
9, tan. Das fo behandelte kauftirche Kali läüst fidi 
9>nun) ohne Sch.merzen zu erregen, in dem Munde 
«> halten, ob es gleich feinen alkalifcben Gefchmack 
M nicht verloren hat/^ 

:,, Alkohol entzieht bei der DeftlUation den Säa- 
>,ren ihr Aciditätsprincip. Sind es fixe Säuren, fo 
^, wird er zum Theil zu Aether, der der Natur der 
j^Säure genähert iff, indefs die Säure felbft mit.we* 
>,niger Acidität zurück bleibt Um diefes zu erläu- 
,:itern, ftellt Herr Oerfted alle brennbare FJöf- 
9^fi4;keiten nach ihren Eigeiifchaften in eine Reihe, 
39 die mit den fetten Oehlen anfangt, welche fich 
^jden Säuren durch di& Leichtigkeit: fehr nähern, 
9, womit fie die Bafea auflöfen, und dadurch, dais 
3^fie in der Dei'tillatiou, ohne Zutritt der Lebens« 
9,luft, eine Säure geben, welche LebensluFt ei>tbält 
5, Die brenzlichen unddieatherifchen Oeble wichen 
j^von diefer fauern INatur in verfchied enem Grade 
^ab', dann kommen die Aetberarten; der Alkoiml 
fteht c^en Bafen am nächften. Alkohol verwan- 
delt z. B. die Weinfteinläure in eine guninfiiartige. 
Materie, welche den Veikbenfaft nicht mehr rö- 
thet, und Boraxfäure ift gar nicht mehr fauer, 
nachdem man fie mit Alkohol bebandelt hat. Es 
ift merkwürdig, dafs der Alkohpl einen Tbeil 
des Säurepriucips austreibt, ohne es zu abfor- 
„biren." 

. Waffer iß zur Bildung vidier Gasarten nöthig* 
£in febr kurzer Artikel, der in einem Werke, 



99 



[ 429 1 

wie RegenWaftigeSj nichts befonders Auffallen-» 
des hat. 

SvhivpfeL 5,Sc;^wefel ift eine Säure; dies be* 
., >> weift feine Vereinigung mit den Bafen. Er ift d»- 
^>ne fade Säure, die fich ftärker entoxjrgeniiren^ 
»aber nicht mit mehr Säureprincip vereinigen läfst* 
'>,Wenn man ihn jedoch mit VVaiferftoff verbindet, 
;,fo nimmt er mehr Acidität an. Unterwirft man 
,^ Schwefelleber mit drei Mahl fo viel Waffer der 
5,Deftillatien, fo erhält man Stickgas, Schwefel* 
^, Waffer ftoffgas, und eine Flttffigkeit, welche ent*» 
' 5, oxygenirten Schwefel enthält. Aufs neue mit 
^5 Theilen Waffer deftillirt, erhält nwin noch ftär* 
^ ker veränderten Schwefel, der in gröfserer Men* 
„ge falpeterfaures Queckfilber, effigfaures Blei> 
5^fchwefelfaures Zinn und fchwefelfaures Kupfer, • 
,,fo*wie.präcipitirtes Gold und Silber auflöft. Hier* 
^5 bei geben die Säuren dem im zweiten Orade ent«' 
^»Qxygenirten Schwefel Säureprincip ab. Das wird 
^dadurich bewiefen, dafs die Säuren, (befonders 
^>die Salzfäure,) jetzt fo leicht wie Waffer ge* 
„frieren.** 

Ich habe hier die Verfüche uiid Meinungen deia 
Herrn Winterl faft ohne irgeöd eine ßemerktfng 
hergefetzt, weil für jeden, der einige Kenntnifs 
der Chemie befitzt, Bemerkungen überfl-ftffig feyn 
vvürdexi. Denn es fällt fo z. ß. fogleich in die Au- 
gen, wie falfch faft in allen Fällen die Folgeruh- 
gen find, welche Herr Winterl aus Verfiidhen, 
vri't denen zieht, wo er Salze in Wärrfiegrad^n, die. 



t 4,30 3 

* 

Xiiertriger als die Glühehitise Ovaren» vollftämtig ^e^ 
fetzt zu haben behauptet. Das Kali, weiches ef 
durch Verpuffen von fchwarzem Braunfteinoxyd mit 
Salpeter, und durch die darauffolgenden Operatio* 
xien erhielt, war, wie man leicht fieht,' nichts ande- 
res als kohlen faur es Kali, welches aus dem Kalkwaf* 
fer kohlenfauern Kalk niederfchlägt, und deiTeo 
Flüchtigkeu auf nichts anderin , als auf Entbindung 
von kohlenfauerm Gas beruhen mochte, und d^her 
auch mit diefer würde aufgehört haben. Auch ift 
es klar, da fs Herr Winterl eine concentrine Saqre 
mit einer oxygenirten Säure verwechfelt, obfchoa 
er von beiden als von etwas verfchiedenem fpricht 
Uebrigens läfst lieh von einem Werke diefer Art 
keine ernfthafte Kritik machen. 

Wir kommen nun zu dem zweiten Theile, wcl^ 
eher noch aüfserordentljchere Sachen enthalt. 

Von der Andronia. „In allen Naturreichen fin« 
^,det ücb eine Subftanz, die bis jetzt unbekannt 
„war. Sie ift l. fauer 9 und verbindet fich mit al* 
„len Bafen, nur nicht mit Amijioniok. Sie ift 
„2. feuerbeftändig, wenn fie weder mit Lebensluft 
>, noch mit einer Säure in Berührung ift. Sie geht 
„5. mit den Säuren Sj/i/o/^za^/e ein, (ein Name, den 
„Herr »Winterl für Verbindungen zweier Stoffe 
„von gleicher Natur, 2. ß. zweier Säuren oder 
„zweier Bafen mit einander, vorfchlägt,) und in 
„diefem Zuftande entzieht ße den Säuren etwas von 
ihren Capacitäten für die Bafen, kann fie durch 
kein« der Bafen von den Säuren getrennt werden» 



>9 



99 



99 



[ 4St 3 

verkehrt fie die Ordnung der Verwandtfcliaft der , 
„Säuren zu denBafen» (MetaJloxyde, Erden^ AI* 
jjkalien, welches ai|ch die Ordrtung der %'er\vandt- 

fohaft diefer zur reinep^A^dronia ift^) und giebt . 

fie mit weniger heheuslixh Sthk gas , mit mehr 
„Lebensluft und Säureprincip kolilenfaures Gas, 
„und mit fehr Viel von beiden Salpeterßlur^. Sie 
^, bildet 4. mit Wafferftoflf die Materien / weiche 
„den gröfsted Theil der organifchen Körper aus» 
*,, machen, Milch 9 Eiweifsj u* f. w, Sie giebt 
>,5. mit Metalloxyden, die wenig Sauerftoff entbal- 
„ten, geglüht, entweder Stickgas oder kohlenfaü* 
„res Gas, und geht, wenn fie in Ueberfchufs vor- 
„handen 'war, mit dem retlucirten Metalle eine Ver- 
,>bihdung ein, die einem MetalJoxyd gleicht, aber 
„zu Stickgas wird, wenn fie Lebensluft anzieht.*^ ' 
Dar/teil ung der Andronia, „Nach dem Voir- . 
„bergehenden liiufs die Andronia in der Kohle ent- 
5) halten feyn. Verpufft man fie mit Salpetdi*, und 
„wäfcht den Rttckftand aus, fo bleibt auf dem Fil« 
'„tro Andronia, (welche Scheele und Pelletier für 
„Kiefclerde genommen hatten,) mit Schwefel- VVaf- 
^jferftoff verunreinigt, zurück. Reichlicher und 
„rein erhält man fie aus der iPottafche, welche die 
„Andronia der Kehle des verbrannten Hofces ent- 
,,hält. Man fetzt eineAuflöfung gewöhnlicher Pott- 
3, afche in einen Keller, und wenn man glaubt, dafa 
„die Köhlenfäure alle Kiefelerde niedergefchlagen 
„habe, fo verdünnt man fie mit 4 Theilen deftillir- 
„ten Waffers, läfst fie frieren, nimmt das Eis, da« 



£ 432 ] 

>, fich J>ildÄt, heraus, und filtrirt; fo bleibt die An* 
jy dronia auf dem Fütrum. Auch laust fie fich dnrcb 
^^eine Säure niederfchlagen.*' 

Dlefes letztere habe ich mit allen den 9 Präcau« 
tionen> welche der Verf. angiebt,' verfucht; allein 
ich habe jedes Mahl nichts anderes als Kie/el erde und 
Thonerde erhalten. Auch ift es filr die* welche 
mit diefen beiden Erden bekannt find» nicht fchweri 
jie jn der Bereitungsart der Androiria und in den 
folgenden Verfuchen des Herrn Winterl zu er» 
kennen. Manchmahl» wenn er nicht gut gewafchen 
baty enthielten fie auch etwas Kali. - 

•Von den Synfomazleen der Andronia» ,> Sie vier* 
9,blndet fich mit dem. Schwefel zu einem feften 
^9 Schwefel 9 der Bleioxyd aufloft^ undxlamit fubli* 
,imirt den gemeinen Schwefel giebt. Die aiis 
^»Schwefel gebildete Sch\vefelfäure ift nicht ganz 
„diefelbe als die Vitriolfäure; letztere enthält näm* 
^, lieh neben jener noch eine eigne Säure. Andro« '■ 
uia.löft fich unter Erhitzung in Vitriolöhl auf, und , 
giebt damit eine Synfomazie, die^ felbft verdönnt, 
,, alle Metalle, ohne fie vorher zu oxydiren, auf* 
j,löft, fich aber durch Metalle nicht fättigen läfsf, | 
„und die Metalle fo föft hält, dafs felbft kauftifches I 
,, Kali lie nicht zu präcipitiren vermag ; und die we- j 
„gen ihrer Vorliebe für Metalle, Metallopfiilfäufe j 
,^ genannt zu werden verdient. Gold in ihr aufge* j 
„löft hat eine doppelte Farbe> und das veranlafst 
„die Frage : ob es nicht Platin fey. Die Silberaui* 
,,lüfung wird durch SchwefeJleber nicht gefällt« | 

I 






. t 433 3 

^X)le KupferauflöfuQg hinterlärst eine metallifclio 
.^Kohle* Die Metallophilfäure zeigt die grofste 
^sVerwandtfchaft nach den Metallen zur Ealkerde; 
ndie AuflöfuQg diefer in ihr läfist fich nicht durch 
»,kauftifcbes Kali und kaum durch mildes zerlegen, 
^— . Auch Salpeter fäure und Salzfäure geben mit 
^Andronia eigne neue Säuren; von letzterer giebt 
„es unter den bekannten Säuren 5 Modificationen: 
^Blutfäure, Blaufäure, Holzfäure, Fettfäure, Gall-' 
^äpfelfäure. ^ - 

Andronia mit WaJJcrfioff und andern leicht ent^ 
zündlichen Körpern. „ Wafferftoffgas wird durch 
. ^ydie Andronia j mit der es in Berührung gewefcn 
^^ft, verändert, brennt nun mit grüner Flamme» 
j, und vermag für fich zu detoniren. Alkohol löft 
ipAndronia nicht auf, theilt ihr aber mehr WalTer- 
^ftoff mit, wodurch fie im Waffer noch minder auf- 
Q löslich virird." 

„Zucker mit Andronia, die t)is zur Confiftenz 
^des Käfes eingetrocknet war, gab. einen durch- 
mtßchtigen Honig y der in Waffer oufgelöft, eine 
^ivakre Milch machte, welche als folche durch das 
9>Filtrum ging, und an der Luft flehend Geh in 14 
»9 Tagen nicht veränderte, in der dritten Woch« 
»»aber durch eine käßge Gährung zu einem wahren 
»> Käfe coagulirte. Frifch mitEffig behandelt, fonder- 
»» te fich fogleich etwas ab ^ das übrige wurde nach 
»> einigen Tagen gelatinös; und nun begriff Herr 
»ftWinterl, warum die Mineralfäuren weniger 
»«Käfe präcipltiren aus thierifcher Milch, als die ve«> 

AnuAl d. PLyfik. ^ 20. Sc. 4. /. 1905. §(.$.£• 



/ 
( 



31 
99 
7» 



.77 
73 
39 



[ 434 3 

* I 

getabilifchen , nämlich , weil jene ei^en Tlieil der 
Andronia auflöfen, den der Effig nicht aufzulöfeo 
vermag. Kiefelerde giebt mit Zuckfer gerieben, 
einen ähnlichen Honig und Milch, die fich aber 
nicht unverändert filtriren läftt^ vielmehr gebt 
„nur eine wafferklare Flüffigkeit durch, aus der 
Alkohol wahres (7e/772m/ pracipitirt. DieKiefeler- 
de bleibt auf dem Filtrum und giebt an zugefctz- i 
ten Säuren etwas fades Kali ab." 
Etwas Wunder reich eres als diefer Artikel, ift 
fchwerlich irgendwo zu finden ; auch habe ich ihn 
ganz hierher gefetzt. , 

Oebl mit Andronia zufammen gerieben , giebt ^ 
eine Maffe, die im VVaffer aufgelöft weifs, und \ 
der eben befchriebenen Milch nicht unähnlich if** ^ 
Die Kohle ift aus Wafferftoff unii durch Glöhcn 
„oxydirter Andronia zufammen gefetzt.** 

Neutralifauon der Andronia. „Andronia ?cr- 
„bindet fich mit Kali, Kalk u. f. w., und verwandelt 
,^ letztern bald in fades Kali, bald in Kiefelerde. 

S ■ 1 

„Auch den umgekehrten Prozefs hat Hr. Winterl i 
35 zum Theil bewirkt. Als er Kiefelerde mit Rufs 
3, calcinirte und mit Salzfäure digerirte , fchlugmil- 
,,des Kali aus der AuflOfung in Salzfäure fades Kali 
„nieder, und dann Vitriolöhl , Gyps. Dafs geinei* 
j,ne Potafche zum Alaun nüthig iit, beruht auf ihrer 
,, Andronia. " 

„Das Kali- A?idroniat giebt der Goldauflöfung 
^^5 die Farhe der Piatina , und daher Hoffnung, Gold 
,> in Pia tina zu verwandeln, und umgekehrt. DU 



9> 

5> 






[ 435 ] 

9, Übrigen * Metalle pracipilirt und transroutirt e$: 

9, Blei verwandelt es in Baryt, Kupfer in Molybdän. 

»Elfen fällt mitRoftfarbe nieder; Tollte es Magnefia, 

9, geworden feyn? Stahl ift Elfen und Andronia. 

>, Zinnläfst fich in drelBeftandtheile zerlegen, deren 

y, einer Andronia, ein zweiter Tungfteinfäure ifn 

- 9>Der blaue Niederfchlag auls fchwefelfauröm Kü- 

3,pfer durch Kali-Androniat, mit 3Theileii Salpeter* 

„fäure deftillirt, giebt eine blaue Flilfßgkeit, die 

.'„blofs falpeterfaures fCupfer ift, und am Boden ir- 

^, reguläre grofse Kryftalle, die die Farbe und Tex« 

„tur der Glafur der Zähne haben. " 

„Wenn Säuren. fich mit Alkalien verbinden, fo 
' g,entfteht, (das Ammoniak ausgenommen,) War* 
),me. Folglich find das Princip der Säure und düt 
»yiPrincip der Alkaluät die Beßandtlielle äes Wo.r-- 
fitneftoffs. Diefer läfst fich nach Willkübr zu- 
,ifammen fetzen und zerlegen. Metall mit GlaS ge« 
:m rieben, zieht das Princip der Alkalität an und wird 
»negativ -electrifch; das Glas zieht das Princip der 
i,Acidität an und wird pofiliv-electrifch. Die Vef- 
»einigung beider Electricitäten ift cfer üebe)*gang 
„von 'Differenz zu Indifferenz. Der Wärmeftöff 
,,kann nicht unwägbar feyn, denn allezeit geht der 
.f^electrifehe Funke von dem obeiften zweier Cun» 
'jyductoren zu dem unterften, gleich viel, welcher 
. »der pofitive oder negative ift. Und diefes ift ein 
»Beweis der Schwere des Wärmeftoffs." 

' „Ift es wahrfch einlieh, dafs der Wärmeftoff 
j,fich mit Veränderung der Jahrszeiten von einer 



C 436 ] 

>, Heini fplräre der Erde zur andern bewege? oder 
,,wäre es nicht vielmehr anzunehmen, dafs hi 
,,fcbief auffallendeA Sonnenftrahlen der WärmeftoSi 
»zerlegt werde » dagegen bei mehr perpendicutir 
„auffallenden zufammen gefetzt wOrcfe?'' 

), Sollten die getrennten Wärmeprincipe nur in 
^ einer fehr geringen Hohe über dem Meere wic^ 
„der vereinigt werden? oder mangelt es* an den. 
,, höhern Orten an Prinoipien der Reftitution der 
„Wärme?" 

,,Wahrfcheinlich begiebt fich jeder Tfaeil der 
•, Wärme im Winter zu einem von den Polen » nm 
j^wieder hinzugehen, wo der Sommer hintrifft. 
,9 Die Wärme felbft fcheint einer fo i^chnellen Be 
ijWegung nicht fähig zu feyö.** 

))Ift das Licht die Urfache des Magnetismus? 
^und mithin der Schwere?" 

Noch andere Bemerkungen diefer Arty und eis 
Brief des Herrn Oerftedt an einen Freund, der 
die WinterPfche Chemie feiner Aufmerk&mkelt 
nicht ffhr werth gehalten hatte, befchlielsen diefes 
Stück, welchem ein zweites folgen foUte. *) 



*) Herr Prof. Winter! hat feitdem unter dem T!» 
tel : Accejjiones novae ad Prolufion^m ßimm prinutm tt 
feciuidam. Budae l8o3, mit dem Motto: Dies dim 
docet, ein Bändeben voll Bemerkungen^ ZuGUsfli 
und Erweiterungen zu dem hier iTKizzirtea Sylb- 
me, und einJalir fpäter eine gänzliche l^mar^/riuiy 
dtr er/ten Pr^lufion und der Aceejffto/un zu derßMeä, 



. . C 457 3 

Diefes ift es alfo» was pian im Jahre iSo3 c^^^ 
relebrten als Gruadlage za einer Chemie unCrler 

unter dem Titel : Job. Jac. WinterTsi Prof. 
der Chemie und Bo^nik zu Pefth, Darftellung der 

, vier Beftandtheile deranorganifchen Natur; aus dem 
Latein, überfetzt toq Dr. Schuft er, lAQifienten 
des Verfallers , Jena 1804« bekannt gemacht. Man 
"kann diefen Werken Methode« BeleCenheiti Scharf» 
finn und eine klare Sprache nioht abläugnen. Herr 
Winterl ift in ihnen noch zu hohem Principien 
hinauf geftiegen. Die Materie ift, nach ihm» fiir lieh 
ohne Kraft und WirkCamkeit, und hat für lieh 
keine andere alt folgende drei Eigenibhafien: 
1. lie fchlietst jede andere aus dem Räume, den 
lie einnimmt, aus; a« lie kann £ch nicht ohne 
Zeitaufwand bewegen; 3« iie i&der Herrfchqft ver» 
fekiedener immaterieller Smbftamzen unterworfen^ ge- 
horcht dieCen aber nioht durch eigne Kraft, fon* 
dern durch die Dazwifchenkunft einer termitteln- 
den Urfadie, die zwar ebet^alls immateriell ift ^ 7>- 
doch der Materie um einen Grad näher kömmt , und 
der einzige Grund ift, durch den alle innerliche 
Verfcbiedenheit der Materie möglich wird. Auch 
nimmt Herr Winterl an, die Materie habe^ letz- 
te untheilbare Tbeile, Atome ^ muCs das aber wohl 
für keine Eigenfchaft halten, da er fonft !der 
Matetie 4 Eigenfcfbaften würde beigelegt haben. 

^ Das wunderbare Mittelding zwifchen dem Mate« 
riellenund dem Immateriellen, w^elches die Herr* 
(cbaft des Immateriellen, über die Atome be» 
gründen foU, nennt er das Band, Der immateriel- 
len Subßanzen oder begeiftigenden Principe y giebt es 
nach ihm zwei » da$ Säureprinciii und das Bafeprin^ 



-[ 458 3 

Zeit vorlegt. Rührte es aus dem iGten* Jahrbnih 
derte her, fo vvQcde man damit die Nachficht hi< 

cip. ,^Diere beiden bcgciITigeDden Principe**,- hdljt 
es S. 45, „haben gar liein^ materielle Eigenfchslt^ 
,,roD(lem theils der Materie ganz entgegen gefetzte, 
t/theils folche, deren Grund ganz unerklärbar ift| 
„Wie z* B. der des Denl^ens in der Seele; fcboo 
^fdefshalb können fie auf die Atomen nicht unmit- 
„telbar wirken, was fchon Leibnitz auffiel, 'all 
„er die Einwirkungsart der Seele auf den thieri- 
„fchen Kari>er erforfchte. Diefe £in\rirkung be- 
„darf aber darum keine Harmonia prae/tabilitä, 
,9 denn die reine Erfahrung (!) wird ans Eigenfcbaf* 
„ten des Bandes aufdecken,' die zwifchen Stoff 
„undGeift das Mittel halten, und es daher im anor« 
„ ganifehen Reiche zur vermittelndien SubAanz eig« , 
„nen, durch die der Geiß denStoilFzu beherrfohea 
„vermag: (im organifchen Reiche liegt noch zwi- 
„(chen Seele und StoflF eine Reihe thätigerer Sub-. 
„ßanzen.) Ob nun aber gleich die beiden begei« 
„ fiigenden Princtpien in jeder Rückficht völlig im* 
^materiell find, fo find fie es doch nicht in Vier« 
„ bindungmit einander, aus welcher der Wärme' 
» y^S^^^ff befteht; denn diefer dringt durch, keinei 
„Atom, kriecht in den Poren nur langfam fort| 
„und unterliegt der Einwirkung des Lichts; nur 
„ unterfcheidet er Cch von währen Stoifen darin, 
„dafs feine ZerCetzung keine Atomen, fondernvdl- 
„lig immaterielle Subßanzen liefert/^ Jede geges' 
feirige Anziehung der Materie in der Natur hängt 
»ach Herrn Winter!, (S- 46,) von der Begeifti« 
gung der einen durch ^di^ Säureprincip, der ^ndera 
durch das B^feprincip ab. Auch findet Herr« 



, c 439 y 

I 

ben muffen, aulT welche Werke aus jener Zeit Aü- 
ff rucb habea. Aber jetzig da die Wiffenfchaft Fort- 



I ■^ 



Winterr« allgemein verbreitete faure Subßanzr 
die Anc^ronia, in einer gleich verbreiteten alkali- 
fcben Subftanz , der Thelyke, einen Gegenratz, von 
der in einer künftigen dritten Prolufion gehandelt 
werden foll » und die' mit der Andronia alle Erden 
und All^alien conllituirt. 

Stoff und Band zufammen verbundto geben 
das zu begeÜtigende SubftraU Das Band führt nach 
Herrn Winter 1 nicht allein die Atome in die 
Verbindungen des Säure- und Bafeprincips ein, 
londern giebt;. ihnen auch zugleich befondere An- 
lagen, und Fähigkeiten; ja, nach S. 66 ««hat das 
^Band fogar, (vfrit die Spinnen, die Hühner, die 
,)' Zug Vögel,) Vorempfindungen feines künftigeo 
„Schickfals, und fcheint dann uait Wahl zu wir« 
„ken/^ Ja S. 433 heilst es: «^Ich habe bewiefen, 
„dafs die Wirkungen des Bandes durch Inftinkt be- 
5, lebt werden, m|efem fieweife gab ich ai^fangs 
„.nur den Un^fang, der nöthig war, das Dafeyn 
„ des Bandes zu beweifen ; in der Folge aber boten 
„fich zahlreiche Gelegenheiten dar, jenen Satz 
„mehr zu betätigen, und ihn zur Triebfeder der 
^^ wirkenden Natur zu erheben» Aber eben jene 
„Gründe fprechen noch weit mehr dir dtninftinkt 
„ des Lichts. ** 

Welche B.ewandtniCs es überhaupt mit den 
vier Winterl'fchen Beftandt heilen der anorganifchen 
Natur hat, das fagt uns Herr Winterl ganz in 
der Kürze, S. 365. „Wir haben ^^ heifst es hier, 
„bisher drei Beftandtheile der anorganifchen Na- 
^, tur aufgezählt : den Stoffe an welchem wir 



t 44o ] 

fchritte gemacht hat, welche^ eine merkwürdigi 
£|)^cbe in der Gefchichte des menfchllchen Gttftef r/i 

„gar keinen Unterfchied fanden; dät Bandt ^d 
„fen Unterfchied mannigfaltig ift; den Ceiftt iet 
„zweierlei und die url mittelbare Urfache aller Wir- 
„kungen iß. Aus diefen drei Urfaehen gehl das 
„Dafeyn einer zahlreichen Verföhiedenheit der 
„ Körper hervor , die lieh bald unter einander neu- 
„ tralifiren , aber dann in befiändiger Ruhe Terblci- 
), ben würden. Iß nun aber die an organiCche Natur 
i,in immerwährenden Veränderungen, fo müflea 
I, diefe eine ganz andere Urfache haben. •— — 
^9 Sie ift das Lickt*^ Und dies ift der vierte 6e- 
fiandtheil der VVinterl'fchen anorganifchen Weh.; 

Zum SchluITe f Qge ich, um dein audiatur et a/* 
tera pars nachzukommen, hier noch das hinzn, vai 
uns Herr K i 1 1 er in einer Vorrede, welche er dein 
deutfchen Werke voran gefchickt hat, za Gunftea 
des Wnterrfchen Syllemes Tagt: „Herr Win- 
ter 1/% bemerkt er, „haik altes geihan, wu 
„ tnan von ihm fordern könne; er fange TomBuch* 
„fiaben der antiphlogillifchen Chemie an, andba- 
^be fein ganzes W«rk anfahren Stamm 'geimpft; 
^fdas Streben nach allgemeinerer Einheit ^ welches in 
„jener allzu früh ,ßch Schranken fetzte, habe Cch 
„ in ihm bei gleicher Richtung viel weiter durdi« 
„gefetzt; die AnCchten, zu weldien er Heb er« 
„hob, lägen durchaus auf jener ihrem Wege; (?) 
„ daGs fie noch nirgend dabei ankan), fey blofs in der 
„ Behaglichkeit zu fuchen , die fie denfi mit Schein 
y begnügten Tagelöhner gewährte, dbr hlöfs das 
^, klug anzufangen hatte, wie diefer Schein Münzt 
D bliebe. Daher komme dar Hafs gegen jedeni 



C 44» ] 

begründen, Tvönimt der uagarifche ProFcffor etwas 
in fpät mit einer Wiedererweckung der Träume- 
reien des Phlialethes und des Tachenius. 

,» der diefe« Glück ftören mufste. McrKwürdig 

niSky^ (fet%t er hinzu,) ^^dafs man Ton diefer Seita 
iiWinterl's Syftem kaum noch angefehh ^at, 
„die doch gerade das Eigentbümlicbe an ihm ift. 
y^ — -— * ^— JJm die letzte Einheit, 'die das ganze 
„Gebäude trägt und häh| wird es dem zu tl)ua 
„Ceyn, der frei und unbefangen fich nach desr 
,, Werkes erftem Wertbe erkundigt. Erll dann, 
^,wenn diefes gerchehui ift es Zeit ,^ in das Detail 
^der einzelnen Thatfachen herab zu fteigen, und in 
^wiederhohher Darftellung ihrer üe iich zu yer«^ 
,, gegenwärtigen. — . — — Bei weitem gröfser 
^wird die Zahl der Fälle feyn, ^o der erße Au- 
,, blick fogleich jeden Zweifel hebt, und es ift zu 
tyW^ünfchen, dafs auch der blofs Fleifsige in dieCe 
I, Theile der Prüfung mit eingehe« um welche der 
„VerfalTer felbft fo angelegentlich bittet, weil fei- 
,,ne gerechte Sache es ihm erlaubt. ^^ • — «— Als 
das rprzüglichfte Verdienft dieles Werks rühmt 
zuletzt lioch Herr Ritter, „dafs darin cf«r £)2/a-' 
K „ lismus > der lieh bisher noch faft allein zum «ord- 
„nenden Princip aller Phyllk und Chemie auFge- 
„werfen hatte, (?) auf eine Weife durchgefi-hrt 
,i|fey, w^ie noch in keinem Werke bisher, und fo, 
„ da£s er fich als Schlüffel der Natur entweder ins 
„ Unendliche fort bewähren muffe, oder nie doj^u 
^^ gedient t und diefe Darftellung dejfelben den Stab 
„/Ar immer über ihn gebrochen habe* Noch keiner 
„liefs die Erfahrung in ihm fich fo külin »upfpre- 
jjchen, keiner noch goftand es fo frei, wohin es 



i; 442 J. 

EinGlilck würde es für das Fortfehreiten in den 
Wiffenfchafteni feyn, wäre die Winterrfche Chemie 
die einzige Ausgeburt der Philofophie,. welche feit 
einiger Zeit einen Theil von Deutfchland ver- 
heert» u/id deren Spuren man in ihr fehr leicht 
erkennte *) Von einem Syfteme, welches die ge- 
fammte Philofophie umfafst, läfst fich zwar hier 
an der Kürze keine vollftändige Idee geben; dodi 
aber werden die, denen die Herabwürdigung des 
menfchlichen Geiftes fchmerzhaft ift« die Lebre, 
^enigftens ia einigen grofsen Zügen kennen zu le^ 

,, ihn führe, als der ehrwürdige Winterl. 

,,VolI der neuen Erwartung bleibt der Letet ta» 
9, rück. Ein ungeheurer Irrthum kam lieh zamGe- 
„ßändnifs^ Ein Wahn war Glauben; ein lahmVer- 
^häUnifs der nie zum Auftritte einer VoUehdung 
^,beftimmten Erfcheinungswelt hatte die Täufchung 
^hergegeben. Wo ift ein Factum, das ihn je 2ar 
,, Wirklichkeit machte! Sahß du die Bande des 
„gefetlelten Prometheus nicht? Ihre Löfaiig 
„beginnt. Bald, theurer Freund, will ich dirdiefe 
„Worte deuten.** — — Es wird den Lefcr 
freuen , zu linden , dab Herr C h e n e v i x gerade 
in dem hier geforderten Geiße über das ivunder« 
volle dualiftifche Syßem ides Herrn Winterl, und 
über die Philofophie , nach der es gemodelt ift, 
fpricht und urtheilt. d. H. 

*) Heureux pour le progres de nos connmiffances , fi 
cStait lä le feul ouvrage de cette in6me philofophie, qui 
a dicttS Ja chimie de WiaterL On yreconnait Jans peine 

\ les traces d'une fecte, qui dfipuis quelque tems ra^fage 
une partie de P/Ulcmagne* 



C 443 ] 

nen wanfchcn, der wir das Dafeyn des aufserör- 
dentlichen Werkes, das \^ir hier durchgegangen 
find, zu danken haben. *) 

Einige Lehrfätze aus diefer Philofophie wer- 
den fchon ziemlich hinreichen, uns in den^tand zu 
fetzen, fie zu würdigen. Denn ob es gleich in den 
meiften Fallen nriifslich ift, ein Werk nach Bruch- s 
ftücken, und nicht nach dem Ganzen zu beurthei- 
len, fo giebt es doch Sachen,^ die uns ihrer Natur 
nach aller Discuffion überheben. Dahin gehören» 
wie es mir fch eint, folche Meinungen und Lebren, 
von denen eine Einzige genug ift, um die Blöfse 
alles deffen aufzudecken « was man daran gereiht 
hat. Es würde überflüffig feyn, hierbei die Auto- 
ren und weitere Details zu fpecificiren; genug, dafs 
alles, was nun folgt, aus der grofsen Schule ausge- 
floffenift, und^lafsich hier fchlechterdiugs nichts 
atiführe, was ich nicht gedruckt gefehn habe, oder 
was mir nicht von einigen- ausgezeichneten Anhän« 
gern diefer Secte gefagt yrorden ift. 

,i Idealismus und Dualismus find die Lofungs- 
Wörter diefer Philofophie. Newton war Materia* 
lift , denn er hat die Materie als materiell und nich^ 
als ideell behandelt. Von Ihm und von Baco 

*) Mcus il ne fera pas indifferent a ceuXy qui ne ver» 

ront pas fans douleur Vaviliffement de Vefprit humain^ 

d'apprendre^ quoique tres en abrSge , a quelle doctriae 

mere on dolt l'ouvrage extraordinaire , quun vient de 

parcourif\ 



t 444. 3 

% 

ftamznt alles , was wir in derPhyfik (pJulofophie)^ 
Schlechtes haben , her."**) 

»jDie ganze Natur lä£st fich für eine Eatwicke* 
lung entgegen gefetzter -f* - und — *- Gröfsen nehmen. 

/ ' , . 

*} Philofophiae naturalis principia matheffiatica « ifi b^ 
kanntlich der Titel, den ^Newton feinem an« 
ßerblichen Werke gab, das immer noch den Stolz 
des menfcblichen Geißes ausmachen, und für dai 
rchöpferifche Genie feines Urhebers die tieffte Be* 
^nrunderung einfLafsen wird , wenn die Ephemeren 
des Tages längß in das Nichts zurück gefaokea 
feyn werden. cf. H, 

**) Es iß der Mühe werth, in diefemZufammenhange 
noch einige Lehren herzufetzen , welche fiir die^ 
keiner mathematiCchen Principien fähige» neue 
deutfche Naturphilofophie cbarakterißifch find, Ib 
vne fie in einer naturphilofophifoh^^ Würdigung 
der gemehen Phyßk des Tages, durch eins der 
Häupter der neu erfundenen hohem Phyfiky in der 
Jenaer all gem. Litt, Zeit., März i8o5, auf Veran« 

y ' 1-11» 

lalTung des HrtuyTchenLehrbegriifs der Naturlebre 
aufgeÜellt werden. „Der fchärffte Calcul der Dif- 
ferenzen (?) hilft den PHyfikem wenig; denn ihre 
Integration kann ihnen nie gelingen, weil iie nicht 
die Idee der Totalität des Calculs fleh zu eigen 
naschen. [!] Ohne diefes Eigenthum muffen Ce 
überall betteln, und können nimmer ein felbßßän* 
diges Leben führen. ^^ — „ Die Ehrfurcht^ welche 
inan deiji Theorieen erweiA, die d^e Probe des Cal- 
culs ausgehalten haben, ift ein blinder Götzendienfti 
tjobH man die wahre Natur des Calculs nicht verfteht, 

und llnnliche Anüchten, die des innern Lebens er* 



I 



! 






/ 



C 445 ] 

Der Materie läfst fich keto^ abfolute Exiftenz 1>6i* 
legen; fie ift im Grande nichts als eine Grobe oder 
«in Pol, die von ihrem entgegen gefetzten Pole ga» 
trennt ift, und die nur durch diefe Trenni^ng exv* 

in9nge1n, mit der Methode des Calculs zu yet^ 
mahlen (ucht. Wenn man Form und Wefen des 
Calculs erkennte , würde man fich in der finnliche» 
Anfchauung , wi« in der Anfchauung der Ideen zu 
lebendig' zu bewegen, und eben fo leicht einztiN 
kehren wiffen, als in die Abfolutheit, deren Form 
undRefiex die finnliche Anfchauung iß.^ — ,, Die 
Theorie mufs die Natur mit lebendiger Kraft um« 
faÜen , und deren unendliches. Leben in fich nachbil* 
den, und die Erzeugniffe, welche fich in und aus 
ihr entwickeln , muffen gleiche Kraft und nnend«^ 
liehe Tiefe haben, wie die herrlichen Generatio- 
nen felbft , die aus der Jtdee der Natur entfproden 
find. *V — „ Die Seele der Natur ift die Ic^ee ihres 
ungetrübten Lebens , ihr Leib die Erfcheinung die* 
fes reinen und durchaus klaren Lebens in gefrüb« 
terem Lichte. Was als leiblich erfcheint, ill: ge- 
brochen, und daruxp ein Gegenlland angleicharti- 
ger Sinne, deren jeder das Ganze, nur in einem 
befondern Gefichtspunkte darfiellt. ^^ — „ Das Licht 
ift die reinfie Form der Befeelung der ganzen Na- 
tur. Die finnlichen Körper find nichts anderes al% 
Anhaltspunkte der unendlichen Bildungskräft der 
Natur." — „Die Werke Ton Hauy, Berthe T- 
let, de Lac, Laplace werden d^m u^ahrein 
Vkyfiker [?] iaimer noch als fehr brauchbare Ma- 
terialien dienen, wenn der Name derer, die et» 
was feyn wollen und es doch nicht find, längft Ter« 
lofchenift!" Sehr wahr. rf* H. ' 



\ 



' [ 446 ] 

(tirt. Würde alle + - und — ^- Materie, und mithin 
^as ganze Univerfum zufammen addirt» .fo würdi 
die Summe Null feyn." 

„Alles ift organifirt) felbft die Zeit Denn das 
Seyn ift unbegreiflich; Gewefen feya upd Werden 
ift das, was die Zteif ausmacht; folglich find Gewe^ 
Jen feyn und Werden die Organe der Zeit. Die 
^Symbole aller Operationen der Natur find in den 
Kegelfchnitten zu fuchen. Der Kreis ift das Sym- 
bol des Seyns; die Ellipfe das Symbol des Werdens. 
Der Beweis hiervon findet fich fchon bei Kepler. 
Es ift daher gewifs, dafs Gott zugleich fphärifcb 
und elliptifch ift." 

Die Baukunft ift ^ine g^frorne. Mufiki** 

Die Götter der Mythologie waren geiftige, 
organifche , vollendete ICryftallifationen. ** 

„Die Reproductionskraft ift die Diagonale im 
Winkel der Irritation. Wer die Krankheit conjirui' 
ren will, müfs.fie unter der Form des Quadrats der 
•Hypothenufe conftruiren. Die Seniibilitä't und Ir- 
ritabilität find die Brennpunkte in der Ellipfe des 
Organismus. " 

„Wenn der Schwerpunkt gegeben ift, ift der 
ganze Körper gegeben. Das Univerfum ift ein 
Magnet, der nach dem Idealismus inclinirt Das 
Univerfum ift ein folidifirter Gott. ** 

„Wärmeftoff =i= Schwere." 

t,Der Wafferftoff und der Sauerfloff find die Po* 

* 

le des Waffers. " 






E 447 3 

^, Nicht die Ai^ziehung ift die Urfache, dar$ unir« 
Antipoden nicht von der - Erdkugel in den Welt- 
raum herab fallen, fondern die Relativität Wenn fi« 
zugleich. fie felbft und andere feyn könnten, fowQr* 
den fie herab fallen , u. f. w., u. f. w., u, f. w." 

„Um diefe herrlichen Wahrheiten, und taufend 
ähnliche zu verftehen, wird eine befondere Fähig" 
keu erfordert, *) die keine Mühe und Arbeit zu 
verfchaffen vermag, fondern die von felbft und mit 
einem Mahle," wie durch den göttlichen Hauch 
kömmt, mit der die Natur aber nur wenige Men-i 
fchen beglückt hat. Diefe Fähigkeit mufs in uns 
in Gährung kommen; und das ihr elgenthümliche 
Gährungsmittel diefem voran gehen. Der Verftand 
reicht nicht hin; es gehört dazu Vernunft: es ift 
alfo die Vernunft felbft, die Vernunft H«r i^o^^v^ 
die alles diefes dictirt hat. **.) Das Ganze diefer 
Lehre ift die erhabenfte Poefie, und auf mehr ift e» 
in der Philofophie nicht abgefehn." 

Von welcher Seite man indefs auch diefe erha- 

' benfte Poefie betrachten mag, von allea zeigt fia 

lieh gleich wenig reizend. Von allen Mifsbräuchen, 

die man mit dem Worte: Philofophie, getrieben hat^ 

*') Man fehe unter andern oben, die befcheidene 
Vorrede des Herrn Gerßed. Chenevixm 

^*) Le Verftand ne fufilt pas, il faut du Vernunft; 
or ]usqu*A pr^fent Vernunft en alleoiand a figniHä 
raifon: c'eft donc la railon, la raifon xar'igo;^))V) qu} 
A dicte tout ceci. 



C 448 3 

(ttod ihrer ift keine kleine Zahl,) ift gegeawärti* 
ger der ermedrigendfte, {le plus aviliffant pour 
i'efprit.) In. den Träumereien P lato 's erkennt 
man das G,enie, welches fie ihm eingegeben hat» 
und wo Büffon fich feiner Pfaantafid überlalst» 
«wird er der fchönen Benennung, die erfich erwor* 
i>en hatte, nicht ungetreu. Doch in diefem Wort- 
jgenifte fuchl man umfonft nach Zügen, welche für 
<!en Mangel an Wahrheit und a^ Gefchmack ent- 
ichädlgen könnten ; und es läfst fich für weiter 
nichts als für eine Injurie gegen den gefunden Men- 
Jchenverftand und für ein Attentat gegen ^ie Ver- 
nunft nehmen. *) 

Diefe Philofopbie, welche in England/und in 
Frankreich noch keine Anhänger gefunden hat, und 
hoffentlich auch keine finden wird, ift auf mehr als 

■ 

£iner dentfchen Univerfität öffentlich gelehrt wor* 
den. Nach Verfchiedenheit der Meifter, von de- 
nen fie getrieben worden, hat fie einige kleine Mo- 
dificationen erhalten, und zeigt fich unter etwa$ 
abgeänderten Formen; doch vereinigen fich alle, 
fie mit den mächtigften Reizen zu fchmücken, in- 
dem fie fich vor allen Dingen des Triebes ;;u be- 
mächtigen fuchen, welcher im menfchJichen Herzen 

am 

m 

^) C'eß en vain que dans un fatras femblable on 
cherche quelque trait pour compenferi le manque 
de verite et de gout; et on ne peut le regarder 
que comme une in}u|re au bon fens et un Attentat 
cgntre la raifun. 



J i 449 3 

am tiftPften Wurzel gefafst hat, tJm die Eigenlieba 
deffcD» deo fio ioitiiren wollen, aufzuregen, enthül- 
len lie vor ihm die Geheimniffe, welche die N^tur 
nur ihnen geofF^nbart hat» und tbun grofsmitOenii, 
welches iie über die andern Menfcben erhebe. Man 
räumt diefes Privilegium gern jemanden ein, den 
man fich aberlegen glaubt« Der unglackliche Schü- 
ler, deffen Oeift fchon in Unordnung gebracht ift. 
Wird in die Zahl derer aufgenommen, die aus- 
fchliefslich das Recht haben, ihren Meifter zu ver« 
fteben; und diefes Zeichen von Achtung wirkt defto 
mächtiger , da es unftreitig fehr häufig den Reiz der 
Neuheit hat. *) * 

Der Ehrgeiz , fich vor den gewöhnlichen Men*> 
. Ichen auszuzeichnen , ift der mächtige Sporn, wel« 
eher manchen Philo fophen treibt, die Nächte zu 
durchwachen, um der Wahrheit nachzuforfchen. 
Cicero, der diefe Leidedfchaft offen bekannte, 
yar nur aufrichtiger als die Übrigen. Der, wel- 
cher den Tempel von Ephefus in Brand fteckte. 



^) Pour ßatter Porgueil de celui quMls veulent in«» 
itier, ils lui fönt ]*etalage des fecrets que 1« nature 
n'a revel(is qü*a eux, et vantent le g<inie, qur les 
met iau-defTus des hommes» On accorde facile- 
ment ce privilege k celui qu^on croit dtre au- delTus 
defoi. Le malheureux ^Icve dont Vefprit eß deji 
desorganif^, eß admis au nombre de ceux qui ont 
le droit exclußf de comprendre leur maitre; et 
cette marque d^eßime eßd'autant plus puilTante) que 
fouvent fans doute eile a I -attrait de la nouveaute« 

Anna), fl. Pbyfik. 6. ao. St* 4. J. igo^. Sc a^ Ff 



C 450 J. 

tind der , welcber fich mit Karl V. von cter Höh» 
des Vatikans herab ft«rzen wollte., wurden beide 
von eben der Begiärdg;^ fich berafamt zu macbea^ 
befeelt, und fchlugen dazu ungefähr denfeiben Weg 
fin» als der, von dem die Ausfagen herrühren, die 
Baukunft fey eine gefrorne Mufik , und die Götter 
der Mythologie feyen intellectuelleKryftallifationen. 

i 

Genie ift der Inbegriff aller Eigenfchaften , wel« 
cheden menfchlichen Geift fchmücken: *) ein Zu- 
ftand) der der VoUkommenhj&it, welche, die Fä- 
higkeiten des Meufchen zu erreichen vermögen, am 
nächften kömmt. Das Genie kann aber nicht fchaf* 
fen; alles, was es vermag, ift, das richtig zu beob- 
achten, was ein höchftes Wefen in feiner volleo 
Macht gebildet hat. Die Einbildungskraft fafst die 
Beziehungen der Sachen auf; die Urtheilskraft ent- 
fcheidöt über die Genauigkeit diefes Auffaffens ; der 
Gefchmack läutert die Entfcheiduiigen dertJrtheils- 
kraft, und die Vereinigung diefer Eigenfchaften 
bringt manchmahl die Wahrheit in die Gewalt des 
Menfchen. Wenn bei jemanden, in welchem diefc 
Vermögen fich in fo glücklicher Vereinigung finden, 
dafs fie ihn über das Gewöhnliche hiuaus heben 

♦) Der gemejtie Sprachgebrauch, der mit diefem 

Worte 2u verfehlend crifch ge wefen iß, hat dem- 

felben viel von feinem wahren Sinne benommen • e% 

•ift aber Pflicht der Philoföphie, den Mifsbrauch des 

gemeinen Sprachgebrauchs nicht anzuerkennen. 

Cktncvix. 



1 45' ] 



• ^ 



darcli einen der UnglAcksfälle, denen unjTei* Wefen 
unterworfen ift, die- UrtheiJskraft verdirbt, lo 
nknmt die nun der Herrfchaft entbundeae Einbil- 
dungskraft einen mächtigem Schwung; fie verbfei- 
tet fich über ^tiehr Gegenftände, irrt ohne Führet 
umher, und fleht die Natur in lebhaftem^ aber auch 
betröglichern Farben. Alles ift belebt; doch alles 
ift Täufchung. Eiidlich tritt der unglückfelige Zu* 
ftand ein, wo der gefchwächte Geift, der keinea 
Schutz mehr gegen die Gaukelei hat, der Raub aU 
l^r Einbildungen wird, die ihn eine nach der andern 
. belagern. Das Reich der Illufionen mag Reize ha; 
ben, die jedem unbekannt find, dem der gefulnde 

x Verftand den Eingang in daffelbe v erwehrt ;^ doch 
das Reich der Wiffenfchaften ift das Reich der 

' \Vahrheit. *) 

*) Si cbez rni incJivicIu/ oü elles fe troüveiit hcureu* 
fement combint^es, de maniere 4 Telever au • def* 
fus du niveau cominun, le jugement Talt^re par un 
de ces malheurs attach^s i notre ötre, l'imagination 
i^mancipee prend plus d'effor* eile f<}tend für plui 
d'objets et erre fans guide , eile voit la natura fous 
des couleurs plus vires, nnais plus trotnpeufef« 
Tout eft auime , mais tout eß faux. Arrive enfin 
oet etat desaßreux oü Tefprit alToibli ne trouvant 
plus d^abri contre les preßiges , devient la proie (!• 
toutes les fureurs qui raffi^gent tour • i - tout^ 
L'empire des illufions peut avoir des charmes in* 
connus i celuJ, A qui le hon fens en a difenciu Yen*- 
tr^e; mais Tempirt des fciances eft celui de )t 



veru«t 



Ff ü 



l 452 I 

Häufig ift das Wahrfcbeirrliche, da;? poetifch 
Wahre ; in den Wiffenfchaften wahr , ift nur, die ab* 
folute Wahrheit. . In. der Poefie hat die"Einbildungg- 
• kraft ^in freieres Feld; diefes i{)t eine N^qbücht^ wie 
nian fie mit einem naiven Kinde hat, ^^das du<rcH T^u 
rgrofse Strenge turchtiam, und dadurch minder lie- 
hen$wQrdig gemacht werden würde. Je mehr die 
Speculation fich den exactea Wiffenfchaften nähert, 
defto ftrenger wird man gegen fie. Man fordert 
dann die Tugenden des reifen Mannes. Diefe Wif- 
fenfchaften erfordern nicht weniger Einbildungskraft 
als die Poefie, aber eine mehr in Schranken gehalte- 
ne: und das wird fie durch die ürtheilskraft. Den 
höchften Geiftesruhm gewähren ohne Streit die Zwei* 
ge unfrer Kenntniffe, zu denen diefe beiden Vermö- 
gen vereint im höchften Grade erfordert werden; 
wo, nachdem man geforfcht, verglichen, Beziehun- 
genaufgefunden, und Folgerungen gezogen hat, man 
prüfen, läutern, beweifen, und feine Unterfuchun- 
gen aufs neue wieder anfangen mufs. Homer 
konnte aus der ganzen Natur wählen, konnte fie nach 

feinem Wohlgefallen verfchönern, und mufste das 

'" . • • • 
felbft, und wenn er fich verirrt, fo ift er Foet, ift er 

" «•. ' ^- '. 

der gpte Homer. Wenn'dagegen Newton einen 
Abweg ein fchlägt, fo verliert ^r den Weg, der zur 
Wahrheit führt, und Fortfehreiten ift dann nur ein 
weiteres Entfernen von derfelben. Er hat für feinen 
Zweck nur zwifchen einer kleinen Zahl von ana- 
logen Gegenftänden die Wahl, und der einzige 



t 453 ] 

Schmuck, den feine Forfchungen zdlaffen» Ift Wahr« 
heit, ohne alletr Prunk. Wahrheit ift die Seele und 
' der Schmuck jeder Unterfuchung; fie ift nicht min« 
der eine intellectuelle als eine möralifche Schönheit; 
fie ift die Tugend der Pbilofophie* . 

So lange indefs Selbftfucht die Erkenntnifs zu- 
rnck hält, dafs die Einbildungskraft das CHaos des 
Geiftes ift, worin Verwirrung und' Dunkelheit 
herrfcht, bis die Urtheilskraft Licht darüber aus- 
giefst; und dafs faft immer, was man für ein ÜebjBr- 
rnaafs der erftern hält, nur ein Mangel der letztern 
ift; — fo lange mufe man darauf gefafst feyn, zu 
fehen, dafs abfurde Hypothefen die Stelle der Wahr- 
heit einnehmen 9 und dafs abgefchmackte Phantome 
den Lehrftuhl währer Wiffenfchaft ufurpiren. *) 

Aus diefer Zergliederung ergiebt fich als letztes 
Refultat: das Verdien ft deffen, der Refultate, die 
fich auf keine Verfuche gründen, und Hypothefen, 
welche iich auf keine Thatfachen ftützen, erdenkt, 
kömmt darauf hinaus, alles innere. Gefühl verlo- 

^) Mais tant que Tamonr- propre n*aura pas reconn« 
que l'imagination eft 1e chaos de l'efprit, oü la con« 
fußon et Pobfcurite dominent, jusqu'a ce que lo 
jugement y'Tienne verfer la lumiere; et que le^ plus 
fouvent ce qu'on croit dtre Pexces de Pune n'eft 
que le defaut de Tautre; il faut Tattendre a voir 
des hypothcfes abfurdes fe ivettre a la place da 
yrai, et des Fant6mes degoutans ufiirper la chaire 
de la veritable fcience. 



. L 454 ] 

reo tu habe» ; und wejr in den Wilfenfchaften feint 
Träumereien tin die Stelle des Wabi^heit fetzen wil^ 
bat voiletK Anfpruch auf 'ctie Erkenntlichkeit, ät 
man dem fchuldig ift, der das einzige* äohtungswer« 
the Ziel aller unfrer Nachforfchungeti uuiftürza I 

WiU.*) 

Es ift zur Ehre des neunzehnten Jahrhunderts 
zu hoffen, dafs es Geh beeifern riiverde, das Ge*- 
fchenk ( Voffrande) des Hrn. Oerfted und.Ä 
Chemie des Herra Winterl zu verwerfen. 






) En derniere aualyfe done: le merite de oelui| qu 
imagine des refultats fäns experiences et des bypo« • 
thefes fans faits, revieht -a atoir perdu le fend« 
xnent; et quiconiiue veut fabllituet fes Thitk% i k 
place du vrai «n philofophie, a. droit i toute hii^ 
connaiffance quon ,doit a celui, qui ireut pervjertir 
le feul bat eAimable qui guide hqs reoherches« 



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t 455 3 

■■'/,*■♦' • ■ w 

B B M E R K U N « B N, 

MJiranlafst'durch einen Auf f atz det Jyr. Cliri- 

ftUji ^ani,u#a. Weifs, der in der deutschen 

^lleher/etzung van Hany' s M iaeralo gie ,durpk 

X), L. G. Karften, kön, preufs. Geh, qber* 

bergrath, abgedruckt ift^ 



ton 



HicH. Chenevix, 

rilitgl. derLÖnd. Söc.i d. irifcljen Akad. d. ^^ifT, tt. f. w^ *> 

In * meinen 'Bemerkungen über das Werk deJ 
Herrn O^rfted, welches dem Publicum über die 
Chemie des Herrn Winter! die Aug^n öffnen 
tollte, Ijabe ich Gelegenheit gehabt, von einer phi- 
lofophifchen S^cttf zu reden, die fich feit einiger 
Zeit in'Deutfchland erhoben hat, und diß ziemlich 
Allgemein die Secte der Transfcendental- öder Na- 
turphHofophen gönannt witd. Man wird fchon 
vermuthet haben, dafs die Anhänger derfelben nicht 
blofs dJe Chemie, fondern auch andere Zweige der 
Naturwiffenfchaft in ihreSpecuIationen werden hin- 
gezogen haben. Im erften Bande der deutfchea 
Ueberretzung von Herrn Hauy's Mineralogie ün^ 
det man Seite 365 — 389 einen Auffatz des Dr. 
W e i Ts , mit 'der üeberfchrift : Dynamifche Anficht 
■ der Kryfialllfadon. Hier ein Auszug aus diefer dy- 
namifchen Anficht: 

„Die Form, die Figur follen hier dvnamifch er- 
„klärt werden. Der Dynamiker läugnet die abfo- 

*3 A^nales de ChiiTue , t. 52, p. Soy — BSg. Journal 
par van Mons^ t. 6, Cah. 1^, i8. rf. H. 



C .456 i 

»ilttte. unbedingte Exiftenz der Materie^ Für ihn ]ft 
» Qq Mofs in der ^rfcheiauug gegebta , udd^ er fatst 
,jden Begriff des Fiuffigen in einer Reinheit anfi 
I, welche dem Atomiftiker gänzlich fremd bleibt." 
Hier finden wir die Namen K^nt und Schilling 
angeheftet (accolläs)^ und der Dr. Weifs Tagt, 
er .werde auf die Einwürfe aller denkenden Natur- 
forfcber gegen diefen Auff^t^; hdr«n ^ der nur der 
Vorläufer eines andern fey^ in welchem feine Theo» 
rie werde ausführlich dargeftellt werden. Er 
giebt eine Skizze diefer Theorie ia den fplgeade« 
Sätzen: 

„z. Es giebt in der Natur picht blofö ein« ehe« 
,,niifcfie Anziehung» (bndern auch eine ohemiTche 
„Uepulfion, mittelft der die K€irper fich iß hetero* 
9,g^ne aufzulöfen» . fich zu eutzweien oder ^u^zecn 
nfpalten ftreben« Die. ganze Natur ift ein^tblofse 
3,EntwickeIuag pofitiver und negativer Grössen * aus 
„Zero oder Null, Keiner ^laterie läfst fich eine 
„ abFolute Exiftenz beilegen ; jede jft nicbtS; als eine 
„Gröfse, ein Pol, der feine Extf^teni; der Tpeiin»ng 
„von feinem entgegen gefetzten Pole verdapKtj wei^n 
„diefe beiden Pole fich wieder .vereinigen > fcrfiie- 
„fsen fie in Null zufauime^, upd^^i^ Materie, ver* 
„fchvsfindet So giebt es in der-^Natur nichts^^als 
„Gegenfätze. Der wahre Begriff 'des chemifbhen 
„Verwapdtfchaftspro?effes ift, dafs .zwei oder tneh- 
„rere ungleichartige. verwandte Materien einander 
„wahrhaft durchdringen, und eiixeaund ddnfelben 
„ Raum eianehnien> und nicht » dafs ihre Molecüls 



C 457 ] 

^^n anderes Arrangement treffen. T>fe ctiemifch« 
„Repalfion ift das umgekehrte. Der urfprüpglich^ 
„Prozefs der Natur, als einer Schöpfung aus Nichts, 
},eine Entwickelun^ aus Zero, ift alfo kein andereCy 
^als derder'chemifchea K^pulfion. So wird ^in 
»Metalloxyd aus feiner Auflöfung durch Waffer nie^ 
^ dergefchiagen ,• weil das VValTer es von fich zurück 
„ftOfst." In ciiefBin Paragraphen citirt der Doctor 
Weifs die H^nran Berthollet und VVinterl. 

„ 2* Die* Kryft)cilliiatiQB if^ ein Phänomen der 
9, chemifchen Repulfion , der die Trennung der Tbei«* 
,,Ie von einander noch nicht gelungen ift, weil fie 
„poch gehemmt worden ift, ohne ihr Ziel errei- 
ijphen ZU' können.. Sie erfcbeint daher blofs als 
^Tende^z »nr Trennung. Man begreift^ dcrfs dj&- 
y»fa beiden Kräfte in jedei: Materie in ewigem Oour 
nflict feyn, tind dafs daraus unendlich mannigfaltige 
), Wirkungen entftehan muffen; denn jedes +> ^9 
„wie jedes- -^j^ läfst fich aufsi ne,Me in rf- ynd-rr 
^ zerleget , uiid fo fe^rner. In ^ner gegebenen Mjt- 
»iterie ift die l\eptflQon -f und die Attraction -^, 
liEioe Uebermach^ der Jetztern könnte fich nujr 
„jdurch Verminderung der Materie q,n den Tag le- 
»gen* Beidft Kraft« haben im vollkommen Plöf- 
flßgen ein ruhiges Gleichgewicht. So wie die che- 
},mifche Treilnungstend^nz flberv^riegt, wird die 
9,Materieln zwei entgiegen gefetzte Pole aus einan- 
„der getrieben; fo wie fie aber dahin fortfchrBitet, 
„ läfst ihre Intenfipn , ihr Ungeftöm nach, und defto 
„heftiger entflammt die ihr entgegen gefetzts Ver- 



T 458 1 

^tinigmg^)sT^hi u»nd es mufs zu einem Punkte kom^ 
Jörnen j wo fie jene hemmte befclnränkt und feft 
^hnlt *:) . Bei diefem Punkte wird der Charakter 
^eine chemifcbe Repulfion in der noch erhaltenen 
^Vereiöigung der Entgegengefe^tzten feyn; und 
»»diesr ift die Kryftallifation. Hier ift keine Treu* 
^^nung, denn jeder Punkt enthält beide Gröfseo; 
,, allein jeder Punkt ift die Spitze eines Winkels noch ^ 
,,ohne Schenkel, eine Entzweiung in der Tendenz,' 
^und indem fie fich zurück ftofsen, nimmt jeder 
,,Punkt eine andere Richtung, um fQr das Befrie^ 
,,digung zu finden^ was die , Abftofsung in üireta 
„Innern ihnen zu gewähren verfagt, und dia Con- 
^t^miität diefer Winkel ohne Schenkel bildet reelle 
,, Schenkel., die ilch nach allen Richtungen dur<^' 
9,tkrQuzen. Diefea reicht hin, die Erftarruag ib 
„wohl, als die Struqtur , den Durchgang derBlat* 
^ter und- die entftphende Form 35U erklären."- 

^5. Ift die Materie gegeben, fo ift da^auch der 
,, Winkel der Repulfion für die Kryftallifation. P»^ 
„chemifcbe Entwickelungs- oder EntzweiangsMo* * 
udenz wird bei jeder beftimmten-'Materie einei-be* 

^) Hier niuEs ich es aufgeben, desh Stgrl*ld(9S Vcr^-. 
fers volle Gerechtigkeit -^viderfahren zu laDep* 
. Umfonft yerfucheicji es, feir^epn Pjegafus jsu /^)geq> 
. Wir werden bald nocb einen oder, zwei at^pl^ibe 
Flüge fehen. Ich biWe ein für alle MahJ um Nach- 
ficht, u^enn ich der franzöfifchen Sprache mitui 
ter Gewalt anthue; die Urfacbe liegt in Äem Wer- 
'^ ll0i wor&ber ich berichte. Gkeatvi^. 



f 459 ] . 

„tümmte chermfche Scheidung beabCchtigen. pena 
„fo wie eine dlgeforaifche Grofse a fich in a + 6-Mi^ 
jjoder in a + e — c, oder in — ;j — .a-f-a: timl 

9, — . « — 07 zerlegen läfst: — - fo läfst fich auch die 
„Möglichkeit einer ähnlichen chemifchen Refolu- 
^,tipn einer beftimmten Materie nach zwei ganz ver- 
„fchiedenen Gefetzen oder Exponenten a priori 
,, einfehen. Es fey z. B. Oxygen, HHydrogen, 
5, JT VVaffer; fo find und H die Pole, und foldich 

TL "" X 

j,— = +H, und der Ausdruck wird -;p- W-^-Oj 

),und -- IT-— ö, oder ^ FF + H. - In einer he^ 
,3 ftimiitten Materie ftofsen fich die indet Kryftalli«- 
,>fatiohfich repellirendenEdukte ftets mit einem her 
„ftimmten Grade von Kraft ab , und werden bei ei- 
,Vnem gewiffen Grade von der chemifchen Vereiiii- 
„gungskraft zurück gehalten; daraus beftimmt fich 
„ein gewiffer Winkel der Kryftaliifation. Giebt 
i,aber dteCbemie das, was bei der Kryftaliifation in 
^,'^ner gehemmten Entzweiung begriffen epfoheitit? 
,VDer Doctor Weifs getraut fich das nicht zu be*» 
^Vjbben* Er «weifs nicht, ob man ia den Beftand- 
,, theilen, welche die chemifche Analyfe darlegt, die 
^VahVew^ole'eiifer Subftanz erhält." 

* '„4« Der Abftofsungswinkcl, der eine bcftimm* 
fit9 Kryftaliifation charakterifirt, ift bald ein ebe- 
,, ner, bald ein körperlicher Winkel j oder mit all- 
edem Worten: die chemifche Uepulfion, welche 
,>den w^fentlichen Charakter eijipr-.bcftj.mmte« Kry* 



[ 46o ] 

„ftallifation ffusmacht, ift bald blofs zweifach /bgM 
„mehrfach." — Hier entrichtet der Dr* Weifi 
Herrn Hauy mit EntUufiasnius Dank , dafür » dA 
er ihn auf den Weg zu diefer feiner herrlichei 
Theorie gebracht habe, und man findet überdies 
einiges Detail, in das wir nicht eingehen wollen» 
da ich glau\)e, dafs man an den Grundzügen^ genug 
haben wird. 

„5* Aiifser den primitiven Kryftallifationsricb- 
»tungen giebt es fecundäre, welche durch jene 
9, bedingt, und nach beftimmten G>fetzen auf £0 
„aufgefetzt, und unter beftimmten Winkeln g^n 
„fie gepeigt find.^^ Hexr liarften hat eine Ab- 
merkyng zu diefem Artikel gefetzt, um uns zu 
fagen, dafs der Doctor Weifs eine Menge v^ 
fteckter Durchgänge im Feldfpath und im Flulsfpath 
aufgefunden hc\be. 

Der Doctor We^^s farchtej;, feine fo klare nfld 
fo tief gegründete dynamifche Theorie werde fflr , 
ein^ unverftändliche. Chimäre gehaltea werden, iia4 
er f Ogt folgende Bemerkungen hinzu. „ Seine Kif 
„ ftallifationslehre giebt für die fecundären Kryftalle} 
„fo wie für die urfprünglichen Kryftallifatioasrich- 
„tungen, wahre Flächen, und nicht bIo£i LiiiieD 
„oder Ecken durch Furchen und Gruben getrennt, 
„wie die des Herrn Hauy* Dennfelbft wenwdef- 
„fen integrirende MolecOlen aus elementaren ^lo- 
„lecfllen zufammen gefetzt find, fo würden doch 
„die Oberflächen der primitiven Formen unmöglich 
„wahre Flächen werden, da, fo klein man auch 
„ die Atomen (elzl, d\^ lAeVvUKeilchen doch immer 



C 46x J 

n^noch viel kl^into feyn nvüffeiu > Die Theorie de$ 
9, Herrn Häuy ift eiii wahl*esRathfel, fofern man 
nfie als pbyfikalifcfae Hypothefe betrachtet. Der 
,/Herr üoctot Weifs bat fie big auf einen Punkt 
„geführt, wb Licht fcbon fcbimmert» und wo ein 
„werdender Tag mit freudiger Zu verlieht zu er-» 
„warten ift. Und w<&nn auch der innere Richtet * 
I, nirgend uni) fagt, dafs die atomiftifche Kryftalli« 
,1 fationslebre der Natur. Zwang anthut; fo würde 
„fcbon die Lehre vom Octaeder, als Kerngeftalt, 
,, hinreichen V uns davon zu' f^berzeugen. Herr 
,)Doctor Weif« giebt fein SyXtein wahre Octae* 
„der, und erläfst ihm die leeren Räume. Di« 
„ fch wierigften Probleme der mineralogifchen Phy- 
j^fik laffen fich aus feiner Theorie der Kryftallila-» 
"„•tion unerwartet fobön erklären*** 

Diefes ift ein treuer Auszug aus deis Dr. Weif«' 
dynamifcber Anficht der Kryftallifation. Der Le- 
fer «rtbeile^nun felbft, ob nicht der wahre Geift 
der Narturphilofopbie in.ibr webt, und ob iie nicht 
einen Platz im Tempel der Thorheit verdiene, ein 
wüi*diges Gegen ftörck der WinterrfcbenProlufionen 
zu einer neuen Chemie. Vergleicht man übrigens 
di*'dynam£fcbe Theorie der KryftaJli£ation des Dr. 
W ei f s ^mit der Theorie der Chemie des ungari- 
föben Prof cffors/ fd zeigt ficH, dafs der hier be- 
leuchtete Auffatz das Refultat von weniger Kennt« 
nifFen undf on weit weniger Geift ift. *) 

K 

\ 

*) Ceß maiotenant au lecteur ajug^ £ ce Memoire 
abonde ou non d^ns le vrai feiu, de la philofopbie 



Ich laffe'rtich weder auf eine Kritik des Atiffat» 
zejs noch auf eine Vertheidigung der entgegen ge« 
fetzten Meinung ef«; ich habe die, Behauptungen 
ausgö^^ogfen, welche er enthält, und das heifst^ fie 
angreifen. Das Wort: Axiorrtay im weite ft^n Sin* 
ne genommen, {ol^soiSi dig.nus^) 'bedeutet einen 
Grundfatz, der überzeugt, fo bald er gehört wird. 
Esläfst fich daher gleichraäfsig von Sachen brau** 
chen, die werth find, fogleich angenomnien , oder 
fogleich verworfen zu werden ; von Sachen^ die evi- 
dent wahr, und von folchen, die evident falfch find* 
Ob das Syfkem der Atomiften von der Natur gebil- 
lijgtwird» weifs ich nicht; wohl aber weife ich, dafs 
die Vernunft das Syftem des Dr. Weif« mifsbilligt. 
Doch laffen wir den Dr. Weifs. 

Es ift begreiflich, wie man mit nicht mehr Geiff, 
aIs um folche Dinge zu erdenken, mit fo wenig 
Beurtheilung, um zu glauben, das Publicum w^fde 
fie gut finden, -und mit der Wuth, fich gedruckt zu 
fehen, das Univerfum auf Null reducirt. Schw4t- 
rer ift es aber, zu begreifen, wie ein von feinen 
Landsleuten geachteter. und im Auslände bekannter 

transcendentale, et Til rannte une place dans te- ^ 
temple de la folie, digne pendantdes Prolufiones A% 
j\l.- Winter]. Du refte cn pompar^nt la theori« 
dynamique de la crjfiallifation par le docteuf 
Weifs et ]a th^orie chimique du prpfelfeur hon* 
grois , on verra que l'ouvrage que nous venons di 
confiderer eß le refaltat de moins de counaiffancci 
et de beaucoup moins d'efprir« 



■ • ' C 4ß3 I 

Mineralog es habl& zugeben könnenr, <{afs in einem 
Bliche,. dem fein Name yorgefetzt ift'^ ein Auffat» 
erfcheinen dui^te^ worin der Vernunft Gewadt an- 
• gethan, und über die Wiffenfchafti welche er be*- 
treibt, ein ^Widriger Unfinn verbreifet werden foU* 

- te; *) und am wenigften hatte man das bei der Üe* 
her fetznng eines der ttefflichften Werke unfers Jahr* 
hunderts erwarten Tollen; ehnes Werks, welches' 
Erklärungen- dahin geftellt hat, wo es vordem nur 
befchreibende und vage Phraf^n gab, und das da- 
durch die Mineralogie* mit einem Mahle aus det Klaf- 
fe der erapirifchen Ke,nntni£fe empor gehoben unA 
unter die der exacten Wiffenfchaften verfetzt hat. , 

Folgendes find Herrn K a r f t e n 's eigne Worte^ 

Seite XVII der Vorrede, wo er von der Decresc^n« 

^ und den decrescirenden^ Reihen fpricht : „Diefe 

- ojVorftellungsart unfers Verfaffersift atomiftifch; in» 

5,deffen ift folche der geometrifchen Conftructioa 
9,nicht allein fähig, fondern auch bereits derfeiben 
,, von Herrn Hauy mit auffallendem Et-folg unter* 
„worfen worden* Eine dynamifche Anficht der 
,>Kfyftallographie hat Herr Dr. Weifs geliefert, 
9) und ich habe, zum Beweife meiner Unparteilich'^ 
^keif^ da);eiA gewilligt, ^afs folche- als ein Anhang 
,>zum xaifonnirenrfen ;Theile diefes Werkes abge- 
,> druckt wefdöa' dürfte. •* 

*) — — - ku permis qu'on prefix&t fon nom au toIu- 
me qui doit porter attelnte a la raifon, et repan* 
dre le delire le j^Ius degoütant für la fcience qu'il 
eultive» 



[ 464 3 

/ Alfo um feine ÜiipdrteiliclikBit zu z^ügnk > bat 
Herr Karften dem Dr. Weifs erlaubt» diefes 
Meifterwerk der Mineralogie zu entweihen ! Dürf- 
te er es uns verargen, wenn wir das fox auslegten: 
%r Yfolle to wenig för die Vernunft als für die Tiior- 
heit einen entfchiedenen Hang und eine beftimmte 
Meinung haben; wenn die eine ihn an2ieh9, fej 
doch auch die andere nicht ohne Reiz für ihn, und 
er ftrebe, feinen Geift zwifchen beiden fchwebeod 
zu erhalten. Wenn diefes aber ein Gegenftand vod 
Parteilofigkeit feynfoU; welches wird 4enn der Ge- 
genftand von Beifall feyn? Ma&te man noch einen 
Grad höher in der Abfurdität fteigen» oder mOlstft 
man zum fchlichten Menfchenverftande zurückkom- 
nien, um Beiftimmung zu erlangen? und. wo find 
die Gränzen, über welche hinaus die Nachficht mit 
Unfinn nicht ginge, oder hätte diefe Nachficht kei- 
ne Gränzen? — — Es ift wahrlich nicht genugi 
auf diefe Art gerecht zu feyn, fondern man. mufs 
Vorliebe für die Vernunft haben. 

Dafs Herr Karften felbft von dem transfcsn- 
dentalen Uebel angefteckt fey, können wir nicht 
glauben; die traurige Erfcheinung des Auffatzos des 
Doctors Weifs im Werke des Hrn. Hau y fcheiiit 
eine andere Urfache zu haben, und einige Worte in 
der Vorrede können uns vielleicht auf die wahre 
Spur bringen. Ich werde fie hier in Verbindung 
mit einigen Thatfachen anführen, die ich jedoch 
nicht geradezu auf den gegenwärtigen Fall anwen- 
den will,' weil ich von den Umftänden dabei zu 

wenig 



{ 



£ 46«. 3 

Wentg' untfetjriöliM bin ^ und es &i<^t an2ütielim6n 
ift^ da£5 Herr Kauften tu der KlafTfr von Schrift^ 
ftellern gehört» von denen hitsr die Rede feyti 
livird. *) Doch glaube man ja nicht» daCs ich diefo 
Anwendung fOrchte > und dafs ich etwa meinen An« 
griffe den offen zu führen meine Abficht ift, ver>« 
decken und durch Palliati r mittel minder fchmerz«. 
lieh machen wolle» Wüfste ich mehr mit Gewifs«» 
, heit) fo würde ach mehr fagen j und ich klage nut. 
da unter Einfcbränkungen ati> wo ich keine pofiti-i 
Ven Nachrichten geben kann. — **- 

Es gicbt in allen Ländern Per fonen, die, trom 
tCuhme o<ler vom Gewinne gelockt > es zu ih*, 
temGefchäfte machen;, Schriftfteller zu feyn; doch 
findet man fle Von der Art Wie in Dcutfohland* 
in keinem andern Lande* Mögen die wahren Oe^ 
lehrten in Deutfchland nicht glauben > dafs ich dat*? 
um meine Achtung für fie Verloren habe; das hefttt 
MitteU fie ihnen zu äufeern) iftj dafs ich den gehö* 
tigen Unterfchiei mache« Die zahllofe Menge le^ 
Tiender Schriftfteller> und das Heer von Schriften 
tiler Art> weicheis hier zu jeder Meffe erfcheint^ 
'Würden zwar allein noch kein hinreichender Be* 
_Veis dafür feyn^ wenn da$ Verdienft dicfer Werk« 

*) GewiCf lilcht; vielrtichr würde et jedem Deut* 
fchcrt wehe thun » wenn man im Ernße einen fo 
allgemein geachteten demfchen Na^urforfcher auch 
nur in i^inem folchen Verdachte haben könnte. 



1 
I 

;dem widerfpraclLe. Auoh fag^ ich hic^t; daß ab 
Köcher in Deütfchland auf die gleich zu erwähn«* 
ide Art entftehn , und dafs nirgends anders Bocbr 
(auf ähnliche Weife gemacht werden ; ich behavple 
-aber, dafs nach Verhältnifs in Deutfchland wenig- 
-ftens zehn Mahl mehr folche B ü über als irgeodw« 
-anders zum Vorfchein kommen. Auch in Ebgland 
-und in Frankreich werden Bücher gemacht^ deck 
nur in Deutfchland werden fic fdbricirtk *) 

lo einer Stadtj die voi^mahls durch ihre ÜDivrf- 
fität und ihre Gelehrten berfthmt war, jetzt abct 
kaum noch einige Ueberrefte ihrer welkenden €•• 
lebrität befitzt, exiftirt zu diefer Stunde eineVVerk- 
ftatt, die zur l'abrication von dergleichen Waarl 
^ {)eftiinmt ift« In einem langen Saaie fitzen zu bd' 
den Seiten eines langen Tifches junge Leute voll 
Heifshungers nach Ruhm , halbe Gelehrte von uä- 
^endlich niedrigem Werthe. Am Ende diefes At 
tars des Genie« prä'fidirt der Unternehmer, def 
jedem feinen Kram zutheilt, der ihn zur Arbeit 
antreibt^ der die äraffa Mi/iet-va fpornt, und der 
/ich in der Zwifchenzeit damit befcbäftigt, dil 
Arbeiten, die aus ihren Händen komitieo« tu co^ 
figiren , um ihnen die letzte Politur zu geben. FiU 
eine fehr mäfsige Summe wird hier ein ganzes Blatt 
voll Witz, theils in Profa, theils in Verfen fabricirt 
Für die Kofteh des Locals , des Papiers 5 der Fs*. 

L 

*) En Anglcterrc, en F'rance on fait auffi, des livnit] 
en AHemagne on les F abrique» 



[ 467 3: 

dern und dei^ Tinb^ iatich ühi ^cli fflr ifchkc^^ft 
'^peculationen in Sit^faerheit zu fetzep , liiid für di6 
Begüoftiguug, dil^ er ^erUnterbehmling zuköminibik 
kfet, behalt der Chef die ttälfte des Profit» zurück; 
Die Buchhärtdieir, deren Creätür und iStütze er 
ifti zeigen ihm die Bücher an, die auf den Verjfchie- 
ideiien Mäi-kteh gefehlt liäbeüi und er macht üch 
Unheifchigi fie für den nächfteq Markt zu liefern; 
t)iefer Fabrikant fpecülirt befonders auf Üeberfeti 
äungen der heften ausläildilchen Schi-iftftelleir, iind 
tririgt einen Theil der Ütterärifchen Schätze der äiä=. 
det^n Nationen auf diefe Weife unter feine Laiids« 
ledte. *) Schön Vöt* 25 J^lir6n zog dieferMifsbraück 

^) fii«r die gan^e Stelle irri Origiiiai , die ich; öhhe 

(eiüä'VerÄ^echreluhg'vptaüs zu fetzen ^ auch nicht 

eihtjlähl zu deuten weif s. d, H.: y^üani un'e bÜle Ja' 

dlt telebre pär fott Viiiverßt^ et par fe's fai^äns , mäii 

Hont td c6lihirit6 fanie confrtVe ä pein'e de heaitx re» 

ftei t exifte ä cetie hfur'd un ütteiier i'ohfacnS ä iä 

fnbrication de par etiles denries, Dßn's ün long jalöiii 

a thaque cot4 d^üne löriguie table fe tröuvent des /ei^'nei 

gins üffam^'s dt jglöiriSy diS fr actio ns d^ favänjs d^infii^ 

himeht baffe valeur; äu baut de cet aütel du gSniH 

pre/ide tentrepretliUr , qüi distribüe ä bhäckn fa hefö» 

j^ne , qüi ie pr^ffe du tratfäU, qui ftimüle lä cy'h/fä 

MiAtf'va^ H tjüifdetupe', dahs ies intetpätiäi , äi 

torrigir Ies 'oUvHiges i ijüi fortetit de leürs ffi'aittii qjflH 

de lea'r donäer U der Auf- polu C'eft ^ lä ^üe pöüf üni 

fomine bien hib'diqüe, fe fäbfijjüe ühe ßiuitl t/iiier^ 

d'efpritf föit eh pröfe, foit isn Vers, Pöür ies /räis dd 

iocali du papier; des pltLmes et de t'iettcte ^ iet fa^» 

Uut pbüi" ft rnttif-t A iB9iii^itrt dtt Tmui^äl/hi fpictäd* 



' C 468 ] 

die Satire eines der witzigften Schrlftfteller Deutfch- 
Itnds auf ficb; ^) aber dasUebel hat darum nicht 
abgenommen. 

Auf einer, von jener St^dt nicht weit entfern- 
ten Üniverßtäl treibt ein Profefför, der durch vö- 
luminöfe Bacher bekannt ift, ein ähnliches Gewer* 
bet; üur d^afs er, (nm mich des KunftauSdrucks zu 
bedienen,) aufsör dem Haufe zu arbeiten giebt. Et 
zahlt armen Studenten ö Thaler für den Bogen, 
und Verkauft ihn nachher für 5 Thaler an die Buch- 
händler. Er macht kleine Aenderungen, wenn et 
die Zelt hat, und einige Anmerkungen, fetzt fei- 
nen Namen vor, und ift Autol*. 

Ein als Menfch und als Gelehrter vorzüglich l-e- 
' fpectablcr Mann, Verfaffer mehrerer gefchcltzter 

tionSt aujji lieft que pour lafaveur qu^il donne ä i'en^ 
treprife^ le chef retient la moitii des profits* Lefi 
libraires dbnt il eft la creature et Vappui^ lui indi^ 
queni Us 'oui*rages^ qui ont manqUä dans les diff6ren* 
tei faires ^ et il f'engage a les livrer pour lafoire 
prochaine^ C^eft principalement für les tradu&tiors 
des meilleurs auteurs etrüttgers ^ que ce fahricantfuit 
fes fpeculations , et prefthte ainfi ä fes compatriotes 
une partle des trifors litteraires des autres nations, 

*) Der berühmte Nicolai in Berlin, in feinem 
Nothanker. Man tollte glauben, das, -was er lo die- 
fem Romane mjt bewundernswurdiirer Laune liier- 
von fagt, fey blofse Piction. Ich hatte diefes auch 
geglaubt, bis ich zufällig etwas Aehnliches in der 
Nähe kennen lernte. Ghääevix. 



[ 469 3 

Werke, hat mir folgende Anekdote mitgetheilt. 

' Ein gewKfer Schriftfteller, deffen Name, Bücherii 
nach Art der Erzählungen der Mutter Gans vorge«- 
fetzt,' feit einer Reihe von Jahren den Verkauf der- 
f^lben zu fichern gewohnt war^ fand es für gut, ein 
Elementarbuch in einer fehr currenten Wiffenfchaftr 
heraus zu geben. Als? ^s fertig ift, bittet er den 

* Profeffor, von dem ich diefe Erzählung habe» es in 
einem der berühmteften litterärifchen Blätter anzu-^ 
zeigen , in v^elchem es fchicklich und notl^wendi^ 

. ift, dafs jedes neue Buch eingezeichnet werde.' 
Der Prof effor antwortet: „Kurz vpr feinem Tod« 
gab ein Gelehrter ein Wörterbuch in diefer Wiffen^f 
fchaft heraus, das er aus den Elementarwerken, mit 
einer Sorgfalt, welche für die Güte deffelben bürgt» 
compilirt hatte, und nun bringen Sie mir ein Elesmen- 
tarbuch, welches eine Reco'mpilation aus jenem 
Wörterbuche und fo gemacht ift, dals ich kein Wort 
verftehe. Ich bitte Sie, mich uiit einer Anzeige zu 
verfchonen./' Der Autor entgegnete, wenn feia 
Buch fchlecht fey, fo könne er verfichern, da£s das 
feiiiei Schuld nicht fey. „Denn wie kann ich", fagtd 
er, „darüber urtheilen, da ich kein Wort von der 
Wiffenfchaft verftehe? Ich bin mit meinem Arbeiter 
fehr mifsvergnfigt, er hat mich betrogen j doch ich 
werde mich bei der zweiten Auflage beffer vorfehen, 
und gehe fogleich, um mit dem Herrn Magifter * 
und dem Herr Candidaten* darüber zu contrahiren.*^ 
Der Autor hielt Wort, und das Buch ift in alle» 
Buchläden. 



l AP I 

S^it I^nnger Zeit treibt man (i«cli ^ufserfaalb 
peiltfchlaisds; einen klein qifi Detailfaaiidel mit Geiß, 
fiber ein foloheli: H4nc(el im Qrofisei^^ und eine fol- 
^l|e Manufactur» i(t eiq iieuer Iiidt^ftne:^w«ig|. Der 
^ame des. FabnHanten erhqht d^n Fjceisi feinem 
W^^re^i wß^ er einiger MaTsf 9 die Qüte derfelbea 
verbürgt ^ unc( d^deftö. mehr, je voxtheilbafter er 
^hon b^ekannt ift. Iq gewi(ren Fabriken weife man 
fehr- grat, vfas ein berühiniter Name werth iftt uo4 
gedingt iich Vortheile i^us, wallc»n andere Fabrik 
)canten diet £rlaubni£s faabei^f. fich dJiefes Namens za 
|)edieAen. Qanz etwas ähnliches gefchieht in dexa 
(iande, wo. man n^t Qeift im Grofsen Handel treibt. 
Um die Sandtiqn irgend eines bekaz\n,ten Namens ?u 
^aben, muts man nach directemVerhältaiffe derS(h 
lidität des^ Namens^ ni\d( nach, indicectemi der Göte 
^esi Werka bfezahlen, 

Il^efes find traurige Tbatfacheni^ oben Thatfu* 
^n. Die guten Kopfe feufzen daraber. Aheif 
ifvie Collen fie fich dem entgegen fetzen? Dergu« 
tei^ K^pfe grebt es überall nuir, eine geringe Zahl, 
^war ift (0 viel gewifs,^ da,fs» alles übrige gleich 
^efetKtx die Nation die am meiftea und am heften un^ 
terrich.tete (eyi^ wliritj^ wei^cl^e die grofste Zahl yoA 
^cl^ri^ftftellerc^ beützts^ y^eim es lauter Schriftftelle^ 
y0^ wahrem Verd^enft find. Aber lön dasi zu feyn,^ 
:(^^fl| m^|]^ clen]^e]> 3^ bevor nu^n fchreiht» ^nd naclti 
^enken^ übei^^ das 3^ wajR man lieft; fonft entfclUit- 



L 47» 3 

Herr Karften fagt S, X feiner Vorrede/ er 
h^be die Herausgabe der deutfchen Ueberfetzür(|^ 
den Mineralogie den Herrn Hauy, auf wifederhobi*- 
te$ VerUngen., bei feinen vielfäitigeaBerufsgefchä'f^' 
ten» nur unter der Bedingung Obeirno»nröen, dafs'- 
ein anderer Gelehrter fich 7ur Anfertiguttg -der Ue-^ 
berftftznng feibft yerftrtnde, und ihm niir-di« Revi-^ 
fion verUliebe. „Es zeigten fich", fährt er fort, „zwei- 
j, würdige junge Männer hierzu bereit, der gelehrte* . 
„Herr Dr. Ch. Sam. WeiCs, jetzt beliebter Pri- ^ 
„vatdocent in licip^ig, und durch mehrere Preist ' 
^^fchriften ruhmlich ft bekannt, und Herr Dr. Kiar-' 
,j, ften ausRoflpck, von deffen mancherlei fchrift*' 
„ftellerifchen Produkten ich, j^ufser dem Scherer'- - 
^^{chexi allg' Jounu der Chemie ^ deffen Redaction ' 
,, er eine Zeit lang fo gut als aUein beforgt hat, • 
,»nwr die Revifion der ohemifchen Affinitätslehre,' 
j, Leipzig 18^3» anzuführen nothig habe. Beide 
„Gelehrte brachten den Winter 18^1 hier zu, und 
j,<hefen Aufenthalt benutzte ich) damit wir uns in gc-" 
„meinfchaftUcben DeJiberationen über die zu beob- 
,, achtenden Grundfätze vereinigen möchten.** Es 
ift fohwer, hiernach allein Argwohn von Fgbrik- 
arheit zu entfernen j^ und i(t das nichtamEndenoph 
deir. hefte EntfchuWigungsgrund für fo manches 
Irrige in dem deutfchen Werke und für die Schmach 
( Vou trage )y welche Herr Karften dem Doctor 
Weifs erlaubt bat, Herra Hauv pnd der Ver-^ 
jRunft anzuthun ? 



[ 47« ] 

Es giebt In dem Werke des Herrn H a u y lüao* 
ehe Stellen 5 die eine gröfsere Geiftesanftrenging 
fordern, als die fiiefchreibung eines Minerals, Das \ 
Qanze eines geometrifcben Beweifes kann fehr woU 

* 

von jemand laicht begriffen werden , der mit ziem* • 
lieber Zuverläffigkeit beftimmt, ob die Farbe eines 
Minerals himmelblfiu oder orangegelb, ob der Bruch 
jnufchliqht oder blättrig ift, und ob das Mineral derb 
oder in einzelnen Stöcken vorkömmt. Ich weiis 
SEwar wohl, dafs man die Methode des Herrn Hauv 
för fehr fchwierig, und für viel fchwierlger ausge-> 
geben hat, als fie wirklich ift;, ein Punkt, den je« 
dpch hier weiter auszufahren der «Prt nicht ift, 
Auf jeden Fall ift es indefs immer Pflicht eines Ue- 
l)0rfetzer2; , £ich in das Schwierige bei feinem Ver- 
faffer völlig eiQzuftudiren, und will er ihn zugleich 
erläutern, gerade diefe dunkeln Stellen aufzuhellen, 
"EiX ift zu tadelui thut er diefes nicht, und vollends^ 
picht zu entfchuldigen, wenn er durch feine Anmer- 
kungen die Sachpu in ein faifchesUohtftellt,*) — .-— ^ 

^) Beides legt Herr Che ne vi x den deutfchen U&> 
berfetzern zur Laft r „ Im Origin^l^S fagt er, ,^Kom« 
inen einige Druckfehler Vor, die in den Erratis 
nicht angezeigt find; man kann indefi^ das Buch 
nicht mit einiger Aufmerkfamkeit lefen , ohne fie 
w^ahrzunebmen. Im erften Bande des Originals, 
(und nur von dem rede ich in diefer Kx'itik, da 
ich ^^ix zweiten Band der Ueberfet^ung noch nicht 
durchgegangen bin,) fieht S. i^^^ Z. 2\, cm ßatt 
Cmy und »er ftatt Cr\ S. 3o2, Z. 6 Ton unten, 

#^ ßatt ngi^und S, 3i4, Z* 7, b'r ßait/V, In dw 



. ^I 473 ] 

Zum BefchlufCe diefes Auf£atzes noch - einige Be« 

m.erkungen zu einer andern Stelle der Vorrede/ 

« 

UeberlefczaBg find alle diefe Fehlet fiehen geblieben« 
(S. 4oa, 4io» 422«) Seite 339» iZeile lo, des.Ori'* 
ginals Aeht y^fo loz r. 

;; V* 39 : V*. 3; ce qui donne paur ' VincUnalfon 
cherchSe löi*» 48' i8"-" Hier ift >r 39 : 1 zu 
lefen, da man für it sc= 4* ^^ = 9 und ^^ =s 
3 das- Verhältnifs V »3 : V i findet, welches, 
für die halbe Inclination der Seitenflächen, von de- 
nen hier die Rede ift, in der That 80® 54' 9'' giebt. 
In der Ueberfetzung ift S. 449« ^eile 6 ^ Jas feh- 
lerhafte VerhältniCs '/*39 ; Vi beibehalten worden. 
Alle diefe Druckfehler, w^elche eben £0 viel mätbe* 
jnaiifche Be weife find, dafs die Ueberfetier * das 
Original nicht ftudirlr haben, finden iich in dem 
kleinen Räume von 45 Seiten beifammen, welche 
gerade die wichtigften find , da in ihnen die T^ieO"' 
rie des Parallelepipedon entwickelt wirä.^ 

„Die zweite Periode der Vorrede des Herrn 
K^rften lautet, wie folgt: „»Die priinUiveh For« 
„men dürfen nicht, wie es häufig ^efchiAt, will« 
..|, kürlich aiigenomilhen, Ile müflen dorcb mecba« 
„ niföhe Zergliederung der Kryftalle darg^gt, oder 
^t durch Berechnung gefunden 'werden*^ MlUi ver^ 
binde hiermit folgende drei Stellen ikns dem Wer- 
ke des Herrn H a u y ; Seite 90 : «$ £•« diut/ian 
mSdanique des jninSraüx t quiefi'ie mAyen de recon-^ . 
naitre ieur vraie/onnt prikiitit^, ** -^ -r^ Seite 27 5 
„ A Veg'ard des criftaux , qui: fe refy/hnt '"a iä diififion 
jnScanique, la thiorie fecondäe ■ pai* certainf indi- 
9€i doat htous pttrhroM dMn$ la fmtSt pg^i^bondairp 



[ 474 3 

H«rr. Karften fagt S. IX umf X: ,,Das Werk 
,, des Hrn. H a u y . ift mit de^ lehrreicbften Rapitela 

■ 

i <Üt0nniner hur form%s primitive f » mu moins m^ 
^ae ' aff^z grande wi^ifemidattce ** , . U|ld S. vi(\ \ 
^ l eft ajjez rare de troui.er uattkinörcd fous la forni^ 
/ priujUive donnde intinedicttenif^ut pur la aäture , fit il 
Y a nn certain nonibre d'efpeces , ou cette forme n'efi 
^onaue que par les r6fuUats d^ (a di^'ißon ynScatzieue 

m 

ft (1*1 la th^arie,^^ — f Ich wüafchre c^in ' einziges BeU 
ff>i6»] ZU wiCTen, wq rjie priiKitive F^rna durch ßc^ 
ydcbpung gefu9den worJer» v/ärc. Die mechani- 
, fche Tbeilung des KüOkTpaths, des Flnr^fpathsj 
V. f. w«, ift nidu Dcrcclinnng. igben fo* wehig ßn4 
das die Kennzeiclioa des Darchgangs' der Blätter, 
Isicbt der C^lcul hat Herrn Hauy auf die Veri 
Iputhung gebracht, dafs iSerAplome kein Granat fey^ 
und bat den unter zw ei deu tigern und nicht 2;u be^ 
Jiandelqden Formen verfieckten Schwefelkies auf 
de.il w^hr^n Kern zurück gebracht^ den in andern 
Fällen di^ Natur unverßellt gieht, um gleichlam 
die Blicke des Genies hier, und dazu bewähren, 
Herr Karften yerwechfelt das, was Herr H^uy 
l^nter, Theorie ycrfteht^ mit Berechnung. ^' 

^^ Seite 57 fegt Herr Hauy; ^^J^ dßnnerai le 
nom du möl4Qules jouftraetlves A ces parail^lepipedex 
^ompüfis d9 titraedres ou de prisines triangulnir^s, e( 
4ont*Us rß/tß^es niefur6nt la quantiti de decroiffemtw^ 
qu^prouyent Ifs Uines de fupsrpqfitiaa app-iifu^e^ für 
hs faces de la fopme primitiue.^^ Zu der» Wartca; 
moldcules fouftractitfes ^ Wiftcbt H^^T Karfiexi fol- 
gende Anmerkung: nOtan kann Cq auc)^ fubüi- 
tuirte Molecülen nennen» weil ij^e fich lUtt der 
Vahirea Moleciilen .(ftbfiimirea la{fe.n| u. t w. 



• C 475 } 

angefüllt j und die mathamatiftrhe. BAiwiokelung 
derGeretzCt nach welchen die fecundären Formca 
aMfeinJgewejiige primitive zurück gtjfohrt w^rdea 
können, (cy' allein fchon wichtig genug, um esi 
an die Spitze aller Werke zu ftellen, welche da^ 
Ausland uns Ober die Miaeralogie geliefert hat." 

Diefes ift Wahrheit, ftrenge Wahrheit, aber 
icht die ganze Wahrheit. Es würde gerathener 
3wefen feyn , tiber dem , wa^ hier beriUirt wird,, 
nen Schleier zu laffen. Nichts zvvaag Herri^ 
a r ft e n , ihn auFzuhebep; da er aber d^e Verglei«> 
lung anftellt, fo wiilich v^rrucfaen, iic /rtxUeikds 
jszufnhren. 

Ich wüfete niemand, der das Werk dfe's Herrn 
is^uy unter iJfgend eins der andern W^ke gtffetzt 



» • 



Ich Weift nicht % wat er unter wahret ftlolecöl 
TQfAeht; fall d^^s aber dal integrire^de Mole- 
cül (eyn, wie es Tcheint, denn ich kenne hein an- 
deres, fo. ift dtlefe Anmerkung ein Beweis , dafsi 
Herr Karften von diefen beiden Arten von JMa^ 
leculen einen falfchen BcgriflF hat« Nie läfsi iicii 
das fubtrüctive Molecül dem integnrendtfti Xubllitl:ii- 
reni den einz^en FaU ausgenoaimeii, wq da« 'vor. 
legrirende Molecül ein dem jubtra<:tiyen äbnliche% 
P^rallelepipedon ifi; nur danfvlaEfen. ße (ich «^i^^ 

. ivi das andfere nehmen. In Herrn Hauy's Theo» 
t;\^ And vier Körper geometiifch zu bctrachrii^R.. 
Nur Einer derfelben hat durch düe Erläut^rungei^ 
In der Ueberfetzung nicht gelitten ; und das tieri^ 

^ M^elcher in den meiften Fallen in die Stalle (iÜÜ^ 

_ ■•■■■■ 



C 476 j' 

hättet welche in England oder in Frankreich über 
Mineralogie exiftiren. Herr Hauy läfst sdle writ 
hinter Cch, welche den Oegenftand aus demfclbea 
Cefichtspunkte betrachtet hatten , and f ögt den frü- 
hem KenntnifTen Thatfachen bei, welche uijan nicht 
einmabl geahndet liatte. Bis hierher ftimme ich alfo 
mitHrn.'Karften ganz überein, Daft ftber er, der 
fo unparteiifch ift, hier die Vergleich ung abbricht^ 
läCst etwas ahnden , worin, ich nicht feiner Meinung 
feyn kann, wenigftens nicht, ohne zuvor zu unterfa« 
chen, wie weit es gegründet ifl. Er icheint haben 
andeuten zu wollen, das Wf^rk des, Herrn Ha uy 
fey nur denen des Auslandes überlegen» Deutfcb« 
land aber, fein Vaterland^ dürfe fieh rühmen, 
beffere^u befitzen, Diefes beffere Werk habe ich 
bis jetzt noch nicht gefehn, und manche Andere 
haben das'eben fo wenig. Man weiCe 6s uns nach, 
und nenne uns den Deutfchen, deffen Mineralogie 
jnit der des Herrn Hany fich vergleichen läfst; 
diefes wird ein Verdienft um das Publicum feyn. 

In Deutfchland ift die Mineralogie eine nationale 
Wiffenfchaft. Die. Bedürfniffe der Menfchen ha* 
ben die Künfte erzeugt, und fie entftanden , indem 
man theils erfetzen wollte, was die Natur verfagte, 
theils dd,s zu benutzen fuchte, wa^j fie. vergönnt 
hatte. Ein grofses Land, reich an metallifchenMi« 
neralien, und die älteften Bergwerke in Europa, 
haben die Deutfchen in den letzten Fall gebracht 
Es -ift daher nicht zu verwundern» dafs fich unter 
ihnen die gröfste Zahl von Männern findet, die auf 



. " C 477 1 

(len erften Anblick ein Mineral von ftiliem ancten;! 

-SU unterfcheiden wiffen« Ob diefes inde£s die 
wahre Wirfcnfcliaft fey^ das ift eine Frage, auf 

^die ich mich hier nicht einlaffe, die abfer wohl 
befonders unterfucht zu werden verdiente* Gar 
häufig entfcheidet diefef Empirismus richtiger und 
fichqrer, als alle Arbeit Im Zimmer. Von Zeit zu- 
2eit find Männer aufgeftanden j welclbe in diefd er- 
langten Kenntniffe eine Methode zu bringen, lincl 
trincipien für fie auFzuftellen gefucht haben j doch 
hat es ci'ft feil etwa dreifslg Jahren einfem öeifte# 

-fähig, das Ganze zu ümfaffen und den Mängeln ab* 
zübelfeo, geglückt, die HinderniiTe zu heben^ wel* 
che bi3 dahin die Fortfehritte in der Mineralogie 
verzögerten. Öerr Werner hat bis jetzt nur we* 
DiggefchrieUen, uad fein Syftem ift in den Mariü- 
föripten feiner Freiberger Schaler vergraben, lind 
tiür verftümmelt in den Büchern einiger dei'felbeh 
enthalten, die fo dreift gewöfen find, fich deffclbeti 
zu bemächtigen; Bücher, von denen, nach Herrn 
Werner-*« Urtheil, Ueiiis ohne grobe Fehler und 
VerftüCse ift. Hätte diefer Vater der jetzigen deut* 
fchen Mineralogie fein Syftem felbft bekannt, ge- 
macht, fo würde es eine ganz andere Sache feyn 
und unfer Ürtheil würde anders ausfallen. Da- 
durch, dafs er dicfö feine Verbindlichkeit gegert das 
Publicum vernachläffiget, und fein Syftem nicht be* 
kannt macht, verfällt er nicht blofs *in die Schuld^ 
fjlr fich und für die kleine Zahl, welche den Vor- 
theil haben; ihn hören zu können, die Früchte fei- 



E 478 i 

^er hhgen tind geLehrten Naöhförfohüngeh ünrfick 
zu Balten, föndern auch in die Schuld, die Sxifteni 
(einer Menge fchlechter Schriften^ worib mit feineil 
Ideen Handel getrieben wird, einiger MaCsen zii be^ 
günftigen« da eiü Werk aus feiner Fedei" fie iü das 

Kichts wüi'de iuröck gewiefen haben.*) 

j . . . • ..... 

Wer durch Nachforfchung und Arbeit die örari^ - 

jcen uüfrer Kenntnifre erweitert^ und neue That- 

fachen auffindet^ darf fich nur als den bettachterij 

bei dem fie für deii Augenblick Uiedergelegt find; 

Indeiti die Natur ihiti ihr^ O^heimniffe offenbart^ 

legt lie ihm zugleich eine Schuld gegen feine Mit- { 

bürger auf ^ und die Belohnung feiner Muhe ift id ■ 

der Hand feiner Mitbörger. Dqr ÜnterHcht, deii \ 

fer erlheilt, ürid der Rühm, der ihm' ziiwachfi, häl- 

ten gleich }rt Schritt mit einander, iind fö ift die ■ 

yerpfiiditutig gegen i'eS Hg. Wer aber diö KenntnilTe^ 

Welche der M^nfchheit niUzlich feyn köiintlsnj fülr 

*) Si cc pere dö la ttiinetalogie teile cjü'eiie le trouvc 
eh Allerliagde^ avait rempli la täche lui-m^me, oii 
äürait ed des chöfes bien difft^rebtes k dire. Eft 

■ 

HegligeaTit les engägeitietis qü*il aVoit contrafcteJi 
tis-i-vis ie public, il e& coupable, »öri feulement 
d'avDir gard^ pour lui et ^our le j^etit uombre d6 
teuKii qui peuvent avüir Tavantage d^ Teuteudr^ 
1^ fruit de f«s iotigues et favantes tri^ditations« 
tuäis d'avoir en quelquö forte permis i'^xißenöe 4 
fcette foule de maüvaii ecrits^ qui DDt traBqu^ d^ 
fes id^es, et qu*un feul mot trac^^e fa plutnej au- 
tait fait rezitfer dans U neanti 



i 4n 1 

€ch allelfl beliält* gleicht dem Ceizigeiij der eiöcA 
<Theil döS <illgemei»en Vermögens biis der Circa- 
latldil lieht» doch mit dem ünterfchrede , dafs im 
Aiigenbhcke, ivo diefer der Natur feine Schuld ent* 
richtet y er fie auch den Menfchen abträgt ^ indenk 
er ihnen mit einem Mahl wiöd^rgiebt, was er ihnen 
j^Umähliglent'Zogen hatte, .dafs jener dagegen dejif 
Welt alsdann zugleich die Früchte der Vergangco»- 
heit und die Hoffnnftgen der Zukunft entzieht. 

Man bat in Deutfchland blofs über das Werner*«* 
fche Syftem mehr Bücher gefchrieben^ als faf^ iil 
allen andern Ländern zufammen genommen übeif 
die ganze Mineralogie vorhanden find» Mari hat 
von dem Einen Täfeln, von dem Andefn ein Sy«* 
ftem, von dem DHtten ein Wörterbuchs auch 
Katalogön von gar .manchem Kabinette; Aber wö^ 
2U helfen alle diefe Düplicate* und diefe rrototy* 
pen eins von andern? Haben ße die Wiffenfchaft 
weiter* gebracht? haben fie fie auch nui* mit ei* 
net nöuenldee bereichert? be\V eifert fie eiiie Füll d 
an Geift odei" eine Unfruchtbarkeit an Gedanken? 
Und fie Fruchte Wahrei^ Gelehffamkeit öder von Pö* 
dantismuS und ift durch fie das Lichte welches vöÄ 
dei* Quelle, aus der Ü6 fchöpfen, ausftrömt, wrii-< 
ter i^erbreitöt, oder nicht- vielmehr gleichwiä 
düt'ch Wolken gefchwächt worden? Herr Wer-*- 
net befolgt in feinem Vortrage ii'gjend eine Ord- 
nung Af Bi Ci Dj ein anderer rnacht daraus, D^ 
Ci B* 4; elti dritter Ä i D, A, Cj und das nennt 
man neue Srßeme^ ddren dann freiÜeh faft fo viel 



C 48P 1 

ttiöglicb firid* als Permittationen döt WerüetTchclt 
Artea. Er nennt feine Minerde <z, b^ c, d; eitt 
anderer ff* c, fe, d, • Hat er 221 Arten, fo macht 
ein anderer daraus 257 > indem er die VVernerTcheii 
zerfetzt» und mit diefem Syfteme in. Lumpen macht 
«r fich zum Autor* * ) ' 

Wollte Hei^r Karftön utitei- diefext Schrift* 

ftellern einen Nebenbuhler für Hrn. Hätiy fuchen^ 

'fo müfste ieh Von feiner Vorliebe für Deutfcfaknd 

an feine/ Urtparteylichkeit appöUirenj von der er fich 

bei einer andern Gelegeüheit fo fehr Preührl ge* 

Äcigt hat. Wüi*de et Herrn Hauy etwaä v<3n dem 

Verweigern, womit er den Doctor Weifs fo reich* 

lieh befchenkt hat? odei* föllte ei* mit wohltliätigef 

.Haüd nur den Armen an Oeift mit ihr unterftützett 

wollen? — * — Doch auch Herf iCarftert wird 

gewifs nicht in Abrede feyn , dafiS alle diefe Schrif-^ 

len, mit fehr wenig Ausnahmen, eher eineSclimäch 

für die Wiffenfchaft, als werth find> den- Aubm 

des Herrn Hauy zu theilen. **) 

Doch das ift noch nicht alles. -Das Werk det 
Herrn Hauy fteht weit über ein gevKjöhnliche« 

Werk» 

*) II fera fendiller (qu*oTl me paffe Ic terme) ceiks 
de IVI. Werner, illes dechirera par lamheauj^i 
et ävec ce fyfi^me en guenilles, il fö fera auteur. 

**) Qn'avec ün trc^s-pctit riombre d'exeöptions, c^ft 
onVrages fönt plutot une honte pour lä fciencei que 
digH«$ de partager la gloire de M» Hauy« 



t 48-*: l 

i;Ö'«rW, llftcti ^^il dienn Heft ICaf ft^tt eihrtiaU 
diefe Sache in Anregung gebracht hat« fo wolle4 
wir fefaen, wie denn die Schriften ^ auf welche ei^. 
hindeutet» diefen Zwilfchenraum ausfüllen. Wir« 

I 

Wolfen^ uhn kürzer leyn zu können j die Mittelniä-^ 
£sigkeit zur Gränze nehmen, u^nd alle Bücher über«^ 
geben, die nicht einmahi diefö erreicht haben. Nach 
dem Oeftandniffe dereiT) welbhe die Wiffenfchaffe 
^irgründet hüben ^ giebt es im Deütfthen nur etwa 
drei Werke, welche diefer Bedingung entfpren 
then. *) Giebt es aber deren, etwa keine im Au5«^ 
lande? Unteir den Elementarwericen über die Mi-, 
lieräiogie Weh Werner'fchen Grundfätzen^ darf 
das Werk des Herrn Bröchant nicht übergangei| 
werdeh. Es fft neuer als die meiftenji Von deneü 
Wilr hiei: reden ; und fchon das ift ein reeller ^oir-^ 
zUg in einer Wiffenfchfift, die im Fortfehreiten hea 
gHffen ifh Doch wollen wir davon abfehen^ dt 
das kein MaaTsrftab für die Talente des Verfaffer« 
Iftj und die Frage fo ftellen : Ift unter jeneii drei 
Werken eins, das für die Zeit ^ als es erfühlen^ fo 
Vor:idglith Wäre^ als das IfVerk des Herrn ßro- 
fehant für die Jahre 9 bis li, {iQoi bis iSoS?) 
o^Ier-, hat Herr Prochant mit^ben fp viel oder 
mehr Talent al^ fits diefelben Qegdbftände behandelt^ 
Welche fjch bei den deutfchen Verfaffer n finden? 

^) De TaTeU de ceux^ qdi ortt ä|5profon<ll la fciejice) 
il fe troave a peu pri^s trois ouvrages en allemand) 
qui r^pondent k ct& cotidlliotiSi 

Annal; d, Pbjriiiu B, lo; St, 4. /. t^o^. Suä' |lh 



C 4S2 3 

Ich geftebe» dafs ich aus den beiden Bändln 
4es Herrn Brochant mehr' Belehrung eiJiahen 
habe» als aus den Schriften aller andern .Mineralo- 
gen, welche Ober das W^ner'üche Syftem etwas ]^a« 
ben drucken lafTen. Ich habe darin mehr Genauig- 
keit » mehr Nachforfcbüngi mebi* Soi'gfalt und we- 
niger VVillkahrlichkeit gefunden ^ Und ich ziehe e« 
^ mit der Ueberzeugung zu Rathe, dafs das^ was ich 
fuche» darin beffer, als ii'gendwö andets dafgeftelit 
ffr. Diefe Ueber2SeUgung gründet iich auf wieder^» 
höhlte Verfuche^ udd ich habe mich nicht Ein Mahl 
getäufcl^t gefunden. Do(ih. nieine Stimme ift hier 
von keinem Gewichte^ Andere haben dber diefelbe 
Bemerkung gemacht. Und darf man ailiiehmeili 
dafs der Urheber eines Syftems am heften beiirthei- 
lenkönne^ wer feine Ideen am ricbtigfien dargcftelit 
hat, io ift der Streit lange entfcbieden^ da Herr 
Werner keinen Anftand nimmt , zu fagen^ daf^ 
von allen mineralogifcben Werken nach feineii 
Grundfätzen« das desi. Herrh Brochant das be« 
fte ift. 

Aber^ wird man rnii* «in weiteten. ^ ttett Öro-* 
ahant hat jd doch feine Mineralogie aus den Wer- 
ften deutfcher Minei'alogen gefchopft. Das weifs 
iph; doch gerade diefes zeigt feine Üeberlegenheit. 
Hätte er nicht ihre Mängel gefühlt < iö würde er 
lieh begoiigt haben, fie zii copiren^ und fein Werk 
würde deit ihrigen ähnlicher geworden feyn. Aber 
gerade durch ßeurtheilung und richtigen Tact un- 
terfcheidet er fich von ihnen ^ und er bat bewiefen^ 



t 483 ] 

I 

ua&, Wenii «er iiach einömModall arbeitet, es nicht 
^us dem Grunde g^fchiehii weil er nicht für fich 
felbft denken könntdi 

Und hietknii ift die ganze Vergicichürig zn End& 
t)enn nntfef den döütJcheh min er alögifchezi Schrift^ 
ftellefil giebt es^ niiüint inäli did altern aus, keiiieil 
dnztigetij der üicht Voii dfeii Wßriler'fcbört (/rund- 
^tzen öusginge; Sie häböü feine Pbrafeii wieder* 
iiobli, und find fein £dhp bis züni Üöberdrüfsi j^ 
ddöh to vef wirrte £cboSi dafe häufig äi6 ÜrtönA 
ddHn iiicht biehr zu erkennen find, 

Ühd däS hiäg fftif jctJit^enüg feyä* 



Wir l^eliriliier zweiWiffenfciiafteri, Chemie ühd 
Minäralogiö^ welche die Liebkofuitgäil des Träns«^ 
ifcändehialismu^ Erduldet häbeii^ üiid waä für Üä* 
geh^üei' dadurch iü di(^ VVelt geköraiheii fiiid; Und 
das find iii^ht did eihizigeii Wiffetifchäftdit, die) 
dief^s Üilgläck b^tföfFeii hat; üocH wir inäfleji 
hoffen i da(s der Plaiij den er geUist zu haben 
fchäinti üni dexi mänfchücheii Oeift befab zu wür* 
digeil, vdd deii thätigeü iiiid eifrigen Freunden der 
Wiffenfchaft, diö Überall Wäöhöüi wefdä vereitelt 
wef den ^ iuid dafs hald auch Deüifchlarid 1x5 gut als 
das Auslatid fich gdg^ti di^feti wäbreii JacöbiniSüius 
inl Feldö der Wiffenfchaft einftimrtiig erhfebfeii ii^er* 
de. iiTimefhiri hülld märi dSö Statud der rhedicei* 
i^chcd Venus ) iiiti fie zu äniftelleij» iii Lümpdiij üiit 
i6r Zdt zerfail^ü äe in Staub i und der Uätniöf 

ttii 2 



l 484 ] 

bleibt. Es h^t nicht in der Macht des Doctors 
JrVeifs geftanden, zu verhindern, dafs die Ueber- 
fetzung' der Mineralogie des Herrn Ha u y das 
fichönfte.Gefcbenk ift« welches durch Herrn Kar- 
ft^n den Mineralogen' feiner Nation gemacht wor- 
den ift, felbft ungeachtet der Irrthamer9 die durch 
Uin hinzu gekommen find. *) 

*) VoiU donc deux fciences, (et elles tie Tont pai 
' les feules «) iä mineralogie et la cbimte, qüi out 

^■*- foofFert les carelTes du transcendentalistne , et voili 
les mpnßres qu'elles ont enfent^s. Mais il £aut 
efperer que les pro)ets qu'Il fait pour avilir l'efprit 
humaiti, feront d^joues par les amis actii^ et a<i« 
\oues qui Teilletit de tous cAt^s, et que*' bientöt le 
cri deviendra unanin^ .en Allemagne auQi bien 

^ quViHeurs, eontre ce vrai jäcobinisme litteraire. 
Qu^on couvf e de haillons la ßatüe de la belle V6* 
nus pour la rendre difforuie, le tenns les fera tom* 

V her en ^ouffiere, et le znarbre refie« II n'a pas 6ie 
au pouvoir du docteur Weifs d'empecber que la 
traduction de le IVlineralogie de M. Hauy n^ait 
ete Ic plus beaucadeau que M. Ka rften ,a fait aat. 

' mnieralogiftes de fa nation ^ m^me malgrö les er» 
reurs quUl a ajout^es. 



[ 485 3 

■ ■' ^ '' , , ■.in. ■■ • ■ 

Üeber die rein§ Thonerde van Hatte. 

, ' Ton * 

Herrn ChsnevixV ^ 

Mitglied def^konlgl. londnsr Soc.^ der irifdieigk Akad..-» u. L rf»*) 

Di^ Thonerdo von Halle ift allen Mineralogen 
bekannt« Ich verdanke die* mit welcher ich die folr 
gende Unterfuchang angeftellt habe^ Herrn Prof« 
Gilbert in Halle: und da diefer Gelehrte fie an 
Ort und Stelle aufgelefen hat, fo ift keia Irrthum 
in Hinfioht der Identität derfelben mit der» welche 
von (der nämlichen Stelle herrührt, au fCbrchten. 

Ich liefs in einem filbernen Gefäfse, welches 
x6 Unzen Waffer fafst, 12 Unzen cieftillirten WaC* 
fers fehr lange Zeit über 1 50 Grains hallifcher TboBH 
erde koehen* Von Zeit zu Zeit wurde neues Wat 
fcr nachgegoffen, uip das, was verdampft war» zu 
ergänzen, und diefes fetzte ich fort, bis ich end- 
lich gegen 4 Pfund Waffer verbraucht hatte. Nach 
dem Filtriren Wiirde die FJüfßgkeit concehtrirt, und 
dann fo wohl mit falpcterfaurem Baryt, als. auch 
mit Sauerkleefaure auf fchtifefelfauren Kalk ge*- 
prüft. Ich konnte davon nur fehr leichte Spuren 
entdecken, und die hallifche Thönerde h'alte faft 
gar nichts an Gewicht verloren. 

*) Diefer und der folgende AufCatz find aus der Hand' 
fchrift des Herrn VerfafCers, die er mir für die 
Annalen mitgetheilt hatte, überletzt; das Original 
ift feitdem in den Annaies deCkimie^ U 54« p« 200 f.* 
(Mai i8o5j) abgedruckt woFden^ d« Ö'^ 



\ 



Per Hückftand wurde mit Kali, und d^nii piit 
Salzfäures auf die gewdl^nliche Art behandelt, um 
flavon eine irollftändige Auflöfung zu erhalten, Icl^ 
fuchte darin mitJfalfe fiUef in 4eFCbeniie|>e)(anntea 
Mittel, nach j^alkerde, fand aber nur etqe ^iifserft 
geringe Menge. Dagegen geigte falpe|erfaure|t Ba% 
ryt eiiie zieiti^lich bedeutende M^Pge Schwefelfäure. 
Da die wenige Kalkerde , was die Sättigung diefcf 
$Sure betrifft^ faft gar nicht in Betracht kommen 
kann, fo läCst fich fehlleiten, dafsdie Schwefelfäure . 
an die Thonerde gebiindea war. Nach Berg*, 
mann enthält die fchwefelfaure THpnerde p/5 dec 
falzbaren Grundftof^ und .0/5 der Säure. Da ich 
pun in der fo genannten reJQeqThQrterde von Halle 
Bafis und Saure ungefähr in dem Verhältqiffe von 
3:2 gefunden habe, fo glaube ich, dafs diefes Mi«; 
tieral fcbwefelfaure Thonerde, mit Ueberfcb uis an 
Yhpnerdp fey. 

IVIaq ift in Zweifel gewefcn, oh diefe {q genann« 
fe reine Thonerde ^iri Produkt der .Natur oder der 
ftunft fey, Vergleicht man das? V^rhaltnifs zwifcheii 
Bafis und Säure in ihr, mit dem VerhältniCfe |>eir 
fler in d^m Produkte der ^ierfet^qng der aberfau«; 
prn (chwefejfauern Thpnerde dufch Kali oder Am* 
inpniak, fq fiqde^ lieh zwifchen beiden eiq^ Aehn« 
Jichkeit, welche füy diefe Streitfrage von Bedeu- 
tliog fey n durfte. Es; ift bekannt, dafs Thonerde, 
^ie au^^laun durcli Alkalien niedergefcblagen wird, 
fineq AnthöU Säure zurück behält, wie fich das, 
flach den Anflehten des Herrn Berthollet vpr-s 



l 487 3 ^ 

?us vermulhenlicfs; und Herr Guy ton hat dicfe 
Thatfacke feiner Aufmerkfamkeit nicht entgehen 
laden, bei Gelegenheit einer wichtigem , dea Dia- 
manten betr^fend, mit der er iins bekannt gemacht 
hat, [Annal^rh iV, 405] Vielleicht möchte es auch 
picht imbelphqend (eyn, die Hefultate der, Zerle- 
gung des Alauns; durch Kalkqrde aufs neue mit Sorg- 
falt zu uqterfuohen ; eine Bemerkung, die ich bald 
iniltheileq werde, macht das w^hrfcheinlich. 

Kerr Simoq in Berlin hat di^ hfillifche Thon- 
0rde zerlegt, 11 nd Herr Fpurcroy fie fpäterhin 
pntei-rucbt, Ihre Refultate ftimnien qicht mit eiii- 
9nder aberein. I{eYr Gehlen in Berlin will die- 
(en Zwiefpalt heben , qnd druckt fich, indem er 
Yon feiqer Arbeit fpricht, folgender Mafeen aus: *) 
,,Es mag^ vielleicht aus irgend einem Gefichtspunkte 
j, wenig d^r«in gelegen, feyri, ob in Hinficht einer 
^,Subftaqz, welche die Natur zu ein Paar Pfunden 
„verloren jq einep Winkel der Erde warf, das von 
^, Simon pder Fourcroy aufgeftellte Refultat 
,,das wahre ley: aber daran ift viel gelegen, zu 
„wifien, welchen Grad von Zutrauen die Arbeiten 
M eines Chemikers verdienen ; und diefes kann doch 
„zun* Theil oder faft "gänzlich n»r dadurch be- 
^ftimmt werden, dafs irgend von ihm aufgeftellte 
„Refultate von andern anerkannt gefchickten un4 
^genauen Chemikern beftätigt werden/* 

^) A>tf w allgemeines Journal der Chemie , heraus ge- 
geben von G e hl en, B. I , S. 67s. 



•» 



t '483. 1 ; . ' 

' T9^ucI weiterhin: »»Bei einem GhBiTiikeCji ^is 

,»FouroroyV mufs man befcbeiden feyn; es lA 

^ daher anzunehmen', dafs feine bäUefclie Tbcub 

,,erde Keine haliefche Thonerde gewefea fey. . Zu 

s,wUntchen wäre es hideffen« da(s ex fioh von Sit 

tjmon^s Abhandlung eine näherte ICenntniCs -fen 

i^fchafft hätte, ala er gehabt zu hahen fcheint, weil 

^diefeihnw^hrfchelnUch verhindert haben wOrdei 

jij^unter feinem Namen eiae f^lfche A^^ho \i\ dii 

^ WeJt zu fchicken. ^^- 

Hier tritt aifo Herr Gehlen, ,», einer der g^ 
ß:hickcen und genauen Chemiker y^^ auf, erhebt fich 
iLus eigner Machtvollkommenheit zum Richter aber 
Herrn Eourcroy, und endjgt damit » ihm eineo 
Verweis zu gehen, der, ift er auch nicht geradezH 
und förmlich, doch, wie es mir fcheint, die Grau- - 
^en des Anftande^. ühprfchreitet, aum wenigften 
pach dera^, was anderswo fchickUch iCt* 

A^tit welchem Rechte meint indefs Herr Geh- 
Jen mehr Zutrauen als Herr Kouroray zu fin- 
dien?' Was far Eroberungen bat er im Gebiete der 
Wiffeulchaften, gemacht, dafs er ficb anmafst, im 
Wirlerfprucbe mit eineni Chemiker- von längft aa- 
fi;kannler Gefchicklichkeit die Meinung far fich 
'ZU gewJAncm? Umftmft fache ich in der Vergao- 
• ^enheit» worauf er diefe Anforderung gründet; 
und ijch (ehe felbft keine Hoffnung» dafs fie in der 
^ Folg<^ rechtn^äfsig vverdei^ dürfte, * ) 

' *^ nVoila doncM. OeWen, un 3e cijs «».chimiftes habi- 

• • . 

{es ^% exacts" , c^«^ de fk jpropr* ai^ont^« ftt co^f^. 



kl 
ti 
B 
i 
i 



[ 489 1 

Herr Faurcroy gehört nicht zu de» ChemJ-« 
kern*, derfiq Veräjenft (ich d^raut ehifcbirSnkt, ia 
einer gegebeneii Subftanz von diefem oder jenem 
Beftandtheiie etwas mehr oder etwas weniger «ach- 
^uweifeq. Man weifs, dafe diefe Geduld erfor- 
dernde Arbeit, die mau oft in Hinficht dos Oeifte« 
^u hoqh anCchlagt, fo viel Schwieriglceit fie aucU 
in der That in der mechanifchen Ausübung hat« 
doch diejenige |ft, bei welcher die Geifl;eskrä£te am 
wenigften iP Anfchlag kommeo. Herr Four-^ 
croy iit gleich weit von den ohne Phantafie ex- 
ahirten oder dea fchwachen, in Unordnung gebrach- 
ten KapfieP), welche die Thatfacheo verachten, um 
CchTraumer^iefn :ju ergeb6p, alsvondenexveatfernti^ 
deren fchwerfälüge Gedanl^eu,, .die in unermefsr 
Jichen Arbeiten zerflreut find^ rari nantes in gur*^ 

tue Tarbitre du Fart d^eM* Fourc^oy , et qui iiai| 
par }ul donner unjdemehti) lequel^ Til n'eft pat 
con^u en teruies directs e( ForpielS) pdffe, cc mm 
(emble^'les bornes de U bien(^anc^ pbilofophique ;^ 
4u moins eii le coinparaut ayeQ ce c^u'on a ^ovitum» 
de voir ailleurs. Mais en general, par quel droilr . 
M» GehJt^n croit-U attirer plus de ^onfiance que 
M. Fourcroy? Quelle cpnqu&te'a - 1 • \I faii danai 
Fernpire des fdences^ pour qu*!) pr^tend^ ' fubj[a« 
^uer les opinions^ ea depit de l^habilit^ reconnu«^ 
d*un chimifte dopuls longtrems diftingu^? Ceß eQ 
vaini' qüe }e cherche dai>s le paffö, für quol fopi 
fbndees fes preienQons ; et refn^etanc« Aidme noi 
ipermet pa» de' croire„ ^u'ttu j^quc ^11^ detieit*« 
AkWt legitinRt^i.^ 



C 490 3 

gUe va/cof nur erfcheinen, um den Wunfeh tu er« 
regen » recht btild wieder. vergefTen zu wMflen. *) 
Er ift philofophifcher Chemiker, und was man auA 
gegen fein Syßeme de$ connaiffances cftiniiques ge- 
fagt hat, fo ift und bleibt es dpch fQr inimer ein 
Jdaffifches Werk, welchem In Verbjqdung mitdei 
andern Arbeiten, an deneii diefer- Chemiker Thefl 
gehabt hat, für alle Zeiten eine d^v glän^endften 
Epochen der Wiffenfphaft bezeichnen wirdt Es ift 
meine Abficht nicht, Herrn Fp u r c r o y ^ine Lob- 
rede zu halten; der Ton aber, den Herr Geh- 
len in den angefohrteq Stellen , und überhaupt iq 
^dem ganzen Axiffatze anftirnmt, fcheint mir nicht 
pinder ungeziemend In Hinficht diefefs Gelehrtea^ 
|ils gefällig gegen fich (elbft zu fevn^ 

^) M, Fouroroy u'eß pas de oes chimiftes, dont 
]ß nidiite fe borne a recbercher un peü plus ou un 
pen mpins de \e\ oq de tel principe, dans une [abi 
fiance donnee. Qn fait €(ue ce genre de travail 
patient, dont on fait fouvent trop d'bonneur a 
Fefprit^ diff)ci1e i) eA s^^^ dans T^i^^ontion indca« 
pique, ^(t en gf^neraf ce|u], oii les fapult^ iiuellec^ 
tuelles JQueht le mpindre r^e\ M. Fpurctoy 
f [^ egalement: eloigne d^ ceux, dont Ic^S tdtes ex« 
^Itees fans imaginauqn, pu bou1eYer(ees par foi« 
bleffe, n^eprifent le$ faits pqur radonner aux rÄ- 
ves; et de ccs ftutre«, dont \es Jourdes penfees, 
frugalement eparfes dans leur immenfe^ travaux. 
fari nantes in gurgite vafto , ne paroiCTent qua pout 
^n faire delirer le pronjpt oubJi» 



C 49« ] 

Doch Dicht blods der Ton ift z« tadeln i m<h 
fler Grund der Kritik ift nicht vorwurfsfrei. Herr 
Werner bat in mehrern Starken baUifcher Tbon^ 
«rde GypskryftnUe von der Art *) gefunden, wel- 
che unter dem Namen ; Fraueneis, bekannt ift Dift 
Stücke^ weiche ich nnterfucht habe, hatte er ai« 
iblche anerkannt, weiche keine w^hrnebnibareKry^ 
ftalle enthalten^ Herr F o u r c r o y war von diefer 
Sache nicht unterrichtet; und fie reicht hin, die 
yerfcbied^nbeit ziwifoben feinen Hefnltaten und de- 
pend^s Herrn Simon zu erklären. Herr Geht 
}en, der da^ gleichfalls nicht ^ewufst zu habeii 
fcheint, nuig aUo immerhin zugeben , d^ts die voa 
flerrn Fourcroy unterfuchte Erde wahre hal- 
lifche Thonerde gewefen fey, und uns mit der 
Superiorit^t verfchpnenj die er ficb über diefen 
Chemiker in (b fern {iiimafsen zu dürfen dünkt, als 
er feine eignen ünierfuchungen Ober eine der am 
leichteften zu erkennenden Subftanzen im ganzen 
IVIineralr eiche» für verdienftvpjler hält, 

Eine Bemerkung Herrn Werner 's läfst roith 
glauben, dafs es intereffant feyn dürfte, Alaui| 
durch Kalkerde zu zerfetzen und da« Produkt die« 
fer Zerfetzwng mit vielem Waffer zu wafchen,. uin 
ßs in den Zuftand der hallifchen Thqnerde phn^ 
gelenitkryftaile ^u bringen, Piefer get^bipkte B6% 

t) piefer berftbmte Mineraloge nimnit zwei Arten 
fchwefelCauern Kalks an, die jedpch diefelben 9e<e 
ßgndtheile in gleicher Menge haben. gh^n. 



I . 492 H 

öbaehter der Nator vermntbet , dafs di« Kunni gro« 
fsen Antheil ah der Bildung diefer Subftanz habe^ 
Weil man fie nur an der Oberfläche, Und nicht weit 
von dem ebem^hligen grofsen Laboratorlo des Wai* 
{enhaufes zu Halle findet ]^s wäre mOglich, dab 
znan zu einer .Zeit, als man noch glaubte, die Ma< 
terie* aus der man die Compofita zog, babe auf 
iie eben fo grofsen Einflufs, als die BeftaadtheiU 
felbft, irgend ein neues Wunderfalz durch Zetfet* 
9ung des Alauns babe bilden wollen» Und zwar* 
iftHerr Werner geneigt, zu glauben, es fey der 
«hemaUs fo berühmte tärtarus vitriolMusi dei ' 
*9xan auf diefem VV^ge zu bereiten gefurcht haha«' 



mm 



C 493 J 
IV. 

EtNIGE BERfERKUNGfiN 
Mher eine von He'rrn lil»proth geäufterti 

VermtithuH gi 

von 
Herrn CttENEvix^ 

Mitglied der königl/londoer und irifchen Soc. > U. t. W« 

Eine Vcrniuthung, welche ich in einem deif^ 
Äieucrten Aüttät^e des Herra Ulapi'oth fihde,*) 
Veranlafst mich zu einigett Bemerkiiiigert, i^elcht 
löh hier mittheile. Diefer gefchickie Chemiker re* 
det von der Flufsiaure^ Weicht Herr MörecchV ^ 
ni in foffilen Zähnen eines Elöphanten öntdeckt 
. hat, die H6r-r Möfözzo bei Röhi gefiirideii hat«- 
tfe, und äufsert dabei Folgendes : „DjefeEntdeckün|( 
itt von Wichtigkeit. Denn da diö FlufislVäthfäui-d^ 
zu den Boch uhzerlegteh SäufeH gehöri:, deteü' 
Cründmifchüng daher noch unbekannt ift, fq 
könnte dlefe Erfahrung tu. der Annahmt böJrfechti-^ 
gerii dafs hier die Natur ejn^ Uiri Wandlung der 
Phosphorfäure in FluCsfpathfäui-^ Veranftaitöt häbe^ , 
und dafs diefem iiach die letztere al^ einö modifi^ . 
^cirte Phosphorfäure zu beti-achten föyu tnöchte." 

Und etxyai weiterhin, tiachdöih Qt bemerkt bäfi 

" dafs die Eatdecküng des Hfefrn Moirfeöchini fich* 

durch feine Verfuchc völlig bäftätigt finde: „Drf 

AUa^ nach Maafsgabe unfrer jetzigen Ketintniffei 

Kein örund vörhaiideli ift^ die Flufsfpathfäufe. ab 

*) Migemeines Journal def' ChemU , herausgegeben 
von GehUn^ :B. 3, S. f^siS« 



' I 

V 



I 494 I 

bitten urfprflogUchen Beftatidtbeil thlerifcher Kd^ 
per anzunehmen ^ fo befiärki jene Erfahrung aller« 
dings die voterWahnte Vefmüthüng ^ daij0 Währentf 
des unbeftiitimbarün Zeitraums ron Jahrtaufendeoi 
feit welchen dfas Thier begraben gelögen, eine UnH 
anderudg öines Theils delf 'Pb06phörlaur6 Torg^ 
gangen feyn mütfe. ** 

, Was den vorliegenden Fall betrifft , tö habed 

uns di6 iehtreiüben VerttXch6 Hatchett^s Qbe^ 

die Gehäufe der Schalthiefe tind dbeif die Knodbeni 

{PhitoßTransact.f 1799 und tgöOj) belehft^ daß 

die Zähne aus zwei Theileii von verfcfaiödenei^ Na' 

tur bei'tehh ; nämlich auä einöm knöi^higeü Theiltf 

tind ausi dem EmalL Der knöchigö iThöil^ bäl'tehi;! 

gleich den Kiioehert, im Ailgemeiüeti äüjl Jihö^pho^ 

faurer ürid kohlenfaurer Kälkdi'de^ Welchd durch 

(üne Art von Knorpel mit einaiider verbiiiideri find; 

das Email dagegen enthält blofs phosphorfaureKaik-i 

erdci durch Gallert an einander gekittete Nud 

wird, iiach Befgmaiiii, phosphörfäurc^ Kalk^rdö 

durch Flufsfsiure nidht !2erfetzt 1 köhlerilaüf e Kalk- 

lürde dagdgeil augenblicklich ^ incteiü fie ihre Bafi^ 

diefeiftnachtigerti Säure abti-ittt üad e^ bedarf eben*> 

falls kelrief jaiif tatifende i um deii Knorpel und ded 

Gallert aus den ÜebefJrefteii thierifcher Matetieii 

Verfchwinderi zu machen* 

Hätten vei'gleicheiideVei'füche über frifche Zäh- 
ne deffelben Thiersj ödef Wenigftens über Zähnei 
die ndch iti ihrem iiatörlioheiiZuftahde waten, dar- 
gethaiii dafs eine Vetmindex'Ung des Antheils aü 



. i 



C 4^5 1 

phosphorfaurer Kalk erde im fofülen Zahne Statt, ge^ 
habt habe» fo wäre es allerdings erlaubt und fehr 
natürlich) an eine Umwandlung der Phosphorfäure 
ZVL denken* Ehe man aber eine folcbe Annahme^ 
auch nur als Hypothefe yon entfernter Wahrfchein- 
Ijchkeit^ zulaHen kann» uiüfste es'ausgemacl^t feyn, 
da($ weder did koblenfaüre Kalkerde, noch der 
Knorpel I noch der Gallert feine Stelle der. flufs« 
jEauern Kalkerdd überlafCeit habe^ weil n^an fonft in 
Oefabr feyn dürfte» wahrfchei nli eher e Erklärungen 
tix finden } wenii man lie mehr in der* Nähe fuchte. 
Und weiin endlich die Umstände jener Vetmiithung. 
auch noch fo gdnftig wäreti^ fo möchte nian immer* 
hin behaupten» fie habe einige GrQnde für fich; m 
^ehlt aber auch dann noch feht viel daran i dafs* fid 
Hbthwendig fcjrj 

Voi'iilahls follte Bräutil^t^ih ein modificirtesEifeti. 
feyii \ Kobald und Nickel gab mau für Modificatib* 
nen eines vom andern ausj eben fo die Metällkalkd 
iiXt ModiBcatiohen eines vom ändern; tind fö moclK^ 
iicirte man alles, wovon man iich fcheute zu ga«» 
ftehen ^ däfs man e^ nicht kenne, 

£$ fcheint mix' im Allg^ineitieii gerathner zti 
feyn, ^ü geftehen» dafs die Zeit auf eine unä ünbe^ 
kannte Art wirke ^ als Umwandlungen anzüneh«» 
rnen,' Von denen wir nicht etwäS Analoges in un^ 
fern Beobachtungen finden. Nehmen wir grofs^ 
Zeiträume der Formation an^ fö läfst iich nicht JdL 
^brede feyn^ dafs der* Gang der Natur kein^Un-* 
terbrechurtgen leide. Er ^ft 2ü langfanl, als daft 



« • 

Ifct t{in9 im I^ortfchl^eiteri fichtbai* WArdd; üliti tiÄJp 

ihen wir hin und wieder Spüren deffelben wahn 

fo diebisH fie'nür^ uns tu Qh^tz^tigeny dafsfieztf 

fehr ins Gi*ofse gehn, als. dafs- wii* ihnen foJgei 

Icönnten. Det ungeheure verfteihertö JSauinftamnii 

den tnan ini kuffa^ftlicheil Kabinette 2u Dresdea 

findet, und vVo ein Wunder im Mirteiralreiche eiö 

Wunder Jiti Pflanzenreiche verewigt zu liaben 

fbheint^ — diefelr verfteinerte Stamm hat die Phv5* 

ker nicht vei-anlafst, ±}3i glaujjcu, dasHoli ffey inlhiö 

itt Steih Uirigewartdelt worden. Und doch hat i(iö 

Zeit in diefem Kötper jede Spur feines urfprüngli* 

ehen Zuftandes» bis auf die vegetabilifehe Structu^ 

▼etnithtet. - * 

Die Mettge.defferti wia^ die f^atür tinis verböt- 
jgen hält, und deffen, worüber fie uns Auffchluli 
gegeben hn^ läfsl Geh üi<^ht Vef gleichen 5 da eioe 
folcbe Vergleichung Jas als bekahnt voiraus feUM 
Würde, was es nicht ifh Wie fehf miifs aber nicht 
fchon der Ueberblick übet dasj was wir xu Wfffcn 
glauben, und über das ^ wovon wir wiffen , dafs 6i 
tins unbekannt ift, die Schaarrt verraindöi^n ^ iube* 
kenneUi dafs fie unterrichtetet fey als Wir; Es ift 
fchön ein gfofser Schritt j feine Schwäfche .einfchcni 
und nie verdient der Phyfiker mehr Achtung und 1 
tnehr Zutrauen j nie darf er mit meht-erm Rechte < 
«luf fein Willen ftok feyu ^ als wenn er bei Gegen- 
ftändenj die über feine Kenutuifs hinaus gehn, fagtj 
ich weifc es nichf, (figfiore.) 

Vit. 



tu^tm^mamäStt*^ 



C 497'] 



VII. 

ANTWORT 
an Herrn Cbenevrx, in Betreff fei- 
ner Bemerkungen^ veranlafs c durch ei- 
nen Auffatz des Dr. Weifs in der deut-^ 
fehen Ueberfetzüng von^Hauy^s ] 

Mi-nera iQgie, 

/ ■ 

' I vom 

geheimen Oberbergrath Karstsh 

in Berlin. 

X-^ie Bömerkuiigen, welche Herr Chenevix\iit 
Betreff d^r von mir heraus gegebenen deütfchen 
Ueberfetzüng von Hrn. H a u y ' s TraitS de Min^ra» 
logiey u. f.'w., (Gehe oben S. 455 f'>) bekannt ge- 
macht hat, . gehn theik Herrn Werner,- theils 
Herrn D. Weifs in Leipzig, theils mich felbft an. 
Ob und was jene beide Gelehrte darauf zu erwie* 
dem nöthig finden möchten, njufs ich ihnen felbfk 
überlaffen ; was mich hingegen betrifft, fo halte 
ich es für Pflicht , die von Herrn Chenevix auf- 
geworfenen Fragen zu beantworten. Ich fetze da- 
bei voraus, dafs Herr Chenevix bei feinem Auf- 
fatze nicht die Abficht gehabt haben kann, mich 
perfönlich beledigen zu wollen, fo fehr es auch iti 
diefer oder jener Stelle den- Anfchein dazu hat. 
Ich werde mich äffo blofs an die Sache lialten^ und 
üW ftaiititpunktii fo 'gedrängt als möglich ausheben. 



C 498 ] , ^ ^ 

und beaDtvtrort^a» damit ich nicht den Raum Cur in* 
tereffantere, dem Zwecke diefes Journals eigent- 
lich entfprechende AuffäUe befchränke. Auch 
%vird mich nichts als offene Wahrheitsliebe dabei 
leiten, weil alle übrige Rflcl\fichten, meiner Mei- 
nung nach, jener nachftehen muffen. Zur Sache, 

Herr Chenevix tadelt i. dafs ich dem Hrn, 
Weifs geftattet habe, feine dytjamifche Anficht 
der Lehre von der Kryftallifation . bei Gelegenheit 
diefer Ueberfetzung mit vorzutragen. Seit 15 Jah- 
ren habe ich mit fpeculativerPhiiofophie mich nicht 
jTiebr befchäftigt; ich kann alfo davon nicht urthei- 
len , ob die Atoinifeiker oder die Dynamiker Recht 
Jaaben^ Le^tztere verfprechen Probleme zu lofen, 
Reiche jenen nicht gelungen find, z. B. id der 
liChre von iler Zergliederung der Octaeder; war- 
oim follte iph, daher dem Publico die Gelegenheit 
entziehen, beide Darftellungsarten mit einander 
vergleichen zu können? Wäre Herrn Hauy*s 
Anficht dadurch verftellt, oder fein Vortrag nur ir- 
gend untefbroch ein worden, fo würde ich mich dazu 
nicht verftanden haben. Dies ift abtjr nicht gefchc 
hen, vielmehr ift jener. Auffatz dem räfonnirenden 
,Theile des y^Traüe" ganz^ ifolirt angehängt. Wenn 
daher Herr Chenevix auch meiner, hierbei in 
Anfehung der in Deutfchland jetzt hcrrfchenden 
Hauptmethode der Pliilofopbie , dadurch bewiefe- 
oen UnparceUickkeit eine andere Deutung giebt, 
fo mwf^ i<^h doch darauf beharren, dafs.i^ie^ju ße- 
.ruf es nicht zuläfsj;, mich in di^» fpocujalive Philo* 



•' .. " ' .y 



L 499 ] • 

fopilie felbft hineih zu ftadireH) und dafs es daher 
«nmafsend gewefen feyn würde, wenn ich der ei- 
lten oder andern Lehre dabei apodictifcb das Wort 
hätte reden wollen. 

Q. Ift Herr Chenevix Überhaupt damit unzu- 
frieden, dafs ich die Herausgabe des Werlcs nicht 
allein unterjfionimen habe. Ich finde darin nichts 
tadelnswerthes. Die Beifpiele der Buchmacherei 
aus eigennützigen Abfichten, welche Herr Che-' 
nevix fehr weitläufig beibringt, paffen hifer gar 
nicht, wie jeder weifs, dem ich das Olück babö 
jfeK^3nlich bekannt zu feyn. Bei den Wiederhohlten 
Anträgen der Herausgabe einer deutfchen Ueber- 
fetzung des Tratte, gab ich endlich befonder^ defs- 
'haibnach, Aveil ich tnir eine wahre Freude daraus 
machte, zur Verbreitung eines fo klaflifchen Wer» 
kes auf deutfchem Boden, das tneinige mit beitra» 
gisn tu können. .Indeffen erlaubte meine damahliga 
Lage nicht, es auders als unter der Bedingung, dafs 
fich ein anderer Gelehrter des mechanifchen Theils 
der Acbeit unterzöge, 2u flbernehmen, und gegen 
dergleichen Affociationen hat zeither niemand, et- 
was eingewendet. 

Jetzt kann und mufs ich es aber bei diefer Ge- 
legenheit erklären, dafs ich auch damahls die Hoff- 
nung hegte: ich würde ällmählig den Wiffenfchaften 
mehr leben Können, und von officiellen Arbeiten 
befreiet werden. Meine Hoffnung ift leider uner- 
füllt geblieben , und icli werde mehr als je von dem 
^beharrlichen Studio der Kryftallographie ahgehal- 

11 2 



,/ 



ten. Herr Cbene^ix ift in der glOckficKen Lage 
der Unabhängigkeit, und bat vielleicht von denVti' 
fehl keinen Begriff, durch welche ich'- gebunden 
bin. Aber leider fteht es nicht ia meiner Macht, 
fie zu löfen, fondern ich muk mii;h deufelben un- 
ter werfen. 

3. Zeigt Herr Chenevix einige Druckfeh- 
ler an, die aus dem Original mit in die Ueberfet- 
ziing übergetragen find. ,Ich weifsJhm dafui-, i/n^ 
Namen des Pubücums, aufrichtigen Dank, upd 
werde mich doppelt verpflichtet fühlen , wenn er, 
aufser den Druckfehlern j, die nopb im öt^en Bands 
der Ueberfetzung vom erften durch mich, fchon an- 
gezeigt find, alle diejenigen mlttheilt, welchaihm, 
bei dem genauem Studio des Werks, wo^u er fei^ne 
glilckliche Mufse j vielleicht unter den. Augen, djes 
Verfaffers felbft, trefflich, verwendet hat, aufge- 
ftofsrn feytt mochteti. Sollte Herr Ghenevix 
ciie Güfe haben, mir folche felbft zu öberfenden, 
fo würde ich fie bei Publicirung der noch fehlenden 
Theiie der deutfchen Ueberfetzung mit abdrucken 
laffen. 

Wenn Herr Chenevix aber vermuthet, dafs 
ich die Proportion , S. 339 des Originals im er- 
ften Bande: 

« V" 39 : >r 3 
nicht verftanden hätte, weil ich fie gleichlautend 
hätte mit abdrucken laffen, fö geht er zu weit in 
feiner Behauptung. Ich habe die Unrichtigkeit des 



4ten QliedbM in obiger Proportion, defshalh nicht Ve» 
nierkt, weil ich diq Rechnuog //i Zö/iM/z gar nipKt 
angeftellt, fonderh mich auf die übrigens anerkann». 
te grofse Genauigkeit des Herrn Verfaffers hier 
\rie überall verlaffen babe. Jetzt habe ich mich al- 
lerdings dur/3h eigne Rechnung davon i\bei:zcugt, 
dafs durch Subftituirung der Werthe von nz=^ 4^-^ 
q^;" ==: 9.; und g* ==: 3 in Zahlen, dqs richtig^Re- 
Mtat J^ 3g : I fey , woraus fich denn auch für den 
Nejgunsswinkel ein anderes Refultaterncbenmijs. 

4. pcütet Herr C Ijiep^ev ix meine Aeufserung 
iß Betreff der formes primitives VLpxic]^ig. Es ver* 
fteht fiph von felbft, dafs diefe niemahls blofs a prio^ 
iji durch, den Calpul ajufgefunden werden kann, fon- 
dern dafs Beobachtungen voran geh qn niüfCen, wel- 
che, die Dat^ ^um Calcul liefern. Ich fetzte dies 
^ou trouv^e^ pur /f calcul^^ dem ^ydonnees pnr 
'ladivifwn.tp^canique^'' defshalb entgegen^ weil bei 
gcwifler^ Mineralien , z. B. beim Flufsfpatliy die 
Auffindung d^r forme primitive j^c\i fchon- ganz al^ 
lein^durcH djLgi.piecJi^injJche Opefatign ergiebt, bei 
pudern aber, z. ß. Rothgültigerz, dies nicht der 
l^all iXt,* vielmehr der Calcul zu Hülfe genommen 
werden znuis, Diefer Mifsverftaud rührt alfo ver- 
xnutblich nur' davon her, dafs iph mich etwas zu 
kurz ausgedruckt ha^t^j 

5. Findet Herr Chenevi,x in lyiQijpex: An- 
tnerkung t^bcr die fubtractiven Moleculs' eine Un- 
richtigkeit. Icl^ habe die dahin gehörigen Seiten 
des Originals defshalU nophmahls forgfältig gelcfenj 
kann mich aber auch jetzt davon noch nicht über- 



i 504 ] 



vin. 

AUSZUG 
aus einem Briefe an den Herau^sgebert 

vom H^rrm C^mmiffiönsrath BussB, PrO" 
/€jf6r der Math, uad Phyfik. 

Freiberg: den 3ten Aug. TgoS. \ 

Ich bin fa eben in einer neuen Unterfuchnng über 
iiie Elaßicuät und Härte, (eigentlich Weichheit,) 
des WaJJers begriffen , die mir morgen oder^ über- 
morgen , da ich zum AbfdilulTe kommen werde, 
allem Anfchein nach über den Härtegang' des Waf- 
iVrs Gefetze liefern wird , die von den bisher ge- 
fundenen felir verfcliieden find. *) 

Ueber die Gröfse und den Gang diefer Harte 
etwas gewifs zu werden, war mir nothwend^ für 

♦) „Hätte man es glauben Collen," (fcbreibt mir diefer 
vortreffliche Mathematiker in einem' andern Brie- 
fe,) „ dafs in dem fo oft citirten Buche , Zimmer- 
mann über die ElafticitUt des fVaJJers^ fo durcliaus 
falfch und unmatheniatifch gefchloffen fey, als Sie 
i;iächrtens aus meiner Beurtheilung feiner Verfuche 
CS feilen werden. — — Carnot hat mir fehr 
verbindlich und freundfchaftlich geantwortet. Es 
>• - fey ihm lieb, zu fehen, dafs ich in de^ Hauptfache 
mit ihm überein ftimme, dafs die Lehre des Nea;^ 
tiyen einer Verbefferung bedürfe; übrigens mache 
er nicht die Prätenfion, geraxle die hefte Verbefle- 
rung gefunden zu haben, — - — " d^ H* 



[ -5o5 ] 

die Theorie des hydraulifchen SioßheberSy wofftr 
ich doch etwas niehr, als bisher von andern darge- 
ftelltift, bereits denke gefunden zu haben. Von 
unferm verehrten Freunde Eytelwein und ei- 
nem andern mir fehr verehrungswürdigen Orte 
wurde ich dazu aufgefordert; und diefe Aufforde- 
rungen waren mir zu wcrth > als tlafs ich nicht an* 
derweitige angefangene Arbeiten, obgleich , übri« 
gens ungern, durch die fchwierige Unterfuchung 
des Stofshebers, unterbrochen hätte. 

y 

Einige für diefe fonderbare Mafchine nothwen- 
dige neue Lehrfätze der hohem Mechanik liefsen 
fich fo glücklich entwickeln , dafs mir die unter* 
fuchung gleich anfangs recht angenehm wurde; na* 
inentlich die Lehre für den Stofs mit WiderßanÜ 
;^uf$er der blofsen Trägheit der ftofsenden und ge«» 
ftbfsenen Maffen ; ferner für die Dauer des StofseSf 
in fo fern fie vou de/n Härtegrade, (Weichheitsgra* 
i^^f des Waffers abhängig Ift, für den fich auch ein 
durchaus fchioklicher Maafsftab wählen liefs, an*^ 
ders als von Euler, den ich übrigens hierin fehr 
benutzen konnte. Er hat auch hier die erfte Bahn 
gebrochen, und für feine eingefchränkte Abficbt 
richtig. Wenn man aber weitere Anwendungen ma* 
chen wiU, fö mufs man feinen Maafsftab ändern» 
fonft werden die Folgerungen wenigftens fehr unzu* 
verläffig, wie es meines Erachtens bei einigen von 
Karften und Ide der Fall ift. 

Au« der Theorie des Stofshebers, fo weit ich 
fie bis jetzt vor mir habe, fdieint fich zu ergeben,' 

Annal. d. Pby/Ik. B. 2b. St. 4. J. 1805. St. 8* K k ' 



' t 506 1 

\ V 

dafs man. mit tüefer Mäfchine eine wefentliche Ab- 
ändetung vornehmei;i niufs, wenn fie auch im Gro- 
iäen einen hohen Wirkungsgrad erreichen foll, näm- 
lich wo man viel Waffer durch eine Mafchine oder 
«uch yvenig Waffer JeliT hoch heben will. Gerade 
«las Wunderbare der MontgolfierTcheh Mafchin^n 
£ällt durch .meine Abänderung weg. Aber für die 

» Praxis ift das. Nützliche mehr werth, als das Wun- 

* 
dcrbare. Für die Erweiterung der Theorieen ift es 

umgekehrt ; und dazu dürfte M.ontgolfier's Er- 
findung viel Veranlaffang geben. Ueberdies ift 
auch ihr Wund^bares febr angenehm und fehr un- 
fchadlich^ wo fie nicht ins Grofse wirken folL 

Des Herrn geh. Oberbauraths Eytelwein 
'Bemerkungen vnd V^ejfuche über die Wirkung und 
vortheilhctfte Ani^enduug des S^ofshebers^ Berlin 
^805 » finde ich fo lehrreich uird zweckmäfsig, als 
«s von diefem fcharffinnigen , gewandten und zu- 
▼erläffigen Mathematiker im voraus zu erwarten 
war, und bei feinen überhäuften' Am tsgefcbäften 
die gröfste Bewunderung verdient. Nach feinem 
Wunfche fing ich die Theorie fchon an, ehfe er fei- 
ne Verfuche mir mittheilen konnte. Was ich bis 
dahin gefunden habe, kann fo gut als, alles beibe- 
halten werden. Aber durch feine Verfuche fah ich 
mich veranlafst, die Theorie etwas mehr ins Feine 
zu. treiben,. Zuc völligen Beftimmtheit in Berech- 
nung des Effectes und Anordnung der vortheilhaf* 
teften Einrichtung bin ich bei weitem nicht^ekom* 
mtaj wair^ber auch von Aiifang an nicht Willen^ 



C 507 3 

es darauf fohon anzulegen, ehe idi feibft eine Ma* 
fchine im Grofse» vor Augen hätte; und bis jetzt 
habe ich noch nicht einrdahl ein Modell davon 

gefehen. ' • 

' ■' ■ ' I 

Den 27ften,Jul. entfchlief unfer Hr* Berghaupt* 
mann von Chnrpentie^r, nachdem er den Tag 
vorher vom Schlage gerührt war. Als ich ihn be* 
fuchte, wurde inir, dafs keine Hoffnung übrig fey^ 
zieinlich laut und nahe an feiAem Krankenbette un*^ 
ter der Vorausfetzung mitgetheilt, dafs er bereits 
alles Bewufstfeyn verloren habe, und nichts mehr 
vernehmen könne. Ich vermuthete, Rachel em ich 
feine Gelichtszüge einige Minuten beobachtet hatte» 
das Gegentheil; ervviederte daher > dafs ich felbft ia 
meiner vorjährigen Krankheit fchon ungleich mehr 
Entkräftet gewefen fey, und fügte, einige ßeifpielt 
von andern ihm ähnlich Vom Schlage gerührten 
Perfonen hinzu, die nachher noch mehrere Jahre 

I 

fehr ^aunter und thätig lebten, insbefondere ein ge- 
wiffer Amtmann im Döffauifchen. Es zeigte fleh 
nachher eine fchickliche Gelegenheit, diefes Bei-^ 
fpiel zu wiederhohlen. Bald darauf bemühte er 
fich , fprechen zu wollen. Es w^r unverftändlich, 
und feine Fräulein Tochter wufste fogleich dem un- 
angenehmen Gefühle, welches eine wiederhohlte 
vergebliche Anftrengung für ihn hätte haben muf- 
fen, durch die Frage vorzubeugen, ob er wiffe, 
dafs ich da fey. Diejes konnte er durch ein blofses 
Kopfnicken bejahen; und fo that er es auch. Ich 



t 508 3 

ßifste feine Hand, er dr tickte die meinige, ysnCi 
fmgte nun , dem Fräulein nnd mir verftändlich : 
wie hiefs der Amtmanni Dies blieben aber auch die 
letzten* Worte , die er gefpirochen hat« 

Ich verliere an ihm einen wiGTenfchaftlichen 
Freund, den ich fehr vermilTen werde. Er hatte 
X einen ftets regen, offenen Sinn far jedes Fortfchrei* 
ten der Wiffenfchaften , wufste aber auch durch 
freffende Sarkasmen die jetzigen Auswüchfe einer 
feyn Tollenden WifTenfchaft gehörig zu^ würdigen, 
und den Ekel, welchen fie» fo lange pian fie ernft- 
Haft betrachten will, verurfachen müden, bald ge- 
nug in Lachen zu verwandeln. Die Natur hatte 
Ihn mit vielen bewnndemswüroigen Talenten ber 
fchenkt, namentlich auch mit einem äufserft leifen^ 
richtigen Verftehen einer jeden Jhm mitgetheilt^n 
Aeufserung, auch über folche Verhältnifte feiner 
Freunde, die weit feiner und verwickelter Hs die. 
Wiffenfchaftlichen find. 

Unler Herr Bergfath Werner ift zwar nocU 
tiicht völlig hergeftellt, aber fchon feit einigen Wo- 
chen ift meitie Beforgnifs gehqben, dafs ich auch 
ihn verlieren möchte. Auch einer von den weni- 
gen Männern, mit denen ich, nunmehr felbft fchon 
ein hoher Vierziger, und an Welterfahrung ziem- 
lich alt, dennoch in fehr kurzer Zeit fo bekannt 
wurde, als ob wir fchon in unfrer Jugend einander 
Freunde gewefen wären. 




gui,-i,d.n.dnyf, i 



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